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Hörnleins Jahresrückblick: Viel los im Odenwald!

Südhessen (pdh) Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2012 in einem fiktiven südlichen Landkreis eines Bundeslandes zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…

Stillos: Drei Kandidaten standen im März bei der Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt unseres virtuellen Landkreises in Konkurrenz zueinander. Klinken haben sie geputzt und sogar eine Podiumsdiskussion gemeinsam absolviert.

Am Wahlabend machten alle einen großen Bogen um das Rathaus. Jeder Kandidat suchte sich sein eigenes Biotop, weit weg vom Konkurrenten und außer Sichtweite des Stimmbürgers. Wagenburgen ähnlich, vereint allein in extrem undemokratischem Verhalten. Den Bürger, den man sechs Jahre lang an diesem Ort vertreten will , wollte man nicht sehen. Dessen Kreuz auf dem Wahlzettel wollten die Bewerber zwar unbedingt haben, zum Teil mit politisch und vor allem moralisch äußerst fragwürdigen Methoden. Am Wahlabend zeigt man dann sein wahres Gesicht. Oder lieber nicht.

Verständnislos: Schwimmhallen dienen neben der sportlichen Ertüchtigung auch gern der Volksbelustigung durch fröhlichen Aufenthalt im kühlen Nass. Das Hallenbad der größten Stadt im kleinen Kreis sorgte für Belustigung der besonderen Art. Eher aber für ungläubiges Kopfschütteln. Für mehrere Millionen Euro war es drei Jahre lang saniert worden, dann wurde wieder Wasser eingelassen. So weit so gut. Nur hatte niemand den Sanierern gesagt, dass man gern wieder im Schwimmbecken baden wollte, und die Fachleute hatten so saniert, dass das Wasser ziemlich direkt durch ganz besondere Abdichtungen in den Keller fließt. Weil aber die Schwimmmeister im dunklen Keller nicht so recht die Übersicht hätten und überdies das 3-Meter-Brett nicht reinpasst, wird das Bad nun aus Sicherheitsgründen erneut auf unabsehbare Zeit geschlossen. Geschätzte Zusatzkosten: rund 1,5 Millionen.

Konzeptlos: Entgegen anderslautenden Meldungen gibt es die Christdemokraten in unserem virtuellen Südkreis noch immer. Sie liegen allerdings seit Jahren in einem permanenten Wachkoma. Gelegentlich erinnern sie sich, dass sie sich als Existenznachweis zu Wort melden müssten. Und wenn sie das tun, passieren die abenteuerlichsten Dinge.

August: Die Kreis-Schwarzen scheinen ihren Restverstand nun auch noch abgegeben zu haben. Kaum vermeldet der Landrat aus dem Dunstkreis der Freien Wähler, nebenbei Speerspitze der Fünften Kolonne der Sozis, möglicherweise eine zweite Amtszeit ins Auge zu fassen, da begrüßen die Schwarzen Nullen die Entscheidung der direkten politischen Konkurrenz und wollen dieses Unterfangen gar noch unterstützen.

Bewusstlos: Der Beweis für ein völlig verloren gegangenes Selbstbewusstsein und den Verlust der Restwürde ist erbracht, wenn eine politische Partei bereits 2-3 Jahre vor einem Wahltermin zu wissen glaubt, dass kein eigenes Personal den Linksauslegern im Kreis Paroli wird bieten können. Bester Rat: Macht in eurer Freizeit etwas anderes als Politik, ihr könnt’s einfach nicht. Oder legt euch wieder hin. Wer schläft, macht keinen Blödsinn. Und gibt vor allem keine Bankrotterklärung ab.

Verantwortungslos: Paradox ist, wenn es für ein Witzblatt ernst wird. Die Rede ist von der Mitmachzeitung im Kreis und deren Mutterhaus. Gerade noch haben sich Journalistenverbände und Gewerkschaften echauffiert über die Schamlosigkeit des Verlegers, sich von den Tarifverträgen für alle Mitarbeiter loszusagen.

Tariflos: Wie zu erfahren war, besteht die konkrete Absicht, sämtliche Arbeitsverhältnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf nicht tarifgebundene Unternehmen zu überführen. Dieses schäbige Spiel war zuvor schon mit allen Druckern durchgeführt worden. Eigentlich müsste in solchen Fällen der Präsident der Industrie- und Handelskammer eingeschaltet werden. Geht nicht? Warum denn nicht? Ach ja, er ist ja eben dieser Verleger!

Kopflos: Jetzt hört man, dass das unverfrorene Vorgehen vielleicht gar nicht auf einer Idee des Verlagsbosses basiert, sondern auf Betreiben seiner Hausbank entstand. Diese soll die gemeldeten Auflagenhöhe seiner Zeitungen anzweifeln und bereits die Frage gestellt haben, warum er ein neues Druckhaus baut für Zeitungen, die keiner mehr lesen will.

Freudlos: Die Wagenburg-Mentalität unseres kleinen unzugänglichen Südkreises hat schon oft zu selbstgemachten Probleme geführt. Der Kreis, der alles am besten kann und nur von missgünstigen feindlich gesinnten Landkreisen umgeben ist, mit denen man nicht kooperieren kann und die man schon traditionell regelmäßig vor den Kopf stoßen und vors Schienbein treten muss, hat nun also ein eigenes Breitbandnetz installiert. Sehr schnell, aber nicht umfassend, wer will schon sein Mobil-Festnetz-Internet-TV-Paket gegen ein Rumpfangebot nur bestehend aus Internet und Telefonie tauschen, das auch noch unverhältnismäßig teuer ist? Kalkulationen führender Anbieter hatten diese zuvor vom Projekt Abstand nehmen lassen. Weil aber der Zwergekreis alles besser kann, hat er in die virtuellen Hände gespuckt und angepackt. Die Grünen bezeichnen ihn nun als Opfer des Privatisierungswahns.

Deckungslos: Denn völlig unerwartet haben alsdann die wenigen Bürger des kleinsten Kreises des Bundeslandes nicht ausreichend die teuren Anschlüsse bestellt, um das Projekt kostendeckend zu gestalten. Kein Problem. Bekannte Schwierigkeiten werden bekannten Lösungsmöglichkeiten zugeführt. In Eigenbetrieben des Kreises verschwinden Verluste und Gewinne in der Regel auf Nimmerwiedersehen. Schließlich sind sie genau dafür installiert worden. Wer zuviel fragt, kommt in den Aufsichtsrat und darf fürderhin nicht mehr über Interna reden. Man ist ja jetzt Geheimnisträger. Das nennt sich dann win-win-Situation.

Kenntnislos: Dünnhäutig zeigt sich der Landrat bei diesem Thema nach einer öffentlichen Anfrage der Kreis-Grünen. Diese hatten selbst erst aus Veröffentlichungen von den Vermarktungsproblemen, teilweise unattraktiven Angeboten und Problemen beim Wechsel des Internetanbieters Kenntnis erhalten. In diesem Fall hatte also nicht einmal der Sitz im Aufsichtsrat der Regionalgesellschaft geholfen, um an Informationen zu kommen. Der Landrat sieht in der grünen Fragestellung eine „schwerwiegend kontraproduktive Haltung“ zu einem bundesweit beachteten Projekt. Man beschädige so die Wirtschaft und verunsichere die Bevölkerung im Südkreis. Er wird seinem Vorgänger immer ähnlicher. Kritische Fragen grenzen an Majestätsbeleidigung.

Skrupellos: Unterdessen gibt der Kreis unverdrossen Geld aus, das er nicht hat. In Anbetracht der desolaten Haushaltslage wird mal schnell eine halbe Million zum Fenster hinausgeworfen, indem ein eigener Flächennutzungsplan erstellt wird statt diesen der Regionalplanung zu überlassen. Man wolle dies doch lieber selbst machen, meint der Landrat, über die Kosten habe man sich zunächst nicht gekümmert. Nun seien sie jedoch „unvorhergesehen und unabweisbar“. Vielleicht kümmert sich der Wähler demnächst mal.

Ruchlos: Wobei Schwarze und Grüne keine Alternative darstellen, denn auch sie haben kräftig mitgeholfen, die halbe Million zu versenken. Viel interessanter als das Finanzdesaster zu diskutieren fanden die Christdemokraten den Zustand der Schultoiletten des kleinen harmonischen wenn auch nicht geruchsfreien Südkreises. Kein Thema für die versammelten Politiker, fanden diese, ab mit dem stinkenden Problem in einen Arbeitskreis.

Instinktlos: Im westlichen Teil unseres kleinen Landkreises hat sich in einer Gemeinde mit historischen Ruinen der schwarze Bürgermeister recht gut eingelebt und wird auch von anderen politischen Färbungen akzeptiert. Der Chef der größeren Nachbargemeinde im Südwesten, auch ein Produkt der Freien Wähler, fremdelt dagegen noch sehr mit seinen Bürgern. Der Freie ist sehr frei, nimmt sich die Freiheit, seiner Bevölkerung möglichst nur zu Geschäftszeiten zu begegnen und hält sich strikt an seine Arbeitszeiten. Gemeindefeste, Jubiläen, Ortsteilfeiern und so weiter kommen in der persönlichen Rangfolge nicht an die private Freizeitgestaltung heran. Viele Bürger gönnen dem Bürgermeister diese Freiheit und werden wohl dafür sorgen, dass seine Freizeit nach der nächsten BM-Wahl noch größer wird.

Ausschreibungslos: Das Gewerbe vor Ort wird es verschmerzen, vergibt der Teilzeit-Bürgermeister doch zum Ärger ansässiger Gewerbetreibender freihändig Aufträge an ortsfremde Firmen, die ihre Gewerbesteuern andernorts abliefern. Traditionelle Anbieter vor Ort werden gar nicht erst in Planungen einbezogen oder um Angebotsabgabe gebeten.

Freudlos II: Dieser Ort ist in der Adventszeit durch zusätzliche Straßenbeleuchtung zu erkennen. Hartnäckige Nachfragen haben ergeben, dass die Beleuchtung mit Stern, alle paar hundert Meter über die Bundesstrasse gespannt, als Weihnachtsbeleuchtung dienen soll. Vielleicht sollten die Verantwortlichen sich in den Nachbarorten, vornehmlich im direkten Norden, einmal darüber informieren, wie echte Festbeleuchtung aussieht.

Bargeldlos: Unsere immer kleiner werdenden Südkreis-Mitmachzeitung zeichnet sich durch penetrantes Harmoniebedürfnis aus, was ihr den Zweit-Kosenamen Wohlfühlblatt eingetragen hat. Ende November wurde sie dieser Bezeichnung wieder einmal gerecht. Ein örtliches Geldinstitut stand vor den Schranken der Justiz, weil einem Rentnerehepaar plötzlich das Konto mit 120.000 Euro leergeräumt war, ein Bankmitarbeiter stand im Mittelpunkt des Interesses. Hörfunk und Fernsehen widmeten dem Fall ihre Aufmerksamkeit, das Wohlfühlblatt fand die Not der Haustiere berichtenswerter und verzichtete auf Berichterstattung über die verlorengegangene Penunze. Merke: Haustiere schalten keine Anzeigen. Bei der Preisverleihung für investigativen Journalismus wird das Blatt wohl leider wieder leer ausgehen.

