Archiv der Kategorie: Musik

TV-Tipp: Beyond the sea – Wenn ich ein Tischler wäre

Das ist eigentlich eine ganz private Odenwald-Geschichte. Da gab es in einem kleinen Odenwälder Ort einen wortkargen Tischler. Man hätte auf sein ewiges Junggesellendasein wetten können.
Doch eines Tages war eine Frau an seiner Seite, hübsch und klug und offenbar aus der Fremde.
RTL und Kuppelshows gab es noch nicht. Keine Ahnung, wie er sie gewann.
Vielleicht lockte er sie ja mit dem wundervollen Folksong „If I were a carpenter„, komponiert von Tim Hardin, danach von zahllosen Musikern interpretiert.
Den größten Erfolg hatte damit der amerikanische Sänger, Entertainer und Schauspieler Bobby Darin, der 1973, im Alter von nur 37 Jahren, seiner chronischen Herzerkrankung erlag.
Neun Monate vor seinem Tod stand er noch einmal auf der Bühne. Er singt dort den ‚Carpenter‘ so eindringlich, dass ihm die Angesungene und Angebetete noch ins Grab folgen könnte.
Heute nacht um 23:00 Uhr strahlt einsfestival die Verfilmung von Darins Lebensgeschichte aus: Beyond the Sea – Musik war sein Leben.
Verkörpert wird der Sänger darin von Kevin Spacey, der sich in American Beauty als Lolita-Liebender Lester Burnham unsterblich machte.

Das Jodeldiplom: Damals bei Loriot – morgen in Lindenfels

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Im Odenwald gibt es viele Bildungsbeflissene. Auch Frauen, die vorankommen wollen. Auf eigenen Füßen stehen, wenn die Kinder einmal aus dem Haus sind. Ihnen allen bietet sich am 27. und 28. März in Lindenfels eine einmalige Gelegenheit.
Ein Grundseminar am Samstag und ein Aufbauseminar am Sonntag, ganzheitlich abgehalten im Gasthaus „Zur Ludwigshöhe“, bereitet sie auf ein Diplom vor, das ihre beruflichen Chancen erheblich erhöhen wird. Auch das Darmstädter Echo weist in seiner Regionalausgabe auf die Seminare hin.
Überzeugt von dieser Bildungsofferte, erlauben wir uns, aus dem kurzen Artikel zu zitieren:

>Spezielle Übungen zur Haltung, Atmung, Energie und Tonbildung seien nicht nur sehr entspannend,
sondern auch gesund, schreiben die Veranstalter in ihrer Pressemitteilung. Der Körper werde trainiert, zentriert und in Schwingungen versetzt, um über das Zwerchfell Stimmkraft zu entwickeln.
Schwerpunkte sind Muskelentspannung, Zwerchfell, Bauch, Beckenboden und die Kräftigung der Wirbelsäule. Ausgleichend dazu gibt es rhythmische Arbeit mit dem Körper, mit Löffeln, Besen, Kuhglocken und Teufelsgeige. Zudem gibt es Balztänze. Der Abschluss ist zwischen 16 bis 17 Uhr mit den gelernten Jodelstücken, rhythmischer Begleitung und Jodeldiplom.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Wem haben die Teilnehmer zu verdanken, dass sie mit ihrem Jodeldiplom endlich „etwas eigenes“ in ihren Händen halten können?
Josef Ecker heißt der sympathische Jodel-Dozent. Gerne setzen wir auch einen Link auf seine Website jodelseminar.de.
Er präsentiert sich dort mit seiner nicht minder sympathisch wirkenden Partnerin.
Es gibt von Ecker auch eine Lern-CD, die auf der Website jodelkurs.com beworben wird.
Kurze Hörproben (Jodelruf in C-dur, Männerstimme für 2 stimmig) zeigen der und dem Lernwilligen, ob dies ihr Weg zu geistigen Gipfeln sein könnte: Holleri du dödl di, diri diri dudl dö!

Eros! Bathseba! Hallelujah!

Immer neue Enthüllungen über sexuellen Missbrauch könnten an Männern zweifeln lassen. Sind es so viele, die nicht an Frauen, sondern an Kindern, an Knaben erotisch Gefallen finden?
Für den mehr oder weniger großen Teil der einen Hälfte des Himmels, der nicht pädophil ist, sondern einfach nur feminophil, hier ein Video und ein Lied, das die Schönheit einer Frau und die Liebe preist.
Dass es eine lesbische Sängerin ist, die da Leonard Cohens zeitlosen Hit interpretiert, die Kanadierin k.d. lang, tut dem keinen Abbruch.
Nur gestisch und mimisch könnte sie zurückgenommener sein, da wirkt Jeff Buckley authentischer.
Die Begeisterungsstüme, die k.d. lang bei ihrem Publikum am Ende auslöst, machen Hoffnung. Solange sich Menschen von einer solchen Ode ergreifen und hinreißen lassen, sind wir und die von uns besiedelte Erde noch nicht verloren. Hallelujah!

