Archiv der Kategorie: Lokale Medien

Lokaljournalismus kann so lustig sein: „Angesichts des Abrutschens seines Kreises in die Zone solcher Gebiete“

Im September würdigte Spiegel-Online einen grandiosen Auftritt des Schweizer Finanzministers im eidgenössischen Parlament. Unter der Überschrift „Bü-hü-hündnerfleisch!“ urteilte Anna Fischhaber:

>So lustig kann Politik sein: Bürokratisierte Schachtelsätze haben beim Schweizer Bundesrat Hans-Rudolf Merz für eine Lachattacke gesorgt – und aus dem Finanzminister einen YouTube-Star gemacht.<

Aber nicht nur Politik kann lustig sein. Auch Lokaljournalismus kann lustig sein.

Im Odenwald sorgt seit längerem Gerhard Grünewald als Chefredakteur des Odenwälder Echo mit verquasten Schachtelsätzen für (wohl ungewollte) Heiterkeit. Ein neues, realsatirisches Glanzstück findet sich in der aktuellen Ausgabe.
Bereits Titel und Untertitel verraten den Erbacher Meister des journalistisch Absurden:

Odenwaldkreis steht zunehmend leer

Bevölkerungsentwicklung: Region rutscht zu den hessischen Gebieten mit den höchsten prozentualen Einbußen ab

Im dann folgenden Versuch, seinen Lesern die demographische Krise seines Kreises zu erklären, erklimmt Grünewald im Eilschritt die Höhen des mittelgebirgigen Nonsens.

Hätte Hans-Rudolf Merz nicht den O-Ton des Schweizer Zollbeamten Christian Kempter, sondern diesen O-Ton des Odenwälder Echo-Beamten Gerhard Grünewald verlesen müssen, ein Lachanfall bei dem bereits Angeheiterten wäre da wohl auch programmiert gewesen:

>Angesichts des Abrutschens seines Kreises in die Zone solcher Gebiete gibt sich Landrat Dietrich Kübler (ÜWG) optimistisch, dass es sich hier vor allem um den Effekt einer Momentaufnahme handelt, die zudem einer statistischen Besonderheit unterliegt: Ein Aderlass ein und desselben Umfangs wirkt bei von der Einwohnerschaft her klein zugeschnittenen Kreisen prozentual deutlich schlimmer als bei großen.<

In der Schweiz scheint man ja generell gut zu lachen haben, jedenfalls auf hoher politischer Bühne. Bevor Merz so eindrucksvoll seinen Sinn für Humor demonstrierte, hatte das zuvor schon seine Kollegin Doris Leuthard getan, ebenfalls bei der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

Rechnen mit dem Odenwälder Echo: 100 : 4 = 250

Bild

Ganz ehrlich: Auch uns unterlaufen Fehler. Nur wird ein Blogger normalerweise nicht bezahlt. Er ist meist alles in einer Person – es gibt kein Redaktionskollektiv, keinen Chefredakteur.
Beim Odenwälder Echo ist das anders. Leser zahlen (für die Printausgabe), Anzeigenkunden zahlen ebenfalls, die Mitarbeiter werden bezahlt. Der „Chefredakteur“ – im Odenwald ist das Gerhard Grünewald – wird am besten bezahlt.
Eigentlich seltsam, schließlich schreibt er von allen am schlechtesten.
Der heute erschienene Bericht über das Firmenjubiläum der Maßschuhmacherei Hupp wurde von Anne Trumpfheller verfasst. Wir wissen nicht, ob sie auch dessen Überschrift verantwortet: „Maßschuhmacherein überdauert viertel Jahrhundert„. Erfahrung spricht dafür, dass hier der Chefredakteur persönlich seine Finger im Spiel hatte. Mindestens hat er die Überschrift aber abgenickt.
Damit erweist er sich nicht nur als ein Journalist vor dem Herrn, sondern auch als ein Rechner vor dem Herrn. [Von Mathematik wollen wir erst gar nicht reden.]
Im ersten Satz des Berichts nämlich wird die fragliche Zeitspanne genannt: „Seit 250 Jahren alles nach Maß„.
Laut Überschrift soll dies ein „viertel Jahrhundert“ sein. Also 100 : 4 = 250? Das verwundert.
Glücklicherweise gibt es im Web viele hilfreiche Seiten. COSMiQ ist eine davon. Dort werden – vor allem für Leute mit einem unterirdschen IQ – schwierigste Fragen gestellt und beantwortet. Zum Beispiel die Frage „Wie viele Jahre hat ein viertel Jahrhundert?“ Also Herr Grünewald: Das nächste Mal beim Chefredigieren COSMiQ konsultieren!

Jahresrückblick 2009: Wolfgang Hörnlein (pdh) präsentiert neue Odenwälder Silvesterspitzen

silvester silvesterspitzen 2010 odenwald odenwaldkreisNach seinen Silvesterspitzen 2006, 2007 und 2008 legt Wolfgang Hörnlein (Pressedienst pdh) nun für den neuen Jahreswechsel nach. Die Lektüre lohnt. Er erlaubt sich eine eigene Meinung und Kritik auch an jenen, die über (s) eine Karriere entscheiden könnten: Lokalpolitiker, Verlage und Verleger.
Wir haben seine neuen Silvesterspitzen da und dort mit Links garniert. Ebenfalls hinzugefügt wurden Anmerkungen zur vermuteten Identität diverser (fiktiver?) VIPs im „fiktiven südhessischen Landkreis“.

>Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2009 in einem fiktiven südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…

… Der neue Landrat [Anm.: Dietrich Kübler] des Südkreises aus den Reihen der Freien Wähler wird von der schwarzen Landtagsabgeordneten [Anm.: Judith Lannert] im Landtag eingeführt und bekommt eine Audienz beim Landesfürsten [Anm.: Roland Koch]. Der Fotograf der Staatskanzlei schießt ein schönes Foto von den drei Politikern. In den Blättern des kleinen Kreises erscheint das Foto aber nur mit zwei Personen, die Abgeordnete von der „falschen“ weil schwarzen Partei wurde von der Kreistags-Pressestelle einfach abgeschnitten, ein Handlungs-Relikt aus vergangenen 60jährigen „roten“ Zeiten des Kreises und Erinnerung an die stalinistische Ära. Protest des neuen Landrats gegen die eingeübten Praktiken wurde nicht bekannt.

… die Verwaltung der Kreisstadt hat Softwareprobleme: Niemandem fällt auf, dass keine Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl angefordert werden. Werden sie aber, und die Anträge werden auch online entgegengenommen, nur landen sie im Papierkorb des Rathaus-Computers. Einem der Antragsteller fällt kurz vor seinem geplanten Reiseantritt auf, dass die beantragten Briefwahlunterlagen noch immer nicht bei ihm eingetroffen sind. Er tritt eine Lawine los und ein Softwarefehler im Amt wird diagnostiziert, einige Wahlunterlagen noch schnell versendet. Wer alles zu dem Zeitpunkt wegen Abwesenheit schon nicht mehr erreichbar war, wird lieber nicht eruiert.

