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Ein politisches Urgestein verlässt die Bühne – Dieter Nolte (SPD) nach langer Krankheit gestorben


Dieter Nolte Kreistag 2004

>Odenwaldkreis (pdh) Harmoniesucht ist seine Sache nicht gewesen, zur Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und auch im eigenen Lager gehörte für ihn eine anständige Portion Streitbarkeit. Der über die Kreisgrenzen bekannte und angesehene Odenwälder Politiker Dieter Nolte ist am vergangenen Freitag im Klinikum Erbach nach längerer Krankheit einem Herzversagen erlegen.

Bereits im November 2004 war der Sozialdemokrat krankheitsbedingt als Präsident des Odenwälder Kreistags zurückgetreten. Dieter Nolte wurde im Jahr 1941 in Herlingshausen bei Paderborn geboren und zog mit Ehefrau Brunhilde 1967 nach Zell im Odenwald. Im evangelischen Dekanat Erbach übernahm Nolte die Jugendarbeit und qualifizierte sich als Pfarrer und graduierter Sozialarbeiter. Von 1972 bis 1985 leitete Nolte die Dekanatsstelle des Diakonischen Werkes Erbach und Rimbach. Von 1985 bis 1991 war er Vorsitzender des Gesamtpersonalrates des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau.

Seit 1972 gehörte Dieter Nolte dem Kreistag an. Er war von 1981 bis 1998 Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses, von 1986 bis 1993 SPD-Fraktionsvorsitzender und seit 1993 Kreistagsvorsitzender, wobei er zweimal sogar einstimmig gewählt wurde. Augenmaß und Fairness, so der damalige stellvertretende Kreistagsvorsitzende Friedel Sepp anlässlich Noltes 60stem Geburtstag, habe seinen jahrzehntelangen kommunalpolitischen Einsatz für den Odenwaldkreis ausgezeichnet. Nolte habe stets den Respekt und das Vertrauen aller Fraktionen besessen.

Nolte ist von 1991 bis 2003 Mitglied des Hessischen Landtages gewesen und dreimal mit deutlichem Vorsprung als Kandidat der SPD im Odenwaldkreis direkt gewählt worden. Nolte ist seit vielen Jahren Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt im Odenwaldkreis und war bis vor zwei Jahren Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Odenwaldkreis.

Er habe im Odenwald eine neue Heimat gefunden und wolle sich weiter für die Menschen einsetzen, die hier leben, erklärte Nolte noch anlässlich der Feier zu seinem sechzigsten Geburtstag. Die Kraft für sein vielfältiges Engagement für das Gemeinwohl und seine Mitmenschen gebe ihm seine Frau Brunhilde und seine Familie, er hinterlässt vier Kinder, sowie sein Glaube an Gott, sagte er damals.

Sein Glaube an streitbare Demokratie ließ Nolte so manches Mal mit der ihm eigenen knorrigen Stimme einen politischen Streit vom Zaune brechen, wo selbst die eigenen Parteifreunde keine Notwendigkeit für Auseinandersetzungen gesehen oder eine Konfrontation für ausgeräumt gehalten hatten. Zu schnelle oder glatte Einigung mit dem politischen Gegner fand vor Noltes kritischen Augen keine Gnade, da musste noch einmal nachgelegt werden.
Mit seiner gradlinigen Art und wegen seines unbeugsamen Willens werden ihn seine Freunde und alle politischen Weggefährten in bester Erinnerung behalten.<

[Links und Hervorhebungen von uns]

Auch das Odenwälder Echo berichtet heute über den Tod des SPD-Politikers:

>Am Freitag starb er im Kreiskrankenhaus Erbach an den Folgen eines Herzversagens. Seit Langem war Nolte an Krebs erkrankt, was auch zum Rücktritt des Sozialdemokraten von seinen politischen Ämtern führte. Wegen seiner instabilen gesundheitlichen Lage hatten ihn die Ärzte in Erbach zeitweise in ein künstliches Koma versetzen müssen. […]
Trotz der vielfältigen Aufgaben und Lasten fand Nolte unglaublicherweise noch Zeit für andere Tätigkeiten wie den Vorsitz bei der Arbeiterwohlfahrt. Nolte verstand sich trotz seiner nordhessischen Herkunft als Odenwälder, wie er bei seiner Ehrung zum 60. Geburtstag betonte: ,,Hier habe ich meine Heimat gefunden.“
Das Datum der Beisetzung und deren Ort war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt.<

Erinnern konnte man sich an Nolte auch als freundlichen Begleiter von weit zurückliegenden Jugendfreizeiten.
Zusammen mit Ex-Landrat Horst Schnur personifizierte Nolte mitunter leider ebenso die Anmaßungen einer jahrzehntelang machtverwöhnten Odenwälder SPD.

Jahresrückblick 2009: Wolfgang Hörnlein (pdh) präsentiert neue Odenwälder Silvesterspitzen

silvester silvesterspitzen 2010 odenwald odenwaldkreisNach seinen Silvesterspitzen 2006, 2007 und 2008 legt Wolfgang Hörnlein (Pressedienst pdh) nun für den neuen Jahreswechsel nach. Die Lektüre lohnt. Er erlaubt sich eine eigene Meinung und Kritik auch an jenen, die über (s) eine Karriere entscheiden könnten: Lokalpolitiker, Verlage und Verleger.
Wir haben seine neuen Silvesterspitzen da und dort mit Links garniert. Ebenfalls hinzugefügt wurden Anmerkungen zur vermuteten Identität diverser (fiktiver?) VIPs im „fiktiven südhessischen Landkreis“.

>Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2009 in einem fiktiven südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…

… Der neue Landrat [Anm.: Dietrich Kübler] des Südkreises aus den Reihen der Freien Wähler wird von der schwarzen Landtagsabgeordneten [Anm.: Judith Lannert] im Landtag eingeführt und bekommt eine Audienz beim Landesfürsten [Anm.: Roland Koch]. Der Fotograf der Staatskanzlei schießt ein schönes Foto von den drei Politikern. In den Blättern des kleinen Kreises erscheint das Foto aber nur mit zwei Personen, die Abgeordnete von der „falschen“ weil schwarzen Partei wurde von der Kreistags-Pressestelle einfach abgeschnitten, ein Handlungs-Relikt aus vergangenen 60jährigen „roten“ Zeiten des Kreises und Erinnerung an die stalinistische Ära. Protest des neuen Landrats gegen die eingeübten Praktiken wurde nicht bekannt.

… die Verwaltung der Kreisstadt hat Softwareprobleme: Niemandem fällt auf, dass keine Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl angefordert werden. Werden sie aber, und die Anträge werden auch online entgegengenommen, nur landen sie im Papierkorb des Rathaus-Computers. Einem der Antragsteller fällt kurz vor seinem geplanten Reiseantritt auf, dass die beantragten Briefwahlunterlagen noch immer nicht bei ihm eingetroffen sind. Er tritt eine Lawine los und ein Softwarefehler im Amt wird diagnostiziert, einige Wahlunterlagen noch schnell versendet. Wer alles zu dem Zeitpunkt wegen Abwesenheit schon nicht mehr erreichbar war, wird lieber nicht eruiert.

… das Medienhaus, das den kleinen Landkreis monopolartig mit einer Tageszeitung beliefert, druckt zur Landtagswahl keine Anzeigen und Terminhinweise einer linken Partei. „Publizistische Erwägungen“ benennt der Verleger seine Entscheidung, die selbst seinen Mitarbeitern in der Anzeigenabteilung Magenschmerzen bereitet. Der Verleger [Anm.: Dr. Hans-Peter Bach] höchstselbst wird allerdings wenig später für viel größere Magenschmerzen seiner Mitarbeiter sorgen. Kaum zum Präsidenten der regionalen Industrie- und Handelskammer gewählt, wirft er alle seiner Drucker hinaus und gibt bekannt, sie könnten sich im neuen Druckhaus erneut bewerben, allerdings nur Beschäftigung ohne Tarifbindung zu Dumpinglöhnen erhalten. Wir erwähnen diese erbärmliche Handlungsweise aus „publizistischen Erwägungen“.

… eine Palastrevolution gilt es zu vermelden. Der glücklose schwarze Bürgermeister der Kreisstadt [Anm.: Harald Buschmann] setzt erst die Fusion mit der Nebenstadt in den Sand, dann auch seine Landratskandidatur im Nachbarkreis. Bereits eine Stunde nach Bekanntgabe des Scheiterns des Fremdgängers setzt ihm seine eigene Partei mittels Pressemitteilung den Stuhl vor die Tür und teilt mit, eine erneute Nominierung zum Stadtführer könne er sich getrost abschminken. Langwierige interne Verhandlungen sorgen Monate später für einen fragilen Burgfrieden. Mittlerweile hat er den Vorsitz der schwarzen Kreistagsfraktion übernommen, auch „Operettenopposition“ genannt. Ein neuer Schritt die Karriereleiter hinauf.

