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Hessischer Verfassungsschützer womöglich in ‚Döner-Mord‘ involviert

… mit dieser jüngsten Schlagzeile wartet nun die FAZ auf.
Von allen Nachrichten der letzten Tage birgt dies mit Abstand die größte Brisanz.

Der SPIEGEL hatte im Juli 2006 über den alten (und neuen?) Verdächtigen Folgendes berichtet:

>Nach 15 Tagen hatten sie ihn eingekreist: Es handelte sich um einen gewissen Herrn R.* aus Nordhessen, einen offenbar guten Kunden von Halit. Doch statt Freude über den Erfolg ergriff die Ermittler blankes Entsetzen – denn der Verdächtige entpuppte sich als hauptamtlicher Außendienstmitarbeiter des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV).

Ein deutscher Geheimdienstbeamter im Strudel eines Serienmordes mit neun Opfern? Bedrohlich huschte der Schatten einer politischen Katastrophe mit kaum absehbaren internationalen Folgen über die hessische Provinz. Unter strengster Geheimhaltung wurde Innenminister Volker Bouffier (CDU) informiert, während die Staatsanwaltschaft diskret ermittelte.

Laut Sicherheitskreisen ist R. seit mehr als zehn Jahren Mitarbeiter des Nachrichtendienstes; er habe eine „blitzsaubere Personalakte“. Zuletzt sei R., der sich „von unten hochgearbeitet“ habe, im Sachgebiet „Ausländerextremismus“ tätig gewesen.

Ob Täter oder nicht – R., der weiterhin formell als Beschuldigter geführt wird, hat in jedem Fall für erheblichen Ärger zwischen Polizei und Geheimdienst gesorgt. Ermittler beklagen, dass sich das LfV „sehr bedeckt“ halte, wenn es um Details aus dem Arbeitsleben seines Beamten gehe. So wisse man bis heute nicht genau, woran R. überhaupt gearbeitet habe. Das LfV wiederum behauptet, der Polizei quasi „jeden Wunsch erfüllt“ und „ein Höchstmaß an Kooperation“ an den Tag gelegt zu haben.

Ein merkwürdiger Ruch wird wohl dennoch anhalten, solange manche Frage offenbleibt: Wird sich beweisen lassen, dass R. wirklich nicht dienstlich im Internet-Café war? Ist die Kripo womöglich in eine geheime Operation gerauscht und die Geschichte von R.s seltsamem Doppelleben bloß ein Ablenkungsmanöver?

Nachdem die Festnahme des Verfassungsschützers am Freitag voriger Woche via „Bild“ publik geworden war, gerieten die Mitglieder der Parlamentarischen Kontrollkommission Verfassungsschutz (PKV) im hessischen Landtag in helle Aufregung. Geheimdienst-Aufseher Jörg-Uwe Hahn (FDP) nannte es „unerträglich, dass die Mitglieder des Innenausschusses und der PKV aus der Zeitung von diesem unglaublichen Vorgang erfahren mussten“, Kommissionsvorsitzender Günter Rudolph (SPD) sprach „von einer ungeheuerlichen Missachtung des Parlaments“.< [Hervorhebungen von uns]

Nun ist in der FAZ von „plötzlich neuen Erkenntnissen“ die Rede:

>Am Montagmorgen kamen dann nach mehr als fünf Jahren plötzlich neue Erkenntnisse ans Licht. So hatte der frühere Verfassungsschützer nicht, wie bisher behauptet, das Internetcafé kurz vor der Tat verlassen, sondern er hatte sich entgegen bisheriger Annahmen offenbar doch zum Zeitpunkt der Tat in dem Laden aufgehalten.
Er soll sogar noch Geld auf die Theke gelegt haben, die Gebühr für die Computernutzung. Auch dass in der Wohnung des Mannes neben einem Buch über Serienmorde, herausgegeben von einem Polizeiverlag, Schusswaffen gefunden worden sind, war bislang nicht bekannt.< [Hervorhebungen von uns]

Warum kommen diese Erkenntnisse gerade jetzt ans Licht? War man 2006 (ganz bewusst) unterbelichtet?

UPDATE: Nach Informationen der Bild-Zeitung soll der Verfassungsschützer bei sechs der neun Morde in der Nähe des Tatorts gewesen sein.
Ein Ermittler wird mit diesen Worten zitiert:

>Unfassbar: Dem Verdächtigen wurde entlastend ausgelegt, dass er zum Tatzeitpunkt nur in sechs der neun Morde in der Stadt war.<

In einem Artikel auf stern.de ist außerdem zu lesen:

>Genährt werden die Gerüchte, weil angeblich „legale, illegale Papiere“ für das Trio in dem eingestürzten Haus in Zwickau gefunden wurden. Solche Dokumente stellen Behörden etwa verdeckten Ermittlern oder Kronzeugen aus, die eine neue Identität in Zeugenschutzprogrammen bekommen. Das könnte ein Hinweis für eine Zusammenarbeit zwischen Behörde und Verdächtigen sein.<

Auch Helmut Roewer, früher Chef des hüringischen Verfassungsschutzes, gerät laut stern.de erneut ins Zwielicht:

>Über diese V-Mann-Affäre stürzte der damalige Verfassungsschutzchef Helmut Roewer, der 2000 suspendiert wurde. Der jetzige Chef, Thomas Sippel, versichert, dass er bei seinem Amtsantritt prüfen lassen habe, ob einer aus dem Neonazi-Trio als Informant gearbeitet hat. Darauf hätten sich keine Hinweise ergeben, gleichwohl seien letzte Zweifel nicht beseitigt worden. Denn es stellte sich heraus, dass Roewer Geld aus seinem Budget abgezweigt habe, um damit eine Quelle zu bezahlen, die er bis heute nicht genannt hat. Als „ungewöhnlich aber denkbar“ bezeichnete Sippel gegenüber dem „Focus“ es, dass sein Vorgänger Quellen „auf eigene Rechnung“ unterhalten habe.<

Bislang war kaum ein deutscher Krimi gut genug, um in den USA durch ein filmisches Remake geadelt zu werden.
Die Geschichte um den ‚Nationalsozialistischen Untergrund‘ und die peinlichen Verwicklungen der deutschen Verfassungsschutzämter hätten das Zeug dazu.
Aus der Warte eines Drehbuchschreibers ist das großes Kino.

Erfurt – Emsdetten – Winnenden: Verläuft bei der Terrorbekämpfung eine zweite Front quer durch deutsche Kinderzimmer?

School Shootings. Über die Relevanz der Phantasie für die Begehung von Mehrfachtötungen durch Jugendliche

34 Personen wurden in den Jahren 1971 – 1993 durch die RAF getötet. Diese Zahl nennt Wikipedia. Sie nennt auch die Namen der Toten.
Die beiden Teenager Robert Steinhäuser und Tim Kretschmer können sich, was die Zahl ihrer Opfer angeht, mit der RAF durchaus messen.
Die erschütterte den Staat, die Amokläufer erschütterten die Herzen.

Der 19 Jahre alte Erfurter ermordete am 26. April 2002 im Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen, der 17 Jahre alte Kretschmer ermordete am 11. März 2009 während seines Amoklaufes in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen.
Anders als im Fall der RAF besteht an der jeweiligen Täterschaft auch kein Zweifel.

Das fast 30 Jahre zurückliegende und bis heute nicht wirklich aufgeklärte Oktoberfestattentat gilt (wiederum laut Wikipedia) „als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte“ – es hatte einen rechtsextremistischen Hintergrund, 13 Menschen starben damals.
Auch hier gilt: Was den Blutzoll betrifft, übertraf sowohl der Amoklauf von Steinhäuser als auch der Amoklauf von Kretschmer den Terrorakt in München.
Islamistische Attentäter, etwa die beiden Kofferbomber, strebten zwar eine hohe Opferzahl an, scheiterten mit ihren Mordplänen aber entweder am eigenen Dilettantismus, am Zufall, an der Wachsamkeit der Geheimdienste oder an allem zusammen – bislang jedenfalls.

In einer satirischen Kolumne war vor 7 Jahren die Frage gestellt worden:

Verläuft bei der Terrorbekämpfung eine zweite Front quer durch bundesdeutsche Kinderzimmer?

Nach dem Amoklauf von Emsdetten und dem jüngsten Amoklauf von Winnenden scheint die Satire von der Realität eingeholt. Die gelangte nun sogar auf das Cover eines bekannten Nachrichtenmagazins.
Der SPIEGEL titelt in seiner neuesten Ausgabe: „Wenn Kinder zu Killern werden„.

