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Januar 1, 2014

Hörnleins (etwas anderer) Rückblick auf das Jahr 2013: Die große Leere

von @ 4:23. Kategorien: Odenwald

Südhessen (pdh) Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2013 in einem fiktiven südlichen Landkreis eines Bundeslandes zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden.

 

Leere Worte: Unser aufsässiger Mini-Südkreis fällt immer mal wieder durch Eigentümlichkeiten auf. Ein kleiner Solarpark sollte auf einem Gelände im Wald, aber auf möglicherweise belastetem Boden errichtet werden. Zur Begutachtung wurden Fachleute vom Bund für Umwelt- und Naturschutz angefordert. Als die BUND-Experten eintrafen, standen sie vor vollendeten Tatsachen, der Boden war bereits geebnet und die Solaranlagen errichtet. So macht man das im Süden.

 

Leere Köpfe: Ein bedauerlicher Vorfall ist aus dem Kreistag unseres kleinen Kreises zu vermelden. Beim langsamen Rückwärtsgang vor dem Landrat in gebückter Haltung ist ein selbsternannter “Journalist” einer Tageszeitung, die im östlich angrenzenden Bundesland erscheint, auf seiner eigenen Schleimspur ausgerutscht. Ermittlungen ergaben kurz darauf, dass es sich auch um die Parallelspur des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag gehandelt haben konnte, die zum Unfall führte. Beide haben daraufhin beschlossen, sich der Gefahr des Ausrutschens nicht weiter auszusetzen, und in Zukunft gleich auf Knien rückwärts vor dem Landrat zu rutschen.

 

Leere Taschen: Die Mediengewerkschaften ver.di und djv haben Journalisten in mehreren Bundesländern Anfang Oktober 2013 zu einem Warnstreik aufgerufen. Grund waren schleppende Verhandlungen über neue Tarifverträge und der Trend vieler Verlagshäuser, Tarifflucht zu begehen. In der Tat stocken die Verhandlungen noch heute. Speziell hessische Verleger stehen in dem Ruf, an ihren Mitarbeitern zu sparen und sich noch nicht einmal an bereits ausgehandelte gesetzliche Texthonorar-Mindestsätze zu halten.

 

Leere Drohung: So kam es auch vor dem Verlagsgebäude des Mutterblattes unserer kleinen Provinzausgabe in der Wissenschaftsstadt zu einer Arbeitsniederlegung und einem Warnstreik, an dem etwa 40 Redakteurinnen und Redakteure teilnahmen. Sogar die Mitarbeiter der Außenredaktion in unserer Kreisstadt beteiligten sich maßgeblich an dem Warnstreik und schalteten eine ganze Stunde lang ihre Computer aus. Schade nur, dass diese einschneidende Maßnahme niemandem aufgefallen ist. Die nächste Ausgabe sah so aus wie immer…

 

Leeres Schloss: Die Kreisstadt ist glücklicher Betreiber eines Schlosses, das mit vielen Millionen Euro, darunter Landesunterstützung, dem Grafen abgekauft worden war, weil es viele (zum großen Teil geklaute) Kunstschätze beherbergen soll. Der überhöhte Kaufpreis (der Deal meines Lebens, so damals der Graf) war mit der Begründung gezahlt worden, das Juwel inmitten der Kreisstadt werde jährlich bis zu 100.000 zahlende Besucher anziehen. Denkste, es sind heuer nicht einmal mehr 20.000, Tendenz steil abwärts. Jetzt haben die schwarzen Stadtpolitiker rote Köpfe, denn Sponsoren sind nicht in Sicht, um sich märchenhafte Renditeschwärmereien anzuhören. Bereits im Oktober waren die zur Verfügung stehenden Mittel völlig aufgebraucht.

 

Leere Büros: Wenn das nur das größte Problem der Kreisstadt wäre, deren Geschicke von einem ehemaligen Pastor gelenkt werden. Schwarz ist er geblieben, aber christlich? Im Rahmen einer Landkreis-Affäre um einen verdächtigen Plan, EU-Fördergelder in sechsstelliger Euro-Höhe in die falschen Taschen zu leiten, was die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief, wurden auch Namen einiger Bürgermeister genannt. Darunter auch seiner. Außerhalb seines Aufgabengebiets war er zusammen mit dem Landrat als sehr dubioser Akquisiteur einer Werbeagentur unterwegs, auf deren Konten die o.g. Gelder landen sollten.

