Archiv der Kategorie: Affäre Jakoubek

Von Sünde erschüttert: Missbrauchskandal in der Redaktion des Odenwälder Echo angekommen

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Lange Zeit musste die als ausgesprochen investigativ bekannte Redaktion des Odenwälder Echo in Sachen Missbrauch abseits stehen: Im Odenwaldkreis fand sich bislang kein Fall von (bekannter) Pädophilie in öffentlichen oder kirchlichen Institutionen – auch wenn es da oder dort einmal Gemunkel gab.

Dagegen gab es im benachbarten Kreis Darmstadt-Dieburg einen Skandal um den Chauffeur von Ex-Landrat Alfred Jakoubek, der sogar im Dienstwagen Knaben verführt oder geschändet haben soll, im benachbarten Kreis Bergstraße liefert die Odenwaldschule fortgesetzt Schlagzeilen wegen eines in frühereren Jahren scheinbar institutionalisierten Systems sexuellen Missbrauchs.

Gerhard Grünewald aber und seine Crew hatten bisher nichts Vergleichbares zu berichten.

Doch jetzt spült unser Feedreader folgende Schlagzeile und folgenden Text aus der Echo-Rubrik ‚Odenwald‘ herein:

>Pfarrer-Sünde erschüttert Franken

Die Ausdehnung der Serie von Enthüllungen über den Missbrauch an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen auf die Region Miltenberg/Amorbach erschüttert zurzeit das öffentliche Leben der unterfränkischen Nachbarschaft des Odenwaldkreises. Zu bewältigen hat dessen Bevölkerung die Suspendierung des katholischen Pfarrers von Kirchzell, des 62 Jahre alten Franz Grumbach.
Mit der sofortigen Versetzung des Ortsgeistlichen in den Ruhestand hat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann Ende voriger Woche auf das Eingeständnis des Priesters reagiert, in den neunziger Jahren mit einem damals 15 Jahre alten Mädchen sexuelle Kontakte unterhalten zu haben. […]

Schon allein wegen deren Grenzlage zu Stadt- und Ortsteilen von Michelstadt und Hesseneck ist Grumbach auch im Odenwaldkreis kein Unbekannter, zumal er wie kein anderer für die Bewahrung der alten Kirche von Breitenbach als gemeinsames Pilgerziel von Christen aus beiden Bundesländern steht.<

Wir haben jene Textpassagen fett markiert, die von der hohen Relevanz der ‚Pfarrer-Sünde‘ für den Odenwaldkreis künden.
In solchen erschütternden Fällen muss in der Oh-Echo-Redaktion der Chef selber (symbolisch) zur Feder greifen.

Keiner nämlich kann dort so verschraubt denken und formulieren wie ‚gg‘, keiner kann so abstrus übertreiben wie er – weswegen in diesem Fall nicht nur die Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu Kirchzell ‚erschüttert‘ sein muss, sondern titularisch gleich das ganze Franken.
Wenn erst einmal alle Missetaten an Kindern bekannt, berichtet und gebüßt sind, ist es an der Zeit, auch den sprachlichen Missbrauch unschuldiger Leser zum Thema zu machen. Bandwurmsätze zum Beispiel und hohles Pathos:

>Damit erklärt sich die Betroffenheit im bayerischen Odenwald über das Vergehen des katholischen Geistlichen unter anderem daraus, dass ihn die Einwohner einer Vielzahl von Ortschaften als ihren Ortspfarrer oder zumindest als einen der nächsten Repräsentanten von Glauben und Kirche in der Region sahen.<

Weiß man eigentlich, wie viele im Odenwaldkreis durch die wiederholte Lektüre solchen Geschwurbels, durch Journalisten-Sünde, schon traumatisiert wurden?

Landrat Alfred Jakoubek im Visier von Al Kaida? Bombendrohung gegen Landratsamt von Darmstadt-Dieburg


Alfred Jakoubek, Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg (Ladadi), bleibt scheinbar nichts erspart. Vor 2 Jahren musste er mitsamt Ehefrau aus seinem Hotel in Yucatan evakuiert werden. Der Hurrikan Wilma blies ihm um die Ohren.
Außerdem platzte etwa um die gleiche Zeit eine Bombe ganz eigener Art, nachdem bekannt wurde, dass sein pädophiler Chauffeur sich über einen langen Zeitraum hinweg des wiederholten schweren Kindesmissbrauchs schuldig gemacht hatte. Gelegentlich wurden die Buben auch mit dem und in den Dienstwagen gelockt . (Jakoubek blieb trotz gelegentlicher Hinweise bekanntlich völlig ahnungslos).
Nun sollte angeblich wieder eine Bombe, eine echte, in seinem Landratsamt hochgehen. Nach London und Glasgow nun also Kranichstein?
Oder ging es dem „Anrufer mit ausländischem Akzent“ nur um die psychologische Schaffung des „Israel-Gefühls“? Dass es nämlich jeden jederzeit und überall treffen kann, auch in der südhessischen Pampa.

>Nach einer telefonischen Bombendrohung am Dienstagmorgen (03.07.07 ist das Landratsamt in der Jägertorstraße vorsorglich geräumt und der Bereich um das Landratsamt weiträumig abgesperrt worden. Linienbusse in den Stadtteil Kranichstein wurden vorübergehend umgeleitet. Der Straßenbahnverkehr war zeitweiseeingeschränkt.
Ein anonymer männlicher Anrufer mit ausländischem Akzent hatte gegen 09.15 Uhr bei der Telefonzentrale des Landratsamts angerufen und gesagt, dass gleich eine Bombe hochgehe. Die Polizei hatte die Gebäude unmittelbar nach Bekanntwerden der Drohung mit Einsatzkräften und mehreren Diensthunden systematisch durchsucht. Ein sprengstoffverdächtiger Gegenstand wurde nicht gefunden.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamts wurden während der Durchsuchung in Räumen einer benachbarten Seniorenwohnanlage untergebracht. Bedienstete und Besucher des Landratsamts konnten das Landratsamt nach Entwarnung und Aufhebung der Absperrmaßnahmen ab 11.30 Uhr wieder betreten.
Die Kriminalpolizei ermittelt wegen der Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten (§ 126 des Strafgesetzbuches) und nimmt auch Hinweise unter der Telefonnummer 06151/9690 entgegen.<
Quelle: ots/polizeipresse.de, Darmstadt: Landratsamt nach telefonischer Bombendrohung vorsorglich geräumt – Kriminalpolizei ermittelt, 3. Juli 2007

Auch echo-online berichtet über den Vorgang.

