Archiv der Kategorie: Katastrophen

Aufstieg aus dem Hades live: Die Rettung der coolen Kumpel von San José

Man ist ja einiges schon gewohnt. Da verfolgte man am 20. Juli 1969 die ersten Schritte des ersten Menschen auf dem Mond. Der kindliche Blick auf die silbrige Scheibe am Nachthimmel verlor damals seine Unschuld.

Am 11. September 2001 verfolgte man live via TV einen irrwitzigen Terroranschlag, der alles überstieg, was sich bis dahin Drehbuchschreiber von Actionfilmen oder Thrillern ausgedacht hatten.

In diesen Stunden nun lässt sich (wiederum live) die Rettung von 33 Männern verfolgen, die in Chile in einem entlegenen Bergbaugebiet 10 Wochen lang unter der Erde eingeschlossen waren, in über 600 Metern Tiefe.

Sechs Kumpel wurden bisher herausgeholt, in einer engen Kapsel durch einen engen Schacht, die schon für sich genommen jeden Klaustrophobiker panisch werden ließen. Hitze, Dunkelkeit, Angst – so titelt man treffend auf spiegel.de.
Die restlichen 27 Eingeschlossenen sollen nun Zug um Zug folgen. Wirklich erleichtert kann man erst sein, wenn auch der Letzte gerettet ist.

Eine Videokamera zeigt die (noch) Eingeschlossenen in ihrem unterirdischen Verlies, das beinahe ihr Grab geworden wäre.
Die Temperatur in diesem irdisch-unterirdischen Hades: 27° (bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 %).
Die Welt ist klein geworden, der Globus ein Dorf und man freut sich über jeden Geretteten, als spielte sich all das nur einen Häuserblock entfernt ab.
Das tut auch die famose Pia Röder aus Breuberg, nach eigener Auskunft Bindeglied zwischen Argentinien und Deutschland, und hoffentlich als Journalistin irgendwann so bekannt wie Jessica Schwarz als Schauspielerin.

Auf Ihrem Blog „Die Gosch“ kommentiert die aus Südamerika Zurückgekehrte aktuell „La maravilla de Chile

Duisburg Death-Parade: Die kalkulierte und prognostizierte Katastrophe

Das Rock-Festival im kalifornischen Altamont, 1969 von den Rolling Stones initiiert, symbolisiert das Ende der Hippie-Bewegung und ihrer naiven Hoffnungen.

Als Sicherheitskräfte eingesetzte Hells Angels prügelten auf Besucher ein, bei einer Messerstecherei starb ein Afroamerikaner.

Im Rückblick und im Vergleich mit der heute katastropal entglittenen Loveparade in Duisburg nimmt sich Altamont aber noch harmlos aus.

Bei einer Massenpanik vor dem Festivaleingang starben mehr als ein Dutzend Menschen, über hundert wurden verletzt, viele davon schwer.

Zertrampelt wurde da wohl auch die ‚Idee‘ der Loveparade. Deren Gründer, Dr. Motte alias Matthias Roeingh, klagt auf seinem Weblog nun die Veranstalter in Duisburg an:

>das gelände abzusperren war ein fehler. die loveparade war immer offen für alle in berlin, mit rückzugsmöglichkeiten in den tiergarten… wir hatten immer sani’s ohne ende wasser. ein einziger zugang durch einen tunnel birgt die katastrophe in sich. ich bin sehr traurig<

Im FOCUS klingt sein Verdikt noch drastischer:

>Da ging es doch nur ums Geldmachen. Die Veranstalter haben nicht das geringste Verantwortungsgefühl für die Menschen gezeigt.<

Auf der Website loveparade.de ist jetzt mit wenig Weiß vor viel Schwarz zu lesen:

>Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden.
Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen.

Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können: 0203-94000.<

Bei den Ruhrbaronen rechnet Stefan Schroeder mit den aus seiner Sicht Veranwortlichen ab:

>Die Loveparade ist erledigt. Für alle Zeiten, so hoffe ich. Was als antiautoritäre Demonstration der Berliner Partyszene begann, endete in einem totalen Desaster – verursacht von unfähigen Ruhrpott-Bürokraten.

Mein Zorn gilt den Bürokraten in Duisburg …

Dabei war schon Berlin die Fratze hinter den Beats für jeden, der es wissen wollte, zu sehen. Drogenfressen, Livepornodrehs im Tiergarten, Hecken knietief in Pisse und Schlamm dazu tonnenweise Müll.
Berlin hatte keine Lust mehr auf den Scheiß

Duisburg hatte die wahnsinnige Saufsause eigentlich schon aus Geldmangel abgesagt. Der Rat hatte Einsicht bewiesen und das Ding beerdigt. Es war zu Ende. Aber der Duisburger Oberbürgermeister Sauerland hat die Leiche zum zweiten Mal erweckt. Hat den Zombie beatmet. Mit Geld – mit frischem Geld. Warum? Weil er Ruhm wollte für sich und seine Stadt. Sauerland, hättest Du doch dieses Geld nie besorgt. Hättest Du nur auf die Stimmen deines Rates gehört. Niemand wäre gestorben. Niemand.


Am Freitag habe ich gefragt, wie viele Menschen auf den Platz passen. Der Sprecher der Stadt wollte es nicht sagen. Er meinte, das sei geheim. Er wolle und dürfe das nicht sagen. Ich habe in der Verordnung nachgesehen, die regelt, wie viele Menschen bei öffentlichen Veranstaltungen auf Plätzen zugelassen sind. Daraus ergab sich, dass auf den Platz maximal 500.000 Menschen durften. Zwei Menschen je Quadratmeter. Heute heißt es, 800.000 seien drauf gewesen. Fast doppelt so viele wie erlaubt.

Es war klar, dass da was passieren muss. Es war sicher, dass das schief geht. Die Planer des Technobastards hätten das Ding verneinen müssen. Weil sie gesehen haben, dass das nicht geht. Wo sind die Mahner gewesen? Was haben sie gesagt? Warum wurden sie nicht gehört? Weil Oberbürgermeister Sauerland die Party des Berliner Guhls wollte? Weil er Ruhm wollte?

Diese Polizei hat eine Mitverantwortung für das Desaster bei der Love-Parade. Sie hätte wissen müssen, dass sie das Monster nicht beherrschen kann. Sie hätte die Parade absagen müssen – aus Sicherheitsgründen.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Vor vier Tagen titelte Ingmar Kreienbrink in einem WAZ-Artikel: „Loveparade wird zum Tanz auf dem Drahtseil„.

Über hundert Kommentare gab es zu diesem Artikel. Viele sagten die Katastrophe voraus:

>Das schlimme an dieser Geschichte ist doch, daß man anschließend diese organisatorischen Vollidioten noch nichtmals zur Verantwortung wird ziehen können.
Was die da machen, ist höchstgradig kriminell. Was ist denn, wenn zu dem Chaos noch Panik kommt, was ist dann? Panik heißt Flucht, und Flucht heißt Ausdehnung. Wohin soll sich diese Masse an Menschen ausdehnen, wenn was schief geht, und Panik ausbricht?< [von voltago, am 20.07.2010 um 19:36]

>230.000 qm für sagen wir mal 460.000 Menschen, das ergibt genau einen halben Quadratmeter pro Person. Und davon geht noch der Platz ab, den Bühnen brauchen und vor allem den die Floats brauchen. 460.000 Menschen sind wie Sardinen in der Dose, da kann sich keiner mehr bewegen. Wenn dann aus irgendeinem Grund da eine Panik ausbricht, dann gibt es Tote – und nicht wenige. Solch eine Menge auf so engem, eingezäunten Raum, das kann nicht gutgehen. Meine Kinder gehen nicht hin, sie verstehen das und teilen die Bedenken. [von MadCat , am 20.07.2010 um 20:33]

>Das hört sich alles andere als „sicher“ an. Wie sollen auf das Gelände 500 000 Menschen und 20 Floats passen? Wahrscheinlich werden mehr als 1 Million Besucher kommen. Das kann dann gefährlich werden. Wissen die Verantwortlichen was sie da tun? Wenn in solche Menschenmengen bei dem beschränkten Raum mal eine unkontrollierte Bewegung entsteht, dann gibt es zu hauf Tote und Verletzte.< [von Benno , am 20.07.2010 um 23:56]