Kraftlos: Am 16. November haben SPD-Abgeordnete im Rahmen des bundesweiten „Vorlesetags“ in Kitas und Grundschulen vorgelesen. Landesweit sind sie ausgeschwärmt und haben in den meisten Landkreisen von „Hotzenplotz“ bis „Wieder Nix“ alles mögliche vorgetragen. Unser Südkreis ging leer aus. Vielleicht ja gar kein Unglück, denn wer den hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten je hat vorlesen hören, hätte damit rechnen müssen, dass die Kinder nachhaltig in Tiefschlaf fallen.

Zeitlos: Für eine seiner unzähligen guten Ideen muss man dem früheren Landrat noch lange dankbar sein, für den Ausbau der Landkreis-Bahn. Wer gelegentlich mit dem Nahverkehr unterwegs ist, vermerkt als sehr angenehm, dass die Wagons dieser Regionalbahn im Gegensatz zu vielen Zügen der großen Bahnmutter sogar mit funktionierenden Klimaanlagen ausgestattet sind. Manchmal auch mit dröhnenden Motoren, aber das lässt sich sicher noch abstellen. Und wenn im westlichsten Tal im Kreis nicht vor genau 50 Jahren der Eisenbahnbetrieb eingestellt worden wäre, könnten auch die dort liegenden Städte und Gemeinden von den Segnungen der Bahn noch heute profitieren.

Ratlos: Ob es um den Kontinent oder das Bundesland geht, es gibt immer ein Südstaatenproblem. Irgendwie können die Südgebiete, so auch unser fiktiver Landkreis, nicht mit Geld umgehen. Jetzt wollte man unter den Landes-Schutzschirm schlüpfen, aber das vom Kreis vorgelegte „Konsolidierungskonzept“ über den Haushaltsausgleich bis 2024 überzeugte den Landesfinanzminister nicht. Schade, es wäre so schön gewesen, einen Teil der 210 Millionen Schulden erlassen zu bekommen. Hat der Finanzminister etwa gemerkt, dass man als „unabweisbare“ Kosten auch einen teuren Hauptamtlichen Beigeordneten, Wahlkampfpostillen und unnütze kostspielige Flächennutzungspläne als Kreisausgaben führt? Bei anderen klappt’s doch auch mit der Begründung „arm aber sexy“. Am Jahresende musste sogar eine Kreistagssitzung kurzfristig abgesagt werden, weil die sowieso miesen Etat-Zahlen nicht aufbereitet waren.

Hilflos: Die Schutzschirm-Sehnsucht unserer kleinen aber groß verschuldeten fiktiven Südkreises rief die Schulleiter der allgemeinbildenden Schulen im Kreisgebiet auf den Plan. Einsparungen oder Streichungen bei der Schulsozialarbeit werden „auf das Schärfste abgelehnt“.

Alle sieben Schulleiter verfolgen mit großer Sorge die anhaltende Diskussion um anstehende massive Ausgabenkürzungen im Kreishalt für das kommende Jahr. In einer Kürzung oder Einstellung der sozialen Arbeit sehen sie „eine falsche politische Entscheidung mit verheerenden Konsequenzen für die Schulen und die Region. Der Odenwaldkreis wird seinen Ruf als Bildungsregion einbüßen“, heißt es. Wie bitte? Warum wohl haben Eltern ihre Kinder auf weiterführende Schulen in Nachbarkreise geschickt, solange es noch ging? Und regt euch wegen der Mittelkürzungen nicht so auf. Dafür habt ihr einen wertvollen weil teuren Ersten Kreisbeigeordneten. Statt von Bildungsregion kann man nun wenigstens von einer Region mit politischer Überversorgung sprechen.

Führungslos: Chaos im Mutterhaus der Mitmachzeitung. Überraschend hat der Chefredakteur sein soziales Gewissen entdeckt und gegen Ausdünnung seiner Redaktion und vor allem gegen die Tarifflucht des Verlegers opponiert. Es folgte Anfang November sein sofortiger Rauswurf. Der Verleger, der ja, wie wir gelernt haben, auch noch IHK-Präsident der Region ist, versuchte gleichzeitig hinterhältig, dem Delinquenten die Schuld am latenten Auflagenschwund seiner Zeitungen hinterherzuwerfen. Besonders die Abo-Zahlen sind stark rückläufig gewesen und erreichten zuletzt (offiziell) nur noch 75.000 Exemplare für die Gesamtauflage. Aber jetzt wird ja alles besser. Ob die Bank das auch glaubt? Es sieht langsam so aus, als ob der Anfang vom Ende der Traditionszeitung eingeläutet wurde. Merke: auch ein Leser in der Provinz merkt irgendwann, wenn an Qualität gespart wird. Und für unseren kleinen Südkreis gilt, warum soll man für eine Zeitung mit Berichten Geld ausgeben, die man selbst zuvor geschrieben und eingeschickt hat?

Nachtrag in letzter Minute: Aufgrund des starken öffentlichen Drucks hat der IHK-Präsident und Verleger seine Tarifflucht-Pläne vorerst eingestellt.

Bedenkenlos: Im bereits erwähnten westlichsten Rathaus des kleinen Kreises sind Rekorde zu vermelden, im Standesamt bekommt der arglose Bürger von amtlichen Dilettanten kostenträchtige falsche Auskünfte in Reihe über Hochzeiten im Ausland, die dann mit ärgerlichen und frustrierenden Zeitverlusten verbunden sind. Überdies gewinnt die Abteilung sicher den Titel „unfreundlichster Mitarbeiter des Jahres“, anstrengungslos.

Hirnlos: Nichts ist so extrem, dass es nicht noch überboten werden könnte. Im Nachbarbüro werden die Texte der Gemeinde, Vereine und Kirchen für das Gemeinde“blättchen“ zusammengestellt. Ob nun aus Blödheit oder Böswilligkeit, ist von hier aus nicht zu erkennen, jedenfalls zeugt die Informationsauswahl samt -begründung von recht ausbaufähiger Intelligenz.

Teilnahmslos: Ein Abteilungsleiter im selben Rathaus fällt auch eher durch Dienst nach Vorschrift als durch die eigentlich funktionstypische Kultur-Kreativitätsentfaltung auf. Neben Überstundenauf- und natürlich –abbau gilt das Hauptinteresse möglicherweise dem Bürgermeisterposten einer Nachbargemeinde, der durch anhaltende Krankheit des beliebten Amtsinhabers eventuell vakant werden könnte. Vor diesem Hintergrund sind lustlose Arbeitsverwaltung und kampflose Aufgabe eigener Ideen im Kulturbetrieb zu verstehen, wenn auch nicht zu akzeptieren.

Antriebslos: Wie soll es in einer Kommune auch funktionieren, wenn oben am liebsten blau, daneben Mist und darunter gar nichts mehr gemacht wird?

Gewissenlos: …und hier unser Dauerbrenner: die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille „Kreis regional“ wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich um eine Selbstverherrlichung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie seit Jahren penetrant selbst. Der Landrat fand bisher nicht die Kraft, die ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipierte Streitschrift einzustellen, sondern nutzt es jetzt zu eigenen Zwecken. Eigenwerbung finanziert aus öffentlichen Mitteln auf Kosten der Steuerzahler, das ist ja auch extrem verlockend. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche periodische Pamphlet jährlich weit mehr als 100.000 Euro. Zusammen mit den Kosten für den unnötigen Ersten Kreisbeigeordneten schlagen unnötige Ausgaben im Kreis mit etwa einer viertel Million Euro zu Buche, beziehungsweise dem Bürger auf den Magen.

Rechtlos: Auf den Magen schlägt dem braven Bürger im kleinen Kreis und dem im angrenzenden Westen auch das Rechtsempfinden des Staatlichen Schulamts und des Landes-Kultusministeriums. Mehrfach weigerten sich beide Behörden, den höchstrichterlichen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und des Verwaltungsgerichthof des Landes Folge zu leisten. Sie verwehrten widerrechtlich einem Bewerber mit falschem Parteibuch die Schulleiterstelle einer größeren Gesamtschule an der Grenze beider Landkreise und schreckten auch nicht davor zurück, Lehrer, Eltern und Schüler über die Umstände des jahrelangen Leitungs-Vakuums grob irreführend zu informieren. Zum Unverständnis der zahlreichen schulischen Opfer der behördlichen Willkür ist die Schulamtsleiterin noch immer im Amt. Wir schätzen einmal mutig, dass sich dieser unglaubliche Zustand schon in wenigen Wochen ändern wird.

Arbeitslos: Zu guter Letzt noch eine brandaktuelle Meldung zur Presselandschaft im gesamten Süden des Bundeslandes. Nach dem Aus für zwei überregionale Traditionszeitungen und eine eher miese Nachrichtenagentur werden nun auch in unserer Landeshauptstadt aufgrund Leser- und Anzeigenschwunds die beiden alteingeführten Zeitungen zusammengelegt. Die Redaktion wird ausgedünnt, zahlreiche Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, die überregionalen Seiten samt Titel liefert nun sogar ein drittes Blatt zu, das Zeitungssterben erfasst jetzt auch die Region. Dabei hatten beide Medien dieselbe Überlebensstrategie wie unsere kleine Mitmachzeitung gewählt. Nämlich Ausbeutung Freier und Beauftragung ungelernter Mitarbeiter mit der Zielrichtung, durch Dumpinghonorare zwei Drittel der Kosten in der Materialbeschaffung zu sparen. Ergebnis ist spürbar sinkende Qualität. Die beiden Verlagsleitungen teilen sich also nicht nur das neue Druckzentrum, sondern unbeirrt dieselbe Untergangssehnsucht.

Prosit Neujahr!

Silvesterspitzen 2011: Der etwas andere (sechste) Jahresrückblick von Wolfgang Hörnlein

Wolfgang Hörnlein, Betreiber der Presse- und Bildagentur pdh, serviert zum sechsten Mal seine Silvesterspitzen und verschont dabei im „fiktiven südhessischen Landkreis“ niemand.
Für sein Bild zur nächtlichen Plakataktion des Opfervereins Glasbrechen [s.u.] wurde er in diesem Jahr vom Deutschen Journalistenverband DJV (Hessen-Thüringen) ausgezeichnet. Der sehenswerte Ausstellungskatalog ‚PresseFoto Hessen-Thüringen 2011‘ kann als pdf hier heruntergeladen werden.

Südhessen (pdh) Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2011 in einem fiktiven südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…

Das Jahr fängt gut an. Der Landesjustizminister kommt zum Kommunal- und Bürgermeisterwahlkampf in eine der westlichen Gemeinden des Kreises und sagt von dort dem Landrat den Kampf an. Er habe die Wähler im kleinen Kreis betrogen, sagt der liberale Landesvorsitzende, denn er habe sich als Spitzenkandidat seiner Partei für die Kommunalwahl aufstellen lassen. Es sei ein besonders skrupelloses Verhalten gerade von Freien Wählern, die sich gern als „Volkes Stimme“ gerierten, wenn diese den treuen Anhängern einen Kandidaten präsentierten, der die entsprechende Funktion gar nicht anstrebe und auch nicht annehmen würde. So kam es dann auch. Diagnose: Wahlbetrug

Im selben Ort gewann später der Kandidat der Schwarzen erstmals seit Jahrzehnten die Bürgermeisterwahl. Am Wahlabend noch konnte eine vordringliche Aufgabe des neuen Verwaltungschefs ausgemacht werden: Ortsmitte und Rathaus liegen in einem Funkloch, Berichte und Fotos vom Wahlsieger konnten aus dem Rathaus nicht an die Zeitungsredaktionen gesendet werden. Da sollte dringend Abhilfe geschaffen werden.