So wurde 2002 das gleiche Sujet satirisch erfasst:

>Wer hätte in Deutschland erwartet, dass nach dem Terroranschlag vom 11. September der nächste inländische Terroranschlag nicht von islamistischen Extremisten verübt würde, sondern von einem gescheiterten Gymnasiasten aus Thüringen?
Der hatte seine militärische Grundausbildung statt in afghanischen Camps in örtlichen Schützenvereinen erhalten.
Nur die Nutzung moderner Computerspiele verband den frustrierten Thüringer mit den fanatisierten Terroristen: Diese bereiteten sich mit dem Flugsimulator von Microsoft vor, während sich Robert Steinhäuser mit Counterstrike und Quake für sein Massaker einübte.
Eine irritierende Vorstellung für viele Eltern, denen aus Kinderzimmern das Geballer von Computer- und Videospielen an die Ohren dringt. Lernt der Junge am Computer für die Schule oder für das Leben, oder agiert er eine latente Mordlust aus, trainiert er das Töten?
Für Staatsschützer und Polizeibehörden eröffnet sich neben dem politisch-religiös motivierten Terrorismus quer durch bundesdeutsche Kinder- und Jugendzimmer eine zweite Front, die eine eigene Rasterfahndung nötig macht.
Spielt der Sprössling Quake, Doom, Counterstrike oder Ähnliches? Ist er ein Fan von Schwarzeneggers Terminator und von düsteren Fäkal-Fascho-Bands? Kloppt er gerne zynische Nazi-Sprüche? Ist er ein verschlossener Schulversager? Denkt er bei Matrix eher an Massaker als an Mathematik?
Wenn das und mehr zusammenkommt, müssten die Alarmglocken schrillen, vor allem für Eltern, die abends nicht sicher sind, ob ihr Junge schon schläft oder sich nur als Schläfer tarnt. Die beruhigende elterliche Gewissheit, dass sich der Nachwuchs beim gebannten Starren auf Bildschirmblutbäder nur auf zeitgemäße Weise »unterhält«, am Besten als Teil einer johlenden Gruppe gleich gesinnter Kids – hey, cool Mann, kuck mal wie die Eingeweide rausquellen – diese Gewissheit könnte einer gewissen Beunruhigung weichen.
Zeit, dem Buben bei solchen Vergnügungen Einhalt zu gebieten: Für heute reichts, Robert!<

Nun sieht man, dass der Wahnwitz real werden kann und die Realität wahnwitzig – eigentlich keine neue Erkenntnis.

Und wie soll man werten, was letzte Woche das Odenwälder Echo in gleicher Sache seinen Lesern servierte?
Dessen Redaktion hatte sich „dem aktuellen Anlass gemäß entschieden„, den „Aufsatz“ eines „jungen Odenwälders“ zu veröffentlichen – weil, Zitat, „seine Ausführungen die Bluttat, ihre möglichen Hintergründe und vor allem den öffentlichen Umgang damit einmal aus der Perspektive jener betrachten, deren persönliche Vorlieben mit dem Amoklauf wieder in die öffentliche Diskussion geraten sind.“

Nun ist es zwar durchaus mutig, wenn sich Sven Lautenschläger, so heißt der junge Mann, als Fan von „Killerspielen“, Horrorvideos und „aggressiver Musik“ outet

>Ich selbst würde die von selbst ernannten Experten so gerne genannten Kriterien erfüllen, die angeblich zur Heranbildung eines Amokläufers beitragen.<

Man glaubt dem 26 Jahre alten gelernten Bäcker aber ohne weiteres, wenn er ergänzt:

>Ich hatte aber noch nie auch nur ansatzweise den Gedanken daran, so eine schreckliche Tat zu begehen.
Ich habe ein gutes soziales Umfeld, eine normale Erziehung von meinen Eltern erhalten, einen normalen Bildungsweg durchlaufen, bin berufstätig, habe Perspektiven für meine Zukunft, bin also ein recht anständiges Mitglied der Gesellschaft.<

Nur: Horrorvideos zu konsumieren und Musik der Band „Slipknot“ zu goutieren ist schlicht schlechter Geschmack und muss man schlechten Geschmack unbedingt öffentlich machen?

Die Konklusion, auf die seine Ausführungen hinauslaufen, ist zudem falsch. Niemand hat je behauptet, dass jeder Fan von Killerspielen, Horrovideos und Brüllbands automatisch zum Amokläufer wird. Um dies zu negieren, genügt tatsächlich schon die eine Ausnahme.
Dennoch gibt es Zusammenhänge und eine (Un-) Kultur hat ihre Tiefenwirkung.
Amokläufe von Jugendlichen wie die in Erfurt, Emsdetten und Winnenden gab es in früheren Jahren nicht (sieht man davon ab, dass zwischen 1939 und 1945 eine ganze Nation Amok lief) und dass es sie in den letzten Jahren gab, lag nicht daran, dass das „System und die Gesellschaft an sich versagt haben„.
Lautenschläger, dessen Beitrag auch im Echo-Online-Forum (bisher vergeblich) zur Diskussion gestellt wurde, schreibt zuletzt:

>Würden mehr Jugendliche bessere Perspektiven in diesem Land haben, eine gute Bildung erhalten und in besseren sozialen Verhältnissen aufwachsen, müsste man sich über diese Themen wahrscheinlich viel weniger Gedanken machen.<

Die Person und die Vita von Steinhäuser und Kretschmer führen dieses Argument ad absurdum. Beide wuchsen in guten sozialen Verhältnissen auf und erhielten eine gute Bildung.
Das galt übrigens auch für jene Jugendlichen, die vor 14 Jahren in der Nähe von Dieburg aus dem fahrenden Auto heraus den Heizungsmonteur Peter Wilhelm Kaffenberger erschossen.
Solche Taten erklären sich eben doch – zwar nicht ganz aber teilweise – aus einer vorausgegangenen, systematischen Desensibilisierung.
Killerspiele, Horrovideos und Bands wie Slipknot sind gleichermaßen Agens wie Ausdruck einer kulturellen Verrohung. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dem durch Verbote entgegenzuwirken.

Mobilität hat ihren Preis, vor allem durch zahlreiche Verkehrstote und auch Liberalität hat ihren Preis, ob nun (fast) jeder Waffen in die Hände bekommen kann oder (fast) jeder „kulturelle“ Schrott in die Hirne gelangen kann.

Sven Lautenschläger ist übrigens nicht der einzige junge Odenwälder, der für die Ehrenrettung von Computer-Killerspielern streitet. Stefan Uhrig alias „Kampftiger Sarathai“ trat schon 2006 aus der CDU aus, weil „gerade von Seiten der CDU … Computerspieler teilweise als gemeingefährliche potentielle Gewalttäter hingestellt“ worden seien.
Nun meldet sich der Erbacher erneut zu Wort und fragt, ob nicht auch „VW Polo, Opel Corso und ähnliche Modelle“ verboten werden sollten, weil sie „oft von Jugendlichen gefahren werden … (und) Unfälle mit dieser Art von Auto sehr häufig stattfinden „.

Der Mordanschlag auf Alois Mannichl, die freien Nationalisten München und die Querfront mit Linksextremisten und Islamisten

Braune Kameradschaften. Die militanten Neonazis im Schatten der NPD

Alois Mannichl, der vor 6 Tagen niedergestochene Polizeichef von Passau, ist heute entlassen worden.
Er will sich durch den Mordanschlag nicht einschüchtern lassen und weiter den Rechtsextremismus bekämpfen.
In das Blickfeld der Ermittler gerieten die „Freien Nationalisten München“ um den erst 21 Jahre alten Neonazi Philipp Hasselbach.
Der bestreitet auf seiner Website, dass seine Gruppe für den Anschlag verantwortlich sei, äußert allerdings Verständnis für den („abgedrehten“) Täter:

>Wen wundert schon bei so einer zweifelhaften Bilanz, daß es Menschen gibt, die abdrehen und sich nicht anders zu helfen wissen, wenn die herrschenden Strafgesetze bei jemandem wie Mannichl keine wirkungsvolle Anwendung finden?!<

Alois Mannichl - Hasselbach - PassauSollte der Täter ermittelt werden, dürfte ihm die Gruppe wohl „Rechtshilfe“ gewähren. Auf ihrer Website gibt es Ratschläge etwa für Vorladungen bei der Polizei oder für „DNA-Identitätsfeststellungen“.
Interessant sind die auf der gleichen Seite aufgeführten „Schulungspapiere“, die den ideologischen Hintergrund erhellen. Vermutlich wurden sie von Hasselbach verfasst.
Die Rechtsradikalen suchen erstaunlicherweise den Schulterschluss mit Linksradikalen.
Man habe nämlich erkannt, dass man „zu 80% mit den politische Ansichten“ des Gegenübers übereinstimme und fragt anschließend: „Ist jemand der zu 80% mit meinen Ansichten übereinstimmt mein Feind?

