Archiv der Kategorie: Kultur

Pressefreiheit 2010: Karikaturist Kurt Westergaard rettet sich vor Killer in Panic Room

Vor fast 5 Jahren hatte die Odenwälder Publizistin Claudia Trossmann in ihrem mittlerweile geschlossenen Weblog „Zimmer mit Einsicht“ bemerkenswerte Einsichten verkündet.
Es ging um die zuvor in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten veröffentlichten Mohammed-Karikaturen.
Trossmann schrieb damals:

>Ja, ich habe dieses Karikaturen- und Pressefreiheittheater samt diplomatischer Streitigkeiten usw. mitbekommen und einfach nur den Kopf geschüttelt.
Zunächst dürfte es jedem Kind bekannt sein, dass im Islam ein differenziertes “Bilderverbot” herrscht. Dafür braucht man nun wirklich kein islamwissenschaftliches Studium.
Deswegen gleich von einer Gefahr der Pressefreiheit zu reden und sich zu solidarisieren mit einem bekanntermaßen sehr rechten dänischen Blatt namens “Jyllands-Posten” ist in meinen Augen eher hysterisch und unvernünftig. Genauso unvernünftig wie die Besetzung des EU-Postens in Palästina.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Das „Theater“ setzt sich bis heute fort. Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard entging am Neujahrstag offenbar nur knapp einem Mordanschlag.
Er hatte sich vor dem mit einem Beil und einem Messer bewaffneten Attentäter in das zum Panic Room umgebaute Badezimmer flüchten können und die Polizei alarmiert.
Man wird sich unschwer vorstellen können, dass dem 74 Jahre alten, herzkranken Künstler an diesem Abend die Feiertagslaune verging.
Seine 5 Jahre alte Enkeltochter soll sich zum Zeitpunkt des Anschlags bei ihm aufgehalten haben. Wie das Kind den Anschlag miterlebte (und verarbeitet) ist bislang nicht bekannt.
Wie wirkt sich ein solcher „Vorfall“ (und vergleichbare andere) langfristig auf das kulturelle Klima aus?
Wird der Mut zu einer auch polemischen oder blasphemischen Kritik des Islam allmählich schwinden, weil man sich selbst, Familienangehörige oder auch Kollegen und Mitarbeiter nicht einer unnötigen Gefahr für Leib und Leben aussetzen will?

Vor knapp 2 Jahren schrieb Manfred Ertel über den gewandelten Alltag des mit Mord bedrohten dänischen Zeichners: „Auf der Flucht vor dem unsichtbaren Feind

>Er war in Florida bei seinen Kindern, als er im Februar 2006 im Fernsehen die dänische Botschaft in Damaskus brennen sah. Erst langsam dämmerte ihm, was seine Zeichnung mit ausgelöst haben sollte. Es folgten Beschimpfungen, Bombendrohungen gegen die Redaktion, ein Brief mit weißem Pulver ging ein, dass an die Anschläge mit Anthrax aus den USA erinnerte.
Dabei ist der gemütliche Fast-Rentner alles andere als ein Provokateur, er eignet sich auch wenig zum Feindbild.
Fast sein ganzes Leben wählte er Sozialdemokratie: „Das Land verdankt ihr so viel“, sagt er, „den Wohlfahrtsstaat, starke Gewerkschaften, die Zähmung des Kapitalismus“.[…]
Im Ausland waren seine Frau und er, bei anderen Kindern und immer wieder in verschiedenen Sommerhäusern.
Nur die eigene Wohnung sieht er kaum.
Das letzte Mal war das bei der Weihnachtsfeier mit der Familie. Das Zusammenkommen hat wie in vielen dänischen Familien Tradition für ihn, immer am Sonntag vor Heiligabend. Diesmal fiel es zu allem Überfluss auch auf den Geburtstag seiner Frau. Also durfte er noch einmal heim, notgedrungen und streng bewacht. Das Essen servierte den 50 Gästen ein Polizist, im Schuppen hinter dem Haus saßen Aufpasser, und auch im Van auf dem Parkplatz vor der Tür.<

In einem Gespräch mit Yassin Musharbash im August 2008 hatte Westergaard noch erklärt, er fühle sich sicher:

>Die Polizeibewachung, die Tatsache, dass mein Haus in eine Festung verwandelt wurde – das sorgt dafür, dass ich mich sicher fühle. Ich habe eine gute Beziehung zum dänischen Nachrichtendienst. Es ist mir möglich, ein gutes Leben zu leben. Und ich habe noch einen Vorteil: Ich bin 73 Jahre alt, da fürchtet man sich nicht mehr so sehr.<

Nach dem knapp vereitelten Anschlag auf sein Leben wird die Furcht wieder Einzug halten, in sein Haus und in seine Familie.

Der Landesverband Brandenburg des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) hatte schon im August 2008 Solidarität mit Kurt Westergaard gefordert:

>Der DJV darf vor religiös motivierten Übergriffen auf die Freiheitsrechte von Journalisten und Medien nicht die Augen verschließen. Meinungs- und Pressefreiheit stehen in offensichtlichem Widerstreit zu islamischen Vorstellungen vom Vorrang der (eigenen) Religion vor den Rechten anderer.
Der islamische Fundamentalismus gefährdet die Grundlagen jeder Freiheit, weil er Religion nicht als Privatsache, sondern als allem vorgehende Ordnung für alles und jeden betrachtet. […]
Der DJV darf nicht länger Toleranz gegenüber den Intoleranten zeigen. Die Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie geht verloren, wenn man sie nicht immer wieder neu erringt.
Der auch im vierten Jahr nach dem Erscheinen der „Mohammed-Karikaturen“ fortgesetzte Kampf islamischer Staaten wie Jordanien gegen Meinungs- und Pressefreiheit in Europa ist der Versuch, der zivilisierten Welt einen „Krieg der Kulturen“ aufzuzwingen und islamisches Recht in Europa gegen Europäer durchzusetzen.
Das ist nicht nur generell unakzeptabel, sondern umso mehr für Journalisten, deren Beruf ohne die in den vergangenen zwei Jahrhunderten in Europa errungenen Freiheitsrechte nicht vorstellbar ist.
Die Solidarität mit Kurt Westergaard, der Tag und Nacht von der Polizei gegen moslemische Mord-Attacken geschützt werden muß, ist nicht nur symbolhaft.
Westergaard könnte bei Reisen außerhalb Europas festgenommen und dem islamischen Scharia-„Gericht“ ausgeliefert werden.
Der Protest ist auch ein Stop-Signal an fundamentalistische Moslems und andere Feinde der europäischen Freiheit. Das Schicksal des Journalisten Theo van Gogh darf sich nicht wiederholen.<