>Nicht ganz korrekt – liebe kollegen! unterlagen der bahn belegen, dass das gelände für max. 270.000 personen geeignet bzw. zulässig ist… neue rechnung bitte!…und da wird doch selbst dem matheschwächsten klar, warum der sicherheitsbeauftragte herr rabe aus „einsatztaktischen gründen“ nicht konkreter wird – äähh konkreter werden darf- muss es da wohl besser heißen… viel spaß! Bleibt nur zu hoffen, dass das wetter einige von ihrer anreise abhält und nichts schlimmes passiert… unverantwortlich.< [ von Andrea Joseph, am 21.07.2010 um 07:47]

>es gibt nur einen Zugang zum Gelände und der ist unter einer langen Brücke. Was passiert wenn hier Panik ausbricht?<
[von tron , am 21.07.2010 um 08:24]

>Das ist die schlechteste Idee, die Duisburg jemals hatte kombiniert mit der lächerlichsten Planung & Organisation…das kann nur in die Hose gehn …< [von Tadaaaa , am 21.07.2010 um 09:30]

>Berlin ist die einzige Stadt die auch nur annähernd in der Lage ist, 1,2 Million [von Moderation editiert] zu händeln.
Eine Provinzstadt in NRW kann das mit Sicherheit nicht. Wem sein Leben lieb ist, der bleibt von diesem Wahnsinn fern.<
[von Maike Kampmann , am 21.07.2010 um 10:19]

>An alle Zweifelnden: BLEIBT ZUHAUSE !!
Der einzige Zugang liegt in einem Tunnel, ist maximal 15 Meter breit (also etwa wie die Bahnhofshalle) und besteht aus Kopfsteinpflaster. Der Belag des Festplatzes sah vom Zug aus wie grober Schotter, also wäre festes Schuhwerk zu empfehlen. Zelte und Zäune stehen mittlerweile, das macht den Platz auch nicht gerade größer -im Gegenteil-.
Als Bewohner der Innenstadt (Luftlinie zum Festplatz ca. 300 Meter) darf ich auch noch das Auto wegfahren, weil absolutes Parkverbot in ALLEN innerstädtischen Straßen !! Öffentliche Busse und Bahnen verkehren nicht oder werden weiträumig umgeleitet. Noch Fragen ??< [von wattearvolt , am 21.07.2010 um 20:09]

>Beunruhigende Zahlen: der einzige Zugang zum Platz hat eine Durchgangskapazität von 60000 Personen je Stunde. Wenn 400000 auf dem Gelände Platz haben, über 1 Million erwartet werden, wird hier schon ein gefährlicher Brennpunkt entstehen. Ich finde die Loveparade hervorragend, aber sie gehört nicht in diese Stadt.<
[von FriedLich53 , am 22.07.2010 um 07:58]

>Das ist eine Katastrophe , wie kann eine Stadt nur auf die Idee kommen einen einzigen zugang zu öffnen, jeder weiß das dort nicht nur einige sondern viele sich dort mit Chemi vollknallen wen da nur „einer “ Panik bekommt ist die Ka****am dampfen leute werden in Panik auf die öffnung stürmmen und das wird nicht lustig, ich werde mit sehr gemischten gefühlen dort hinfahren und wirklich das beste hoffen.<
[von Lole1322 , am 22.07.2010 um 10:24]

> …genau: Viel Spaß Euch allen… Vorallem den Verantwortlichen, die hoffentlich ordentlich zur Rechenschaft gezogen werden, wenn – wir hoffen es nicht – etwas passieren sollte.
Bleibt zu hoffen, das es schüttet und stürmt und somit einige von ihrer Anreise absehen… Bringt Euch besser in Sicherheit – und zwar ganz weit weg vom Duisburger Bahnhof.<
[von Alex , am 22.07.2010 um 13:00]

>Noch einmal – die Loveparade in Essen und Dortmund kann man NICHT miteinander vergleichen! Grund: in Essen war 2007 der GESAMTE Innenstadtbereich großräumig abgesperrt & die Raver konnten sich im GESAMTEN Innenstadtbereich FREI bewegen. In Dortmund waren bereits feste Laufwege vorgegeben und das LoPa-Gelände war eingezäunt und keine freie Bewegung möglich. Das war schon hart an der Grenze! Die Stimmung war mehr als gereizt & das auf einer wesentlich größeren Veranstaltungsfläche als uns Duisburg nun „serviert“. Es ist keine Loveparade mehr sondern ein schnödes Festival, mit einer maximalen Besucheranzahl auf einem fest abgesteckten Gelände. Warum diese max. Besucheranzahl für die max. 230 000 qm, die nur zur Verfügung stehen nicht bekannt gegeben wird, ist und bleibt mir aber ein Rätsel! Was will man denn hier provozieren? Aggression? Da hat sich die Stadt Duisburg ein schönes Ei gelegt – viel Spaß beim ausbrüten! Ich bleib lieber zu Hause!< [von bimmelbommel01 , am 22.07.2010 um 14:56]

>der zugang in einem tunnel ist nicht nur ein schlechter witz, er macht das ganze gelände zu einer riesigen falle. einmal drin und man kommt nie wieder raus. …
fazit: ich währe wirklich sehr gerne hin gegangen, aber mein gesunder menschenverstand rät mir das spektakel lieber vor dem heimischen fernseher zu genießen< [von klotsche , am 22.07.2010 um 18:18]

>Als ortsansässiger habe ich mich seit Jahren auf die Duisburger loveparade gefreut- nun gehe ich nicht hin. Zu groß sind die Sicherheitsbedenken, ich halte es für sehr gefährlich so viele Menschen durch den langen Tunnel und einen einzigen Zugang schleusen zu wollen.< [von Gonzo50 , am 23.07.2010 um 14:57]

>Mein Nachbar arbeitet bei der Feuerwehr. Er hat auch gesagt, daß das eigentlich gar nicht erlaubt sein dürfte, man mache sich ernsthaft Sorgen, wieviele Knochenbrüche, Bänderdehnungen und Gelenkzerrungen auf die Helfer und umliegenden Krankenhäuser zukommen werden. Das Gelände sei außerdem viel zu klein und habe nur einen offiziellen Zugang, wie da im Falle einer Panik reagiert werden soll, wisse man auch nicht. < [von Alex, am 23.07.2010 um 15:45]

SPON zitiert den Oberbürgermeister so:

>Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sagte, das Sicherheitskonzept für die Love Parade sei stichhaltig gewesen.<

Man wird wetten können, wieviele Tage es bis zu seinem Rücktritt braucht. Vor ihm dürfte allerdings sein Dezernent für Sicherheit und Recht, Wolfgang Rabe, den Hut nehmen. Zumindest die Angehörigen der Toten werden die Schuldigen für das Desaster auch vor Gericht sehen wollen.

Haarsträubend klingen jetzt die Rechtfertigungen der ‚Experten‘:

>Der Panikforscher Michael Schreckenberg verteidigte derweil das Sicherheitskonzept, an dem er selbst beteiligt war. Der Tunnel, in dem es zur Massenpanik gekommen war, sei groß genug ausgelegt gewesen, sagte Schreckenberg im WDR-Fernsehen. Nach seinen Aussagen waren im Vorfeld der Loveaparade viele mögliche Notfälle durchgespielt worden. „Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten“, meinte er.

Laut Schreckenberg hatten kurz vor dem Unglück mehrere Loveparade-Teilnehmer ein Gitter überrannt und waren eine Treppe hochgelaufen. Dabei seien einige gestürzt. „Im Sicherheitsplan war“, so Schreckenberger, „nicht vorgesehen, dass Menschen von oben herunterfallen.“< [Links und Hervorhebungen von uns]

Im Newsticker des WDR wurde vor kurzem gemeldet, dass die Staatsanwaltschaft Duisburg am Sonntagmorgen die Planungsunterlagen der Loveparade beschlagnahmt hat.