Haiti, mon Dieu! Gott ist nicht fair

Es gibt Tage, wo einem das eigene Idol peinlich sein kann. Wer etwa Michael Jackson liebte, weiß das.
Was nun in Haiti geschehen ist, muss wieder einmal jene verlegen machen, die entgegen allem Augenschein darauf beharren, dass ihr Angebeteter gleichermaßen allmächtig und allgütig sei.
Heute hat der Allmächtige zugelassen, dass ausgerechnet die Ärmsten der Armen noch ein Stück ärmer wurden – was leider nichts Neues ist.

Gelobt im Allgemeinen sei deswegen heute nicht Gott, sondern der Atheismus oder (wenn man an mehr als an nichts glauben will) der Pantheismus. Gelobt im Konkreten sei dagegen praktische Hilfe – die Güte nämlich gibt es nur in uns.

Links:

Frohe Weihnachten: Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann an die Eltern des von 12 Polizeikugeln getöteten Studenten Tennessee Eisenberg denkt

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist ein Mann mit Feingefühl.
Kurz vor Weihnachten seien seine Gedanken bei den Eltern des im April getöteten Regensburger Studenten Tennessee Eisenberg und ebenso bei den (letztlich von ihm beaufsichtigten) polizeilichen Todesschützen, die den vermutlich akut psychotischen Musikstudenten damals mit 12 Schüssen durchsiebt hatten.
Das bei der Staatsanwaltschaft Regensburg geführte Ermittlungsverfahren gegen die beiden Polizisten war kürzlich eingestellt worden.
Dass auf den jungen Mann, nachdem er bereits durch 8 Schüsse schwer verwundet war, weitere 4 Schüsse abgefeuert wurden – sie führten schließlich zu seinem Tod – war laut Staatsanwaltschaft „ebenfalls erforderlich und situationsbezogen geboten.“
Diesem angeblich „klaren Ergebnis“ schließt sich Herrmann an und findet es gut, dass es „gerade vor Weihnachten ‚eine große Erleichterung‘ “ für die Todesschützen sei, die nun “ wüssten, woran sie seien.“

Das Gutachten des renommierten Münsteraner Rechtsmediziners Prof. Dr. Bernd Karger ergab freilich Gegenteiliges.

Die Anwälte von Eisenbergs Familie hatten schon im September in einer Pressemitteilung auf dieses Gutachten Bezug genommen. Wir zitieren daraus:

>Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass T.E. nach dem Ergebnis des Gutachtens zu diesem Zeitpunkt bereits von 8 Polizeikugeln getroffen und schwerst verletzt war.
Er hatte ein zerschossenes Kniegelenk und einen durchschossenen Oberarmknochen, einen Steckschuss in der Lunge sowie weitere Treffer an den Extremitäten erhalten.
Des Weiteren befand sich der Schütze zum Zeitpunkt der Abgabe der vier Schüsse in den Brustbereich des T.E. bereits im Eingangsbereich der offen stehenden Haustür
. Im Haus hielt sich kein weiterer Polizeibeamter in Gefahrenlage mehr auf, so dass nicht erklärlich ist, weshalb zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch geschossen wurde.
Außerdem handelte es sich bei dem Schützen um einen Polizeibeamten mit Spezialausbildung in Selbstverteidigung, der fast 6 Jahre lang beim USK Dienst getan hat.< [Hervorhebungen von uns]

Dass der bereits schwer verwundete junge Mann mit vier („finalen“) Schüssen in die Brust getötet wurde, obgleich der Schütze sich ohne weiteres aus dem Haus entfernen konnte, soll laut Oberstaatsanwalt Edgar Zach also „erforderlich“ und „geboten“ gewesen sein. Gleicher Ansicht ist auch Günther Ruckdäschel, Leiter der Staatsanwaltschaft Regensburg.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der die von ihm beaufsichtigten ca. 30 000 bayrischen Polizeibeamten allesamt persönlich zu kennen scheint, hatte schon im August – also während des laufenden Ermittlungsverfahrens – in einem Interview geäußert, er „habe keinen Zweifel daran, dass Notwehr oder Nothilfe vorlagen.“
Welch ein Wunder, dass die Staatsanwaltschaft ihm nun „recht gegeben“ hat. Hätte sie es nicht getan, wäre der arme Mann aufgrund seiner voreiligen Festlegung ja wohl rücktrittsreif gewesen.

BildAllerdings hatte sich auch die Staatsanwaltschaft Regensburg in diesem Fall schon sehr früh auf „Notwehr“ und „Nothilfe“ festgelegt, so dass das Ermittlungsverfahren im Grunde eine Formalie war, das Ergebnis stand wohl von Anfang an fest.
Bei solchen „ergebnisorientierten Ermittlungen“ zeigt sich übrigens die wahre Kunst des akademisch gebildeten Paragraphenvirtuosen. Er muss fähig sein, ähnlich wie ein Illusionskünstler auf der Bühne, Unrecht und Unwahrheit als Recht und Wahrheit erscheinen zu lassen. Beherrscht er dies gut, stehen ihm viele Türe offen und der Karriereweg kann ihn weit nach oben führen. [Auch Joachim Herrmann ist, wen wundert es, studierter Jurist. Es war ihm sogar in die Wiege gelegt, schon sein Vater war Professor für Rechtsgeschichte und Zivilrecht.]