… seinem Leben ein Ende bereitet hat ein älterer Mitbürger der westlichsten Gemeinde des kleinen südlichen Landkreises. Mit Einzelheiten des Suizids haben Polizei und Presse die Lesern zum damaligen Zeitpunkt pietätvoll verschont. Musste er denn auch die Kettensäge anwerfen?

… acht Kriminalromane, zusammengefasst zu einem Sammelband auf der diesjährigen Buchmesse, handeln von Geschehnissen in sieben Gemeinden unseres virtuellen Kleinkreises. Die Autoren hatten im Frühjahr ihre „Tatorte“ in Augenschein genommen. So auch den großen westlichen Ort, der noch über einen historischen Kerker und unheimliche Bergwerksruinen verfügt. Aber den Mord selbst, so bat der dortige neue Bürgermeister, möge der Schriftsteller aus Imagegründen doch bitte in die nördliche Nachbargemeinde verlegen.

… Den Wunsch muss ein Einwohner dieser Nordgemeinde falsch verstanden haben. Er erschoss im Wirkungskreis des neuen Bürgermeisters vor den Augen erschrockener Touristen seelenruhig ein Schaf und verschwand wieder in seiner Nordgemeinde.

… trotz ihres neuen Fraktionsvorsitzenden [Anm.: Harald Buschmann] treibt die größte, schwarze Oppositionspartei [Anm.: CDU] des kleinen Kreises im Süden des Bundeslandes ein Gedankenspiel um, das der geübten Politik der „Opposition zum Liebhaben“ entspricht. Es gibt Überlegungen, so wird kolportiert, aus Mangel an Oppositionswillen und zur Entlastung der unterentwickelten politischen Gestaltungskraft, komplett der sozialdemokratischen Partei beizutreten. Die eigene Kreativabteilung hatte man schon vor Jahren geschlossen.

… nur knapp wurde die erste Amtsenthebung eines Bürgermeisters [Anm.: Gerhard Maser] des Kreises abgewendet. Seit vielen Monaten wird hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand über dessen Unpässlichkeiten, Indispositionen oder äußerst beschwingte Teilnahme an internen Sitzungen berichtet. Oder auch über fehlende Teilnahme. Eine solche nun führte zum Eklat. Dem Vernehmen nach hat die eigene Fraktion für „Öffentlichkeit“ gesorgt und die ersten unüberhörbaren Warnschüsse abgegeben. Um kurz danach allerdings einzuknicken und der Opposition den schwarzen Peter zuzuschieben, den diese umgehend zurückwies. Wir berichten weiter.

… der scheidende Landrat [Anm.: Horst Schnur] wurde noch einmal vorgeführt. Er hatte dem Kreistag den Inhalt eines Schreibens verschwiegen, das Fördergelder abschlägig beschied, weil die angeblich „totalen Innovationen“ einer neuen Industrieansiedlung bereits woanders Routine und damit alles andere als innovativ-förderungswürdig waren. Den Landrat irritierte indes nicht etwa die Enttarnung, er wollte tatsächlich nur wissen, wie die Opposition an das Schreiben gelangt war. Wahrscheinlich, um solch unangenehme Aufklärungswege künftig zu unterbinden.

… selbiger Ex-Landrat denkt nach seinem Rückzug nicht an die Privatsphäre. Er hat sich unlängst erst einmal in viele politische und Aufsichtsgremien in der Wirtschaft wählen lassen, um seinem Nachfolger von der falschen Partei noch häufig kräftig in die Suppe zu spucken.

… der rote Kreis wird langsam schwarz. Definitiv keine erfreuliche Periode der Sozialdemokraten. Das Landratsamt geht nach 60 Jahren weg von den Sozis, hin zu den Freien Wählern. Der neue Landrat will nun zunächst einmal Arbeitsplatzbeschreibungen einführen. Richtig gelesen, es gab keine. In Kürze werden über 500 Beschäftige erstmals schriftlich erfahren, was sie eigentlich zu tun haben

…das direkte Landtagsmandat des Kreises gewann die schwarze Kandidatin zurück, nur ein Jahr lang hatte sich der rote Abgeordnete des zurückeroberten Mandats erfreuen können. Im Bundestags sieht es ähnlich aus, die schwarze Kandidatin dort baute ihren Vorsprung und die Sozis gingen leer aus.

… da hatte auch der kostenlose rote Wahlkampfbus, eine Zugabe des eigenen „gemeinnützigen“ Arbeitgebers, dem Bewerber um das Bundestagsmandat [Anm.: Detlev Blitz] nichts retten können. Es bleibt kein Wahlsieg des roten Kandidaten, aber zumindest ein kräftiges „Geschmäckle“…

… eine überregionale eher rote Tageszeitung mit Hauptsitz in der Mainmetropole schreibt seit Jahren rote Zahlen und musste unlängst durch eine Bürgschaft des schwarzen Landesfürsten gerettet werden. Dennoch setzte sich der Niedergang der Zeitung fort und so entschied man sich als Sparmaßnahme zu Redaktionsschließungen, dafür aber das oben erwähnte Medienhaus um Zulieferung der südlichen Regionalseiten zu bitten. Ausgerechnet! Man bleibt also konsequent der Strategie des kräftig sinkenden Niveaus treu. Besonderer Clou: Die provinziellen Blattmacher lassen sich aus Gründen der Kosteneinsparung vermehrt ihre Berichte und dazugehörende Fotos von Vereinen, Parteien, Firmen und Gemeinden zusenden, sparen also Text- und Bildhonorare, verkaufen diese „Berichte“ dann z.T. an den neuen Kunden. Eine wahrlich optimale Wertschöpfung und ein großer Schritt im rasanten Niedergang des regionalen Journalismus.

… die Luft der großen weiten Welt durften die Aufsichtsräte des regionalen Energieversorgers [Anm.: HSE] , zum Teil begleitet von den Ehepartnern, schnuppern, mindestens einmal jährlich, mehrtägig und kostenlos. Nun will es die Regel, dass Bürgermeister und Landräte, auch in unserem Südkreis, durch ihr Amt automatische Aufsichtsräte waren. Vorteilsannahme im Amt, meinte die Staatsanwaltschaft. Achtzig von ihnen haben im zu Ende gehenden Jahr unterschiedliche Post bekommen, von der Niederschlagung wg. Geringfügigkeit oder später Einsicht bis zur Zahlungsaufforderung in den härteren und uneinsichtigen Fällen im fünfstelligen Euro-Bereich.

… mangelnde positive oder zumindest korrekte Außenwahrnehmung seines Kreises bei den größeren Tageszeitungen in der nahen Metropole vermisste der scheidende Landrat während einer größeren Veranstaltung. Er warf deren Redakteuren „urbane Arroganz“ vor. Und das zum Teil sehr zu Recht. Zum anderen Teil aber auch nicht. Auch wohlmeinenden Journalisten fehlte häufig der Überblick über das programmatische und dadurch auch mediale Durcheinander, das der Kreis und vor allem sein Vorturner anrichteten. Der schien es nicht einmal zu bemerken. Von daher war es gut, dass zwei Großstadtschreiber einmal, wenn auch unerträglich arrogant, deutlich auf krasse medientechnische Defizite der Kreisleitung hinwiesen. Überall wollte der Kreis vorn mit dabei sein, nichts war schöner für den ersten politischen Beamten als der oft ausgestoßene Spruch, das gibt es nur bei mir im Kreis, dort und dort sind wir sogar international führend. Weil ja auch unsere Berge höher sind als die Alpen, sie stecken nur tiefer im Boden… Nur: Die Nachhaltigkeit im kleinen Kreis ist das Manko, gerade hat man ein neues Projekt gestartet, also eine neue Sau durchs Dorf getrieben, da wird sie bereits uninteressant. Sie wird noch nicht einmal geschlachtet, sie bleibt einfach irgendwo stehen und verhungert. So ging es einer Vielzahl von durchaus ehrgeizigen Projekten, die einfach im Sande verliefen und die sehr engagierten Teilnehmer in die Verzweiflung trieben.

… die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille „Kreis regional“ wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie jetzt seit Jahren penetrant selbst. Der neue Landrat fand bisher nicht die Kraft, die ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipierte Streitschrift einzustellen. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche Pamphlet jährlich weit mehr als 100.000 Euro.

… das gibt’s wohl nur im diesen Landkreis: bereits weit über drei Jahre arbeitet ein Rechtsdirektor [Anm.: Georg Dürig] bei vollen Bezügen beziehungsweise eher nicht, weil er von seinem Amt suspendiert ist. Aus Angst vor Übergriffen seiner eigenen Behörde auf sich selbst wegen unbotmäßigen Verhaltens hatte er sich zunächst in den entferntesten Zipfel des EU-Raumes geflüchtet. Der „Mann fürs Grobe“ soll am Ende nicht grob genug für sein Amt gewesen sein. Wir hatten schon dreimal darüber berichtet. Fortsetzung folgt 2010.

