Archiv der Kategorie: Polizei

TV-Tipp: Leben unter Verdacht – Der Fall Harry Wörz

Unrecht im Namen des Volkes. Ein Justizirrtum und seine Folgen

Vor fast 5 Jahren wurde in den Odenwald-Geschichten erstmals über den Fall ‚Harry Wörz‘ berichtet.
Wir schrieben damals über diesen Justizskandal und das Engagement von Internet-Aktivisten, die ihn aufdeckten:

>In einem der spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte führte das Engagement von Justizkritikern zum Freispruch des jahrelang zu Unrecht inhaftierten Harry Wörz.
Wörz wurde sehr wahrscheinlich das Opfer einer Intrige der Polizei in Pforzheim, die so einen tatsächlichen Täter in den eigenen Reihen gedeckt haben könnte.[…]
Skrupellose Rechtsbeuger innerhalb der Justiz machten das fragwürdige Spiel mit und brachten Wörz, der “nur” ein einfacher Bürger war und keine Beziehungen hatte, jahrelang hinter Gitter.<

Der BGH hob diesen Freispruch dann wieder auf. Das konnte man noch erwarten.
Später nahm der Fall eine Wendung, die auch wir nicht erwartet hatten. In den Medien sprach man von einer Sensation und das war es auch:
In einem neuen Prozess vor dem Landgericht Mannheim machten Richter endlich das, was sie bereits 11 Jahre zuvor tun mussten, aber nicht taten: Sie befassten sich unbefangen und akribisch mit dem Fall und gewährtem dem Justizopfer Harry einen Freispruch erster Klasse. Mehr noch: Sie benannten einen damals in die „Ermittlungen“ involvierten Polizisten als den wahrscheinlichen Täter.
Man muss nach allem bisher Bekannten davon ausgehen, dass Harry Wörz ein Komplott von Polizisten zum Verhängnis wurde.
Ob dieses Komplott jemals aufgeklärt wird, ob der wahre Täter jemals zur Verantwortung gezogen wird, ob die bereits 1997 skandalös agierende Staatsanwaltschaft und das 1998 skandalös verhandelnde und urteilende Landgericht Karlsruhe je wegen Rechtsbeugung, Verfolgung Unschuldiger und Strafvereitelung belangt wird, ist unwahrscheinlich, das Letztgenannte sogar ausgeschlossen: Lumpen und Pfuscher innerhalb der Justiz werden in aller Regel nie belangt. Allenfalls könnte die weitere Karriere etwas stottern – oder im Gegenteil sogar Fahrt aufnehmen.

Wer immer noch Illusionen über den ‚Rechtsstaat‘ anhängt, sollte sich heute abend (22:45) in der ARD eine Dokumentation zum Fall des Harry Wörz ansehen – oder sie aufzeichnen.
Die ARD nennt den Film von Gunther Scholz einen „spannenden dokumentarischen Krimi“.
Man sollte auch keinen Moment vergessen, dass die späte Gerechtigkeit für Harry Wörz eine äußerst ungewöhnliche Ausnahme darstellt. Möglich geworden vielleicht auch nur, weil Freunde von Harry Wörz schon frühzeitig die Umstände des Justizskandals via Internet publik machten.

Julia Jüttner schreibt in Spiegel Online abschließend:

>Für Harry Wörz ist all das kein Trost. Er ist finanziell ruiniert. „Man hat mir alles gestohlen, alles. Nicht nur meinen Sohn, Eltern, Verwandte, Bekannte“, sagt der 44-Jährige im Film. „Das braucht lange, bis ich über das hinwegkommen tue. Wenn ich überhaupt darüber hinwegkommen tue.“

Seit wenigen Wochen befindet sich Harry Wörz in Kur, von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Bekannten zufolge geht es ihm sehr schlecht.<

Bad-König: Feuerteufel nach 3 Jahren gefasst – Feuerwehrmann geständig

Pädophile zieht es zu Kindern, Pyromanen zum Feuer – so findet man sie oft dort, wo das eine behütet und das andere verhütet werden soll. Eigentlich.
Dass der (eine) Odenwälder ‚Feuerteufel‘ ein Feuerwehrmann ist, kommt nicht ganz überraschend.
Wer über 3 Jahre hinweg nicht genug Feuer legen und sehen kann, wird, so es denn möglich ist, auch im Legalen dort sein wollen, wo die Flammen züngeln.
Seit 2007 kam es in Bad König und Umgebung zu 52 Bränden. Der nun überführte (freiwillige) Feuerwehrmann hat laut Mitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen 29 Brandstiftungen gestanden. Möglicherweise hat er noch häufiger gezündelt. Für ihn jedenfalls ist nun das Ende gekommen.

Nachfolgend die vollständige Meldung über den „Ermittlungserfolg der Erbacher Kriminalpolizei„:

>Die zuständige Staatsanwältin und die Ermittler des Kommissariats 10 bei der Erbacher Kriminalpolizei haben am Donnerstag (6.5.) einen 25 Jahre alten Mann aus dem Odenwaldkreis festgenommen. Der Mann steht im dringenden Verdacht für eine Serie von Brandstiftungen in Bad König und Umgebung verantwortlich zu sein. Der 25-Jährige hat gegenüber Staatsanwaltschaft und Polizei eingeräumt, 29 Brände gelegt zu haben. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt wurde der Tatverdächtige am Freitagnachmittag (7.5.) dem Haftrichter vorgeführt. Der Haftrichter ordnete die Untersuchungshaft gegen den 25-Jährigen an. Er wird nun in eine Haftanstalt gebracht.

Seit Mitte 2007 kam es in Bad König und Umgebung immer wieder zu Bränden von Holzstapeln, Gartenhütten, Scheunen, Lagerhallen und leerstehenden Häusern. Die Kripo in Erbach zählte bis Februar dieses Jahres 52 Brände. In einer Vielzahl der Brände ist von Brandstiftung auszugehen. Die Schadenshöhe wird insgesamt auf über 500.000 Euro geschätzt. Personen kamen dabei glücklicherweise nicht zu Schaden.

Die Fahnder des Kommissariats 10 hatten von Anfang an akribisch Spuren an den jeweiligen Brandorten gesichert und waren den vielen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte zudem eine Belohnung von 2000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgesetzt. Auch die Anwendung modernster Ermittlungsmethoden rückte den Tatverdächtigen immer mehr in den Fokus der Ermittler. So ergaben sich auch aus dem Einsatz spezieller Suchhunde, so genannter „Mantrailer“, weitere wichtige Indizien in der Beweiskette. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen, der zu den Tatzeiten Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war, stießen die Kripobeamten auf Beweismittel und stellten diese sicher. Die umfangreichen und intensiven Ermittlungen sowie die sich dadurch weiter verdichtenden Indizien führten dazu, dass der Mann 29 Brandlegungen einräumte. Die Höhe des dabei entstandenen Schadens wird auf etwa 300.000 Euro beziffert. Ob auch die anderen Brände auf das Konto des Tatverdächtigen gehen, ist Gegenstand der weiter andauernden Ermittlungen.

Einen Zusammenhang zur Brandserie in Michelstadt schließt die Kriminalpolizei aus. Auch hier werden die kriminalpolizeilichen Ermittlungen mit Hochdruck fortgeführt.<

Tennessee Eisenberg: Forderung nach Anklage der polizeilichen Todesschützen verstummt nicht

Vor genau einem Jahr erschossen Polizisten in Regensburg den Studenten Tennessee Eisenberg. 16 Schüsse gaben sie auf den jungen Mann ab, 12 trafen ihn, die letzten 4 waren tödlich.
Wenig oder nichts spricht dafür, dass die Polizisten in Notwehr handelten, viel spricht dafür, dass es sich um Totschlag handelte – vielleicht sogar um Mord. Anlass: Womöglich nur die ‚respektlose‘ Lippe eines akut Ausgeflippten.