Es wird für die Justizmagiere freilich zusehends schwieriger, ihren Job so wie gewohnt zu machen. Das Internet ändert auch hier die Spielregeln.
Familie und Freunde von Tennessee Eisenberg präsentieren ihre Sicht der Dinge (und auch ihre Fragen) auf zwei Websites:
tennessee-eisenberg.de und 12kugeln.de.
Im Weblog des Regensburger Rechtsprofessors Henning-Ernst Müller (auf beck.de) wird der Fall überaus kompetent und klug diskutiert.
Zahlreiche im Web verfügbare Videos liefern weitere Informationen – unter anderem über eine Demonstration von mehreren hundert Menschen, die gegen die Praktiken der Staatsanwaltschaft protestierten.

BildAbschließend zitieren wir aus einem Interview, das Johann Heckel nun mit dem Rechtsanwalt Helmut von Kietzell führte.
[Dem Anwalt von Eisenbergs Vater war möglicherweise nicht bewusst, dass die diktaturverliebte Zeitschrift ‚Junge Welt‘ kein geeignetes Forum für sein überaus berechtigtes Anliegen sein kann.]
So äußert sich von Kietzell zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen die polizeilichen Todesschützen, wichtige Passagen wurden dabei von uns hervorgehoben:

>Aus meiner Sicht gibt es in der Verfügung sachliche Unrichtigkeiten, die so nicht stehenbleiben können.
Da wäre zum Beispiel die Situation beim ersten Schuß. Die Staatsanwaltschaft schreibt: »Eisenberg (…) begann, dem in Richtung der anderen Raumecke zurückweichenden Beamten zu folgen. Nun gab der Beschuldigte 1 einen gezielten Schuß auf Eisenberg ab, der dessen linkes Knie von hinten durchschlug
Die Sachverständigen für Ballistik – und zwar sowohl der des Landeskriminalamtes (LKA) als auch der Privatdozent Dr. Karger aus Münster – sind sich darin einig, daß dieser erste Schuß abgegeben wurde, als Eisenberg mit Gesicht und Knien in Richtung treppaufwärts stand und sich nirgendwohin bewegt hat. Das war sozusagen der Moment, der die Dynamik des Geschehens in Gang gesetzt hat. <

>Die Staatsanwaltschaft hat die Blutspritzer zunächst ignoriert, sie tat so, als seien sie ohne Bedeutung. Tatsächlich sind sie aber sehr wichtig, weil sie deutlich machen, wo Eisenberg stand, als die tödlichen Schüsse fielen. Demnach war er auf keinen Fall an der Stelle, die das Gutachten des LKA beschreibt. Und nur da hätte es so etwas wie eine Notwehrsituation für den dort stehenden Beamten geben können.<

>Der Todesschütze war mindestens 1,50 Meter von Eisenberg entfernt, der zu diesem Zeitpunkt schon mit acht Schüssen schwerverletzt war.
Nach den Aussagen eines anderen Beamten stand der Schütze neben der offenen Tür – er hätte also locker einen Schritt nach draußen machen können, um sich in Sicherheit zu bringen, falls er tatsächlich von Eisenberg bedroht worden wäre. Es hätte also keinen Grund gegeben, ihn zu erschießen.
Es ist eine Schande für unseren Rechtsstaat, daß der Sachverhalt erst auf Kosten der Angehörigen aufgeklärt werden muß. Polizei und Staatsanwaltschaft haben wichtige Spuren ignoriert– wenn wir nicht diesen Privatgutachter eingeschaltet hätten, würde das LKA mit seinen Argumenten durchkommen.<

>Die Staatsanwaltschaft hatte das LKA beauftragt, die Position des Schützen und die Eisenbergs zu definieren und die Schußrichtungen zu ermitteln. Dabei wurden Vorgaben gemacht, von welchen Tatsachen das Gutachten auszugehen hatwobei die Blutspritzer einfach weggelassen wurden. Wie soll man das interpretieren? Schlamperei, Inkompetenz oder Vertuschung? <

No comeback, never: Michael Jackson hat sich mit 50 davongemacht

Weder war vorstellbar, das Michael Jackson sein für den Sommer angekündigtes Comeback gelingen könnte, noch war vorstellbar, dass aus dem großen Kind je ein Greis würde.
Sein früher Tod ist insoweit nicht ohne innere Logik.

Alle Welt erinnert sich nun daran, dass Jackson, bevor er zum Freak mutierte, ein begnadeter Künstler war, dessen Musik elektrisieren konnte.
Auch wir erinnern uns – etwa an das phänomenale „Black or White“:

I am tired of this devil
I am tired of this stuff
I am tired of this business
Sew when the going gets rough
I ain’t scared of your brother
I ain’t scared of no sheets
I ain’t scared of nobody
Girl when the goin‘ gets mean

2. Advent in Athen: Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel löst landesweit Krawalle aus



UPDATE: Aktuell berichtet der Student Thomas Schörner auf seinem Weblog über das Geschehen in Athen:
Im Schatten der Akropolis
[Update Ende]

Was derzeit in Griechenland geschieht, erinnert an die Protestbewegung in Deutschland nach der Ermordung von Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967.