Das (linke) politische Gegenüber scheint sich den Umarmungsversuchen des/der Neonazis offenbar nicht gänzlich verweigert zu haben.

Querfront von Rechts- und Linksradikalen

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Hasselbach spricht von „zahlreichen Gesprächen mit angeblichen politischen Feinden „.
Mancher PDS’ler stehe ihm nicht nur näher als ein CSU’ler, sondern näher sogar als die Republikaner (REP) um Rolf Schlierer.

Zitiert wird eine (angebliche) Umfrage, wonach 28% der PDS-Anhänger sich vorstellen könnten, eine rechtsextreme Partei zu wählen.
Ob dieser Wert nun stimmt oder nicht, Wechselwähler gibt es zweifelsohne auch an den politischen Rändern.
Der Bonner Politikwissenschaftler Harald Bergsdorf hat dieses Politsoziotop eingehend untersucht und erkennt – was die Wurzeln des Rechtsextremismus in Ostdeutschland angeht – „Lebenslügen der PDS“ (pdf).

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Hasselbach jedenfalls sieht die Gemeinsamkeiten zwischen den „nationalen Sozialisten“ und den „internationalen Sozialisten“:

>Ein internationaler Sozialist der gegen einen Irak- Krieg ist, der Israel kritisiert bzw. die Interessen des palästinensischen Volkes vertritt, der wie in Genua, mutig gegen die Globalisierung demonstriert, steht mir politisch viel näher als ein pro-israelischer Konservativer, der die Bush- Krieger und den Irak- Krieg befürwortet.<

Ein geradezu klassischer „internationaler Sozialist“ ist in diesem Sinne der in Michelstadt geborene Künstler Hartmut Barth-Engelbart. Der 61-Jährige Alt-68er ist seinen kommunistischen Idealen unverändert treu geblieben, das schließt sogar eine ungebrochene Loyalität zu und Solidarität mit Robert Mugabe ein. Der gebürtige Odenwälder würde sicher den Teufel tun und sich nie mit einem Neo-Nazi einlassen. Dass ein Neonazi aber 80 oder mehr Prozent Kongruenz mit seinen Ansichten konstatiert – zumal wenn es um Israel geht – das muss der wehrhafte Barth-Engelbart hinnehmen.

Obwohl bei den „radikalen Linken“ derzeit noch „in punkto Querfront große Panik“ herrsche, ist Nationalsozialist Hasselbach nicht ohne Hoffnung:

>Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, ob es wirklich zu einem Bündnis zwischen den beiden, leider noch verfeindeten Fronten, kommen wird. Positiv ist in letzter Zeit das nationale Aktivisten verstärkt linke Demos und Veranstaltungen besuchen.<

Die Rechtsradikalen plündern bereits jetzt die Requisitenkiste des (links-) alternativen Protestes. Auf der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse erscholl aus dumpf-tiefen Männerkehlen:

>Wehrt Euch, leistet Widerstand, gegen Volksverräter hier im Land. Lasst Euch nichts gefallen…<

NS-Revolution und Jihad

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Schließlich entdeckt der Neonazi auch noch Araber, den Islam und die Islamisten als potentielle Bündnispartner:

>Wenn man bedenkt das in Syrien nach dem Koran, „Mein Kampf“ das meistverkaufte Buch ist, das in syrischen Schulbüchern eine gewisse Lüge entlarvt wird, dann frage ich mich wirklich, ob diese Leute nicht gute Partner für uns sind. Die „Protokolle der Weisen von Zion“ verbreiten sich in der arabischen Welt momentan wie ein Feuer. NS- Literatur und revisionistische Schriften sind in fast jeder arabischen Buchhandlung zu finden.<

Eine gute Adresse ist in diesem Zusammenhang der sonst u.a. für die rotbraune Zeitschrift „Junge Welt“ tätige israelkritische Publizist Jürgen Cain Külbel.
Er kennt sich in Syrien besonders gut aus, schließlich ist er tätig für Syriens „erste private Tageszeitung“ AL WATAN.
Zumindest in einer unter dem gleichem Namen in Katar erscheinenden Zeitschrift, scheint auch der Antisemitismus zu grassieren.

Aber zurück zu dem Neonazi Hasselbach.
BildDer freut(e) sich, „dass unter den Arabern ein hitziges, militantes Gewaltdenken grassiert. Durch einen Irak- Krieg können terroristische Aktivitäten auf die USA freigesetzt werden.“
Jedenfalls seien die „islamistische Fundamentalisten, die besten Bündnispartner, die sich ein freies Europa vorstellen kann„.

Am Ende kommt schließlich der nazistisch-jihadistische Gleichschritt marsch:

>Abschließend ist noch zu erwähnen, dass sich Nationalisten solidarisch mit den in Deutschland lebenden Arabern zeigen sollten und weiter den Kontakt zu unseren arabischen Brüdern im Kampfe suchen sollten, um die NS- Revolution und den Jihad voranzutreiben.<

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Die in ihrem Kampf gegen die befürchtete Islamisierung Europas immer weiter nach rechtsaußen driftende „proamerikanische“ und „proisraelische“ Website „Politically Incorrect“ macht sich über den Mordanschlag auf Mannichl lustig und bekundet der NPD vorsorglich ihre Solidarität. Unser Rat: Irre aller Lager, vereinigt Euch!

 

„Junge Welt“ solidarisiert sich mit der RAF und Christian Klar: „Unsere Moral“ und Euer Mogadischu

BildDies vorweg: Christian Klar, der nach 26 Jahren Gefängnishaft demnächst in die Freiheit entlassen wird, war natürlich ein ideologisch motivierter Täter.
Das wird die Kinder von Jürgen Ponto, an dessen Ermordung Klar unmittelbar beteiligt war, wenig trösten.
Es wird auch Edith Kletzhändler nicht mehr helfen, die bei einem von Klar und anderen verübten Banküberfall in Zürich in den Kugelhagel geriet und getötet wurde.
Hätten sich die RAF-Fanatiker tatsächlich an die Macht putschen können, eine zugegeben abwegige Vorstellung, so wäre das Land (mindestens) mit einem jakobinischen Terror „beglückt“ worden.

Was Ulrike Meinhof für den „Typ in Uniform“ vorsah, hätte unter RAF-Herrschaft nämlich rasch für sehr viele gegolten:

„Wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein. Das ist kein Mensch und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen und natürlich kann geschossen werden.“

Dass Christian Klar kein Rudolf Heß wurde, liegt also auch daran, dass seine „Sache“ nicht nur am Ende scheiterte, sondern auch von Anfang an ohne jede Chance war.
Und so ist das Unheil, das er über das Leben anderer (und auch sein eigenes) brachte, immer noch überschaubarer als das Unheil, das von staatlicher Macht ausgehen kann.
Die zur Macht gelangte Bewegung des Rudolf Heß verantwortete Millionen Opfer und auch jene, die sich dem entgegenstellten, haben im Krieg Verbrechen verübt.
Individueller Terror konnte bei der Zahl der Opfer bislang nicht gleichziehen mit der Vernichtung ganzer Städte, was im Zweiten Weltkrieg erst die Angegriffenen und dann – millionenfach – auch die Zivilbevölkerung der Aggressoren traf, Unschuldige genug, so oder so.
Paul Tibbets, er warf die Atombombe über Hiroshima ab, hat nie bereut, was er tat. Das Gleiche gilt für Charles Sweeny, der die Atombombe über Nagasaki abwarf.
Staatliches Handeln, zumal im Krieg, orientiert sich nur im Glücksfall an moralischen Maßstäben, das heißt: eher selten.

