Archiv der Kategorie: Bioenergiedorf

Allianz-Konzern den Krieg erklärt: Bioenergiedorf Rai-Breitenbach kämpft ums Überleben und für Schadensregulierung

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

… diese Regulierung, notwendig geworden nach einem Brand, verweigert der Versicherungsriese laut Pressemitteilung der Genossenschaft. Der „Krieg“ soll allerdings ein ganz gewaltloser sein.

UPDATE: Wenn das nur kein Aprilscherz ist. Aus einem Kommentar auf unserer Seite geht hervor, dass Allianz nun einlenkte:
Es geschehen noch Zeichen und Wunder !!
Die Allianzversicherung hat inzwischen ihre eindeutige Bereitschaft signalisiert, den Brandschaden am Heizwerk der Bioenergiedorf eG zügig zu regulieren und vorläufige Abschlagszahlungen zu leisten.

Damit wäre die Kampagne der Genossenschaft wohl erfolgreich gewesen.

Die inzwischen überholte Pressemitteilung zitieren wir dennoch im Wortlaut:

>Rai-Breitenbach. Mit einem Akt, der zumindest in der deutschen Geschichte bisher einmalig sein dürfte, wehrt sich ein 900-Seelen-Dorf in Südhessen gegen das aus seiner Sicht existenzvernichtende Verhalten eines Konzerns: Die Genossenschaft Bioenergiedorf eG Rai-Breitenbach hat am heutigen Sonntag (28.) der Allianz Versicherungs-AG den „gewaltfreien und pazifistischen Krieg“ erklärt. Mit gewaltfreien Mitteln wollen die Betreiber eines Blockheizkraftwerkes mitsamt Nahwärmenetz erreichen, dass ihre Versicherung sich nach einem Brand im Kraftwerk der eG nicht länger Gesprächen um eine möglichst baldige Schadensregulierung verweigert.

Dabei berufen sich die 172 Genossen unter anderem auf die UN-Charta von 1945, den UN-Global-Compact-Prozess von Kofi Annan (1999) und das 2009 im UN-Haupotquartier erstmalig veröffentlichte Manifest „Globales Wirtschaftsethos“, initiiert unter anderem von Hans Küng.

Zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasst sieht sich die genossenschaftlich organisierte, aber betriebswirtschaftlich orientierte Unternehmung wegen der hohen Zusatz- und Folgekosten, die seit dem Brand vor mehr als 160 Tagen entstanden sind und weiter entstehen. Wie die Genossen bei einer Pressekonferenz am Sonntag verdeutlichten, sehen sie ein Überleben und Fortbestehen ihres Unternehmens wegen dieser Kosten akut und langfristig gefährdet.
„Seit mehr als 160 Tagen versuchen wir, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Geschäftsbetrieb und die Wärmeversorgung aufrecht zu erhalten. Durch den Notbetrieb entstehen hohe Zusatzkosten, welche die Wärmekunden über einen erhöhten Wärmepreis versuchen abzufangen“, erläuterte Vorstandsmitglied Dr. Dieter Becker. Zwar sei die eG über die Allianz für diese Schäden inklusive Nutzungsausfall für Brandfolgekosten abgesichert, doch würden Anfragen deutlich ablehnend beschieden. Der Versicherer verweigere jegliche Form der Kommunikation „über die Sicherung unserer Zukunft“.

Die Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach versorgt im gleichnamigen Breuberger Stadtteil 132 Häuser und damit etwa 75 Prozent der Haushalte im Ort mit Wärmeenergie. Mit ihrem Akt der pazifistischen und gewaltfreien Kriegserklärung wollen die Odenwälder auch auf die aktuell verstärkt diskutierte Ohnmacht von Menschen gegenüber sogenannten systemrelevanten Organisationen hinweisen: „So lange Juristen mit Juristen, Manager mit Managern und Politiker mit Politikern reden, so lange man sich hinter scheinbar anonymen Systemen, Funktionen und Organisationshandbüchern versteckt, so lange wird die Krise wieder oder weiter wachsen. Menschen müssen mit Menschen reden, Vertrauen und Gesprächsbereitschaft sind die beiden wichtigsten Güter, die wir besitzen. Es geht um nichts anderes als die Frage, ob etwas menschengerecht und zukunftsorientiert ist“, erklärt Becker.< Quelle: bioenergiedorf-odenwald.de

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach: Fast-Pleite, Rauswurf des Geschäftsführers und Kostenerhöhung – CDU wähnt Kreismittel in Gefahr

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

Nun hat sich auch der Pressedienst -pdh- und die CDU der traurigen Geschichte angenommen:

>Odenwaldkreis (pdh) Es sollte ein Vorzeigeprojekt werden und wurde zum Dauerbrenner in der Negativ-Kritik: Das Bioenergiedorf in Rai-Breitenbach, einem Ortsteil der Odenwälder Gemeinde Breuberg. Als das Projekt im Jahr 2006 angeschoben wurde, war vorgesehen, einen Großteil aller Haushalte im Dorf mithilfe einer zentralen Hackschnitzel-Heizanlage über die Rohre eines Nahwärmenetzes mit Wärme zu versorgen.
Eine Interessengemeinschaft wurde ins Leben gerufen.
Im November 2007 begannen die Baumaßnahmen am Biomasseheizkraftwerk, im August 2008 ging das kleine Kraftwerk ans Gemeindenetz. Die Kosten wurden auf 3,2 Millionen Euro geschätzt. Etwa 150 Haushalte beteiligten sich als Anteilseigner an dem Konzept.