Katyn & Smolensk: Lech Kaczynskis Tod erschüttert Polen und Russland und ein fragiles Verhältnis

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Welch eine grausame und aberwitzige Ironie der Geschichte: In Katyn ließ Stalin im Frühjahr 1940 einen großen Teil der polnischen (militärischen) Elite massakrieren.
Genau 70 Jahre später wird wenige Kilometer von Katyn entfernt erneut ein exklusiver Kreis der polnischen Elite augelöscht: Der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski (s. pdh-Foto unten), seine Ehefrau Maria Mackiewicz, der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer, der ehemalige Verteidigungsminister und Parlamentsvizechef Jerzy Szmajdzinski und der Chef der Nationalbank Slawomir Skrzypek.
Es starb auch Anna Walentynowicz, die „Heldin von Danzig„, der Volker Schöndorff in dem gleichnamigen Film ein (ihr unwillkommenes) Denkmal setzte.

Ein Internet-Magazin nennt weiter:

>Jerzy Szmajdzinski, der Chef des Büros für nationale Sicherheit, Aleksander Szczyglo, der Leiter der Präsidentenkanzlei, Wladyslaw Stasiak, der dortige Staatssekretär Pawel Wypych sowie der dortige Unterstaatssekretär Mariusz Handzlik, der ehemalige Geheimdienstminister Zbigniew Wassermann, der ehemalige Minister und Vizepremierminister Przemyslaw Gosiewski, der letzte Präsident der polnischen Exilregierung in London während des zweiten Weltkriegs, Ryszard Kaczorowski.<

Laut Tagesschau.de seien „auch ein Bischof und Angehörige der Opfer von Katyn … in der Maschine“ gewesen.

Insgesamt sollen 96 Menschen beim Absturz der von Warschau aus gestarteten Tupolew 154 ums Leben gekommen sein.

Ex-Präsident Lech Walesa sagt, es die „Elite der Nation“ gestorben.

Alle waren auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die in Katyn vor 7 Jahrzehnten Ermordeten.
Wer trägt für diese Katastrophe die Verantwortung? Piloten? Das Wetter? Technik? Oder gar Sabotage von Kräften in Russland, denen ein Schuldeingeständnis wegen Katyn (und der antirussisch eingestellte Kaczynski sowieso) zuwider war?
In früheren Zeiten und in anderen Regionen (Ruanda / Burundi) konnte so ein Krieg ausgelöst werden.
Das wird nach dem Absturz Kaczynskis sicher nicht geschehen – obgleich diese Katastrophe Brisanz in sich birgt.
Immerhin ist hier die Regierung eines NATO-Mitgliedstaates tragisch dezimiert worden.
Nicht auszudenken wären die Konsequenzen, wenn es tatsächlich Hinweise auf Sabotage gäbe – so unwahrscheinlich das auch sein mag.
Die Konflikte, die der wohl aus dem russischen Geheimdienst FSB heraus gesteuerte Mord an Alexander Litwinenko zwischen London und Moskau schürte, wären damit verglichen ein (diplomatisches) Kinderspiel.

Im (auch) von Russland traumatisierten Polen jedenfalls dürften Verschwörungstheorien bald so sprießen wie jetzt im Frühling die Knospen.

UPDATE: Nach letzten Informationen spricht vieles für einen verhängnisvollen Fehler des Piloten, der wohl trotz Warnungen von Fluglotsen bei schwer durchdringlichem Nebel in Smolensk landen wollte – vielleicht sogar auf Geheiß von Kaczynski oder dessen Mitarbeitern.
Die Präsidentendelegation hätte bei dem angeblich empfohlenen Ausweichen nach Minsk oder Moskau den Gedenktermin in Katyn nicht pünktlich wahrnehmen können.

Bei Spiegel Online heißt es:

>Wegen dichten Nebels hätten die russischen Behörden dem Piloten empfohlen, statt in Smolensk in der weißrussischen Hauptstadt Minsk oder in Moskau zu landen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den polnischen Fernsehsender Polsat. Der Pilot habe sich jedoch dagegen entschieden.

Ähnlich äußerte sich laut Interfax auch ein Vertreter der weißrussischen Luftfahrtbehörde. Die weißrussischen Fluglotsen seien von ihren russischen Kollegen gebeten worden, die polnische Präsidentenmaschine vor dem Verlassen ihres Luftraums darüber zu informieren, dass die Wetterbedingungen für eine Landung in Smolensk ungünstig seien. Dies hätten die Fluglotsen weitergegeben. Der Pilot habe sich jedoch entschieden, seinen Kurs zu halten. Laut Interfax stürzte die Maschine beim vierten Landeversuch ab.

„Ein Fehler der Crew beim Landeanflug ist augenscheinlich die Ursache des Unglücks“, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf einen Behördenvertreter der Region Smolensk.<

Lech Kaczynski

Vorher war ebenfalls auf Spiegel Online zu lesen:

>Die in Warschau gestartete Maschine vom Typ Tupolew 154 war am Morgen beim Anflug nahe Smolensk in mehrere Bäume gerast, dann fing die Maschine Feuer, hieß es in Berichten aus Warschau. Es sei neblig gewesen, sagte ein polnischer Regierungssprecher. Berichten zufolge versuchte die Maschine viermal zu landen. Die Unglücksmaschine war mindestens 20 Jahre alt.

Die russische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass als Unglücksursache das neblige Wetter, ein technischer Defekt oder menschliches Versagen in Frage kämen. Kreml-Chef Dmitrij Medwedew setzte eine Untersuchungskommission unter Leitung von Regierungschef Wladimir Putin ein.

Nach Angaben des polnischen Außenministeriums starben bei dem Unglück 88 Menschen. In ersten Berichten war noch von 132 Toten die Rede.

Die polnische Regierung von Premierminister Donald Tusk kündigte ein Krisentreffen für diesen Samstag an.<

Die große polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza zeigt sich heute im Internet schwarz umweht und mit einer Schleife der Trauer.

Am besten informiert zeigt sich momentan die Internet-Zeitung Russland-Aktuell von Gisbert Mrozek. Hier finden sich die meisten Details zu einer (Flugzeug-) Katastrophe, die abhängig von der Aufklärung der Unfallursache auch eine politische werden könnte.

In dem Artikel heißt es zuletzt:

>Durch das Unglück sind Russland und Polen nun erst einmal zu einer Zusammenarbeit bei der Aufklärung der Absturzursachen gezwungen – wobei es sicher auch darum gehen wird, Verschwörungstheorien zu entkräften. Denn diese werden nach diesem Drama kaum auf sich warten lassen.<

Die New York Times und deren Korrespondenten Michal Piotrowski (Warschau) und Clifford J. Levy (Moskau) berichten über Reaktionen auf den Absturz.

So wird der frühere Präsident Aleksander Kwasniewski zitiert:

>“It is a damned place, it sends shivers down my spine. First the flower of the Second Polish Republic is murdered in the forests around Smolensk, now the intellectual elite of the Third Polish Republic die in this tragic plane crash when approaching Smolensk airport. …This is a wound which will be very difficult to heal”<

 

Über die Geschichte des für die Polen „verdammten“ Ortes Smolensk, liest man in der Wikipedia:

>1611, während des Polnisch–Russischen Krieges von 1609–1618, wurde die Stadt nach einer fast zweijährigen Belagerung von polnisch-litauischen Truppen eingenommen, und bildete ab 1618 – vertraglich mit den Moskowitern fixiert – einen Teil von Polen-Litauen. Sie wurde auch Sitz einer Woiwodschaft.

Der russische Versuch der Rückeroberung von Smolensk war der zentrale Streitpunkt des „Smolensker Krieges“ von 1632–1634. Die Stadt wurde schließlich 1654, während des Russisch-Polnischen Krieges von 1654–1667, von den Truppen des Zaren erobert und kam vertraglich und endgültig 1667 wieder an Russland. 1708 besiegte in der Nähe von Smolensk der schwedische König Karl XII 6000 Kosaken und Kalmücken. 1812 eroberte Napoleon sie auf seinem Weg nach Moskau nach hartem Kampf.