Keine Experten für Moral sind die Macher der rotbraunen Zeitschrift „Junge Welt“. Schon in und mit ihrem Namen umgreift sie die großen totalitären Bewegungen des letzten Jahrhunderts.
Ursprünglich nannte sich so die Reichszeitschrift der Hitler-Jugend, die FdJ borgte sich knapp 2 Jahre nach dem Untergang Hitlers und der HJ ganz bewusst diesen (braun belasteten) Namen für das im Februar 1947 gegründete „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend.“

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In der Wikipedia heißt es über die Zeitschrift und den gleichnamigen Verlag:

>Damit sollte die Jugend im staatskonformen Sinne beeinflusst und die kommunistische Erziehung der jungen Generation gefördert werden.<

Im Wiki des dazu assoziierten Weblogs „Mein Parteibuch„, das seine Inhalte teilweise der Wikipedia entlehnt, fehlt diese Aussage.
Dafür findet sich dort dieser Zusatz:

>Die junge Welt ist im 21. Jahrhundert eine der wenigen deutschen Zeitungen, die nicht einfach die geheimdienstlich gestreuten Lügen von Nachrichtenagenturen der CIA nachdruckt, sondern deren Autoren sich durch Recherche und Sachkundigkeit auszeichnen. Da die Junge Welt Schäubles Krieg gegen den Journalismus stört, wird die Junge Welt in Berichten des Verfassungsschutzes mit fadenscheinigen Begründungen als linksextremistische Zeitung gebrandmarkt.<

Die so gelobte Renitenz der „Jungen Welt“ gegenüber den „geheimdienstlich gestreute Lügen von Nachrichtenagenturen der CIA“ ist wohl auch erklärlich durch die Biografie seiner Macher. Chefredakteur Arnold Schölzel war über viele Jahre hinweg inoffizieller Mitarbeiter des MfS:

>Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter.<

Schon im April letzten Jahres gab es in der WELT einen Blick hinter die Kulissen des Blattes: „Die schöne junge Welt der Stasiveteranen.
Dort geht es auch um die guten Beziehungen von Christian Klar zur „Jungen Welt“. In einem anderen WELT-Artikel („In aller Freundschaft„) heißt es über die Beziehungen des RAF-Mannes zum MfS:

>Im Juli 1980 (reisten) Christian Klar und Wolfgang Beer in die DDR und besiegelten mit dem Leiter der MfS-Terrorabwehr, Oberst Harry Dahl, das „RAF-Aussteigerprogamm“ der Stasi. Zehn einstige RAF-Mitglieder tauchten in der DDR unter.
Weil Klar und Dahl sich gut verstanden – für beide hieß der Hauptfeind „BRD“ -, reisten er und andere RAF-Kämpfer ab September 1980 regelmäßig in die DDR. Zur Erholung und zum Schießtraining.<

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Vor 3 Tagen erschienen nun in der „Jungen Welt“ weitere „Anmerkungen zur Freilassung von Christian Klar„. Der Autor: Hans Schulz.
Laut „Mein-Parteibuch“ wohl einer jener Autoren, die sich „durch Recherche und Sachkundigkeit auszeichnen„.

Und so meint denn Hans Schulz: „Man hat das Recht gebeugt und die Kollektivschuld eingeführt. Christian Klar konnte nichts bewiesen werden. […] Praktiziert wurde pure Rache. Eigentlich ein Fall für die UNO-Menschenrechtskommission.“

Schulz ist auch „sachkundig“, was die Verfassung von Klar und die Stimmung im Lande angeht:

>Christian Klar hat das alles jetzt hinter sich, ungebrochen. Dafür sind ihm in diesem Land mehr Menschen dankbar, als es der herrschenden Bande recht sein kann. Die Gefangenen aus der RAF haben in den Verfahren gegen sie nie juristisch agiert – revolutionäre Politik ist nicht justitiabel.<

Ins Bild passt nur nicht, dass die „herrschende Bande“ herrscht, weil sie von Wählern mit relativer Mehrheit gewählt wurde – im Gegensatz zu Christian Klar, der RAF und der SED.
Noch komischer liest sich das:

Die Trauer der Angehörigen der Opfer dieser Auseinandersetzung wurde nicht nur von Christian Klar respektiert und verstanden. Tote gab es auf beiden Seiten.“

Klar, Christian Klar muss die „Trauer der Angehörigen der Opfer“, etwa die von Ponto, in besonderer Weise „respektiert und verstanden“ haben – schließlich war er in mehreren Fällen der Täter.

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Hans Schulz meint weiter:

>Die Lumpenjournaille kann nicht fassen, daß ein Revolutionär so einfach nach 26 Jahren freikommt – nach deutscher Tradition gehören die alle an die Wand. <

Auch dies ein bemerkenswerter Satz: Schließlich war es gerade die RAF, die just diese „deutsche Tradition“ pflegte, mit „Volksgerichten„, kurzen Prozessen, Genickschüssen und Maschinengewehrsalven.
Man fragt sich auch, warum die „herrschende Bande“ den „Revolutionär“ nun „so einfach“ in die Freiheit entlässt.

Claus Peymann, der Intendant des Berliner Ensembles, hat Christian Klar einen Praktikumsplatz angeboten. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden.
Immerhin nahm auch Jesus Sünder in seine Reihen auf:

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>Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): ‚Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.'< (Quelle: Bibel, Matthäus 9, 9 – 13)

Konsequenter wäre es allerdings, ihn in die Redaktion der „Jungen Welt“ aufzunehmen, dort würde er nun wirklich mit offenen Armen empfangen. „Willkommen in der Freiheit, Genosse Christian Klar“, ruft Schulz dem ein Vierteljahrhundert Inhaftierten am Ende zu.

BildHans Schulz erwähnt auch Jürgen Vietor, den Co-Piloten der 1977 in Absprache mit der RAF von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansamaschine Landshut.
Vietor hat aus Protest gegen die bevorstehende Freilassung von Christian Klar sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben.
Um das besser zu verstehen, sollte man sich den heute abend in der ARD ausgestrahlten Spielfilm „Mogadischu“ anschauen. Vietor ist auch Gast in der im Anschluss gezeigten Talkshow von Anne Will.

Für Odenwälder ist der Film ohnehin Pflicht. Eines der Opfer dieser Flugzeugentführung war die Stewardess Gabriele Dillmann. Heute heißt sie Gabriele von Lutzau, lebt in Michelstadt und hat als Bildhauerin Erfolg.
Ob sie wegen Klars Freilassung ihr Bundesverdienstkreuz zurückgibt, ist nicht bekannt. Den direkt Verantwortlichen kann sie jedenfalls bis heute nicht verzeihen.
Stefan Aust, Autor des „Baader-Meinhof-Komplex“ bedauert, dass ihre Figur in dem Film nicht noch stärker in den Vordergrund gerückt wurde:

Alle überlebenden Passagiere, mit denen ich geredet habe, erinnern sich an die Nervenstärke der damals 23-jährigen Stewardess.“

So wird Aust im Hamburger Abendblatt zitiert. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass die Ex-Stewardess „den Filmemachern für eine Zusammenarbeit nicht zur Verfügung (stand). Sie hatte ihre Persönlichkeitsrechte bereits an eine andere Produktionsfirma verkauft.“

Gewidmet ist der von Roland Suso Richter gedrehte Film „Mogadischu“ dem einzigen Todesopfer der Landshut-Entführung: Jürgen Schumann. Er war der Pilot der Lufthansamaschine. Der Film zeigt zu Beginn, wie er sich vor dem Flug von seiner Familie im südhessischen Babenhausen verabschiedet. Er wird sie nicht wiedersehen. In Aden, einer Station des höllischen Irrflugs der Landshut, wird er von „Captain Martyr Mahmud“, alias Zohair Youssif Akache vor den Augen der Passagiere ermordet. Auf der Website fliegergemeinschaft.de wird er von früheren Kameraden gewürdigt.