Landrat Jakoubek zur Missbrauchsaffäre um seinen Ex-Fahrer: „Das Thema lassen wir lieber ganz weg“


Es heißt sogar, Alfred Jakoubek habe einige Zeit das Darmstädter Echo „boykottiert“, weil dort in einer ihm nicht genehmen Weise über die Affäre um seinen wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs inzwischen verurteilten und inhaftierten Ex-Chauffeur berichtet wurde.
Inzwischen redet man wieder miteinander. Allerdings: Das leidige „Thema lassen wir lieber ganz weg„.
Nachfolgend Auszüge aus einem aktuellen Echo-Bericht:

>„Immer öfter fragen mich Leute, ob ich noch Spaß am Beruf habe.“ Landrat Alfred Jakoubek, seit 1997 im Amt, nippt am Espresso aus der Tasse mit der Aufschrift „Alfredo“, um sich die Frage im Gespräch mit dem ECHO selbst zu beantworten. „Sonst könnte ich das doch nicht machen.“

80, in der Vorweihnachtszeit 100 Stunden in der Woche kämen zusammen, stellt der Politiker fest, der auch an Wochenenden von Termin zu Termin eilt, die Nähe zu den Bürgern sucht. „Ich brauche die Präsenz vor Ort, um zu erfahren, wo die Menschen der Schuh drückt“, sagt der Leiter einer Behörde, die mitsamt Krankenhäusern mehr als 1000 Mitarbeiter zählt.
[…]
Die vergangenen eineinhalb Jahre freilich haben gezeigt, dass der Mann Nehmerqualitäten besitzt. Die Affäre um seinen früheren Fahrer („das Thema lassen wir lieber ganz weg“), dazu eine in der Öffentlichkeit oft ungeschickt agierende, dann dauerhafte erkrankte Erste Beigeordnete Celine Fries haben ihm arg zugesetzt.
[…]
Der Name Fries fällt nicht im Zusammenhang mit der „erfolgreichen Abarbeitung seines Plans“, die nicht zuletzt der Grund dafür sei, dass der Kreis mit seiner hervorragenden Infrastruktur aktuell zu den vier Top-Regionen in Deutschland gehöre.
[…]
Die Situation der mit einem dicken Defizit gestarteten Kreisagentur für Arbeit („wir müssen noch besser werden“) sei auf dem Weg, sich weiter zu entspannen und erfolgreich zu arbeiten. Die regionale Zusammenarbeit bei der Feinstaub-Problematik habe einen Schritt nach vorn gemacht.
[..]
Ob er sich 2009 wieder zur Direktwahl stellt, lässt Alfred Jakoubek offen.< Quelle: Darmstädter Echo, Landrat Jakoubek atmet durch, 27. 12. 2006

Haftantritt für Ex-Chauffeur von Landrat Jakoubek: BGH bestätigt Verurteilung wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs


Das berichtet heute das Darmstädter Echo:
>Der frühere Fahrer von Landrat Alfred Jakoubek, der wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern seit anderthalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt und dafür vom Darmstädter Landgericht im Mai zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, hat eine Niederlage vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe erlitten. Der Zweite Karlsruher Strafsenat, der das Darmstädter Urteil auf Fehler überprüfen sollte, wies die vom Angeklagten und dessen Anwalt angestrengte Revision als „unbegründet“ zurück. Damit sei das Urteil nun rechtskräftig, teilte der Karlsruher Richter Ulrich Joeres dem ECHO auf Nachfrage mit.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Darmstadt, Ger Neuber, bestätigte gestern, dass seine Behörde gerade die Umwandlung der U-Haft in die Strafhaft betreibe. Der knapp 60 Jahre alte Verurteilte aus Modautal tritt nun in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in ein sogenanntes Einweisungsverfahren ein. Da es in Weiterstadt selbst keine Abteilung für längere Strafhaft gibt, muss der Mann auf jeden Fall in ein anderes hessisches Gefängnis wechseln. Ob es sich um eine Anstalt in Butzbach, Darmstadt, Frankfurt, Fulda oder anderswo handelt, sei offen, sagte die Weiterstädter Gefängnisleiterin Claudia Fritz.
Wie berichtet, hat es das Darmstädter Landgericht als erwiesen angesehen, dass der Chauffeur zwischen 1991 und 2005 in zehn Fällen sechs Kinder sexuell missbraucht hat. Viele Fälle seien besonders schwer, hatte Richter Rolf Engeholm in der Urteilsbegründung gesagt. Tatort war meist der Campingplatz am Steinrodsee Gräfenhausen.< Quelle: Darmstädter Echo, Ex-Fahrer des Landrats muss Strafhaft antreten, 8. 12. 2006 [Hervorhebungen und Links von uns]

Landrat Jakoubek will – trotz nachweislich überbrachter Hinweise – in all den Jahren ahnungslos gewesen sein.

Weil es die amtliche Doppelzüngigkeit beleuchtet, blenden wir hier noch einmal eine Pressemitteilung des Landkreises Darmstadt-Dieburg vom 9. 9. 2004 ein.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte Jakoubek nicht gänzlich ausschließen, dass eine von ihm angeblich so ernst genommene Gefahr für Kinder just von jenem Mann ausging, von dem er sich nahezu tagtäglich chauffieren ließ.
Und er unterließ die von ihm selbst propagierte „konkrete Vorbeugung“ – nämlich die Einschaltung seines eigenen Jugendamtes, dessen dafür ausgebildete Mitarbeiter in Gesprächen mit Eltern und Kindern (deren Namen schon bekannt waren) viel früher die von seinem Chauffeur ausgehende Gefahr hätten erkennen können.
Der Prozess gegen Günter D. brachte zutage, dass der Chauffeur zur Einschüchterung der Kinder z.T. auch mit Mord gedroht haben soll.
Hätte Jakoubeks Fahrer zur Vertuschung einer Tat eine solche Drohung tatsächlich einmal umgesetzt, so wären spätestens dann die Rechtfertigungen des Amtes für die eigene (In-)Aktivität nicht mehr hinnehmbar gewesen.