Bittersüße Heimat: Necla Kelek über Ehre und Morde, Tradition und Türkei

Bittersüße Heimat: Bericht aus dem Inneren der Türkei

Schon im August war hier auf lesenswerte Texte von Bert Steffens zum Thema „Würde, Ehre und Wahn“ hingewiesen worden.
[Sie sind weiterhin als pdf-Dokumente abrufbar: Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4]

Wie es ist, wenn eine vermeintlich verletzte „Ehre“ im kollektiv und kulturell genährten Wahn gänzlich unwürdig wird, darüber schreibt heute die türkische Frauenrechtlerin und Soziologin Necla Kelek in der FAZ.
Sie berichtet über eine „aufschlussreiche empirische Untersuchung“, die an der Dicle-Universität im ostanatolischen Diyarbakir durchgeführt wurde.
Unter der Leitung des Arztes und Psychiaters Aytekin Sir waren 443 Männer aus der Stadt und aus der Umgebung zum Thema „Ehre“ befragt worden.
Kelek zitiert aus der schon etwas älteren Studie erstaunliche Zahlen:

>Auf die Frage, was Ehre sei, antworteten 32,9 Prozent: die Frau, meine Familie. 18,4 Prozent sagten, Ehre sei, was ihre Religion ihnen befehle; für 13,7 Prozent war mit Ehre das Ansehen des Mannes in der Öffentlichkeit gemeint; und jeder Zehnte verstand darunter „das Benehmen der Frau in der Öffentlichkeit“.
„Ohne Ehre“ ist für fast jeden Zweiten (48,5 Prozent) der Befragten, wer „zina“, Ehebruch, begeht, für zwölf Prozent ist die Ehre verloren, wenn die Frau den Ehebruch begeht, und für jeden Zehnten, wenn die Braut, Tochter, Schwester vor der Hochzeit die Jungfräulichkeit verliert.[…]

Die Frage, ob die Frau bei „Ehrverlust“ bestraft werden müsse, bejahten 83,7 Prozent, 16,3 Prozent verneinten sie. Als „Strafe“, die ihr in einem solchen Fall „zustünde“, verlangten 37,4 Prozent: „Sie muss getötet werden“; 25,8 Prozent würden sie verstoßen und sich scheiden lassen; 7,6 Prozent sagten: „Sie muss ins Haus eingeschlossen werden“; 3,3 Prozent: „Sie muss Selbstmord begehen.“

An den Antworten wird deutlich, dass die „Ehre“ von allen befragten Männern als gesellschaftliche Norm akzeptiert wird, für deren Verlust fast vier von zehn Befragten zu töten bereit wären. Niemand verweist auf die Gesetze, die das verbieten. Die Umfrage zeigt in nüchternen Zahlen, dass in diesem Teil der Türkei der Mord an Frauen bei über einem Drittel der männlichen Bevölkerung auf Zustimmung trifft, auch wenn die befragten Männer das nicht Mord, sondern Verteidigung der Ehre nennen.<

Kelek, deren neues Buch „Bittersüße Heimat: Bericht aus dem Inneren der Türkei“ in Kürze bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen wird, mag die Barbarei nicht bemänteln:

>Wer diese barbarischen Taten mit Tradition, Sitte oder einer anderen „Kultur“ rechtfertigt, betreibt Schönfärberei. Wie kann man ein Handeln, das Frauen zu einem Besitz erklärt, über den andere verfügen, als „Kultur“ bezeichnen? Treffender wäre es, von krimineller Energie und von kriminellen Vereinigungen zu sprechen. Auch der Hinweis, diese Verbrechen seien tribale, also stammesegoistische Erscheinungen und hätten mit der Religion nichts zu tun, ist kaum überzeugend.
Denn die Täter und Opfer von Ehrenmorden sind Muslime – gleich welcher Richtung. Und im Koran und durch die Vorbeter finden sie für ihr Verhalten die Legitimation. Sunniten sind genauso involviert wie Aleviten und Schiiten. Nicht nur im Osten, sondern in der ganzen Türkei.
In den wenigsten Fällen sind bei den Ehrverletzungen, die den Frauen vorgeworfen werden, tatsächlich andere Männer im Spiel. „Widerspenstigkeit“ und Gerüchte, die über eine Frau gestreut werden, reichen aus, um das Mordkommando in Marsch zu setzen. […]
Die Türkische Republik, die sich so gern als starker Staat präsentiert, verfügt auf ihrem Staatsgebiet nicht über das Gewaltmonopol. Sie hat es den Männern nicht entwenden können – oder wollen. < Quelle: faz.net, „Ehrenmorde“ in der Türkei: Die Ehre ist immer gefährdet; [Links und Hervorhebungen von uns] 15. 9. 2008

TV-Tipp: Odenwälder Islamkritikerin Serap Cileli Gast bei Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber Fair“