Endlich frei: Michelstadt dankt Christian Klar und der RAF und freut sich auf ein Wiedersehen

Der Baader-Meinhof-Komplex:

Im Darmstädter Echo findet sich zur bevorstehenden Freilassung des früheren RAF-Terroristen ein Bericht über „Christian Klars Spuren in Darmstadt„.
Klar hatte, zusammen mit Adelheid Schulz, Elisabeth von Dyck und Werner Lotze , am 19. März 1979 die damalige Bank für Gemeinwirtschaft in Darmstadt überfallen und dabei 49 000 DM erbeutet. In dem Bericht heißt es weiter:

>Zu dritt gingen die Terroristen damals am Vormittag unmaskiert in den Schalterraum. Mit vorgehaltener Waffe zwangen sie den Kassierer, ihnen das Geld auszuhändigen. Ein Kunde versuchte die schwer bewaffneten Terroristen aufzuhalten und wurde von einem Schuss im Knie getroffen. […]
Phantombilder brachten die Polizei schnell auf die RAF-Spur. Ein Auto der Täter wurde in der Garage des Darmstädter Staatstheaters entdeckt. […]
Klar wurde durch ein Lotterielos als Täter identifiziert, das Fahnder in dem Auto der Bankräuber sicherstellten und auf dem sich sein Fingerabdruck fand. Gefasst wurden die vier Terroristen zunächst jedoch nicht. Sie begingen einen weiteren Überfall in Nürnberg.<

Andere Spuren hinterließen Christian Klar und Adelheid Schulz im Odenwald, 7 Monate vor dem Banküberfall in Darmstadt.
Die brachten am 28. August 1978, also vor ziemlich genau 30 Jahren, sogar die kleine Odenwald-Metropole Michelstadt auf die Titelseite des Magazin SPIEGEL.
Dafür ist man dort den Terroristen dankbar, nicht offiziell natürlich! Aber eine „schweigende Minderheit“ freute sich denn doch, dass die sonst eher verschlafene Provinzstadt so auf einmal im Aufmerksamkeitsfokus der terrorbedrohten Nation war. (Zuletzt gelang das – näherungsweise – nur durch die gescheiterte Städtefusion mit Erbach)

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Es war eine gewaltige „Fahndungspanne“, die die politischen Gemüter erregte.
Christian Klar, Willy Peter Stoll und Adelheid Schulz, alle drei beteiligt an der nur 11 Monate zurückliegenden Schleyer-Entführung und gesucht in der größten Fahnungsaktion, die es je in der Bundesrepublik gab, hätte man am 6. August 1978 fast mühelos in Michelstadt fassen können.
Sie wurden observiert, BKA-Leute saßen ihnen am Wirthaustisch der Flughafengaststätte Waldhorn gegenüber, dennoch konnten die drei „Top-Terroristen“ entkommen.
Man muss sich die Athmosphäre jener Tage vergegenwärtigen, um die Bedeutung dieses (blamablen) Vorgangs zu erfassen.
Der SPIEGEL schilderte diese Athmosphäre so:

>Kanzler Helmut Schmidt gibt offen zu, Angst vor einem Anschlag auf sein Leben zu haben – wenn auch „nicht sonderlich„.
Seinem Vize Hans-Dietrich Genscher, der spätestens seit dem Münchner Olympia-Massaker als damaliger Innenminister auf den Todeslisten verschiedener Terrorgruppen ganz oben geführt wird, ist die Observation seiner Umgebung zur zweiten Natur geworden.
Ob bei Waldspaziergängen oder beim Stadtbummel, der Freidemokrat bleibt – unbewußt – immer wieder stehen und sichert in alle Richtungen.
Mit geschärften Sinnen bewegt sich auch Franz Josef Strauß. Der CSU-Chef, für den schon seit langen Jahren die höchste Sicherheitsstufe gilt, erinnert seine Mitarbeiter zuweilen „an einen Indianer, sein Blick geht stets rundum„.
Bange gehen die Sicherheitskräfte, die vom Personenschutz bis zur Vorfeldaufklärung das mögliche tun, der Wahlkampfzeit in Hessen und Bayern entgegen, wenn die Bonner Prominenz in Großstädten und Weilern den Kontakt zu den Massen sucht.<

Der damalige BKA-Chef Horst Herold wird am Ende so zitiert:

>Wenn wir die vier von Belgrad und diese drei (Anm.: in Michelstadt) gekriegt hätten, dann hätten wir den Terroristen einen tödlichen Schlag versetzt. Nun werden sie uns den tödlichen Schlag versetzen.<

Stattdessen hatten sich die Fahnder, darunter auch „fünf Ortspolizisten in Zivil“ verhalten wie „Trottel „, so das Verdikt eines BKA-Kollegen.

So soll sich die Geschichte abgespielt haben:

christian klar und adelheid schulz in michelstadt

>Die Observanten beobachteten das Trio bei Start und Landung in Michelstadt, schossen „prima Photos“ (Herold) und saßen den dreien, die vor dem Take-off auf der Flugplatzterrasse noch schnell eine Cola tranken, am Wirtshaustisch gegenüber.

Professionell vorbereitet war etwa die Sicherung von Fingerabdrücken. Da im Innenraum des Hubschraubers – an Stoff und Plastik – kaum verwertbare Abdrücke zu erwarten waren, hatten die Beobachter beizeiten drei Cola-Gläser präpariert. Und als die Wirtin der Flughafengaststätte die Getränke servierte, läutete im rechten Augenblick das Telephon. Mit einem „Bitte schenken Sie sich doch selbst ein “ lief sie an den Apparat, die Gesuchten mußten selbst anfassen.

Den am Flugplatz abgestellten Mercedes 230, mit dem die Terroristen angereist waren, untersuchten die Ermittler zwar „durchaus professionell“ (wie der BKA-Präsident lobte), beguckten sich Schrauben und Stempel des
Kennzeichens.

Aber „was man in jedem Kojak sehen kann„, urteilt ein BKA-Kollege, „haben die Trottel doch glatt vergessen„. Während der 110 Minuten, in denen der Helikopter „Augusta Beil 206 b“ über Hessen und Baden-Württemberg kreiste, wurde kein Peilsender am Auto angebracht. Er hätte eine Verfolgung des Wagens auch außer Sichtweite ermöglicht .

Wie hilfreich elektronischer Kontakt zum cremefarbenen Mercedes gewesen wäre, stellte sich heraus, nachdem die drei Gelandeten mit ihm davongefahren waren – hinterher sieben Wagen mit den BKA-Fahndern und fünf Ortspolizisten in Zivil. Nach einem kurzen Stopp, bei dem einer der drei in einer Telephonzelle telephonierte, begannen die Terroristen zu „schütteln“ (Polizeijargon): Sie fuhren mal schnell und mal langsam, um festzustellen, ob sie verfolgt werden.

Als sie nach 90 Minuten Fahrt plötzlich „wie wahnsinnig“ (ein Ermittler) an einem Bauernhof in der Gemeinde Ober-Beerbach bei Darmstadt in einen Weg abbogen und wendeten, wurden die sieben Verfolgerfahrzeuge allesamt abgehängt.
Ein letzter Versuch, den Terroristen zu Fuß zu folgen, blieb – wie die sogleich ausgelöste Fahndung nach dem Fluchtfahrzeug – erfolglos. Es geschah, was nach kriminalistischer Erfahrung bei 80 Prozent aller Observationen geschieht: Die Spur verbrennt, die Gejagten entkommen.

Unverständlich, warum die sieben Besatzungen den Funkkontakt untereinander nicht nutzten, den Kurswechsel nachzuvollziehen. Unverständlich auch, daß die Beamten in Ober-Beerbach den Wagen nicht kurzerhand stoppten und um die Personalien baten .< [Quelle: DER SPIEGEL 35/1978, Alle Hervorhebungen von uns]

Die Verantwortung für diverse Fahndungspannen lag laut SPIEGEL vor allem bei Gerhard Boeden, damals Leiter der BKA-Terrorismus-Abteilung.

Karin Rieger , die von den 3 RAF-Leuten engagierte Pilotin, hatte wegen auffälliger Beobachtungen das BKA zuvor auf deren Spur gebracht.

Willy Peter Stoll wurde nur einen Monat später, am 6. September, beim Versuch seiner Festnahme in Düsseldorf erschossen. Er war vorher von anderen Gästen in einem China-Restaurant erkannt worden.
Adelheid Schulz und Rolf Heißler erschossen knapp 3 Monate später, am 1. November, bei einem illegalen Grenzübertritt zwei niederländische Grenzbeamte.
Schulz wurde am 11. 11. 1982 in Heusenstamm bei Frankfurt festgenommen, gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt, der Führungsfigur der 2. RAF-Generation, Christian Klar wenige Tage darauf in einem Waldstück bei Hamburg.
Im November 1979 soll Klar noch an einem Banküberfall in Zürich beteiligt gewesen sein, in dessen Folge eine unbeteiligte Passantin getötet wurde.

Das Wochenende

Von Christian Klar gibt es noch eine weitere Spur in den Odenwald, genau genommen eine Blutspur. Der von ihm (und Brigitte Mohnhaupt) am 30. 7. 1977 erschossene Bankier Jürgen Ponto fand auf dem Waldfriedhof in Sensbachtal seine letzte Ruhestätte.