 

Leere Kassen: Zu allem Überfluss werden seit Jahren nicht nur seine Wahlkämpfe von dieser Affären-geplagten Agentur kreiert, nein er lässt sich auch noch von dem recht guten Grafiker, mittelmäßigem Fotografen, ausgestattet mit einer eher stark unterentwickelten Sozialkompetenz coachen. Richtig gelesen, eben dieser berät neben ihm noch einen weiteren Bürgermeister-Kollegenim Westen des Kreises und den Landrat ausgerechnet in Fragen des Auftritts, Selbstdarstellung und Persönlichkeitsfindung. Diese Verbindung wird in diesen Monaten nicht nur durch die Presse auch auf andere Auffälligkeiten hin untersucht. Denn auch sämtliche werblichen Aufträge der Kreisstadt und anderer Gemeinden landeten angeblich ausschreibungslos bei dieser Agentur, notfalls eben gestückelt. Auch ein sehr bekanntes Museum der Kreisstadt soll die Auftragsstückelung bis zur Perfektion beherrschen.

 

Leere Taschen: Wir befinden uns im Jahre 2013 n.Chr. Ganz Hessen wird von klugen Politikern regiert… Ganz Hessen? Nein! Ein von unbeugsamen Hinterwäldlern bevölkerter Landkreis hört nicht auf, dem klaren Menschenstand Widerstand zu leisten. Im äußersten Südosten des Bundeslandes gibt es diesen kleinen Landkreis, der hat ziemlich dappische Typen in den Kreistag geschickt. Und der hatte zum ersten mal in seiner Geschichte einen Akteneinsichtsausschuss (AEA) etablieren müssen. Zur Vorbereitung der ersten Sitzung wurde allen Fraktionsvorsitzenden aus dem Landratsamt äußerst belastendes Dokumentenmaterial gemailt. In der Sitzung wurde es nicht mit einem Wort einzigen Wort erwähnt.

 

Leere Mappen: Und wie kam das? Grüne: Haben die Mail nach Rückkehr aus dem Urlaub übersehen. SPD: Ausgerechnet der Vorsitzende des AEA hat die Mail bekommen und vor seinen SPD-Parteikollegen, dem Ersten Kreisbeigeordneten und dem Kreistagsvorsitzenden geheimgehalten. CDU: Fraktionsvorsitzender hat sie entgegen ersten Vermutungen nicht geheimgehalten sondern den beiden CDU-Teilnehmern am AEA zur Vorbereitung gesendet. Einer hatte die Anlagen versehentlich nicht geöffnet und erst sechs Wochen später seinen Fauxpas erkannt, dem anderen passte das Thema nicht. LINKE: Fraktionsvorsitzender hat die Mail nicht weitergegeben und nicht drüber gesprochen. FDP: Fraktionsvorsitzender war nicht zu erreichen. ÜWG: brauchte die Presse nicht zu fragen, die beantwortet ihr keine Frage. Kein Wunder, dass der Landrat nach der Sitzung frohlockte und sich für gerettet hielt, weil alle Parteien die höchst belastenden Dokumente in Besitz hatten und kein einziger Politiker die Unterlagen auch nur erwähnt hatte.

 

Leere Fauna: Fazit: Diese Herrschaften sollten aus der Politik ausscheiden und lieber Hamster züchten. Oder doch besser nicht, denn sonst gibt es bald keine Hamster mehr.

 

Inhaltsleere Seiten: Zurzeit gibt es im kleinen Südkreis noch diese tragikomische Tageszeitung, niemand weiß, warum und wie lange noch. Mehr oder weniger liebevoll wurde das Pamphlet mal als Mitmachzeitung, mal als Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine bezeichnet. Bis vor wenigen Jahren noch konnte man sich in dem Blatt über Vorkommnisse im kleinen Kreis informieren, es gab kritische Berichte und gelegentlich sogar einen bissigen Kommentar des Lokalchefs.

