Archiv der Kategorie: Erbacher Schloss

Erbacher Schloss 2008: Was von Kochs und Corts‘ Halluzinationen übrig blieb – 450 000 Euro Kosten und 21 000 Besucher

Vor 4 Jahren, am 17. August 2005, berichteten wir über Halluzinationen des hessischen Mininisterpräsidenten. Bei einer Stippvisite in der Odenwälder Metropole sah Roland Koch („auf längere Sicht“) das Erbacher Schloss von jährlich 100 000 Menschen besucht.

Die Frankfurter Neue Presse erinnerte daran, dass in diesem Fall das mit Hirschgeweihen vollgestopfte Gebäude in Konkurrenz mit dem Frankfurter Museum für Moderne Kunst treten würde.
(Im rhein-main-wiki wird für das Jahr 2007 von 50 433 zahlenden Besuchern des MMK gesprochen.)
Neben Koch halluzinierte auch Udo Corts (damals Minister für Wissenschaft und Kunst) und Horst Schnur, damals Landrat des Odenwaldkreises.
Satte 13,3 Millionen Euro hatten sich die klammen öffentlichen Kassen den Kauf des Erbacher Schlosses kosten lassen – mit Verweis auf just jene halluzinierten Besucherzahlen.
Da jubelte Graf Eberhard zu Erbach-Erbach, für den dies der „größte Deal seines Lebens“ war.
Nicht jubeln konnte der Bund der Deutschen Steuerzahler, der in seinem Schwarzbuch das Erbacher Schloss zu seinen Top 5 zählte.

Nun erinnert der BdSt an Kochs und Corts‘ Visionen:

>Die jetzt vorliegenden Zahlen zeigen, dass unsere Zweifel an dieser Prognose mehr als berechtigt waren. So gingen die Besucherzahlen angeblich wegen der „sehr hohen Benzinpreise“ mit 27.534 im Jahr 2006 spürbar auf 21.034 im Jahr 2008 zurück. In den nächsten Jahren hält man aber eine Steigerung auf über 30.000 für möglich. Während also die Zahl der Besucher deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, stiegen die jährlichen Folgekosten von 225.000 Euro im Jahr 2006 auf rund 450.000 Euro im Jahr 2008 dagegen kontinuierlich an.< [Hervorhebungen von uns]

Wolfgang Grantl, Erbacher Stadtrat und Unternehmensberater, ist seit Anfang 2009 neuer Geschäftsführer der „Betriebsgesellschaft Schloss Erbach gGmbH„, zuvor war das Bürgermeister Harald Buschmann (auch er ein Visionär vor dem Herrn).
Grantl nennt das, was mehr eine Täuschung des Bürgers als der Sinne war, eine „Übertreibung“.
Wörtlich zitiert ihn das Odenwälder Echo so: „An dieser Übertreibung in der Diskussion um den Schlosskauf haben wir bis heute zu knabbern

Gerhard Grünewald, noch immer sprachohnmächtiger Chefredakteur des lokalen Käseblattes, tituliert das als „Benennung einer Altlast“ und hält fest, dass so „erstmals ein Repräsentant der Partner in der Schlossführung öffentlich auf Distanz zum damaligen Verhalten des Ressortchefs geht“.

Dennoch sei das Ganze eine Erfolgsgeschichte, meint Grantl:

>Schon damit befinde sich das Schloss ideell, aber auch wirtschaftlich in der Erfolgsspur, „weil wir ja gleichzeitig bei der Verwertung des Hauses für Sonderereignisse vorankommen“.
Die Vermietung oder Eigennutzung der repräsentativen Räume für niveauvolle gastronomische und gesellschaftliche Zwecke laufe inzwischen hervorragend, bringe – nur eben ohne Sichtbarkeit in den Besucherzahlen – Einnahmen und stärke das Renommee der ehemaligen Residenz.<

In einem weiteren Artikel wird Grantl nochmals zitiert:

>Es ist nicht nachzuvollziehen, dass wir unter den schwierigen Umständen einer ländlichen Kleinstadtlage das schaffen sollen, was selbst berühmte Museen in Metropolen nicht hinkriegen: die Konservierung und Präsentation eines historischen Gebäudes und seiner Kunstgegenstände ohne dauerhafte Bezuschussung der öffentlichen Hand.< [Hervorhebungen von uns]

Kann man daraus also schließen, dass „es nicht nachzuvollziehen“ ist,
was vor 4 Jahren Koch und Corts, Schnur und Buschmann den Bürgern als Schloss- bzw. Märchengeschichte auftischten?