Darüber lacht der kleine Kreis:

… Die sozialdemokratische Landratskandidatin [Anm.: Erika Ober] hat die Professorin und Parteifreundin zur Neujahrsansprache eingeladen, die sich im Frühsommer zur Bundespräsidentin wählen lassen will. Und holt sie mit dem eigenen Auto vom Flughafen ab. Als Versammlungsort wird die westlichste Gemeinde ihres eigenen Wahlkreises gewählt. Kleines Problem: Sie findet die Gemeinde nicht und irrt mit der Präsidenten-Kandidatin durch ihren eigenen Wahlkreis. Merke: wer Landrätin werden will, sollte zumindest die 15 Gemeinden des eigenen, kleinsten Landkreises des Bundeslandes kennen.<

Abschiedsgeschenk: Scheidender Landrat Schnur beförderte Mitarbeiter auf A 15 – Niveau

Der Pressedienst -pdh- berichtet von einer Beförderung in letzter Minute. Großzügig war der scheidende Odenwälder Landrat Horst Schnur und glücklich, so scheint es, Peter Krämer:

>Erbach/Odenwaldkreis (pdh) Sein Wort muss man halten, sagte sich der scheidende Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur. Und so erledigte er innerhalb der letzten Viertelstunde seiner Amtszeit das, war er zugesagt, aber wegen Bedenkens des Personalrates nicht durchgeführt hatte, er beförderte den Leiter des Geschäftsbereiches Nahverkehr der Odenwald Regionalgesellschaft (OREG) zum Direktor. Der Betriebsfrieden war dem Personalrat des Odenwaldkreises zunächst wichtiger gewesen, zumal aufgrund der desolaten Finanzlage des Odenwaldkreises von Zusagen mit finanzieller Auswirkung weitgehend abgesehen werden musste. Und so hatte er der Beförderung nicht zugestimmt. Allerdings muss der Kreisausschuss, so sehen es die Regularien vor, dem fast geheimen Ansinnen sein Plazet gegeben haben.
Die Ausnahme sorgt nun für Unruhe im Landratsamt und bei den Beschäftigten der verschiedenen Ämter, aber beamtenrechtlich ist die Beförderung auf A15-Niveau vollzogen, wie das Landratsamt am Freitag auf Anfrage von –pdh- definitiv bestätigte.<

No Angels & Letaler Sex: Justiz in Darmstadt macht mit spektakulären Fällen von sich reden

Goodbye to Yesterday

Die Justiz in Darmstadt scheint derzeit spektakuläre Fälle anzuziehen. Im März wurde ein Mann aus Bruchsal vom Landgericht zu 9 Jahren Haft verurteilt, der im Jahr zuvor eine 44-Jährige aus Mühlheim bei bizarrem Sex getötet hatte. Die fürchterlichen Umstände erinnerten an einen Horrorfilm.

Nun gibt es neue Schlagzeilen aus Darmstadt.
Nadja Benaissa, die Sängerin der Pop-Gruppe ‚No Angels‘, wurde in Untersuchungshaft genommen, weil sie einen Mann bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr wissentlich mit Aids infiziert habe. Sie soll dem Mann ihre Erkrankung verschwiegen haben.
Das Darmstädter Echo berichtet heute ausführlich über diesen Fall.
So heißt es dort:

>Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt droht der Sängerin bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.
Das Gerücht, die „No Angels“-Sängerin sei HIV-positiv, kursiert schon seit Ende 2006 in entsprechenden Internetforen. So heißt es beispielsweise in einem Eintrag vom 15. Dezember 2007 im HipHop-Forum „Deluxe“, Nadja Benaissa habe schon diverse Männer angesteckt, da sie mit ihnen Sex hatte, ohne ihnen zu offenbaren, dass sie HIV-positiv sei.<

SPIEGEL-Autor Jörg Diehl sah in dem Fall schon gestern („Krankheit, Tabu und Tat„) eine „Herausforderung“ für die Darmstädter Justiz:

>Die Ermittler haben zwar inzwischen ein immunologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das Aufschluss darüber geben soll, ob die 26-jährige Benaissa tatsächlich ihren Ex-Partner mit dem HI-Virus angesteckt hat.

Fachleute wie der Sprecher des vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft geförderten Kompetenznetzes HIV/Aids, Norbert Brockmeyer, ziehen den Wert einer solchen Expertise indes in Zweifel.

Der absolute Nachweis, dass Person A die Person B mit HIV infiziert hat, ist nach einigen Jahren mit medizinischen Mitteln nicht mehr zu führen„, sagte der Bochumer Professor für Dermatologie und Allergologie.[…]
Wie aus Justizkreisen verlautete, soll der letzte sexuelle Kontakt Benaissas zu dem Mann, der sie angezeigt hat, im Frühjahr 2004 stattgefunden haben.
Und selbst wenn die Medizin Ungeahntes vollbringen sollte, ist damit eine weitere Frage „von zentraler Bedeutung“ noch nicht geklärt, wie die Berliner Rechtsanwältin Henrike Weber sagte: „Legte es der Täter auf die Lebensgefährdung seines Opfers an beziehungsweise hielt er sie wenigstens für möglich und nahm sie in Kauf?“ Wusste er also, was er tat und damit antat?
Auch das könne schwierig nachzuweisen sein.<

Die deutsche AIDS-Hilfe übt heftige Kritik an der Verhaftung der Sängerin:

>Dazu erklärt Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: “Die junge Frau sollte so schnell wie möglich freigelassen werden. Ihre Verhaftung ist nach Einschätzung der uns bisher vorliegenden Informationen eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz. Wir fordern die Medien auf, sachlich über den Fall zu berichten und nicht vorzuverurteilen. Die Verantwortung für den angeblich ungeschützten Sexualverkehr wird allein der jungen Frau zugeschoben, ohne nach der Mitverantwortung ihrer Sexualpartner zu fragen.[…]
Nur eine Person, die weiß, dass sie HIV-positiv ist, kann strafrechtlich belangt werden. Die Kriminalisierung der HIV-Übertragung führt unter Umständen dazu, dass Menschen es vorziehen, sich aus Angst vor Repressionen nicht testen zu lassen.<

Stefan Niggemeier fragt im gleichen Kontext: „Müssen die Medien darüber berichten dürfen? Ich weiß es nicht. Aber ich habe eine andere Frage: Müssen die Medien darüber berichten?“

MP Dieter Althaus: Ein alpiner Raser findet Gnade in einem rasend schnellen Prozess

Dieter Althaus

Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus hat ein Menschenleben auf dem Gewissen. Das macht ihn noch nicht zum Verbrecher. Einen ersten Stein mag man nicht werfen.
Es kann Glück sein, wenn eine Fahrlässigkeit nicht so fatale Folgen hat wie in seinem Fall.
Althaus hatte am 1. Januar 2009 kein Glück und sein höchst fahrlässiges Verhalten kostete Beata Christandl das Leben.
Althaus ist aber kein „jedermann“. Für einen, der die Geschicke eines Landes und sei es nur ein Bundesland lenken will, müssen die Lettern ‚Verantwortung‘ besonders groß geschrieben sein.
Auch weiß man nicht, ob ein Machtmensch wie Althaus schon öfter oder anderswo ohne Rücksicht auf Verluste agierte – und ihn gerade dieses Verhalten nach oben brachte. Es gibt welche, die um der Macht willen über Leichen gehen.

Wie auch immer: Was Althaus verantwortet und was ihm widerfahren ist, ist für sich genommen noch kein Skandal.

Ein Skandal ist aber die Vorzugsbehandlung, die ihm von einem österreichischen Gericht nun gewährt wurde.
Es ist einer von tausenden Justizskandalen, die es gibt, immer wieder.
Es ist ein weiterer ‚Pickel‘ im Gesicht der Justiz. Denn wer sie besser kennt, weiß, dass ihr Gesicht von einer ihr eigenen ‚Akne‘ hässlich entstellt ist.
Die gespreizte Sprache der Justiz und ebenso die pittoresken Roben ihrer Akteure dienen allzuoft dazu, ihr in Wirklichkeit korruptes, erbärmliches Agieren zu übertünchen.
Dass Juristen Juristen ihre Rechtsbiegungen und -beugungen vorhalten, kommt außerhalb der Gerichtssäle viel zu selten vor.
Im Fall Althaus ist dies – oh Wunder – geschehen.
Richard Soyer, der Sprecher der österreichischen Strafverteidiger, stellte gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘ fest, dass das gerichtliche Eiltempo im Fall Althaus „keineswegs üblich“ sei:

>Das Vorgehen sei zwar nicht rechtswidrig, „aber dem Ansehen der Justiz in Österreich eher abträglich„, sagte Soyer.
Gerechtigkeit habe sichtbar zu sein, und man dürfe nicht den Eindruck gewinnen, es werde blitzschnell in geheimen Kammern verhandelt.
Es sei vormittags ein Verhandlungstermin für nachmittags anberaumt worden, während üblicherweise Wochen dazwischenlägen.
In dieser Zeit könnten sich Beteiligte und die Öffentlichkeit auf das Verfahren einstellen. Gerade auch Personen des öffentlichen Lebens sollten sich ihrer Verantwortung stellen, sagte Soyer.< Quelle: spiegel.de

Im gleichen Artikel wird auch Andreas Schmidt (CDU) zitiert.
Der ist Vorsitzender des Bundestags-Rechtsausschusses und ist ob des Tempos im Fall Althaus ebenfalls überrascht:

>Jedoch sagte er der Zeitung zufolge, Österreich sei wie Deutschland ein Rechtsstaat: „Insofern kann man da großes Vertrauen haben.“<

So tragisch der Fall Althaus ist und so beschämend seine juristische Aufarbeitung: Darüber darf man nun doch lachen.