… das Medienhaus, das den kleinen Landkreis monopolartig mit einer Tageszeitung beliefert, druckt zur Landtagswahl keine Anzeigen und Terminhinweise einer linken Partei. „Publizistische Erwägungen“ benennt der Verleger seine Entscheidung, die selbst seinen Mitarbeitern in der Anzeigenabteilung Magenschmerzen bereitet. Der Verleger [Anm.: Dr. Hans-Peter Bach] höchstselbst wird allerdings wenig später für viel größere Magenschmerzen seiner Mitarbeiter sorgen. Kaum zum Präsidenten der regionalen Industrie- und Handelskammer gewählt, wirft er alle seiner Drucker hinaus und gibt bekannt, sie könnten sich im neuen Druckhaus erneut bewerben, allerdings nur Beschäftigung ohne Tarifbindung zu Dumpinglöhnen erhalten. Wir erwähnen diese erbärmliche Handlungsweise aus „publizistischen Erwägungen“.

… eine Palastrevolution gilt es zu vermelden. Der glücklose schwarze Bürgermeister der Kreisstadt [Anm.: Harald Buschmann] setzt erst die Fusion mit der Nebenstadt in den Sand, dann auch seine Landratskandidatur im Nachbarkreis. Bereits eine Stunde nach Bekanntgabe des Scheiterns des Fremdgängers setzt ihm seine eigene Partei mittels Pressemitteilung den Stuhl vor die Tür und teilt mit, eine erneute Nominierung zum Stadtführer könne er sich getrost abschminken. Langwierige interne Verhandlungen sorgen Monate später für einen fragilen Burgfrieden. Mittlerweile hat er den Vorsitz der schwarzen Kreistagsfraktion übernommen, auch „Operettenopposition“ genannt. Ein neuer Schritt die Karriereleiter hinauf.

… seinem Leben ein Ende bereitet hat ein älterer Mitbürger der westlichsten Gemeinde des kleinen südlichen Landkreises. Mit Einzelheiten des Suizids haben Polizei und Presse die Lesern zum damaligen Zeitpunkt pietätvoll verschont. Musste er denn auch die Kettensäge anwerfen?

… acht Kriminalromane, zusammengefasst zu einem Sammelband auf der diesjährigen Buchmesse, handeln von Geschehnissen in sieben Gemeinden unseres virtuellen Kleinkreises. Die Autoren hatten im Frühjahr ihre „Tatorte“ in Augenschein genommen. So auch den großen westlichen Ort, der noch über einen historischen Kerker und unheimliche Bergwerksruinen verfügt. Aber den Mord selbst, so bat der dortige neue Bürgermeister, möge der Schriftsteller aus Imagegründen doch bitte in die nördliche Nachbargemeinde verlegen.

… Den Wunsch muss ein Einwohner dieser Nordgemeinde falsch verstanden haben. Er erschoss im Wirkungskreis des neuen Bürgermeisters vor den Augen erschrockener Touristen seelenruhig ein Schaf und verschwand wieder in seiner Nordgemeinde.

… trotz ihres neuen Fraktionsvorsitzenden [Anm.: Harald Buschmann] treibt die größte, schwarze Oppositionspartei [Anm.: CDU] des kleinen Kreises im Süden des Bundeslandes ein Gedankenspiel um, das der geübten Politik der „Opposition zum Liebhaben“ entspricht. Es gibt Überlegungen, so wird kolportiert, aus Mangel an Oppositionswillen und zur Entlastung der unterentwickelten politischen Gestaltungskraft, komplett der sozialdemokratischen Partei beizutreten. Die eigene Kreativabteilung hatte man schon vor Jahren geschlossen.

… nur knapp wurde die erste Amtsenthebung eines Bürgermeisters [Anm.: Gerhard Maser] des Kreises abgewendet. Seit vielen Monaten wird hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand über dessen Unpässlichkeiten, Indispositionen oder äußerst beschwingte Teilnahme an internen Sitzungen berichtet. Oder auch über fehlende Teilnahme. Eine solche nun führte zum Eklat. Dem Vernehmen nach hat die eigene Fraktion für „Öffentlichkeit“ gesorgt und die ersten unüberhörbaren Warnschüsse abgegeben. Um kurz danach allerdings einzuknicken und der Opposition den schwarzen Peter zuzuschieben, den diese umgehend zurückwies. Wir berichten weiter.

… der scheidende Landrat [Anm.: Horst Schnur] wurde noch einmal vorgeführt. Er hatte dem Kreistag den Inhalt eines Schreibens verschwiegen, das Fördergelder abschlägig beschied, weil die angeblich „totalen Innovationen“ einer neuen Industrieansiedlung bereits woanders Routine und damit alles andere als innovativ-förderungswürdig waren. Den Landrat irritierte indes nicht etwa die Enttarnung, er wollte tatsächlich nur wissen, wie die Opposition an das Schreiben gelangt war. Wahrscheinlich, um solch unangenehme Aufklärungswege künftig zu unterbinden.

… selbiger Ex-Landrat denkt nach seinem Rückzug nicht an die Privatsphäre. Er hat sich unlängst erst einmal in viele politische und Aufsichtsgremien in der Wirtschaft wählen lassen, um seinem Nachfolger von der falschen Partei noch häufig kräftig in die Suppe zu spucken.

… der rote Kreis wird langsam schwarz. Definitiv keine erfreuliche Periode der Sozialdemokraten. Das Landratsamt geht nach 60 Jahren weg von den Sozis, hin zu den Freien Wählern. Der neue Landrat will nun zunächst einmal Arbeitsplatzbeschreibungen einführen. Richtig gelesen, es gab keine. In Kürze werden über 500 Beschäftige erstmals schriftlich erfahren, was sie eigentlich zu tun haben

…das direkte Landtagsmandat des Kreises gewann die schwarze Kandidatin zurück, nur ein Jahr lang hatte sich der rote Abgeordnete des zurückeroberten Mandats erfreuen können. Im Bundestags sieht es ähnlich aus, die schwarze Kandidatin dort baute ihren Vorsprung und die Sozis gingen leer aus.

… da hatte auch der kostenlose rote Wahlkampfbus, eine Zugabe des eigenen „gemeinnützigen“ Arbeitgebers, dem Bewerber um das Bundestagsmandat [Anm.: Detlev Blitz] nichts retten können. Es bleibt kein Wahlsieg des roten Kandidaten, aber zumindest ein kräftiges „Geschmäckle“…

… eine überregionale eher rote Tageszeitung mit Hauptsitz in der Mainmetropole schreibt seit Jahren rote Zahlen und musste unlängst durch eine Bürgschaft des schwarzen Landesfürsten gerettet werden. Dennoch setzte sich der Niedergang der Zeitung fort und so entschied man sich als Sparmaßnahme zu Redaktionsschließungen, dafür aber das oben erwähnte Medienhaus um Zulieferung der südlichen Regionalseiten zu bitten. Ausgerechnet! Man bleibt also konsequent der Strategie des kräftig sinkenden Niveaus treu. Besonderer Clou: Die provinziellen Blattmacher lassen sich aus Gründen der Kosteneinsparung vermehrt ihre Berichte und dazugehörende Fotos von Vereinen, Parteien, Firmen und Gemeinden zusenden, sparen also Text- und Bildhonorare, verkaufen diese „Berichte“ dann z.T. an den neuen Kunden. Eine wahrlich optimale Wertschöpfung und ein großer Schritt im rasanten Niedergang des regionalen Journalismus.