Nach Klars bevorstehender Freilassung werden bis auf Birgit Hogefeld alle vormals inhaftierten Mitglieder der RAF wieder auf freiem Fuß sein.
(Bernhard Schlink, Jurist und Schriftsteller, hat die Freilassung von Klar bereits literarisch verarbeitet – mit dem Roman „Das Wochenende„)

Einer der maßgeblichen Mitgründer und „Theoretiker“ der RAF, Horst Mahler (72), könnte sich demnächst allerdings erneut im Gefängnis wiederfinden – unter anderem wegen „Volksverhetzung„.
In einem Interview mit der Zeitschrift ‚Vanity Fair‘ hatte er den früheren stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedmann, mit folgenden Worten begrüßt: „Heil Hitler, Herr Friedmann „.

Wisnewski und der Haider-„Mummenschanz“: Ist Gerhard gaga oder gar nur geldgeil?

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Die Wahrheit über die Anschläge vom 11. September:
Nun, „am 11.9.2001 wurden die gestarteten Passagierflugzeuge in der Luft gegen ferngelenkte Doubletten ausgetauscht, weil sich die Attentate mit diesen besser durchführen ließen.“
So war es kürzlich wieder in einem Artikel von Gerhard Wisnewski nachzulesen, dem es immerhin gelungen war, solchen Irrwitz dem WDR unterzujubeln – in Form des Dokumentarfilms „Aktenzeichen 11.9. ungelöst„.
Leider ist Wisnewski kein isolierter Spinner, seine Thesen und die seiner Kollegen finden Anklang. So soll angeblich jeder Dritte in Deutschland glauben, dass die Bush-Regierung planend oder doch wissend in 9/11 involviert war. (Mehr dazu bei Wikipedia: „Verschwörungstheorien zum 11. September 2001“ und dem SPIEGEL: Panoptikum des Absurden. Hier auch als pdf.)
Wer einem Wisnewski bis dahin noch eine gewisse Seriosität unterstellte, kann sich durch seine letzten Publikationen zum Unfalltod von Jörg Haider definitiv eines Besseren belehren lassen.
Man muss sein Buch über den „Mythos 9/11“ nicht gelesen haben, um zu sehen, wes Geistes Kind der vorgebliche Wahrheitssucher ist. Es genügt, seinen Artikel vom 27. 10. über den „Fall Haider“ zu lesen: Haiders „Autowrack ist eine Botschaft“ heißt es da im Titel.

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Tatsächlich ist der Artikel selbst eine Botschaft, die, medizinisch gesehen, von der paranoiden Schizophrenie des Verfassers künden könnte. Könnte. Denn es ist mehr als zweifelhaft, dass Wisnewski wirklich glaubt, was er schreibt.
Eher schreibt er, um Kasse zu machen.
Sein neues Machwerk („Verheimlicht – vertuscht – vergessen. Was 2008 nicht in der Zeitung stand„) kündigte er am 11. November an. Man beachte das Datum und dessen Symbolik. Faschingsbeginn. Wahrscheinlich weiß Wisnewski selbst, dass er seine Leser zum Narren hält.
Angenommen, ihm bleiben für das Taschenbuch 50 Cent Tantiemen, so brächte ihm eine verkaufte Auflage von 100 000 Exemplaren einen Gewinn von immerhin 50 000 Euro.
An der Stelle sollte man Wisnewski aber selbst sprechen lassen, da nämlich klingt er ausnahmsweise authentisch:

Shoppen nicht vergessen

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>Im Hintergrund läuft die Arbeit an verheimlicht – vertuscht – vergessen weiter, meinem Kritischen Jahresrückblick 2008, in dem es auch ein großes Kapitel über den Fall Haider geben wird – natürlich mit neuen Erkenntnissen und Überlegungen (dieses brandaktuelle Buch können Sie schon bald hier im Shop bestellen oder in jeder Buchhandlung erwerben).
Leider muss ich mich währenddessen hier etwas rar machen, hoffe aber, Sie im Dezember oder Januar als Leser (Anm.: bzw. Käufer) meines Jahresrückblicks wieder begrüßen zu dürfen.<

Schon für 2007 hatte Wisnewski einen „Kritischen Jahresrückblick“ veröffentlicht, offenbar geht er damit nun in Serie.

Da das Buch zentrales Glied in Wisnewskis Verwertungskette ist, ist er natürlich Gefangener seiner eigenen Fabeln.
Auch wenn er es inzwischen besser wüsste: Zu schreiben, dass Haider Opfer eines selbstverschuldeten Autounfalls wurde, ist ihm nun nicht mehr möglich. Damit ließe sich kein Buch füllen und damit ließe sich kein Geld verdienen. Zudem müsste er sich selbst dementieren.

Seine Haider-Artikel wird er dennoch bearbeiten müssen, um zumindest den Anschein von Kohärenz zu erzeugen.
Bisher hatte er für das von ihm behauptete „Attentat“ sich widersprechende Versionen aufgetischt, eine durchgeknallter als die andere.
Seine letzte Version: Haider wurde umgebracht und das Unfallauto als „Kultgegenstand hergerichtet„.
Die närrischsten Aussagen seien nachfolgend zitiert, man lese und lache:

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Das kryptische Symbol

>Der Zufälle ein bisschen viel. Dass es sich um bewusste gesetzte Symboliken handelt, ergibt sich aus der Unwahrscheinlichkeit des zufälligen Auftretens dieser Anordnung. Das bedeutet, dass ein weiterer großer Teil der Beschädigungen am Fahrzeug künstlich herbeigeführt wurden. Was heißt das für unsere Untersuchung? Das Fahrzeug ist nur bedingt ein Unfallauto, wenn überhaupt. In erster Linie wurde es gestaltet und am „Unfallort“ installiert. Im Sinne eines Botschaftenträgers wie Zeitung oder Fernsehen ist das Wrack ein Medium.
Allerdings ist es kein Medium für das breite Publikum.
Im Gegenteil: Mit der – angesichts dieser Tatsachen erst recht lächerlichen – Unfalltheorie versuchen die Massen-Medien für das breite Publikum ganz von diesem Medium abzulenken.
Leider bin ich definitiv kein Fachmann in solchen Dingen und habe mich stets geweigert, an solchen Mummenschanz zu glauben. Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass hier in makabrer Weise mit einem Menschenleben und dem Tode gespielt wurde, um in Form des „Unfallautos“ ein kryptisches Symbol zu schaffen.<

Hören Sie des Wahrheitssuchers moralische Entrüstung aus diesen Zeilen heraus?

Ist 1&1 involviert?

Nicht kryptisch, sondern komisch sind auch Wisnewskis numerologische „Analysen“:

 

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>Desweiteren weisen die Zweierpaare daraufhin, dass die Zahl zwei eine Rolle spielen könnte. Interpretationen der Zwei werden sehr schnell schwammig und beliebig, aber die naheliegendste könnte wohl sein, dass zwei auch zwei heißt, das heißt, dass hier auf eine Zweiheit oder etwas Doppeltes hingewiesen soll. Allenfalls auch auf so etwas wie „Zwietracht“, was zweifellos zu diesem Attentat passen würde. Es könnte aber auch sein, daß die Zweierpaare als 1&1 zu lesen sind, also 11 – wie 11.10.2008.<

Nach der numerologischen folgt die botanische Analyse:Bild

War der Mörder wieder ein Gärtner?

>Die ständige Betonung eines Friedhofsgewächses (Thujenhecke) weist auf eine weitere Botschaft hin, nämlich: Es war kein Unfall, sondern ein Begräbnis. Natürlich kann es auch Zufall sein, dass ein Unfallauto eine Thujenhecke überfährt; kein Zufall sind die eindeutig symbolischen Bilder, die die Polizei nun vom „Unfallort“ verbreitete. Darauf sieht man Haiders Brille fein säuberlich mit einem Thujenzweig arrangiert. Dass diese Bilder inszeniert wurden, sieht man auch an der Packung „Sunny Soul“-Tabletten auf der Mittelkonsole. Da würden sie nach einem verheerenden Überschlag garantiert nicht mehr liegen.<

 

Zuletzt zieht Wisnewski den Bogen vom kleinen Kärnten und seinem toten Landeshauptmann zum großen Amerika und dessen Terror-Trauma:

Überall Doubletten

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>Das installierte Autowrack hat mit dem Tod von Jörg Haider überhaupt nichts oder fast nichts zu tun. Ja, es handelt sich nicht einmal um das reguläre Dienstfahrzeug von Jörg Haider, sondern um eine sogenannte Doublette. Womit wir wieder bei der „Zwei“ wären.

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Solche Fahrzeugdoubletten werden im Bereich des gefälschten Terrorismus oder „gefälschter“ Attentate häufig eingesetzt, und zwar um Illusionen zu schaffen. […]
Am 11.9.2001 wurden die gestarteten Passagierflugzeuge in der Luft gegen ferngelenkte Doubletten ausgetauscht, weil sich die Attentate mit diesen besser durchführen ließen.<

Sagt bzw. fabuliert Wisnewski.