„Ihr müsst’s uns nicht schwer machen“: Odenwälder Provinzfürst Horst Schnur verlangt von Medien positive Wahrnehmung

… seiner Person sowieso, aber natürlich auch des von ihm seit Menschengedenken (genau genommen seit 1991) regierten Odenwaldkreises.
Was ist schon Frankfurt im Vergleich zur Odenwälder Kapitale Erbach und wer ist schon Petra Roth neben Horst Schnur?
Eine Schande ist es also, dass etwa in der FAZ Horst Schnur und der Odenwaldkreis kaum vorkommen, oder, um es in des Provinzfürsts eigenen Worten zu sagen: eine „urbane Arroganz“.
Ein ellenlanger Artikel auf der Website des Landratsamtes informiert nun über eine Podiumsdiskussion, die am 19. Februar im Erbacher Autohaus Böhm stattfand.
Deren Thema: „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.
Oder, plastischer ausgedrückt, wie sehr und wie oft sollte auch dem städtischen Leser der Duft eines original Odenwälder Kuhfladens in die urbane Nase steigen?

>Namhafte Experten sollten dazu Auskunft geben: Peter Lückemeier, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung/Rhein-Main-Zeitung verantwortlicher Ressortleiter für die Region, Jörg Riebartsch, Chefredakteur der Echo-Zeitungen (Darmstadt) und Peter John, der Leiter des Studios Darmstadt beim Hessischen Rundfunk (HR). Kaum hatten die gut 120 Besucher das Lob des Moderators vernommen, sich überhaupt mit einer so anspruchsvollen Fragestellung auseinander zu setzen, da fühlte sich deren Mehrzahl provoziert.
FAZ-Mann Lückemeier, auf diese Weise personifiziertes Beispiel für von Landrat Schnur kritisch vermerkte „urbane Arroganz“, wollte partout kein Verständnis dafür aufbringen, dass sich der Odenwald, wie Johann-Dietrich Wörner unmissverständlich formulierte, „in den Medien nicht ausreichend vertreten“ fühlt.
Lückemeier machte deutlich, dass „der Odenwald nicht zum Kerngebiet Rhein-Main“ gehört, die Zeitung ihre Grenzen am wirtschaftlichen Interesse orientiert und ihre redaktionellen Kapazitäten ausgereizt sieht.<

So liest man es auf odenwaldkreis.de (die Hervorhebungen sind von uns).

Bild

Im Titel wird der „Kreis-Chef“ zitiert: „Ihr habt’s nicht leicht, aber Ihr müsst’s uns nicht schwer machen„.
Dies nun, die Mahnung eines Lokalpolitikers, gerichtet an die lokale und regionale Presse, entlarvt Schnur als das, was er ist: Ein machtverliebter Autokrat mit einem gebrochenen Verhältnis vor allem zur Pressefreiheit.
So setzt er einmal sich, seine Partei und seine Administration mit dem Wörtchen „uns“ in eins mit dem Landkreis und seinen Bewohnern und gleichzeitig offenbart er, was er von der Presse bzw. den Medien erwartet:
Sie möge es ihm bzw. „uns“ bitte „nicht schwer machen„.

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin oder ein Ministerpräsident „redete den Medienmachern (so) ins Gewissen.“ (Auch dies übrigens ein Originalzitat aus dem Artikel des Landratsamtes.) Welch ein Ansinnen!
Wir klopfen uns schon selbst an die Brust„, die Medienmacher mögen mitklopfen und vor allem müssen sie es „uns nicht schwer machen„.
Dazu zitieren wir den vor 2 Jahren mit dem Preis der Hamburger Akademie für Publizistik ausgezeichneten
Basler Journalisten
und Medienethiker Philipp Cuen – als Gegenzeuge zu Schnur:

>Der Journalismus muss hinterfragen, in schummrige Sphären der Gesellschaft leuchten, Schwachpunkte aufdecken, Missstände aufzeigen, verunsichern, kritisieren. Wir nennen das die gesellschaftliche Kontroll- und Kritikfunktion. Die Demokratie kann auf diese Funktionen und damit auf den Journalismus nicht verzichten, ohne Schaden zu nehmen.<

Der Odenwaldkreis verzichtet seit Jahrzehnten und vor allem unter Schnur auf diese Funktionen und entsprechend hat er deswegen Schaden genommen.

Haarsträubend ist ja dies: Fast jeder vor Ort weiß, dass ein wesentliches Problem des Odenwaldkreises ein korrupter Lokaljournalismus ist.
Dies macht ihn nämlich zur lachhaften Provinz und nicht die Art und Weise und der Umfang, in der städtische Zeitungen die städtischen Leser über den Odenwald bzw. den Odenwaldkreis informieren.
Mit „urbaner Arroganz“ meint Schnur ja letztendlich, dass größere Tageszeitungen nicht ganz so ticken wie das von ihm weitgehend unter Kuratel gehaltene Käseblatt „Odenwälder Echo“.
Würde anderswo die gleiche Hofberichterstattung betrieben wie im devoten Erbacher Blättlein wäre „Kartoffelkönig“ Schnur wohl zufrieden.

Interessanter ist auch, was Wolfgang Hörnlein (Pressedienst -pdh- ) über die anspruchsvolle Diskussion zu den „anspruchsvollen Fragestellungen“ zu berichten weiß.
Hörnlein ist in der Region so ziemlich der einzige freie Journalist, der es wagt, unbotmäßig (urban?) über die lokal Regierenden zu schreiben – und über das lokale Käseblatt bzw. „Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine„.

In Hörnleins Bericht verdient besondere Beachtung vor allem ein Satz:

>Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an.<

Diese Bemerkung von Riebartsch, der beim Darmstädter Echo vor 4 Jahren den langjährigen Chefredakteur Roland Hof ablöste, sollte man (und er selbst) mitnichten als Scherz abtun.
Nichts zeichnete Schnur von Anfang an mehr aus als sein rigoroses Drängen auf eine ihm gefällige Berichterstattung.
Das Geheimnis seiner „Popularität“ liegt gerade hierin begründet. Mehr und vor allem dreister und geschickter als seine Landratskollegen rundherum ließ sich Schnur in der Presse bejubeln.
Gerne wüsste man, wie oft er telefonisch oder persönlich die „Chefredakteure“ des Echo unter Druck setzte. Vor allem den unfähigen Gerhard Grünewald in Erbach.
Kann man darauf hoffen, dass eines Tages ein lokaler Journalist auspackt und erzählt, wieunter dem Landrat des Odenwalkreisesgelitten, gedient und berichtet wurde?

Bekannt und belegt ist, wie er die hasenherzigen Odenwälder Grünen davon abhalten wollte, eine ihm ungenehme parlamentarische Anfrage zur „Bürgerfreundlicheit“ seiner Verwaltung publik zu machen.
[Eine umfangreiche Dokumentation zeigt, wie Schnur und seine Administration dabei vorgingen:
Was dann danach wieder ins Internet gesetzt werden sollte, das wäre dann wirklich nach dem Gespräch mit Landrat Horst Schnur zu entscheiden„]

Nun aber Wolfgang Hörnleins lesenswerter Bericht über die Podiumsdiskussion zur „Medialen Wahrnehmung des Odenwaldkreises“ (auch hier sind die Hervorhebungen von uns)

>Anfang September des Jahres 2004 schäumte der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, ganz gewaltig. Gerade war er von einer Veranstaltung aus Darmstadt zurückgekehrt und hatte das fragliche Vergnügen gehabt, mit dem Verleger der einzigen Tageszeitung zusammenzutreffen, die in seinem Landkreis erscheint. Er hatte sich in einem Gespräch am Rande des Meetings über die mangelnde mediale Wahrnehmung seines Kreises beschwert und war aufgelaufen. Der bissige Kommentar des Landrats: „Die urbane Arroganz dieser Burschen ist nicht zu toppen.“

Journalisten und Verleger lassen sich nun einmal nicht kritisieren, das erledigen sie am liebsten selbst. Doch der Landrat des Odenwaldkreises wäre nicht Horst Schnur, wenn er die Abfuhr damals auf sich hätte beruhen lassen. Am vergangenen Donnerstag fand in einem Erbacher Autohaus eine Podiumsdiskussion der Odenwald-Akademie statt, das Thema hieß „Wie wird der Odenwaldkreis wahrgenommen?“ mit dem Untertitel „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.