Auch die Bewohner des größeren Nachbarorts im Westen des Landkreises haben Grund zur Kritik an ihrer Gemeindeverwaltung. Dort erscheint ein Amtsblatt, das als besonders bürgerfeindlich eingestuft werden kann. Während in den anderen Kreisgemeinden wöchentlich die Blättchen erscheinen und den Bürgern, Vereinen, Kirchen und Schulen viel Platz zur Selbstdarstellung bieten, erscheint dieses Amtsblatt nur vierzehntägig und gewährt den eigenen Bürgern und Institutionen keinen Platz zur eigenen Berichterstattung. Stattdessen müssen die armen Leser fast ausschließlich Werbung und Berichte aus anderen Kreisgemeinden ertragen. Auch Gemeindegeiz soll nicht immer geil sein. Bürgernähe geht ganz anders.

Selbstdarstellung im Übermaß bietet hingegen ein Printmedium, das früher einmal als solide Tagezeitung galt, dann zum Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine mutierte und mittlerweile die Mitmachzeitung des kleinen Kreises ist. Von Journalismus hält man dort gar nichts mehr, hingegen sollen Leser, Gemeinden und Vereine ihre eigenen Texte und Bilder zum Abdruck einschicken, natürlich umsonst. Daraus basteln dann acht (8!) Redakteure die tägliche Ausgabe, nicht ohne tatkräftig Fehler einzubauen und Sinnzusammenhänge zu zerstören.

Das Mutterhaus der südlichen Mitmachzeitung hat es auch nicht leichter. Zusammen mit einem anderen Medienunternehmen hat man unlängst ein 100 Millionen Euro teures neues Druckzentrum errichtet, was ein für die Region ansehnliches Bauvolumen darstellt. Nur konnte man die Einweihung nicht gebührend feiern. Es kamen zwar ein paar Politiker zum fast internen Einweihungsfest, auch der Intendant des Landessenders, aber er durfte keine Kamerateams mitbringen, auch Presseagenturen waren nicht erwünscht. Grund: Man arbeitet im neuen Druckzentrum mit Dumpinglöhnen, hat zunächst alle Drucker rausgeworfen, um einige dann wieder ohne Tarifvertrag billiger einzustellen. Und die Hintergrundberichte über diese üblen frühkapitalistischen Zustände wollte man sich auf Verlegerseite doch gern ersparen.

Unser kleiner fiktiver Südkreis verfügt auch (noch) über einen eigenen Kreistag. Und dessen politische Mehrheit weiß virtuos mit dem geltenden Recht umzugehen. Beispiel:

Wie bekommt man den gewünschten Ersten Kreisbeigeordneten ins Amt? Indem man einen gleichqualifizierte Bewerber gar nicht erst zur Wahl zulässt und nicht einmal zum Bewerbungsgespräch bittet. Später erklärt man dann, der einzig übrig gebliebene Kandidat hätte sich in der Regionalpolitik besser ausgekannt.

Problematisch dabei die Haltung der völlig unfähigen Opposition, die diesen Vorgängen weitgehend schweigend oder hilflos gegenüberstand. So lässt sich komfortabel regieren im kleinen semiseriösen Südkreis. Bei der entscheidenden Abstimmung fehlen dann vier Oppositionspolitiker – der Kreistag ist und bleibt auf der einen Seite eben ein Amateurpolitiker-Verein, eine völlig überforderte Selbsterfahrungsgruppe.

Die Grünen machen einen sowieso sprachlos: In der ihnen eigenen verwurstelten Wahrnehmung der Realität kommen sie in derselben Sitzung zu der Erklärung, sie seien prinzipiell gegen einen Hauptamtlichen Beigeordneten – aber wenn er eine Frau mit Schwerpunkt erneuerbare Energie und Umwelt wäre, könnte man dann doch zustimmen. Oh je, du arme provinzielle krude grüne Politikwelt.

Nun gibt es also zwei Hauptamtliche Kreisspitzen in unserem kleinen Südkreis. Sie verrichten jetzt gemeinsam die Aufgaben, die zuletzt ein gesundheitlich stark angeschlagener Landrat ganz allein recht souverän geschultert hatte. Die vielen wortreichen Erklärungsversuche dieser skrupellosen Selbstbedienung der Freien und Roten dienten nur einem Ziel: Von einem insolventen Kreishaushalt vor dem Total-Zusammenbruch noch schnell das Maximale abzugreifen.

St. Florian muss entgegen anderen Überlieferungen doch evangelisch gewesen sein. In einer westlichen Kreisgemeinde schwangen auch Vorstandsmitglieder der evangelischen Kirche geistreiche Sätze über die sexuellen oder pädophilen Verfehlungen katholischer und nahegelegener regionaler schulischer Verantwortungsträger.

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Sehr schnell wurden die evangelischen Moralapostel absolut schweigsam, als ein Geistlicher aus den eigenen Reihen, nicht zum ersten Mal, außerehelich und interkonfessionell seinem hormonellem Drängen nachgab und sich nach der extern ausgelebten Nächstenliebe sogar ein Veilchen einfing. Was man der anderen Fakultät liebend gern vorwirft, wurde indes zunächst in den eigenen Reihen eiligst und gründlich unter den Teppich gekehrt. Kreiseigenes evangelisches Landrecht! Penetrante Mitbürger sorgten in der Folge für Öffentlichkeit und Konsequenzen, die von dem Protagonisten nicht wirklich verstanden oder gar als notwendig erachtet wurden.

Die Kommunalwahlen im Kreis hinterließen Spuren dort, wo man sie nicht vermutet hatte. Selbstherrlich und ohne Absprache mit den Kreispolitikern hat die Doppelspitze der schwarzen Partei ihre Kandidatenliste im stillen Kämmerlein aufgestellt und der überraschten Kreispartei als „alternativlos“ präsentiert, man lernt eben von der politischen Vorturnerin. Ein so genannter Siebener-Ausschuss muss über die Aufstellung der Kandidaten entscheiden, klammheimlich reichten in diesem Fall auch drei Juroren. Ergebnis der konspirativen Aktion: Weg mit altgedienten Kadern, deren Zeit ist vorbei, frisches Blut muss in den Kreistag. Das Ergebnis war kein frisches, aber böses Blut, eine heftige Krisensitzung und ein fragiler Burgfrieden, aber dennoch Rückzug der Älteren in die innere Immigration. So richtig hat die Kreisspitze die Situation der Partei bis heute nicht begriffen, dazu würde nämlich Kommunikation in den eigenen Reihen gehören, und ein Mindestmaß an politischem Fingerspitzengefühl.

Es galt, eine Schleimspur zu beseitigen. Ohne Rücksprache mit den Kreispolitikern seiner Partei hatte sich der Fraktionsvorsitzende der Schwarzen vor den „Koalitionsverhandlungen“ in einer Kreistagssitzung bei den Freien Wählern in einer Weise angebiedert, dass es selbst alten Hasen die Sprache verschlug. Es war ein letzter hilfloser Versuch, die fünfte Kolonne der Roten doch noch ins bürgerliche Lager zu ziehen. Dieser Versuch schlug grandios fehl, und der Hausmeister der im Volksmund so genannten „Ernst-Thälmann-Halle“ soll zwei Tage an der Beseitigung der massiven Schleimspur gearbeitet haben.

In der Nacht zum 18. August einigten sich nach monatelangen Streiks die deutschen Zeitungsverleger mit den festangestellten Redakteuren und Journalisten auf einen neuen Tarifvertrag ohne die angedrohten Gehaltskürzungen. Zuvor waren, ebenfalls monatelang, Zeitungen mit Notausgaben auf den Markt gekommen, auch die in unserem virtuellen Süd-Landkreis. In der hiesigen Leserschaft hatte man allerdings nicht bemerkt, dass es sich eine Zeitlang um Notausgaben handelte, weil das Blatt inhaltlich auch sonst immer wie eine solche daherkommt. Dennoch bedauern die letzten noch verbliebenen Leser der Mitmachzeitung das Ende des Streiks, denn vor den redaktionellen, meist verunglückten, Eingriffen der Hauptamtlichen in die eingesandten Texte von Freien, Firmen und Vereinen, war der Text noch verständlich und lesbar.

Nachtrag: Im Oktober besucht ein Redakteur der Mitmachzeitung eine Kooperative Gesamtschule im westlichen Teil des Kreises und diskutiert Pressearbeit mit den Gymnasiasten. In seinem Bericht beklagt sich der Redakteur später darüber, dass sich nur acht Prozent der Schüler für die Regionalseiten der Zeitung interessieren. Ja, was denn, hat er sich nie selbst von der bemitleidenswerten Qualität dieser Seiten überzeugt?

Die Piraten eroberten den nördlich angrenzenden Landkreis, einige größere Städte in Land und Bund, nun auch die Bundeshauptstadt. Ein Standbein der Freibeuter ist das Internet und der Umgang mit ihm. Wenn es danach geht, wird der fiktive kleine Südkreis eine leichte Beute für die Seeräuber. Für viele Parteien im Kreis und in den Gemeinden, und vor allem ihre leicht oder stark angestaubten Vorsitzende, ist eine Partei schon modern und netzaffin, wenn sie jährlich einmal ein paar Texte auf die eigene Homepage setzt, die in der Regel einen grellbunten Seitenaufbau vom letzten Jahrtausend aufweist. Wenn sie überhaupt einmal im Jahr gepflegt wird. Dass das Internet die Kommunikationsbasis der Zukunft ist, wird zwar immer wieder festgestellt, auch von der Politik, aber der Erkenntnis folgt, wie so oft, keine Umsetzung. Noch im November 2011 wünschen einige Ortsverbände ihren Mitgliedern ein frohes und gesundes….2011. Noch Fragen zum Zustand der Provinzparteien?

„Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr“ wird Paulus im Römerbrief zitiert. Gottes Bodenpersonal allerdings hält nicht viel von solchem religiösen Brimborium, sondern vergilt lieber höchstselbst. Ein ehemaliger Pfarrer, heute schwarzer Bürgermeister der Kreisstadt und Verlierer mit Fusionsplänen und bei der Landratswahl im Nachbarkreis, verfolgt innerparteiliche Kritiker noch jahrelang. Dazu bedient er sich sehr weltlicher Methoden, nämlich der Parteieintritte von Freunden und Gleichgesinnten. Die dann bei parteiinternen Wahlen plötzlich die Mehrheit stellen und altgediente, wenn auch kurskritsche, Parteimitglieder aus den Parteiämtern drängen. Nur der Ordnung halber sei hinzugefügt, dass selbiger schwarzer Politiker auch der oben erwähnte ist, der im Kreistag den schwarzen Anführer gibt und auch dort zuletzt mit der Listenaufstellung zur Kommunalwahl ein schweres Chaos in der eigenen Partei angerichtet hat. „Oh Herr, er weiß nicht, was er tut“. Oder doch?