Mittlerweile geriet das Prestigeobjekt des Odenwaldkreises in eine gewaltige Schieflage. Zunächst brannte im Herbst 2009 das Heizkraftwerk und musste durch ein mobiles Heizöl-Kraftwerk ersetzt werden. Über die finanziellen Auswirkungen habe die Geschäftsleitung weder den Vorstand noch den Aufsichtsrat korrekt informiert, beanstandete ein Teil der Mitglieder, so dass es Anfang Februar zum Rücktritt des geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden kam. Die Schulden der Genossenschaft werden auf 160.000 Euro geschätzt, andere Quellen sprechen von 350.000 Euro Unterdeckung.

Anfang der Woche wurden in einer öffentlichen Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand und ein anders zusammengesetzter Aufsichtsrat gewählt, die befristet bis 30. Juni 2010 im Amt bleiben sollen.

Am Dienstag meldete sich die CDU des Odenwaldkreises mit der Mitteilung zu Wort, dass sie zu dieser wichtigen Mitgliederversammlung der Genossenschaft entgegen den Gepflogenheiten nicht eingeladen gewesen sei.
Ferner habe sie mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen müssen, dass ein CDU-Antrag zum Thema nicht auf die Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung Anfang März 2010 gesetzt worden sei.

In diesem Antrag wird der Kreisausschuss aufgefordert, in der Sitzung einen Bericht über die Geschäftslage des mit 130.000 Euro aus Kreismitteln bezuschussten Pilotprojekts Bioenergiedorf Rai-Breitenbach zu geben. Die Unions-Fraktion kündigt an, nicht locker zu lassen und die Beantwortung ihres Fragenkatalogs erneut einfordern zu wollen.
Harald Buschmann, der CDU Fraktionsvorsitzende im Odenwälder Kreistag, sieht die gewünschte Reform in Gefahr, stelle sich ihm doch die Frage, ob die Aufklärung der Probleme, die durch die finanzielle Schieflage entstanden seien, mit der notwendigen Intensität betrieben werde und zeigte sich erstaunt über die überstürzte Neuwahl des Vorstands und eines Teils des Aufsichtsrats.

Kürzlich sei, so Harald Buschmann, als hauptamtlicher Geschäftsführer der Genossenschaft ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung eingesetzt worden. In diesem Zusammenhang fordert Buschmann die Kreisverwaltung auf, Auskunft darüber zu geben, ob für den Odenwaldkreis Kosten entstehen würden und ob eine entsprechende Legimitation durch Beschlussfassung vorhanden sei.< [Hervorhebungen und Anmerkungen von uns]

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach eG fast pleite – Vorstand von Amt entbunden

Bild

136 Kommentare gab es bis heute zu unserem im Oktober letzten Jahres erschienenen Artikel „Wunsch ohne Wirklichkeit: Bioenergiedorf Rai-Breitenbach ist (noch) nicht, was es sein soll„.
Wer diese Diskussion verfolgte, wird über den heute im Odenwälder Echo verkündeten „Paukenschlag“ nicht allzu überrascht sein.
Die hier hörbaren Kassandrarufe kamen offenkundig von kenntnisreichen, kompetenten Personen – etwa von Wilfried Walter.
Wir weisen hier aber auch auf einen langen Artikel hin, den das frühere Vorstandsmitglied Horst Heckmann vor fünf Jahren veröffentlichte: „Bioenergiedorf eG sucht Vorstand mit hellseherischer Begabung„. Darin weist er die Kritik an den zuvor Verantwortlichen zurück.
Wir zitieren daraus:

„Es hätte allerdings auch ohne Horst Stapp kein Bioenergiedorf gegeben!
Insbesondere auf (kommunal-)politischer Ebene bietet eine derartige Hexenjagd natürlich eine geeignete Plattform für Trittbrettfahrer – siehe hierzu die Vielzahl an Leserbriefen und „Insider“-Berichten.
Von mir angeregte Aussprachen mit einigen der betreffenden Personen, um Sachverhalte zu klären, wurden stets abgelehnt. Somit dürfte deutlich werden, dass es nie um Fakten sondern zuallererst um die Selbstdarstellung des ein oder anderen Politikers und Presseinformanten ging.
Als menschlich zutiefst bedauerlich empfinde ich, dass bei Ausscheiden des bisherigen Vorstands am 21.02.2010 weder vom jetzigen Aufsichtsrat noch von den übrigen Mitgliedern der Genossenschaft ein Wort des Dankes (für die über vier Jahre andauernde überaus reichlich unentgeltlich geleistete Arbeit) zu vernehmen war. Für Beschimpfungen und Diffamierungen fanden sich in der Vergangenheit jedoch immer ausreichend Zeit und Anlass.“