In seinem Einführungsstatement wärmte Professor Hans Reiner Böhm, Leiter des Fachgebietes Umwelt- und Raumplanung der Technischen Universität Darmstadt, das Publikum schon einmal vor, indem er es mit der Feststellung provozierte, es sei alles harmonisch und nett im Odenwaldkreis.
Die urbane Arroganz trat dann allerdings sehr schnell wieder in den Vordergrund, als der Lokalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Peter Lückemeier, staubtrocken erklärte, sein Blatt empfinde keineswegs irgendeine Verantwortung für den ländlichen Raum.

Wenn der Hessische Rundfunk, vor Ort vertreten durch Peter John, Studioleiter im hr-Studio in Darmstadt, eine gewisse Verantwortung empfinde und dem Odenwaldkreis eine Quote in der Rundfunk-Berichterstattung einräume, dann sei das dem Gebührenzahler geschuldet.
Der Odenwaldkreis sei kein Kerngebiet der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main und von daher für die FAZ-Leser nicht interessant. Der Abriss eines Hüttendorfes im Kelsterbacher Wald sei allemal wichtiger als Alltagsnachrichten aus der südlichen Provinz. Man habe keineswegs die Aufgabe oder Absicht, missionarisch aus dem und über den Odenwald zu berichten.

Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an, Chefredakteur des Darmstädter Echo und Prokurist des Medienhauses Südhessen.
Im Übrigen, so war man sich einig, gebe es eine Bringschuld des Kreises, wenn er sich nicht angemessen in den Medien wiederfinde, dann sei die eigene Präsentation möglicherweise optimierbar.

Unter der Diskussionsleitung des Vorsitzenden des Vorstands des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Darmstadt (DLR), Professor Johann-Dietrich Wörner, kamen die Diskutanten und die sehr engagierten Zuhörer in ihrer Fragerunde zur Bestätigung ihrer bisherigen Auffassung. Die Außendarstellung des Kreises dürfe durchaus professioneller und medienwirksamer aufbereitet werden, auch wenn diese nicht zum kleinen Preis zu haben sei. Andererseits bestand Landrat Horst Schnur darauf, dass auch bei notwendiger Verbesserung der Medienarbeit durch den Kreis dieser als Teil der Metropolregion Rhein-Main einen Anspruch auf bessere Wahrnehmung durch die Großstadt-Medien habe. Man fühle sich abgeschnitten vom Rest der Metropolregion, der der Kreis vieles biete, was von arroganten oder nicht gut informierten Redakteuren nicht wahrgenommen werde.<

Zum Abschluss weisen wir auf etwas hin, das den Odenwälder Landrat Schnur ein wenig trösten könnte.
Fast exakt drei Jahre vor seinem Lamento über die „Arroganz“ der den Odenwaldkreis (und ihn) zu wenig würdigenden urbanen Medien durchbrach nämlich die Frankfurter Rundschau Arroganz und Ignoranz gleichermaßen.
Unter der Überschrift „Odenwald Geschichten – Job-Center-Chefin organisiert im Internet ein kräftiges Eigenlob“ berichtete die SPD-nahe Tageszeitung über Vorgänge in Schnurs Jobcenter und unserem Weblog.
Schnurs Mitarbeiterin Sandra Schnellbacher hatte damals ein kurioses Eigenlob in unserem Kommentarbereich „organisiert“ – und so tatsächlich ein höchst peinliches Eigentor geschossen.
Darüber berichtete die Frankfurter Rundschau und – oh Wunder! – darüber schwiegen konsequent die vor Ort ansässigen und unter Schnur leidenden (Chef-) Redakteure des Odenwälder Echo.
Kein Leser des Odenwälder Echo oder des Darmstädter Echo erfuhr darin jemals etwas über die skurrile Geschichte um Sandra Schnellbacher alias „Micky“. Eine „provinzielle Arroganz“ und Ignoranz allererster Güte – so ganz nach dem Geschmack von Landrat Horst Schnur.

Mordfall Kardelen: „Nestbeschmutzerin“ Serap Çileli lag mit ihren Vermutungen (ziemlich) richtig

Eure Ehre - unser Leid: Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord [UPDATE: Am 5. Februaer war Serap Çileli in der Talkshow von Johannes B. Kerner zu sehen – zusammen mit der Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen und der Tatort-Kommissarin Sabine Postel. Çileli äußerte sich bei Kerner auch zum Mordfall Kardelen.
Thema der Sendung war „Integration und Missverständnisse“. Dabei ging es vor allem um den derzeit in Hamburg laufenden Prozess gegen Ahmad-Sobair Obeidi (23), der seine 16 Jahre alte Schwester Morsal im Mai 2008 auf grausame Weise getötet hatte. Die Sendung kann auf zdf.de im Livestream gesehen werden. UPDATE Ende]

„Çileli lebt heute unter zum Schutze ihrer eigenen Familie geheim gehaltener Adresse im Odenwald.“

Dies liest man bei Wikipedia über die türkischstämmige Frauenrechtlerin Serap Çileli.
Nachdem Çileli im Mordfall Kardelen schon vor zwei Wochen gegenüber dem Westfalen-Blatt die Vermutung geäußert hatte, der Täter könnte auch ein Türke sein, zog sie weiteren Zorn auf sich.
Darüber berichtete am 23. Januar Uta Rasche in der FAZ:

>Dafür wird sie (Çileli) nun von den beiden auflagenstärksten türkischen Tageszeitungen in Deutschland, „Hürriyet“ und „Sabah“, kritisiert. Die Türken in Deutschland seien entsetzt über die Äußerungen, schrieb „Sabah“ am Donnerstag. Dem Bielefelder „Westfalen-Blatt“ hatte Çileli zuvor gesagt, dass es für ein traditionell erzogenes türkisches Mädchen unwahrscheinlich sei, zu einem Fremden ins Auto zu steigen. Der Täter sei also vermutlich ein dem Mädchen gut bekannter Freund oder Verwandter der Familie.<

Tatsächlich hätte Çileli gut und gerne der Polizei in Paderborn als Profilerin dienen können.
Mordverdächtiger Ali Kur Es gibt kaum noch Zweifel, dass der 29 Jahre alte Türke Ali Kur der Mörder des mittlerweile in der Türkei beigesetzten Mädchens ist. Mit internationalem Haftbefehl wird inzwischen nach ihm gefahndet. Kur wohnte in direkter Nachbarschaft des missbrauchten und ermordeten Mädchens.

Sollte er in der Türkei gefasst werden, würde er nicht nach Deutschland ausgeliefert. Es droht ihm dann ein Strafprozess vor Ort.

Çileli hatte schon in ihrem ersten Buch – erschienen im Michelstädter Neuthor-Verlag von Peter Jochen Bosse – den fragwürdigen „Ehrenkodex“ in traditionell orientierten türkischen Familien kritisiert.
Im Morfall Kardelen, so Çileli, könne dieser Kodex sogar Komplizenschaft zur Folge haben – vorausgesetzt das Mädchen wurde tatsächlich von einem Landsmann missbraucht und ermordet.

Es deutet einiges darauf hin, dass Çileli auch in diesem Punkt recht hatte.
So schreibt Christian Althoff heute im Westfalen-Blatt:

>Montag drangen Polizisten in die Wohnung des türkischen Ehepaares ein, das am Morgen nach dem Mord angeblich in den Urlaub gefahren war. Die Beamten sicherten Haare und andere DNA-Spuren. Diese wurden im Landeskriminalamt Düsseldorf mit dem DNA-Muster verglichen, das im Sperma des Sexualmörders festgestellt worden war.
»Die Übereinstimmung ist so groß, dass es keinen Zweifel gibt«, sagte Staatsanwalt Ralf Vetter, der einen internationalen Haftbefehl erwirkt hat.
Ob Kardelen in der Wohnung des Ehepaares vergewaltigt und erstickt worden ist, steht noch nicht fest. »Die entsprechenden DNA-Untersuchungen laufen«, sagte Jürgen Heinz.

Mordopfer Kardelen Kardelen hatte ihr Elternhaus [Anm. in der Benediktinerstraße 17a] am 12. Januar verlassen und gegen 14.30 Uhr das benachbarte Sechsfamilienhaus [Anm. in der Benediktinerstraße 17] betreten, um im Erdgeschoss eine Freundin zu besuchen. Die war jedoch nicht zu Hause. Möglicherweise war das Mädchen im Treppenhaus auf Ali Kur gestoßen, der Kardelen in seine Wohnung im zweiten Stock gelockt oder verschleppt haben könnte.

Die Mordkommission schließt nicht aus, dass die Ehefrau ihrem Mann später beim Wegschaffen der Leiche geholfen hat. Ali Kur hat zwar, wie seine Frau, keinen Führerschein, kann aber Auto fahren. Er besitzt allerdings keinen Wagen. Es muss also jemanden geben, der dem 29-Jährigen an jenem Nachmittag ein Auto geliehen hat, mit dem Ali Kur, eventuell in Begleitung seiner Frau, an den Möhnesee gefahren war.