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Bemerkenswert ist insbesondere diese Aussage:
>Sexueller Missbrauch ist für viele Mädchen und Jungen ein alltägliches Problem. Leider gibt es viel mehr Opfer, als bekannt werden, denn die meisten erleben sexuellen Missbrauch dort, wo er am wenigsten vermutet wird […]
Wir aber dürfen sexuell missbrauchte Kinder nicht erst dann wahrnehmen, wenn sie ermordet wurden, sondern müssen verstehen lernen, dass jeder Übergriff auf ein Kind ein Angriff auf dessen Leib und Seele ist”, sagten Landrat Alfred Jakoubek und Polizeipräsident Gosbert Dölger übereinstimmend.
[…]< Quelle: www.ladadi.de, Schutz vor sexuellem Missbrauch als Unterrichtsthema, 9. 9. 2004

Die kritischen Rückfragen der Grünen zu manchen landrätlichen Ungereimtheiten in dieser Affäre endeten mit ihrer Einbindung als mitregierender Juniorpartner von Jakoubek. Christel Fleischmann ist seit dem 1. 10. 2006 hauptamtlicher Kreisbeigeordneter und damit Jakoubeks Stellvertreter.
Die Koalitionsvereinbarung über die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im Kreistag Darmstadt-Dieburg und Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Darmstadt-Dieburg kann als pdf-Datei im Internet abgerufen werden.

Regioblog über den Weg der Grünen in Koalition mit Jakoubek: Klares MissVertrauen in die Stützradkoalition


Eine erstaunliche zeitliche Koinzidenz war das: Gestern setzte die Verurteilung von Landrat Jakoubeks pädophilem Ex-Fahrer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauch einen vorläufigen juristischen Schlusspunkt unter eine Affäre, die vom Darmstädter Echo als „mittleres Erdbeben“ für die Administration des Landkreises Darmstadt-Dieburg bezeichnet wurde.
Gleichzeitig beschlossen die Grünen in Reinheim dem auch durch diese Affäre politisch und in der Wählergunst geschwächten Sozialdemokraten Jakoubek mit einer rot-grünen Koalition das Weiteregieren bzw. Administrieren zu ermöglichen.
Da verboten sich wohl kritische Fragen an Jakoubek, die beim Bekanntwerden der Affäre von den Grünen noch gestellt wurden.
Immerhin hatte Rechtsanwalt Manfred Döring, der Verteidiger des nun verurteilten Ex-Fahrers von Jakoubek, während des gestrigen letzten Prozesstages behauptet, Jakoubek hätte nach deutlichen Warnungen, die er schon 1999 erhielt, „mit Sicherheit etwas verhindern können“ – sprich: einen bis in den Sommer 2005 fortgesetzten schweren sexuellen Kindesmissbrauch , verübt in mehreren Fällen durch den bis Sommer 2005 als Chauffeur des Landrats tätigen Günter D.

Dass die Grünen mit der Perspektive der Machtteilhabe noch weitere Kröten zu schlucken bereit waren, macht Peter Löwenstein in seinem Regioblog-Bericht über die Kreismitgliederversammlung der Grünen in Reinheim deutlich:
>Gestern abend hat die grüne Kreismitgliederversammlung Darmstadt-Dieburg die von der Verhandlungskommission vorgestellte Koalitionsvereinbarung mit der SPD einstimmig abgesegnet. Als ministrabler Frontmann der Koalition wird Christel Fleischmann ab Oktober eine neu geschaffene hauptamtliche Dezernentenstelle antreten. Als merkwürdiger Umstand fiel dabei auf: Alle sind sich einig, und doch dauert es über ein halbes Jahr, bis der komplizierte Vorgang für die Besetzung der Dezernentenstelle durch Christl Fleischmann abgeschlossen werden kann, wozu auch zwei Kreistagsbeschlüsse notwendig sind. Da wieherte ein Schimmel ganz laut durch den Saal.
Spannend und mit deutlichen Zweifeln am eindeutigen Bekenntnis der SPD zur rot-grünen Koalition wurde in der Diskussion die Besonderheit dieser Koalition gewertet: Die SPD schliesst einen zusätzlichen Vertrag mit dem alten Koalitionspartner FWG ab, unterm Strich bringt das der SPD im Kreistag weitere Stimmen für stabile Regierungsmehrheiten und kostet die SPD so gut wie nichts. Eine von der SPD billig eingekaufte Stimmenunterstützung […]
Zwar ulkte Fleischmann “Jetzt sind alle Koalitionspartner bei wichtigen Abstimmungen nicht mehr darauf angewiesen auch immer die Kranken in den Kreistag karren zu lassen”, doch ein bitterer Geschmack auf der Zunge bleibt, erinnern sich doch viele an das Verhalten der SPD vor 5 Jahren, als die Grünen sich am Ende von sehr optimistisch begonnenen Koalitionsgesprächen mit der SPD mies vorgeführt sahen.[…]
Fleischmann: … „Jakoubek … sagte zu mir: Wenn die alte abgewählte Mehrheit stabil geblieben wäre, dann hätte er mich nicht einmal angeschaut.” <

Die grüne Selbstverleugnung erstreckt sich anscheinend auch auf die „Personalie“ Celine Fries, zu der im Dezember 2004 das Darmstädter Echo u.a. Folgendes feststellte:
> Nun liegt es schwarz auf weiß vor: Die Tagesmutterfahrten mit Dienstwagen und Chauffeur der Ersten Kreisbeigeordneten, Celine Fries (SPD), erfolgten ohne rechtlich hinreichende Erlaubnis. <