Eure Ehre - unser Leid: Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord

Ihr erstes Buch „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ veröffentlichte die deutsch-türkische Schriftstellerin Serap Cileli im kleinen Neuthor-Verlag des Michelstädter Verlegers Peter Bosse.
(Bosse, ein geradliniger 68er, ist heute zugleich Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Erbach-Michelstadt-Mossautal).
Seine anfangs noch unbekannte Autorin ist heute eine profilierte Kritikerin der in weiten Teilen misslungenen Integration.
Thema von Plasbergs Talkshow (ARD, 21:45 Uhr) ist der ab 1. September obligatorisch gewordene Einbürgerungstest für Einwanderungswillige.
Wie angepasst müssen Zuwanderer sein, fragt Plasberg.
Weiter und präziser wird gefragt: „Oder zeigt vor allem der Protest gegen Moscheebauten, dass es eigentlich der Islam ist, den viele nicht einbürgern wollen?
Das wird von vielen Kommentatoren in Plasbergs Gästebuch beantwortet: positiv.
So schreibt dort ein Tommie (gerichtet an die ebenfalls eingeladene Claudia Roth):

>Liebe Frau Roth, im Islam gibt es nicht: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Lehre, Freiheit der Forschung, Freiheit der Kunst, Gleichberechtigung, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, Gewaltenteilung, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Toleranz, Vielfalt, Menschenrechte (ok, außer den „Kairoern“), Wertschätzung von Bildung. Dafür gibt es: Unterdrückung, Hass, Gewalt, drakonische Strafen, Einteilung des Alltags in „halal“ und „haram“, Alleinherrschaftsanspruch (Stichwort „Herrenrasse“). Was genau macht den Islam jetzt so begehrens-, schützens- und ausbreitungswert für Sie?<

Es erscheint tatsächlich seltsam, dass die Scientology-Sekte in Deutschland „offiziell“ gefürchtet und geächtet wird, während dem ungleich mächtigeren und meist auch politischen Islam mit einer nicht minder totalitären Programmatik Tür und Tor geöffnet wird.
Welche Aufregung würde hier herrschen, wenn Scientology einen (oder viele) „Tempel“ mit den Ausmaßen der in Köln-Ehrenfeld geplanten Zentralmoschee errichten könnte?

Hass an Fassenacht in Hassenroth: „Reise nach Jerusalem“ endet in Massenschlägerei

Es stimmt ja schon. Der Odenwald ist nicht bekannt für kulturelle oder wissenschaftliche oder sonstige Höchstleistungen. Aber wo sonst in Deutschland spielen sich solche Geschichten ab?

>Nach ausgelassenem Feiern der traditionellen Kinderfastnacht in Hassenroth am Sonntag (3.) wurde gegen 17 Uhr die
Polizei alarmiert. Nach Angaben der Mitteilerin sei es dabei zu einer größeren Schlägerei gekommen.
Mehrere Personen, auch Kinder seien verletzt worden. Sie hätten zum Teil Platzwunden erlitten, mindestens ein Kind und vier Erwachsene seien verletzt.
Die vermutlichen Schläger seien nun mit einem  Kleinwagen flüchtig.
Über die Rettungsleitstelle des Odenwaldkreises wurde weiterhin bekannt, dass sich ein weiterer Verletzter im Zusammenhang mit der Schlägerei beim Kinderfasching in einem Pkw am Ortseingang von Hassenroth befinde.
Noch auf der Fahrt zum Tatort konnte die Polizeistreife in Höchst das vermeintliche Tatfahrzeug und die Insassen feststellen und anhalten.
Bei der Kontrolle des Fahrzeuges wurde festgestellt, dass auch in diesem Wagen ein Verletzter zu einem Arzt gebracht werden sollte.
Nach Feststellung der Personalien, ersten Sachverhaltsschilderungen sowie der Feststellung der Fahrtüchtigkeit des Fahrers setzten die Personen die Fahrt zu einem Arzt fort.
Die übrigen Verletzten wurden in Hassenroth durch Rettungskräfte mit zwei Rettungswagen und durch den eingesetzten Notarzt versorgt.
Nach dem jetzigen Ermittlungsstand war ein Kinderspiel „Die Reise nach Jerusalem“ Anlass für die Tätlichkeiten unter den Eltern. Ortsfremde haben danach versucht, die Spielregeln in ihrem Interesse zu ändern und seien zunächst verbal und dann tätlich gegen die Organisatorinnen der Veranstaltung gegangen.

Bilanz der Schlägerei: Eine vorzeitig abgebrochene Kinderfaschingsfeier, sieben Verletzte (fünf Erwachsene und zwei Kinder) und zum Teil stark traumatisiert Kinder. Zeugen des Vorfalls werden geben, sich mit der Polizei in Höchst in Verbindung zu setzen. (06163/941-0)< Quelle: ots/polizeipresse.de,Hassenroth – Kinderfasching endet mit Schlägerei und sieben Verletzten, 4. 2. 2008 [Links und Hervorhebungen von uns]

Eine andere Geschichte, nicht minder (tragi-)komisch als die ursprüngliche, dürfte dann deren Aufarbeitung durch das Odenwälder Echo sein.
Einen Vorgeschmack bietet da schon die (kürzere) Echo-Online-Version:

>Für die Ausschreitung müssen sich nach Angaben der Polizei drei Männer verantworten, die in die Menge der Maskenball-Gäste schlugen und traten. Die mutmaßlichen Täter flüchteten in einem Auto, wurden aber später von der Polizei gestellt. Gegen die Männer, die nicht aus Hassenroth stammen, wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt.

Auslöser des Gewaltausbruchs soll laut Polizeibericht der Misserfolg eines Jungen bei „Die Reise nach Jerusalem“ gewesen sein, einem Ausscheidungsspiel um freie Sitzplätze.

Als sich eine Betreuerin um das enttäuschte Kind kümmerte, eilte dessen Vater hinzu, beschimpfte die Frau und packte sie dabei am Arm. Betreuer der Familienveranstaltung forderten den Mann daraufhin auf, den Saal zu verlassen.