Bürgermeister Harald Buschmann will in Erbach großes 4-Sterne-Hotel ansiedeln

Für die von Buschmann nach dem Erwerb des Erbacher Schlosses erwarteten Touristenhorden
muss nun wohl noch eine entsprechend noble Bettenburg her:

>Die Stadt Erbach und der Odenwaldkreis „brauchen dringend ein Hotel mit einer Kapazität von rund 100 Zimmern und einem Mindestqualitätsstandard der 4-Sterne- Kategorie„, meinen die Verantwortlichen der Kreisstadt.
Weil ein Investor in Erbach ein barrierefreies Gesundheits- und Wellnesshotel realisieren möchte, forderte die Stadt eine Machbarkeitsstudie bei der ghh-consult GmbH an, einer Wiesbadener Unternehmensberatung für die Bereiche Tourismus, Hotellerie, Messe- und Kongressmarkt.
Harald Buschmann (CDU), Bürgermeister der 13 700-Einwohner-Stadt im Odenwald, räumt einem Hotelprojekt „sehr gute Chancen“ ein. Es gebe mehrere passende Grundstücke, und die touristische Entwicklung der beiden letzten Jahre lasse positive Tendenzen erkennen. Die Besucher- und Übernachtungszahlen in Erbach seien gestiegen.

Auch Frank Reubold, als Projektmanager verantwortlich für die Bereiche Stadtmarketing/Tourismus, räumt einem Hotel beste Aussichten ein: „Es kann nicht angehen, dass wir in Erbach und im näheren Umfeld keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Unterbringung von Busgruppen haben – und Anbieter von Reisen in den Odenwald auf Hotels in Heppenheim und Darmstadt ausweichen müssen“.
Erste Zwischenergebnisse will die Stadt öffentlich präsentieren – am Dienstag, 7. März, 20 Uhr, in der Werner-Borchers-Halle. Dazu sollen auch Verantwortliche aus Industrie, Wirtschaft, Politik und Tourismus eingeladen werden.< Quelle: Frankfurter Rundschau, Erbach will Hotel ansiedeln, 25. 1. 2005

Erbacher Schloss: Versprechen zur Neuausrichtung des Museums nicht eingelöst

>Wenn für das Erbacher Schloss zum 1. März 2006 die Winterpause endet, dann wird die neue Betriebsgesellschaft die Gräflichen Sammlungen zunächst einmal kaum anders präsentieren, als es das Grafenhaus Erbach- Erbach jahrzehntelang getan hat.
Zur versprochenen Neuausrichtung des Museums mit Hilfe des eigens gebildeten Unternehmens haben Land, Stadt und Odenwaldkreis nämlich bisher nicht angesetzt.
Wie berichtet, war der umstrittene Erwerb des Anwesens für 13,3 Millionen Euro auch mit dem Versprechen verknüpft worden, das Schloss zu einer Touristenattraktion ersten Ranges auszubauen.[…]
Wir haben am 17. Januar eine Gesellschafterversammlung, in der die Konzeption vorgelegt wird“, teilte Jürgen Walther auf Anfrage mit. Er ist Geschäftsführer der Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg), die in der Betriebsgesellschaft den Kreis vertritt….< Quelle: Odenwälder Echo, Vorerst weiter wie beim Grafen, 27. 12 005

Napoleon, Kaspar Hauser, Graf zu Erbach-Erbach, Dr. Peter W. Sattler: Wie jeder mit jedem zusammenhängt …

das erschloss sich dem aufmerksamen Leser in einer losen Folge von Artikeln, die 1996 in der mittlerweile eingegangenen Odenwälder Monatsschrift „Unser Mümlingtal“ (UM) erschienen.
Ohne Kenntnis dieser Artikel (aus der Feder des „Schlossbefürworters“ Dr. Peter W. Sattler) dürfte das Verständnis der folgenden Ausführungen zwar erschwert, aber nicht gänzlich unmöglich sein:

>Erinnern wir uns an Kaspar Hauser. Alle Welt forschte nach seiner Herkunft. Vergessen wurde dabei eine andere und ganz naheliegende Frage: Hat das Findelkind aus Ansbach womöglich Nachkommen? Manches spricht dafür. Der rätselhafte Findling faszinierte schon zu Lebzeiten seine Mitwelt. Wie ein „zahmer Wilder“ erschien er vielen seiner Zeitgenossen.
Man war beeindruckt von seiner Empfindsamkeit und Gelehrigkeit. Ohne Zweifel muß der 20-jährige Jüngling auch die damalige Damenwelt in hitzige Phantasien versetzt haben. Vor allem die junge Damenwelt des europäischen Adels, die in ihm einen verwandten Prinzen mit edelster Gesinnung erblickte. Mag man glauben, daß bei diesem Ansturm adlig – weiblicher Sehnsüchte der Jüngling seine Keuschheit bewahren konnte? Wohl kaum, schließlich waren auch die Erektionen des jungen Wilden legendär (s. SPIEGEL, Nr. 48/96, S. 264)!
Und so mag er schließlich den Verlockungen einer Prinzessin erlegen sein. Nennen wir sie einfach Agathe. Unter den gegebenen Umständen mußte Agathe die Umstände Ihrer Schwangerschaft verheimlichen. Vermutlich war sie einem anderen schon angetraut, dessen aristokratische Kälte sie geradewegs in die Arme des empfindsamen Kaspar trieb.
Nichtsahnend wurde dem jungen Grafen, nennen wir ihn Ernst, ein Ansbacher Kuckucksei ins Schloß gelegt. Und während Kaspar, gerade 21 Jahre alt, 1833 auf mysteriöse Weise starb, wuchs sein Kind, behütet von Agathe und Ernst, fernab auf einem großen Schloß auf. Kaspars Sohn gedieh und vermehrte sich. So sickerten die Gene von Kaspar Hauser nun doch in alle Fürstenhäuser Europas ein.
Vermutlich auch in „das Grafenhaus zu Erbach, das bekanntermaßen mit dem Hochadel in allen Generationen verwandt, verschwistert und verschwägert ist.“ (s. UM 11, S.5)
Nun mag sich dort ein junger Graf die gleiche Freiheit erlaubt haben wie seinerzeit seine Urgroßmutter Agathe in Ansbach. Schöne Mädchen gab es nicht nur in Schlössern.
Auch im einfachen Volk gab es reizende, junge Frauen. Was spricht dagegen, daß ihn die dralle Tochter seines Sattlers vom Pfad der adligen Tugend abbrachte? Jedenfalls so weit, daß nun er in das Haus des Sattlers ein gräfliches Kuckucksei legte.
Nun sind wir der Antwort auf unsere anfängliche Frage sehr nahe gekommen. Dieses gräfliche Kuckucksei könnte später nämlich zum Großvater unseres rührigen Dr. Peter W. Sattler geworden sein!
Jetzt erst wird seine besessene Suche nach den genetischen Spuren von Kaspar Hauser verständlich: Kaspar Hauser ist ein Urvater von Dr. Peter W. Sattler! Er selbst also dessen Nachkomme in direkter Linie! Mit den Mitteln der modernen Gen-Analyse ist dies beweisbar geworden. Sattler muß sich nur etwas Blut abzapfen lassen und den Wissenschaftlern in Birmingham bzw. München zusenden. Dort kann Sattlers genetischer Fingerabdruck mit dem von Kaspar Hauser abgeglichen werden. Bestätigt sich deren Verwandschaft, werden weitere Fragen aufgeworfen, nicht nur für Sattler. Denn die tatsächliche Herkunft des Nürmberger Findelkindes bleibt weiter ungeklärt. Sicher ist nur, daß er nicht der Erbprinz des Hauses Baden war.
Wie Heimatfreund Walter Möser überzeugend darlegt, genoß Kaspar die Protektion Napoleons.
Warum also sollte er nicht dessen unehelicher Sohn gewesen sein? Das ist eine Frage, der die Forscher bislang leider zu wenig nachgingen. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre die Sensation perfekt. Nicht nur für die weite Welt, sondern auch für „Unser Mümlingtal“:
Dessen Redakteur Dr. Sattler wäre dann nicht nur in direkter Linie ein Nachkomme von Kaspar Hauser, sondern automatisch auch ein direkter Nachkomme von Napoleon!
Eine wahrhaft schwindelerregende Vorstellung. Schwindelerregend auch für die heutigen Herren des Erbacher Grafenhauses. Sie müssten nämlich Titel und Ansprüche teilen mit ihrem neuen legitimen Vetter, Graf Dr. Peter W. Sattler zu Erbach – Mossau. <