 

Keine Leere: Derartige Information hielt die Zeitung zuletzt nur noch für ihre Leser bereit, wenn sich die personell sehr starke, inhaltlich aber äußerst schwache Redaktion gar nicht mehr wehren, diese kolportierte Aussage nicht gehalten werden konnte: “Hören Sie mal, wir sind das offizielle Mitteilungsblatt des Kreises und der Kreisstadt, das bringt uns Einnahmen. Diese werden wir uns nicht durch kritische Berichterstattung über den Kreis, dessen Politiker oder Landrat gefährden”. Jetzt haben sie sich sogar, vielleicht genau durch diese Haltung, ihre Existenz gefährdet. Eine große Lücke wird ggf. nicht gerissen.

 

Leere Blicke: In früheren Jahresrückblicken auf den fiktiven Landkreis im Süden Hessens war dieses seltsame Printobjekt häufig Gegenstand unserer Betrachtungen. Aus Gründen der Pietät versagen wir uns weitere Bemerkungen zu dem inzwischen absolut überflüssigen Objekt. Möge es in Kürze in Frieden…..

 

Lehre daraus: Aktuelle Nachmeldung: Entgegen unserer Absicht, dem obskuren Printobjekt keine Zeile mehr zu widmen, müssen wir doch noch einmal ran. Als hätte man unser Lachen in der 33 Kilometer entfernten Wissenschaftsstadt gehört, wurde dort im Stammhaus des Blattes in der Chefredaktion eine einschneidende Entscheidung gefällt: Die Berichterstattung über die Landrats-Affäre wird der Kreisredaktion wegen erwiesener Unwillig- und Unfähigkeit verboten bzw. weggenommen. Ab sofort berichten richtige Journalisten über den Fall, der immer größere Dimensionen annimmt.

 

Leere Hoffnung: Da freut man sich direkt, wenn Polizei und Justiz im Landratsamt mal andere Leute im Visier haben. Zum Beispiel im Ausländeramt. Dort wurden Aufenthaltsgenehmigungen von einem Mitarbeiter illegal verkauft. Also mal nicht der Landrat, zum Glück. Pech gehabt, er war wieder dabei, diesmal als Tippgeber über eine bevorstehenden Razzia. Er musste wegen Geheimnisverrat eine Geldstrafe berappen.

 

Mitte Dezember steht wieder diese Behörde im Fokus von möglichen Ermittlungen, jetzt geht’s um Integrationskurse und Kanalisierung der Zwangsabsolventen in Richtung eines einzigen Instituts. Ob da auch wieder….ach, lassen wir das.

 

Leere Kreiskasse: Jetzt mal ein völlig unpolitisches Thema: Windkraft. Der Wind gehört keinem und jedem, und die Politik muss ihn sich um die Ohren wehen lassen, ohne absahnen zu können. Mein Gott, welch dämliche Auffassung. Soweit hinterm Mond leben ja noch nicht einmal die Bewohner unseres kleinen Kreises, um nicht zu wissen, dass man mit Wind Geld verdienen kann. Man muss nur wissen, welches die Vorrangflächen werden, am besten bastelt man sich den dazugehörigen Flächennutzungsplan gleich selbst, noch besser, man lässt den Kreis, sprich die Bürger, den Plan auch noch bezahlen. Alles in allem mit über einer Million Euro. Wer macht denn sowas? Ach, lassen wir das.

 

Leere Versprechungen: Dann hat man im besten Fall ein paar Windräder stehen. Viel Lärm machen sie nicht, denn der ganze Kreis gilt als windarm. Richtig gehört. Das erste und deutlich beste Areal, windmäßig gesehen, ist schon mit Rädern besetzt und produziert kräftige Minusbeträge. Die neu ausgewiesenen Flächen sind nicht so ergiebig wie das erste. O Mann. Daher gibt es auch keine Pläne für Stromleitungen, die ja eigentlich den Strom von den Anlagen irgendwohin transportieren müssten. Ist aber nicht nötig, Subventionen fließen reichlich an den Windradbetreiber und an den Flächeneigentümer auch ohne Stromleitungen. Na denn. Wer ist denn jetzt beteiligt an diesen….ach lassen wir das!