In vielen Staaten wird Mord von oben gedeckt – insbesondere dann, wenn der Täter aus den Reihen der ‚Sicherheitsorgane‘ kommt.
Die Bundesrepublik Deutschland sieht sich dagegen als Rechtsstaat, als Staat, der selbst dem Recht unterworfen ist – so wie auch alle seine ‚Diener‘, ob klein oder groß.

Doch ist auch in Deutschland der Rechtsstaat nur ein Postulat und nicht die Realität. Das Beste, was sich über ihn sagen lässt: In den allermeisten Staaten ist er es noch weniger als hier.

Der Fall des Tennesse Eisenberg zeigt exemplarisch, dass auch in Deutschland Totschläger von oben gedeckt werden, wenn sie nur aus den Reihen des Staatsapparates kommen und ihre Tat in dienstlicher Funktion verübten.

SPIEGEL Online schreibt heute:

>Aus einem Polizeivideo, auf dem der nachgestellte Einsatz aufgezeichnet ist, ergeben sich jedoch ganz andere Indizien. So wurden die ersten drei Schüsse von hinten auf Eisenberg abgegeben. In dem Filmabschnitt erklären ein Gutachter des Landeskriminalamts und ein Schussexperte übereinstimmend, dass der Student in diesem Moment nicht, wie Zeugen angaben, mit dem Messer vor einem in die Ecke gedrängten Kollegen stand, sondern offenbar die Treppe wieder hinaufgehen wollte.

Tennesse Eisenberg hatte, das ergeben laut den Sachverständigen die Schusskanäle, offenbar schon ein Bein auf der untersten Stufe. Die erste Polizeikugel schlug neben der Schulter in der Wand ein, die zweite durchschlug von hinten sein Knie und landete in der Treppe, eine dritte Kugel traf ihn seitlich von hinten am Oberarm. Danach drehte sich der Student zu den Beamten um und wurde Sekunden später von Schüssen in den Oberkörper gestoppt.<

Ungeachtet der hier zitierten Gutachter hat die Staatsanwaltschaft Regensburg das Ermittlungsverfahren gegen die Totschießer des Studenten eingestellt.
Die Generalstaatsanwaltschaft, der bayrische Innenminister Joachim Herrmann und die bayrische Justizministerin Beate Merk finden es in Ordnung. Es war von ihnen auch anders nicht zu erwarten.

Doch es ändert sich etwas in Deutschland, Rechtsbeugung und Strafvereitelung wird nicht mehr gottergeben hingenommen.
Dies verdankt sich auch aber nicht nur dem Internet. Es wirkt weltweit emanzipativ. Deswegen fürchten es dort die Diktatoren und hier die Korrupten.

Dass staatliche Stellen nach dem Totschießen des Tennessee Eisenberg und der offenbaren Protektion der polizeilichen Täter nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnten, hat auch mit einem Weblog zu tun:

regensburg-digital.de wird finanziell und ideell von einem „Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.“ getragen.

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Für das ebenfalls mit WordPress betriebene Blog gilt, was auch für uns gilt: „Eine unabhängige Berichterstattung macht Spaß. Leider ist sie nicht besonders lukrativ„.

Auf jeden Fall trägt die unabhängige Berichterstattung der Regensburger Blogger um Stefan Aigner erheblich dazu bei, dass es in dem Polizei- und Justizskandal ‚Tennessee Eisenberg‘ keine Ruhe gibt.

Uneingeschränkt solidarisch mit den Kollegen im Süden publizieren auch wir einen Offenen Brief an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. [Auf regensburg-digital.de war er schon gestern zu lesen.]

>Sehr geehrte Frau Bundesministerin Leutheusser-Schnarrenberger,

Der gewaltsame Tod von Tennessee Eisenberg durch Polizeikugeln am 30. April 2009 hat viele Menschen erschüttert. Die damaligen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden deutlich kritisiert, Vertuschungsvorwürfe standen im Raum. Auch Sie selbst äußerten sich im September gegenüber der SZ besorgt: „Es gibt mir sehr zu denken, dass es eines zweiten, privaten Gutachtens bedurfte, um diesen Vorfall zu klären“.

Von einer Klärung kann allerdings keine Rede sein, denn dieses zweite Gutachten wird äußerst unterschiedlich interpretiert. Appelle der Bevölkerung, den Sachverhalt daher vor ein Gericht – also eine neutrale Instanz – zu bringen, blieben ohne Wirkung: die Staatsanwaltschaft Regensburg hat die Ermittlungen im Dezember eingestellt, eine Beschwerde dagegen wurde von der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg am 26. März 2010 abgewiesen.

Die Bayerische Justizministerin Frau Dr. Merk sah trotz zahlreicher Widersprüche und Einwände – insbesondere seitens der Anwälte der Hinterbliebenen – dennoch „keinen Anlass zur Skepsis“ an der Arbeit der Staatsanwaltschaft.

Aber nicht nur Michael Lerchenberg – der vielen Bayern in dieser Sache am Münchner Nockherberg aus dem Herzen sprach – sondern auch unabhängige Fachleute sehen das anders: Der Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Regensburg, Prof. Dr. Müller, nach dessen Ansicht die Staatsanwaltschaft im Dezember um eine Anklage „kaum noch herum kommen“ konnte, bezeichnete die Verfahrenseinstellung als „einigermaßen überraschend“ und keine „Rechtsfrieden stiftende“ Entscheidung.

Wir haben das Bayerische Justizministerium gebeten, einen Vertreter zu einer öffentlichen Diskussion mit Prof. Dr. Müller zu entsenden. Diese Bitte wurde ohne Angabe von Gründen abgewiesen. Es verstört uns, dass man sich mit unseren Sorgen an verantwortlicher Stelle offenbar nicht auseinandersetzen möchte, während selbst der US-amerikanische Human Rights Watch Bericht den Fall Eisenberg als möglichen Verstoß gegen die Menschenrechte auflistet.

Wir fragen Sie daher: Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um unser beschädigtes Vertrauen in das Funktionieren unserer Strafverfolgungsbehörden wiederherzustellen?

Sind Sie bereit, sich nachdrücklich für die Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle für Fälle von Polizeigewalt einzusetzen, wie sie in verschiedenen Varianten in zahlreichen europäischen und außereuropäischen Ländern bereits besteht und wie sie Menschenrechtler schon lange auch für Deutschland anmahnen?

Wir halten das für notwendig, denn aus unserer Sicht hat die Aufsichtsbehörde über die Staatsanwaltschaft – das Bayerische Justizministerium – im Fall Eisenberg in verstörender Art und Weise versagt und das Vertrauen der Bevölkerung verspielt.
Die Möglichkeit eines Klageerzwingungsverfahrens – wie es die Anwälte der Familie Eisenberg auch anstreben – stellt dabei keine ausreichende Lösung dar. Die Hürden für einen solchen Schritt sind unverhältnismäßig hoch, was sich nicht zuletzt darin zeigt, welch eine Rarität solche Verfahren sind. Wir fordern Sie daher auf, zu handeln! Durch eine Demonstration an Tennessees Todestag in Regensburg wollen wir dieser Bitte Nachdruck verleihen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Bürger< [Alle Hervorhebungen sind von uns]

Rettungseinsatz in Südhessen: Nicht gerettet, sondern ruiniert

Ein alter Mann erleidet einen Herzinfarkt. Es ist nichts Ungewöhnliches, tagtäglich trifft es in Deutschland mehr als 800 Menschen, auch jüngere.
Etwa 500 von ihnen sterben kurz vor oder kurz nach der Einlieferung in ein Krankenhaus.
Ungewöhnlich war aber, was nach dem Infarkt des alten Mannes nun bei Groß-Umstadt in Südhessen geschah. Er wurde nicht gerettet, sondern im Verlauf eines fatalen Rettungseinsatzs ruiniert. Schwer verletzt wurden außerdem seine Ehefrau, sein Notarzt, ein Rettungsassistent und ein Fahrer.

