Archiv der Kategorie: Sport

Tischtennis-Star Timo Boll hat von China „erst mal die Schnauze voll“ und will zurück in den Odenwald


>Knapp zwei Monate spielte Timo Boll in der chinesischen Super League für den Verein Zhejiang Hongxiang. Die Begeisterung für das deutsche Tischtennis-Ass kennt in China kaum Grenzen. Am kommenden Wochenende geht seine Zeit im Reich der Mitte zu Ende.
Wenn Robbie Williams seine Groupies aufs Zimmer ruft, muss das so ähnlich klingen: „Ich habe Zimmer 111 – kommt einfach vorbei“. Der Mann, der mir das sagt, ist auch ein Star, allerdings keiner aus der Musikszene, nein, es ist Timo Boll, Tischtennisspieler – Nr. 2 der Welt – und derzeit sozusagen auf China-Tournee.[…]
Heute ist sein erster freier Nachmittag seit sieben Wochen. Endlich mal kein Training, kein Spiel. Wir fahren gemeinsam zum Westsee der Stadt Hangzhou. […]
Kaum steigt Boll aus dem Wagen aus, geht das Getuschel los. „Sag mal, das ist doch der Boll,“ raunt ein chinesisches Pärchen, „Der war doch Weltcupsieger,“ meint ein anderer. Köpfe drehen sich, Finger zeigen auf den 25 Jährigen, Handys werden gezückt – ein Foto für die Freunde. „So ist das immer,“ meint Timo Boll gelassen. „Hier bin ich richtig bekannt. Neulich hat sogar mal ein Mann zu mir gesagt, ‚Timo I love you‘!“ In einer chinesischen Internet-Umfrage wurde der Odenwälder kürzlich sogar zum schönsten Sportler der Welt gekürt – noch vor David Beckham. […]
Die zwei Monate in China waren wichtig für Boll. Zum einen zur Vermarktung seines Namens – demnächst wird es auch eine chinesische Homepage von ihm geben – zum anderen natürlich in sportlicher Hinsicht. Bis auf Timo Boll besteht die gesamte Weltspitze fast ausschließlich aus Chinesen und so konnte er deren Technik und Taktik studieren, sowie ständig gegen ihr System spielen.[…]
Timo Boll hat China gut kennen gelernt. Er spielte auch fernab der Metropolen. „Die Armut dort ist schon brutal,“ meint Boll. „In einigen Städten liegt überall Müll. Es stinkt. Die Menschen tragen Lumpen. Da sieht es manchmal aus, als wäre eine Bombe explodiert.“ Auch das sind Eindrücke, die prägen.
In fünf Tagen geht es nun – endlich – wieder zurück nach Deutschland zu Familie und Freunden, die ihm „schon mächtig gefehlt haben“. Im Moment habe er eben „die Schnauze voll“ von China, sagt Timo Boll, aber die neuen Erfahrungen will er nicht missen.< Quelle: zdf.de, „Erst mal die Schnauze voll!“, 15. 8. 2006

Viva Italia? WM-Titel schlecht für das Land – Er entschuldigt Korruption und Schamlosigkeit


Das meint jedenfalls Petra Reski in der neuen Ausgabe der ZEIT.
>Italien ist Weltmeister, und der Italiener an meiner Seite sagt: Wir sind ruiniert! Er sagt das jeden Morgen, nachdem er die Nachrichten gehört und die Tageszeitungen gelesen hat, die voller Abhörprotokolle stecken, in denen man nachlesen kann, wie sich Politiker, Fernsehstars, Manager und andere Spitzen der Gesellschaft wie Fünfjährige ausdrücken, mit einem Wortschatz, der höchstens hundert Wörter umfasst und im Wesentlichen aus Scheißdreck, Scheißkerl und Scheißkram besteht: Parmalat-Skandal und ein schändlicher Nationalbankgouverneur, ein stumpfer Königprinz, sexbesessen und habgierig, ein lippenloser ehemaliger Bahnbeamter als König des italienischen Fußballs, ein Spinnennetz der Korruption, der Schamlosigkeit und der Käuflichkeit, und zur Belohnung sind wir auch noch Weltmeister geworden!
Poveri noi!, sagt der Italiener, wir Ärmsten! Alles vergeben und vergessen! Und Justizminister Mastella hat auch noch für mildere Umstände plädiert wegen des Gewinns der Weltmeisterschaft! Für eine Amnestie! Cossiga empfahl den Verantwortlichen des italienischen Fußballskandals: Sagt den Richtern, dass sie euch am Arsch lecken sollen! Und das ist unser ehemaliger Staatspräsident! Ah! Come siamo ridotti! Ach, was sind wir heruntergekommen!<