Leere Warnung: Jetzt haben wir die Begründung, warum es im Tourismus im kleinen Südzipfel nicht so recht läuft. Es liegt nicht etwa an noch sehr ausbaufähigen Konzepten und der fast unsichtbaren Werbung. Weit gefehlt. Es liegt auch nicht an den gegeneinander arbeitenden Interessenvertretungen, auch nicht am Misstrauen der Gemeinden untereinander. Nein, der Grund ist woanders zu suchen: Eine Studie stellt fest, dass die Rotoren die Urlauber möglicherweise abschrecken. Darauf hat der Arbeitskreis Alternative Energien den Landrat und die Bürgermeister der Kreiskommunen aufmerksam gemacht. Ob da die richtigen Ansprechpartner gefunden wurden? Ach..
Leere Phrasen: Bündnis 90 / Die Grünen leiden weiter an ihrem Luxusproblem, das wir bereits in unseren “Spitzen” des Jahres 2010 beschrieben haben. Die letzte Kommunalwahl hat ihnen einen ungeahnten Stimmenzuwachs beschert, den die frühere Alternativ-Partei personell bedienen musste. Soll heißen: Es saßen plötzlich mehr grüne Abgeordnete in den Parlamenten als geahnt und vorgesehen. Auch in unserem fiktiven Zipfel. Leider gilt in diesen Kreisen noch immer der Gründerzeit-Dilettantismus als chic. Lieber eine Demo mehr besuchen als ein Rhetorik-Seminar. Und entsprechend hören sich dann auch die Debattenbeiträge der grünen Abgeordneten an. Wollen wir in unserem aufständischen Südkreis nicht wirklich einmal die Grünen zu solche Kursen schicken, damit man mit geschlossenen Augen an den Beiträgen im Kreistag nicht immer gleich die Parteifarbe der Redner erkennt?

Leere Backen: .und hier unser Dauerbrenner: die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille “Kreis regional” wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich nach wie vor um eine Selbstverherrlichung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie seit Jahren penetrant selbst. Alle Eigenbetriebe dürfen jetzt wöchentlich mal kräftig die Backen aufblasen. Die Beilage war ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipiert, jetzt nutzt es der Kreis zu eigenen Zwecken. Eigenwerbung finanziert aus öffentlichen Mitteln auf Kosten der Steuerzahler, das ist ja auch extrem verlockend. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche periodische Pamphlet jährlich weit mehr als 120.000 Euro. Zusammen mit den Kosten für den unnötigen Ersten Kreisbeigeordneten schlagen unnötige Ausgaben im Kreis mit etwa einer viertel Million Euro zu Buche, beziehungsweise dem Bürger auf den Magen.

 

Leerer Schreibtisch: Kommen wir zu dem fiktiven Landrat unseres virtuellen Südkreises, auch genannt “Die Unschuld vom Lande”. Der hat sich nach häufigem eigenen Bekunden niemals etwas zuschulden kommen lassen. Dennoch durchsuchten Staatsanwaltschaft und Polizei gleich mehrmals seine Amtsräume und einmal auch sein Privathaus bis hin zum Schlafzimmer. Und man beschlagnahmte sein Handy, seine PCs und Laptops. Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, da halten wir uns vornehm zurück. Nach Ansicht des Landrats (mein Name ist Hase) hat er in der Vergangenheit immer alles richtig und nichts falsch gemacht. Er schwebt also auf seiner Wolke der Unschuldsvermutung. Daher heißt es auch schwebendes Verfahren…

 

Leere Flure: Seine Mitarbeiter hingegen schweben im Ungewissen, zumal die Landunschuld als jähzornig, halsstarrig, cholerisch, aufbrausend, beratungsresistent und unberechenbar beschrieben wird. Kein Wunder also, dass alle Beschuldigungen gegen ihn gegenüber der Presse und den Strafverfolgungsbehörden dem Vernehmen nach ausschließlich aus den eigenen Ämtern kamen.

 

Worte des Vorsitzenden Dietrich:

 

1) Wir brauchen von dieser Sitzung kein Protokoll anzufertigen, morgen können wir den Inhalt unserer Besprechungen wohl wieder im Internet lesen.