So berichtet die Polizeidirektion Südhessen über den gestrigen Unfall auf der B 45:

>Groß-Umstadt (ots) – Fünf Schwerverletzte und eine Leichtverletzte – das ist die Bilanz eines Verkehrsunfalls am Montag auf der Bundesstraße 45 bei Groß-Umstadt. Nach den bisherigen Ermittlungen war gegen 11.35 Uhr ein Rettungswagen des DRK mit Blaulicht und Sondersignal auf der B 45 in Richtung Dieburg unterwegs und fuhr bei „Rot“ über die Habitzheimer Kreuzung. Dabei wurde er von einem BMW, der aus der Habitzheimer Straße über die B 45 geradeaus weiterfahren wollte, erfasst. Der Rettungswagen, in dem sich ein 81 Jahre alter Herzinfarktpatient befand, kippte in eine Straßenböschung. Neben dem Patienten, der zusätzlich ein Schädelhirntrauma erlitt, wurden weitere vier Insassen des Rettungswagen schwer verletzt: die 81 Jahre alte Ehefrau des Patienten, die ihren Ehemann während der Fahrt begleitet hatte, der Notarzt (38), der Fahrer (39) des Rettungswagens, der Rettungsassistent (44). Die Fahrerin (46) des BMW wurde leicht verletzt. Der Rettungshubschrauber flog den 81 Jahre alten Patienten in die Berufsgenossenschaftliche Klinik Frankfurt, die vier anderen Schwerverletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. An beiden Fahrzeugen entstand ein Schaden von mindestens 25.000 Euro. Die Bundesstraße 45 war zwischen Georg-August-Zinn-Straße und Habitzheimer Straße für die Dauer von drei Stunden voll gesperrt. Ortskundige wurden per Rundfunkwarnmeldung gebeten, die Unfallstelle weiträumig zu umfahren. Die örtliche Umleitung erfolgte durch Polizeibeamte.<

Es soll häufig bei Rettungseinsätzen und anderen Blaulichtaktionen zu Unfällen kommen. Vor einem halben Jahr wurde darüber in der MDR-Umschau (s. YouTube-Video) berichtet.
Weitere Berichte zu dem Unfall gibt es bei echo-online.de und beim HR.

Noch ein Unfall: Stell Dir vor, es brennt im Odenwald und keiner schaut hin

BildGestern schien es dort jedenfalls zu brennen, das meldete die Polizeidirektion Südhessen von Bad König:

>Zwei auf dem Festplatz in der Schwimmbadstraße geparkte Autos haben Montagfrüh (22.2.) gegen 3.30 Uhr aus bislang ungeklärter Ursache gebrannt. Trotz des raschen Löscheinsatzes der Feuerwehr brannten die beiden Fahrzeuge komplett aus. Ein in unmittelbarer Nähe stehender weiterer Personenwagen wurde durch die Hitze ebenfalls beschädigt. Die Kripo in Erbach hat die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache aufgenommen. Die Schadenshöhe wird auf etwa 20.000 Euro geschätzt.<

Etwas verwirrender ist der Inhalt einer eMail, die uns heute erreichte. Wenn es zutrifft, was darin zu lesen ist, gab es gestern im Herzen des Odenwaldes einen schweren Verkehrsunfall und deswegen weitere Polizei- und Feuerwehreinsätze. Erstaunlicherweise gibt es dazu aber keine Polizeimeldungen – bislang jedenfalls. Wir zitieren eine Leserin, die anonym bleiben möchte:

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>Gestern Abend, ungefähr gegen 18:45, war ich mit Freundinnen auf dem Nachhauseweg von Bad König nach Erbach.
Auf Höhe zwischen Zell und Michelstadt Parkplatz ein Stau. Vor uns brennende Autos, Schreie.
Fünf Minuten später kamen mehere Feuerwehrautos, mehrere Unfallwagen aus beiden Richtungen, mehrere Notärzte, Polizeiaufgebot. Uns wurde Angst und Bange. Uns wurde schlecht, von dem, was wir von weitem sehen konnten. Nach einer dreiviertelstunde Wartens wurde uns mitgeteilt, es könnte noch eine Stunde dauern, bis die Bergungsarbeiten erledigt wären.
Nun fuhren wir zurück und über Brombachtal, Rehbach, Steinbach nach Hause.
Heute Morgen schlug ich unser Zeitung auf, voller Erwartung, dass ich etwas Näheres erfahre von dem Massenaufgebot.
Aber ich wurde wieder mal enttäuscht, nichts steht drin. Ist unser schöner Odenwald nicht würdig, dass man ihn erwähnt?
Dann ging ich ins Internet, auch nichts aktuelles. Dabei stieß ich auf Ihre Seite.
Und habe gelesen, dass ich nicht die einzige bin, die mit der Odenwälder Zeitung nicht zufrieden ist.<

… Die ‚Odenwälder Zeitung‘ bzw. das von Gerhard Grünewald chefridiculierte Odenwälder Echo ist eben ein klassisches Käseblatt. Von all ihren Übeln ist freilich eine fehlende Polizeimeldung noch das kleinste.

Bild(Erst) Seit heute (16:10 Uhr) kann man auf presseportal.de/polizeipresse nachlesen, was gestern auf der B 45 geschah:

>Am Montagabend (22.2.) kurz vor 19 Uhr, kam es auf der Bundesstraße 45 zwischen Michelstadt und Bad König zu einem schweren Verkehrsunfall, an dem zwei Personenwagen beteiligt waren.
Dabei zogen sich die beiden Fahrerinnen schwere Verletzungen zu.
Aus bisher ungeklärter Ursache geriet die von Michelstadt kommende 48-jährige Fahrerin aus Kirch-Brombach nach dem Durchfahren einer langgezogenen Linkskurve auf die Gegenfahrspur.
Dort stieß sie mit einem entgegenkommenden Personenwagen, der von einer 29 Jahre alten Frau aus Michelstadt gesteuert wurde, zusammen.
Die 29-Jährige war auf der B 45 von Bad König kommend in Richtung Michelstadt unterwegs. Sie konnte von Ersthelfern aus dem völlig deformierten Pkw geborgen werden. Die 48-jährige Fahrerin aus Kirch-Brombach wurde in ihrem Pkw eingeklemmt und musste durch den Einsatz der Rettungsschere von der Feuerwehr Michelstadt aus ihrem Pkw befreit werden. Für die Dauer der Rettungs- und Bergungsmaßnahmen war die B 45 für ca. 2 Std. voll gesperrt. Eine Rundfunkwarnmeldung wurde ausgestrahlt. Die Untersuchungen zur Unfallursache sowie zum genauen Unfallhergang hat ein Sachverständiger noch an der Unfallstelle aufgenommen. An den Fahrzeugen entstand ein Schaden von rund 16.000 Euro.<

BildAuf echo-online.de stellt sich der gleiche Sachverhalt so dar:

>Nicht einmal 48 Stunden nach dem schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 45 in Erbach, sind am Montagabend kurz vor 19 Uhr auf der Odenwälder Hauptverkehrsachse zwischen Michelstadt und Bad König bei einer Frontalkollision zwei Autofahrer schwer verletzt worden. Dabei war eine 48 Jahre alte Wagenlenkerin aus Kirchbrombach mit ihrem Auto von Michelstadt kommend nach dem Durchfahren einer langgezogenen Linkskurve vor der Zeller Kreuzung auf die Gegenfahrspur geraten und frontal mit dem Fahrzeug eines 29 Jahre alten Autofahrers aus Michelstadt kollidiert, der auf der B 45 aus Richtung Bad König kommend in Richtung Michelstadt unterwegs war.
Der 29 Jahre alte Fahrer konnte von Ersthelfern aus dem völlig deformierten Pkw geborgen werden. Die vermeintliche Verursacherin wurde in ihrem Wagen eingeklemmt und musste mittels Rettungsschere von der Feuerwehr Michelstadt befreit werden, teilte die Polizei mit.
Für die Dauer der Rettungs- und Bergungsmaßnahmen war die Bundesstraße 45 zwischen Michelstadt und Zell für rund zwei Stunden voll gesperrt. Eine entsprechende Warnmeldung für die Autofahrer hatte der Rundfunk ausgestrahlt.
Die Untersuchungen zur Unfallursache und zum genauen Unfallhergang hat ein Sachverständiger noch an der Unfallstelle aufgenommen. An den Fahrzeugen entstand ein Schaden von rund 16 000 Euro.<

Wer weiß es also besser: Ist das 29 Jahre alte Verkehrsopfer aus Michelstadt Mann (Echo) oder Frau (Polizeipresse)?

Sämtliche hier gezeigten Bilder sind von der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Michelstadt ins Netz gestellt worden.
Die Fotoserie könnte als Lehrstück für die verheerenden Kräfte dienen, die bei einer (frontalen) Autokollision wirksam werden.

Frohe Weihnachten: Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann an die Eltern des von 12 Polizeikugeln getöteten Studenten Tennessee Eisenberg denkt

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist ein Mann mit Feingefühl.
Kurz vor Weihnachten seien seine Gedanken bei den Eltern des im April getöteten Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg und ebenso bei den (letztlich von ihm beaufsichtigten) polizeilichen Todesschützen, die den vermutlich akut psychotischen Musikstudenten damals mit 12 Schüssen durchsiebt hatten.
Das bei der Staatsanwaltschaft Regensburg geführte Ermittlungsverfahren gegen die beiden Polizisten war kürzlich eingestellt worden.
Dass auf den jungen Mann, nachdem er bereits durch 8 Schüsse schwer verwundet war, weitere 4 Schüsse abgefeuert wurden – sie führten schließlich zu seinem Tod – war laut Staatsanwaltschaft „ebenfalls erforderlich und situationsbezogen geboten.“
Diesem angeblich „klaren Ergebnis“ schließt sich Herrmann an und findet es gut, dass es „gerade vor Weihnachten ‚eine große Erleichterung‘ “ für die Todesschützen sei, die nun “ wüssten, woran sie seien.“

Das Gutachten des renommierten Münsteraner Rechtsmediziners Prof. Dr. Bernd Karger ergab freilich Gegenteiliges.

Die Anwälte von Eisenbergs Familie hatten schon im September in einer Pressemitteilung auf dieses Gutachten Bezug genommen. Wir zitieren daraus:

>Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass T.E. nach dem Ergebnis des Gutachtens zu diesem Zeitpunkt bereits von 8 Polizeikugeln getroffen und schwerst verletzt war.
Er hatte ein zerschossenes Kniegelenk und einen durchschossenen Oberarmknochen, einen Steckschuss in der Lunge sowie weitere Treffer an den Extremitäten erhalten.
Des Weiteren befand sich der Schütze zum Zeitpunkt der Abgabe der vier Schüsse in den Brustbereich des T.E. bereits im Eingangsbereich der offen stehenden Haustür
. Im Haus hielt sich kein weiterer Polizeibeamter in Gefahrenlage mehr auf, so dass nicht erklärlich ist, weshalb zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch geschossen wurde.
Außerdem handelte es sich bei dem Schützen um einen Polizeibeamten mit Spezialausbildung in Selbstverteidigung, der fast 6 Jahre lang beim USK Dienst getan hat.< [Hervorhebungen von uns]

Dass der bereits schwer verwundete junge Mann mit vier („finalen“) Schüssen in die Brust getötet wurde, obgleich der Schütze sich ohne weiteres aus dem Haus entfernen konnte, soll laut Oberstaatsanwalt Edgar Zach also „erforderlich“ und „geboten“ gewesen sein. Gleicher Ansicht ist auch Günther Ruckdäschel, Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der die von ihm beaufsichtigten ca. 30 000 bayrischen Polizeibeamten allesamt persönlich zu kennen scheint, hatte schon im August – also während des laufenden Ermittlungsverfahrens – in einem Interview geäußert, er „habe keinen Zweifel daran, dass Notwehr oder Nothilfe vorlagen.“
Welch ein Wunder, dass die Staatsanwaltschaft ihm nun „recht gegeben“ hat. Hätte sie es nicht getan, wäre der arme Mann aufgrund seiner voreiligen Festlegung ja wohl rücktrittsreif gewesen.

BildAllerdings hatte sich auch die Staatsanwaltschaft Regensburg in diesem Fall schon sehr früh auf „Notwehr“ und „Nothilfe“ festgelegt, so dass das Ermittlungsverfahren im Grunde eine Formalie war, das Ergebnis stand wohl von Anfang an fest.
Bei solchen „ergebnisorientierten Ermittlungen“ zeigt sich übrigens die wahre Kunst des akademisch gebildeten Paragraphenvirtuosen. Er muss fähig sein, ähnlich wie ein Illusionskünstler auf der Bühne, Unrecht und Unwahrheit als Recht und Wahrheit erscheinen zu lassen. Beherrscht er dies gut, stehen ihm viele Türe offen und der Karriereweg kann ihn weit nach oben führen. [Auch Joachim Herrmann ist, wen wundert es, studierter Jurist. Es war ihm sogar in die Wiege gelegt, schon sein Vater war Professor für Rechtsgeschichte und Zivilrecht.]

Es wird für die Justizmagiere freilich zusehends schwieriger, ihren Job so wie gewohnt zu machen. Das Internet ändert auch hier die Spielregeln.
Familie und Freunde von Tennessee Eisenberg präsentieren ihre Sicht der Dinge (und auch ihre Fragen) auf zwei Websites:
tennessee-eisenberg.de und 12kugeln.de.
Im Weblog des Regensburger Rechtsprofessors Henning-Ernst Müller (auf beck.de) wird der Fall überaus kompetent und klug diskutiert.
Zahlreiche im Web verfügbare Videos liefern weitere Informationen – unter anderem über eine Demonstration von mehreren hundert Menschen, die gegen die Praktiken der Staatsanwaltschaft protestierten.

BildAbschließend zitieren wir aus einem Interview, das Johann Heckel nun mit dem Rechtsanwalt Helmut von Kietzell führte.
[Dem Anwalt von Eisenbergs Vater war möglicherweise nicht bewusst, dass die diktaturverliebte Zeitschrift ‚Junge Welt‘ kein geeignetes Forum für sein überaus berechtigtes Anliegen sein kann.]
So äußert sich von Kietzell zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen die polizeilichen Todesschützen, wichtige Passagen wurden dabei von uns hervorgehoben:

>Aus meiner Sicht gibt es in der Verfügung sachliche Unrichtigkeiten, die so nicht stehenbleiben können.
Da wäre zum Beispiel die Situation beim ersten Schuß. Die Staatsanwaltschaft schreibt: »Eisenberg (…) begann, dem in Richtung der anderen Raumecke zurückweichenden Beamten zu folgen. Nun gab der Beschuldigte 1 einen gezielten Schuß auf Eisenberg ab, der dessen linkes Knie von hinten durchschlug
Die Sachverständigen für Ballistik – und zwar sowohl der des Landeskriminalamtes (LKA) als auch der Privatdozent Dr. Karger aus Münster – sind sich darin einig, daß dieser erste Schuß abgegeben wurde, als Eisenberg mit Gesicht und Knien in Richtung treppaufwärts stand und sich nirgendwohin bewegt hat. Das war sozusagen der Moment, der die Dynamik des Geschehens in Gang gesetzt hat. <