Im belebten Foyer der Halle kam es dann zum Eklat: Gemeinsam mit zwei anderen Männern griff der Vater des Jungen die Gäste an. Die Veranstalter notierten sich das Kennzeichen des Wagens, mit dem die Männer das Gelände der Turnhalle verließen, und alarmierten die Polizei.<

Die „Faschingsbilanz“ der Odenwälder Polizei sei aber insgesamt eine „positive“.
Unschön sei allerdings noch ein Vorfall in Lützel-Wiebelsbach gewesen:

>In Lützel-Wibelsbach versuchten vier Jugendliche eine Mülltonne zu beschädigen. Dabei brachen sie einen Spiegel an einem Fahrzeug ab. Zwei der Jugendlichen hätten Sträflingskleidung angehabt. Bei dem Versuch die Jugendlichen zu stellen, wurde der Ehemann der Fahrzeughalterin mit einer Flasche beworfen, worauf der die Verfolgung abbrach.<

Karl Plagge war „einfach gut“: Israelischer Maler Samuel Bak erinnert an den „Schindler“ von Darmstadt

In Worte gemalt

Der 74 Jahre alte Autor und Maler, der heute in Tel Aviv und New York lebt, stellte am Montagabend bei einer Lesung in Darmstadts Jüdischer Gemeinde sein autobiographisches Buch vor: „In Worte gemalt – Bildnis einer verlorenen Zeit.“
In seinem Buch erinnert Samuel Bak auch an den Darmstädter Wehrmachtsoffizier Karl Plagge, dem er sein Überleben zu verdanken habe.

In einem Bericht des Darmstädter Echo heißt es dazu heute:

>„Damals war er einfach gut. Erst heute weiß man, dass er ein Held war“, sagt der jüdische Maler und Autor Samuel Bak über seinen Retter Karl Plagge. Durch den mutigen Einsatz des Darmstädter Wehrmachtsmajors in der Zeit von 1941 bis 1944 in Wilna überlebte Bak gemeinsam mit seiner Mutter den Holocaust. Für sein Engagement für verfolgte Juden ist Plagge durch den Staat Israel 2005 posthum als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet worden.
Bak wurde 1933 als Einzelkind in Wilna geboren. […]
Baks Vater war Zahntechniker. Da er sehr gut schweißen konnte, kam er in das von Plagge eingerichtete Arbeitslager. Zusammen mit seiner Mutter überlebte Samuel Bak den Holocaust in verschiedenen Verstecken, sein Vater wurde jedoch wenige Tage vor der Eroberung der Stadt durch die Russen von deutschen Soldaten erschossen.[…]
Mit seinem Besuch in Darmstadt schloss sich für Bak der Kreis. Sein Überleben bezeichnete er als Wunder, das er Plagge zu verdanken habe. Oft habe er Plagge durch das Lager gehen sehen und ihn stets erkannt, „weil der Mann hinkte“. Und damals „gab es nicht viele Männer in Uniform, die hinkten.“ […]
Genaueres über den „Darmstädter Schindler“ habe er erst durch das Buch von Michael GoodDie Suche – Karl Plagge, der Wehrmachtsoffizier, der Juden rettete“ erfahren.<

Über das Buch von Michael Good hieß es in der Berliner Zeitung:

>Die Eltern von Michael Good konnten im litauischen Wilna dem Holocaust entkommen. Gerettet hat uns und viele andere ein Wehrmachtsoffizier: Major Plagge, erzählen sie später ihrem Sohn.
Die Geschichte aber lebt nur in ihrer Erinnerung – sie ist nirgendwo dokumentiert. Wer war dieser mysteriöse Offizier? Was ist aus ihm geworden? Mehr als 50 Jahre später macht sich Michael Good auf, den Retter seiner Eltern zu suchen, ohne mehr zu kennen als seinen Namen und seinen Dienstgrad.
Die Recherche führt ihn über Jahre hinweg weltweit durch das Internet, bis er schließlich auf eine höchst ungewöhnliche Geschichte stößt. Das Buch erzählt die Geschichte der Juden von Wilna und die Geschichte eines Deutschen, der einen kleinen Teil von ihnen retten konnte.
Die Suche. Karl Plagge, der Wehrmachtsoffizier, der Juden rettete
Es stützt sich auf die Erzählungen der Familie des Autors, auf Interviews mit anderen Überlebenden und auf über 50 Jahre verschlossenene Wehrmachtsakten und Protokolle des Entnazifizierungsverfahren von Karl Plagge.
Nach und nach vervollständigt sich dabei das Bild eines Deutschen, der durch Menschlichkeit, Umsicht und Mut mehrere Hundert Juden vor der Erschießung und der Deportation in die Vernichtungslager rettete.
Es ist keine ganz bequeme Geschichte, die der jüdische Arzt Michael Good seit sechs Jahren in die Welt zu tragen versucht. Den Deutschen, so ahnt er, wird sie zeigen, dass Widerstand gegen den Holocaust auch in der Wehrmacht möglich war.
Juden wird sie beweisen, dass Nazis zu Lebensrettern werden konnten: Und dem Komitee Yad Vashem in Israel legte sie sogar die Bürde auf, ein NSDAP-Mitglied zu ehren. Es geht um die lang verschüttete, höchst ungewöhnliche Geschichte des Wehrmachtsmajors Karl Plagge aus Darmstadt.<

Die Wikipedia schreibt über den vor 50 Jahren gestorbenen Darmstädter u.a., dass er sich nach dem Krieg in einem Entnazifierungsverfahren auf eigenen Wunsch nicht als „Entlasteter“, sondern als „Mitläufer“ einstufen ließ:

>Karl Plagge studierte von 1919 bis 1924 Maschinenbau in Darmstadt.
1939 wird er als Ingenieuroffizier zur Wehrmacht eingezogen. Als Major war Plagge ab 1941 der Leiter des Heeres-Kraftfahr-Parks (HKP) 562 Ost im litauischen Vilnius.
Dank seiner stetigen Bemühungen, Juden in sein Arbeitslager zu holen und auch die Familien zusammenzuhalten, konnten etwa 250 Juden den Holocaust überleben. Er erkannte rechtzeitig, dass die Juden nur gerettet werden konnten, wenn sie unentbehrliche Arbeitsleistungen erbrachten. So ging die Gründung eines Arbeitslagers auf seine Initiative zurück und auch die Ansiedlung von privaten Textilfirmen, um Arbeitsplätze für die Frauen zu schaffen. In den Lagern wurden auch völlig ungebildete Arbeiter als „kriegswichtig“ eingestuft, was sie vor dem Zugriff der SS bewahrte.

Bevor die Wehrmacht 1944 Vilnius vor der anrückenden Roten Armee räumte, warnte Plagge die Zwangsarbeiter vor der drohenden Übernahme des Lagers durch die SS und verhalf vielen von ihnen zur Flucht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich im Entnazifizierungsverfahren auf eigenen Wunsch als Mitläufer einstufen, obwohl er von der Spruchkammer als Entlasteter eingestuft werden sollte. Wie auch Oskar Schindler machte er sich bis zu seinem Tod Vorwürfe, zu wenige Menschen gerettet zu haben. Am 19. Juni 1957 ist Karl Plagge in Darmstadt an Herzversagen gestorben.<

Quelle: Wikipedia, [Hervorhebungen und Links von uns]

Der Verein „Geschichtswerkstatt“ konzipierte eine Ausstellung „Karl Plagge – Ein Gerechter unter den Völkern“. Sie ist noch bis zu den Herbstferien am Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasium, das Plagge einst selbst besucht hatte, zu besichtigen.
Über die Eröffnung der Ausstellung hatte das Darmstädter Echo schon am 10. September berichtet.

„Der Eintrag hat ein auf Moderation wartendes Feedback“: Kulturbloggerin Claudia Trossmann plädiert für Vielfalt und Kritik – nur nicht in ihrem Blog

trossmann morales bashing

Im Oktober letzten Jahres sah sich die Odenwälder (Kultur-) Bloggerin Claudia Trossmann in ihrer pessimistischen Sicht über den – ja doch – sozialen, kulturellen und moralischen Abstieg der westlichen Demokratien erneut bestätigt. Diesmal durch den Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen (ROG). Ihr Fazit: Mit der Pressefreiheit geht es bergab.
Vor allem in jenen Ländern, die sie stets mit ärgstem Argwohn betrachtet: USA-Israel-Deutschland.
Was sie nicht erwähnte: Einer der Gründe für das Abrutschen einiger westlicher Länder auf der ROG-Skala war die Bedrohung von Autoren, Journalisten und Karikaturisten durch islamistische Fanatiker.
Diese Bedrohung hatte sie nur einige Monate zuvor als Pressefreiheittheater abgetan. Eine Solidarisierung mit den bedrohten Karikaturisten und Journalisten der dänischen Zeitung Jyllands Posten lehnte sie ab, dies sei „hysterisch und unvernünftig“. Außerdem seien die bedrohten Karikaturisten in gewisser Weise selbst schuld, da sie gegen das „differenzierte Bilderverbot“ im Islam verstoßen hätten (das sogar Kindern bekannt sei).
Zunächst eine für Künstler und Journalisten reale Bedrohung als „Pressefreiheittheater“ abzutun und anschließend – als sei man bestätigt worden – über das Bergab der Pressefreiheit zu klagen, erschien uns widersprüchlich, genauer gesagt: unredlich.
Die kritischen Ausführungen zu ihren widersprüchlichen Aussagen mochte Claudia Trossmann nicht kommentieren. Statt dessen meldeten sich hier im Kommentarbereich anonyme (männliche? weibliche?) Kommentatoren („Wayback“, „Waydown“, „Fremder ohne Maske„), die für die Kulturbloggerin Partei ergriffen.
Noch bemerkenswerter war aber, was sich zur selben Zeit im Kommentarbereich von Claudia Trossmanns Kulturblog tat bzw. nicht tat.
Auch dort wurde nämlich Kritik an ihren Positionen geübt, und zwar nicht anonym und zudem in sachlichem Ton.
Das war der Wortlaut des am 25. Oktober abgesandten Kommentars:trossmann kommentar rog

>Claudia, wie nur kannst Du in der neuen ROG-Rangliste zur Pressefreiheit eine Bestätigung Deiner Positionen sehen?
Du schreibst „Mit der Pressefreiheit geht es bergab“.
Auffällig bergab ging es mit dem bisherigen „Spitzenreiter“ Dänemark, der sich um 18 Ränge verschlechterte.
Grund: Die Bedrohung von Leib und Leben der Mohammed-Karikaturisten und der Zeitungsmacher durch Fanatiker.
Du hast vor 8 Monaten eben diese Bedrohung wortwörtlich als „Pressefreiheittheater“ bezeichnet, eine Solidarisierung mit den so Bedrohten wortwörtlich als „unvernünftig und hysterisch“ bezeichnet und den Bedrohten direkt/indirekt die Schuld zugewiesen.
Sie hätten gegen das „differenzierte Bilderverbot im Islam“ verstoßen, das angeblich schon jedem Kind bekannt sei
.<

Das sachliche Feedback wurde von der Kulturbloggerin nicht zugelassen. Auch nicht der darin enthaltene Link zu den Odenwald-Geschichten.
Ruft man heute im Kulturblog Claudia Trossmanns Artikel über das „Bergab der Pressefreiheit“ auf, erscheint darunter der Hinweis:
Bisher keine Kommentare/Trackbacks/Pingbacks für diesen Eintrag…
Zuvor war noch diese Meldung erschienen: „Der Eintrag hat ein auf Moderation wartendes Feedback„.

trossmann feedback moderationNach einer gewissen Anstandsfrist hatte die Moderatorin offenkundig das ihr ungenehme, weil kritische Feedback herausmoderiert bzw. gelöscht.
Man ahnt, wie die bessere Welt der Bloggerin aussähe, könnte sie dieser tatsächlich herrschend ihren Stempel aufdrücken – vor allem im Hinblick auf Meinungs- und Pressefreiheit, für die es mit ihr natürlich bergauf statt bergab ginge.