… die Luft der großen weiten Welt durften die Aufsichtsräte des regionalen Energieversorgers [Anm.: HSE] , zum Teil begleitet von den Ehepartnern, schnuppern, mindestens einmal jährlich, mehrtägig und kostenlos. Nun will es die Regel, dass Bürgermeister und Landräte, auch in unserem Südkreis, durch ihr Amt automatische Aufsichtsräte waren. Vorteilsannahme im Amt, meinte die Staatsanwaltschaft. Achtzig von ihnen haben im zu Ende gehenden Jahr unterschiedliche Post bekommen, von der Niederschlagung wg. Geringfügigkeit oder später Einsicht bis zur Zahlungsaufforderung in den härteren und uneinsichtigen Fällen im fünfstelligen Euro-Bereich.

… mangelnde positive oder zumindest korrekte Außenwahrnehmung seines Kreises bei den größeren Tageszeitungen in der nahen Metropole vermisste der scheidende Landrat während einer größeren Veranstaltung. Er warf deren Redakteuren „urbane Arroganz“ vor. Und das zum Teil sehr zu Recht. Zum anderen Teil aber auch nicht. Auch wohlmeinenden Journalisten fehlte häufig der Überblick über das programmatische und dadurch auch mediale Durcheinander, das der Kreis und vor allem sein Vorturner anrichteten. Der schien es nicht einmal zu bemerken. Von daher war es gut, dass zwei Großstadtschreiber einmal, wenn auch unerträglich arrogant, deutlich auf krasse medientechnische Defizite der Kreisleitung hinwiesen. Überall wollte der Kreis vorn mit dabei sein, nichts war schöner für den ersten politischen Beamten als der oft ausgestoßene Spruch, das gibt es nur bei mir im Kreis, dort und dort sind wir sogar international führend. Weil ja auch unsere Berge höher sind als die Alpen, sie stecken nur tiefer im Boden… Nur: Die Nachhaltigkeit im kleinen Kreis ist das Manko, gerade hat man ein neues Projekt gestartet, also eine neue Sau durchs Dorf getrieben, da wird sie bereits uninteressant. Sie wird noch nicht einmal geschlachtet, sie bleibt einfach irgendwo stehen und verhungert. So ging es einer Vielzahl von durchaus ehrgeizigen Projekten, die einfach im Sande verliefen und die sehr engagierten Teilnehmer in die Verzweiflung trieben.

… die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene Postille „Kreis regional“ wird noch immer kostenlos an alle Haushalte im kleinen Kreis verteilt. Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Landkreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie jetzt seit Jahren penetrant selbst. Der neue Landrat fand bisher nicht die Kraft, die ursprünglich als rote Wahlkampfbibel konzipierte Streitschrift einzustellen. Die Bürger des kleinen Kreises kostet das unsägliche Pamphlet jährlich weit mehr als 100.000 Euro.

… das gibt’s wohl nur im diesen Landkreis: bereits weit über drei Jahre arbeitet ein Rechtsdirektor [Anm.: Georg Dürig] bei vollen Bezügen beziehungsweise eher nicht, weil er von seinem Amt suspendiert ist. Aus Angst vor Übergriffen seiner eigenen Behörde auf sich selbst wegen unbotmäßigen Verhaltens hatte er sich zunächst in den entferntesten Zipfel des EU-Raumes geflüchtet. Der „Mann fürs Grobe“ soll am Ende nicht grob genug für sein Amt gewesen sein. Wir hatten schon dreimal darüber berichtet. Fortsetzung folgt 2010.

Darüber lacht der kleine Kreis:

… Die sozialdemokratische Landratskandidatin [Anm.: Erika Ober] hat die Professorin und Parteifreundin zur Neujahrsansprache eingeladen, die sich im Frühsommer zur Bundespräsidentin wählen lassen will. Und holt sie mit dem eigenen Auto vom Flughafen ab. Als Versammlungsort wird die westlichste Gemeinde ihres eigenen Wahlkreises gewählt. Kleines Problem: Sie findet die Gemeinde nicht und irrt mit der Präsidenten-Kandidatin durch ihren eigenen Wahlkreis. Merke: wer Landrätin werden will, sollte zumindest die 15 Gemeinden des eigenen, kleinsten Landkreises des Bundeslandes kennen.<

„Ihr müsst’s uns nicht schwer machen“: Odenwälder Provinzfürst Horst Schnur verlangt von Medien positive Wahrnehmung

… seiner Person sowieso, aber natürlich auch des von ihm seit Menschengedenken (genau genommen seit 1991) regierten Odenwaldkreises.
Was ist schon Frankfurt im Vergleich zur Odenwälder Kapitale Erbach und wer ist schon Petra Roth neben Horst Schnur?
Eine Schande ist es also, dass etwa in der FAZ Horst Schnur und der Odenwaldkreis kaum vorkommen, oder, um es in des Provinzfürsts eigenen Worten zu sagen: eine „urbane Arroganz“.
Ein ellenlanger Artikel auf der Website des Landratsamtes informiert nun über eine Podiumsdiskussion, die am 19. Februar im Erbacher Autohaus Böhm stattfand.
Deren Thema: „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.
Oder, plastischer ausgedrückt, wie sehr und wie oft sollte auch dem städtischen Leser der Duft eines original Odenwälder Kuhfladens in die urbane Nase steigen?

>Namhafte Experten sollten dazu Auskunft geben: Peter Lückemeier, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung/Rhein-Main-Zeitung verantwortlicher Ressortleiter für die Region, Jörg Riebartsch, Chefredakteur der Echo-Zeitungen (Darmstadt) und Peter John, der Leiter des Studios Darmstadt beim Hessischen Rundfunk (HR). Kaum hatten die gut 120 Besucher das Lob des Moderators vernommen, sich überhaupt mit einer so anspruchsvollen Fragestellung auseinander zu setzen, da fühlte sich deren Mehrzahl provoziert.
FAZ-Mann Lückemeier, auf diese Weise personifiziertes Beispiel für von Landrat Schnur kritisch vermerkte „urbane Arroganz“, wollte partout kein Verständnis dafür aufbringen, dass sich der Odenwald, wie Johann-Dietrich Wörner unmissverständlich formulierte, „in den Medien nicht ausreichend vertreten“ fühlt.
Lückemeier machte deutlich, dass „der Odenwald nicht zum Kerngebiet Rhein-Main“ gehört, die Zeitung ihre Grenzen am wirtschaftlichen Interesse orientiert und ihre redaktionellen Kapazitäten ausgereizt sieht.<

So liest man es auf odenwaldkreis.de (die Hervorhebungen sind von uns).