In einigen Punkten kann Deutschland aber locker mithalten. Die deutsche Justiz ist kaum weniger korrupt als die italienische Justiz. Und über die schreibt Reski:

>Einer der Staatsanwälte des Andreotti-Prozesses bescheinigte Italien eine Klassenjustiz, die nur die Hühnerdiebe fängt, die führenden Schichten jedoch ungestraft davonkommen lässt: Von den 3200 Angeklagten der Korruptionsprozesse konnten sich allein 2200 durch die Verjährung ihres Deliktes vor der Strafverfolgung retten. Die Prozesse gegen die politischen Drahtzieher der Mafia endeten alle mit Freisprüchen für die Angeklagten – und die klageführenden Staatsanwälte wurden aus dem Anti-Mafia-Pool eliminiert. Dass gegen den sizilianischen Ministerpräsidenten gegenwärtig ein Prozess wegen Mafiabegünstigung läuft, hat seine Wähler nicht abhalten können, ihn auf weitere fünf Jahre wiederzuwählen. Ich interviewte ihn zu seinen Mafiaverbindungen. Und am Ende des Interviews küsste er mich.<

Auch der Frankfurter Blogger Robert Basic äußerte sich kritisch über den Fußballprovokateur Materazzi und dessen Mannschaft.
Ein anonymer Kommentator sandte ihm daraufhin eine Morddrohung:
>Materazzi hätte dich windelweich verprügelt, du Hurensohn. In der Anonymität des Blogs kannst du dich verstecken und auslassen du feige Ratte! Pass auf was du rauslässt, sonst überlebst du diesen Sommer nicht!<
Die Reaktion von Basic: „Auf jeden Fall geht der Kommentar inkl. IP an die Polizei morgen.“

Zidanes Kopfstoß und die Nachwehen: Wird Italien Titel aberkannt ? Flash Game lässt „Squadra Azzura“ reihenweise zu Fall kommen




Das kopfknallharte Foul von Zidane im Finalspiel der WM und was ihn auslöste, beschäftigt noch immer die Medien.
Der Spiegel fragt gar, ob die Fifa Italien den WM-Titel wieder aberkennen könnte. Zitat:
>Marco Materazzis Pöbeleien gegen Zinedine Zidane könnten Italien teuer zu stehen kommen: Das Fifa-Reglement sieht harte Strafen für Beleidigungen vor.[..]
Was Materazzi Gegenspieler Zidane zugerufen hat, ist noch nicht geklärt. Lippenleser behaupten, dass der Italiener den französischen Kapitän als „Sohn einer Terroristen-Hure“ beleidigt und dann „Verpiss dich doch einfach“ gesagt haben soll. Andere sprechen davon, er habe Zidanes Schwester zweimal als Prostituierte bezeichnet. Materazzi bestreitet dies, räumt aber ein, Zidane beleidigt zu haben.
Wird dem 32-Jährigen zweifelsfrei der Wortlaut seiner Beleidigung nachgewiesen, drohen ihm und seinem Team womöglich harte Konsequenzen.
Erst im März dieses Jahres hat die Fifa auf einer Konferenz neue Strafen gegen Rassismus beschlossen. Im Artikel 55, Absatz 4 des Fifa-Disziplinarreglements heißt es: „Verhalten sich Spieler, Offizielle von Verbänden oder Clubs sowie Zuschauer in irgendeiner Form diskriminierend oder menschenverachtend gemäss Abs. 1 und/oder 2 dieses Artikels, so werden der betreffenden Mannschaft, sofern zuordbar, bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen. (…) In Spielen ohne Punktevergabe wird die entsprechende Mannschaft, sofern zuordenbar, disqualifiziert.“
Im Absatz 1 des Reglements ist von herabwürdigenden, diskriminierenden oder verunglimpfende Äußerungen in Bezug auf Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion oder Herkunft die Rede.<
Auf die Frage, ob Italien der Titel aberkannt werden sollte, wenn Materazzi eine entsprechende Beleidigung nachgewiesen werden kann, antworteten beim SPIEGEL-Voting von derzeit 40 000 Befragten immerhin satte 74% mit Ja!