Peter Löwenstein zum grünen Umgang mit Fries:
>Erklärungsbedarf gabs zur Personalie von Celine Fries, der auch in der SPD umstrittenen Dezernentin: Sie bleibt Dezernentin mit gestutzter Zuständigkeit. Fleischmann unterstrich: “Wir haben die in der Öffentlichkeit bei der SPD vermuteten Strömungen, die Celine Fries durch die Verhandlungen mit uns entsorgt sehen wollten in den Verhandlungen selbst nicht wiedergefunden.
Die SPD hat mit uns aber auch nicht verhandelt, ob Fries für eine weitere Amtszeit mit unseren Stimmen wiedergewählt werden soll. Wir hatten uns selbst für die Verhandlungen von Vornherein zum Ziel gesetzt, nicht über Personalien zu verhandeln, sondern über Aufgaben, Ressorts und Verantwortungsbereiche. Da haben wir aus dem Verantwortungsbereich von Fries einiges herauslösen können. Mehr war zum jetzigen Zeitpunkt nicht drin.” Anerkennendes Nicken im Saal.<

Ex-Chauffeur von Landrat Jakoubek wegen besonders schweren Kindesmissbrauchs zu langer Haftstrafe verurteilt- Verteidiger belastet Politiker


Dass der Ex-Chauffeur von Landrat Jakoubek wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt werden würde, war sicher keine Überraschung. Auch nicht die Dauer der verhängten Haftstrafe: 6 Jahre und 9 Monate muss der inzwischen 59-jährige hinter Gitter.
Politischen Sprengstoff enthält jedoch eine Aussage von Rechtsanwalt Manfred Döring. Der weitreichend eingeweihte Verteidiger des verurteilten Ex-Chauffeurs geht anscheinend davon aus, dass Jakoubek schon 1999 mehr wusste, als später zugegeben. So zitiert und interpretiert ihn der Hessische Rundfunk:
>Bereits 1999 hatte der Pächter des Campingplatzes den Landrat erstmals auf den auffälligen Umgang seines Fahrers mit Jungen hingewiesen. „Mit Sicherheit hätte man da etwas verhindern können„, sagt der Verteidiger, Manfred Döring.<
Wer soll „man“ sonst sein, außer dem im Vorsatz erwähnten Landrat, dem bereits 1999 ein schwerwiegender Verdacht zugetragen wurde?
Und jenes „etwas“, das „man“ bzw. der Landrat nach Meinung von Döring wohl seit 1999 hätte verhindern können, ist der fortgesetzte schwere sexuelle Kindesmissbrauch, für den sein Ex-Chauffeur nun verurteilt würde.
Da engagierte sich Jakoubek noch im September 2004 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz für den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch und gut eineinhalb Jahre später behauptet der Verteidiger von Jakoubeks nun verurteiltem Chauffeur, dass der bereits 1999 gewarnte Landrat da „mit Sicherheit etwas (hätte) verhindern können.“
Nur so lässt sich nämlich die Aussage des Hessischen Rundfunks bzw. die im entsprechenden Kontext zitierte Ausagen von Döring interpretieren.
Jakoubek räumte laut hr-online.de für 1999 diese Reaktion ein: >Ich habe meinem Chauffeur damals gesagt: ‚Wenn da nur ein Funken dran ist, kostet Sie das neben der strafrechtlichen Bedeutung Ihren Arbeitsplatz‚“ <
Mit anderen Worten: Der Jakoubek von dem gut und vor Ort informierten Campingplatzpächter vorgetragene Verdacht war schon 1999 so schwerwiegend und eindeutig, dass auch „nur ein Funke“ Wahrheitsgehalt „strafrechtliche Bedeutung“ bzw. Konsequenzen haben musste!
Es kann sich demnach nicht um einen bloßen Hinweis auf häufigen (und eventuell harmlosen) Kontakt des Chauffeurs mit Kindern bzw. Jugendlichen gehandelt haben, vielmehr scheint es sich bei den 1999 dem Landrat zugetragenen Informationen um den Vorwurf und Verdacht des Kindesmissbrauchs gehandelt zu haben. Nur dann konnte bereits ein bloßer „Funke“ Wahrheitsgehalt strafrechtliche Bedeutung besitzen.

Der Hessische Rundfunkt leitet seinen Bericht denn auch fettgedruckt mit folgender Feststellung ein:
>Der ehemalige Fahrer des Landrats von Darmstadt-Dieburg muss ins Gefängnis. Jahrelang hatte er auf einem Campingplatz Kinder missbraucht. Schon früh gab es Hinweise auf die Taten. Doch sie wurden nicht verfolgt.< [Unterstreichung von uns]
Der Vorwurf früher Hinweise, die „nicht verfolgt“ wurden, wäre bereits in jedem anderen Kontext brisant … hier aber richtet sich der Vorwurf mangelnder Sorge und Sorgfalt gegen den ersten Mann des Landkreises, der zudem auf einer 2004 abgehaltenen Pressekonferenz den Schutz vor sexuellem Missbrauch gewissermaßen zu seinem eigenen Programm erklärt hatte.
Faktum ist, dass er 1999 nicht einmal sein eigenes Jugendamt einschaltete, um dem schwerwiegenden Verdacht gegen seinen Chauffeur z.B. durch eine Befragung betroffener Kinder nachzugehen.

In den heutigen Berichten des Darmstädter Echo und der Frankfurter Neuen Presse wird betont, dass sich der dem Chauffeur vorgeworfene und nachgewiesene sexuelle Kindesmissbrauch über (mindestens) 30 Jahre erstreckte:
>Dreißig Jahre chauffierte der Mann mehrere Landräte des Kreises Darmstadt-Dieburg. Ebenso lang sind nun sexuelle Übergriffe auf kleine Buben nachgewiesen, die damals meist zwischen 11 und 14 Jahre alt waren. < (echo-online.de)

>Der Vorsitzende Richter sagte, der Angeklagte habe sich schon seit 1975 an Kindern vergriffen. Auch die Staatsanwältin hatte darauf hingewiesen, dass in dem Prozess nur „die Spitze eines Eisbergs“ sichtbar geworden sei. Sie hatte eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren gefordert.< (Frankfurter Neue Presse)

Wie das Gericht die Taten nur für den Zeitraum von 1991 bis 2005 wertete, schreibt das Echo schon zu Beginn seines Berichtes:
>Nach Überzeugung von Richter Rolf Engeholm hat der 58 Jahre alte Modautaler zwischen 1991 und 2005 sechs Kinder in zehn Fällen sexuell missbraucht – Tatort war fast immer der Campingplatz am Steinrodsee Gräfenhausen. Vier Taten wertet das Gericht als besonders schwer, einen Fall als „widerwärtig“.<