1918 wurde Smolensk zu einem Teil von Weißrussland erklärt, 1919 wurde dort die Weißrussische Sowjetrepublik gegründet. Im Zweiten Weltkrieg war sie ebenfalls hart umkämpft. In der Kesselschlacht bei Smolensk im Spätsommer 1941 wurde die Stadt besetzt und fast vollständig zerstört.
Tausende Bewohner der Stadt kamen ums Leben oder wurden zwischen 1941 und 1943 zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich gebracht.

Im Herbst 1943 wurde die Stadt von der Roten Armee zurückerobert. Anschließend wurden Teile der Stadt originalgetreu wieder aufgebaut. In Smolensk bestand das Kriegsgefangenenlager 256 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.<

Noch ein Unfall: Stell Dir vor, es brennt im Odenwald und keiner schaut hin

BildGestern schien es dort jedenfalls zu brennen, das meldete die Polizeidirektion Südhessen von Bad König:

>Zwei auf dem Festplatz in der Schwimmbadstraße geparkte Autos haben Montagfrüh (22.2.) gegen 3.30 Uhr aus bislang ungeklärter Ursache gebrannt. Trotz des raschen Löscheinsatzes der Feuerwehr brannten die beiden Fahrzeuge komplett aus. Ein in unmittelbarer Nähe stehender weiterer Personenwagen wurde durch die Hitze ebenfalls beschädigt. Die Kripo in Erbach hat die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache aufgenommen. Die Schadenshöhe wird auf etwa 20.000 Euro geschätzt.<

Etwas verwirrender ist der Inhalt einer eMail, die uns heute erreichte. Wenn es zutrifft, was darin zu lesen ist, gab es gestern im Herzen des Odenwaldes einen schweren Verkehrsunfall und deswegen weitere Polizei- und Feuerwehreinsätze. Erstaunlicherweise gibt es dazu aber keine Polizeimeldungen – bislang jedenfalls. Wir zitieren eine Leserin, die anonym bleiben möchte:

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>Gestern Abend, ungefähr gegen 18:45, war ich mit Freundinnen auf dem Nachhauseweg von Bad König nach Erbach.
Auf Höhe zwischen Zell und Michelstadt Parkplatz ein Stau. Vor uns brennende Autos, Schreie.
Fünf Minuten später kamen mehere Feuerwehrautos, mehrere Unfallwagen aus beiden Richtungen, mehrere Notärzte, Polizeiaufgebot. Uns wurde Angst und Bange. Uns wurde schlecht, von dem, was wir von weitem sehen konnten. Nach einer dreiviertelstunde Wartens wurde uns mitgeteilt, es könnte noch eine Stunde dauern, bis die Bergungsarbeiten erledigt wären.
Nun fuhren wir zurück und über Brombachtal, Rehbach, Steinbach nach Hause.
Heute Morgen schlug ich unser Zeitung auf, voller Erwartung, dass ich etwas Näheres erfahre von dem Massenaufgebot.
Aber ich wurde wieder mal enttäuscht, nichts steht drin. Ist unser schöner Odenwald nicht würdig, dass man ihn erwähnt?
Dann ging ich ins Internet, auch nichts aktuelles. Dabei stieß ich auf Ihre Seite.
Und habe gelesen, dass ich nicht die einzige bin, die mit der Odenwälder Zeitung nicht zufrieden ist.<

… Die ‚Odenwälder Zeitung‘ bzw. das von Gerhard Grünewald chefridiculierte Odenwälder Echo ist eben ein klassisches Käseblatt. Von all ihren Übeln ist freilich eine fehlende Polizeimeldung noch das kleinste.

Bild(Erst) Seit heute (16:10 Uhr) kann man auf presseportal.de/polizeipresse nachlesen, was gestern auf der B 45 geschah:

>Am Montagabend (22.2.) kurz vor 19 Uhr, kam es auf der Bundesstraße 45 zwischen Michelstadt und Bad König zu einem schweren Verkehrsunfall, an dem zwei Personenwagen beteiligt waren.
Dabei zogen sich die beiden Fahrerinnen schwere Verletzungen zu.
Aus bisher ungeklärter Ursache geriet die von Michelstadt kommende 48-jährige Fahrerin aus Kirch-Brombach nach dem Durchfahren einer langgezogenen Linkskurve auf die Gegenfahrspur.
Dort stieß sie mit einem entgegenkommenden Personenwagen, der von einer 29 Jahre alten Frau aus Michelstadt gesteuert wurde, zusammen.
Die 29-Jährige war auf der B 45 von Bad König kommend in Richtung Michelstadt unterwegs. Sie konnte von Ersthelfern aus dem völlig deformierten Pkw geborgen werden. Die 48-jährige Fahrerin aus Kirch-Brombach wurde in ihrem Pkw eingeklemmt und musste durch den Einsatz der Rettungsschere von der Feuerwehr Michelstadt aus ihrem Pkw befreit werden. Für die Dauer der Rettungs- und Bergungsmaßnahmen war die B 45 für ca. 2 Std. voll gesperrt. Eine Rundfunkwarnmeldung wurde ausgestrahlt. Die Untersuchungen zur Unfallursache sowie zum genauen Unfallhergang hat ein Sachverständiger noch an der Unfallstelle aufgenommen. An den Fahrzeugen entstand ein Schaden von rund 16.000 Euro.<

BildAuf echo-online.de stellt sich der gleiche Sachverhalt so dar:

>Nicht einmal 48 Stunden nach dem schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 45 in Erbach, sind am Montagabend kurz vor 19 Uhr auf der Odenwälder Hauptverkehrsachse zwischen Michelstadt und Bad König bei einer Frontalkollision zwei Autofahrer schwer verletzt worden. Dabei war eine 48 Jahre alte Wagenlenkerin aus Kirchbrombach mit ihrem Auto von Michelstadt kommend nach dem Durchfahren einer langgezogenen Linkskurve vor der Zeller Kreuzung auf die Gegenfahrspur geraten und frontal mit dem Fahrzeug eines 29 Jahre alten Autofahrers aus Michelstadt kollidiert, der auf der B 45 aus Richtung Bad König kommend in Richtung Michelstadt unterwegs war.
Der 29 Jahre alte Fahrer konnte von Ersthelfern aus dem völlig deformierten Pkw geborgen werden. Die vermeintliche Verursacherin wurde in ihrem Wagen eingeklemmt und musste mittels Rettungsschere von der Feuerwehr Michelstadt befreit werden, teilte die Polizei mit.
Für die Dauer der Rettungs- und Bergungsmaßnahmen war die Bundesstraße 45 zwischen Michelstadt und Zell für rund zwei Stunden voll gesperrt. Eine entsprechende Warnmeldung für die Autofahrer hatte der Rundfunk ausgestrahlt.
Die Untersuchungen zur Unfallursache und zum genauen Unfallhergang hat ein Sachverständiger noch an der Unfallstelle aufgenommen. An den Fahrzeugen entstand ein Schaden von rund 16 000 Euro.<

Wer weiß es also besser: Ist das 29 Jahre alte Verkehrsopfer aus Michelstadt Mann (Echo) oder Frau (Polizeipresse)?

Sämtliche hier gezeigten Bilder sind von der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Michelstadt ins Netz gestellt worden.
Die Fotoserie könnte als Lehrstück für die verheerenden Kräfte dienen, die bei einer (frontalen) Autokollision wirksam werden.

Haiti, mon Dieu! Gott ist nicht fair

Es gibt Tage, wo einem das eigene Idol peinlich sein kann. Wer etwa Michael Jackson liebte, weiß das.
Was nun in Haiti geschehen ist, muss wieder einmal jene verlegen machen, die entgegen allem Augenschein darauf beharren, dass ihr Angebeteter gleichermaßen allmächtig und allgütig sei.
Heute hat der Allmächtige zugelassen, dass ausgerechnet die Ärmsten der Armen noch ein Stück ärmer wurden – was leider nichts Neues ist.

Gelobt im Allgemeinen sei deswegen heute nicht Gott, sondern der Atheismus oder (wenn man an mehr als an nichts glauben will) der Pantheismus. Gelobt im Konkreten sei dagegen praktische Hilfe – die Güte nämlich gibt es nur in uns.