Dieser Mann, der spätestens im Nachhinein zum Mitwisser geworden ist, hat sich bis heute nicht bei der Polizei gemeldet. „Wir suchen dringend Zeugen, die wissen, welche Autos Ali Kur benutzt hat“, sagte Mordkommissionsleiter Jürgen Heinz. […]
Ein Freund aus Herne soll das Ehepaar am 13. Januar aus Paderborn abgeholt und zum Flughafen Köln-Bonn gebracht haben. Diesen Hinweis, der gestern Abend bei der Mordkommission eingegangen ist, überprüft die Kripo noch.< [Hervorhebungen von uns]

Da fragt man sich, warum es überhaupt 3 Wochen dauern musste, bis die Polizei die verlassene Wohnung des benachbarten Tatverdächtigen durchsuchte.

Die türkisch-tümelnden Boulevard-Blätter Hürriyet und Sabah, die Çileli zuvor attackiert hatten, sind jedenfalls blamiert.
Dabei waren türkische Chauvinisten, die ihre Nation unbefleckter als andere sehen wollen, schon zuvor in arge Verlegenheit gebracht worden.
Vor zwei Jahren berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass nirgendwo auf der Welt so oft im Internet nach Kinderpornographie gesucht wird wie in der Türkei – laut Google Trends:

>Vergangene Woche bekam die türkische Öffentlichkeit verstörende Zahlen vorgesetzt: Offenbar wird nirgendwo auf der Welt so oft im Internet nach Kinderpornographie gesucht wie in der Türkei.
Laut Google Trends, einem Service der Suchmaschine Google, stehen in einer Liste der Städte, aus denen der Suchbegriff ,,child porn‘‘ nachgefragt wird, auf den ersten fünf Plätzen ausnahmslos türkische Städte.
Innenminister Abdulkadir Aksu nannte das Resultat umgehend eine ,,Katastrophe‘‘, Ministerpräsident Tayyip Erdogan zeigte sich ,,ernsthaft irritiert‘‘. Die Meldung hat eine lebhafte Debatte in Presse, Parlament und Regierung losgetreten, die begleitet wird von fast täglichen Razzien.
Eine ,,Liste der Schande‘‘, nannte die Zeitung Milliyet die Google-Trends-Liste, die von der Schwarzmeerstadt Trabzon angeführt wird. Istanbul liegt an fünfter Stelle, erst dahinter folgen Städte aus Neuseeland, den USA und Australien.<

Blöggliche Komödie: Robert Basic verkauft Basic-Thinking via eBay für 47 000 Euro

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Genau genommen für 46.902 Euro. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.
In den letzten Minuten sprang der Preis für basic-thinking.com noch einmal an.
Lag das Gebot 15 Minuten vor dem Angebotsende bei ebay noch bei zahlenmystischen 33.333,33 Euro waren es am Ende – um 19:50 – 46.902 Euro.
Robert Basic hatte zu Beginn mit einem Betrag zwischen 10.000 und 100.000 Euro gerechnet. (Später rechnete er mit einer recht komplizierten „Blog-Wertformel„.)
Keine schlechte Schätzung, heraus kam ungefähr das arithmetische Mittel.
Man hätte dem sympathischen, quirligen Blogger aus Usingen gerne noch etwas mehr gegönnt.
Er war jahrelang eine One-Man-Textfabrik und was sie tagtäglich verließ, war stilistisch zwar nicht formvollendet, aber meist geistreich, interessant und informativ.
Basic war (und ist) gewissermaßen der Balzac der Blogosphäre. Unglaublich produktiv wie der französische Romancier, der ja ursprünglich Forsetzungsromane für Publikumszeitschriften schrieb.
Die Wikipedia sagt über Honoré de Balzac, den Schöpfer der voluminösen „Comédie Humaine„:

Balzac

>Zur Verwirklichung dieses Projektes schrieb Balzac in den nächsten Jahren wie besessen. Sein infernalischer Arbeitsrhythmus (oft 15 bis 17 Stunden am Tag), den er wie symbolisch in einer Art Mönchskutte absolvierte, und sein enormer Kaffeeverbrauch wurden legendär.<

So ähnlich konnte man sich als Leser auch den scheinbar nimmermüden Basic vorstellen. Allerdings mehr kettenrauchend als kaffeeschlürfend.
Da (und anderswo) enden allerdings die Gemeinsamkeiten.
Der gebürtige Kroate ist im Gegensatz zu dem Franzosen Familienvater und Noblesse dürfte dem nur ungern als „Alpha-Blogger“ titulierten schnuppe sein. Begegnet man ihm, ist er ein Blogger wie Du und ich.

So befremdlich es zunächst klang: Die Idee, sein Blog zu verkaufen, war wohl gar so nicht übel. Links und Feedabonnements dürften ihm bald zu seinen neuen Adressen folgen. Und mit den zweisprachig betriebenen buzzriders.com könnte er seine Leserschaft sogar noch vervielfachen.
Aber warten wir erst einmal ab. Vielleicht kommt ja noch der Trennungsschmerz und bremst den Tatendrang des Turbobloggers.


Bei YouTube gibt es inzwischen die sehr vergnügliche
„Robert Basic Story“. Man ahnt: Die Geschichte geht weiter.
Gespannt kann man auch sein, ob sich das Investment für den Käufer von basic-thinking wirklich lohnt.
Der heißt Thomas Strohe und stellt sich auf Basics Ex-Blog schon vor:

>ich bin Gründer von www.serverloft.de, einem der größten deutschen Anbieter für dedizierte Server. Meine Kollegen und ich sind seit langem begeisterte Leser des Blogs von Robert. Seit Bekanntwerden der Versteigerung standen wir mit Robert in Kontakt und haben mit ihm lange über die Zukunft des Blogs gesprochen. Wir waren erst sehr traurig, dass dieses vielseitige Blog mit Schwerpunkt auf Web- und Technikthemen nicht weiterbestehen sollte, und haben uns dann überlegt, was wir tun können. Die einfach Antwort: Wir kaufen es und führen Basic Thinking im Sinne von Robert weiter.

Für eine Übergangszeit von einigen Monaten wird Robert Basic eng mit uns zusammenarbeiten, um eine reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Themen wie Trends im Netz, Blogging, Social Networks, Web-Startups usw. werden auch in Zukunft Schwerpunkte des Blogs bilden. Wir wollen die Rolle des Blogs als eines der besten und bekanntesten im deutschsprachigen Raum weiter ausbauen.

So, das war’s erstmal von mir. Ich muss jetzt Weg, weil die Mutter meiner Freundin heute einen runden Geburtstag feiert. Und da darf ich nicht fehlen … ;-)<

Wenn Gerhard Schoolmann (abseits.de) recht haben sollte, kann sich Strohe später auch ruhig schlafen legen. Der Bamberger Blogger und Gastronom fand nämlich selbst 100.000 Euro für Basic-Thinking noch als zu niedrig geschätzt.

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Im UPLOAD-Magazin von Jan Tißler konnte man gestern ein Interview mit dem gerade 16 Jahre alten Yannick Eckl lesen. Auch der hatte sein Blog verkauft – im August letzten Jahres.
Eckls „Blogschrott“ war laut dessen Auskunft in finanzieller Hinsicht alles andere als Schrott.
6000 Euro will er erhalten haben. Da erscheinen die 47 000 für Basic Thinking fast schon geschenkt.
Was übrigens in SPIEGEL-ONLINE heute zu Basic-Thinking zu lesen ist, hört sich – gelinde ausgedrückt – unprofessionell an. Da heißt es ungetrübt von allzuviel Ahnung:
> 46.902 Euro zahlte er für die Domain, das Logo und den namen „Basic Thinking“.<
Nein: Thomas Strohe hat nicht nur die „Domain“ basicthinking.de, das Logo und den Namen „Basic Thinking“ gekauft, sondern auch rund 12.450 Artikel aus Basics Feder bzw. Tastatur.

Skiunfall von Dieter Althaus: Ist er schuld am Tod von Beata Christandl?