Wie der Chauffeur vorging, beschreibt hr-online: >Mit Computerspielen, kleinen Geschenken und alkoholischen Getränken hatte der Mann die Kinder in seinem Wohnwagen auf einem Campingplatz bei Gräfenhausen gelockt. Ein richtiges System habe er aufgebaut. Die Eltern ließen ihre Kinder arglos bei dem Mann übernachten. Dabei kam es zu den sexuellen Übergriffen bis hin zum Analverkehr.<

Ohne den beruflichen Status des Kinderschänders als Chauffeur mehrerer Landräte des Kreises Darmstadt-Dieburg lässt sich der Fall kaum sehen und verstehen:

Erst dieser scheinbar seriöse bzw. „hervorgehobene“ Status des Chauffeurs machte offenbar zahlreiche Eltern vertrauensselig und hinderte andere, einem aufgekommenen Verdacht entschieden nachzugehen.

„Wenn da nur ein Funke dran ist …“, diese wortwörtliche Überlegung will Jakoubek 1999 gegenüber seinem Chauffeur angestellt haben.
Man wird davon ausgehen können, dass die Kreisspitze intern auch überlegte, was es für sie selbst im Hinblick auf ihr Ansehen bedeuten konnte, wenn „da nur ein Funke dran ist“ und dies auch noch an die Öffentlichkeit dringt.

Und so lässt sich vielleicht begreifen, dass der Mann über 30 Jahre mehrere Landräte des Kreises chauffierte, über den gesamten Zeitraum „sexuelle Übergriffe auf kleine Buben nachgewiesen“ sind, Landrat Jakoubek spätestens 1999 gewarnt wurde, aber erst im Sommer 2005 die Handschellen klickten.

Wie „interessiert“ südhessische Spitzengenossen und Behördenleiter an der Aufklärung schwerer Vorwürfe gegen ihre Mitarbeiter sind, lässt sich fast minutiös und anhand zahlreicher interner Dokumente aus einer schon 2001 publizierten Internet-Dokumentation ersehen.
So hatte Landrat Horst Schnur die (eigentlich selbstverständliche) Vernehmung zweier Mitarbeiter als „entbehrlich“ verhindern wollen, gegen die wegen des Verdachts der Unterschlagung und Urkundenunterdrückung ermittelt wurde. Am Ende konnte Landrat Schnur „zufrieden“ sein — für die Ermittlungen war sein (politisch aktiver) Parteifreund Georg Werner Balß als zuständiger leitender Oberstaatsanwalt verantwortlich.
Balß wohnt übrigens wie der nun verurteilte Chauffeur seines Parteifreundes Jakoubek in Modautal, man kann sich vorstellen, dass sich der SPD-Oberstaatsanwalt und der Oberchauffeur – etwa im Ortsverein der Modautaler SPD – schon einmal über den Weg liefen.
Man kann sich auch vorstellen, dass Jakoubek – etwa 1999 – seinen Parteifreund Balß im Hinblick auf die strafrechtliche Bedeutung des gegen seinen Chauffeur aufgekommenen Verdachts kontaktierte.

Balß wäre als örtlicher Oberstaatsanwalt, als SPD-Kreistagsabgeordneter in Darmstadt-Dieburg und eben auch als Modautaler eine gute Informationsquelle gewesen.

Missbrauchsaffäre um Ex-Chauffeur von Landrat Jakoubek: „Nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt belegbare sexuelle Übergriffe seit 1975/76“


Der im noch laufenden Strafprozess gegen den des sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagten Ex-Chauffeur von Landrat Jakoubek berücksichtigte Tatzeitraum reicht von 1991 bis 2005.
Es soll sich dabei jedoch nur um „die Spitze des Eisbergs“ handeln, so zitiert heute das Darmstädter Echo die Staatsanwaltschaft.
Wie in unseren eigenen Berichten schon mehrfach vermutet, dürfte sich der von dem Angeklagten verantwortete sexuelle Kindesmissbrauch über einen weitaus längeren Zeitraum erstreckt haben. „Es gibt belegbare sexuelle Übergriffe seit 1975/76„, so die Staatsanwaltschaft.

Der tatsächliche Tatzeitraum erstreckt sich also (mindestens) über jene 30 Jahre, in denen der in Erbach im Odenwald aufgewachsene Günter D. insgesamt 4 Landräte des Landkreises Darmstadt-Dieburg chauffierte.
Soll es da glaubhaft sein, man habe im Landratsamt erst im letzten Jahr (und angeblich zu wenig konkret 1999) Hinweise erhalten?
Spricht nicht viel dafür, dass man im Landratsamt in Wirklichkeit weit mehr und weitaus früher wusste – und man lieber vertuschte, statt aufzuklären, weil die Sorge um das Ansehen des Amtes und der tangierten Landräte größer war als die Sorge um das Wohl von Kindern?

Weil es die amtliche Doppelzüngigkeit beleuchtet, blenden wir hier noch einmal eine Pressemitteilung des Landkreises Darmstadt-Dieburg vom 9. 9. 2004 ein.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte Jakoubek nicht gänzlich ausschließen, dass eine von ihm angeblich so ernst genommene Gefahr für Kinder just von jenem Mann ausging, von dem er sich nahezu tagtäglich chauffieren ließ.
Und er unterließ die von ihm selbst propagierte „konkrete Vorbeugung“ – nämlich die Einschaltung seines eigenen Jugendamtes, dessen dafür ausgebildete Mitarbeiter in Gesprächen mit Eltern und Kindern (deren Namen schon bekannt waren) viel früher die von seinem Chauffeur ausgehende Gefahr hätten erkennen können.
Der Prozess gegen Günter D. brachte zutage, dass der Chauffeur zur Einschüchterung der Kinder z.T. auch mit Mord gedroht haben soll.
Hätte Jakoubeks Fahrer zur Vertuschung einer Tat eine solche Drohung tatsächlich einmal umgesetzt, so wären spätestens dann die Rechtfertigungen des Amtes für die eigene (In-)Aktivität nicht mehr hinnehmbar gewesen.