Im Jahresrückblick 2008 berichteten wir vom Totalversagen der kreiseigenen Tourismuswerbung. Drei Jahre später können wir konstatieren, dass auch jährliche sechsstellige Euro-Beträge zu keiner bemerkenswerten Verbesserung geführt haben. Immerhin bekommt die Presse mittlerweile monatliche Werbe-Newsletter aus dem bewohnten Mittelgebirge… allerdings vom Nachbarlandkreis, aus einem anderen Bundesland…

…und hier unser Dauerbrenner: die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille „Kreis regional“ wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie seit Jahren penetrant selbst. Der Landrat fand bisher nicht die Kraft, die ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipierte Streitschrift einzustellen, sondern nutzt es jetzt zu eigenen Zwecken. Eigenwerbung finanziert aus öffentlichen Mitteln auf Kosten der Steuerzahler, das ist ja auch extrem verlockend. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche periodische Pamphlet jährlich weit mehr als 100.000 Euro. Zusammen mit den Kosten für den neuen Ersten Kreisbeigeordneten schlagen unnötige Ausgaben im Kreis mit etwa einer viertel Million Euro zu Buche, beziehungsweise dem Bürger auf den Magen.

Geschäftsmodell Erpressung: Die Mitmachzeitung bedient sich jetzt auch süditalienischer Arbeitsmethoden. Um sicherzustellen, dass sie auch tatsächlich zukünftig völlig kostenlose Artikel und Fotos zugeschickt bekommt, lässt sie eine westliche Gemeinde im Kreis per E-Mail sinngemäß wissen, dass „über Ihre kulturellen Großereignisse in unserem Blatt leider nicht mehr berichtet werden kann“, wenn etwa an die Autoren Honorar gezahlt werden müsse. So lässt sich herrlich Zeitung machen.

Als erster im Bundesland will unser kleiner fiktiver Südkreis in wenigen Tagen flächendeckend das schnelle Internet-Breitband eingeführt haben. Da freut sich Bevölkerung und Wirtschaft. Aber nicht überall. Anscheinend haben die Bodenarbeiten während der Kabelverlegungen die vorhandenen Netzte des traditionellen Anbieters beschädigt, so dass ganze Ortschaften wochenlang mit ständig wechselnder Betroffenheit ohne jede technische Kommunikation dastanden. Stand etwa Absicht dahinter? Um nämlich in den Genuss des schnellen breiten Bandes zu kommen, müsste man zum örtlichen Anbieter wechseln, und dazu besteht wenig Neigung, weil ein hoher Anteil Nutzer von ihren traditionellen Providern nicht nur Internet, sondern auch mobiles Telefon und Fernsehprogramme bezieht. Wollte man der Wechselneigung vielleicht etwas nachhelfen?

Für einen Studiendirektor aus dem westlichsten Zipfel unseres kleinen Landkreises endete das alte Jahr mit einer Überraschung. Das Bundesverfassungsgericht gab ihm umfassend Recht bei einem Verfahren gegen das Kultusministerium. Was war geschehen? Er hatte sich um einen Direktorenposten einer Gesamtschule beworben, neben vier anderen Kandidaten. Der Verlauf der Stellenbesetzung kam ihm danach reichlich spanisch vor. Genervt hatten bereits drei Mitbewerber aufgegeben, ein anderer sollte auf dubiosen Wegen den Job erhalten. Unser Kandidat forderte eine Überprüfung, und, oh Wunder, wie in diesem Bundesland mittlerweile bei Stellenbesetzungen üblich, waren keine Unterlagen und Protokolle mehr vorhanden. Warum sollte es im Kultusministerium auch anders zugehen als im Innenministerium bei der Suche nach einem Leiter der Bereitschaftspolizei? In der Urteilsbegründung machte sich das Bundesverfassungsgericht fast noch lustig über die vielen „verschwundenen“ Unterlagen und kassierte gleich drei vorherige Urteile des Verwaltungsgerichts und des Verwaltungsgerichtshofs des Bundeslandes. Und jetzt? Alles auf Anfang!

Prosit Neujahr!

[Alle Hervorhebungen sind von uns]

Jahresrückblick 2009: Wolfgang Hörnlein (pdh) präsentiert neue Odenwälder Silvesterspitzen

silvester silvesterspitzen 2010 odenwald odenwaldkreisNach seinen Silvesterspitzen 2006, 2007 und 2008 legt Wolfgang Hörnlein (Pressedienst pdh) nun für den neuen Jahreswechsel nach. Die Lektüre lohnt. Er erlaubt sich eine eigene Meinung und Kritik auch an jenen, die über (s) eine Karriere entscheiden könnten: Lokalpolitiker, Verlage und Verleger.
Wir haben seine neuen Silvesterspitzen da und dort mit Links garniert. Ebenfalls hinzugefügt wurden Anmerkungen zur vermuteten Identität diverser (fiktiver?) VIPs im „fiktiven südhessischen Landkreis“.

>Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2009 in einem fiktiven südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…

… Der neue Landrat [Anm.: Dietrich Kübler] des Südkreises aus den Reihen der Freien Wähler wird von der schwarzen Landtagsabgeordneten [Anm.: Judith Lannert] im Landtag eingeführt und bekommt eine Audienz beim Landesfürsten [Anm.: Roland Koch]. Der Fotograf der Staatskanzlei schießt ein schönes Foto von den drei Politikern. In den Blättern des kleinen Kreises erscheint das Foto aber nur mit zwei Personen, die Abgeordnete von der „falschen“ weil schwarzen Partei wurde von der Kreistags-Pressestelle einfach abgeschnitten, ein Handlungs-Relikt aus vergangenen 60jährigen „roten“ Zeiten des Kreises und Erinnerung an die stalinistische Ära. Protest des neuen Landrats gegen die eingeübten Praktiken wurde nicht bekannt.

… die Verwaltung der Kreisstadt hat Softwareprobleme: Niemandem fällt auf, dass keine Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl angefordert werden. Werden sie aber, und die Anträge werden auch online entgegengenommen, nur landen sie im Papierkorb des Rathaus-Computers. Einem der Antragsteller fällt kurz vor seinem geplanten Reiseantritt auf, dass die beantragten Briefwahlunterlagen noch immer nicht bei ihm eingetroffen sind. Er tritt eine Lawine los und ein Softwarefehler im Amt wird diagnostiziert, einige Wahlunterlagen noch schnell versendet. Wer alles zu dem Zeitpunkt wegen Abwesenheit schon nicht mehr erreichbar war, wird lieber nicht eruiert.

… das Medienhaus, das den kleinen Landkreis monopolartig mit einer Tageszeitung beliefert, druckt zur Landtagswahl keine Anzeigen und Terminhinweise einer linken Partei. „Publizistische Erwägungen“ benennt der Verleger seine Entscheidung, die selbst seinen Mitarbeitern in der Anzeigenabteilung Magenschmerzen bereitet. Der Verleger [Anm.: Dr. Hans-Peter Bach] höchstselbst wird allerdings wenig später für viel größere Magenschmerzen seiner Mitarbeiter sorgen. Kaum zum Präsidenten der regionalen Industrie- und Handelskammer gewählt, wirft er alle seiner Drucker hinaus und gibt bekannt, sie könnten sich im neuen Druckhaus erneut bewerben, allerdings nur Beschäftigung ohne Tarifbindung zu Dumpinglöhnen erhalten. Wir erwähnen diese erbärmliche Handlungsweise aus „publizistischen Erwägungen“.

… eine Palastrevolution gilt es zu vermelden. Der glücklose schwarze Bürgermeister der Kreisstadt [Anm.: Harald Buschmann] setzt erst die Fusion mit der Nebenstadt in den Sand, dann auch seine Landratskandidatur im Nachbarkreis. Bereits eine Stunde nach Bekanntgabe des Scheiterns des Fremdgängers setzt ihm seine eigene Partei mittels Pressemitteilung den Stuhl vor die Tür und teilt mit, eine erneute Nominierung zum Stadtführer könne er sich getrost abschminken. Langwierige interne Verhandlungen sorgen Monate später für einen fragilen Burgfrieden. Mittlerweile hat er den Vorsitz der schwarzen Kreistagsfraktion übernommen, auch „Operettenopposition“ genannt. Ein neuer Schritt die Karriereleiter hinauf.

… seinem Leben ein Ende bereitet hat ein älterer Mitbürger der westlichsten Gemeinde des kleinen südlichen Landkreises. Mit Einzelheiten des Suizids haben Polizei und Presse die Lesern zum damaligen Zeitpunkt pietätvoll verschont. Musste er denn auch die Kettensäge anwerfen?

… acht Kriminalromane, zusammengefasst zu einem Sammelband auf der diesjährigen Buchmesse, handeln von Geschehnissen in sieben Gemeinden unseres virtuellen Kleinkreises. Die Autoren hatten im Frühjahr ihre „Tatorte“ in Augenschein genommen. So auch den großen westlichen Ort, der noch über einen historischen Kerker und unheimliche Bergwerksruinen verfügt. Aber den Mord selbst, so bat der dortige neue Bürgermeister, möge der Schriftsteller aus Imagegründen doch bitte in die nördliche Nachbargemeinde verlegen.

… Den Wunsch muss ein Einwohner dieser Nordgemeinde falsch verstanden haben. Er erschoss im Wirkungskreis des neuen Bürgermeisters vor den Augen erschrockener Touristen seelenruhig ein Schaf und verschwand wieder in seiner Nordgemeinde.

… trotz ihres neuen Fraktionsvorsitzenden [Anm.: Harald Buschmann] treibt die größte, schwarze Oppositionspartei [Anm.: CDU] des kleinen Kreises im Süden des Bundeslandes ein Gedankenspiel um, das der geübten Politik der „Opposition zum Liebhaben“ entspricht. Es gibt Überlegungen, so wird kolportiert, aus Mangel an Oppositionswillen und zur Entlastung der unterentwickelten politischen Gestaltungskraft, komplett der sozialdemokratischen Partei beizutreten. Die eigene Kreativabteilung hatte man schon vor Jahren geschlossen.

… nur knapp wurde die erste Amtsenthebung eines Bürgermeisters [Anm.: Gerhard Maser] des Kreises abgewendet. Seit vielen Monaten wird hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand über dessen Unpässlichkeiten, Indispositionen oder äußerst beschwingte Teilnahme an internen Sitzungen berichtet. Oder auch über fehlende Teilnahme. Eine solche nun führte zum Eklat. Dem Vernehmen nach hat die eigene Fraktion für „Öffentlichkeit“ gesorgt und die ersten unüberhörbaren Warnschüsse abgegeben. Um kurz danach allerdings einzuknicken und der Opposition den schwarzen Peter zuzuschieben, den diese umgehend zurückwies. Wir berichten weiter.

… der scheidende Landrat [Anm.: Horst Schnur] wurde noch einmal vorgeführt. Er hatte dem Kreistag den Inhalt eines Schreibens verschwiegen, das Fördergelder abschlägig beschied, weil die angeblich „totalen Innovationen“ einer neuen Industrieansiedlung bereits woanders Routine und damit alles andere als innovativ-förderungswürdig waren. Den Landrat irritierte indes nicht etwa die Enttarnung, er wollte tatsächlich nur wissen, wie die Opposition an das Schreiben gelangt war. Wahrscheinlich, um solch unangenehme Aufklärungswege künftig zu unterbinden.