„Eindeutig politisch-tendenziös“: Der notorische Plagiator Dr. Peter W. Sattler zitiert eine „Expertise“

Dr. Peter W. Sattler pflegt enge Beziehungen zum Hochadel, auch zum Grafenhaus derer zu Erbach-Erbach. Kein Wunder also, dass er sich mit dem ihm geistesverwandten Grafen Eberhard und dessen Freude über den „größten Deal meines Lebens“, den Verkauf des Schlosses
an das spendable Hessen freut und für die Einwände etwas des Bundes der Steuerzahler nur Verachtung hegen kann. Das wird in seinem neuen Bericht für das Odenwälder Journal deutlich, aus dem hier zitiert wird:

>Der Schlossverkauf durch das Grafenhaus an das Land Hessen ist immer noch Diskussionsthema. Kürzlich weilte ein Aufnahmeteam von SAT 1 und N 24 in Erbach, um Stimmen einzufangen und die Stimmung in der Bevölkerung zu prüfen. Positive Meinungen zum Schlossankauf durch das Land schienen dabei weniger erwünscht gewesen zu sein, wie Beobachter der Szene feststellten. Auch der Bund der Steuerzahler rügte den Schlosskauf in seiner Broschüre „Die öffentliche Verschwendung“. Unter der etwas polemischen Überschrift „Luxus – Wir haben’s ja“ – Annehmlichkeiten auf Steuerzahlerkosten“ wird unter anderem auch der Schlossankauf an den Pranger gestellt. Und so liest sich die „Expertise“ in der zitierten Schrift:
„Mit einer äußerst fragwürdigen Begründung hat das Land Hessen im Sommer 2005 für über 13 Millionen Euro ein Schloss in Erbach gekauft.[…..]
Aber immerhin war es für den Grafen nach seinen eigenen Worten ‘der größte Deal seines Lebens’ “ (Zitat Ende).
Diese Formulierungen zeugen von nur wenig Sachverstand und sind überdies eindeutig politisch-tendenziös abgefasst, so die Meinung derer, die den Text nicht nur aus dem Zusammenhang heraus zitierten Passagen oder von Rundfunk und Fernsehen kennen.
Kein Wort von dem Wert einer einmaligen Sammlung auf dem Kontinent.
Der polemisch angehängte Schlusssatz des obigen Textes spricht überdies für sich und charakterisiert die Verantwortlichen dieser Ausführungen
. – Die Markgrafen von Baden verkaufen Besitztümer, die Fürstin von Thurn und Taxis trennt sich von ihrem Vermögen, das Welfenhaus veräußert seine Schätze, nur der Graf zu Erbach darf sein Schloss nicht wegeben – von wegen „größter Deal seines Lebens“.
< Quelle: Dr. Peter W. Sattler in Odenwälder Journal, Immer noch nicht Schluss mit dem Schloss Medienkritik und polemische Schriften, 21. 10. 2005 (Hervorhebungen von uns)

Die seltsame „Argumentation“ des promovierten Plagiators Sattler krankt unter anderem daran, dass der „polemisch angehängte Schlusssatz“ vom größten Deal seines Lebens dem Erbacher Grafen nicht in den Mund gelegt wurde, sondern dessen eigener O-Ton war.
Mit anderen Worten: „Der polemisch angehängte Schlusssatz“ (größter Deal…) charakterisiert nicht den Bund der Steuerzahler, sondern den Grafen Eberhard zu Erbach-Erbach.
Und Sattler, verantwortlich für die unsinnigen Ausführungen im Odenwälder Journal, charakterisiert sich einmal mehr als Fleischwerdung des Peter-Prinzips, wonach in Hierarchien (und im Odenwald) jeder irgendwann die Stufe seiner Inkompetenz erreicht. Dr. Peter W. erreichte diese Stufe bereits vor Jahrzehnten mit seiner (abgeschriebenen?) Dissertation.