Trotz des herausmoderierten bzw. gelöschten Feedbacks wurde etwas später erneut die Einladung des Kulturblogs zum Feedback aufgegriffen: „Hinterlasse einen Kommentar„.

Auch diesmal (4. Januar 2007) war es ein medientheoretischer Text der Kulturbloggerin, der zum Feedback animierte: „Medien – Dichtung oder Wahrheit?

Claudia Trossmann äußert darin die Hoffnung, dass „Kurt Tucholsky irgendwann unrecht“ habe mit seinem Bonmot: „Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.“
Es scheint, als sei in diesem Sinne die Odenwälder Bloggerin doch (auch) eine geschickte Journalistin – denn in ihrem Blog jedenfalls beherrscht sie das Totschweigen kritischer Feedbacks („Bisher keine Kommentare für diesen Eintrag …“).
Aber eigentlich will sie ja anders sein, z.B. will sie – wieder ein Satz aus dem nämlichen Artikel – „der Einfalt eine Vielfalt an Meinungen entgegensetzen. Und hofft, dass „Wahrheit und Fairness dank Vielfalt die Oberhand“ bekommen. trossmann bierce feedback

Überhaupt wimmelt es in den Texten von Claudia Trossmann nur so vom „Gutsprech“: Wahrheit, Fairness, Gerechtigkeit, Friede, Dialog, Kultur, Mensch, Seele …
Wer solche Worte so inflationär verwendet, das wusste schon der skeptische Kirchenbesucher vom weihevoll predigenden Pastor auf der Kanzel, will die Moral gerne für sich gepachtet haben. Wer aber etwas pachtet, sucht daraus auch Gewinn zu ziehen. Auch aus der Moral, die lässt sich zum Beispiel gerne gegen jeden wenden, der widerspricht. Sie ist gut fürs Image und manchmal auch für das Geschäft.
Aber es bleibt eben ein Unterschied, ob einer nur gerne den Gutsprech intoniert und auf der hohen (und manchmal hohlen) Phrase reitet, oder ob er – und zwar ohne große, tönende Worte – lebt, was er verbal vertritt.
Wie sah es hier also aus mit der „Fairness“ und der „Vielfalt“, nachdem der Leser zum Hinterlassen eines Kommentars eingeladen wurde?

Wird die Kulturbloggerin hier auch kritische Rückfragen zulassen? Immerhin drei Kommentare lässt sie zu. Ihren eigenen, einen von Besucher Jörg („Schöner Beitrag!“), sowie einen von Besucher Sabinchen („Das ist tatsächlich ein sehr (!) interessantes Blog.„)
Ein viertes (kritisches) Feedback, das so gesehen nicht für „Einfalt“, sondern für „Vielfalt“ steht, wartet dagegen seit fast 4 Wochen auf „Moderation“. Pech, wenn sich einer nach der netten Einladung Mühe machte und (ohne Backup) eine halbe Seite kritisch und damit vergebens schrieb. Man könnte das unfair nennen.

Bevor also der in diesem Fall vorausschauend vom Leser archivierte Kommentar im Kulturblog wieder gänzlich ausmoderiert bzw. eliminiert wird, sei er hier zitiert:

>Claudia, Du zitierst Ambrose Bierce: „Gerüchte sind die Lieblingswaffe des Rufmörders.“
Du selbst hast am 15. Dezember in Marcel Bartels mein-parteibuch.de einen israelfreundlichen Blog (Lizas Welt) mit „Morddrohungen … ganz real“ in Verbindung gebracht. Der Blog gehöre angeblich einem „antideutschen Netzwerk“ an. Dieses angebliche „Netzwerk“ bzw. dessen Weltbild verleite Menschen zu angeblichen „Mordrohungen„. Deine „Argumente“ basieren bestenfalls auf Gerüchten. Gilt für Dich daher auch das Verdikt von Ambrose Bierce?
<

trossmann bierce

Nur die Links zu den entsprechenden Seiten wurden hier nachträglich eingefügt, der Text selbst wurde in genau diesen Worten am 5. Januar als Kommentar im Kulturblog hinterlassen.

Man sollte nicht verschweigen, dass Claudia Trossmann auch außerhalb ihres Kulturblogs Zustimmung erfährt. So lobt ein früherer Kriminalpolizist (und heute noch immer Kommunist) aus der DDR, Jürgen Cain Külbel, ihre „mutigen“ Bemerkungen.
Külbel selbst ist auch für „mutige“ Bemerkungen bekannt. So nennt er den radikalen DDR-Apologeten Peter Hacks sein „unerreichbares Vorbild“. Hacks hatte Hymnen auf den Genossen Stalin, den Genossen Ulbricht und die Mauer verfasst. Dort ist irgendwo auch noch Külbel zu Hause und dort, ja wer weiß, war vielleicht doch der Mensch die Seele von Wirtschaft und Kultur….