Links:

Holzvergaser-Desaster: Brand im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

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Das Bioenergiedorf Rai-Breitenbach (s. Logo links) ist nicht zu beneiden. Das von Ortsvorsteher Horst Stapp initiierte Projekt hält nicht, was es bzw. er versprach.
Nun kam zu den technischen und finanziellen Schwierigkeiten noch eine (kleine) Katastrophe hinzu.
Am Samstag brach kurz nach 12 Uhr mittag ein Brand im Blockheizkraftwerk aus. Die Ursache ist bislang unbekannt. Sachverständige des LKA ermitteln noch.

Zufällig (oder nicht) kam es einen Tag später auch in Bad König zu einem Brand – auf dem Gelände der Carl-Weyprecht-Schule. In diesem Fall lag wohl Brandstiftung vor. Verdächtigt wird ein 15 bis 18 alter Jugendlicher, „mittelgroß und von hagerer Statur„.
Er könnte jener Feuerteufel sein, der alle zwei bis drei Wochen im Raum Höchst / Bad König zündelt. Seit Dezember 2008 kam es da zu mindestens 12 größeren Bränden.

Über den Brand in Rai-Breitenbach berichtet Birgit Reuther im Odenwälder Echo:

>Als hätte die Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach nicht genug Probleme: Im Blockheizkraftwerk hat es am Samstagmittag im Bereich des Holzvergasers, einem wichtigen Bestandteil der Anlage zur Nahwärmeversorgung des 900-Seelen-Dorfs, gebrannt. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Schwelbrand in einem Bevorratungsbehälter für Holzhackschnitzel direkt neben dem Holzvergaser.

Zwar gelang es den Einsatzkräften der Feuerwehren, ein Übergreifen der Flammen auf das gesamte Gebäude zu verhindern, doch wurden auf jeden Fall die gesamte Elektrik sowie Teile von Dach und Wänden des in Strohballenbauweise errichteten Kraftwerks zerstört. Die Polizei geht von einem Schaden aus, der zwischen 150 000 und 250 000 Euro liegen dürfte, die Brandursache ist bislang ungeklärt. Am heutigen Montag werden Sachverständige des Landeskriminalamts ihre Ermittlungen am Ort des Geschehens fortsetzen.<

Manfred Leuther, ein technisch versiertes Mitglied des Aufsichtrats der Genossenschaft, fürchtet größere Schäden.
Das Echo zitiert ihn so:

Das wird wohl um einiges teurer, denn das Dach muss ja wohl runter, die Innenwände sind mit giftigen Dämpfen kontaminiert.“

Zum Desaster mit dem Holzvergaser heißt es in dem Artikel zuletzt:

>Um den Holzvergaser als wichtigen Bestandteil der Rai-Breitenbacher Anlage hat es – wie berichtet – in den vergangenen Monaten verstärkt Unstimmigkeiten in den Reihen der Genossenschaft gegeben. So weisen besorgte Mitglieder darauf hin, dass die Technik der Holzvergasung (Pyrolyse) laut mehrerer Gutachten und Studien noch nicht genügend erforscht ist, um auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicher eingesetzt werden zu können.

Tatsächlich steht der Holzvergaser im Breuberger Stadtteil öfter still als er läuft. Diese Komponente des Kraftwerks, die über die Verstromung Geld in die Kassen der Genossenschaft bringen soll, erbringt seit etwa einem Jahr nur rund 30 Prozent der ursprünglich kalkulierten und zur Finanzierung erforderlichen Leistung.<

Heute erschien auf den Odenwald-Geschichten ein Kommentar, der auf den Brand Bezug nimmt. Wir zitieren daraus:

>Um H. Kickstein, den hoch qualifizierten Spezialisten (nach eigner Aussage), war es in den letzten Wochen und Monaten sehr, sehr ruhig geworden.
War ihm der Stoff für neue Märchen ausgegangen oder hatte er andere Gründe, hinter einer Wand des Schweigens zu verschwinden??
Das hat sich am 17. 10. 2009 infolge des Feuers im Heizwerk, welches wohl durch die Holzvergasungsanlage entstanden ist, schlagartig geändert.
Er stand als 1. Vertreter des Vorstandvorsitzenden, welcher angeblich am Wochenende auf einer Dienstreise nach Berlin war, um Gelder für das Bioenergiedorf (Genossenschaft?) zu beschaffen, an vorderster Front und schon gab es von ihm wieder die ersten neuen, wenn auch kleinen Stories.
Eine Katze lässt das Mausen halt mal nicht.

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Infolge des Brandes in der Heizungsanlage zeigte es sich, dass die zwei Meistererzähler auch gelehrige Schüler im Dorf gefunden haben.
Da wird schon erzählt, dass es sich nur um Brandstiftung handeln könne und dafür käme ja wohl nur ein bestimmter Personenkreis im Dorf in Frage, wo man suchen müsste usw.
(Vermutlich ist die Interessengemeinschaft dieser Personenkreis).
Die Staatsanwaltschaft nimmt jedoch erst heute, am Montag die Ermittlungen zu der Brandursache auf. Die diese Geschichten in Umlauf bringen, haben wohl mal wieder vergessen, erst vor der eignen Tür zu kehren. Wir werden sehen, wie sich die Geschichte(n) entwickelt und in Odenwald-Geschichten an geeigneter Stelle berichten.<

In dem Kommentar wird darauf hingewiesen, dass ein relevantes Dokument („Präsentation des technischen Konzeptes“), das ursprünglich wohl über die Website des Bioenergiedorfs abgerufen werden konnte, dort derzeit nicht oder nicht länger verfügbar ist:

Technisches_Konzept_aus_der_Generalversammlung_26.08.2007.pdf 4.75 MB

Gibt es da etwas zu verbergen, etwa absehbare technische Mängel, die letztlich zu dem Brand führten?

Bad König: Brand in einem Wohnhaus fordert einen Toten

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>Ein 73jähriger Mann kam bei einem Band am Donnerstag (2.) in Bad König ums Leben. Am Donnerstag (2.) gegen 0.45 Uhr wurde die Feuerwehr Bad König und die Polizei in Erbach wegen eines Brandes in der Kimbacher Straße in Bad König alarmiert. Nachbarn hatten starken Qualm entdeckt und die Rettungskräfte alarmiert. Versuche der Nachbarn, den in dem Wohnhaus allein lebenden Mann aus der Wohnung zu holen, scheiterten an der starken Rauchentwicklung. Schon wenige Minuten nach der Alarmierung waren die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr am Brandort, holten den bereits leblosen Mann aus dem Wohnhaus und löschten den Brand ab. Der ebenfalls alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod des Rentners feststellen. Ein Feuerwehrmann wurde bei dem Einsatz verletzt, durch den Rettungsdienst versorgt und anschließend ins Krankenhaus nach Erbach gebracht. Zur Brandbekämpfung und Feuerwache waren und sind die Freiwilligen Feuerwehren aus Bad König, Zell, Kimbach und Höchst eingesetzt. Zur Betreuung der Angehörigen wurde ein Kriseninterventionsteam alarmiert und vor Ort eingesetzt. Noch in der Nacht wurden erste Ermittlungen zur Brandursache eingeleitet. Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine Aussage gemacht werden, warum es zu dem Brand gekommen ist.< Quelle: ots / polizei.hessen.de

Bergstraße: Jäger beim Jagen von Kollege erlegt – Hornberger Schießen endet tödlich

... sonst wird Dich der Jäger holen. Die Jagd. Vergnügen und Verderben

Kurt Eicher, Studiendirektor am Justinus-Kerner-Gymnasium in Heilbronn, will den „alltäglichen Wahnsinn in unseren Wäldern nicht mehr länger dulden.“
Er lehnt die Jagd in Europa „aus ethischen und ökologischen Gründen“ grundsätzlich ab und betreibt zu diesem Zweck die Websites anti-jagd-demo.de und abschaffung-der-jagd.de.