Bild

Im Titel wird der „Kreis-Chef“ zitiert: „Ihr habt’s nicht leicht, aber Ihr müsst’s uns nicht schwer machen„.
Dies nun, die Mahnung eines Lokalpolitikers, gerichtet an die lokale und regionale Presse, entlarvt Schnur als das, was er ist: Ein machtverliebter Autokrat mit einem gebrochenen Verhältnis vor allem zur Pressefreiheit.
So setzt er einmal sich, seine Partei und seine Administration mit dem Wörtchen „uns“ in eins mit dem Landkreis und seinen Bewohnern und gleichzeitig offenbart er, was er von der Presse bzw. den Medien erwartet:
Sie möge es ihm bzw. „uns“ bitte „nicht schwer machen„.

Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin oder ein Ministerpräsident „redete den Medienmachern (so) ins Gewissen.“ (Auch dies übrigens ein Originalzitat aus dem Artikel des Landratsamtes.) Welch ein Ansinnen!
Wir klopfen uns schon selbst an die Brust„, die Medienmacher mögen mitklopfen und vor allem müssen sie es „uns nicht schwer machen„.
Dazu zitieren wir den vor 2 Jahren mit dem Preis der Hamburger Akademie für Publizistik ausgezeichneten
Basler Journalisten
und Medienethiker Philipp Cuen – als Gegenzeuge zu Schnur:

>Der Journalismus muss hinterfragen, in schummrige Sphären der Gesellschaft leuchten, Schwachpunkte aufdecken, Missstände aufzeigen, verunsichern, kritisieren. Wir nennen das die gesellschaftliche Kontroll- und Kritikfunktion. Die Demokratie kann auf diese Funktionen und damit auf den Journalismus nicht verzichten, ohne Schaden zu nehmen.<

Der Odenwaldkreis verzichtet seit Jahrzehnten und vor allem unter Schnur auf diese Funktionen und entsprechend hat er deswegen Schaden genommen.

Haarsträubend ist ja dies: Fast jeder vor Ort weiß, dass ein wesentliches Problem des Odenwaldkreises ein korrupter Lokaljournalismus ist.
Dies macht ihn nämlich zur lachhaften Provinz und nicht die Art und Weise und der Umfang, in der städtische Zeitungen die städtischen Leser über den Odenwald bzw. den Odenwaldkreis informieren.
Mit „urbaner Arroganz“ meint Schnur ja letztendlich, dass größere Tageszeitungen nicht ganz so ticken wie das von ihm weitgehend unter Kuratel gehaltene Käseblatt „Odenwälder Echo“.
Würde anderswo die gleiche Hofberichterstattung betrieben wie im devoten Erbacher Blättlein wäre „Kartoffelkönig“ Schnur wohl zufrieden.

Interessanter ist auch, was Wolfgang Hörnlein (Pressedienst -pdh- ) über die anspruchsvolle Diskussion zu den „anspruchsvollen Fragestellungen“ zu berichten weiß.
Hörnlein ist in der Region so ziemlich der einzige freie Journalist, der es wagt, unbotmäßig (urban?) über die lokal Regierenden zu schreiben – und über das lokale Käseblatt bzw. „Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine„.

In Hörnleins Bericht verdient besondere Beachtung vor allem ein Satz:

>Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an.<

Diese Bemerkung von Riebartsch, der beim Darmstädter Echo vor 4 Jahren den langjährigen Chefredakteur Roland Hof ablöste, sollte man (und er selbst) mitnichten als Scherz abtun.
Nichts zeichnete Schnur von Anfang an mehr aus als sein rigoroses Drängen auf eine ihm gefällige Berichterstattung.
Das Geheimnis seiner „Popularität“ liegt gerade hierin begründet. Mehr und vor allem dreister und geschickter als seine Landratskollegen rundherum ließ sich Schnur in der Presse bejubeln.
Gerne wüsste man, wie oft er telefonisch oder persönlich die „Chefredakteure“ des Echo unter Druck setzte. Vor allem den unfähigen Gerhard Grünewald in Erbach.
Kann man darauf hoffen, dass eines Tages ein lokaler Journalist auspackt und erzählt, wieunter dem Landrat des Odenwalkreisesgelitten, gedient und berichtet wurde?

Bekannt und belegt ist, wie er die hasenherzigen Odenwälder Grünen davon abhalten wollte, eine ihm ungenehme parlamentarische Anfrage zur „Bürgerfreundlicheit“ seiner Verwaltung publik zu machen.
[Eine umfangreiche Dokumentation zeigt, wie Schnur und seine Administration dabei vorgingen:
Was dann danach wieder ins Internet gesetzt werden sollte, das wäre dann wirklich nach dem Gespräch mit Landrat Horst Schnur zu entscheiden„]

Nun aber Wolfgang Hörnleins lesenswerter Bericht über die Podiumsdiskussion zur „Medialen Wahrnehmung des Odenwaldkreises“ (auch hier sind die Hervorhebungen von uns)

>Anfang September des Jahres 2004 schäumte der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, ganz gewaltig. Gerade war er von einer Veranstaltung aus Darmstadt zurückgekehrt und hatte das fragliche Vergnügen gehabt, mit dem Verleger der einzigen Tageszeitung zusammenzutreffen, die in seinem Landkreis erscheint. Er hatte sich in einem Gespräch am Rande des Meetings über die mangelnde mediale Wahrnehmung seines Kreises beschwert und war aufgelaufen. Der bissige Kommentar des Landrats: „Die urbane Arroganz dieser Burschen ist nicht zu toppen.“

Journalisten und Verleger lassen sich nun einmal nicht kritisieren, das erledigen sie am liebsten selbst. Doch der Landrat des Odenwaldkreises wäre nicht Horst Schnur, wenn er die Abfuhr damals auf sich hätte beruhen lassen. Am vergangenen Donnerstag fand in einem Erbacher Autohaus eine Podiumsdiskussion der Odenwald-Akademie statt, das Thema hieß „Wie wird der Odenwaldkreis wahrgenommen?“ mit dem Untertitel „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum„.

In seinem Einführungsstatement wärmte Professor Hans Reiner Böhm, Leiter des Fachgebietes Umwelt- und Raumplanung der Technischen Universität Darmstadt, das Publikum schon einmal vor, indem er es mit der Feststellung provozierte, es sei alles harmonisch und nett im Odenwaldkreis.
Die urbane Arroganz trat dann allerdings sehr schnell wieder in den Vordergrund, als der Lokalchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Peter Lückemeier, staubtrocken erklärte, sein Blatt empfinde keineswegs irgendeine Verantwortung für den ländlichen Raum.

Wenn der Hessische Rundfunk, vor Ort vertreten durch Peter John, Studioleiter im hr-Studio in Darmstadt, eine gewisse Verantwortung empfinde und dem Odenwaldkreis eine Quote in der Rundfunk-Berichterstattung einräume, dann sei das dem Gebührenzahler geschuldet.
Der Odenwaldkreis sei kein Kerngebiet der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main und von daher für die FAZ-Leser nicht interessant. Der Abriss eines Hüttendorfes im Kelsterbacher Wald sei allemal wichtiger als Alltagsnachrichten aus der südlichen Provinz. Man habe keineswegs die Aufgabe oder Absicht, missionarisch aus dem und über den Odenwald zu berichten.