Grüne: Steuerzahlerbund bestätigt die Kritik am Kauf des Erbacher Schlosses


>Die Kreistagsfraktion und die Erbacher Stadtverordnetenfraktion von Bündnis 90/Die Grünen sehen sich mit ihrer Kritik am Kauf des Erbacher Schlosses durch das Land Hessen hundertprozentig bestätigt. Wie bekannt, wurde der Deal zugunsten der Erbacher Grafenfamilie von Landrat Horst Schnur (SPD) und Ministerpräsident Roland Koch (CDU) massiv unterstützt. Im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes gehört das Erbacher Schloss zu den Top 5 der Steuergeldverschwendung in Deutschland.
Der Bund der Steuerzahler kritisiert nicht nur die Erstinvestition in Höhe von insgesamt ca. 15 Millionen Euro beim Kauf des Schlosses, sondern auch die in den nächsten Jahren zu erwartenden erheblichen Folgekosten. Um die Besucherzahl von 100.000 jährlich zu erreichen, müsste diese um das Siebenfache steigen.
Nach Ansicht der Bündnisgrünen ist das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes ein Indiz dafür, dass „überflüssiges“ Geld im Odenwaldkreis und im Land Hessen vorhanden sei, aber nicht diejenigen unterstützt werden, die es benötigen.
Es werde spannend, so die Grünen, wer für die Kosten des Schlosskaufes aufkommen müsse, die nächsten Sozialkürzungen im Kreis- und Landeshaushalt werden nicht lange auf sich warten lassen. Solange der Adel vor dem Hartz IV Empänger komme, sind die politischen Prioritäten eindeutig falsch gesetzt.< Foto: -pdh- [Besichtigung der Skulpturen im Erbacher Schloss, v.l.n.r. Landrat Horst Schnur, Ministerpräsident Roland Koch, Erbachs Bürgermeister Harald Buschmann (CDU) und Landtagsabgeordnete Judith Lannert (CDU)] / Text: -pdh-/Grüne (Hervorhebung von uns)

Kauf des Erbacher Schlosses vollzogen: Steuerzahler um 13 Millionen Euro ärmer, weitere Millionen folgen

>Erneut geriet dieser Tage das Land Hessen wegen des Kaufs des Erbacher Schlosses und seiner Sammlungen in die Kritik. Wie berichtet (ECHO vom Mittwoch, 28. September: „Hessen am Pranger“), hat der Bund der Steuerzahler das auch politisch heftig umstrittene Geschäft vor allem wegen möglicher Folgekosten gegeißelt: Auf die Steuerzahler kommen demnach über 15 Millionen Euro zu; mehr als 13 Millionen kosteten die Kunstsammlung und die Immobilien.
Das im neuen Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds mit aufgeführte Templerhaus in Erbach, das ebenfalls den Eigentümer gewechselt hat, wird als nicht nutzbar bezeichnet. Karl Weber, Direktor der hessischen Verwaltung staatlicher Schlösser und Gärten (Bad Homburg), sieht dies jedoch nicht so: „Das Haus ist nutzbar.“ Weber räumt aber auch „Probleme mit dem Denkmalschutz“ ein, die in der Vergangenheit einer Nutzung oft im Wege standen.

Für konkrete Aussagen über die Zukunft des historischen Gebäudes – es stammt aus dem Jahr 1378/79 – war es nach Angaben des Direktors aber am Donnerstag noch zu früh. Der Kauf des Erbacher Schlosses sei erst in diesen Tagen vollzogen, das Geld überwiesen worden. Weber: „Wir sind in den technischen Abwicklungen noch nicht zu Ende.“ Was das Templerhaus angeht, sei es „als unbewertetes Gut dazugegeben worden“. Die Frage möglicher Folgekosten ist nicht akut. Offen ist auch die eventuelle Nutzung: „Es kann gut sein, dass das Gebäude weitergegeben wird“, so Weber.