Sport ist Mord
[UPDATE 2: Es sieht nicht gut aus für den thüringischen Ministerpräsidenten. Medizinisch ist laut einem aktuellen Bulletin (8. 1.) seiner Ärzte „nach wie vor … die zeitliche und örtliche Orientierung noch nicht vollständig vorhanden.“ Auch juristisch sieht es nicht gut aus für ihn. Der MDR berichtet, dass der verunglückte Politiker Verletzungen an der rechten Seite habe. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass Althaus den Unfall durch ein unverantwortliches Fahrverhalten herausgefordert hatte.
In den Worten des MDR würde es bedeuten, „dass er beim Zusammenprall nicht auf dem Weg nach rechts war, sondern links an der entgegenkommenden Skitouristin vorbei wollte. Auch dass der Unfall so weit auf dem Gebiet der anderen Piste stattgefunden habe, werde als Indiz dafür gesehen, dass Althaus nicht dem Pistenverlauf folgend nach rechts abgebogen war.“ [Hervorhebungen von uns]

Sollte die Kollisionsroute durch eine eingestellte Grafik zutreffend dargestellt sein, wäre Althaus kurz vor dem Zusammenstoß buchstäblich von allen guten Geistern verlassen gewesen. Der Ministerpräsident ein Hasardeur auf der Piste? Für diesen Fall sieht der Berliner Kurier sein politisches Aus voraus.
Die WELT formuliert es differenzierter:

>Sollte sich der Eindruck bestätigen, dass sich Althaus auf der Piste falsch verhielt, droht ihm ein Gerichtsverfahren. Der politische Schaden für den Ministerpräsidenten wäre in jedem Fall immens.<

UPDATE 1: Mittlerweile werden auch in den etablierten Medien die im Grunde sehr naheliegenden Fragen gestellt, die in unserem Artikel schon früher aufgeworfen wurden.
Die morgen erscheinende aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazin SPIEGEL berichtet auf Seite 30 über den „verhängnisvollen Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus“. Es wird gefragt, ob Althaus als „Geisterfahrer“ auf die falsche Piste geriet. Weiter heißt es: „Dass die Slowakin den Unfall verursacht hat, scheint aber eher unwahrscheinlich.“
(Die Logfiles von odenwald-geschichten.de verzeichnen übrigens auch heute morgen wieder Zugriffe über den Proxyserver igate.spiegel.de.)
Die Berliner Zeitung zeigt ebenso wie BILD eine große Grafik über den vermuteten Unfallhergang.
Das Hamburger Abendblatt spekuliert nun ebenso wie die Magdeburger Volksstimme über ein Ende der politischen Karriere von Althaus – unabhängig vom Fortgang seiner Genesung.
Der Guardian titelt heute: „Merkel ally could face manslaughter charge over skiing collision“. UPDATE Ende]

Nur wenige Monate nach dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider könnte erneut ein sich gerne als viril zeigender Politiker Opfer eigener Selbstüberschätzung geworden sein.
Haiders Thüringer Kollege Dieter Althaus (CDU) verunglückte schwer – am Neujahrstag, ebenfalls in Österreich, im Skigebiet Riesneralm.

Sollte sich der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, laut taz nun ein „politischer Patient„, von den Folgen seines Skiunfalles erholen, was zu hoffen ist, kann man gespannt sein, ob die Schuldfrage geklärt wird.
Bei dem Unfall starb die 41 Jahre alte Beata Christandl, sie hinterlässt ein einjähriges Kind.
Der MDR meint, die Ursache des Unfalls bleibe “rätselhaft”. Dabei muss es nicht bleiben. Im BLÖD-Blatt BILD wird der zuständige Staatsanwalt Walter Plöbst aus Leoben zitiert:

>Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung. Wir hoffen, dass wir Anfang nächster Woche durch den eingesetzten Sachverständigen und die Gerichtsmedizinerin die Art der Kollision klären können und Rückschlüsse ziehen können, wer den Unfall verschuldet hat.<

Auch die Basler Zeitung berichtet, dass gegen Althaus wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.

Unfallstelle von Dieter Althaus auf der Riesneralm

Unter einem auf SPIEGEL Online veröffentlichten Polizeibild (s. rechts) heißt es: “Die Unglückstelle ist mit dem grünen Kreis markiert und liegt hinter einer Absperrung.” [Hervorhebung von uns].
Diese Absperrung müsste Althaus eigentlich durchbrochen (zumindest aber umfahren) haben, wenn die Fahrspuren (Althaus: rot, Beata C.: blau) und die Unglücksstelle korrekt eingetragen wurden!
Althaus war seinem Leibwächter (angeblich) davon gefahren, vermutlich war er zu schnell unterwegs und lenkte statt nach rechts nach links (bergaufwärts), um so seine Geschwindigkeit drosseln zu
können – dabei kam es wohl zu der Kollision mit Christandl.

Unfallstelle von Dieter Althaus und Beata Christandl

Ein weiteres Bild (s. links) in der Fotostrecke des SPIEGEL zeigt die „Piste aus der Sicht der Skifahrerin“.
Darunter steht:
„Althaus kam auf der Piste rechts. Vor dem Fangzaun prallten die beiden aufeinander.“
[Hervorhebungen von uns]
Doch wie geschah das? Wie und warum kam Althaus auf die andere Seite des Fangzauns?

IM FOCUS wird der Geschäftsführer des Skigebiets Riesneralm in der Steiermark, Erwin Petz, so zitiert:

>Es ist an einer Stelle passiert, wo man sagt, da kommt man normal gar nicht hin. (mp3) < [Hervorhebung von uns]

Dann müsste Althaus also „unnormal“ dorthin gekommen sein.

Der Unfall ist derzeit Thema in verschiedenen Webforen. Viele zweifeln daran, dass der Unfallhergang und die Schuldfrage aufgeklärt wird.
In der Süddeutschen Zeitung schrieb schon vor 2 Tagen ein Leser:

>wer wie ich mit zig-tausend anderen Sportlern seit vielen Jahren genau diese Unfallstelle von beiden Seiten passiert, kann diese vollständig falsche Berichterstattung nur mit Entsetzen verfolgen. Das ist Rechts- und Tatsachenverdrehung.
Wer von der „Sonnigen“ kommt, hat aufgrund des wesentlich steileren Gefälles, als auf der „Panorama“, die absolut höhere Geschwindigkeit und damit kinetische Energie. Damit auch die höhere Sorgfaltspflicht beim Einfädeln.
Ein Frontalzusammenstoß bedeutet, dass Hr. A. falsch, nämlich nach links entgegen der Fahrtrichtung abgebogen ist, also verkehrswidrig.
Aber die Tatsachen haben fast noch nie eine Rolle gespielt, wenn es um Politik(er) geht. <[Hervorhebungen von uns]

IM SPIEGEL-Forum begründet eine Leser seine Schuldvermutung:

>Ganz einfach: Wenn jemand in Schussfahrt mal eben die begleitenden Sicherheitsleute so weit abhängt, dass diese den Unfall nicht mal mehr sehen können!!!!! ….ist eine Unschuldsvermutung auch in meinen Augen nicht mehr zwingend gerechtfertigt.<


Ministerpräsident Dieter Althaus (Wikipedia)

Irritierend war eine Berichterstattung, die Althaus a priori (oder a politi?) von jeder Schuld freisprechen will. Da wird auf seinen Schutzhelm verwiesen, obwohl dieser nur erklärt, warum er selbst mit dem Leben davonkam, aber nicht, wie es zu dem Unfall kam.
Tatsächlich könnte Althaus auch wegen dieses Schutzhelms schneller und riskanter gefahren sein als Christandl, die Sportlehrerin war.
Dafür spricht auch, dass der 50-Jährige seinem deutlich jüngeren Bodyguard davon gefahren sein soll, sogar außer Sichtweite, was eigentlich gar nicht geschehen durfte.
[Eine delikate Frage: Was wäre eigentlich, wenn der Leibwächter – seinem Auftrag folgend – Althaus nicht aus dem Auge verloren hätte? Würde er dann, als (einziger) Zeuge, eine mögliche Schuld seines „Schützlings“ an dem fatalen Zusammenstoß bezeugen?
Mit dem konnte er sich nach dem Unfall noch verständigen, Althaus hatte erst später das Bewusstsein verloren.]

Interessant ist auch, was Michael Frank dazu vorgestern in der Süddeutschen Zeitung („Rätsel um den tödlichen Moment„) schrieb:

>Wie gefährlich ist das Skifahren wirklich? Der Unfall des thüringischen Premiers und des slowakischen Todesopfers wirft diese Frage um so deutlicher auf, da er sich keineswegs auf einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys ereignet hat, sondern auf einem Areal, das als familienfreundlich und eher harmlos gilt.
Der Zufall will es, dass es keine unmittelbaren Zeugen gibt, obwohl beide in Begleitung waren. Die Skifahrer waren mit „mittlerem“ Tempo unterwegs. Hinter Althaus fuhr ein Beamter seines Personenschutzes, hinter der Slowakin ihr österreichischer Ehemann.
Beide haben nichts von dem Zusammenstoß mitbekommen. So müssen Spurensicherer des steirischen Landeskriminalamtes „Sachbeweise“ buchstäblich aus dem Schnee kratzen, um Hergang und Schuldfrage zu klären. Gelingen dürfte das kaum.< [Hervorhebungen von uns]

Warum eigentlich sollte das nicht gelingen? Und muss die Fahrweise von Althaus als „harmlos“ gelten, nur weil er nicht auf „einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys“ unterwegs war. Gibt es „Pistenrowdys“ ausschließlich auf „einschlägigem Terrain“?
Warum ist ausgemacht, dass der „Premier“ mit „mittlerer Geschwindigkeit“ unterwegs war, wo es doch angeblich keinen „unmittelbaren Zeugen“ des Unfalls gibt?
Erwartet man im Ernst, dass der von Althaus (weit?) hinter sich gelassene Personenschützer seinem Chef eine überhöhte Geschwindigkeit anlastet?