Unter dem Landrat des Odenwaldkreises habe schon jeder Chefredakteur des Echo gelitten, merkte Jörg Riebartsch scherzhaft an, Chefredakteur des Darmstädter Echo und Prokurist des Medienhauses Südhessen.
Im Übrigen, so war man sich einig, gebe es eine Bringschuld des Kreises, wenn er sich nicht angemessen in den Medien wiederfinde, dann sei die eigene Präsentation möglicherweise optimierbar.

Unter der Diskussionsleitung des Vorsitzenden des Vorstands des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Darmstadt (DLR), Professor Johann-Dietrich Wörner, kamen die Diskutanten und die sehr engagierten Zuhörer in ihrer Fragerunde zur Bestätigung ihrer bisherigen Auffassung. Die Außendarstellung des Kreises dürfe durchaus professioneller und medienwirksamer aufbereitet werden, auch wenn diese nicht zum kleinen Preis zu haben sei. Andererseits bestand Landrat Horst Schnur darauf, dass auch bei notwendiger Verbesserung der Medienarbeit durch den Kreis dieser als Teil der Metropolregion Rhein-Main einen Anspruch auf bessere Wahrnehmung durch die Großstadt-Medien habe. Man fühle sich abgeschnitten vom Rest der Metropolregion, der der Kreis vieles biete, was von arroganten oder nicht gut informierten Redakteuren nicht wahrgenommen werde.<

Zum Abschluss weisen wir auf etwas hin, das den Odenwälder Landrat Schnur ein wenig trösten könnte.
Fast exakt drei Jahre vor seinem Lamento über die „Arroganz“ der den Odenwaldkreis (und ihn) zu wenig würdigenden urbanen Medien durchbrach nämlich die Frankfurter Rundschau Arroganz und Ignoranz gleichermaßen.
Unter der Überschrift „Odenwald Geschichten – Job-Center-Chefin organisiert im Internet ein kräftiges Eigenlob“ berichtete die SPD-nahe Tageszeitung über Vorgänge in Schnurs Jobcenter und unserem Weblog.
Schnurs Mitarbeiterin Sandra Schnellbacher hatte damals ein kurioses Eigenlob in unserem Kommentarbereich „organisiert“ – und so tatsächlich ein höchst peinliches Eigentor geschossen.
Darüber berichtete die Frankfurter Rundschau und – oh Wunder! – darüber schwiegen konsequent die vor Ort ansässigen und unter Schnur leidenden (Chef-) Redakteure des Odenwälder Echo.
Kein Leser des Odenwälder Echo oder des Darmstädter Echo erfuhr darin jemals etwas über die skurrile Geschichte um Sandra Schnellbacher alias „Micky“. Eine „provinzielle Arroganz“ und Ignoranz allererster Güte – so ganz nach dem Geschmack von Landrat Horst Schnur.

Silvesterspitzen 2008 – Wolfgang Hörnlein beschert Odenwaldkreis mit einer winterkalten Prise Spott

Bei uns in Schilda: Die wahre Geschichte der Schildbürger nach den Aufzeichnungen des Stadtschreibers Jeremias Punktum

Knapp 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland macht die freiheitlich-demokratische Grundordnung auch im Odenwaldkreis Fortschritte – zumindest partiell.
Der über 6 Jahrzehnte hinweg von stets ein und derselben Partei regierte und verfilzte südhessische Landkreis trägt zwar weiterhin Züge einer semitotalitären Herrschaft.
Dass ein vor Ort tätiger Journalist aber deutliche Kritik an den örtlichen Parteien und auch an den örtlichen Medien übt, ist ein Novum.
Mit seinen Silvesterspitzen 2008 beschert Wolfgang Hörnlein, Betreiber der Presseagentur -pdh- den Odenwaldkreis mit einer kalten Prise Spott – und erinnert dabei von ferne an die Hochzeiten des politischen Kabaretts.
Wer erfahren hat, wie in dem politisch, wirtschaftlich und kulturell zurückgebliebenen Kreis ernsthafte und schmerzhafte Kritik ausgegrenzt und denunziert wird, kann den dazu nötigen Mut gar nicht hoch genug einschätzen.
Dass wir die pdh-Silvesterspitzen veröffentlichen dürfen, erfüllt uns mit spätweihnachtlicher Freude. Sämtliche Hervorhebungen und Links sind übrigens von uns!


Südhessen (pdh) Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2008 in einem nicht näher bezeichneten südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden.

… im kleinen südhessischen Landkreis wird auch Politik betrieben. Nun, nicht ständig, aber manchmal, oder besser, gelegentlich. Abzulesen an den Websites der Parteien. Bis zu achtzehn Monate muss der interessierte Bürger bei einigen örtlichen Parteien auf neue Einträge unter „Aktuelles“ warten. Vorschlag: Statt „Aktuelles“ die Seiten mit „Wie es damals war“ überschreiben.

… die Fusion der beiden größten Städte im Kreis war gescheitert. Nun hat sich einer der beiden „betroffenen“ Bürgermeister im Nachbarkreis beworben… als Landratskandidat. Laufen jetzt schon Vorbereitungen für eine Kreisfusion?

… Neues von der Operettenopposition im kleinen Landkreis im Süden Hessens:
Während in der Regel nicht zu erkennen ist, dass es sich bei den Christdemokraten im Kreis um eine Oppositionspartei handelt, trumpfte die Fraktion endlich einmal kräftig auf.
Als der Posten des Ersten Kreisbeigeordneten vakant wurde, forderte man vehement und öffentlich, diese Funktion nun selbst einmal mit eigenem Personal zu besetzen, nämlich mit dem Landratskandidaten aus den eigenen geschlossenen Reihen, auch Mitglied im Kreistag.
Man war einmal mehr davon ausgegangen, dass solche Posten unter der Hand zwischen den Mehrheitsfraktionen ausgemauschelt werden. Diesmal aber täuschte man sich gründlich:
Entgegen der Vermutung hatte sich der Kreisausschuss an die Landkreisordnung gehalten und den obersten Bewerber von einer Wahlvorschlagliste berufen. Die Opposition hatte eine rechtzeitige Benennung ihres Kandidaten schlicht verschlafen. Merke: Manchmal ist es besser, weiter zu schlafen als im falschen Moment aufzuwachen.

… das beherzigen auch die Tourismus-Manager im kleinen Landkreis. So luden sie am Ende des Jahres zur Tourismuskonferenz ein. Die verstörten Besucher nahmen als einzig greifbares Ergebnis mit nachhause, dass sie nicht allein sind mit ihrem schon länger fehlenden Durchblick in Sachen traditioneller anarchistischer Tourismuspolitik im Kreis.
Das völlige Durcheinander hält an, wie in anderen Bereichen im Kreis wurde viele Programme und Aktivitäten nebeneinander begonnen und stümperhaft fortgeführt.
Auch unter neuer Führung ist nach wie vor das komplette Chaos im Tourismusbereich zu besichtigen, selbst ein Landrat kann die Begriffsverwirrungen um die verschiedenen, teils gegeneinander arbeitenden Teams und Organisationen während der Konferenz nicht mehr aufdröseln. Da hilft auch nicht der rhetorische Rettungsanker „Destination“. Begriffe allein lösen keine Probleme.