>Die Staatsanwaltschaft hat die Blutspritzer zunächst ignoriert, sie tat so, als seien sie ohne Bedeutung. Tatsächlich sind sie aber sehr wichtig, weil sie deutlich machen, wo Eisenberg stand, als die tödlichen Schüsse fielen. Demnach war er auf keinen Fall an der Stelle, die das Gutachten des LKA beschreibt. Und nur da hätte es so etwas wie eine Notwehrsituation für den dort stehenden Beamten geben können.<

>Der Todesschütze war mindestens 1,50 Meter von Eisenberg entfernt, der zu diesem Zeitpunkt schon mit acht Schüssen schwerverletzt war.
Nach den Aussagen eines anderen Beamten stand der Schütze neben der offenen Tür – er hätte also locker einen Schritt nach draußen machen können, um sich in Sicherheit zu bringen, falls er tatsächlich von Eisenberg bedroht worden wäre. Es hätte also keinen Grund gegeben, ihn zu erschießen.
Es ist eine Schande für unseren Rechtsstaat, daß der Sachverhalt erst auf Kosten der Angehörigen aufgeklärt werden muß. Polizei und Staatsanwaltschaft haben wichtige Spuren ignoriert– wenn wir nicht diesen Privatgutachter eingeschaltet hätten, würde das LKA mit seinen Argumenten durchkommen.<

>Die Staatsanwaltschaft hatte das LKA beauftragt, die Position des Schützen und die Eisenbergs zu definieren und die Schußrichtungen zu ermitteln. Dabei wurden Vorgaben gemacht, von welchen Tatsachen das Gutachten auszugehen hatwobei die Blutspritzer einfach weggelassen wurden. Wie soll man das interpretieren? Schlamperei, Inkompetenz oder Vertuschung? <

Regensburger Legende vom Terminator: Wie Staatsanwaltschaft und Polizei den Tod von Tennessee Eisenberg „erklären“

Räumlichkeiten, in denen Staatsanwälte wirken, müssten das Herz jedes Anthroposophen höher schlagen lassen: Es wird dort nämlich gern so gelogen, dass sich die Balken biegen.
Heute ist es die Staatsanwaltschaft Regensburg, die eine bemerkenswerte Geschichte als wahr verkaufen will – und so Kollegen der Regensburger Polizei vor weiterer Verfolgung schützt.
Zu beantworten war von ihr, warum 8 Polizisten den 24 Jahre alten Studenten Tennessee Eisenberg nicht anders als mit 12 Schüssen (tödlich) zu stoppen wussten.
Der bis dahin als friedlich und freundlich geltende Musikstudent soll am 30. April 2009 in Regensburg zunächst seinen Mitbewohner mit einem Messer bedroht haben und danach die herbeigerufenen Polizisten.
Selbst die FAZ wunderte sich über diesen Fall.
Martin Wittmann schrieb dort im Juli:

>Seine Mutter, eine Schauspielerin, die ihren Sohn nach Tennessee Williams benannt hat, beschreibt ihn als feinfühlig und tiefsinnig, als einen, der in Ausnahmesituationen immer gelassen reagiert habe. Sein Vater Mahdy schreibt auf der Internetseite, die eingerichtet wurde, um Trauer zu bekunden und Geld für Anwaltskosten zu sammeln, von der sanften Art seines Sohnes.
Kreativ, offen, selbstlos, nie aufdringlich oder gar aggressiv sei er gewesen, sagt Annas Vater. Ein Asket, der Suchtmittel mied und nicht einmal Kaffee trank, sagt Tennessees Bruder Ben. Selbst im Streit, sagt Anna, sei er ruhig und konstruktiv geblieben. Deeskalierend nenne man so was wohl, sagt sie. Wer Tennesse nach seinem Tod kennen lernt, kann ihn sich schwerlich mit einer Waffe vorstellen. Wer ihn davor kennen gelernt hat, will es sich nicht vorstellen.<

Man mag ja noch glauben, dass der junge Mann an diesem verhängnisvollen Tag durchdrehte und nicht mehr er selbst war.
Aber wütete der nur 70 Kilo wiegende Student tatsächlich wie ein Terminator, der sich weder durch Pfefferspray und Schlagstock, noch durch ein zerschossenes Kniegelenk und einen Armdurchschuss aufhalten ließ?

Hans Holzhaider spricht heute in der Süddeutschen von einer „Szene wie im Zombiefilm„:

>Zwei Kartuschen voll Pfefferspray mitten in Eisenbergs Gesicht – der Mann wischt sich über die Stirn und fängt lauthals an zu lachen. Ein Schuss von hinten durchs Knie, einer durch den linken Arm – keinerlei Reaktion.
Weitere Schüsse auf die Beine, dann auch auf den Rumpf – wiederum keine Reaktion, der Mann dreht sich nur um und geht jetzt auf die Schützen los. Weitere Schüsse, aus kurzer Distanz. Jetzt endlich geht Eisenberg zu Boden, einer der letzten Schüsse traf ihn ins Herz.
So etwas mag theoretisch möglich sein, für den unbefangenen Betrachter bleiben doch erhebliche Zweifel.<[Hervorhebungen von uns]

Für den befangenen Betrachter, der einmal erlebt hat, wie in der Justiz mit aller Selbstverständlichkeit gelogen und getrickst wird, wenn höhere Interessen (oder die von Kollegen) im Spiele sind, bleiben mehr als Zweifel.

Die Wikipedia verweist in ihrem Artikel über Tennessee Eisenberg auf eine Meldung des Spiegel:

>Anfang November 2009 meldete der Spiegel, einer der am Einsatz beteiligten Polizisten habe in einer Zeugenaussage angegeben, bei den Schüssen auf Eisenberg habe es sich nicht um Notwehr gehandelt.
Seiner Darstellung zufolge hätten die Polizisten Eisenberg nicht mit Schlagstock und Pfefferspray aufhalten können, woraufhin die ersten Schüsse gefallen seien.
Weitere, letztendlich vermutlich tödliche Schüsse hätten Eisenberg erst getroffen, als bereits keine Gefahr mehr für die Polizisten bestand.< [Hervorhebungen von uns]

Auch die Berliner taz kommentiert heute die Verfahrenseinstellung im Fall Eisenberg. Ron Steinke weitet dabei den Blick auf die systemimmanente Korruption in den Ermittlungsbehörden:

>Das Einstellen von Verfahren gegen tatverdächtige Polizeibeamten aber ist die Regel. Während etwa in Großbritannien, Frankreich oder Portugal unabhängige Kommissionen für Ermittlungen nach polizeilichen Übergriffen verantwortlich sind, bleibt in Deutschland die Polizei auch bei Strafverfahren in eigener Sache zuständig.

Für die beteiligten Polizisten ist die Ausgangslage denkbar günstig: Die Vernehmenden teilen die polizeiliche Perspektive der Vernommenen, sie kennen deren Alltag und Sachzwänge und schätzen die Kollegen als glaubwürdig ein.
Eine unabhängige Kontrolle der Polizei findet in der Bundesrepublik Deutschland nicht statt„, resümierte der Menschenrechtsausschuss der UN bereits im Jahr 1996 – und wies damit auch auf ein
Problem der juristischen Strukturen hin, das seitdem ungelöst ist. […]

Als Behörde, die täglich auf die gute Zusammenarbeit mit der Polizei angewiesen ist, ist die Staatsanwaltschaft gegenüber tatverdächtigen Polizeibeamten mitnichten unabhängig. Ein Großteil der Verfahren gegen Beschuldigte in Uniform bleibt daher spätestens auf dem Schreibtisch eines Staatsanwalts liegen.