Die Proteste, die gestern nach dem Tod von Alexandros Grigoropoulos ausbrachen, der 15-Jährige war von einem Polizisten erschossen worden, sind aber weitaus militanter als damals in Deutschland.
Spiegel Online schreibt heute:

>Die Bilder, die der Kameramann aus dem Hubschrauber des Athener Fernsehsenders „Skai“ in die Sendezentrale funkt, erinnern an Aufnahmen aus einer Kriegszone. Dichte Rauchwolken steigen über der Leoforos Alexandras auf, der langen, sechsspurigen Allee, an der sich das Athener Polizeipräsidium befindet. Es scheint, als stehe der halbe Straßenzug in Flammen.
Viele Fassaden sind schwarz vom Ruß. Aber das ganze Ausmaß der Zerstörung zeigt sich erst am Boden, bei einem Gang durch die gespenstisch menschenleeren Straßen im Zentrum: überall verwüstete Geschäfte, ausgebrannte Bankfilialen und Supermärkte. Athen am 2. Advent: eine Stadt im Ausnahmezustand.
Begonnen hatte es am Samstagabend. Um 21.10 Uhr fallen in Exarchia, an der Ecke Missolongi- und Tsavellas-Straße, mehrere Schüsse aus einem Polizeirevolver. Ein 15-jähriger Junge bricht zusammen. Im Evangelismos-Krankenhaus können die Ärzte in der Notaufnahme wenig später nur noch seinen Tod feststellen.
Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell in der gut vernetzten Athener Autonomenszene. Schon gegen 22.00 Uhr fliegen im Stadtzentrum die ersten Steine und Brandflaschen. Vor allem Bankfilialen nehmen sich die Vermummten vor. In der Hermes-Straße, der beliebtesten Athener Shoppingmeile, brennen sie ein dreistöckiges Kaufhaus komplett ab. „Es ist wie im Krieg“, berichtet eine verängstige Anwohnerin telefonisch im Rundfunk.[…]
vermummte Autonome nutzen einen friedlichen Protestmarsch mehrerer tausend Menschen zum Polizeipräsidium an der Leoforos Alexandras, um weitere Verwüstungen anzurichten. Drei Autohäuser und zwei Supermärkte fackeln die Randalierer ab, zahllose Geschäfte werden demoliert und in Brand gesteckt. Auf Menschenleben nehmen die Autonomen keine Rücksicht mehr.
Die Feuerwehr muss mit Drehleitern mehrere Bewohner aus den oberen Stockwerken brennender Gebäude retten.<

Bei YouTube wurde ein Video eingestellt, das dem erschossenen Jugendlichen gewidmet ist und Momentaufnahmen im „Brennenden Athen“ zeigt.
Der dem Video unterlegte elegische Gesang von Antony Hegarty (Hope there’s someone) kann die Randalierenden allerdings nicht geleitet haben.

„Israel, die Bombe macht tick, tick“: Djihadismus und Antisemitismus im Rap

Das Odenwälder Echo kündigt in seiner heutigen Ausgabe für den 8. und 9. März ein Seminar zum Rechtsextremismus an, das im Albert-Schweitzer-Haus in Lindenfels stattfinden soll – veranstaltet wird es vom Freundeskreis des ASH und der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Darmstadt.

>Die Veranstaltung richtet sich an Lehrer, Sozialpädagogen, Jugendbeauftragte bei Polizei, Kirchen und Kommunen sowie alle weiteren professionell und ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen. Die Tagung wird Ursachen und Wirkungen von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus klären und konkrete Hilfestellungen für den pädagogischen Alltag zur Verfügung stellen.<

Es könnte sich lohnen, hier auch eine gewaltverherrlichende Musikkultur zu betrachten, die einmal Skinheads befeuert und, in anderem Stil, als Rap, jene Jugendlichen mit (meist islamischem) Migrationshintergrund, die nun wochenlang Gegenstand kontroverser Debatten waren.
Im hier eingeblendeten You-Tube Video wird ein „arabisch-deutscher Bund“ besungen, der den USA und Israel den Garaus machen soll.
Unverhüllt werden jene (Selbst-) Mordattentate besungen, denen in Israel in den letzten 15 Jahren hunderte Menschen zum Opfer fielen.
Diesen „Judendiss“ finden auch Neonazis gut. Auf der rechtsextremen Web-Plattform altermedia wird daraus zitiert. Und kommentiert: „Ein Krieg zw. Deutschen und Moslems brauchen wir nicht. Es sollte so sein, wie in diesem Lied schon getextet wird.“

Soll man auf ein solches Video aufmerksam machen? Ja, denn es ist gefährlich, was sich hier zusammenbraut und man sollte davon wissen.