Ein kreativer Geist hat ersatzweise ein Flash-Game entwickelt, in dem ein Zidane-Avatar durch User-Klick gleich reihenweise italieniesche Spieler per Kopfstoß (head butt) umkegelt. (Durch erneutes Laden der Seite lässt sich das Spiel wiederholen)


Thomas Huetlin erkennt (wiederum im Spiegel) auf feingeistigere Weise in Zidanes Kopfstoß eine „seltsame Größe“:
>Am Ende blieb von den großen Individualisten des Fußballs nur noch einer übrig. Zinedine Zidane, der vielleicht beste Spieler der letzten zehn Jahre; ein Mann, der nicht nur Tore vorbereitete und schoss, sondern vor allem einer, der eine Mannschaft formen und führen konnte mit dem Takt seines Spiels und der Härte seines Geistes.
In einem Spiel, das zunehmend von zugestellten Räumen bestimmt wird, war Zidane der beste Geometriker, eine Art Leonardo da Vinci des Rasens, einer, der Fluchtwege für den Ball fand und Perspektiven, um das eingeschlossene Spiel zu befreien mit Ideen, die den meisten seiner Berufskollegen niemals greifbar sein werden.
Es sollte Zidanes letzter großer Auftritt werden am Sonntag vor einem Milliardenpublikum, weltweit, und jeder weiß, wie er endete.[…]
Zidanes Kopfstoß war keine kluge Aktion, es sollte keine beispielhafte werden, und ich rate jedem davon ab, sie zu Hause oder in der Kneipe auszuprobieren, weil Leute wie Sie oder ich dafür zu Recht mit Handschellen, Geldstrafe und möglicherweise Gefängnis belohnt werden. Trotzdem hatte der Kopfstoß in seiner bizarren Ungezähmtheit und Rücksichtslosigkeit, auch gegen sich selbst, eine seltsame Größe. Er zeigte den Dschungel, der dem Spiel erst seinen Glanz verleiht, von seiner hässlichen Seite. Es war nicht schön, aber es war der Dschungel.< Quelle: spiegel.de, Dschungel und Zivilisation, 11. 7. 2006
Wer noch mehr kluge Gedanken zu Zidanes brutalem Kopfstoß sucht, wird beim Perlentaucher fündig.
Die ZEIT bietet zu „Le cas Zidane“ eine gesprochene Presseschau via Audio-Stream.

Mais pourquoi? „Wie konnte Zidane, dieser Engel, so tief in die Hölle hinab stürzen?“



Was gestern weit über eine Milliarde Menschen am Fernsehen verfolgen konnten, hätte ein Shakespeare nicht dramatischer erfinden können.
Nur noch wenige Minuten vom wochenlang umkämpften Weltmeistertitel entfernt, gegen eine fast schon bedauernswert schwache italienische Mannschaft spielend, für sich selbst den krönenden Abschluss einer gefeierten Karriere zum Greifen nah, entschied sich der französische Fußballspieler Zinedine Zidane in einem wie in Zeitlupe sich aufbauenden Affekt für einen stupid destruktiven Akt: Durch sein Foul
an dem zuvor perfide provokant agierenden Marco Materazzi verabschiedete sich Zidane von der Weltbühne des Fußballs nicht als genialer Ballkünstler, sondern als knallharter Straßenkämpfer – wer es sah, konnte die anschließende Niederlage der eigentlich stärkeren französischen Mannschaft bereits ahnen.
Ullrich Fichtner sieht bei Spiegel-Online in seinem Rückblick auf das Finalspiel mit einigem Pathos die Fußball-Ikone Zidane als einen „Engel in der Hölle„:

>Zinedine Zidane hätte seine einzigartige Karriere mit dem zweiten WM-Titel krönen können. Stattdessen zeigte er im letzten Spiel seiner Laufbahn seine dunkle Seite. Was in Berlin geschah, geht über das Drama Zidanes hinaus. Es bleiben Fragen an die Entwicklung des Fußballspiels.[…]
Drei Milliarden Menschen, darunter Millionen gläubige Kinder, darunter Millionen im Trikot ihres global geliebten Idols mit der Rückennummer 10, wurden zu Zeugen einer unerhörten, unfassbaren Begebenheit. Wie konnte Zidane, dieser Engel, seit Jahren auf einer Wolke weltweiter Verehrung gebettet, so tief in die Hölle hinab stürzen? Wie konnte er, dessen Name sich verbindet mit schöner Klarheit, mit heiterer Präzision, mit Demut auch, sich verwickeln in solche Hässlichkeit?
Für jene, die den Fußball nur von fern verfolgen, die nicht viel wissen von der immensen Aggression und der Brutalität, die dem Spiel heute inne wohnen, war das Bild vom Kopfstoß Zidanes gegen Italiens Marco Materazzi ein elementarer Schock, ein zerrüttendes Ereignis wie ein Unfall, der eine heil geglaubte Welt zerreißt, eine sinnlose, urplötzlich erlittene Verletzung. Jenen, die den Fußball lieben, die Zidane lieben, und die auch seine dunklen Seiten immer kannten, seine kleinen und großen Blackouts, ihnen wurde in dieser Nacht das Herz gebrochen.[…]
Die ganze Welt, von ein paar Italienern abgesehen, wollte ein Happy-End für Zidane. Der Held, er allein, wollte es anders.[…]
Wer ihn beobachten durfte, wie er, mit kleinem Aufwand oft, große Wunder erzeugte, wem einmal der Atem stockte, wenn er dem Spiel wieder eine neue Lösung erfand, wer ihm zuschauen durfte bei seiner Arbeit, die eine Arbeit an der ganzen Grammatik des Fußballspiels war, der wird seine einmalige Größe nie vergessen können, nie bezweifeln, auch nicht nach dieser 110. Spielminute im Berliner Olympiastadion.