Wer aber glaubt, nur ein Kritiker exquisit linker Positionen falle mit seinen Feedbacks in den Blogs der Kulturbloggerin der moderierenden Schere zum Opfer, irrt.
In Claudia Trossmanns Odenwald Magazin wurde eine Diskussion zwischen dem WASG-Aktivisten Stephan Krieger und dem inzwischen aus der WASG ausgeschiedenen Willi Utzinger nach 3 Kommentaren abgebrochen.
Krieger hatte das letzte Wort. Hätte der von ihm als „Quertreiber“ titulierte Utzinger noch etwas entgegnen wollen, hätte er Pech gehabt:
Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert„.
Auch da konnte man sich Gedanken machen.
Wenn im virtuellen Reich der Kulturbloggerin schon die Meinungsfreiheit schnell an gewisse (kritische) Grenzen stößt, wie steht es dann eigentlich mit der von ihr ebenfalls oft beschworenen Friedensliebe?
kuelbel trossmann
Wer miteinander redet, schießt nicht aufeinander„. Das ist eine kardinale Erkenntnis nicht nur von Pazifisten. „Erst wo der Dialog abbricht, wird es wirklich gefährlich„, schreibt der Philosoph Helmut Hille. Das wäre wohl auch ein Rezept für den kriegsgeplagten Nahen Osten, der Palästinenser untereinander und ebenso Palästinenser und Israelis von immer neuer Gewalt abhalten könnte.
Auch Claudia Trossmann engagiert sich häufig mit entsprechenden Rezepten für die nah-ferne Region – auch wenn ihre Sympathie für die Hisbollah scheinbar etwas größer ist als für die israelische Regierung. (Wo blieb übrigens der kritische Kommentar von Regioblogger Peter Löwenstein, der ihr vorwarf, die Hisbollah zu verharmlosen?).
Nur finden ihre Rezepte im eigenen Haus bzw. im eigenen Blog offenkundig weniger Verwendung. Der Dialog bricht, wie man hier sehen konnte, bereits nach wenigen kritischen Feedbacks ab. Von da an wurd geschwiegen.

Die „Gosch“ Pia Röder lacht über das „kranke Zeug“ in Sacha Baron Cohens Kultfilm „Borat“


Die junge Studentin der Journalistik kommt aus dem Odenwald und ist von dort bereits einiges gewohnt.
Der kasachische Fernsehreporter Borat Sagdiye im gleichnamigen Film scheint aber alles in Südsüd-Hessen Erlebte noch zu toppen:

>Nennt mich plump und niveaulos. Beschimpft mich als Frau ohne Tiefgang. Unterstellt mir Pietätslosigkeit. Aber ich fand den Film „Borat“ (eigentlich: Borat!: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan) endlos lustig. Ich hab mit vier Herren im Kino gesessen, die sich mit mir in Trance gelacht haben.[…]
Als Tochter eines Juden hab ich auch quasi einen Freischein über die Späße von Sacha Baron Cohen (selbt Jude) zu lachen. Den Rest hat mir aber das Wrestling zwischen den beiden nackten Kasachen gegeben. Dann wars wirklich wirklich vobei. Faszinierend wie man die amerikanische Gesellschaft durch einen verrückten kasachischen Reporter so aus der Reserve locken kann und man damit aufzeigt wie Banane der Trupp jenseits des Atlantiks eigentlich ist.< Quelle: Die Gosch, Lachen über krankes Zeug, 9. 11. 2006 [Link von uns]

Interessant, was bei Wikipedia über die Hintergründe des Films zusammengetragen wurde:
>Die Dreharbeiten, die mit einer achtköpfigen Crew durchgeführt wurden, erfolgten zumeist im so genannten Hit-and-Run-Stil. Diese Art der Filmemacher führte dazu, dass sie mit dem Gesetz in Konflikt gerieten und vom FBI beschattet wurden. Der Grund dafür war, dass Anwohner dachten, die Filmemacher seien Terroristen. Dies führte sogar zu Verhaftungen.[

Sämtliche bei den Filmaufnahmen involvierte Personen unterschrieben angeblich Einverständniserklärungen, bei einem Film mitzuwirken. Dabei war jedoch von keiner Hollywood-Produktion, sondern stets von einer kasachischen Dokumentation die Rede.

Im September 2006 hat sich US-Präsident George W. Bush mit den provokativen Äußerungen von Sacha Baron Cohen beschäftigt. Hintergrund war ein Treffen mit dem kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, bei dem sich dieser über Cohens rassistische Äußerungen beschwerte. Cohen hatte mit der Kunstfigur „Borat“ Kasachstan als einen hinterwäldlerischen Kommunistenstaat dargestellt, in dem Prostitution, Waffenschieberei und die Diskriminierung von Randgruppen auf der Tagesordnung stehen. Diese Satire wurde von kasachischer Seite sehr negativ aufgenommen. US-Präsident George W. Bush will weitere diplomatische Zwischenfälle vermeiden.

Zum deutschsprachigen Filmstart des Films Borat wurde in Deutschland vom in Hamburg ansässigen Europäischen Zentrum für Antiziganismusforschung Strafanzeige wegen Volksverhetzung eingereicht. Auch TV-Unternehmen, die Werbespots für den Film sendeten, sowie die Tageszeitung „Die Welt“ wurden in gleicher Weise angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Hamburg prüft.<

Rebecca Horn erhält Europas höchstdotierten Preis für Bildhauerei – Preisverleihung in Anwesenheit von Bundespräsident Köhler