In Berlin ergab eine parlamentarische Anfrage, dass von jährlich etwa 1.000 Ermittlungsverfahren wegen „Körperverletzung im Amt“ satte 98 Prozent eingestellt werden, bevor sie je vor einen Richter kommen – wie nun in Regensburg. Ein Beitrag zur Lösung wäre die Einrichtung von unabhängigen Ermittlungskommissionen. Bürgerrechtler fordern sie seit langem – passiert ist noch nichts.< [Hervorhebungen von uns]

Hinzuzufügen wäre noch, dass es in Deutschland auch keine unabhängige Kontrolle der Justiz gibt. Wer da das Recht beugt, wird in aller Regel von einem Kollegen (wiederum rechtsbeugend) weißgewaschen.

Erst vor einer Woche übrigens thematisierte Dietmar Hipp im Spiegel die Forderung nach unabhängigen Ermittlungsbehörden für Delinquenten in Uniform:

>Es ist eine fragwürdige Solidarität unter Polizisten, die entweder schweigen oder ihre Aussagen untereinander abstimmen.
Solche Fälle lassen sich immer wieder auf bestimmte Muster zurückführen„, sagt der Hamburger Polizeiwissenschaftler Rafael Behr.
Die „Obstruktionsmechanismen“ reichten vom „Sich-nicht-erinnern-Können“ über das Zurückhalten von Aussagen wider besseres Wissen bis zur Falschaussage.
Motiv bei diesem „Gefahrgemeinschaftssyndrom“ sei vor allem der „Schutz des kollegialen Nahraums„: „Selbst wenn der Kollege etwas falsch gemacht hat, wir halten zusammen, wir liefern den nicht aus.“ Oft genug seien die Beamten aber auch heimlich davon überzeugt, dass das Opfer die Behandlung verdient habe.
Nur selten sagen Polizisten gegen Polizisten aus – am ehesten noch dann, wenn sie nicht zum selben Team gehören. […]
Die Erfolgsrate der Polizei bei internen Untersuchungen ist auffallend gering.
So wurde allein im Jahr 2008 gegen Berliner Polizisten in 636 Fällen wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. In 615 Fällen stellte die Staatsanwaltschaft die Verfahren ein, sechs beschuldigte Beamte wurden in einem Prozess freigesprochen, verurteilt wurde nicht einer.
Oft steht Aussage gegen Aussage. Ein Betroffener zeigt den Beamten wegen Körperverletzung an, der Polizist reagiert mit einer Gegenanzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Ohne weitere Zeugen oder Beweise werden beide Verfahren eingestellt.< [Hervorhebungen von uns]

Die Leiden der Messerstecher: Student tötet Kommilitonin in Darmstadt

Bei Goethe richtete sich der unglücklich Liebende noch selbst. Die Leiden des jungen Werther endeten nicht mit dem Tod von Lotte, sondern mit der Kugel, die er sich selbst gab. Damit wollte er übrigens auch ihre Ehre wahren.
Von einem anderen Ehrbegriff geleitet war wohl der 24 Jahre alte Student, der heute nachmittag in der Hochschule Darmstadt eine Kommilitonin erstach.
Nach der Tat flüchtete er zunächst zum nahe gelegenen Hauptbahnhof, wo er sich aber kurz darauf der Bundespolizei stellte.
So endet (zunächst) ein Beziehungsdrama in der bundesrepublikanischen Gegenwart. Von einer Beziehungstat ist laut Polizei nämlich auszugehen.
Beide, der Täter und das Opfer, seien türkische Staatsangehörige.

Das waren auch Figen Capkan und ihr Ehemann.
Die Leiche der zuletzt am 17. Oktober in Groß-Umstadt gesehenen Frau wurde vor 2 Tagen in der Nähe der rheinhessischen Gemeinde Saulheim gefunden. Sie soll vor ihrem Tod brutal misshandelt worden sein.
Zu 99,9% Prozent“ handele es sich um die vermisste 37-Jährige, so Karl Kärchner vom Polizeipräsidium Südhessen.
Ihr tatverdächtiger, mit internationalem Haftbefehl gesuchter Ehemann wurde zwischenzeitlich in Georgien festgenommen.
Innerhalb weniger Wochen mussten so in Südhessen zwei junge türkische Frauen sterben, weil sie von einem Mann nichts, oder nichts mehr wissen wollten.
Die im Odenwald lebende türkische Frauenrechtlerin Serap Cileli muss auf ihrer Website womöglich zwei weitere Fälle von „Ehrenmord“ auflisten.

Nachfolgend drei Pressemitteilungen der Darmstädter Polizei:

15:55 Uhr:

>Kurz vor 15 Uhr wurde der Leitstelle des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt mitgeteilt, dass eine junge Frau in einem Gebäude der Hochschule Darmstadt in der Schöfferstraße niedergestochen wurde. Die Frau verstarb kurz darauf an ihren schweren Verletzungen. Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt.
Ein Mann war nach der Tat aus dem Gebäude geflüchtet. Ein 24-jähriger Tatverdächtiger stellte sich kurz darauf auf der Wache der Bundespolizei im Hauptbahnhof Darmstadt. Der Mann wurde festgenommen. Die Polizei hat den Tatort abgesperrt. Zurzeit führen Kriminalbeamte Spurensuche und Ermittlungen durch.<

17:15 Uhr:

>Nach dem gewaltsamen Tod einer 26-jährigen Frau in einem Gebäude der Hochschule Darmstadt hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt Antrag auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls gegen den 24-jährigen Tatverdächtigen gestellt. Der Mann, der sich kurz nach der Tat auf der Wache der Bundespolizei im Hauptbahnhof Darmstadt gestellt hat, soll am Mittwoch (11.11.09) dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft hat zugleich eine Obduktion angeordnet. Die Polizei hat am Tatort, einem Computerraum, ein Messer, die mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt. Nach den bisherigen Ermittlungen ist von einer Beziehungstat auszugehen. Opfer und Tatverdächtiger, beide türkische Staatsangehörige, sind Studierende der Hochschule Darmstadt. Der 24-Jährige ist bisher nicht polizeilich auffällig geworden.<

11. 11. 16:48 Uhr

>Nach dem Tötungsdelikt an einer 26-jährigen Türkin am Montagnachmittag (10.11.09) in einem Computerraum der Hochschule Darmstadt (wir berichteten / siehe Pressemeldungen vom 10.11.09), wurde heute der Tatverdächtige auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt. Gegen den 24-Jährigen wurde Untersuchungshaftbefehl wegen Mordes erlassen.
Dem jungen Mann wird vorgeworfen, das Opfer mit mehreren Stichen in den Rücken getötet zu haben. Laut Obduktionsergebnis verstarb die 26-Jährige durch inneres Verbluten.
Bei der Tatwaffe, die von den Ermittlern in dem Computerraum sichergestellt wurde, handelt es sich um ein Küchenmesser.<

Noch ausführlicher berichtet das Darmstädter Echo:

>Am Fachbereich Maschinenbau der Hochschule Darmstadt (HDA) ist am Dienstagnachmittag eine junge Frau erstochen worden. Sie starb kurz nach der Tat. Zeugenaussagen zufolge hatte der Täter kurz vor 15 Uhr den Diplomandenraum 22 des Gebäudes an der Stephanstraße betreten, sich dem Opfer von hinten genähert und es mit einem Messer niedergestochen. Die 26-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen. […]< [Links und Hervorhebungen von uns]

„Ehrenmord“ nun auch in Groß-Umstadt? Figen Capkan verschwunden – Ehemann in Türkei vermutet

UPDATE: Figen Çapkan bleibt weiterhin verschwunden. Inzwischen hat neben türkischen Medien wie Hürriyet auch Spiegel-Online den „Mysteriösen Kriminalfall“ aufgegriffen.