… selbiger Ex-Landrat denkt nach seinem Rückzug nicht an die Privatsphäre. Er hat sich unlängst erst einmal in viele politische und Aufsichtsgremien in der Wirtschaft wählen lassen, um seinem Nachfolger von der falschen Partei noch häufig kräftig in die Suppe zu spucken.

… der rote Kreis wird langsam schwarz. Definitiv keine erfreuliche Periode der Sozialdemokraten. Das Landratsamt geht nach 60 Jahren weg von den Sozis, hin zu den Freien Wählern. Der neue Landrat will nun zunächst einmal Arbeitsplatzbeschreibungen einführen. Richtig gelesen, es gab keine. In Kürze werden über 500 Beschäftige erstmals schriftlich erfahren, was sie eigentlich zu tun haben

…das direkte Landtagsmandat des Kreises gewann die schwarze Kandidatin zurück, nur ein Jahr lang hatte sich der rote Abgeordnete des zurückeroberten Mandats erfreuen können. Im Bundestags sieht es ähnlich aus, die schwarze Kandidatin dort baute ihren Vorsprung und die Sozis gingen leer aus.

… da hatte auch der kostenlose rote Wahlkampfbus, eine Zugabe des eigenen „gemeinnützigen“ Arbeitgebers, dem Bewerber um das Bundestagsmandat [Anm.: Detlev Blitz] nichts retten können. Es bleibt kein Wahlsieg des roten Kandidaten, aber zumindest ein kräftiges „Geschmäckle“…

… eine überregionale eher rote Tageszeitung mit Hauptsitz in der Mainmetropole schreibt seit Jahren rote Zahlen und musste unlängst durch eine Bürgschaft des schwarzen Landesfürsten gerettet werden. Dennoch setzte sich der Niedergang der Zeitung fort und so entschied man sich als Sparmaßnahme zu Redaktionsschließungen, dafür aber das oben erwähnte Medienhaus um Zulieferung der südlichen Regionalseiten zu bitten. Ausgerechnet! Man bleibt also konsequent der Strategie des kräftig sinkenden Niveaus treu. Besonderer Clou: Die provinziellen Blattmacher lassen sich aus Gründen der Kosteneinsparung vermehrt ihre Berichte und dazugehörende Fotos von Vereinen, Parteien, Firmen und Gemeinden zusenden, sparen also Text- und Bildhonorare, verkaufen diese „Berichte“ dann z.T. an den neuen Kunden. Eine wahrlich optimale Wertschöpfung und ein großer Schritt im rasanten Niedergang des regionalen Journalismus.

… die Luft der großen weiten Welt durften die Aufsichtsräte des regionalen Energieversorgers [Anm.: HSE] , zum Teil begleitet von den Ehepartnern, schnuppern, mindestens einmal jährlich, mehrtägig und kostenlos. Nun will es die Regel, dass Bürgermeister und Landräte, auch in unserem Südkreis, durch ihr Amt automatische Aufsichtsräte waren. Vorteilsannahme im Amt, meinte die Staatsanwaltschaft. Achtzig von ihnen haben im zu Ende gehenden Jahr unterschiedliche Post bekommen, von der Niederschlagung wg. Geringfügigkeit oder später Einsicht bis zur Zahlungsaufforderung in den härteren und uneinsichtigen Fällen im fünfstelligen Euro-Bereich.

… mangelnde positive oder zumindest korrekte Außenwahrnehmung seines Kreises bei den größeren Tageszeitungen in der nahen Metropole vermisste der scheidende Landrat während einer größeren Veranstaltung. Er warf deren Redakteuren „urbane Arroganz“ vor. Und das zum Teil sehr zu Recht. Zum anderen Teil aber auch nicht. Auch wohlmeinenden Journalisten fehlte häufig der Überblick über das programmatische und dadurch auch mediale Durcheinander, das der Kreis und vor allem sein Vorturner anrichteten. Der schien es nicht einmal zu bemerken. Von daher war es gut, dass zwei Großstadtschreiber einmal, wenn auch unerträglich arrogant, deutlich auf krasse medientechnische Defizite der Kreisleitung hinwiesen. Überall wollte der Kreis vorn mit dabei sein, nichts war schöner für den ersten politischen Beamten als der oft ausgestoßene Spruch, das gibt es nur bei mir im Kreis, dort und dort sind wir sogar international führend. Weil ja auch unsere Berge höher sind als die Alpen, sie stecken nur tiefer im Boden… Nur: Die Nachhaltigkeit im kleinen Kreis ist das Manko, gerade hat man ein neues Projekt gestartet, also eine neue Sau durchs Dorf getrieben, da wird sie bereits uninteressant. Sie wird noch nicht einmal geschlachtet, sie bleibt einfach irgendwo stehen und verhungert. So ging es einer Vielzahl von durchaus ehrgeizigen Projekten, die einfach im Sande verliefen und die sehr engagierten Teilnehmer in die Verzweiflung trieben.

… die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille „Kreis regional“ wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie jetzt seit Jahren penetrant selbst. Der neue Landrat fand bisher nicht die Kraft, die ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipierte Streitschrift einzustellen. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche Pamphlet jährlich weit mehr als 100.000 Euro.

… das gibt’s wohl nur im diesen Landkreis: bereits weit über drei Jahre arbeitet ein Rechtsdirektor [Anm.: Georg Dürig] bei vollen Bezügen beziehungsweise eher nicht, weil er von seinem Amt suspendiert ist. Aus Angst vor Übergriffen seiner eigenen Behörde auf sich selbst wegen unbotmäßigen Verhaltens hatte er sich zunächst in den entferntesten Zipfel des EU-Raumes geflüchtet. Der „Mann fürs Grobe“ soll am Ende nicht grob genug für sein Amt gewesen sein. Wir hatten schon dreimal darüber berichtet. Fortsetzung folgt 2010.

Darüber lacht der kleine Kreis:

… Die sozialdemokratische Landratskandidatin [Anm.: Erika Ober] hat die Professorin und Parteifreundin zur Neujahrsansprache eingeladen, die sich im Frühsommer zur Bundespräsidentin wählen lassen will. Und holt sie mit dem eigenen Auto vom Flughafen ab. Als Versammlungsort wird die westlichste Gemeinde ihres eigenen Wahlkreises gewählt. Kleines Problem: Sie findet die Gemeinde nicht und irrt mit der Präsidenten-Kandidatin durch ihren eigenen Wahlkreis. Merke: wer Landrätin werden will, sollte zumindest die 15 Gemeinden des eigenen, kleinsten Landkreises des Bundeslandes kennen.<

Zunder im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach – Öko-Leitbild oder Reinfall?

Im August 2008 war die Welt im Breuberger Ortsteil Rai-Breitenbach noch in Ordnung.
Die Odenwälder Gemeinde rühmte sich, das erste Bioenergie-Dorf in Hessen zu sein.
Ortsvorsteher Horst Stapp (SPD) hatte die Idee für das Biomasse-Heizkraftwerk und ließ sich als Visionär feiern.
Bei der Einweihung versammelte sich Prominenz: Hermann Scheer (SPD / Alternativer Nobelpreis), Ex-Landrat Horst Schnur (SPD), Dr. Michael Reuter (SPD/Landtagsabgeordneter), Dietrich Kübler (heute neuer Landrat des Odenwaldkreises).

Initiator Stapp konnte das Projekt (und sich selbst) nicht laut genug über den grünen Breuberger Klee loben:
Weg von Bush und Putin“ komme man damit. (Seit wann bezog Rai-Breitenbach Öl oder Gas von Bush??).
Die absurde, populistische Losung machte HR-Reporter Ulrich Anton in seinem Artikel über das Bioenergie-Dorf zur Zwischenüberschrift – ohne nach deren Sinn zu fragen.

Dann schreibt er:

>Mit dem Kraftwerk will Rai-Breitenbach autark von anderen Energieträgern werden. Das Dorf ist damit das erste Bioenergie-Dorf Hessens. Rund 1.300 Tonnen CO2-Emissionen sollen jährlich gespart werden. Außerdem rechnet die Genossenschaft damit, dass ihre Mitglieder bis zu 30 Prozent weniger Heizkosten haben.<

Immer wenn der Mund zu voll genommen wird, droht das Hirn dahinter zu verschwinden.
Das scheint nun, leider, auch für Rai-Breitenbach zu gelten.
Ein schon letzte Woche im Odenwälder Echo erschienener Bericht von Birgit Reuther nimmt dem Projekt seinen Zauber – und dies schon im Untertitel:

Anlage bringt nur 30 Prozent ihrer Leistung – Genossen befürchten Finanzierungsprobleme

Im Detail heißt es dann:

>Die Anlage zur Holzvergasung, ein zentraler Kraftwerk-Bestandteil zur Strom- und Wärmegewinnung, erbringt seit etwa einem Jahr nur rund 30 Prozent ihrer ursprünglich kalkulierten und zur Finanzierung erforderlichen Leistung.
So wurde in der Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Rai-Breitenbacher Projekt mit einer Wärmeleistung von 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr kalkuliert – erreicht wurden in elf Monaten nur rund 330 000 kWh.
Für die Verstromung waren 750 000 kWh angesetzt, tatsächlich geleistet wurden etwa 224 000 kWh.< [Hervorhebungen von uns]

Als wäre dies allein nicht schon ernüchternd genug, zitiert Reuther zuletzt aus einer Studie, die die Technik der Holzvergasung als unausgereift ausweist:

>Holzvergasung zur Gewinnung von Wärme und Strom ist zur Zeit ein heißes Thema. Die Technologie hat aber noch erheblichen Entwicklungsbedarf und Investitionen wollen reiflich überlegt sein!<

(Im Internet kann ein 10 Seiten umfassender Auszug aus der entsprechenden Studie als pdf heruntergeladen werden.)

Im Echo-Artikel heißt es weiter:

>Manches Mitglied glaubt inzwischen, dass den Initiatoren des Pilotprojektes von Anfang an klar gewesen sein muss, „dass diese Anlage erstmal nicht so laufen wird, wie es in den Darstellungen nach außen und gegenüber den Mitgliedern dargestellt worden ist.“<

Initiator Horst Stapp hat das Projekt in seiner Funktion als Ortsvorsteher vorangetrieben, mit seinem Ingenieurbüro r`ise eG
möchte er daran aber auch verdienen. Wenn es beiden Seiten nützt, muss daran nichts auszusetzen sein. Wenn dies nicht oder nicht mehr der Fall ist, wird es problematisch – das aber scheint nun der Fall zu sein.

Bild

Auf der Website rise-solutions.de wird als Projektbeispiel das „Bioenergiedorf Rai-Breitenbach“ (als einziges) herausgestellt.
Unter „Kontakt“ werden auch Adresse, Telefon- und Faxnummer genannt. Man vermisst allerdings jeden Namen.
Erst über die Domain-Abfrage bei Denic erfährt man, dass Horst Stapp Domaininhaber und administrativer Ansprechpartner ist.

Als dahinter stehende Organisation nennt Denic erstaunlicherweise nicht r’ise eG, sondern das Bioenergiedorf Breuberg Rai-Breitenbach eG. Eine Vermengung, die Zunder bietet. Am Ende brennt da möglicherweise mehr als nur Holzhackschnitzel im Blockheizkraftwerk.