… für einige Kinder und deren Pflegeeltern begann das alte Jahr schrecklich. Das Jugendamt des Kreises ließ seine Muskeln spielen und riss eine Pflegefamilie auseinander. Völlig grundlos, wie sich später herausstellte, man war einer gezielten Falschinformation aufgesessen.
Weil sich aber Beamte nicht irren, zog man wissentlich die Sache mit seinen völlig inkompetenten und überforderten Mitarbeitern brachial durch. Kindeswohl ist in etwa das Letzte, was diese Behördenvertreter des Südkreises interessiert.
Unrühmlich auch die Rolle der Kreis-Pressestelle, die ebenso dürftig arbeitete und zu dem Fall gezielte Falschinformationen an die regionale Presse verteilte.
Diese griff begierig zu und druckte ohne eigene Recherchen die Falschmeldung ab. Das Zentralorgan der Freiwilligen Feuerwehren und Karnevalsvereine brachte die (falsche) Geschichte an prominenter Stelle.

… das zuletzt genannte Blatt wird mittlerweile als neuester Eigenbetrieb des Kreises bezeichnet.

… traditionelle politische Verhältnisse im roten Landkreis wurden wieder hergestellt. Bei der Landtagswahl im Januar verlor die christdemokratische Abgeordnete ihr Direktmandat an den sozialdemokratischen Kollegen, zog wegen guter Platzierung auf der Landesliste dennoch auch wieder in den Landtag ein.

… mit der neu gewonnen Macht konnte die rote Landespartei aber nicht gut umgehen. Einige Gesetze wurden zwar mit linker Mehrheit auf den Weg oder zu Fall gebracht, dann zerbrach der ungestüme Machtwillen der Landesvorsitzenden an einigen aufrechten Mitstreitern.

… die Jusos und auch Mitglieder der erwachsenen Partei im Südkreis bewiesen danach, dass sie von den demokratischen Errungenschaften im Lande nichts halten. Sie forderten vier Abgeordnete, die sich ihrem Gewissen verantwortlich gefühlt hatten, ultimativ zum Rücktritt und Austritt aus ihrer Partei aus.

… dass es sich bei den undemokratischen Vorgängen um keine Entgleisung, sondern um ständig praktisch gelebte Politik dreht, bewies die Partei auch in Sachen Landratswahl, die für den kommenden März geplant ist.
Eine weniger vermittelbare Kandidatin sollte in den Job gehievt werden, indem man einem möglichen Konkurrenten aus der Freien Wählerschaft einen sehr gut dotierten Posten (natürlich auf Kosten des Steuerzahlers) versprach, wenn sich dieser nicht als Gegenkandidat zur Wahl zum Landrat stellte.

… nicht die örtliche, nein die Tageszeitung aus dem Nachbar-Landkreis deckte den geplanten sittenwidrigen Deal auf und veröffentlichte ihn.
Die Parteistrategen gaben daraufhin ihr Ansinnen spontan auf. Das o.g. Zentralorgan wollte seine Leser nicht mit diesen schrecklichen Informationen verstören und verschwieg sie lieber so lange, bis es nicht mehr anders ging. Eine wirklich korrekte Aufklärung über die Manipulationsversuche zweier politischer Parteien auf Kosten der Steuerzahler im Kreis vermissen dessen Leser allerdings noch heute.

… wer nun aber glaubt, dass die andere große, die schwarze Volkspartei, auch „Operettenopposition“ im Kreistag genannt, Nutzen aus der beschriebenen politischen Situation ziehen würde, irrt sich gewaltig. Diese „Opposition zum Liebhaben“ hat einen eigenen Kandidaten zur Landratswahl aufgestellt. Sein Problem: Es weiß keiner.

… wie auch, wenn er noch nicht einmal über eine Website verfügt, während seine rote Konkurrentin täglich bis zu drei Pressemitteilungen über ihre Aktivitäten im Südkreis verschicken und auf ihre homepage setzen lässt.
Die Union merkt noch nicht einmal, dass diese Mitteilungen vom Absender her nicht politisch korrekt verschickt werden. Wenn ein Termin in Vertretung des Landrats eines Kreises wahrgenommen wird, darf sicher das Landratsamt eine Pressemitteilung darüber versenden. Aber doch nicht eine politische Partei mit klassischer Werbeabsicht…..

… Landratswahlen scheinen in südlichen Landkreisen nicht gerade problemlos zu funktionieren. Für die Kandidatennominierung der Sozis im Nachbarkreis, der auch im neuen Jahr seinen Landrat oder seine Landrätin wählt, interessiert sich mittlerweile die Staatsanwaltschaft

… Pressefiasko im westlichsten Gemeindeverband des kleinen Kreises. Die Bürgermeisterwahl ging nicht so aus, wie die West-Genossen vermutet hatten, und auch das Zentralorgan war vernehmbar verstimmt.
Mit einem an Dämlichkeit kaum zu überbietenden Kommentar wurde die tragische Niederlage des roten Kandidaten kräftig beklagt. Die Kommentatorin sorgte mit ihrem Trauergesang für Massenkündigungen der Abonnenten im Kreis. Selbige hatte schon Jahre zuvor mit einem Bericht über eine Museums-Veste im Nachbarkreis die Landesregierung auf Zinne gebracht und darf seither über ein bestimmtes Landes-Eigentum nicht mehr berichten.

… in der Zwischenzeit blieb das Jugendamt des Kreises nicht untätig. Um zu beweisen, dass frühere Vorwürfe nicht unberechtigt waren, wurde erneut das Kindeswohl, diesmal eines einzelnen Knaben, missachtet. Erst nach ausführlicher Berichterstattung und Gerichtsterminen vor dem Oberlandesgericht ließ eine vom Amt beauftragte Verfahrenspflegerin von völlig irren Plänen ab.
Diese sahen vor, einem neunjährigen Jungen noch vor Beendigung der dritten Klasse einen sechsten Schulwechsel und eine Odyssee durch Deutschland zuzumuten. Und das alles nur, weil sie einen Privatkrieg mit der Großmutter des Jungen austrug. Ausgerechnet der wohl weit überforderten Pflegerin widmete das Zentralorgan am Jahresende eine Laudatio, seltsamerweise nur im online-Angebot.

… Frauenpower pur im kleinen Kreis im Süden Hessens. Die Landratswahl könnte mit der Europawahl zusammengelegt werden, Kosteneinsparung etwa 100.000 Euro für den kleinen Kreis. Aber nein, für die Sozialdemokraten tritt eine Frau an. Und der ausgesuchte Wahltermin ist jetzt der 8. März 2009, nämlich… der internationale Tag der Frau. Das muss 100.000 Euro wert sein… honi soit qui mal y pense (Ein Schelm, wer Absicht dahinter vermutet)

… aber damit nicht genug. Der Kandidat der Unabhängigen, der viele Monate den Landrat bei politischen und gesellschaftlichen Terminen vertreten musste, wurde vom Amt kaltgestellt.
Nicht einmal mehr Informationen über Vorgänge oder Termine im politischen Bereich drangen weiter zum offiziellen Vertreter des Landrats durch. Damit wollten die Verantwortlichen im Landratsamt dessen öffentlich wirksamen Auftritte vermeiden.
Nun schickte man lieber die eigene Landrats-Kandidatin auf alle seine Touren, deren Aktivitäten auch noch politisch unkorrekt parteipolitisch vermarktet werden. Raffinierte Logik im Südkreis!