>Mit ihrem feuerroten Haar, dem feinen Gesicht, dazu dem bauschigen dunklen Oberkleid über schmalen Hosenbeinen wirkt sie von Ferne selbst wie jener fremde Vogel, den sie in ihren Performances in den Sechziger- und Siebzigerjahren mittels einer Ganzkörper-Federmaske erschaffen hat. Der Eindruck eines exotischen Geschöpfs verstärkt sich noch einmal in der Umgebung: Die Künstlerin steht umringt von lauter Anzugträgern. Ein großer Tag, denn Rebecca Horn erhält den zum zehnten Mal verliehenen Piepenbrock-Preis für Skulptur; mit 50 000 Euro ist er die höchstdotierte Auszeichnung für Bildhauerei in Europa. Gestern Mittag wurde er ihr im Rahmen eines Festaktes im Hamburger Bahnhof überreicht. Ein Stelldichein ersten Ranges für Sammler, Mäzene und finanzkräftige Freunde der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, denn den alle zwei Jahre vergebenen Preis stiftet ein Privatmann: der Berliner Unternehmer Hartwig Piepenbrock mit seiner Frau Maria-Theresia. Die Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler bei dieser Feierstunde unterstrich noch einmal die Wertschätzung dieses Aktes auch auf höchster staatlicher Ebene, die Bedeutung bürgerlichen Engagements auf dem kulturellen Sektor.<

Die 1944 in Michelstadt (Odenwald) geborene Künstlerin >reiht sich ein in eine Phalanx hochmögender Skulpteure: Max Bill, Eduardo Chillida, Anthony Cragg und Dani Karavan. Mit ihr erhält zum ersten Mal eine Frau den Preis, in einer Sparte, in der ansonsten nur wenige Künstlerinnen reüssieren. Umso besser trifft es sich, dass ab 5. Oktober im Martin-Gropius-Bau ihre Retrospektive „Bodylandscapes“ zu sehen ist. Die zuvor schon in Düsseldorf, Lissabon und London gezeigte Schau gibt einen Überblick über ihr fern von gängigen Bildhauerei-Vorstellungen angesiedeltes Schaffen. Ja, sie zertrümmere geradezu den klassischen Begriff, erklärte der Laudator Werner Spies, indem sie die verschiedenen Medien einbeziehe. Die heute in Berlin und Paris (Anm.: und in Bad König) lebende Künstlerin arbeitet zugleich als Performerin, Filmemacherin, Dichterin.< Quelle: Der Tagesspiegel, Ticken, klopfen, spritzen 31. 8. 2006 [Hervorhebungen und Links von uns]

Rebecca Horn unterhält natürlich auch eine Website. Über ihre Retrospektive „Bodylandscapes“ informiert eine 20-seitige Broschüre, die als pdf-Datei aus dem Internet heruntergeladen werden kann.

Cleveres Standortmarketing: Odenwaldmetropole Michelstadt veranstaltet Weihnachtsmarkt ganzjährig

Michelstadt Weihnachten forever

Die Geschäfte gehen schlecht in Michelstadt – im Allgemeinen. Nur im Besonderen gehen sie gut – während des bundesweit bekannten und beliebten Weihnachtsmarktes, wo das „Herz des Odenwaldes“ mit pittoresker Fachwerkromantik punkten kann.
Warum sollte das nicht das ganze Jahr über möglich sein? Schließlich geben sich die Menschen auch im Kino gerne Illusionen (und falschen Jahreszeiten) hin.
Mit einem mutigen Schritt hat nun der Michelstädter Magistrat die Ausweitung des Weihnachtsmarktes auf volle 12 Monate bekannt gegeben. Ein in Deutschland einmaliger Schritt, der ohne Zweifel die Stadt am Ufer der Mümling sogar jenseit der Grenzen bekannt bzw. bekannter machen dürfte.
Wie stets bei mutigen Reformen, melden sich auch im Odenwald die Bedenkenträger zu Wort.
In diesem Fall Gerhard Grünewald, Chefredakteur des Odenwälder Echo. Er betrachtet die Umwandlung des Weihnachtsmarktes in eine ganzjährige Dauerveranstaltung aus der Warte des Anwohners. Parkplätze könnten rar werden, nächtliche Ruhestörungen die Nacht zum Tag machen, schließlich könnten die Bürger des ständigen Feierns und Weihnachtens überdrüssig werden.
Das ist typisch Deutsch. Dynamisch angegangen, etwa wie in Peking oder Schanghai, könnten die Bewohner der Michelstädter Innenstadt an den Standtrand umgesiedelt werden, was dort Wirtschaft und Infrastruktur neue Impulse gäbe.
Man wird sehen, ob die Phantasien des Magistrats oder die Schwarzmalereien des Echo-Frontmanns Grünewald in dieser Sache den Sieg davon tragen:

>Sicher – gemessen an den An- und Abflügen von Düsenjets, die andernorts zu verkraften sind, sollte sich die wiederkehrende Beschallung mit Weihnachtsliedern noch vergleichsweise leicht verkraften lassen. Und mit fast jedem Atemzug den Duft von Bratwurst und Glühwein einzusaugen, ist allemal besser als jedwede Hungerleiderei. […]
Schließlich haben die Beteiligten den Schritt nicht unmotiviert vollzogen, sondern vor dem Hintergrund jener Notlage, die nun schon seit einiger Zeit fast alle lokalen Entscheidungen vorbestimmt: Strukturwandel, verändertes Verbraucherverhalten und Konsumkrise drücken dem traditionellen Kleinstadt-Gewerbe vom Einzelhandel bis zum Handwerk die Luft ab, zudem geht durch die Abwanderung von Industrie Kaufkraft verloren. Was bleibt da anderes übrig, als alle Chancen zu nutzen.[…]
So dem Sachzwang erlegen, stellen die Entscheidungsträger jedwede Anlässe zu Bedenken hintan – in diesem Fall etwa die Erkenntnis, dass Weihnachtsmärkte nicht mehr nur als jene beschaulichen Bummelfeste daherkommen, die ihr Name suggeriert. Werden sie doch vermehrt auch als Rammelpartys interpretiert.
Da können selbst intensivste Bemühungen nicht abwenden, dass hier mal noch weit nach Marktschluss gegrölt, da eine Notdurft verrichtet und dort eine nicht mehr genehme Speise entsorgt wird …< Quelle: Odenwälder Echo, Das Weihnachts-Ei, 22. 4. 2006