Schon im Juli beklagte Birgit Reuther in einem für O-Echo-Verhältnisse ungewohnt kritischen Kommentar fehlende „Transparenz“ im Bioenergiedorf. Anlass war ein bemerkenswerter Vorgang:

>Verkehrte Welt in Rai-Breitenbach: Mitglieder des Vorstands der von vielen Einwohnern getragenen Genossenschaft zur Nahwärmeversorgung drängen den Aufsichtsratschef der genossenschaftlich organisierten, aber betriebswirtschaftlich orientierten Unternehmung zum Rücktritt. Mit Erfolg.
Anderswo läuft es meist umgekehrt: Aufsichtsräte kontrollieren die Arbeit der Vorstände, und wenn die zu viele Fehler machen, werden sie ersetzt.< [Hervorhebungen von uns]

Dann schreibt die Echo-Redakteurin erfahrungsgesättigt:

>Das alte Lied: So lang eine Sache gut läuft, darf die Zeitung „schön“ berichten. Wenn aber Dampf im Kessel ist und das Thema die Gemüter auch über die Dorfgrenzen hinaus bewegt, wird abgeblockt.
Die Berichterstattung könne Projekt und Dorf schaden, mauerte auch hier der Vorstand.< [Hervorhebungen von uns]

Man kann nur erahnen, wie oft insbesondere der frühere Landrat Horst Schnur in der nahegelegenen Redaktion intervenierte, um eine wöchentlich Dosis Schönfärberei in Auftrag zu geben und kritische Berichterstattung schon im Ansatz zu blockieren.

Reuther erinnert auch an die öffentlichen Gelder, mit denen das Odenwälder Bioenergiedorf gefördert wurde:

>Dabei haben nicht nur die Bewohner der derzeit ans Nahwärmenetz angeschlossenen 130 Häuser das
Recht zu erfahren, wie es mit ihrem Bioenergiedorf läuft. Handelt es sich doch um eine
mit beträchtlichen öffentlichen Mitteln geförderte und finanzierte Sache: 430 000 Euro Zuschuss von Land und Kreis sowie ein KfW-Darlehen fließen in das 3,2 Millionen Euro schwere Projekt.< [Hervorhebungen von uns]

Was die einzelnen Haushalte investierten, erfuhr man vor einem Jahr von David Meiländer im Magazin stern – am Beispiel von Klaus Walczik:

>Es ist nicht nur das Geld, es ist auch das Prinzip, um das es den Einwohnern von Rai-Breitenbach geht. Unabhängig von den Konzernen und Behörden zu sein – das ist auch für Klaus Walczik ein gutes Gefühl.
Seit 27 Jahren lebt er hier im Dorf, hat bevor er in Rente ging in der Energiebranche gearbeitet. Wie alle anderen musste auch er insgesamt 4500 Euro für die Genossenschaftseinlage, den Anschluss der Rohre und den neuen Heizkörper bezahlen.
Seinen gerade erst sieben Jahre alten Ölkessel wird er abmontieren lassen
. „Ich will nicht irgendwelchen Öl-Monopolisten in Moskau oder Dubai ihre Paläste finanzieren“, sagte Walczik. „Hier in Rai-Breitenbach weiß ich wenigstens, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt.< [Hervorhebungen von uns]

Im Wissen um die nun eingetretenen Schwierigkeiten gewinnen die folgenden Aussagen Bedeutung:

Bild>Skeptiker gab es kaum. „Wir hatten ein sehr geringes finanzielles Risiko„, erinnerte sich Walczik.
Es hätte eigentlich nur am Anfang schief gehen können, wenn uns das beauftragte Ingenieursbüro gesagt hätte, dass es nicht funktioniert.“ Bis dahin hatten alle Genossenschaftsmitglieder jeweils nur 150 Euro investiert. „Das hätten wir verkraftet.“< [Hervorhebungen von uns]

Wollte das „beauftragte Ingenieursbüro“ möglicherweise nur die Chancen sehen und blendete es (wider besseres Wissen?) die Risiken aus?

In einem weiteren Echo-Bericht („Bürgermeister beruhigt„) vom 2. 10. heißt es:

>Ebenfalls um Stellungnahme gebeten, wollte der geschäftsführende Vorstand keine Auskunft zur derzeitigen Lage geben.<

Einige betriebswirtschaftliche Details lassen sich sogar für Außenstehende recherchieren: Für den Jahresabschluss zum 31. 12. 2006 im „Bundesanzeiger Jahresabschlüsse“ verlangt Genios 22 Euro, für einen Einzelabschluss / HGB der „Creditreform Rating Deutschland Bilanzen“ verlangt Genios 45 Euro.

Für den neuen Odenwälder Landrat könnte sich das hoffnungsvoll gestartete Prestigeprojekt schon zu Beginn seiner Amtszeit zu einer gewaltigen Bürde entwickeln. Dietrich Kübler, der auch selbst dem Vorstand der Genossenschaft angehört, soll auf kritische Fragen sehr empfindlich reagiert haben.

„Ihr müsst’s uns nicht schwer machen“: Odenwälder Provinzfürst Horst Schnur verlangt von Medien positive Wahrnehmung

… seiner Person sowieso, aber natürlich auch des von ihm seit Menschengedenken (genau genommen seit 1991) regierten Odenwaldkreises.
Was ist schon Frankfurt im Vergleich zur Odenwälder Kapitale Erbach und wer ist schon Petra Roth neben Horst Schnur?
Eine Schande ist es also, dass etwa in der FAZ Horst Schnur und der Odenwaldkreis kaum vorkommen, oder, um es in des Provinzfürsts eigenen Worten zu sagen: eine „urbane Arroganz“.
Ein ellenlanger Artikel auf der Website des Landratsamtes informiert nun über eine Podiumsdiskussion, die am 19. Februar im Erbacher Autohaus Böhm stattfand.
Deren Thema: „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.
Oder, plastischer ausgedrückt, wie sehr und wie oft sollte auch dem städtischen Leser der Duft eines original Odenwälder Kuhfladens in die urbane Nase steigen?

>Namhafte Experten sollten dazu Auskunft geben: Peter Lückemeier, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung/Rhein-Main-Zeitung verantwortlicher Ressortleiter für die Region, Jörg Riebartsch, Chefredakteur der Echo-Zeitungen (Darmstadt) und Peter John, der Leiter des Studios Darmstadt beim Hessischen Rundfunk (HR). Kaum hatten die gut 120 Besucher das Lob des Moderators vernommen, sich überhaupt mit einer so anspruchsvollen Fragestellung auseinander zu setzen, da fühlte sich deren Mehrzahl provoziert.
FAZ-Mann Lückemeier, auf diese Weise personifiziertes Beispiel für von Landrat Schnur kritisch vermerkte „urbane Arroganz“, wollte partout kein Verständnis dafür aufbringen, dass sich der Odenwald, wie Johann-Dietrich Wörner unmissverständlich formulierte, „in den Medien nicht ausreichend vertreten“ fühlt.
Lückemeier machte deutlich, dass „der Odenwald nicht zum Kerngebiet Rhein-Main“ gehört, die Zeitung ihre Grenzen am wirtschaftlichen Interesse orientiert und ihre redaktionellen Kapazitäten ausgereizt sieht.<

So liest man es auf odenwaldkreis.de (die Hervorhebungen sind von uns).

Bild

Im Titel wird der „Kreis-Chef“ zitiert: „Ihr habt’s nicht leicht, aber Ihr müsst’s uns nicht schwer machen„.
Dies nun, die Mahnung eines Lokalpolitikers, gerichtet an die lokale und regionale Presse, entlarvt Schnur als das, was er ist: Ein machtverliebter Autokrat mit einem gebrochenen Verhältnis vor allem zur Pressefreiheit.
So setzt er einmal sich, seine Partei und seine Administration mit dem Wörtchen „uns“ in eins mit dem Landkreis und seinen Bewohnern und gleichzeitig offenbart er, was er von der Presse bzw. den Medien erwartet:
Sie möge es ihm bzw. „uns“ bitte „nicht schwer machen„.

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin oder ein Ministerpräsident „redete den Medienmachern (so) ins Gewissen.“ (Auch dies übrigens ein Originalzitat aus dem Artikel des Landratsamtes.) Welch ein Ansinnen!
Wir klopfen uns schon selbst an die Brust„, die Medienmacher mögen mitklopfen und vor allem müssen sie es „uns nicht schwer machen„.
Dazu zitieren wir den vor 2 Jahren mit dem Preis der Hamburger Akademie für Publizistik ausgezeichneten
Basler Journalisten
und Medienethiker Philipp Cuen – als Gegenzeuge zu Schnur:

>Der Journalismus muss hinterfragen, in schummrige Sphären der Gesellschaft leuchten, Schwachpunkte aufdecken, Missstände aufzeigen, verunsichern, kritisieren. Wir nennen das die gesellschaftliche Kontroll- und Kritikfunktion. Die Demokratie kann auf diese Funktionen und damit auf den Journalismus nicht verzichten, ohne Schaden zu nehmen.<

Der Odenwaldkreis verzichtet seit Jahrzehnten und vor allem unter Schnur auf diese Funktionen und entsprechend hat er deswegen Schaden genommen.

Haarsträubend ist ja dies: Fast jeder vor Ort weiß, dass ein wesentliches Problem des Odenwaldkreises ein korrupter Lokaljournalismus ist.
Dies macht ihn nämlich zur lachhaften Provinz und nicht die Art und Weise und der Umfang, in der städtische Zeitungen die städtischen Leser über den Odenwald bzw. den Odenwaldkreis informieren.
Mit „urbaner Arroganz“ meint Schnur ja letztendlich, dass größere Tageszeitungen nicht ganz so ticken wie das von ihm weitgehend unter Kuratel gehaltene Käseblatt „Odenwälder Echo“.
Würde anderswo die gleiche Hofberichterstattung betrieben wie im devoten Erbacher Blättlein wäre „Kartoffelkönig“ Schnur wohl zufrieden.

Interessanter ist auch, was Wolfgang Hörnlein (Pressedienst -pdh- ) über die anspruchsvolle Diskussion zu den „anspruchsvollen Fragestellungen“ zu berichten weiß.
Hörnlein ist in der Region so ziemlich der einzige freie Journalist, der es wagt, unbotmäßig (urban?) über die lokal Regierenden zu schreiben – und über das lokale Käseblatt bzw. „Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine„.

In Hörnleins Bericht verdient besondere Beachtung vor allem ein Satz:

>Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an.<

Diese Bemerkung von Riebartsch, der beim Darmstädter Echo vor 4 Jahren den langjährigen Chefredakteur Roland Hof ablöste, sollte man (und er selbst) mitnichten als Scherz abtun.
Nichts zeichnete Schnur von Anfang an mehr aus als sein rigoroses Drängen auf eine ihm gefällige Berichterstattung.
Das Geheimnis seiner „Popularität“ liegt gerade hierin begründet. Mehr und vor allem dreister und geschickter als seine Landratskollegen rundherum ließ sich Schnur in der Presse bejubeln.
Gerne wüsste man, wie oft er telefonisch oder persönlich die „Chefredakteure“ des Echo unter Druck setzte. Vor allem den unfähigen Gerhard Grünewald in Erbach.
Kann man darauf hoffen, dass eines Tages ein lokaler Journalist auspackt und erzählt, wieunter dem Landrat des Odenwalkreisesgelitten, gedient und berichtet wurde?