Dort schreibt er:

>300.000 Jäger bringen in Deutschland jährlich 5 Millionen Tiere um. Vielfach auf grausamste Weise: Hasen durch Schrotladungen, die sie vor Schmerz aufschreien lassen wie kleine Kinder; Rehe und Wildschweine durch »Expansionsgeschosse«, die aus den schwer verwundeten Tieren Blut und Darminhalte als »Pirschzeichen herausschlagen«, damit sie auf der Flucht Spuren für die Nachsuche hinterlassen; Marder und Füchse unter anderem durch Fallen, die den Tieren einen elenden Todeskampf bereiten. Junge Wildschweine geraten in Panik, weil man ihre Leitbache totschießt. Rehkitze sehen hilflos ihre Mütter verbluten. Was in Bambi-Filmen dem Publikum die Tränen in die Augen treibt, gehört in unseren Wäldern zum grausamen Alltag. […]
Es gibt keine Rechtfertigung mehr, dass wir den blutigen Krieg gegen unsere Mitgeschöpfe in Wald und Feld fortsetzen. Vielleicht war der Mensch früher auf seine Jagdbeute zum Überleben angewiesen. Heute dient sie nur mehr der Fleischsucht einiger Gourmets, die auf ihren Hasen- und Rehbraten nicht verzichten wollen. Vor allem aber lebt die Jagd von der Lust der Jäger zu töten, bequem und feige von Hochständen herunter und aus dem Hinterhalt zu schießen, vor denen sie ihre ahnungslosen Opfer zur Henkersmahlzeit versammeln. Unzählige Schusstürme säumen Waldränder und Waldwege, für die Tiere gibt es kaum ein Entkommen. Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, sagte treffend: »Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«

Es wird höchste Zeit, von der Tradition der legalisierten Lust-Tötung von Tieren Abschied zu nehmen, von einer Tradition, die vom Hochadel und von Kirchenfürsten, von Politikern und Neureichen übernommen wurde, um menschliche Geltungsbedürfnisse und Aggressionen zu befriedigen.<

Zu den Opfern der Jagd zählt er Wildtiere, Haustiere und Menschen – und nennt dazu Zahlen:

>In Deutschland werden jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere mit Kugel oder Blei erschossen, erschlagen oder in Fallen grausam getötet. […]
Jahr für Jahr (werden) etwa 300.000 Hauskatzen und an die 40.000 Hunde von Jägern erschossen, erschlagen oder in Fallen gefangen.
Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen.<

Die letzte Statistik verzeichnet allein an diesem Wochenende zwei weitere Todesfälle – was Kurt Eicher ein „Verbot der Hobbyjagd jetzt!“ fordern lässt.

An der Bergstraße wurde ein 40 Jahre alter Landwirt aus Leeheim von einem Kollegen erschossen – angeblich hatte der ihn mit einem Wildschwein verwechselt.

Der Mann wurde am Waldrand von Einhausen von einem Projektil in den Kopf getroffen und war auf der Stelle tot.
Das Polizeipräsidium Südhessen schreibt dazu:

>An der Treibjagd auf Wildschweine waren insgesamt 37 Schützen und 12 Treibern beteiligt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen noch am Tatort aufgenommen. Bislang ist der genaue Tathergang unklar, insbesondere die einzelnen Positionen der Jagdbeteiligten bei Schußabgabe. Die Schußwaffen aller Beteiligten wurden sichergestellt. Seitens der Polizei geht man von einem Unfall aus; die Ermittlungen werden wegen fahrlässiger Tötung geführt.<

Ausführlich berichtet über diesen Fall der Mannheimer Morgen. So heißt es dort:

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>Die Treibjagd, zu der Jagdpächter Anton Rau seit vielen Jahren einlädt, ist in Einhausen ein gesellschaftliches Ereignis. Zur Begrüßung der Gäste erschien auch Bürgermeister Philipp Bohrer und wünschte einen guten Verlauf.

Jagdherr Rau gab vor dem Treiben die Regeln bekannt. Ausdrücklich betonte er, dass nur aus dem Treiben, nicht in das Treiben geschossen wird.

Wie Teilnehmer an der Jagd mitteilten, durften die Treiber-Schützen aus Sicherheitsgründen ihre Waffen nicht einmal laden, sondern nur einen Fangschuss aus unmittelbarer Nähe anbringen, wenn sie auf waidwund geschossenes Wild treffen.

Unmittelbar bevor der Mann mit einem Kopfschuss zusammenbrach, ertönte im dritten Treiben des Tages der Ruf „Sauen“. Es wurde mehrmals geschossen. Wie ein Augenzeuge berichtete, wurde der Jäger, der zur Sicherheit eine orangefarbene Mütze trug, zeitgleich von einem Treiber und einem Jäger gefunden.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Die Zwischenüberschrift „Jagdherr achtete auf Sicherheit“ wirkt in Anbetracht des Geschehens ein wenig makaber.
Auch das Darmstädter Echo berichtet heute über den Vorfall: „Schuss tötet Jäger während der Treibjagd

hr-online.de schreibt, dass es zwei Tage später noch keine Hinweise auf den Schützen gibt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittele – bislang wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.
Auf der Website des „Jagdklub Sankt Hubertus Bergstrasse“ finden sich zur Zeit noch keine Informationen über den (vermuteten) Jagdunfall.

Ebenfalls am vergangenen Samstag starb in der Nähe von Freiburg der 46 Jahre alte Hornberger Forstrevierleiter Franz-Josef Mayer durch die Kugel eines Freundes.
In der Mittelbadischen Presse schreibt dazu Claudia Ramsteiner:

>Der Förster hatte sich, in einen Poncho gehüllt, auf einem Pfosten sitzend an einen Baum gelehnt und wartete auf Wild. Sein Freund befand sich 50 bis 80 Meter unterhalb dieser Stelle. Offensichtlich wusste er nicht, dass sich der Förster unweit von ihm aufhielt.
Als der Jäger ein »Rascheln« im Wald vernahm, legte er sein Gewehr an. Er sah im Zielfernrohr angeblich einen dunklen Schatten, den er für ein Wildschwein hielt, und drückte ab, berichtete die Polizei gestern von den ersten Ermittlungen. Die Kugel traf jedoch den Förster in den Rücken. Ein Notarzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.<

Skiunfall von Dieter Althaus: Ist er schuld am Tod von Beata Christandl?

Sport ist Mord
[UPDATE 2: Es sieht nicht gut aus für den thüringischen Ministerpräsidenten. Medizinisch ist laut einem aktuellen Bulletin (8. 1.) seiner Ärzte „nach wie vor … die zeitliche und örtliche Orientierung noch nicht vollständig vorhanden.“ Auch juristisch sieht es nicht gut aus für ihn. Der MDR berichtet, dass der verunglückte Politiker Verletzungen an der rechten Seite habe. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass Althaus den Unfall durch ein unverantwortliches Fahrverhalten herausgefordert hatte.
In den Worten des MDR würde es bedeuten, „dass er beim Zusammenprall nicht auf dem Weg nach rechts war, sondern links an der entgegenkommenden Skitouristin vorbei wollte. Auch dass der Unfall so weit auf dem Gebiet der anderen Piste stattgefunden habe, werde als Indiz dafür gesehen, dass Althaus nicht dem Pistenverlauf folgend nach rechts abgebogen war.“ [Hervorhebungen von uns]

Sollte die Kollisionsroute durch eine eingestellte Grafik zutreffend dargestellt sein, wäre Althaus kurz vor dem Zusammenstoß buchstäblich von allen guten Geistern verlassen gewesen. Der Ministerpräsident ein Hasardeur auf der Piste? Für diesen Fall sieht der Berliner Kurier sein politisches Aus voraus.
Die WELT formuliert es differenzierter:

>Sollte sich der Eindruck bestätigen, dass sich Althaus auf der Piste falsch verhielt, droht ihm ein Gerichtsverfahren. Der politische Schaden für den Ministerpräsidenten wäre in jedem Fall immens.<

UPDATE 1: Mittlerweile werden auch in den etablierten Medien die im Grunde sehr naheliegenden Fragen gestellt, die in unserem Artikel schon früher aufgeworfen wurden.
Die morgen erscheinende aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazin SPIEGEL berichtet auf Seite 30 über den „verhängnisvollen Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus“. Es wird gefragt, ob Althaus als „Geisterfahrer“ auf die falsche Piste geriet. Weiter heißt es: „Dass die Slowakin den Unfall verursacht hat, scheint aber eher unwahrscheinlich.“
(Die Logfiles von odenwald-geschichten.de verzeichnen übrigens auch heute morgen wieder Zugriffe über den Proxyserver igate.spiegel.de.)
Die Berliner Zeitung zeigt ebenso wie BILD eine große Grafik über den vermuteten Unfallhergang.
Das Hamburger Abendblatt spekuliert nun ebenso wie die Magdeburger Volksstimme über ein Ende der politischen Karriere von Althaus – unabhängig vom Fortgang seiner Genesung.
Der Guardian titelt heute: „Merkel ally could face manslaughter charge over skiing collision“. UPDATE Ende]

Nur wenige Monate nach dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider könnte erneut ein sich gerne als viril zeigender Politiker Opfer eigener Selbstüberschätzung geworden sein.
Haiders Thüringer Kollege Dieter Althaus (CDU) verunglückte schwer – am Neujahrstag, ebenfalls in Österreich, im Skigebiet Riesneralm.