Jakoubek sexueller Missbrauch Aufklärung


Nachfolgend Auszüge aus dem heutigen Echo-Bericht:

>Was blüht dem früheren Fahrer von Landrat Alfred Jakoubek, wenn er nach einer womöglich harten Verurteilung einen Spießrutenlauf im Gefängnis beginnt?
Am achten Prozesstag um die Missbrauchsaffäre, in der zahlreiche sexuelle Handlungen an sieben Buben auf der Vorwurfsliste der Staatsanwaltschaft stehen, drückte Verteidiger Manfred Döring am Montag mächtig auf die Tränendrüse.
[…] Am kommenden Mittwoch (3.) ab 9 Uhr soll die Verhandlung nun fortgesetzt und wohl auch beendet werden.
Der berücksichtigte Tatzeitraum reicht von 1991 bis 2005. „Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt belegbare sexuelle Übergriffe seit 1975/76“, so die Staatsanwältin. Alles in allem fordert sie eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren. Mildernde Umstände sieht sie nicht. […]“< Quelle: Darmstäder Echo, Achteinhalb Jahre für Sex mit Kindern?, 24. 4. 2006
Auf odenwald-geschichten.de wurde über die Affäre in bislang 46 Artikeln berichtet.


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„Gefahr erkannt“: Wie sich Landrat Alfred Jakoubek gegen sexuellen Kindesmissbrauch einsetzte – auch im Fall seines pädophilen Ex-Chauffeurs


Heute berichtet Michael Fritz im Darmstädter Echo über den 7. Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen den früheren Chauffeur von Landrat Jakoubek. Gleich zu Beginn schreibt Fritz, was die Affäre für das Landratsamt von Darmstadt-Dieburg bedeutet(e): Ein „mittleres Erdbeben„. Der nach dem Gutachten des Psychiaters Hartmut Berger „voll schuldfähige Pädophile“ hatte über viele Jahre hinweg Kinder sexuell missbraucht – und war zugleich seit 30 Jahren Chauffeur der Landräte von Darmstadt-Dieburg.
Der Gutachter: „Vorgesetzte schätzen solche Mitarbeiter„, womit er sich auf das ruhige Naturell des Angeklagten bezog, „der sich völlig verschließen kann, keinem auf den Nerv geht und doch immer einen Witz auf den Lippen hat.“
Der Echo-Bericht nennt einige Details, die erneut Fragen aufwerfen: Nicht bekannt war hier bislang, dass der Angeklagte am 22. 7. letzten Jahres im Landratsamt festgenommen wurde, im Zimmer von Jakoubeks Büroleiter Klaus Grimm, der gestern als Zeuge vernommen wurde.
Kann man sich das so vorstellen, dass Grimm den Chauffeur zu einer Unterredung bestellte und ihm dann eröffnete, dass draußen die Polizei auf ihn wartet?
Für das Amt, für Jakoubek und Grimm ging es bei diesem „mittleren Erdbeben“ vor allem um das eigene Ansehen.
Ist es möglich, dass in diesem letzten direkten Gespräch zwischen dem Amt und dem Chauffeur, kurz vor der Festnahme, dem Beschuldigten vor allem eines nahegelegt wurde: Nicht auch noch das Amt bzw. den Landrat in die schmutzige Sache hineinzuziehen. Also nichts auszusagen, was auf eine wie auch immer geartete Mitwisserschaft des Amtes bzw. des Vorgesetzten hindeuten könnte. Dass solche Aussagen seine Lage weiter verschlimmern könnten…
Was auch immer in dieser Hinsicht beredet wurde: Im Prozess bleibt der angeklagte Chauffeur , so Echo-Reporter Fritz, „meist stumm wie ein Fisch„.
Ob es im Amt womöglich schon lange vor der Festnahme des Chauffeurs Vermutungen über dessen pädophile Neigungen gab, dazu präsentiert der Echo-Bericht am Ende eine neue, erstaunliche Information:
Im Nachhinein betrachtet, hätten die Behörden schon Mitte der achtziger Jahre stutzig werden können. Unter Landrat Hans-Joachim Klein habe einmal ein Bub im Dienstfahrzeug gesessen, erinnerte sich Grimm – das dürfe sich nicht wiederholen, hieß es damals.“


Da erstaunt es erneut, wie im Amt viele Jahre später mit Hinweisen auf „Wiederholungen“ umgegangen wurde: >Der Büroleiter im Landratsamt, Klaus Grimm, erinnerte sich gestern an den 3. August 2004, als eine Mutter über Erlebnisse ihres Sohnes berichtet, dabei aber nur die Spitze des Eisbergs antippte. Der Fahrer habe sein Gesicht am Buben gerieben und den Po getätschelt. Die Behörde stellte für sich rasch fest, dass die Vorwürfe nicht ausreichen würden, arbeitsrechtlich einzuschreiten.
Es sei daher nur der Rat an die Eltern ergangen, einen Rechtsanwalt oder die Polizei einzuschalten, so Grimm. Zudem habe Landrat Jakoubek entschieden, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Behördenleiter Grimm sollte nach einer ersten Ermahnung im Jahr 1999 nun eine zweite aussprechen. Grimm nahm sich den Fahrer zur Brust – allerdings auf Jakoubeks Anraten erst zehn Monate später, am 9. Juni 2005. „Zu Beginn der neuen Badesaison.“ Der Fahrer habe sich erneut „fassungslos“ gezeigt, was in ihn hineininterpretiert werde.“<

Wenn man im Amt glaubte, dass die Vorwürfe „nicht ausreichen würden, arbeitsrechtlich einzuschreiten„, wie konnte man dann den Eltern anraten, die Polizei einzuschalten – also strafrechtlich einzuschreiten?
Wenn ein Ermittlungsverfahren gegen den Chauffeur für das Amt ein „mittleres Erdbeben“ bedeutete … sollte man da den Eltern ernsthaft geraten haben, zur Polizei zu gehen, Anzeige zu erstatten und ein „seismisch“ wirksames Ermittlungsverfahren zu starten?