 

2) Ich bin mir keiner Schuld bewusst

 

3) Man hat mir mein Handy, meine Computer und Laptop beschlagnahmt. Nun wird das Breitbandprojekt und meine politische Arbeit darunter leiden

 

4) Auch wenn ich angeklagt werde, bin ich noch lange nicht verurteilt

 

5) Jetzt hat er endlich sein Foto in der Zeitung

 

6) Wenn die Heckenschützen endlich aufhören meine Arbeit zu torpedieren, kann wieder vernünftig gearbeitet werden.

 

Leere Kreisstadt: Wenige Tage vor Heiligabend kam ein bedenkenswerter Vorschlag aus der politischen Szene der Kreisstadt folgenden Inhalts: “Wie wär’s?: mache mer’s em Putin nach – Weihnachtsamnes(t)ie für Herrn Landrat Hase?”

Eine sofort einberufene Sitzung des Ältestenrats förderte folgendes Stimmungsbild zutage: Grundsätzlich einverstanden, auch für den umtriebigen Nachbarn, aber eine Bedingung, wie bei Chodorkowski: Sofortige Ausreise in ein Land eigtener Wahl, in jedem Fall aber weit weg.

 

Leere: Traurig, aber wahr. Die Politiker fast aller im Kreistag vertretenen Parteien haben nach den ersten Presseveröffentlichungen durch eigene Recherchen und Parteiinformationen ein fast lückenloses Bild der Vorgänge um den Landrat erhalten und beteiligen sich kräftig an der Weitergabe dieser Informationen an Presse und Ermittlungsbehörden. Aber nur hintenrum. Wenn Kollegen oder Funktionsträger in der Nähe sind, halten sie brav den Mund oder geben sogar noch das Gegenteil ihrer Erkenntnisse zu Gehör, so auch im Kreistag. So wichtig auch für die Presse korrekte Informationen sind, so wenig Achtung empfindet sie vor derart feigen Gesellen. Diese wünschen sich dringend eine Veränderung an der politischen Kreisspitze, aber richten sollen es andere…

 

Leere Hülle: Der vorherige Landrat des virtuellen Kleinkreises im Süden des inzwischen schwarzgrün (wie lange noch?) regierten Bundeslandes, dem inzwischen von vielen Schattierungen, außer der schwarzen, heftig nachgetrauert wird, hatte ein Hobby. Ein historischer, nicht besonders schöner Bauernhof im äußersten Westen des Kreises, sollte zum Museums- und Lehranwesen ausgebaut und ein Besuchermagnet werden. Das Schloss der Kreisstadt lässt grüßen. Fachleute verschiedener Sparten zerbrachen sich jahrelang ehrenamtlich ihre Köpfe über beste Ausgestaltung. Bis der Bürgermeister der westlichsten Kreisgemeinde das Werbeagentur-Patenkind (oben bereits erwähnt) des Landrats mit übernehmen und alimentieren musste oder sogar wollte. Dieser “Experte” schaffte es binnen Wochen, die ehrenamtlichen Idealisten mit dümmsten Sprüchen zu vergraulen und statt ehrenamtlicher Expertisen plötzlich kostenpflichtige aber dennoch völlig unsinnige und undurchführbare Konzepte vorzulegen, alles unter den Augen des Bürgermeisters. Sie konnten mangels Sinn nicht umgesetzt werden, kosteten dafür aber gnädigerweise nur noch 24.000 statt angesetzter 45.000 Euro. Ein Umstand, den der Bürgermeister heute noch verheimlicht, denn wie soll er diesen Skandal den heimischen ehrenamtlichen Idealisten erklären?

 

Leere Drohung: Ein Aufmerksamkeits-Defizit konstatierte anscheinend mindestens ein Schüler der Gesamtschule in der westlichsten Kreisgemeinde. Daher drohte er mal eben Anfang Dezember einen Amoklauf für den letzten Schultag vor Weihnachten an. Lehrer, Eltern und Schüler blieben gefasst und absolvierten den letzten Schultag mit Langmut. Zur Sicherheit war die Polizei am Morgen vor Ort im Einsatz. Merke: Es ist nicht immer von Nachteil, wenn die Aufmerksam der Öffentlichkeit nicht wie in Amerika auf Lehranstalten ruht.