Julia Jüttner schreibt dort:

>Erst im Sommer war Figen Capkan mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Groß-Umstadt im südlichen Hessen gezogen. In dem Ort mit 21.000 Einwohnern am Rande des Odenwaldes versuchte die fünfköpfige Familie Fuß zu fassen, unterstützt von Verwandten und Freunden, die dort ebenfalls leben.

Hoffte Figen Capkan auf einen Neuanfang? Glaubte sie, ihre Ehe retten zu können? Die Beziehung war zuletzt zunehmend aus dem Ruder gelaufen. Ihr Mann, anders als Figen in Deutschland geboren, war immer öfter ausgerastet und auf sie losgegangen. Laut Ermittlungsakten gab es „mehrere körperliche Angriffe des Mannes auf die Frau„. Figen Capkan zeigte ihren Mann, den Vater ihrer drei Kinder, an. Das Verfahren wird in Erlangen geführt, wo die Familie vor dem Umzug nach Südhessen lebte.

Seit knapp zwei Wochen gilt Figen Capkan nun als vermisst. Eine Freundin meldete sich am 21. Oktober bei der Polizei, weil sie die 37-Jährige seit Tagen nicht gesehen hatte. Auch Figens Kinder und ihren Ehemann hatte sie nicht zu Gesicht bekommen. Da in Hessen Herbstferien waren, hatte sie sich zunächst nichts dabei gedacht.

Trotzdem – die letzte Unterhaltung mit Figen Capkan ging der Freundin nicht aus dem Kopf. Capkan hatte sich ihr anvertraut und, so die Freundin, „von ernsthaften Trennungsabsichten“ gesprochen. Das war am 17. Oktober. Am selben Tag soll es den Ermittlungen zufolge auch zu einem lautstarken Streit zwischen Figen und ihrem Mann in der gemeinsamen Wohnung gekommen sein.

Es ist das letzte Lebenszeichen von Figen Capkan. „Ab da verliert sich ihre Spur“, sagt Karl Kärchner vom Polizeipräsidium Südhessen SPIEGEL ONLINE. „Das ist der letzte Zeitpunkt, von dem wir sicher wissen, dass sie noch da war – und lebte.“ Die Polizei brach die Wohnung der Familie auf. „Dort sah es so aus, als sei es zu einer überstürzten Abreise gekommen„, so Kärchner.

Ebenso unauffindbar seit jenem 17. Oktober: Figen Capkans Ehemann. Nach Ermittlungen der Polizei ist der 42-Jährige „zeitgleich mit dem Verschwinden seiner Frau“ in die Türkei geflogen. „Diese Tatsache, weitere Indizien und andere Ungereimtheiten, über die wir momentan nichts weiter sagen wollen, sind für uns Anhaltspunkte, die für ein Gewaltverbrechen an Figen Capkan sprechen„, sagt Kärchner.

Der Erkennungsdienst hat seither in aufwendiger Arbeit die komplette Wohnung untersucht. Mit Hunden wurden Haus und Umgebung durchforstet, ein Hubschrauber suchte mit Wärmebildkameras nach Figen Capkan, die Nachbarn wurden intensiv befragt. Auffälligkeiten oder Spuren, die die Vermutung der Polizei belegen, gibt es jedoch nach bisheriger Auswertung noch nicht. „Der Fall gestaltet sich äußerst mysteriös„, resümiert Kärchner.

Figen Capkans Kinder – zwei Mädchen im Alter von sieben und 15 Jahren sowie ein 19-jähriger Junge – sind nach Angaben der Polizei in Deutschland und „an einem sicheren Ort“ untergebracht. Auskunft zu deren Aussagen wollen die Ermittler ebensowenig geben wie dazu, wo sich die Kinder in den Tagen nach dem Verschwinden ihrer Mutter aufgehalten haben.

Hat sich Figen Capkan, die mit knapp 17 Jahren nach Deutschland kam und heiratete, nur in Sicherheit vor gewalttätigen Ausbrüchen ihres Mannes gebracht? Das Bundesfamilienministerium befragte im Jahr 2003 insgesamt 250 türkische Frauen, ob sie in ihrer Ehe bereits Gewalt erfahren hätten. 38 Prozent berichteten damals, ihre Partner hätten sie körperlich oder sexuell misshandelt – und auch das Ausmaß und die Intensität der erlittenen Gewalt waren deutlich höher (Prügel, Würgen, Bedrohung mit Waffen, Drohung mit Ermordung) als in Familien ohne Migrationshintergrund.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Eine vergleichbare Studie über „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ liegt als „Enddokumentation November 2008“ vor und kann im pdf-Format von der Website des Familienministeriums heruntergeladen werden.

Schon zuvor hatten sich die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Polizeipräsidium Südhessen mit entsprechenden Meldungen an die Öffentlichkeit gewandt:

>Noch keine Spur haben Staatsanwaltschaft und Polizei von der 37-jährigen Figen Capkan, die seit dem 17.10.2009 von zuhause in Groß-Umstadt spurlos verschwunden ist. Wie berichtet, kann derzeit ein Gewaltverbrechen nicht ausgeschlossen werden. Die Suche nach der Frau läuft auf Hochtouren. Deshalb veröffentlichen die Ermittlungsbehörden ein Foto, das die 37 Jahre alte Figen Capkan zeigt. Die Fahnder hoffen, damit Hinweise zu erhalten, die zur Aufklärung des mysteriösen Verschwindens beitragen.

Wer hat Figen Capkan nach dem 17.10.2009 gesehen? Wer kann Hinweise zum Verschwinden von Figen Capkan geben? Wer kann ggf. Angaben über den möglichen Aufenthaltsort machen? Hinweise werden an das Polizeipräsidium Südhessen, Telefon 06151 9690 oder jede andere Polizeidienststelle erbeten.< [Hervorhebungen von uns / Bild: Senias Suchblog für vermisste Menschen /polizeipresse.de ]

Zuvor hatte das Polizeipräsidium Südhessen diese Meldung verbreitet:

>Zunächst war es ein Vermisstenfall, bei dem eine 37 Jahre alte Frau aus Groß-Umstadt verschwunden war. Jetzt ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Darmstadt. Nach wie vor gibt es keine Spur von der Frau. Sie könnte das Opfer eines Verbrechens geworden sein. In diesem Zusammenhang wird nach ihrem 42-jährigen Ehemann gefahndet, der sich möglicherweise in der Türkei aufhält. Beide haben sowohl die deutsche als auch türkische Staatsangehörigkeit.

Nach den bisherigen Ermittlungen ist die Siebenunddreißigjährige seit dem 17.10.2009 spurlos von zuhause verschwunden. Sie verzog erst am 1.7.2009 gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Kindern (7, 15 und 19 Jahre alt) von Erlangen nach Groß-Umstadt. Am Mittwoch (21.10.) meldeten Bekannte das Verschwinden der Frau.

Bei den Ermittlungen zeigten sich mit zunehmender Tendenz Auffälligkeiten, die ein Kapitalverbrechen an der Siebenunddreißigjährigen als möglich erscheinen ließen. Am Tag ihres Verschwindens hatte sich die Vermisste einer Bekannten anvertraut und von ernsthaften Trennungsabsichten erzählt. Noch am gleichen Tag soll es in der Wohnung der Familie zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen sein.

Es bestehen gesicherte Erkenntnisse darüber, dass sich der Ehemann offenbar sehr kurzfristig zu seiner Reise in die Türkei entschlossen hatte.