Fazit: Bei einem Verkauf hat der neue Eigentümer die Kosten zu tragen. Bei einer Überlassung auf Pacht-Basis wäre der neue Besitzer womöglich an den Sanierungsausgaben zu beteiligen.
Hierzu Bürgermeister Harald Buschmann auf Anfrage: „Ich bin froh darüber, dass das Templerhaus mit erworben wurde. Zur Nutzung: Verschiedene interessante Anfragen von privaten Investoren brachten bislang kein Ergebnis. Diese sind alle an den Reglementierungen durch den Denkmalschutz gescheitert.“
Genauer wissen möchte es sein Gegenkandidat zur Bürgermeisterwahl im März, Holger Wießmann (parteilos). In einer Pressenotiz fordert er Auskunft vom Stadtoberhaupt darüber, was mit dem Templerhaus geschehen soll und welche Kosten auf die öffentlichen Kassen zukommen.
Bürgermeister Buschmann rechnet damit, dass mit dem Denkmalschutz jetzt eher Kompromisse geschlossen werden können. Denn: „Das Land hat sicher auch ein Interesse daran, dass das historische Gebäude genutzt werden kann. Eine öffentliche Nutzung sehe ich zunächst nicht, weil der Investitionsbedarf relativ hoch sein wird.“ Die Stadtverordneten sind über den Sachstand informiert, so Buschmann.
Die noch zu gründende Betreibergesellschaft aus Land, Odenwaldkreis und Stadt wird sich nicht mit dem Templerhaus befassen müssen.
Dies sieht der Vertrag nicht vor
. Beim Schloss ist nun das Land am Zug, von dem Buschmann einen Termin für die Beurkundung zur Gründung der Betreibergesellschaft für das Schloss erwartet. Erst dann kann es richtig los gehen: „Die Gesellschafterversammlung tritt danach zusammen und wird einen Geschäftsführer bestellen. Daraufhin kommen im Aufsichtsrat die Konzepte auf den Tisch.“ < Quelle: Odenwälder Echo, Folgekosten nicht akut; 30. 9. 2005 (Hervorhebungen von uns)

Schnur am Pranger: Odenwälder Echo schont den Kartoffelkönig

Hier zeigt sich wieder einmal die „Qualität“ des Erbacher Käseblattes: Da prangert der Bund der Steuerzahler den maßgeblich von Landrat Schnur und Bürgermeister Buschmann zu Lasten der Steuerzahler betriebenen Kauf des Erbacher Schlosses an, doch Grünewalds Hofjournaille erspart sich jeden kritischen Kommentar in Richtung des wenige Meter weiter residierenden Kartoffelkönigs und des ebenfalls nahen Bürgermeisters.
Kritik wagt es (indirekt) nur am fernen Wiesbaden:

>Der Kauf des Erbacher Schlosses, der Erwerb eines Grundstücks in der Nachbarschaft der hessischen Landesvertretung in Berlin und der geplante Ausbau des Flughafen Kassel-Calden gehören zu den „dicken Brocken“ im neuesten Schwarzbuch, mit dem der Bund der Steuerzahler „öffentliche Verschwendung“ anprangert.
Der Vorsitzende der Organisation in Hessen, Ulrich Fried, erklärte dazu, man könne den Eindruck gewinnen, „dass Hessen zu viel Geld hat“. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes sind erhebliche Folgekosten nach dem Kauf des Erbacher Schlosses zu befürchten, der die Steuerzahler bereits 15 Millionen Euro gekostet habe. Das Grundstück in Berlin, dessen Kaufpreis bei rund 8,5 Millionen lag, nannte der Verein den „teuersten Parkplatz Deutschlands“.
Der Flughafen Kassel-Calden schließlich „droht zu einer aus Steuergeldern finanzierten Investitionsruine zu werden“, erklärte Fried. Neben den Baukosten von 150 Millionen Euro sei mit einem jährlichen Betriebsverlust von vier Millionen Euro zu rechnen.
Staatssekretär Walter Arnold vom Hessischen Finanzministerium betonte, dass es sich bei allen drei Projekten um Investitionen handle, die sich für das Land rechnen würden. So sei bei dem Berliner Grundstück erheblicher Wertzuwachs zu erwarten.
Im Landtag hatten SPD und FDP sowohl den Ausbau des Flughafens Calden als auch den Erwerb des Berliner Grundstücks unterstützt. Nur beim Schloss-Kauf war sich die Opposition in der Ablehnung einig.< Quelle: Odenwälder Echo, Hessen am Pranger, 27. 9. 2005

Die öffentliche Verschwendung 2005: Kauf des Erbacher Schlosses erhält Ehrenplatz im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler

>Mit einer äußerst fragwürdigen Begründung hat das Land im Sommer 2005 für über 13 Mio. Euro ein Schloss in Erbach gekauft. Haushaltsnotlage und Folgekosten spielten bei dem Erwerb offensichtlich keine Rolle. Als Argument wird angeführt,dass man mit dem Schloss im Odenwald keine Verluste machen will. Wie dies gehen soll, lässt sich schwer nachvollziehen. Statt der 15.000 Besucher, die derzeit jährlich das Schloss besichtigen, rechnet man künftig mit der siebenfachen Anzahl. Fragwürdig auch die weitere Begründung des Ministers für Wissenschaft und Kunst. Das Schloss mit seinen Sammlungen sei für den Odenwald von ähnlich hoher Bedeutung wie etwa für den Kasseler Raum das Ensemble Schloss Wilhelmshöhe und die Kasseler Kunst- und Kultursammlung. Als gewichtiges Argument wurden dann die „demographische Situation“ und die „wirtschaftliche Entwicklung“ der Odenwälder Region herangezogen. Fragwürdig auch die Formulierung, warum der Graf keine Waldflächen verkaufen kann, um die finanzielle Sanierung selbst vorzunehmen: „Es wäre die Veräußerung einer unverhältnismäßig großen Fläche zur Lastenabdeckung erforderlich. Der verbleibende Rest wäre nicht ausreichend, den Erhalt von Schloss und Sammlung adäquat zu gewährleisten.“
Jetzt bleiben der Wald und ein Wohnrecht von über 1.000 Quadratmeter beim Grafen – sowie 13,3 Mio. Steuergelder aus dem Erlös. Während der hessische Finanzminister gerade die Gebäude der Polizei- und Regierungspräsidien an Private verkauft, um die steigende Landesverschuldung ein wenig zu begrenzen, kauft er im Gegenzug ein gesamtes Schloss, weitere anliegende Gebäude, dazu ein Haus in der Altstadt von Erbach, das so genannte Templerhaus aus dem 17. Jahrhundert, das überhaupt nicht nutzbar ist. Aber es geht nicht nur um den Kauf und die Erstinvestition von etwa 15 Mio. Euro, die sich als Gesamtsumme aus allen Aufstellungen ergibt. Es geht auch um Folgekosten, denn das Land lädt sich ein erhebliches Erbe auf, wenn es beispielsweise für die Erstinstandsetzung 600.000 Euro ausgibt und ab 2008 jährlich erhebliche Verpflichtungen eingeht.
Aber immerhin war es für den Grafen nach seinen eigenen Worten „der größte Deal seines Lebens“.< Quelle: schwarzbuch.steuerzahler.de

Frankfurter Neue Presse spottet über anvisierte 100 000 Besucher des Erbacher Schlosses: „So viele wie im Frankfurter Museum für Moderne Kunst“

>«Die gibt es nur drei Mal auf der Welt: London, Athen, Erbach», sagt Odenwald-Landrat Horst Schnur und zeigt auf die Marmorbüste. Die Darstellung Alexanders des Großen zählt zu den Prunkstücken der umfangreichen Sammlung, die bis vor kurzem den Grafen von Erbach gehörte. Gestern führte Schnur den neuen Besitzer durch die mit Skulpturen, Vasen, Flinten und Geweihen voll gestopften Gemächer: Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte das vom Land erworbene Schloss Erbach mit seiner Sammlung zur ersten Station seiner Sommerreise gemacht. Koch sieht es bereits als Touristenmagnet mit jährlich 100 000 Besuchern – etwa so viele wie im Frankfurter Museum für Moderne Kunst[…]
Der Erwerb der Sammlungen zählt zu den hochgradig umstrittenen Taten von Kochs Regierung. Selbst in der eigenen Anhängerschaft ist schwer zu vermitteln, wie das 13,3-Millionen-Euro-Geschäft zur Finanzlage eines Landes passt, das Beamten und sozialen Initiativen tiefe Einschnitte zumutet und jedes Jahr mehr Schulden aufhäuft[…]
In Erbach ist da aber noch einiges zu tun. 2004 blieb das Schloss mit rund 15 000 Touristen weit von Kochs Zielmarke entfernt. Allerdings weisen die Zahlen seit einigen Monaten nach oben: «Die Landesregierung hat ja eine Menge für die Bekanntheit des Schlosses getan», sagte Koch in sarkastischer Anspielung auf den monatelangen politischen Streit… Quelle: Frankfurtern Neue Presse, Schlossherr Koch sicher: Erbach hat Zukunft, 17. 8. 2005
In der Frankfurter Rundschau wird der sonst gleichlautende Artikel von Wolfgang Harms noch um diese Anmerkung ergänzt:
>Der Kauf ist für den Ministerpräsident eine ökonomische Investition. Er sieht Entwicklungsmöglichkeiten im Fremdenverkehr. Gerade eine strukturschwache Region wie der Odenwald könne die Chance nutzen, die in der Nachbarschaft zum Touristenziel Heidelberg liege. Eine Region brauche dafür aber ein gut sichtbares Symbol – wie beispielsweise ein Schloss, das Besucher anlocke.<