Sollte sich der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, laut taz nun ein „politischer Patient„, von den Folgen seines Skiunfalles erholen, was zu hoffen ist, kann man gespannt sein, ob die Schuldfrage geklärt wird.
Bei dem Unfall starb die 41 Jahre alte Beata Christandl, sie hinterlässt ein einjähriges Kind.
Der MDR meint, die Ursache des Unfalls bleibe “rätselhaft”. Dabei muss es nicht bleiben. Im BLÖD-Blatt BILD wird der zuständige Staatsanwalt Walter Plöbst aus Leoben zitiert:

>Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung. Wir hoffen, dass wir Anfang nächster Woche durch den eingesetzten Sachverständigen und die Gerichtsmedizinerin die Art der Kollision klären können und Rückschlüsse ziehen können, wer den Unfall verschuldet hat.<

Auch die Basler Zeitung berichtet, dass gegen Althaus wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.

Unfallstelle von Dieter Althaus auf der Riesneralm

Unter einem auf SPIEGEL Online veröffentlichten Polizeibild (s. rechts) heißt es: “Die Unglückstelle ist mit dem grünen Kreis markiert und liegt hinter einer Absperrung.” [Hervorhebung von uns].
Diese Absperrung müsste Althaus eigentlich durchbrochen (zumindest aber umfahren) haben, wenn die Fahrspuren (Althaus: rot, Beata C.: blau) und die Unglücksstelle korrekt eingetragen wurden!
Althaus war seinem Leibwächter (angeblich) davon gefahren, vermutlich war er zu schnell unterwegs und lenkte statt nach rechts nach links (bergaufwärts), um so seine Geschwindigkeit drosseln zu
können – dabei kam es wohl zu der Kollision mit Christandl.

Unfallstelle von Dieter Althaus und Beata Christandl

Ein weiteres Bild (s. links) in der Fotostrecke des SPIEGEL zeigt die „Piste aus der Sicht der Skifahrerin“.
Darunter steht:
„Althaus kam auf der Piste rechts. Vor dem Fangzaun prallten die beiden aufeinander.“
[Hervorhebungen von uns]
Doch wie geschah das? Wie und warum kam Althaus auf die andere Seite des Fangzauns?

IM FOCUS wird der Geschäftsführer des Skigebiets Riesneralm in der Steiermark, Erwin Petz, so zitiert:

>Es ist an einer Stelle passiert, wo man sagt, da kommt man normal gar nicht hin. (mp3) < [Hervorhebung von uns]

Dann müsste Althaus also „unnormal“ dorthin gekommen sein.

Der Unfall ist derzeit Thema in verschiedenen Webforen. Viele zweifeln daran, dass der Unfallhergang und die Schuldfrage aufgeklärt wird.
In der Süddeutschen Zeitung schrieb schon vor 2 Tagen ein Leser:

>wer wie ich mit zig-tausend anderen Sportlern seit vielen Jahren genau diese Unfallstelle von beiden Seiten passiert, kann diese vollständig falsche Berichterstattung nur mit Entsetzen verfolgen. Das ist Rechts- und Tatsachenverdrehung.
Wer von der „Sonnigen“ kommt, hat aufgrund des wesentlich steileren Gefälles, als auf der „Panorama“, die absolut höhere Geschwindigkeit und damit kinetische Energie. Damit auch die höhere Sorgfaltspflicht beim Einfädeln.
Ein Frontalzusammenstoß bedeutet, dass Hr. A. falsch, nämlich nach links entgegen der Fahrtrichtung abgebogen ist, also verkehrswidrig.
Aber die Tatsachen haben fast noch nie eine Rolle gespielt, wenn es um Politik(er) geht. <[Hervorhebungen von uns]

IM SPIEGEL-Forum begründet eine Leser seine Schuldvermutung:

>Ganz einfach: Wenn jemand in Schussfahrt mal eben die begleitenden Sicherheitsleute so weit abhängt, dass diese den Unfall nicht mal mehr sehen können!!!!! ….ist eine Unschuldsvermutung auch in meinen Augen nicht mehr zwingend gerechtfertigt.<


Ministerpräsident Dieter Althaus (Wikipedia)

Irritierend war eine Berichterstattung, die Althaus a priori (oder a politi?) von jeder Schuld freisprechen will. Da wird auf seinen Schutzhelm verwiesen, obwohl dieser nur erklärt, warum er selbst mit dem Leben davonkam, aber nicht, wie es zu dem Unfall kam.
Tatsächlich könnte Althaus auch wegen dieses Schutzhelms schneller und riskanter gefahren sein als Christandl, die Sportlehrerin war.
Dafür spricht auch, dass der 50-Jährige seinem deutlich jüngeren Bodyguard davon gefahren sein soll, sogar außer Sichtweite, was eigentlich gar nicht geschehen durfte.
[Eine delikate Frage: Was wäre eigentlich, wenn der Leibwächter – seinem Auftrag folgend – Althaus nicht aus dem Auge verloren hätte? Würde er dann, als (einziger) Zeuge, eine mögliche Schuld seines „Schützlings“ an dem fatalen Zusammenstoß bezeugen?
Mit dem konnte er sich nach dem Unfall noch verständigen, Althaus hatte erst später das Bewusstsein verloren.]

Interessant ist auch, was Michael Frank dazu vorgestern in der Süddeutschen Zeitung („Rätsel um den tödlichen Moment„) schrieb:

>Wie gefährlich ist das Skifahren wirklich? Der Unfall des thüringischen Premiers und des slowakischen Todesopfers wirft diese Frage um so deutlicher auf, da er sich keineswegs auf einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys ereignet hat, sondern auf einem Areal, das als familienfreundlich und eher harmlos gilt.
Der Zufall will es, dass es keine unmittelbaren Zeugen gibt, obwohl beide in Begleitung waren. Die Skifahrer waren mit „mittlerem“ Tempo unterwegs. Hinter Althaus fuhr ein Beamter seines Personenschutzes, hinter der Slowakin ihr österreichischer Ehemann.
Beide haben nichts von dem Zusammenstoß mitbekommen. So müssen Spurensicherer des steirischen Landeskriminalamtes „Sachbeweise“ buchstäblich aus dem Schnee kratzen, um Hergang und Schuldfrage zu klären. Gelingen dürfte das kaum.< [Hervorhebungen von uns]

Warum eigentlich sollte das nicht gelingen? Und muss die Fahrweise von Althaus als „harmlos“ gelten, nur weil er nicht auf „einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys“ unterwegs war. Gibt es „Pistenrowdys“ ausschließlich auf „einschlägigem Terrain“?
Warum ist ausgemacht, dass der „Premier“ mit „mittlerer Geschwindigkeit“ unterwegs war, wo es doch angeblich keinen „unmittelbaren Zeugen“ des Unfalls gibt?
Erwartet man im Ernst, dass der von Althaus (weit?) hinter sich gelassene Personenschützer seinem Chef eine überhöhte Geschwindigkeit anlastet?