Bekannt und belegt ist, wie er die hasenherzigen Odenwälder Grünen davon abhalten wollte, eine ihm ungenehme parlamentarische Anfrage zur „Bürgerfreundlicheit“ seiner Verwaltung publik zu machen.
[Eine umfangreiche Dokumentation zeigt, wie Schnur und seine Administration dabei vorgingen:
Was dann danach wieder ins Internet gesetzt werden sollte, das wäre dann wirklich nach dem Gespräch mit Landrat Horst Schnur zu entscheiden„]

Nun aber Wolfgang Hörnleins lesenswerter Bericht über die Podiumsdiskussion zur „Medialen Wahrnehmung des Odenwaldkreises“ (auch hier sind die Hervorhebungen von uns)

>Anfang September des Jahres 2004 schäumte der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, ganz gewaltig. Gerade war er von einer Veranstaltung aus Darmstadt zurückgekehrt und hatte das fragliche Vergnügen gehabt, mit dem Verleger der einzigen Tageszeitung zusammenzutreffen, die in seinem Landkreis erscheint. Er hatte sich in einem Gespräch am Rande des Meetings über die mangelnde mediale Wahrnehmung seines Kreises beschwert und war aufgelaufen. Der bissige Kommentar des Landrats: „Die urbane Arroganz dieser Burschen ist nicht zu toppen.“

Journalisten und Verleger lassen sich nun einmal nicht kritisieren, das erledigen sie am liebsten selbst. Doch der Landrat des Odenwaldkreises wäre nicht Horst Schnur, wenn er die Abfuhr damals auf sich hätte beruhen lassen. Am vergangenen Donnerstag fand in einem Erbacher Autohaus eine Podiumsdiskussion der Odenwald-Akademie statt, das Thema hieß „Wie wird der Odenwaldkreis wahrgenommen?“ mit dem Untertitel „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.

In seinem Einführungsstatement wärmte Professor Hans Reiner Böhm, Leiter des Fachgebietes Umwelt- und Raumplanung der Technischen Universität Darmstadt, das Publikum schon einmal vor, indem er es mit der Feststellung provozierte, es sei alles harmonisch und nett im Odenwaldkreis.
Die urbane Arroganz trat dann allerdings sehr schnell wieder in den Vordergrund, als der Lokalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Peter Lückemeier, staubtrocken erklärte, sein Blatt empfinde keineswegs irgendeine Verantwortung für den ländlichen Raum.

Wenn der Hessische Rundfunk, vor Ort vertreten durch Peter John, Studioleiter im hr-Studio in Darmstadt, eine gewisse Verantwortung empfinde und dem Odenwaldkreis eine Quote in der Rundfunk-Berichterstattung einräume, dann sei das dem Gebührenzahler geschuldet.
Der Odenwaldkreis sei kein Kerngebiet der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main und von daher für die FAZ-Leser nicht interessant. Der Abriss eines Hüttendorfes im Kelsterbacher Wald sei allemal wichtiger als Alltagsnachrichten aus der südlichen Provinz. Man habe keineswegs die Aufgabe oder Absicht, missionarisch aus dem und über den Odenwald zu berichten.

Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an, Chefredakteur des Darmstädter Echo und Prokurist des Medienhauses Südhessen.
Im Übrigen, so war man sich einig, gebe es eine Bringschuld des Kreises, wenn er sich nicht angemessen in den Medien wiederfinde, dann sei die eigene Präsentation möglicherweise optimierbar.

Unter der Diskussionsleitung des Vorsitzenden des Vorstands des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Darmstadt (DLR), Professor Johann-Dietrich Wörner, kamen die Diskutanten und die sehr engagierten Zuhörer in ihrer Fragerunde zur Bestätigung ihrer bisherigen Auffassung. Die Außendarstellung des Kreises dürfe durchaus professioneller und medienwirksamer aufbereitet werden, auch wenn diese nicht zum kleinen Preis zu haben sei. Andererseits bestand Landrat Horst Schnur darauf, dass auch bei notwendiger Verbesserung der Medienarbeit durch den Kreis dieser als Teil der Metropolregion Rhein-Main einen Anspruch auf bessere Wahrnehmung durch die Großstadt-Medien habe. Man fühle sich abgeschnitten vom Rest der Metropolregion, der der Kreis vieles biete, was von arroganten oder nicht gut informierten Redakteuren nicht wahrgenommen werde.<

Zum Abschluss weisen wir auf etwas hin, das den Odenwälder Landrat Schnur ein wenig trösten könnte.
Fast exakt drei Jahre vor seinem Lamento über die „Arroganz“ der den Odenwaldkreis (und ihn) zu wenig würdigenden urbanen Medien durchbrach nämlich die Frankfurter Rundschau Arroganz und Ignoranz gleichermaßen.
Unter der Überschrift „Odenwald Geschichten – Job-Center-Chefin organisiert im Internet ein kräftiges Eigenlob“ berichtete die SPD-nahe Tageszeitung über Vorgänge in Schnurs Jobcenter und unserem Weblog.
Schnurs Mitarbeiterin Sandra Schnellbacher hatte damals ein kurioses Eigenlob in unserem Kommentarbereich „organisiert“ – und so tatsächlich ein höchst peinliches Eigentor geschossen.
Darüber berichtete die Frankfurter Rundschau und – oh Wunder! – darüber schwiegen konsequent die vor Ort ansässigen und unter Schnur leidenden (Chef-) Redakteure des Odenwälder Echo.
Kein Leser des Odenwälder Echo oder des Darmstädter Echo erfuhr darin jemals etwas über die skurrile Geschichte um Sandra Schnellbacher alias „Micky“. Eine „provinzielle Arroganz“ und Ignoranz allererster Güte – so ganz nach dem Geschmack von Landrat Horst Schnur.

Silvesterspitzen 2008 – Wolfgang Hörnlein beschert Odenwaldkreis mit einer winterkalten Prise Spott

Bei uns in Schilda: Die wahre Geschichte der Schildbürger nach den Aufzeichnungen des Stadtschreibers Jeremias Punktum

Knapp 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland macht die freiheitlich-demokratische Grundordnung auch im Odenwaldkreis Fortschritte – zumindest partiell.
Der über 6 Jahrzehnte hinweg von stets ein und derselben Partei regierte und verfilzte südhessische Landkreis trägt zwar weiterhin Züge einer semitotalitären Herrschaft.
Dass ein vor Ort tätiger Journalist aber deutliche Kritik an den örtlichen Parteien und auch an den örtlichen Medien übt, ist ein Novum.
Mit seinen Silvesterspitzen 2008 beschert Wolfgang Hörnlein, Betreiber der Presseagentur -pdh- den Odenwaldkreis mit einer kalten Prise Spott – und erinnert dabei von ferne an die Hochzeiten des politischen Kabaretts.
Wer erfahren hat, wie in dem politisch, wirtschaftlich und kulturell zurückgebliebenen Kreis ernsthafte und schmerzhafte Kritik ausgegrenzt und denunziert wird, kann den dazu nötigen Mut gar nicht hoch genug einschätzen.
Dass wir die pdh-Silvesterspitzen veröffentlichen dürfen, erfüllt uns mit spätweihnachtlicher Freude. Sämtliche Hervorhebungen und Links sind übrigens von uns!


Südhessen (pdh) Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2008 in einem nicht näher bezeichneten südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden.

… im kleinen südhessischen Landkreis wird auch Politik betrieben. Nun, nicht ständig, aber manchmal, oder besser, gelegentlich. Abzulesen an den Websites der Parteien. Bis zu achtzehn Monate muss der interessierte Bürger bei einigen örtlichen Parteien auf neue Einträge unter „Aktuelles“ warten. Vorschlag: Statt „Aktuelles“ die Seiten mit „Wie es damals war“ überschreiben.

… die Fusion der beiden größten Städte im Kreis war gescheitert. Nun hat sich einer der beiden „betroffenen“ Bürgermeister im Nachbarkreis beworben… als Landratskandidat. Laufen jetzt schon Vorbereitungen für eine Kreisfusion?

… Neues von der Operettenopposition im kleinen Landkreis im Süden Hessens:
Während in der Regel nicht zu erkennen ist, dass es sich bei den Christdemokraten im Kreis um eine Oppositionspartei handelt, trumpfte die Fraktion endlich einmal kräftig auf.
Als der Posten des Ersten Kreisbeigeordneten vakant wurde, forderte man vehement und öffentlich, diese Funktion nun selbst einmal mit eigenem Personal zu besetzen, nämlich mit dem Landratskandidaten aus den eigenen geschlossenen Reihen, auch Mitglied im Kreistag.
Man war einmal mehr davon ausgegangen, dass solche Posten unter der Hand zwischen den Mehrheitsfraktionen ausgemauschelt werden. Diesmal aber täuschte man sich gründlich:
Entgegen der Vermutung hatte sich der Kreisausschuss an die Landkreisordnung gehalten und den obersten Bewerber von einer Wahlvorschlagliste berufen. Die Opposition hatte eine rechtzeitige Benennung ihres Kandidaten schlicht verschlafen. Merke: Manchmal ist es besser, weiter zu schlafen als im falschen Moment aufzuwachen.

… das beherzigen auch die Tourismus-Manager im kleinen Landkreis. So luden sie am Ende des Jahres zur Tourismuskonferenz ein. Die verstörten Besucher nahmen als einzig greifbares Ergebnis mit nachhause, dass sie nicht allein sind mit ihrem schon länger fehlenden Durchblick in Sachen traditioneller anarchistischer Tourismuspolitik im Kreis.
Das völlige Durcheinander hält an, wie in anderen Bereichen im Kreis wurde viele Programme und Aktivitäten nebeneinander begonnen und stümperhaft fortgeführt.
Auch unter neuer Führung ist nach wie vor das komplette Chaos im Tourismusbereich zu besichtigen, selbst ein Landrat kann die Begriffsverwirrungen um die verschiedenen, teils gegeneinander arbeitenden Teams und Organisationen während der Konferenz nicht mehr aufdröseln. Da hilft auch nicht der rhetorische Rettungsanker „Destination“. Begriffe allein lösen keine Probleme.

… für einige Kinder und deren Pflegeeltern begann das alte Jahr schrecklich. Das Jugendamt des Kreises ließ seine Muskeln spielen und riss eine Pflegefamilie auseinander. Völlig grundlos, wie sich später herausstellte, man war einer gezielten Falschinformation aufgesessen.
Weil sich aber Beamte nicht irren, zog man wissentlich die Sache mit seinen völlig inkompetenten und überforderten Mitarbeitern brachial durch. Kindeswohl ist in etwa das Letzte, was diese Behördenvertreter des Südkreises interessiert.
Unrühmlich auch die Rolle der Kreis-Pressestelle, die ebenso dürftig arbeitete und zu dem Fall gezielte Falschinformationen an die regionale Presse verteilte.
Diese griff begierig zu und druckte ohne eigene Recherchen die Falschmeldung ab. Das Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine brachte die (falsche) Geschichte an prominenter Stelle.

… das zuletzt genannte Blatt wird mittlerweile als neuester Eigenbetrieb des Kreises bezeichnet.