Die bösen „Verschwörer“, die wie üblich mit Ermittlungsbehörden und Massenmedien im Bunde sind, haben laut Wisnewski bei der „Inszenierung“ des Unfalls – egal wie – eine logistische Meisterleistung vollbracht:

Haider und sein Phaeton „hergerichtet“ und „behandelt“?

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>1. Bei dem Phaeton handelte es sich um ein Wrack vom Schrottplatz. Wenn es sich um einen echten Unfall-Phaeton gehandelt hat, konnte dann auch VW eine hohe Geschwindigkeit aus den Borddaten rekonstruieren. An diesem Wrack waren nur noch die auffälligen Demontagen vorzunehmen.
2. Der „Unfall-Phaeton“ war ursprünglich unbeschädigt und wurde von A bis Z für den Haider-„Unfall“ hergerichtet, zum Beispiel mithilfe einer schweren Baumaschine. Bei diesem Phaeton könnte es sich ebenfalls um einen Dienstwagen der Kärtner Landesregierung gehandelt haben, der für diesen Zweck entwendet worden war. Am Ende wurde Haiders eigentlicher Wagen mit den schmaleren Speichen wieder bei der Kärntner Landesregierung hingestellt. So würde also nirgends ein Phaeton fehlen.
3. Haider wurde abgefangen, sein Original-Phaeton und er wurden irgendwo anders „behandelt“ oder „vorbereitet“ und dann auf die Straße gestellt. Auf diese Weise hätte man den Unfall inszenieren können.< [Sämtliche Hervorhebungen von uns]

Nachdem Sie das verstanden haben, verstehen Sie auch, wie George W. Bush als neuzeitlicher Kaiser Nero den mörderischen Brand im Rom dieser Tage legen ließ, um dann weltweit die Muslime verfolgen zu können.
Ach ja: Gerhard Wisnewski hat 2004 dem Chomeini-freundlichen Muslim-Markt ein Interview gegeben. Dort empfängt man jeden Kritiker des (amerikanischen) „Imperiums“ mit offenen Armen.
Mit Barack Obama wird das „Imperium“ übrigens nicht besser. Auch das erfährt man wieder vom allwissenden Wisnewski: Obama bedeutet Krise und Krieg.

TV-Tipp: Arte zeigt Dokumentarfilm zum Selbstmord des Untersuchungsrichters Gilles Boulouque

Das Terrorismus-Lexikon: Täter, Opfer, Hintergründe
Der knapp 90 Minuten währende Film wird heute abend um 21 Uhr in Arte gezeigt.

TV-Spielfilm schreibt dazu:

>Als sich ihr Vater 1990 eine Kugel in den Kopf jagt, endet jäh die Kindheit der 13-jährigen Clémence Boulouque. Später verarbeitet sie ihren Schmerz in einer Autobiografie, Grundlage dieser Doku: In den 80ern spielt Untersuchungsrichter Gilles Boulouque eine zentrale Rolle im Kampf gegen islamischen Terror auf Frankreichs Straßen. Er gerät zwischen die Fronten der Staatspolitik und seines beruflichen Ethos… <

Auf Arte.tv heißt es ergänzend:

>Der Dokumentarfilm beruht auf dem autobiografischen Buch der französischen Autorin Clémence Boulouque. Sie erlebte als 13-Jährige den Selbstmord ihres Vaters, des Untersuchungsrichters Gilles Boulouque. Vorausgegangen war eine beispiellose Medienhetze. Dem Pariser Untersuchungsrichter war vorgeworfen worden, unter politischem Druck einen wichtigen Zeugen freigelassen zu haben.<

Die WELT erinnerte vor einigen Monaten in einem Artikel über die libanesische Hisbollah auch an Boulouque:

>Die Hisbollah steht hierzulande unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Ihre etwa 900 Mitglieder in Deutschland sind gewaltbereite, aber unauffällige Schläfer. Gerade der Atomstreit mit Iran könnte die ursprünglich iranische Organisation für Deutschland gefährlich machen. Unternommen wird jedoch nichts.[…]

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 suchte man in Deutschland hektisch nach Schläfern, also sich unauffällig und legal verhaltenden Terroristen, die auf Kommando zuschlagen. Nachdem 8,4 Millionen Datensätze gerastert waren, teilten die Sicherheitsbehörden mit, dass keine weiteren Schläfer gefunden wurden.
Dabei hätte ein Blick in die jährlichen Verfassungsschutzberichte gezeigt, dass es in Deutschland ganze Vereine von Schläfern gibt. Einer davon hat 900 Mitglieder, arbeitet laut Verfassungsschutz mit seiner „gewaltsamen Strategie gegen den Gedanken der Völkerverständigung“ und hat in Deutschland „zwischenzeitlich anschlagfähige Netzwerke“ entwickelt.
Es handelt sich hierbei um die deutsche Außenstelle der libanesischen Hisbollah. […]

Konzentrieren sich die Angriffe der Hisbollah nicht auf die Ungläubigen im Nahen Osten? Nicht nach Auffassung des französischen Richters Gilles Boulouque, des argentinischen Bundesrichters José Galeano und des Berliner Kammergerichts. Ihnen zufolge hat die Hisbollah in den letzten 20 Jahren mindestens dreimal außerhalb Libanons als Auftragskiller für den Iran fungiert.[…]

So wurden bei Anschlägen auf Einkaufszentren und Bahnhöfe in Paris 1985 13 Menschen getötet und 40 verletzt. Richter Boulouque identifizierte damals 17 Hisbollah-Mitglieder als Teil des Terrornetzwerkes.

1994 fuhr laut Richter Galeano ein Selbstmordattentäter der Hisbollah einen mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster in das jüdische Kulturzentrum AMIA in Buenos Aires. 89 Menschen starben, mehrere Hundert wurden verletzt.

Und nach Auffassung der Berliner Richter ermordeten 1992 drei Hisbollah-Mitglieder und ein iranischer Geheimdienstler vier kurdisch-iranische Oppositionspolitiker und deren Dolmetscher im Berliner Restaurant „Mykonos“. Der Wirt und ein Gast wurden schwer verletzt. Zudem wird der Hisbollah vorgeworfen, außerhalb Libanons ein weiteres halbes Dutzend Anschläge verübt zu haben haben.<

[Links und Hervorhebungen von uns]

Alptraumszenario Terrorangriff: Südhessisches AKW Biblis „größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa“

Szenario GAU in Biblis

Das behauptete der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer beim Vorstellen einer Studie des Darmstädter Öko-Instituts. SPIEGEL-Online greift dies heute auf:

>Im Fall eines gezielten Flugzeugabsturzes auf das südhessische Atomkraftwerk Biblis A wären nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder gar Prag bedroht. […]
Es wäre kein Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, sondern die Super-GAK – die größte anzunehmende Katastrophe: ein Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk. Wie schlimm dieser Fall wäre und welche Atomkraftwerke die größten Risiken darstellen, hat nun das Öko-Institut untersucht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der die Studie am Montag in Wiesbaden vorstellte, benannte das Atomkraftwerk Biblis A als „die größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa“. Schon im Frühjahr hatte die Bundesregierung bestätigt, dass Biblis A gegen einen Flugzeugabsturz nicht ausreichend geschützt sei.[…]
Der Zeitpunkt, zu dem die Studie veröffentlicht wird, ist brisant: Biblis A ist seit über einem Jahr abgeschaltet, weil in der Anlage Tausende falsch montierter Dübel ausgetauscht werden müssen. Ein Wiederanfahren von Biblis A und B wird für die nächsten Wochen erwartet.

Der radioaktive Fallout würde laut Scheer noch in 600 Kilometer Entfernung die Evakuierung ganzer Städte und Landstriche notwendig machen. Die Bevölkerung auf bis zu 10.000 Quadratkilometern Fläche müsste umgesiedelt werden. Nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder Prag wären in diesem Fall bedroht. „Wir alle müssen wünschen, dass es zu so etwas nicht kommt“, sagte Scheer.

Biblis A ist das älteste deutsche Atomkraftwerk und nur unzureichend gegen Flugzeugabstürze geschützt. Die Betonkuppel über dem Sicherheitsbehälter ist so dünn, dass sie auch dem Absturz kleinerer Maschinen nicht standhalten könnte.