Wenn die Vorwürfe der Eltern „nicht ausreichen würden“ und keinen ernsten Verdacht begründeten, warum war der damit konfrontierte Chauffeur, dann „erneut fassungslos“ und was sah er in sich „hineininterpretiert“?

Vor allem: Wenn die Vorwürfe eine solche („fassungslose“) Qualität hatten, warum riet Jakoubek an, seinem Chauffeur erst 10 Monate später eine weitere „Ermahnung“ auszusprechen?
Und warum kommen weder Grimm noch Jakoubek auf die Idee, ihr eigenes Jugendamt im Haus zu informieren, so dass sich dessen ausgebildete Mitarbeiter zumindest mit der am 3. 8. 2004 vorsprechenden Mutter und deren Sohn in Verbindung setzen? („Sie können sich an uns wenden, wenn Eltern beunruhigt sind wegen Auffälligkeiten …“)

In seinem Bericht stellt Michael Fritz diese Fragen nicht – aber er legt sie nahe. Auch die zentralste Frage: Wenn ein solcher Verdacht und ein solches Verfahren für das Landratsamt ein „mittleres Erdbeben“ bedeutet, wie kann man dann allen Ernstes glauben, das Amt habe in den Monaten und Jahren zuvor bei allen Hinweisen auf dieses drohende „mittlere Erdbeben“ völlig gelassen und sachgemäß reagiert – noch dazu mit dem Willen zu ehrlicher (und notfalls öffentlicher) Aufklärung?

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine ältere Pressemitteilung des Landratsamtes eine ganz eigentümliche Bedeutung:
Am 3. August 2004 (s.o.) hatte eine Mutter Jakoubeks Büroleiter Klaus Grimm (und damit auch Jakoubek selbst) über die (Missbrauchs-) „Spitze des Eisberges“ unterrichtet. Nur gut einen Monat später, am 9. 9. 2004 , veröffentlicht das Landratsamt Darmstadt-Dieburg die folgende Pressenachricht:


Jakoubek Sexueller Missbrauch Gefahr erkannt

Gefahr erkannt – Kinder stark machen
Schutz vor sexuellem Missbrauch als Unterrichtsthema […]
Darmstadt-Dieburg – „Ich bin fremd hier und habe mich verfahren. Kannst du mir zeigen, wo der Sportplatz ist? Magst du Tiere? Komm‘ mit! Ich weiß, wo esganz süße junge Hunde und Kätzchen gibt“.
Dies sind Textpassagen aus einer CD mit dem Thema „Gefahr erkannt“, die Kindern helfen soll, sich vor Gefahren des sexuellen Missbrauchs zu schützen. Sie werden damit nicht alleine gelassen. […]
In einer Pressekonferenz stellten am Dienstag [Anm.: 7. 9. 2004] in der Reinheimer Gersprenzschule Landrat Alfred Jakoubek, die Erste Kreisbeigeordnete Celine Fries, Polizeipräsident Gosbert Dölger, sowie die Autoren, Sänger und Produzenten, Michael Mahla und Guido Neumann die CD der Öffentlichkeit vor.[…]
Bei der Vorstellung wurde deutlich, dass mit der CD ein weiterer pragmatischer Mosaikstein zur konkreten Vorbeugung geleistet wurde. Alle waren sich einig darin, dass praktische Vorbeugung dann Sinn mache, wenn sie – wie bei diesem Projekt – als gesamtgesellschaftliche Verantwortung getragen werde. […]


Jakoubek Sexueller Missbrauch alltägliches Problem

Sexueller Missbrauch ist für viele Mädchen und Jungen ein alltägliches Problem. Leider gibt es viel mehr Opfer, als bekannt werden, denn die meisten erleben sexuellen Missbrauch dort, wo er am wenigsten vermutet wird […]
Wir aber dürfen sexuell missbrauchte Kinder nicht erst dann wahrnehmen, wenn sie ermordet wurden, sondern müssen verstehen lernen, dass jeder Übergriff auf ein Kind ein Angriff auf dessen Leib und Seele ist“, sagten Landrat Alfred Jakoubek und Polizeipräsident Gosbert Dölger übereinstimmend.[…]< Quelle: www.ladadi.de, Schutz vor sexuellem Missbrauch als Unterrichtsthema, 9. 9. 2004


Nachdem das Amt bereits in den 80er Jahren Hinweise erhielt („dürfe sich nicht wiederholen„), nachdem Jakoubek 1999 weitere Hinweise erhielt, nachdem sich am 3. 8. 2004 eine Mutter beim Amt gemeldet hatte und nachdem am 9. 9. 2004 in einer amtlichen Meldung über das „alltägliche Problem“ des sexuellen Missbrauchs berichtet wurde und „gesamtgesellschaftliche Verantwortung“ ausgerufen wurde, setzte der Chauffeur des Landrats – von „Mahnungen“ wenig beeindruckt – bis in den Sommer 2005 den sexuellen Missbrauch von Kindern fort – als Lockmittel dienten nicht Hunde und Kätzchen, sondern (unter anderem) auch der Dienstmercedes des Landrats. Mit zwei Worten: „Gefahr erkannt

[Alle Hervorhebungen von uns]

Lehrer im Umkleideraum von Schülerinnen: Wo beginnen Grenzüberschreitungen und Missbrauch?