… man kann von Fehlern in der Nachbarschaft lernen, oder auch nicht. Im Jahr 2007 musste ein benachbarter Regionalverband eine Sitzung wegen unkorrekter Einladungen verschieben. Man hatte per E-Mail eingeladen, was in Hessen ausdrücklich in der Gemeindeordnung nicht vorgesehen ist. Der Kreisschuss unseres kleinen südhessischen Kreises lädt zu Ausschusssitzungen ebenfalls regelmäßig ein…per E-Mail.

… das gibt’s wohl nur in diesem Landkreis: bereits weit über zwei Jahre arbeitet ein Rechtsdirektor bei vollen Bezügen beziehungsweise eher nicht, weil er von seinem Amt suspendiert ist.
Aus Angst vor Übergriffen seiner eigenen Behörde auf sich selbst wegen unbotmäßigen Verhaltens hatte er sich zunächst in den entferntesten Zipfel des EU-Raumes geflüchtet. Der „Mann fürs Grobe“ soll am Ende nicht grob genug für sein Amt gewesen sein. Wir hatten schon zweimal darüber berichtet. Fortsetzung folgt 2009.

… der Kreis kann’s nicht lassen. Es kursiert eine Positivliste des Kreisausschusses Hauptabteilung Arbeit und Soziale Sicherung, die Arbeiten auflistet, die nun auch 1-Euro-Jobber erledigen dürfen sollen, besser gesagt „bei drohender Strafe müssen„. Herzerweichend wird davon gesprochen, dass damit das Beschäftigungsangebot „für erwerbsfähige Hilfebedürftige, die keine Arbeit finden“ ausgeweitet wird, unter Punkt 1.18 auch „allgemeine Hilfstätigkeiten im Innen- und Außenbereich zur Unterstützung des Fachpersonal (Hausmeisterhilfsdienste)“. Worauf der Kreisausschuss wohlweislich nicht hinweist: Damit werden erneut sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Kreis gefährdet oder vernichtet, welch soziale Großtat! Merke: Positiv heißt nicht immer positiv.

… die Einladungen zum Kaffee beim Erbgrafen haben den Besucheransturm im nun landeseigenen Grafenschloss nicht wirklich beflügelt. Es kamen noch weniger Kulturbeflissene als im Jahr zuvor ins Schloss in der Kreisstadt. Nehmt’s sportlich: weniger Besucher machen weniger Dreck.

Dies schrieben wir vor einem Jahr:

… Das Thema der mangelnden Breitbandversorgung des Kreises sollte mit der Bundesjustizministerin besprochen werden, doch man hatte sich seitens der Regionalgesellschaft bei deren Besuch sehr schlampig vorbereitet. Selbsterfahrungsgruppe oder Laienspieltruppe, das war hier die Frage.“

heute ist man keinen Schritt weiter. Fortsetzung folgt 2009.

… weitere Politprominenz im Kreis: Die Bundesgesundheitsministerin besuchte das Kreiskrankenhaus, vergrößert, renoviert und erweitert um einen Hubschrauber-Landeplatz. Eine Podiumsdiskussion sollte den Bürgern Informationen bringen. Fragen waren allerdings nicht erwünscht, und auch keine Bilder der Veranstaltung. Ein wild gewordener Tontechniker hatte die Podiumsteilnehmer hinter martialischen und hohen Mikrofonaufbauten versteckt, so dass diese das Publikum kaum erkennen konnten und die Fotografen durch ihre Objektive statt Diskutanten nur noch Mikrofone sahen.

… die mit öffentlichen Mitteln herausgegebene PostilleKreis regional“ wird noch immer verteilt.
Es handelt sich um eine Selbstbeweihräucherung der Ämter und Eigenbetriebe im Kreis, die sich und ihre Leistungen in der Tagespresse nicht ausreichend gewürdigt und bejubelt fühlten. Dies erledigen sie jetzt seit Jahren selbst.
Dass fast alle bejubelten Personen einer Partei angehören und das Pamphlet ursprünglich ihren plumpen Wahlwerbezwecken diente, ist im Kreis längst in Vergessenheit geraten. Die Beibehaltung des vom Bürger mit jährlich mindestens 100.000 Euro alimentierten Blattes vermeidet zu nächsten Wahlzeiten eine erneute Diskussion wegen Gewohnheitsrechts, und nun ist es soweit, die nächsten Wahlen stehen ins Haus, es hat sich gelohnt…schlau schlau.

… Krokodilstränen der Mehrheitsparteien im Kreistag zur letzten Sitzung im Jahr: Die Linken hatten, unterstützt von den Grünen, eine Weihnachtsbeihilfe für Sozialhilfeempfänger gefordert, wohl wissend, dass eigentlich die Bundesregierung zuständig war. Man würde ja gern, so die anderen Parteien, aber der Regierungspräsident sehe ihnen zu scharf auf die Finger.
Schade eigentlich, denn beim 100.000 Euro teuren Extra-Wahltermin zur Landratswahl und bei den immensen Kosten für die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Parteiwerbepostille in mindestens derselben Höhe hat er auch nicht so scharf hingesehen. Und so ging man von leider nicht zu lösenden Problemen unbelastet in die Weihnachtsferien, die nicht alle Teile der eigenen Bevölkerung ähnlich unbeschwert feiern werden wie die Abgeordneten der Mehrheitsfraktionen des Kreisparlaments.

Neues vom Grölojaz Gerhard Grünewald: „Odenwald geht eine Konstante verloren“

Sternstunden der Menschheit. Zwölf historische Miniaturen.Der größte Lokaljournalist aller Zeiten, Gerhard Grünewald, Chefredakteur des Odenwälder Echo, hat dieser Tage wieder ein Zeugnis seines Könnens abgelegt – in Form eines sensiblen und abgrundtief reflektierten Nachrufs auf die im Alter von 78 Jahren verstorbene Inge John.
Wer es nicht wusste, hätte diese Echo-Zeilen ohne weiteres auch Stefan Zweig zuschreiben können, der in seinen zahlreichen Biographien wunderbare Worte für verblichene, große Geister fand.
Sternstunden der Menschheit!
Grünewalds Nachruf „zum Tod der vielfach engagierten Michelstädter Christdemokratin Inge John“ ist jedenfalls eine Sternstunde des Odenwälder Lokaljournalismus und verdient, zitiert zu werden:

>Feste Wertvorstellungen, ausdauernde Einsatzbereitschaft und menschliche Verbindlichkeit – in einer Zeit der Wechselhaftigkeit bildete Inge John über Jahrzehnte hinweg eine Konstante, an der sich Halt finden ließ.
Eine Stütze fanden in der streitbaren Michelstädterin neben ihren Verwandten, Freunden und Bekannten viele Mitbürger – entweder direkt oder über die Entwicklung der Stadt Michelstadt und der CDU. Nun ist auch dieses Beispiel an Verlässlichkeit der Vergänglichkeit erlegen: Die Michelstädter Ehrenstadtverordnete Inge John ist am Samstag im Alter von 78 Jahren gestorben.
Die Christdemokraten können die Eigenschaften der Michelstädterin wohl mit am besten beurteilen, denn in der CDU fand sie ihre persönliche Ethik verkörpert – und brachte sich deshalb im Gegenzug in die Arbeit dieser Partei und auf diesem Weg in die Gesellschaft ein. […]
Ist Inge John als gebürtige Michelstädterin ihrer Heimat doch stets ebenso treu geblieben wie ihrem mit der eigenen Herkunft verbundenen Selbstbewusstsein. Als älteste von vier Töchtern des Metzgermeisters Jakob Schlörit und Mitinhaberin eines Landmaschinenhandels, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Gotthard John führte, stand die Christdemokratin stets mitten im Leben. Wahrscheinlich gab ihr dies das Gespür, dessen es bedarf, um Erfordernisse der Zeit früh zu erkennen und entsprechend zu handeln.< [Alle Hervorhebungen von uns]

Ja, „wahrscheinlich“ war das so.
Übertroffen wird Inge John allerdings von der „Alten Eiche“ am Ortseingang von Dausenau, die schon seit ca. 650 Jahren „eine Konstante“ ist, an der sich buchstäblich Halt finden lässt.
Ihr gegenüber sind wir doch alle nur Variablen. Auch Gerhard Grünewald ist eine menschliche und journalistische Variable, die uns kein x für eine Null vormachen kann.
Konstant bzw. gleichbleibend (und zwar absolut!) ist bei ihm freilich die Qualität seines Schreibens – und dies schon seit über 40 Jahren!
Wenn man sich daran nicht festhalten kann…

Patrick Beuth ist „Regionalen Weblogs“ auf der Spur: „Dummgebabbel und Lokalpolitik“


Bild

Was ist da nur los? Erst vor kurzem war aus einer zugesandten mail zu erfahren, dass nicht nur der Odenwälder Kartoffelkönig Schnur, seine Untergebenen im Landratsamt und seine Hofberichterstatter schräg gegenüber im amtlich widerhallenden Echo zu den regelmäßigen Lesern dieses kleinen Blogs zählen, nein, auch Redakteure des SPIEGEL seien im Rahmen von Recherchen (Dagmar Metzger/ HSE) auf odenwald-geschichten.de fündig geworden.
Es freut auch, dass sich die Odenwald-Geschichten im Wikio-Ranking unter den Top Blogs Deutschland befinden.
Und nun gibt sich und uns auch noch Patrick Beuth durch eine Erwähnung in der Frankfurter Rundschau die Ehre.
In seinem schon Anfang April erschienenen Artikel über hessische Weblogs („Dummgebabbel und Lokalpolitik„) nennt er sechs regional fokussierte Seiten und würdigt zwei südhessische so:

„Diese Seiten gehen über das klassische Tagebuch weit hinaus. Blogger wie Löwenstein und Wellner wollen eine Gegenöffentlichkeit schaffen und Themen aufgreifen, die sie in den etablierten Medien für unterrepräsentiert halten.“

Gemeint sind Peter Löwensteins Regioblog und die Odenwald-Geschichten.
Das ist jedenfalls nicht falsch (bis auf die falsche Schreibung).
Es hätte sich allerdings gelohnt, auch jene (lokale) „Öffentlichkeit“ zu beleuchten, die eine bloggende „Gegenöffentlichkeit“ erst evoziert. Im allerlokalsten Odenwaldkreis etwa handelt es sich um die von dem „etablierten“ Medium „Odenwälder Echo“ (spiritistisch?) hergestellte und repräsentierte Öffentlichkeit.
Vor 2 Jahren hätten sich die „Öffentlichkeit“ des Odenwälder Echo und die der Frankfurter Rundschau für einen Moment sogar kreuzen können.

Bild

Es ging um die „Micky-Affäre„. Deren groteske Umstände machten schon damals die Rundschau (in Gestalt von Frank Methlow) auf die „Odenwald Geschichten“ aufmerksam. In diesem Fall war es eine Geschichte, die gewissermaßen im Landratsamt selbst verfasst wurde.
Von einem Computer der KJC-Abteilungsleiterin Sandra Schnellbacher wurden unter dem Pseudonym „Micky“ wiederholt Jubelkommentare über die Arbeit des Kommunalen Jobcenters versandt.
In unserem Kommentarbereich sind sie auch heute noch erreichbar und lesbar. Wer sich in trüben Stunden erheitern möchte, sollte hereinschauen. Die durch die email-Adresse sschnellbacher@web.de identifizierte Person „Micky“ schrieb beispielsweise dies:

>Ich will arbeiten und hab das meinem Fallmanager auch gesagt. Der hat sich dann auch wirklich gekümmert und mir einiges angeboten. Das das mit dem Geld nicht immer gleich klappt ist auch für mich ärgerlich gewesen, aber nachdem ich mich da mal länger mit meinem Fallmanager und auch dessen Vorgsetztem unterhalten hab, haben die mir mal erklärt woran es hängt. Hey, die Jungs im Job-Center habens doch auch nicht leicht. … Übrigens: Ich hab Arbeit gefunden und bin demnächst nicht mehr auf staatliche Unterstützung angewiesen, allenfalls noch solange, bis ich die erste Kohle von meinem neuen Arbeitgeber habe. Dafür kann ich mich beim Job-Center bedanken.<

[Die neue Geschichte vom ominösen „Bekannten“, einem unbekannten „jungen Mann“, dem Sandra Schnellbacher wiederholt zu später Stunde ihren privaten Computer überlassen haben will, die musste man nicht wirklich glauben. Es ist ganz normal, zumal in der lokalen Administration, dass eine neue Lüge gleich die nächste gebiert. ]

Könnte man sich im Rest der Republik vorstellen, dass solche Zeilen vom Behördenleiter selbst verfasst und versandt werden? Im Odenwaldkreis ist solches vorstellbar … und noch mehr. Davon und von noch mehr handeln die Odenwald-Geschichten.
Könnte man sich im Rest der Republik vorstellen, dass eine solche Affäre von der örtlichen Zeitung komplett totgeschwiegen wird? Im Odenwaldkreis ist derartiges nicht nur vorstellbar sondern sogar die Regel.
Insbesondere die journalistischen Zustände ähneln hier denen der untergegangenen (Prä-Perestroika) Sowjetunion.
Man könnte natürlich mit Patrick Beuth euphemistisch sagen, dass etwa das „Micky“-Thema im lokal „etablierten“ Medium Odenwälder Echo „unterrepräsentiert“ war – und zwar mit keinem Wort.
Und dass dieser Blog, schon weil er involviert war, zu dem dort „unterrepräsentierten“ Thema eine Gegenöffentlichkeit geschaffen hat.
Man könnte aber auch denken, dass unter den Bedingungen eines korrumpierten Lokaljournalismus, der sich aus verschiedenen Gründen mit der lokalen politischen (All-) Macht gutstellt, kritische Weblogs ein wenig auch dem Samisdat ähneln.
Aber Samisdat war gestern, heute ist es das Web, das weltweit in totalitär verfassten Gesellschaften die Verbreitung kritischer Texte ermöglicht. Gesegnet sei dafür Tim Berners-Lee.