[…]
Scheer sagte, alle Überlegungen, einen Terrorangriff mittels eines entführten Passagierflugzeugs durch Abschuss abzuwehren, gingen bei Biblis A ins Leere. Das Atomkraftwerk sei weniger als eine Flugminute vom Frankfurter Flughafen entfernt, so dass für jede denkbare Gegenmaßnahme die Zeit nicht ausreiche.< Quelle: spiegel.de, Terroranschlag auf Atomkraftwerk Biblis würde Berlin bedrohen, 26. 11. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

[UPDATE: An der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde von Daniel Kramarz und Andreas Loeber im Rahmen einer Diplomarbeit die Applikation AIR TRAFFIC entwickelt, die unter Nutzung der Google-Maps-API den aktuellen Flugverkehr abbildet – jedenfalls partiell und ohne Gewähr. Um es in ihren Worten zu sagen: Transponder-Daten werden mit Hilfe eines Mashup visualisiert. Das funktioniert in beeindruckender Weise, vor allem für den süddeutschen Raum, für die Schweiz und für Österreich. Vor dem Hintergrund der in diesem Artikel thematisierten Szenarien fragt sich nur, ob diese Applikation noch lange online angeboten werden darf. ]

Auf der Website eurosolar.de wird im Rahmen der Pressemitteilung von den Bundesministern Wolfgang Schäuble und Franz Josef Jung „Konsequenz“ verlangt:

>Bei klarer Sicht der Gefahrenumstände und der nahe liegenden greifbaren praktischen Möglichkeiten zur Beseitigung der offensichtlich größten Gefahrenstelle, müssten die Bundesminister Schäuble und Jung unbedingt auch für diese dauernde Abschaltung von Biblis A sein. Alles andere wäre inkonsequent und würde bedeuten, dass sie falsche Rücksichten nehmen.<

Als pdf-Dokument kann man die 46 Seiten umfassende „Analyse des Bedrohungspotenzials ‚gezielter Flugzeugabsturz‘ am Beispiel der Anlage Biblis-A“ hier herunteladen.

Das oben eingeblendete Bild zeigt die (engere) Evakuierungszone um das AKW Biblis im Falle eines Kernschmelzunfalls. Vorausgesetzt wurde dabei eine typische Novemberwetterlage.
Das u.a. mit Google-Maps realisierte Bild entstammt der Website xzcute.com von Andreas Seidel. Er zitiert dort begleitend aus einer älteren Studie des Öko-Instituts (s.a. biu-hannover.de), die dem HR-Fernsehfilm „Todeszone“ zugrunde gelegt war:

>Als Vorbereitung für den Fernsehfilm „Todeszone“ des Hessischen Rundfunks, in dem die Auswirkungen eines Kernschmelzunfalls unter Hochdruckbedingungen im Atomkraftwerk Biblis dargestellt sind, wurden im Öko-Institut 1991 die Folgen der Ausbreitung der radioaktiven Stoffe berechnet.
Unter Berücksichtigung des örtlichen Reliefs und einer typischen Novemberwetterlage kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das in (der) Abbildung dargestellt ist: Der zuerst austretende, sehr energiereiche und daher heiße Teil der radioaktiven Wolke steigt mehrere hundert Meter nach oben, wird von den in den höheren Luftschichten vorherrschenden Westwinden ergriffen und über den Odenwald hinweg, der sich ungefähr 300 bis 400 m hoch über die Rheinebene erhebt, in südöstliche Richtung transportiert.

Der später oder gleichzeitig austretende, kühler gebliebene Teil der Wolke wird von den bodennahen Süd-Nord-Winden erfaßt und im Oberrheingraben in Richtung Frankfurt transportiert.
Wird der niedrigere Dosisrichtwert angenommen, dann müßten Gebiete bis über 200 und 300 Kilometer Entfernung evakuiert werden, beim höheren noch immer die Städte Darmstadt, Rüsselsheim, Frankfurt am Main, Offenbach und Rothenburg ob der Tauber.
Umsiedlung wäre je nach Dosisrichtwert notwendig bis in 200 km oder bis nach Thüringen hinein und sogar weit über das Gebiet der Bundesrepublik hinaus bis fast vor Wien.<

„Oh my God, all these people!“ – Privates Video zeigt 9/11- Inferno aus dem Fenster nebenan

Robert Basic erinnert sich in seinem „Basic Thinking Blog“ an den genau 6 Jahre zurückliegenden Terroranschlag in New York:

>An dem Tag kam ich just ins Büro von einem Kundentermin und mein Chef rief mich mit einem vielsagenden Blick in sein Office. Er deutete auf den Fernseher, wo CNN lief. Ich sah nur einen rauchenden Turm und konnte das irgendwie nicht zuordnen. Einige Minuten später krachte dann die zweite Maschine in den anderen Tower und dann war uns beiden klar, dass es sich nicht um einen Unfall gehandelt hatte. Als dann auch noch Meldungen von weiteren Flugzeugen eintrudelten, wurden unsere Gesichter immer finsterer.[…]
Den Tag werde ich nie vergessen, ich kam mir vor, als würde ich einen schlechten Traum träumen. Irgendwie kommt mir das auch heute noch so vor, die Dimension dieses Anschlags ist einfach zu groß. Und dieses Video drückt das irgendwie fatal realistisch aus: auf der einen Seite die Geborgenheit zu Hause, aber nicht mal 500 Meter entfernt der reale Albtraum. Der nach Hause kommt, als sie/er das Fenster zum ersten Mal aufmacht und diese akkustische Mauer aus Sirenengeheul über einem zusammenbricht.<

Das Video, auf das er verweist, ist tatsächlich bemerkenswert. Bemerkenswert ist auch, dass diese Bilder in Fernsehdokumentationen scheinbar noch nie zu sehen waren.
Sie zeigen das Inferno in Manhattan nämlich in zweifacher Weise aus ungewohnter Perspektive. Dabei ist der räumliche Blickwinkel weniger spektakulär als der psychologische: Es sind junge Leute, die aus sicherer (?) Distanz, vom 36. Stockwerk eines 600 m entfernten Hochhauses, fassungslos jenes historische Ereignis verfolgen, das dem neuen Jahrhundert seinen frühen Stempel aufdrückte.
In dem knapp 30-minütigen (geschnittenen) Film wechselt ungläubiges Staunen mit Tränen und Trauer. Immer wieder ist das zu hören, was damals auch die Menschen auf den Straßen ausriefen: Oh my God!
Nach dem Einsturz der Türme schiebt sich die gewaltige Staubwolke auch in Richtung der nördlich gelegenen River Terrace, von wo aus Bob und Bri die Katastrophe verfolgen und filmen. „Is this dangerous?“, fragt Bri. Die Frage ist berechtigt, denn die hochgiftige Staubwolke wird neben den unmittelbaren Opfern des Massenmordes noch viele andere zu Opfern machen.
In einer FAQ antworten die beiden auf Fragen zu ihrem spät veröffentlichten Video. Auch zu ihrer Tochter werden sie befragt:

>Q. Was your daughter in day care at the WTC? Is she OK?

A. Our daughter was scheduled to start day care in the North Tower the following week. It is our understanding that all children in that day care were evacuated successfully. We were displaced from our apartment for about a month and continued to live in the area for a year. She did develop asthmatic symptoms which may have been due to the lingering dust. These symptoms cleared up when we moved to a different part of Manhattan.<

Soll man auch in Weblogs 6 Jahre später noch an dieses Ereignis erinnern? Ja, man sollte. Schon deswegen, weil sich der Planer und Finanzier des Massenmordes auch heute noch mit Video-Botschaften dreist in Szene setzt – und sich Rot-Braune zynisch in kaum noch heimlicher Sympathie für den Massenmörder gefallen.

Die Odenwälder Kulturbloggerin Claudia Trossmann stellt bzw. zitiert heute eine „verdammt gute Frage„:
Warum gedenken eigentlich heute mehr Medien den Attentaten vom 11.09.2001, als es am 06. August für die Opfer Hiroshimas taten?
Mit dem Hinweis auf Kriegsverbrechen der Alliierten in dem zuvor von Hitler-Deutschland und Japan entfesselten 2. Weltkrieg steht sie nicht allein. Der Hinweis ist für sich genommen nicht unberechtigt.
Fragwürdig ist allerdings die damit einhergehende Relativierung etwa der Terroranschläge in New York.
Vielleicht sollte die Kulturbloggerin zuerst beantworten, warum sie ihren Lesern Texte mit explizit braunen und antisemitischen (Unter-) Tönen empfiehlt. Diese Antwort steht noch aus.