Auf dem Weblog „Lizas Welt“ erschien gestern ein neuer Artikel über Antisemitismus in der Rap-Szene: „Battles mit Judenhass„:

>Seitdem Deutschrapper wie etwa Fler, Sido und Bushido auch außerhalb ihrer Fangemeinde zu einiger Prominenz gelangt sind, wird in Politik und Medien verstärkt über die Brutalität und den obsessiven Schwulen- und Frauenhass in Raptexten debattiert sowie die Frage erörtert, ob und wann die verbalen „Battles“ zu handgreiflichen eskalieren. Kaum ein Thema ist hingegen der teilweise offene Antisemitismus mancher Rapmusiker – und das, obwohl er nicht zu übersehen ist und eine immer tragendere Rolle spielt.<

Zitiert wird in dem Beitrag Jan Buschbom vom Violence Prevention Network:

>Angesichts aggressiver Gewaltfantasien, Frauenfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie, wie sie im jüngeren deutschsprachigen Rap gang und gäbe sind, scheint sich kaum einer der jugendlichen Musiker und Fans an antisemitischen und nationalistischen Stellungnahmen zu stören. […] Im deutschsprachigen Hip Hop gerät der islamistische Terrorattentäter längst zur Metapher für Männlichkeit, Härte und Soldatentum. So bezeichnet sich im Titel ‚11. September’ der Berliner Rapper Bushido als ‚Taliban’: ‚Ich bin dieser Terrorist, an den die Jugend glaubt.’ Im Track ‚Soldat’ der Crew ‚Der neue Westen’ findet sich diese Zeile: ‚Ich seh’ nur Selbstmordattentäter … und denk’ mir, wo bleiben die Helden dieser Generation?’“<

Die Wikipedia sieht den Gangsta Rap (als eine Form des Rap) von „großen Verlagskonzernen“ sogar gezielt promotet:

>Da sich der „toughe“ und aggressive Verbrecher-Stil in der Hauptzielgruppe der Jugendlichen besser verkauft als anspruchsvollere Raptexte, sind die großen Verlagskonzerne längst auch dazu übergegangen, gezielt in dieser Straßenkriminalitätsszene nach vermarktungswürdigen „Stars“ zu suchen. Hierdurch entstand ein Zerrbild des Rap, das von den Jugend-Musiksendern mit Übernahme dieser beschränkten Auswahl gezielt gefördert wird. Die Verlagskonzerne unterstützen hierbei offene Feindschaften zwischen den einzelnen Rappern (seien sie nun real oder gespielt), um ihr aggressives Image zu unterstreichen. Eine Analogie dieses Verhaltens findet sich im amerikanischen Boxsport, wo auch neben der eigentlich rein sportlichen Veranstaltung den Boxern viel Raum gelassen wird, um sich vor der Presse gegenseitig zu beschimpfen.<

Wilfried Rexroth, Leiter der Landeskoordinierungsstelle im Beratungsnetzwerk und mobile Intervention gegen Rechtsextremismus in Hessen und Dr. Reiner Becker (Universität Marburg) sind die Referenten des für den März angekündigten Seminars in Lindenfels.
Man wird sehen, ob sie bei der Betrachtung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus auch den islamistisch motivierten und von einigen Rappern zelebrierten mit einbeziehen werden. 

 Matthias Küntzel konstatierte schon vor 7 Jahren in der Zeitschrift Konkret:

>Djihadismus und Nazismus funktionieren ähnlich: Ein wahnhafter Reflex setzt Juden und kapitalistische Moderne gleich.<

Cdudith Lannert: Da will isch mal den Landrat Schnur loben


UPDATE: Richtig dramatisch ist nun tatsächlich der Wahlabend. Die Wahlergebnisse für den Odenwaldkreis (Landes- und Kreisstimmen) werden aktuell auf der Website des Landratsamtes angezeigt.

Die dramatischste Episode des Hessischen Landtagswahlkampfes liegt bereits 10 Tage zurück. Ob ihrer für die morgige Wahl wegweisenden Bedeutung sei hier noch einmal an sie erinnert. Es handelt sich um eine Podiumsdiskussion mit den Odenwälder Landtagskandidaten in Michelstadt im Hotel „Michelstädter Hof“.
Landesweit bekannte Lokalpolitiker wie Judith Lannert MdL (CDU), Michael Reuter MdL (SPD), Claire Labigne (Bündnis 90/Die Grünen) und Helmut Müller (FDP) lieferten sich ein packendes Wortduell.
Dem Betreiber des Weblogs odenwald-journal.com bzw. Wochenschau.TV ist es zu danken, dass dieses Ereignis in bewegtem (und bewegendem) Bild und Ton für die Nachwelt festgehalten wurde.
Die Podiumsdiskussion begann mit einem erstaunlichen Bekenntnis.
Die stets breit und freundlich lächelnde Lannert, die genealogisch einem alten Geschlecht entstammt, konnte schon zu Beginn mit einem Lob für den politischen Gegner, den SPD-Landrat Horst Schnur, punkten. Schließlich befindet man sich mitten im Schnur-County und weiß realpolitisch, dass sich daran nie etwas ändern wird.
Die CDU ist seit 60 Jahren im Odenwaldkreis in steter Opposition und wird das auch die nächsten 60 Jahre bleiben – vorausgesetzt, der Odenwald überlebt die Klimakatastrophe.
Wenn man also auch von lokalen SPD-Wählern als CDU-Kandidatin in den Hessischen Landtag gewählt werden möchte, kommt man gar nicht umhin, denen den roten Bart schwarz zu pinseln. Also ein genialer Coup von Cdudith Lannert.
Das Lob für Schnur stand in diesem Kontext, O-Ton Lannert:



>Ich will mal den Blick nach Groß-UmSTADT richten. Ich habe dort persönliche Bekanntschaften und sehe dort, dass aus einem kleinen DORF sozusagen hier eine prosperierende Wirtschaft erwachsen ist.
Und warum, weil eine ordentliche Autobahnanbindung in der Nähe ist und das is’n ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung zum Thema Belebung der regionalen Wirtschaft.
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Telekommunikation eine ganz wichtige Rolle spielt. Wir haben es hier in der allgemeinen Diskussion das Thema DSL-Breitbandanschlüsse, da kämpfen wir auch gemeinsam, es is schön, dass es so is, also da will isch mal den Landrat Schnur loben, der hat sich da sehr stark gemacht dafür …<

Lannert machte sich nicht nur für eine Autobahn mitten durch den Odenwald stark, sondern auch für das Kern- Kraftwerk in Biblis, was mit Pfiffen quittiert wurde.

Ein richtig komisches Bekenntnis gelang Claire Labigne, Kandidatin der Grünen. Die „Teilfranzösin“ erklärte in ihrer Vorstellung, dass ihre „Erfahrung“ bislang „mehr eine kommunale“ gewesen sei.
Wortwörtlich sagt sie dann: „In den Bereichen Kommunalpolitik bin ich aktiv gewesen und hab die Interessen der Grünen und meine Interessen vertreten.“
Dass sie eigentlich die Interessen ihrer Wähler bzw. die Interessen der Bürger vertreten sollte – auf diesen Gedanken kam sie zumindest in diesem Moment nicht bzw. sprach ihn nicht aus.

Vielleicht war sie auch nur ehrlich. Denn natürlich ist es selten der reine Altruismus, der kleine und große Politiker umtreibt.
Eitelkeit, der narzisstische Wunsch im Vordergrund zu stehen, Einfluss und Macht auszüben, bekannt zu sein, populär zu werden … all das lässt sich unter die eigenen Interessen subsumieren.
Und ein Mandat für den hessischen Landtag ist außerordentlich lukrativ. In diesem Sinne ging es jedem der Podiumsteilnehmer um das, was Labigne ehrlicherweise „meine Interessen“ nannte.

Dem Odenwälder Echo hat das in Teilzeit (?) für die örtliche AWO arbeitende SPD-Mitglied Manfred Giebenhain einen fesselnden Bericht über die Podiumsdiskussion geliefert:

>Viel Geduld und ein langes Durchhaltevermögen wurde den Besuchern der Podiumsdiskussion mit den Odenwälder Direktkandidaten bei den hessischen Landtagswahlen abverlangt, zu der die Volkshochschule Odenwaldkreis für Mittwoch eingeladen hatte.[…]
Die letzte Publikumsfrage, weshalb der Kandidat der Linken nicht eingeladen wurde, begründete Volkshochschul-Leiterin Cornelia Fürpahs-Zipp mit einer Mehrheitsentscheidung der Betriebskommission.<

Dem können und wollen auch wir nichts weiteres hinzufügen.

Donnerwetter und Hagelstange: Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker versammelt auf dem Erbacher Friedhof – Wenn die Provinz sich bläht

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Wer es vergessen haben sollte: Der langjährige SPD-Vorsitzende und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt war von 1969 bis 1974 Bundeskanzler, sein Nachfolger Helmut Schmidt regierte die Bundesrepublik bis 1982, Helmut Kohl übernahm sein Zepter für die nächsten 16 Jahre, bis 1998. Richard von Weizsäcker war in der Zeit von 1984 bis 1994 Bundespräsident, Karl Carstens, sein Vorgänger, war es von 1979 bis 1984.
Sie alle hatten sich im August 1984 auf dem kleinen Friedhof in der kleinen Kreisstadt Erbach im Odenwald versammelt (Kohl übrigens als amtierender Bundeskanzler und von Weizsäcker als amtierender Bundespräsident).
Außerdem kamen zahlreiche weitere Prominente, etwa der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und der damalige „Kirchenpräsident“ Helmut Hild.
Was für ein Tag, was für ein Anlass, was für ein Ort – und was für ein Blödsinn!

Zu lesen war das am 3. Januar 2008 im bundesweit bekannten Zentralorgan für unfreiwilligen Humor, dem Odenwälder Echo. In einem absolut ernst gemeinten, ca. 300 Wörter umfassenden Artikel wurde der Hintergrund und der Anlass des historischen Gipfeltreffens auf Odenwälder Boden ausgebreitet. Ein „wortgewaltiger und zeitlose Orientierung gebender Dichter“ war gestorben und wurde dort begraben, wo er und überhaupt der große Geist seit jeher ihre Wahlheimat hatten: Im Odenwald.
Kein Wunder also, dass sich hier, in der Kreisstadt Erbach die politische und künstlerische Elite Deutschlands ein historisches Stelldichein gab. Verabschieded wurde von seinen engen und höchsten Freunden der Schriftsteller Rudolf Hagelstange.
Da das Odenwälder Echo nicht nur eine hohe Kompetenz bei allem Historischen innehat, sondern auch für seinen investigativen Journalismus bekannt ist, für das Aufdecken von Affären, wundert es nicht, dass der historisch, literarisch und politisch kenntnisreiche Artikel über das Begräbnis von Rudolf Hagelstange auch einen unerhörten Skandal zur Sprache bringt. Man lese also dies:

>Dreizehn Jahre bis zu seinem Tod hat der Epiker, Lyriker, Essayist, Chronist und Journalist in Erbach gewohnt, ist aber heute selbst in der Stadtbücherei und im Buchhandel mit seinen Werken nicht vertreten.
Angesichts dieses Umstandes zeigten nicht nur die Referentin, sondern auch die Zuhörer eine gewisse Betroffenheit.<

In aller Bescheidenheit begann dieser Artikel also nicht mit der unerhörten Prominenz des Wahl-Erbachers, sondern mit dem erstmals erhörten völligen Versagen der Erbacher Stadtbücherei und des (nur lokalen?) Buchhandels.
Erst um dieses Versagen in seiner vollen Dimension verständlich zu machen, erwähnt der Artikel dann gewissermaßen en passant, wer hier so schmählich vergessen wurde und wer damals in stillem Schmerze angereist kam für das letzte Geleit. Ja, der damalige Bundeskanzler Kohl ließ sogar seine Amtsgeschäfte ruhen.
Aber zitieren wir doch direkt, warum sich eine „gewisse Betroffenheit“ einstellen muss:

>Dies auch angesichts der vielen Prominenten, die zu dessen Begräbnis auf den Friedhof von Erbach kamen.
Nicht nur der Schriftsteller Heinrich Böll hatte sich dazu eingefunden. Unter den Trauergästen waren auch Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Carl Carstens, Richard von Weizsäcker und Kirchenpräsident Helmut Hild. Der Autor war Träger des Verdienstordens mit Stern der Bundesrepublik Deutschland gewesen.<

Der Verfasser dieses Artikels ist leider nur mit seinem Autorenkürzel benannt: „e„. Wahrscheinlich steht „e“ redaktionsintern für „exzellent“.
In der Tat ist allein der unerhörte Fleiß des Autors exzellent. Nahezu jeden Tag bereichert „e“ das Odenwälder Echo. Es hallt von ihm in allen Ecken des Odenwaldes. Er schreibt so exzellent, dass sich Chefredakteur Gerhard Grodenwald die Mühe redaktioneller Überarbeitung meist schenken kann.
„e“ ist auch bescheiden, er bleibt gerne im Hintergrund und würdigt lieber die, von denen er schreibt. Hier, in dem gerade betrachteten Artikel, würdigt er die Referentin Inge Löw.

>Die Referentin Inge Löw zeichnete demnach engagiert, kenntnisreich und kompetent den Lebensweg Hagelstanges von Nordhausen bis nach Erbach nach.<

Bis hin zu seinem letzten Gang, möchte man hinzufügen, „kenntnisreich und kompetent“ bis hin zu denen, die Hagelstange auf seinem letzten Weg begleiteten: Brandt, Schmidt, Kohl, Weizsäcker, Carstens, Böll … Gab es zum Gedenken auch Böller?

Hinzufügen muss man, dass „e„, der Hauptautor und -akteur des Odenwälder Echo, nicht nur „kenntnisreich und kompetent“ über andere „Kenntnisreiche und Kompetente“ berichten kann, immer höflich im Hintergrund, er ist auch ungemein geduldig.
Der Event, über den er am 3. Januar 2008 im Ächo berichtete, lag da schon fast 3 Wochen zurück.
Die Literarische Teestunde in der Frauenwerkstatt der Evangelischen Kirchengemeinde von Erbach im Odenwald hatte nämlich stattgefunden am Freitag dem 14. (Dezember 2007).
(Leider wurde im Ächo-Artikel der genaue Termin nicht genannt. Es hieß dort nur: „War Rudolf Hagelstange ein verhinderter Seelsorger oder ist er ein vergessener Dichter? Dieser Frage ging dieser Tage in einer literarischen Teestunde, initiiert von der Religionspädagogin Hanne Aulich, ein interessierter Kreis im evangelischen Gemeindehaus nach.“ Die Hervorhebungen sind wieder von uns).
Warum waren „e“ und sein Redakteur Grünewald so geduldig und ließen sich für den Abdruck der Geschichte fast 3 Wochen Zeit?

Der Grund liegt natürlich in der besonderen Sorgfalt, die ein Bericht über ein so herausgehobenes Odenwälder Ereignis erfordert. Wann schon versammelt sich die gesamte politische Elite in Erbach?
Da muss sorgfältig recherchiert werden, das kostet Zeit, da sind 3 Wochen fast nichts.