Und doch: Das Bild seines Kopfstoßes, unermesslich aufgeladen durch die Zeugenschaft von Milliarden Menschen, wird zu einer Ikone werden. Es wird, dieses Bild, die andere Seite von Zinedine Zidane illustrieren, die dunkle, archaische, die es immer gab und die er nie vollständig zu kultivieren in der Lage war. Es wird sich einbrennen, dieses Bild […]
Niemand steigt in einem kämpferischen Sport zu dieser Größe auf, dessen Tugend allein die Bescheidenheit wäre. Fußball heute ist eine knallharte Angelegenheit, und wer den Italiener Fabio Cannavaro gesehen hat, wie er im Endspiel von Berlin seinem Gegenspieler Thierry Henry fast den Hals brach, der weiß, dass die Übergänge zwischen Spiel und Körperverletzung im Fußball heute fließend sind. Zidane wusste das, er weiß es, seit frühester Jugend, gut.
Er war, am Beginn seiner Karriere, ein zorniger, junger Mann aus einem Ausländerghetto im Norden von Marseille, und die legendäre Place Tartane, wo er gegen die ersten Bälle trat, war ein Kampfplatz mehr denn ein Spielfeld.[…]
Er putzte, als Therapie gegen seine giftige Wut, in Vereinshäusern wochenlang die Toiletten, um Demut zu lernen und seinen Aggressionen nachzusinnen. Er arbeitete an sich, fieberhaft, er kennt, bis heute, diese seine große Schwäche, er hat sie bekämpft auf allen seinen Stationen in Bordeaux, in Turin, in Madrid, aber sie hat ihn immer wieder heimgesucht, spektakulär bei der WM 1998, wo er einen am Boden liegenden Spieler in den Rücken trat.[…]
Aber es bleiben nicht nur Fragen und Rätsel über Zidane. Was hier geschah, geht über diesen Einzelnen hinaus. Es bleiben auch Fragen an die Entwicklung des Fußballspiels insgesamt. Der Sport hat sich in den vergangenen Jahrzehnten derart mit Körperkraft, Tempo und Aggression aufgeladen, dass die Spieler, physisch stärker denn je, psychisch überfordert scheinen.[…]
Es ist, als wäre im Spiel um den Ball eine Grenze der physischen Zumutungen erreicht, die sich in brutalen Eruptionen entladen will, entladen muss. Dies ist Zidane, ganz am Ende, widerfahren. Er hatte noch zehn Minuten bis zur Ewigkeit, aber etwas in ihm hielt das Warten nicht mehr aus.<

Fußball WM 2006: Klinsmanns Erfolg blamiert das deutsche Dreckblatt BILD


Mit einem peinlich wirkenden journalistischen Fallrückzieher („Klinsi, das war schweinimalig!“) will die BILD-Zeitung jetzt vergessen machen, dass sie lange Zeit eine Kampagne gegen Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann betrieb.
Wer sehen will, was das Boulevardblatt vor dem erfolgreichen WM-Auftritt der deutschen Mannschaft über deren Trainer schrieb, kann es in einigen hundert BILD-Artikeln nachlesen, die noch immer online sind.
Typisch für die Kampagne war ein Kommentar des stellvertretenden BILD-Chefredakteurs und Sportchefs Alfred Draxler über „Klinsmanns Unverschämtheit“ Draxlers widerlegter Schlusssatz: >Denn Klinsmann hat mit seinem unprofessionellen Verhalten inzwischen für so viel Unruhe gesorgt, daß eine erfolgreiche WM mit ihm als Bundestrainer kaum noch möglich sein dürfte.<
Noch deutlicher und noch dümmer waren die (Dementia) Präcox-WM Kommentare des unsäglichen BILD-Kolumnisten Franz-Josef Wagner: „Lieber Jürgen Klinsmann, für mich werden Sie immer mehr ein Fremder. Ein Fremder ist wie fließendes Wasser…“ (BILD: 6. 3. 2006). Mehr dazu natürlich auch beim BILDblog.