> Die Tür zu dem Zimmer steht halb offen. Durch den Spalt beobachtet Maria Jerow (Name von der Redaktion geändert), wie ein Betreuer der Mädchenwohngruppe einer Jugendlichen sehr nahe kommt. Er streichelt sie am Po und an der Brust. Das Mädchen wehrt sich nicht. Doch der Beobachterin, deren Tochter zu diesem Zeitpunkt im Februar 2004 dort wohnt, geht das Bild nicht mehr aus dem Kopf. Sie hat das Gefühl, dass hier eine Grenzüberschreitung vorliegt.[…]
Sie teilt dem Jugendamt ihre Beobachtung mit – mehrfach, sagt sie. Im April 2004 kommt es zu einem ersten Gespräch in der städtischen Sozialverwaltung, bei dem Maria Jerow Angaben zu dem Vorfall macht. Doch sie fühlt sich nicht ernst genommen und hat nicht das Gefühl, dass der Sache nachgegangen wird.[…]
Im August 2005, anderthalb Jahre nach dem ersten Amtsgespräch, wird der Fahrer vom Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg des sexuellen Missbrauchs verdächtigt. Sie liest in der Zeitung, dass man sich beim leisesten Verdacht an das Jugendamt wenden soll.
Also wird sie erneut aktiv. Im September kommt es zu einem weiteren Gespräch, an dem unter anderem der zuständige Abteilungsleiter des städtischen Sozialdienstes teilnimmt. Doch auch dieses Mal fühlt sie sich unverstanden. Sie sei ausgelacht worden, klagt sie.
Abteilungsleiter Thomas Gehrisch erinnert sich an das Gespräch: „Sie hat strikt abgelehnt, dass ein Betreuer eine Jugendliche auch mal in den Arm nehmen darf.“[…]
Maria Jerow wandte sich auch an Wildwasser. Sie suchte unter anderem Antwort auf die Frage, wo ein sexueller Kontakt überhaupt anfängt und wann man von einer Grenzüberschreitung sprechen kann. Ihrem Gefühl nach war die von ihr beobachtete Berührung keinesfalls harmlos. Grundsätzlich fragt sie sich mittlerweile: Ist es überhaupt in Ordnung, dass Männer in Mädchenwohnheimen arbeiten?[…]
Noch im Jahr 2003 waren fünf Prozent der bei Wildwasser benannten Täter solche aus dem professionellen Sozialbereich. Ein Jahr später betrug dieser Anteil neun Prozent – das sind zwölf Täter vom Babysitter über den Erzieher bis zum Lehrer.< Quelle: Darmstädter Echo, Missbrauch: Körperlichkeit in der Kinder- und Jugendbetreuung: Wo fängt der Übergriff an und wie geht man damit um?, 1. 3. 2006 [Hervorhebungen von uns]

Es gibt auch den Missbrauch des Missbrauchs: Etwa dann, wenn in beinhart geführten Scheidungskriegen dem Vater zu Unrecht sexueller Missbrauch angedichtet wird.
In anderen Situationen wurde mit dem falschen Missbrauchsvorwurf das Leben von Menschen zerstört, ein bekanntes Beispiel war der Wormser Missbrauchsprozess.

Ein mögliches Beispiel für die in dem Echo-Artikel genannte „Grenzüberschreitung“ wird unter der Adresse netschool.de thematisiert: Endet die Aufsichtspflicht eines Lehrers vor der Umkleidetür von Schülerinnen?

>Die Aufsichtspflicht des Lehrers endet nicht vor der Umkleidetür der andersgeschlechtlichen Schülerinnen bzw. Schüler! In der Regel wird diese Grenze zwar beachtet, aber in besonderen Fällen kann der Lehrer oder die Lehrerin den Umkleideraum nach eigenem Ermessen betreten, wenn Gefahr im Verzuge ist oder besondere Fehlverhalten der Schüler vorliegen!<

Einem ehemaligen Lehrer in Hessen, der später in einen anderen Beruf wechselte, wird von einigen seiner früheren Schülerinnen vorgeworfen, er habe schon einmal bei Schulausflügen ihren Umkleideraum betreten, ohne dass dafür ein „besonderer Fall“ vorlag.

Spektakuläre Wendung in Missbrauchsprozess: Landrat Alfred Jakoubek und sein Büroleiter Klaus Grimm vom Gericht als Zeugen geladen

Wenn wie in Darmstadt mehrere staatsanwaltliche Abteilungen von kommunalpolitisch aktiven Sozialdemokraten geleitet werden, kann davon ausgegangen werden, dass jemand wie Landrat Alfred Jakoubek „geschont“ wird.
So verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Jakoubeks Zeugenvernehmung im laufenden Gerichtsverfahren gegen seinen wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagten Ex-Chauffeur.
Dieser Logik mochten offenbar Eltern missbrauchter Kinder nicht folgen: Ihr Anwalt hat als Vertreter der Nebenklage die gerichtliche Ladung von Jakoubek und seinem Büroleiter durchgesetzt.

>Ursprünglich sollte Landrat Alfred Jakoubek nicht als Zeuge im Prozess gegen seinen früheren Fahrer aussagen, jetzt hat ihn das Landgericht Darmstadt aber doch noch vorgeladen. Das gleiche gilt für seinen Büroleiter Klaus Grimm.

Jakoubek wird bereits am nächsten Prozesstag, also am Montag (6.) um 14.45 Uhr, gehört werden, Grimm folgt am Dienstag (7.) um 10.30 Uhr. Beide Verhandlungstage beginnen schon um 9 Uhr mit anderen Zeugenverhören.

Wie berichtet, wird dem früheren Fahrer des Landrats vorgeworfen, acht Jungen in 13 Fällen missbraucht zu haben. Das Landgericht wollte zunächst auf die Anhörung von Jakoubek verzichten, weil er als Arbeitgeber für mögliche Taten seines Fahrers rechtlich nicht verantwortlich gemacht werden könne, sagte Oberstaatsanwältin Kerstin Reckewell auf ECHO-Anfrage.

Warum sich das Blatt nun gewendet hat, erklärte der Vertreter der Nebenklage, Hermann Hädicke: Demnach hängen die mutmaßlichen Taten des ehemaligen Fahrers schon mit seiner Tätigkeit zusammen, weil er einige Jungen über den Beruf kennen gelernt habe.

Wie Zeugenaussagen vor Gericht erkennen ließen, knüpfte der Angeklagte an der Seite Jakoubeks freundschaftliche Kontakte zu Familien, deren Söhne er später missbraucht haben soll. < Quelle: Darmstädter Echo, Landgericht lädt den Landrat als Zeugen vor, 27. 2. 2006 [Alle Hervorhebungen von uns]

Hädicke geht wohl auch davon aus, dass Jakoubek und Grimm in der Sache mehr wussten, als sie bislang zugaben.: >Laut Rechtsanwalt Hädicke habe es jedoch keine strafrechtliche Relevanz, dass der Landrat möglicherweise von den Vorgängen wusste, ohne eingeschritten zu sein.<

Es sei jedoch eine „moralische Geschichte“ und, so muss man hinzufügen, eine politische Geschichte und zwar eine brisante.