Offenbar kam es in der Vergangenheit mehrfach zu körperlichen Angriffen des Ehemannes auf seine Ehefrau. Deshalb ermitteln auch die Behörden in Erlangen.<

Die Wikipedia weist darauf hin, dass es sich beim „Ehrenmord“ um eine „vorislamische Praxis und Tradition“ handele, fügt aber hinzu:

>Die auffällige Häufung von Ehrenmorden im islamischen Kulturkreis, auch innerhalb von Einwandererpopulationen, lässt allerdings darauf schließen, dass islamisch-fundamentalistische bzw. islamisch-antiwestliche Grundeinstellungen bei den Tätern die Anwendung der vorislamischen Praxis eher begünstigt. In Kreisen des „aufgeklärten Islam“ wird daher das Fehlen einer dezidierten Frontstellung bei moslemischen Einwanderern gegen Ehrenmorde beklagt. Zum Beispiel bemängelte die Anwältin Seyran Ates: „Migranten tun zu wenig gegen Ehrenmorde“<

Seyran Ates ist ebenfalls verschwunden, allerdings nur aus der Öffentlichkeit. Sie sieht sich erneut Morddrohungen ausgesetzt.
Dies war schon vor 3 Tagen gemeldet worden.
Reinhard Mohr schrieb in Spiegel-Online:

>Seyran Ates, 46, hat sich nach anonymen Morddrohungen komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anlass der Drohungen ist offenbar die Veröffentlichung ihres neuen Buches, das vor wenigen Tagen beim Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Titel der als „Streitschrift“ betitelten Veröffentlichung: „Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.“
Die Juristin und Schriftstellerin plädiert darin für die Abschaffung der in islamisch geprägten Ländern weit verbreiteten arrangierten Ehe und spricht sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus sowie für mehr Selbstbestimmung für muslimische Frauen.
Schon vor drei Jahren hatte sich die auch als scharfe Kritikerin des Islam bekannte Autorin für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und ihre Kanzlei geschlossen. Der Grund: Weil sie eine türkischstämmige Frau in einer Scheidungssache vertrat, wurde sie massiv bedroht. 1984 erlitt Ates lebensgefährliche Verletzungen, als ein muslimischer Mann auf sie schoss. Damals arbeitete sie als Studentin in einem Kreuzberger Frauenhaus, das vor allem türkischen Frauen Hilfe gegen häusliche Gewalt anbot.<

Mord an der Mümling: Junger Radfahrer in Erbach erstochen aufgefunden – Haftbefehl gegen 19-Jährigen

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Nun ist jene schrankenlose Brutalität, mit der jugendliche „Intensivtäter“ vor allem in den Metropolen in letzter Zeit immer wieder bedrückende Schlagzeilen lieferten, unübersehbar auch mitten in der Odenwälder Provinz angekommen.
Ein 26 Jahrer alter, aus Kasachstan stammender Mann, der mit seinem Rad an der durch Erbach verlaufenden Mümling entlangfuhr, wurde am letzten Samstag brutal niedergestochen. Alexander G., der in Michelstadt wohnte, sei arg- und wehrlos gewesen. Tatverdächtig ist ein inzwischen festgenommener 19 Jahre alter Mann aus Erbach. Er sei „teilweise geständig“.
Die Hintergründe der Tat seien bislang noch unklar.
In einem Video-Beitrag des Hessischen Rundfunks kommen Tatjana Werner und Nelly Maier zu Wort, die den Getöteten gut kannten. Sebastian Fink und Levent Duran sollen den Sterbenden noch gesehen haben.

UPDATE: Auch RTL berichtete. Dort heißt es, der Getötete sei zuvor „oft durch sein bedrohliches Verhalten aufgefallen„.
Der Täter, der eine Mordabsicht bestreitet, kommt ebenfalls aus Kasachstan.
In einer abschließenden Meldung des Polizeipräsidiums heißt es:

>Aufgrund des dringenden Tatverdachtes gegen einen 19-jährigen Mann aus Erbach wegen Mordes zum Nachteil eines 26 Jahre alten Mannes aus Michelstadt hat am Freitagnachmittag (23.10.) der Haftrichter des Amtsgerichtes Darmstadt Untersuchungshaft angeordnet.

Nach dem jetzigen Ermittlungsstand haben Anwohner am Donnerstagabend (22.10.) gegen 21.30 Uhr einen durch Stiche schwer verletzten Mann in der Werner-von-Siemens-Straße aufgefunden. Der 26 Jahre alte Mann, der in Michelstadt wohnhaft war, erlag trotz Reanimationsmaßnahmen des sofort alarmierten Rettungsdienstes und eines Notarztes noch am Fundort seinen schweren Verletzungen.

Die Polizei konnte noch in der Nacht ermitteln, dass der eigentliche Tatort sich unweit des späteren Fundortes in der Mümlingaue befand. Von dort schleppte sich das schwer verletzte Opfer noch bis zur Werner-von-Siemens-Straße, wo er infolge seiner schweren Verletzungen und des großen Blutverlustes zusammenbrach.

Ermittlungen im Umfeld des Opfers führten auf die Spur des Täters, der am Freitag gegen 6 Uhr in seiner Wohnung festgenommen werden konnte.

Zwischenzeitlich ist der Tathergang weitgehend rekonstruiert. Danach hat der polizeilich bereits bekannte Täter mit einem Messer auf den 26 Jahre alten Mann aus Michelstadt eingestochen und ihm so die letztendlich tödlichen Verletzungen beigebracht. Dies wurde auch durch die angeordnete Obduktion bestätigt.< [Hervorhebungen von uns]

Schon vorher hatte das Polizeipräsidium Südhessen mitgeteilt:

>Anwohner haben am Donnerstagabend (22.10.) gegen 21.30 Uhr einen durch Stiche schwer verletzten Mann in der Werner-von-Siemens-Straße aufgefunden. Der 26 Jahre alte Mann, der in Michelstadt wohnhaft war, erlag trotz Reanimationsmaßnahmen eines Notarztes seinen Verletzungen. Die Kripo in Erbach und die Staatsanwaltschaft in Darmstadt gehen von einem Tötungsdelikt aus und haben die Ermittlungen aufgenommen. In diesem Zusammenhang wurde ein 19-Jahre alter Mann aus Erbach festgenommen. Ein gegen ihn gerichteter Tatverdacht wird derzeit geprüft.<

Kurz darauf wurde mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft Darmstadt gegen den 19-Jährigen einen Haftbefehl wegen Mordes erließ:

>Wie heute bereits berichtet wurde im Zusammenhang mit der Tötung eines 26 Jahre alten Mannes aus Michelstadt ein 19-Jahre alter Mann von der Polizei festgenommen. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen der Erbacher Kriminalpolizei ist der Neunzehnjährige aus Erbach dringend verdächtig, den 26-Jährigen getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt stellt jetzt einen Antrag auf Haftbefehl wegen Mordes gegen den Tatverdächtigen. Eventuelle Rückfragen können an die Staatsanwaltschaft in Darmstadt gerichtet werden.<

Weitere Details gehen aus Berichten im Odenwälder Echo hervor:

>Der 26 Jahre alte Radfahrer, der gestern Abend mit schweren Verletzungen auf einem Radweg in der Werner-von-Siemensstraße gefunden wurde und kurz nach dem Eintreffen eines Notarztes starb, wies mehrere Stichverletzungen auf, die zum Tod des Mannes führten. Im Zuge der Ermittlungen nahm die Polizei wenige Stunden später einen neunzehnjährigen Mann aus Erbach fest, der womöglich als Täter infrage kommt, wie die Pressestelle des Darmstädter Polizeipräsidiums erklärte. Das Opfer wohnte in Michelstadt und stammt aus Kasachstan.<

In einem Bericht von Elmar Streun sieht man Bilder vom Tatort an der Mümling.