Einen exzellenten Einblick in die ungute Melange von BILD und Ball bietet Roger Repplinger im kritischen Fußballmagazin RUND, aus dem hier auszugsweise zitiert wird:

>Wer verstehen will, warum die „Bild“-Zeitung seit Monaten eine Kampagne gegen Bundestrainer Jürgen Klinsmann fährt, muss bis in das Jahr 1984 zurück. Am 26. Juni trat Jupp Derwall nach einer verkorksten Europameisterschaft in Frankreich als erster Cheftrainer der DFB-Geschichte zurück. Franz Beckenbauer war als „Bild“-Kolumnist dabei und haute Derwall in die Pfanne. Beckenbauers Kolumnen schrieb Walter M. Straten. Heute ist der Autor Straten immer vorne dran, wenn es gilt, Klinsmann eins auszuwischen. Neben Straten kümmerte sich Mitte der 80er Jahre Raimund Hinko um Beckenbauer, heute bei „Sport-Bild“ und in tiefer Liebe dem FC Bayern München und Oliver Kahn und in ebensolcher Abneigung Klinsmann verbunden.

Jeder wichtige deutsche Nationalspieler hat bei „Bild“ einen speziellen, für ihn zuständigen Redakteur. Der ist Ansprechpartner, Kummerkasten, Image-Schöpfer, Helfer in der Not und Verkäufer, wenn es, wie bei Stefan Effenberg, gilt, ein Buch loszuschlagen. Der Spieler gibt Infos, der „Bild“-Redakteur nimmt, der „Bild“-Redakteur gibt gute Spielnoten, der Nationalspieler nimmt und steigert so seinen Marktwert, erhält bessere Verträge. Der „Bild“-Redakteur steigt mit auf und weiß mehr als die Konkurrenz. […]
Völlers Nachfolger Klinsmann ist ein Feind. Schon als Jungprofi bei den Stuttgarter Kickers hielt er Distanz zu „Bild“. Stets war des Stürmers Privatleben tabu. Die Boulevardzeitung rächte sich und streute subtil das für einen Fußballer tödliche Gerücht, Klinsmann sei homosexuell. Harald Schmidt griff dies während der WM 1998 auf und verhöhnte Klinsmann als Schwabenschwuchtel. Der DFB erstritt eine Unterlassungserklärung.
Als Klinsmann bei Bayern München spielte, störte er die Mauscheleien zwischen Bayern-Führung und „Bild“, indem er auf die schädliche Wirkung von Beckenbauers Kolumnen für Mannschaft und Trainer Otto Rehhagel hinwies. Er kritisierte, dass Matthäus „Bild“ Interna steckte. Anfang 1996 brach der Konflikt zwischen Klinsmann und Matthäus offen aus. Auffällig war, dass „Bild“ und seine Schwesterblätter in diesem Streit gerne Partei gegen Klinsmann ergriffen.[…]
Die Feindschaft schlummerte, bis Klinsmann Bundestrainer wurde. Für „Bild“ ist der Bundestrainer so wichtig wie der Bundeskanzler. Mit beiden ist Auflage zu machen. Der Sport ist für „Bild“ lebensnotwendig, vor allem die Nationalmannschaft, um die Kompetenz, die „Bild“ für sich beansprucht, nachzuweisen. Doch obwohl auf Druck von „Bild“ eine „Trainerfindungskommission“ installiert wurde, in der mit Beckenbauer auch ein „Bild“-Kolumnist saß, gelang es nicht, den eigenen Kandidaten, den notorischen „Bild“-Informanten Matthäus, durchzusetzen.
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, ein alter, konservativer, schwerhöriger, unberechenbarer Mann, wollte nicht irgendeinen, er wollte den richtigen Trainer. Einen, dem er zutraute, Nationalelf und Umfeld zu reformieren. Er traf sich im Sommer 2004, nach einem Tipp von Vogts, in einem New Yorker Hotel mit Klinsmann, während Beckenbauer in Deutschland unverdrossen für Matthäus warb. Eine Niederlage. Eine Blamage für „Bild“.
Bild Draxler Bild Zeitung Kampagne
Unter den Spielern der aktuellen Nationalmannschaft hat „Bild“ keinen Informanten. Angeblich hat Oliver Kahn für die Zeit nach der Weltmeisterschaft einen Exklusivvertrag mit der Zeitung. Umso blindwütiger greift „Bild“ Klinsmann an. Dies geschieht vor allem durch WM-OK-Chef Beckenbauer, der, so hört man, eine Million Euro pro Jahr für seine Tätigkeit bei „Bild“ bekommen soll und den uns das ZDF trotzdem als unabhängigen Experten verkauft. Über „Bild“-Kolumnist Günter Netzer, den die ARD als unabhängigen Experten verkauft.[…]
Klinsmann steht für alles, was „Bild“ ablehnt: Neue Formen der Trainingsarbeit, Wissenschaft, neue Taktik, Risiko, neue Führungscrew, internationaler Trainerstab – „Bild“ ist national. Klinsmann bedeutet einen Verlust von Macht und Einfluss. Deshalb muss Klinsmann weg. Sonst saust die sinkende Auflage weiter in den Keller.
„Bild“ hat den Nachfolger schon positioniert: Matthias Sammer. Dessen Medienberater heißt Ulrich Kühne-Hellmessen und war Chefreporter bei „Bild“.< Quelle: Roger Repplinger in Rund-Magazin.de, Bumm Bumm Bild.
Auch das NDR-Magazin ZAPP berichtete Mitte März über die Hintergründe der BILD-Kampagne gegen Klinsmann.
Oliver Fritsch analysierte zur gleichen Zeit in der Frankfurter Rundschau die Kampagne gegen den Trainer: >Suspekt ist vielen Klinsmanns „amerikanischer“ Optimismus, sein „american way of life and work“ und sein Wohnort. Daß der Fußballbundestrainer, Inhaber des dritthöchsten Amts im Land, in Kalifornien lebt, gilt der Springer-Presse als Verrat am Vaterland.< Der Artikel kann vollständig im Weblog indirekter-freistoss.de nachgelesen werden, der täglich eine „Presseschau für den kritischen Fußballfreund“ zusammenstellt.