Inzwischen hat sich doch ein Augenzeuge des Unfalls gemeldet. Er wurde bereits vernommen. Auch die Obduktion des Unfallopfers ist abgeschlossen. Erst in etwa 4 Wochen will die Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz die Ermittlungsergebnisse mitteilen.
Ein neuer Artikel in der Süddeutschen von Birgit Lutz-Temsch geht auf die geänderte Situation ein:

>Dieser Zeuge, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft im steirischen Leoben bereits befragt wurde, könnte den Vermutungen um den Unfallhergang nun ein Ende setzen.[…]
Der Ort der Kollision nun liegt ein Stückchen oberhalb dieser Einmündung auf der blauen Piste. So weit die Fakten.
Dass einzelne Pisten aufeinandertreffen und dann vereint weiter den Berg hinabführen, ist üblich. In jedem Skigebiet stellen solche Vereinigungen besondere Gefahrenpunkte dar und erfordern von jedem einzelnen Skifahrer erhöhte Aufmerksamkeit – aber grundsätzlich kann ein Skifahrer an einer solchen Stelle fahren, wohin er will. Laut den Regeln des Internationalen Skiverbands (FIS) gibt es keine Geisterfahrer, denn auch hangaufwärts fahren ist erlaubt.[…]
Allem Anschein nach ist Althaus ein Stück hangaufwärts gefahren und hat damit also noch nichts Regelwidriges getan.
Sollte sich aber herausstellen, dass er dies mit hoher Geschwindigkeit und ohne die angemessene Sorgfalt getan hat, dann hat er sehr wohl gegen Regeln verstoßen, und nicht nur gegen die fünfte. Denn ausnahmslos alle FIS-Regeln mahnen Ski- und Snowboardfahrer zu Vorsicht und Umsicht. […]
Es ist auf den Pisten jedoch oftmals zu beobachten, dass es sich gerade bei Fahrern mit Helm um risikobereitere, schnelle Fahrer handelt. Helme und sonstige Schutzkleidung scheinen teils den Effekt zu haben, dass sich der Fahrer sicherer wähnt und sich selbst deshalb einen breiteren Handlungsspielraum erlaubt. Im Bergsport allgemein gibt es die Tendenz, mittels einer ausgefeilten technischen Ausrüstung fehlende Erfahrung, Sorgfalt und Können kompensieren zu wollen.< [Hervorhebungen von uns]

Ziemlich polemisch geht es im Forum der Stuttgarter Zeitung zu, wo die Frage gestellt wird, ob Althaus betrunken war, denn: „auf dieser Schneeautobahn gibt es keine Zusammenstösse wenn man Skifahren kann – schon gar keine mit Todesfolge.“

Der Ehemann der bei dem Unfall getöteten Skifahrerin, Dr. Bernhard Christandl (47), ist ein ranghoher Militär. In einem aktuellen Artikel des Virginian Pilot heißt es über das in Virginia Beach wohnende Ehepaar:



>According to several reports, Christandl was skiing with her husband, Bernhard Christandl, a colonel in the Austrian army, shortly before 3 p.m. Thursday when a crash occurred at the intersection of two ski slopes.[…]
Christandl was a Slovakian citizen who had lived with her husband in the 4200 block Country Club Circle for more than two years. Bernhard Christandl was assigned as a liaison to NATO Allied Command Transformation in Norfolk.<

Oberst Bernhard Christandl, der beim österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) für die militärpolitische Interessenvertretung bei der EU, WEU und NATO zuständig ist, wird wohl darauf bestehen, dass der Hergang des Unfalls, dem seine Frau zum Opfer fiel, geklärt wird.
Das Boulevard-Blatt „Österreich“ weist in seinem Artikel zu dem „Pistencrash“ darauf hin, dass „fahrlässige Tötung … in Österreich mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft“ wird.

Althaus, der inzwischen aus dem künstlichen Koma erwachte und u.a. von seiner Frau Katharina besucht und gesprochen wurde, habe noch nicht nach der ums Leben gekommenen Skifahrerin gefragt.
Darüber bin ich froh„, zitiert der FOCUS Gerold Wucherpfenning, Bauminister unter Althaus und einer der ersten Besucher an dessen Krankenbett.

Im Skisport gibt es für einen rücksichtlosen Skifahrer den Schimpfnamen “Pistensau”. Im Englischen heißt es dezidierter “terror of the slopes”.

Die FIS-Verhaltensregeln für Skifahrer schreiben u.a. vor:

>Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. […]
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen. […]
Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren … will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.<

Ein Sachbuch von Patrick Schenner klärt über Haftungsfragen bei Skiunfällen auf: Skiunfall! Wer haftet?: Schadenersatz im österreichischen Skirecht
Die WELT rät akutell zu guter Versicherung: „Wenn der Skiunfall ein teures Nachspiel hat
Es gibt Crashtests, die die tödlichen Gefahren bei einem Skiunfall simulieren. SPIEGEL Online zeigt einen solchen Crashtest in einem Video.
Ein aktuelleres SPIEGEL-Video stellt die möglichen Kollisionsrouten nach.

Neues vom Grölojaz Gerhard Grünewald: „Odenwald geht eine Konstante verloren“

Sternstunden der Menschheit. Zwölf historische Miniaturen.Der größte Lokaljournalist aller Zeiten, Gerhard Grünewald, Chefredakteur des Odenwälder Echo, hat dieser Tage wieder ein Zeugnis seines Könnens abgelegt – in Form eines sensiblen und abgrundtief reflektierten Nachrufs auf die im Alter von 78 Jahren verstorbene Inge John.
Wer es nicht wusste, hätte diese Echo-Zeilen ohne weiteres auch Stefan Zweig zuschreiben können, der in seinen zahlreichen Biographien wunderbare Worte für verblichene, große Geister fand.
Sternstunden der Menschheit!
Grünewalds Nachruf „zum Tod der vielfach engagierten Michelstädter Christdemokratin Inge John“ ist jedenfalls eine Sternstunde des Odenwälder Lokaljournalismus und verdient, zitiert zu werden:

>Feste Wertvorstellungen, ausdauernde Einsatzbereitschaft und menschliche Verbindlichkeit – in einer Zeit der Wechselhaftigkeit bildete Inge John über Jahrzehnte hinweg eine Konstante, an der sich Halt finden ließ.
Eine Stütze fanden in der streitbaren Michelstädterin neben ihren Verwandten, Freunden und Bekannten viele Mitbürger – entweder direkt oder über die Entwicklung der Stadt Michelstadt und der CDU. Nun ist auch dieses Beispiel an Verlässlichkeit der Vergänglichkeit erlegen: Die Michelstädter Ehrenstadtverordnete Inge John ist am Samstag im Alter von 78 Jahren gestorben.
Die Christdemokraten können die Eigenschaften der Michelstädterin wohl mit am besten beurteilen, denn in der CDU fand sie ihre persönliche Ethik verkörpert – und brachte sich deshalb im Gegenzug in die Arbeit dieser Partei und auf diesem Weg in die Gesellschaft ein. […]
Ist Inge John als gebürtige Michelstädterin ihrer Heimat doch stets ebenso treu geblieben wie ihrem mit der eigenen Herkunft verbundenen Selbstbewusstsein. Als älteste von vier Töchtern des Metzgermeisters Jakob Schlörit und Mitinhaberin eines Landmaschinenhandels, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Gotthard John führte, stand die Christdemokratin stets mitten im Leben. Wahrscheinlich gab ihr dies das Gespür, dessen es bedarf, um Erfordernisse der Zeit früh zu erkennen und entsprechend zu handeln.< [Alle Hervorhebungen von uns]

Ja, „wahrscheinlich“ war das so.
Übertroffen wird Inge John allerdings von der „Alten Eiche“ am Ortseingang von Dausenau, die schon seit ca. 650 Jahren „eine Konstante“ ist, an der sich buchstäblich Halt finden lässt.
Ihr gegenüber sind wir doch alle nur Variablen. Auch Gerhard Grünewald ist eine menschliche und journalistische Variable, die uns kein x für eine Null vormachen kann.
Konstant bzw. gleichbleibend (und zwar absolut!) ist bei ihm freilich die Qualität seines Schreibens – und dies schon seit über 40 Jahren!
Wenn man sich daran nicht festhalten kann…