 

Leere Hallen: Es kommt dicke mit dem Kommunalen Schutzschirm, besonders für Sportvereine, die sich mit stark steigenden Hallenmieten konfrontiert sehen. Man rechnet mit einer Verdoppelung der Mietkosten, irgendwie verband der Bürger mit dem Begriff Schutzschirm eine positive Wirkung. Wie man sich täuschen kann. Getäuscht haben sich auch die Haushälter des kleinen fiktiven Südkreises, als sie die Etatentwürfe für ihren Doppelhaushalt 2014/2015 beim Regierungspräsidium einreichten. Dieser schlug ihnen ihre Entwürfe um die Ohren, fehlten doch glatt zehn Millionen Euro. Jetzt müssen sie nachsitzen und irgendwo zehn Millionen für zwei Jahre herholen. Wo sollen die herkommen? Was wäre denn damit: Jeder Nutznießer zahlt zukünftig seine Flächennutzungspläne selbst.

 

Prosit Neujahr!

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Postskriptum:

Wieder einmal toppt der Odenwaldkreis alles. Er ist eben einsame Spitze, wie schon der letzte Landrat Horst Schnur gern verdeutlichte. Selbst die Berge im Odenwaldkreis sind höher als die Alpen, sie stecken nur tiefer im Boden, verkündete er gern.

Kreistagsvorsitzender Rüdiger Holschuh und Landrat Dietrich Kübler versandten über das Landratsamt ihre Neujahrsbotschaft für den Jahreswechsel 2013/2014. Darin befinden sich Sätze, die die Presse selbst nicht hätte erfinden können.

“Zu den wichtigen Angelegenheiten unserer Region zählten im Jahr 2013 unter anderem die Realisierung des Konzeptes für das neue Standortmarketing, das dem Odenwaldkreis ein besseres und vor allem einheitlich wahrnehmbares Erscheinungsbild verleiht – mit einer Marke, einem Logo, einem Design und einer einheitlichen Werbeplattform.

Eine große Rolle spielte der Flächennutzungsplan Windkraft. Hier ist es nicht einfach, oft aus Unkenntnis, mitunter aus Unwillen heraus geübter Kritik fachlich aufklärend zu begegnen. Weil die Energiewende unbestritten eine der wichtigsten Aufgaben der nahen Zukunft ist, werden wir nicht nachlassen, das Thema Windkraft in vernünftige Bahnen zu lenken und alle Anstrengungen darauf richten, dass Rotorenanlagen nur dort angesiedelt werden, wo dies wirklich Sinn macht. Dabei heißt es nicht, Menschen zu verunsichern oder Ängste zu schüren, sondern in sachlicher Auseinandersetzung den für den Odenwaldkreis besten Weg zu finden.

Diese Worte muss man auf sich wirken lassen. Hat jetzt die Presse etwas verpasst oder die beiden Politiker? Ist es nicht so, dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt seit Juni 2013 genau das Projekt “Standortmarketing” überprüft und zunehmend intensiv Zeugen nach Zeugen aus Ämtern und politischen Gremien zu Vernehmungen vorlädt? Dass das Landratsamt und das Privathaus des Landrats akribisch durchsucht worden sind, genau wegen dieses und anderer Projekte? Und dass wohl mit dem Unternehmen Windkraft das nächste Thema zwecks Überprüfung ansteht?

Pfeifen im Walde nennt man es, wenn sich jemand Mut macht, der eigentlich auf verlorenem Posten steht. Hat sich nicht wenigstens der Kreistagsvorsitzende noch einen klaren Blick bewahrt? Oder müssen wir zukünftig Abstriche machen an den Erwartungen an den Durchblick der Politiker in der Provinz? Unwillkürlich fällt dem Chronisten dabei ein Scherz ein, der hoffentlich noch lange ein Scherz bleibt:

Ansage auf dem Hauptbahnhof Frankfurt am Main für Politiker aus dem Odenwaldkreis: “Der Zug nach Wiesbaden über Mainz fährt um achtzehn Uhr zwanzig von Gleis sieben. Die Odenwaldbahn nach Erbach fährt, wenn der große Zeiger auf der Zwölf steht und der kleine auf der Sieben. Vom zweiten Gleis von links.”

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