Diabolische Ode: Weine nicht, Argentinien!



Musikalisch und stimmlich ist es unter aller Sau, was KingKlaas bei YouTube zum WM-Spiel Deutschland : Argentinien vorsingt.
Bei Andrew Lloyd Webber und bei Tim Rice könnten beide Trommelfelle platzen, würden sie hören, was hier mit ihrem Evita-Hit „Don’t Cry for Me, Argentina“ geschieht. Im Mittelalter drohte für eine solche Entweihung des Heiligen der Scheiterhaufen.
Im You-Tube-Kosmos könnte aber der ungenierte Trash von KingKlaas Kultstatus gewinnen, kurzzeitig zumindest.
Auch eine Kriegserklärung Argentiniens an Deutschland ist da nicht auszuschließen. Die argentinische After-Game Attacke auf den Oberschenkel und die Weichteile von Mertesacker war vielleicht nur der Anfang.
Es ist bekannt, dass Angela Merkel in Margaret Thatcher eines ihrer politischen Vorbilder sieht. Die hatte 1982 nicht gezögert, wegen der von den Junta-Generälen besetzten Falkland-Inseln gegen Argentinien in den Krieg zu ziehen. Ehrlich gesagt: Was sind schon die Falkland-Inseln gegenüber der Fussball-WM?
Die bei allen großen Auftritten der Deutschen präsente Angela Merkel singnalisiert der fernsehenden Weltöffentlichkeit schon seit Tagen, welche überragende Bedeutung der angestrebte FIFA-Pokal für uns besitzt … und man auf deutscher Seite zum Äußersten, zum Endsieg entschlossen ist, Party hin oder Party her.

Fußball WM 2006: Dänische Website zeigt sämtliche (!) Torszenen als Virtual Replay

Das Virtual Replay ist beeindruckend. Man muss zunächst das gewünschte Spiel anklicken und danach den jeweiligen Torschützen. Die Torszene kann sogar aus verschiedensten Perspektiven gesehen werden – unter anderem aus der Perspektive jedes Spielers der beiden Mannschaften.
Wer die reale Szene vorher bei einer TV-Übertragung sah, ist überrascht, dass die Aufstellung der Spieler und die dem Tor vorhergehenden Spielzüge tatsächlich minutiös nachgebildet sind.
Nur die Spieler sehen „etwas“ anders aus und der Ton fehlt – sonst sähe es fast wie ein Video aus.
Man benötigt das Macromedia Shockwave Plugin und gewisse Rechnerkapazitäten. Nebenbei liefert dr.dk auch Infos zu sämtlichen Spielen. Spielernamen und Ergebnisse sind auch ohne Dänisch-Kenntnisse zu verstehen.