Um so erstaunter, nein, umso enttäuschter ist man, wenn man heute dieses Demenzi im Ächo liest:

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>So groß die Hochachtung in Politik, Literatur und Gesellschaft für Rudolf Hagelstange (1912 – 1984) auch gewesen ist – bei der Beerdigung des zuletzt 13 Jahre in Erbach ansässigen Schriftstellers war die Prominenz bei weitem nicht in der Vielzahl und Stärke vertreten, wie der ECHO-Bericht über einen Erinnerungsabend der evangelischen Kirche falsch besagt hat (Ausgabe vom 3. Januar: „In Wahlheimat fast vergessen“).
Bei der wiedergegebenen Liste von Persönlichkeiten handelt es sich nämlich nicht um die der Trauergäste bei der Beerdigung, sondern um jene aller Kondolenzen, also auch der per Brief übermittelten Beileids- und Anerkennungsbekundungen.
Für die Fehlinterpretation bittet die Redaktion um Entschuldigung.<

Unterschrieben ist dieses Demenzi von Gerhard Grodenwald alias „gg“. Warum? Warum, möchte man ihn fragen, warum verdirbt er uns den Spaß?
Ist es nicht besser, an Gott zu glauben als an gar nichts, das fragte kompetent und kenntnisreich schon Blaise Pascal in seinen Pensées.
Und ist es für einen Odenwälder nicht auch besser, an ein politisches und spirituelles Mega-Gipfeltreffen im Odenwald zu glauben als an keines?
Wann ist man je wieder so bedeutsam?
Warum also verdirbt Gerhard Grodenwald seinen treuen Lesern den Spaß und den Glauben? Es geht, das sagt er doch auch, nicht um falsche Fakten, sondern nur um eine Fehlinterpretation.
(Unklar bleibt dabei freilich, wer was falsch interpretierte. Haben die Leser die falschen Fakten im Bericht – das „falsch besagte“ also – falsch oder richtig interpretiert?)
Jedenfalls sollte Gerhard Grodewald seine Leser die Geschichte doch weiter nach eigenem Gusto interpretieren lassen.
Wir wollen, weil es so schön und so traurig ist, weiterhin daran glauben, dass es nach dem Hambacher Fest (1832, westlicher Odenwald) und der Frankfurter Nationalversammlung (1848-1849, nördlicher Odenwald) nur noch ein weiteres, vergleichbares Zusammentreffen der demokratischen, republikanischen Repräsentaten Deutschlands gab: Auf dem Friedhof in Erbach (1984, zentraler Odenwald).
Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten!
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Das Demenzi von Gerhard Grodenwald (der nebenbei aus Karl Carstens undemenziert Carl Carstens machte) sollte nicht vergessen machen, dass seine Redaktion sich ganz im Sinne von Dr. Bernd Graff (Süddeutsche Zeitung) als eine Instanz des printigen Qualitätsjournalismus begreift.

Diese selbstbewusste Haltung demonstrierte wenige Tage vor dem Hagelstange-Artikel Grodenwalds Stellvertreter Elmar Streun.
Der berichtete am 29. 12. 2007: „Wenn eine Behörde sich um Kinder kümmert – Jugendamt trennt drei Tage vor Weihnachten eine Pflegefamilie in Höllerbach von ihren Zöglingen„.
Kein Spaß und keine Ironie, wohlgemerkt. Ein Titel, der absolut ernst gemeint war. Im Ächo, das sich irgendwo noch immer als Odenwälder Amtsblatt begreift, würde man nur im äußersten Notfalle Kritik an einem örtlichen Amt üben.
Eine sublime Kritik äußert Elmar Streun daher nur an einem anderen Odenwälder Pressedienst, dem von ihm zu Beginn erwähnten Pressedienst Hörnlein.

BildDer wird von ihm später – leicht verklausuliert – als „unbedarfter Beobachter“ etikettiert, weil aus dessen (bereits publizierter) Sicht das behördliche Vorgehen „nicht richtig“ war.
Nun ist aber keiner unbedarft, nur weil er etwas für falsch hält. Er ist es nur dann, wenn er dafür keine guten Gründe hat.

Es könnte sich bei Streuns Artikel um so etwas wie eine konzertierte Aktion gehandelt haben, denn genau einen Tag zuvor hatte das Odenwälder Landratsamt dem kritisch berichtenden Pressedienst vorgehalten:

>Die …Vorwürfe gegen die Behörde erweisen sich bei einer an der Wahrhaftigkeit orientierten Betrachtung des Sachverhalts als unzutreffend.<

Was heißen sollte, dass der (vom Landratsamt namentlich genannte) Pressedienst nicht an Wahrhaftigkeit orientiert sei.
Zur Erinnerung: Vom heimischen Computer einer Abteilungsleiterin in Horst Schnurs Odenwälder Landratsamt waren vor einiger Zeit unter dem Pseudonym „Micky“ Lobeshymnen zur Arbeit eben dieser Abteilung abgesandt worden. Als Kommentar für die Odenwald Geschichten.
Als unschlagbares Beispiel „einer an der Wahrhaftigkeit orientierten Betrachtung des Sachverhalts“.
Viele lachten über die Geschichte, die Frankfurter Rundschau berichtete darüber, das Odenwälder Ächo berichtete darüber nie – es berichtet lieber, als „bedarfter Beobachter“ über die in Erbach versammelten Trauergäste Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker und Heinrich Böll.