Inzwischen hat sich doch ein Augenzeuge des Unfalls gemeldet. Er wurde bereits vernommen. Auch die Obduktion des Unfallopfers ist abgeschlossen. Erst in etwa 4 Wochen will die Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz die Ermittlungsergebnisse mitteilen.
Ein neuer Artikel in der Süddeutschen von Birgit Lutz-Temsch geht auf die geänderte Situation ein:

>Dieser Zeuge, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft im steirischen Leoben bereits befragt wurde, könnte den Vermutungen um den Unfallhergang nun ein Ende setzen.[…]
Der Ort der Kollision nun liegt ein Stückchen oberhalb dieser Einmündung auf der blauen Piste. So weit die Fakten.
Dass einzelne Pisten aufeinandertreffen und dann vereint weiter den Berg hinabführen, ist üblich. In jedem Skigebiet stellen solche Vereinigungen besondere Gefahrenpunkte dar und erfordern von jedem einzelnen Skifahrer erhöhte Aufmerksamkeit – aber grundsätzlich kann ein Skifahrer an einer solchen Stelle fahren, wohin er will. Laut den Regeln des Internationalen Skiverbands (FIS) gibt es keine Geisterfahrer, denn auch hangaufwärts fahren ist erlaubt.[…]
Allem Anschein nach ist Althaus ein Stück hangaufwärts gefahren und hat damit also noch nichts Regelwidriges getan.
Sollte sich aber herausstellen, dass er dies mit hoher Geschwindigkeit und ohne die angemessene Sorgfalt getan hat, dann hat er sehr wohl gegen Regeln verstoßen, und nicht nur gegen die fünfte. Denn ausnahmslos alle FIS-Regeln mahnen Ski- und Snowboardfahrer zu Vorsicht und Umsicht. […]
Es ist auf den Pisten jedoch oftmals zu beobachten, dass es sich gerade bei Fahrern mit Helm um risikobereitere, schnelle Fahrer handelt. Helme und sonstige Schutzkleidung scheinen teils den Effekt zu haben, dass sich der Fahrer sicherer wähnt und sich selbst deshalb einen breiteren Handlungsspielraum erlaubt. Im Bergsport allgemein gibt es die Tendenz, mittels einer ausgefeilten technischen Ausrüstung fehlende Erfahrung, Sorgfalt und Können kompensieren zu wollen.< [Hervorhebungen von uns]

Ziemlich polemisch geht es im Forum der Stuttgarter Zeitung zu, wo die Frage gestellt wird, ob Althaus betrunken war, denn: „auf dieser Schneeautobahn gibt es keine Zusammenstösse wenn man Skifahren kann – schon gar keine mit Todesfolge.“

Der Ehemann der bei dem Unfall getöteten Skifahrerin, Dr. Bernhard Christandl (47), ist ein ranghoher Militär. In einem aktuellen Artikel des Virginian Pilot heißt es über das in Virginia Beach wohnende Ehepaar:



>According to several reports, Christandl was skiing with her husband, Bernhard Christandl, a colonel in the Austrian army, shortly before 3 p.m. Thursday when a crash occurred at the intersection of two ski slopes.[…]
Christandl was a Slovakian citizen who had lived with her husband in the 4200 block Country Club Circle for more than two years. Bernhard Christandl was assigned as a liaison to NATO Allied Command Transformation in Norfolk.<

Oberst Bernhard Christandl, der beim österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) für die militärpolitische Interessenvertretung bei der EU, WEU und NATO zuständig ist, wird wohl darauf bestehen, dass der Hergang des Unfalls, dem seine Frau zum Opfer fiel, geklärt wird.
Das Boulevard-Blatt „Österreich“ weist in seinem Artikel zu dem „Pistencrash“ darauf hin, dass „fahrlässige Tötung … in Österreich mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft“ wird.

Althaus, der inzwischen aus dem künstlichen Koma erwachte und u.a. von seiner Frau Katharina besucht und gesprochen wurde, habe noch nicht nach der ums Leben gekommenen Skifahrerin gefragt.
Darüber bin ich froh„, zitiert der FOCUS Gerold Wucherpfenning, Bauminister unter Althaus und einer der ersten Besucher an dessen Krankenbett.

Im Skisport gibt es für einen rücksichtlosen Skifahrer den Schimpfnamen “Pistensau”. Im Englischen heißt es dezidierter “terror of the slopes”.

Die FIS-Verhaltensregeln für Skifahrer schreiben u.a. vor:

>Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. […]
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen. […]
Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren … will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.<

Ein Sachbuch von Patrick Schenner klärt über Haftungsfragen bei Skiunfällen auf: Skiunfall! Wer haftet?: Schadenersatz im österreichischen Skirecht
Die WELT rät akutell zu guter Versicherung: „Wenn der Skiunfall ein teures Nachspiel hat
Es gibt Crashtests, die die tödlichen Gefahren bei einem Skiunfall simulieren. SPIEGEL Online zeigt einen solchen Crashtest in einem Video.
Ein aktuelleres SPIEGEL-Video stellt die möglichen Kollisionsrouten nach.

Steve Fossett: Google Earth liefert Foto der Absturzstelle in der Sierra Nevada

zugegeben, Mammoth Lakes liegt nicht im Odenwald, sondern in der Bergkette der Sierra Nevada. Trostlos sieht es aber hier wie dort aus. Auf jeden Fall für Steve Fossett, dem seine fliegerische Leidenschaft denn doch zum Verhängnis wurde.
Bis vor kurzem war nicht ganz auszuschließen, dass sich der Millionär und Abenteurer in ein zweites (irdisches) Leben davongestohlen hatte.
Nachdem aber Preston Morrow abseits von Wanderwegen in der Nähe von Mammoth Lakes eine Fluglizenz mit Fossetts Namen fand, scheint laut Spon Steve Fossetts Schicksal geklärt.
So schreibt der Spiegel heute:

Absturzstelle von Steve Fosset

>13 Monate nach dem Verschwinden Steve Fossetts gibt es Gewissheit: Das Leichtflugzeug des Millionärs zerschellte in über 3000 Metern Höhe nahe der Ortschaft Mammoth Lakes an einer Bergwand. „Es war ein Frontalzusammenstoß mit dem Berg, in einen Felsen hinein“, sagte Polizeisprecher John Anderson am Donnerstag. „Das Flugzeug ist auseinandergefallen. Den Motor haben wir hundert Meter von dem Rumpf entfernt gefunden“.<

Noch mehr brachte Frank Taylor in Erfahrung, der den Google Earth Blog betreibt.

Das Online-Magazin Wired Science schreibt dazu:

>Moments after authorities discovered the plane wreckage of Steve Fossett, a millionaire pilot missing since last year, a blogger managed to zoom in on a virtual view of the crash site using Google Earth.

To narrow down his search, Frank Taylor, writer of Google Earth Blog, pieced together information about the characteristics and general location of the crash site. He then learned from a commenter on his blog that the FAA put out a temporary no-fly restriction to prevent pilots from flying over the area in support of the investigation.

Taylor deduced that must have been where the crash occurred, and he zoomed in on the FAA’s coordinates. The final piece that completed the puzzle was a photo of the crash site from the Los Angeles Times. Because Google Earth’s 3D terrain is rich in detail, Taylor believes he was able to make a very close match.

„I went into Google Earth to maneuver my view around to match where that photo was taken,“ Taylor said in a phone interview. „I estimate the location where I put that now is about 250 feet of where that photo was taken.“

In addition, another commenter on the blog said he found what appeared to be the mine site where hikers discovered Fossett’s belongings and recreated Fossett’s flight in Google Earth. By virtually „flying“ there, he said he found a „dead-end canyon“ with very little room for a plane to turn.

Taylor said he has been tracking Fossett’s missing plane since it was reported missing in 2007. His amateur sleuthing demonstrates a sophisticated usage of Google Earth, a program that combines satellite imagery, aerial photography and 3D illustrations to provide users virtual views of the entire world.

Other than tracking down missing persons, authorities and searchers have used Google Earth’s detailed imagery to virtually learn the terrain — familiarizing themselves with lakes, craters and rough terrain, for example — before embarking on their rescue operations.<

Noch genauer kann man sich das Sierra-Nevada-Szenario mit der von Taylor erstellten kmz-Datei anschauen, die hier heruntergeladen werden kann und mit Google Earth geöffnet wird.

Schon vor einem Jahr berichtete u.a. die PC-Welt über Versuche, Steve Fossett mit Hilfe von Google Earth aufzuspüren.

Steve Fossett, so er noch lebte, hätte dem Geschick seiner virtuell agierenden Fahnder sicher applaudiert.

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