„Helden der Deutschen“: Odenwälder Bambi-Bub Timo Boll unter den Großen der Welt

gestern in München:
>Auf einer glamourösen Gala sind in München die Bambis verliehen worden. Zwischen viel deutscher Prominenz freuten sich Ex-US-Präsident Bill Clinton und Popstar Mariah Carey über den Medienpreis. Auf dem Parkett dominierten lange Abendkleider und tiefe Ausschnitte.
Der begehrte Medienpreis wurde am Donnerstagabend in München zum 57. Mal verliehen. Rund 1000 Gäste aus Showgeschäft, Politik, Wirtschaft und Sport versammelten sich im Internationalen Congress Centrum. Stehende Ovationen gab es gleich bei der Übergabe des ersten goldenen Rehkitzes an den früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Für sein Engagement unter anderem im Kampf gegen Aids und beim Wiederaufbau in den Tsunami-Katastrophengebieten Südasiens erhielt er den Bambi in der Kategorie „Charity“.
[…]
Zu den Gästen der Bambi-Gala zählten unter anderen US-Pop-Diva Mariah Carey, die italienische Schauspielerin Ornella Muti, Tennisstar Boris Becker, die Entertainer Joachim Fuchsberger und Thomas Gottschalk, Schauspielerin Uschi Glas und Fußball-„Kaiser“ Franz Beckenbauer, der mit dem „Millenium“-Bambi ausgezeichnet wurde. Er freue sich, dass seine „Bambi-Familie“ nun um ein fünftes goldenes Rehkitz erweitert werde, sagte Beckenbauer.[…]
Die Bambi-Preisträger 2005

1. Bill Clinton (Charity)
2. Franz Beckenbauer und Pelé (Milliennium Bambi)
3. Uschi Disl, Meredith Michaels-Beerbaum, Vitali und Wladimir Klitschko, Timo Boll, Faris Al-Sultan, Michael Ballack (Sport)
4. Julia Stegner (Shooting Star)
5. Karl Lagerfeld (Kreativität)
6. Bundeswehr, BKA-Identifizierungskommission, Technisches Hilfswerk (Engagement)
7. Theodor Hänsch (Wissenschaft)
8. Mariah Carey (Pop international)
9. Tokio Hotel (Pop national)
10. Veronica Ferres (Schauspiel)
11. Til Schweiger (Film national)
12. Joseph Blatter (Kommunikation)
13. Caterina Valente (Ehren Bambi)
14. ZDF-Spendengala „Wir wollen helfen“ (Publikumspreis)<
Quelle: spiegel.de

Wann immer Publicity abzustauben ist, ist auch Landrat Horst Schnur nicht weit. Diesmal mit einem Grußwort an Timo Boll:
>Der aus dem Odenwaldkreis stammende Tischtennis-Weltklassespieler Timo Boll, Weltcupsieger 2005, wird am Donnerstag, 1. Dezember, in München mit dem Medienpreis „Bambi“ des Burda-Verlages ausgezeichnet. Zu dieser hohen Anerkennung gratuliert dem Spitzenspieler des Bundesligisten TTV RE-BAU Gönnern der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, auf das Herzlichste. Er sieht in dem herausragenden Sportler einen der besten Botschafter für die Region, mit jugendlichem Schwung und höchstem Können ausgestattet.[…]
Wie aus dem aktuellen Newsletter des TTV-REBAU Gönnern hervorgeht, hat sich die „Bambi“-Jury unter der Leitung des Verlegers Hubert Burda mit folgender Begründung für die genannten sieben Stars entschieden: „Sie sind Helden der Deutschen, weil sie ihre Grenzen überschreiten und uns dadurch die Kraft geben, unsere eigene Zukunft energisch anzupacken“.< Quelle: odenwaldkreis.de

Boll triumphiert in Lüttich: Odenwälder Staatsfeind Nummer 1 in China

>Die neue Gefühlslage im Land der Mitte wurde Timo Boll via Kurzmitteilung über Handy vermittelt: „Jetzt bist Du Staatsfeind Nummer 1 in China“, lautete die Botschaft eines alten Bekannten. Mit diesem Satz gratulierte Steffen Fetzner, der frühere Tischtennis-Nationalspieler und Doppelpartner von Jörg Roßkopf, dem neuen Weltcupsieger.