… traditionelle politische Verhältnisse im roten Landkreis wurden wieder hergestellt. Bei der Landtagswahl im Januar verlor die christdemokratische Abgeordnete ihr Direktmandat an den sozialdemokratischen Kollegen, zog wegen guter Platzierung auf der Landesliste dennoch auch wieder in den Landtag ein.

… mit der neu gewonnen Macht konnte die rote Landespartei aber nicht gut umgehen. Einige Gesetze wurden zwar mit linker Mehrheit auf den Weg oder zu Fall gebracht, dann zerbrach der ungestüme Machtwillen der Landesvorsitzenden an einigen aufrechten Mitstreitern.

… die Jusos und auch Mitglieder der erwachsenen Partei im Südkreis bewiesen danach, dass sie von den demokratischen Errungenschaften im Lande nichts halten. Sie forderten vier Abgeordnete, die sich ihrem Gewissen verantwortlich gefühlt hatten, ultimativ zum Rücktritt und Austritt aus ihrer Partei aus.

… dass es sich bei den undemokratischen Vorgängen um keine Entgleisung, sondern um ständig praktisch gelebte Politik dreht, bewies die Partei auch in Sachen Landratswahl, die für den kommenden März geplant ist.
Eine weniger vermittelbare Kandidatin sollte in den Job gehievt werden, indem man einem möglichen Konkurrenten aus der Freien Wählerschaft einen sehr gut dotierten Posten (natürlich auf Kosten des Steuerzahlers) versprach, wenn sich dieser nicht als Gegenkandidat zur Wahl zum Landrat stellte.

… nicht die örtliche, nein die Tageszeitung aus dem Nachbar-Landkreis deckte den geplanten sittenwidrigen Deal auf und veröffentlichte ihn.
Die Parteistrategen gaben daraufhin ihr Ansinnen spontan auf. Das o.g. Zentralorgan wollte seine Leser nicht mit diesen schrecklichen Informationen verstören und verschwieg sie lieber so lange, bis es nicht mehr anders ging. Eine wirklich korrekte Aufklärung über die Manipulationsversuche zweier politischer Parteien auf Kosten der Steuerzahler im Kreis vermissen dessen Leser allerdings noch heute.

… wer nun aber glaubt, dass die andere große, die schwarze Volkspartei, auch „Operettenopposition“ im Kreistag genannt, Nutzen aus der beschriebenen politischen Situation ziehen würde, irrt sich gewaltig. Diese „Opposition zum Liebhaben“ hat einen eigenen Kandidaten zur Landratswahl aufgestellt. Sein Problem: Es weiß keiner.

… wie auch, wenn er noch nicht einmal über eine Website verfügt, während seine rote Konkurrentin täglich bis zu drei Pressemitteilungen über ihre Aktivitäten im Südkreis verschicken und auf ihre homepage setzen lässt.
Die Union merkt noch nicht einmal, dass diese Mitteilungen vom Absender her nicht politisch korrekt verschickt werden. Wenn ein Termin in Vertretung des Landrats eines Kreises wahrgenommen wird, darf sicher das Landratsamt eine Pressemitteilung darüber versenden. Aber doch nicht eine politische Partei mit klassischer Werbeabsicht…..

… Landratswahlen scheinen in südlichen Landkreisen nicht gerade problemlos zu funktionieren. Für die Kandidatennominierung der Sozis im Nachbarkreis, der auch im neuen Jahr seinen Landrat oder seine Landrätin wählt, interessiert sich mittlerweile die Staatsanwaltschaft

… Pressefiasko im westlichsten Gemeindeverband des kleinen Kreises. Die Bürgermeisterwahl ging nicht so aus, wie die West-Genossen vermutet hatten, und auch das Zentralorgan war vernehmbar verstimmt.
Mit einem an Dämlichkeit kaum zu überbietenden Kommentar wurde die tragische Niederlage des roten Kandidaten kräftig beklagt. Die Kommentatorin sorgte mit ihrem Trauergesang für Massenkündigungen der Abonnenten im Kreis. Selbige hatte schon Jahre zuvor mit einem Bericht über eine Museums-Veste im Nachbarkreis die Landesregierung auf Zinne gebracht und darf seither über ein bestimmtes Landes-Eigentum nicht mehr berichten.

… in der Zwischenzeit blieb das Jugendamt des Kreises nicht untätig. Um zu beweisen, dass frühere Vorwürfe nicht unberechtigt waren, wurde erneut das Kindeswohl, diesmal eines einzelnen Knaben, missachtet. Erst nach ausführlicher Berichterstattung und Gerichtsterminen vor dem Oberlandesgericht ließ eine vom Amt beauftragte Verfahrenspflegerin von völlig irren Plänen ab.
Diese sahen vor, einem neunjährigen Jungen noch vor Beendigung der dritten Klasse einen sechsten Schulwechsel und eine Odyssee durch Deutschland zuzumuten. Und das alles nur, weil sie einen Privatkrieg mit der Großmutter des Jungen austrug. Ausgerechnet der wohl weit überforderten Pflegerin widmete das Zentralorgan am Jahresende eine Laudatio, seltsamerweise nur im online-Angebot.

… Frauenpower pur im kleinen Kreis im Süden Hessens. Die Landratswahl könnte mit der Europawahl zusammengelegt werden, Kosteneinsparung etwa 100.000 Euro für den kleinen Kreis. Aber nein, für die Sozialdemokraten tritt eine Frau an. Und der ausgesuchte Wahltermin ist jetzt der 8. März 2009, nämlich… der internationale Tag der Frau. Das muss 100.000 Euro wert sein… honi soit qui mal y pense (Ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet)

… aber damit nicht genug. Der Kandidat der Unabhängigen, der viele Monate den Landrat bei politischen und gesellschaftlichen Terminen vertreten musste, wurde vom Amt kaltgestellt.
Nicht einmal mehr Informationen über Vorgänge oder Termine im politischen Bereich drangen weiter zum offiziellen Vertreter des Landrats durch. Damit wollten die Verantwortlichen im Landratsamt dessen öffentlich wirksamen Auftritte vermeiden.
Nun schickte man lieber die eigene Landrats-Kandidatin auf alle seine Touren, deren Aktivitäten auch noch politisch unkorrekt parteipolitisch vermarktet werden. Raffinierte Logik im Südkreis!

… man kann von Fehlern in der Nachbarschaft lernen, oder auch nicht. Im Jahr 2007 musste ein benachbarter Regionalverband eine Sitzung wegen unkorrekter Einladungen verschieben. Man hatte per E-Mail eingeladen, was in Hessen ausdrücklich in der Gemeindeordnung nicht vorgesehen ist. Der Kreisschuss unseres kleinen südhessischen Kreises lädt zu Ausschusssitzungen ebenfalls regelmäßig ein…per E-Mail.

… das gibt’s wohl nur in diesem Landkreis: bereits weit über zwei Jahre arbeitet ein Rechtsdirektor bei vollen Bezügen beziehungsweise eher nicht, weil er von seinem Amt suspendiert ist.
Aus Angst vor Übergriffen seiner eigenen Behörde auf sich selbst wegen unbotmäßigen Verhaltens hatte er sich zunächst in den entferntesten Zipfel des EU-Raumes geflüchtet. Der „Mann fürs Grobe“ soll am Ende nicht grob genug für sein Amt gewesen sein. Wir hatten schon zweimal darüber berichtet. Fortsetzung folgt 2009.

… der Kreis kann’s nicht lassen. Es kursiert eine Positivliste des Kreisausschusses Hauptabteilung Arbeit und Soziale Sicherung, die Arbeiten auflistet, die nun auch 1-Euro-Jobber erledigen dürfen sollen, besser gesagt „bei drohender Strafe müssen„. Herzerweichend wird davon gesprochen, dass damit das Beschäftigungsangebot „für erwerbsfähige Hilfebedürftige, die keine Arbeit finden“ ausgeweitet wird, unter Punkt 1.18 auch „allgemeine Hilfstätigkeiten im Innen- und Außenbereich zur Unterstützung des Fachpersonal (Hausmeisterhilfsdienste)“. Worauf der Kreisausschuss wohlweislich nicht hinweist: Damit werden erneut sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Kreis gefährdet oder vernichtet, welch soziale Großtat! Merke: Positiv heißt nicht immer positiv.

… die Einladungen zum Kaffee beim Erbgrafen haben den Besucheransturm im nun landeseigenen Grafenschloss nicht wirklich beflügelt. Es kamen noch weniger Kulturbeflissene als im Jahr zuvor ins Schloss in der Kreisstadt. Nehmt’s sportlich: weniger Besucher machen weniger Dreck.

Dies schrieben wir vor einem Jahr:

… Das Thema der mangelnden Breitbandversorgung des Kreises sollte mit der Bundesjustizministerin besprochen werden, doch man hatte sich seitens der Regionalgesellschaft bei deren Besuch sehr schlampig vorbereitet. Selbsterfahrungsgruppe oder Laienspieltruppe, das war hier die Frage.“

heute ist man keinen Schritt weiter. Fortsetzung folgt 2009.

… weitere Politprominenz im Kreis: Die Bundesgesundheitsministerin besuchte das Kreiskrankenhaus, vergrößert, renoviert und erweitert um einen Hubschrauber-Landeplatz. Eine Podiumsdiskussion sollte den Bürgern Informationen bringen. Fragen waren allerdings nicht erwünscht, und auch keine Bilder der Veranstaltung. Ein wild gewordener Tontechniker hatte die Podiumsteilnehmer hinter martialischen und hohen Mikrofonaufbauten versteckt, so dass diese das Publikum kaum erkennen konnten und die Fotografen durch ihre Objektive statt Diskutanten nur noch Mikrofone sahen.

… die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene PostilleKreis regional“ wird noch immer verteilt.
Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Kreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie jetzt seit Jahren selbst.
Dass fast alle bejubelten Personen einer Partei angehören und das Pamphlet ursprünglich ihren plumpen Wahlwerbezwecken diente, ist im Kreis längst in Vergessenheit geraten. Die Beibehaltung des vom Bürger mit jährlich mindestens 100.000 Euro alimentierten Blattes vermeidet zu nächsten Wahlzeiten eine erneute Diskussion wegen Gewohnheitsrechts, und nun ist es soweit, die nächsten Wahlen stehen ins Haus, es hat sich gelohnt…schlau schlau.

… Krokodilstränen der Mehrheitsparteien im Kreistag zur letzten Sitzung im Jahr: Die Linken hatten, unterstützt von den Grünen, eine Weihnachtsbeihilfe für Sozialhilfeempfänger gefordert, wohl wissend, dass eigentlich die Bundesregierung zuständig war. Man würde ja gern, so die anderen Parteien, aber der Regierungspräsident sehe ihnen zu scharf auf die Finger.
Schade eigentlich, denn beim 100.000 Euro teuren Extra-Wahltermin zur Landratswahl und bei den immensen Kosten für die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Parteiwerbepostille in mindestens derselben Höhe hat er auch nicht so scharf hingesehen. Und so ging man von leider nicht zu lösenden Problemen unbelastet in die Weihnachtsferien, die nicht alle Teile der eigenen Bevölkerung ähnlich unbeschwert feiern werden wie die Abgeordneten der Mehrheitsfraktionen des Kreisparlaments.