Boll hatte beim Treffen der Besten am Wochenende in Lüttich ein Kunststück vollbracht, von dem er nicht weiß, „ob es bisher überhaupt mal jemandem bei einem Turnier gelungen ist“: Er besiegte nacheinander die drei besten Chinesen, einen im Viertelfinale, einen im Halbfinale, den letzten im Finale, jeweils 4:3 nach Sätzen. Eine ungewohnte Erfahrung für Wang Liqin, den Weltmeister und Ersten der Weltrangliste, für Ma Lin, den Titelverteidiger, und für Wang Hao, den Olympiazweiten. Es war eine Art Majestätsbeleidigung, was Boll binnen 24 Stunden gegen die traditionell stärkste Tischtennisnation der Welt zustande brachte. Lohn war der Weltcupsieg, sein zweiter nach 2002.[…]
Nun ist es nicht so, daß der 24 Jahre alte Linkshänder aus dem Odenwald vorher unterschätzt worden wäre. Manchem galt er schon vor Lüttich als „Chinesen-Schreck“. […]
Es mag bedrohlich für seine Gegner klingen, wenn er sagt, daß er in Belgien mitunter „sehr müde“ gewesen sei, und daß dieses Turnier zwar sehr gut für ihn verlaufen sei, aber „nicht optimal“. Boll beklagte „Konzentrationslöcher“. Sie haben damit zu tun, daß er sich in dieser Saison seit Anfang des Jahres kaum ein freies Wochenende gegönnt hat. Bundesliga und Champions League mit dem TTV Gönnern, Nationalmannschaft, dazu das sportliche Abenteuer China: Bolls Pensum gleicht einem Marathonlauf von Platte zu Platte.[…]
Er wurde Europameister und Erster der Weltrangliste, er gewann große Turniere und besiegte regelmäßig die Besten der Welt, aber körperlich auf der Höhe war er nie.
Er hatte chronische Rückenschmerzen. Sie ermöglichten zwar große Erfolge, das aber oft nur „in Schonhaltung“ oder mit halber Kraft. „Ich konnte nachts kaum mehr schlafen“, sagt Boll. „Die Schmerzen haben auch meinen Alltag massiv gestört. Es war kein schönes Leben mehr.“ Für Besserung sorgte einer der „Medizingurus“ des Sports: Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Arzt beim FC Bayern München und bei der Fußball-Nationalmannschaft. Mit einer Spritzenkur bekämpfte er Bolls Probleme, die sich als chronische Entzündung herausstellten. „Seit Anfang des Jahres bin ich schmerzfrei“, sagt der Weltcupsieger. […]Er absolvierte die Saisonvorbereitung im Sommer erstmals seit Jahren ohne Unterbrechung, versuchte sich erfolgreich an neuen Schlagvarianten und sagt jetzt, nach dem Erfolg von Lüttich: „Ich habe das Gefühl, es geht noch besser.“
Das hört man natürlich auch beim Deutschen Tischtennisbund (DTTB) gerne, schließlich wird die nächste Weltmeisterschaft 2006 in Bremen ausgespielt. DTTB-Präsident Thomas Weikert frohlockt bereits, Bolls jüngster Erfolg bringe noch einmal einen Schub und rufe ins Gedächtnis, daß sich Deutschland nicht nur auf eine Fußball-WM freuen dürfen. Ehrenpräsident Wilhelm Gäb zählt Boll bereits zu den „größten Athleten des deutschen Sports“. Der so Gelobte gönnt sich nach den Strapazen drei Tage Tischtennispause, am Donnerstag will er in seiner Heimatstadt Höchst wieder an der Platte stehen. „Jetzt bin ich erschöpft“, sagt er, „aber dann werde ich wieder heiß sein. Warum sollte ich jetzt schon zufrieden sein?“ Schönen Gruß nach China. <
Quelle: Uwe Marx in FAZ, „Jetzt bist Du Staatsfeind Nummer 1 in China”, 24. 10. 2005,

Erneute Kollision: Timo Glock scheidet beim zweiten Saisonrennen der US-Cart-Serie in Monterrey aus

> Timo Glock wird immer mehr zum Bruchpiloten der US-Cart-Serie. Wenige Tage nach seinem schweren Unfall bei Ovaltests war der 23-Jährige aus Wersau im Odenwald beim zweiten Saisonrennen in Monterrey/Mexiko in eine Kollision verwickelt. Glock musste sein defektes Fahrzeug in der 69. von 76 Runden an der Box abstellen und wurde mit sieben Runden Rückstand als 11. gewertet. Bis zu seinem Ausfall hatte sich der Deutsche tapfer geschlagen, denn Glock saß trotz eines Schlüsselbeinbruchs, den er bei dem Crash bei den Ovaltests erlitten hatte, schon wieder im Rennauto.
Glock, sportliches Aushängeschild der Deutschen Post, der auch als Jurymitglied in der Speed Academy für das Unternehmen tätig ist, hatte schon in der Anfangsphase Pech, als ihn ein Dreher mit seinem Lola-Ford-Cosworth in der 9. Runde ans Ende des Feldes zurückwarf. Von dort aus kämpfte sich Glock aber wieder nach vorne, fuhr sogar die zweitschnellste Rennrunde und lag nach seinem sechsten Platz beim Saisonauftakt in Long Beach erneut in den Punkterängen, als das Missgeschick passierte. < Quelle: focus.msn.de