Auf der Website bioenergiedorf-odenwald.de scheint die Welt bei Breuberg dagegen noch in Ordnung: Das Projekt sei „außergewöhnlich“ und „zukunftsweisend“, die Gemeinschaft „stark“, die regionale Wertschöpfung „angeregt“.
Tatsächlich dürften viele bereut haben, sich von Stapps „Vision“ überzeugt haben zu lassen – die Visionäre entpuppten sich nämlich als Stümper. Nachfolgend Zitate aus dem aktuellen Echo-Artikel von Birgit Reuther:

>Paukenschlag im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach: Der Aufsichtsrat des genossenschaftlich organisierten, aber betriebswirtschaftlich orientierten Unternehmens zur Nahwärmeversorgung des 900-Seelen-Dorfes hat den geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden Horst Stapp mit sofortiger Wirkung vorläufig von seinem Amt entbunden.
Zudem liegen inzwischen genügend Hinweise dafür vor, dass die Genossenschaft zumindest vorübergehend ,,am Rande der Zahlungsfähigkeit“ ist. Mit diesen Nachrichten über das seit Monaten mit Problemen und Querelen kämpfende Pilotprojekt ist Frank Matiaske, Aufsichtsratschef und Breuberger Bürgermeister, am Mittwoch an die Öffentlichkeit gegangen.[…]
Zum Befreiungsschlag der Amtsenthebung gedrängt sah sich das Kontrollgremium, nachdem deutlich wurde, dass die Genossenschaft derzeit offenbar nicht zahlungsfähig ist. In einer gemeinsamen Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat hatte Stapp einige der seit langem geforderten Zahlen zur wirtschaftlichen Lage der Unternehmung vorgelegt. ,,Demnach wird das Geschäftsjahr 2009 mit einem deutlichen Fehlbetrag abschließen. Zudem muss für das Jahr 2010 mit einer Erhöhung des Wärmepreises kalkuliert werden“, so AR-Chef Matiaske gegenüber dem ECHO.

Die Rede ist von fehlenden rund 50 000 Euro. Wegen mehrerer weiterhin ausstehender Zahlen wollte Matiaske diese Summe allerdings nicht als endgültig einstufen. […]

Bild

,,Unser Dispokredit bei den Banken von rund 80 000 Euro ist fast ausgeschöpft. Zudem liegen Rechnungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb in einer Höhe von insgesamt etwa 70 000 Euro vor„, schilderte der AR-Chef die Lage. Über diese Situation, die gemeinsam mit weiteren Faktoren zumindest eine vorübergehende Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bedeuten, habe Horst Stapp weder seine Vorstandskollegen noch den Aufsichtsrat informiert. Dies mache eine Amtsenthebung unumgänglich.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Bioenergiedorf Breuberg-Raibreitenbach: Vorzeigeprojekt oder Potemkinsches Dorf?

In der FAZ findet sich heute ein lesenswerter Artikel von Thomas Strobl über „Das Massensterben der Autoritäten“ im Zeitalter des Internet.

Zitat:
>Das Internet ist ein Serienkiller. Sein bevorzugtes Opfer: Autoritäten jeglicher Art. Da man sich im Netz über alles und jeden informieren kann, werden die Aussagen von Experten, Exegeten und Propagandisten kontrollierbar. Und nicht nur das: Sie werden vor allem diskutier- und kritisierbar. Und das unterminiert jede Form von Autorität; auf jedem Gebiet – sei es Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik.<

Schmerzhaft erfahren muss das in diesen Tagen und Wochen auch Horst Stapp. Der SPD-Politiker ist Vorsitzender des Ortsbeirats von Rai-Breitenbach. Bekannter und zugleich umstrittener ist er allerdings in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender einer Genossenschaft, der Bioenergiedorf Rai-Breitenbach e.G.
In über 130 Kommentaren allein in diesem Weblog erfährt Stapp (meist) Kritik und selten Zuspruch.
Mit dem Projekt „Bioenergiedorf“ wollte der Breuberger Ortsteil und sicher auch Stapp selbst hoch hinaus. Im September 2009 war in der Frankfurter Rundschau dies zu lesen:

Bild

>Sogar der Rest der Welt hat mittlerweile von Rai-Breitenbach gehört. Dieser Tage erst waren Chinesen da und haben staunend in die Hackschnitzelgrube vom Odenwald geklotzt. Wer weiß, vielleicht importieren sie bald ja schon nicht mehr Holz, sondern Heizkraftwerke aus Südhessen. Inder und Brasilianer waren auch schon da und gerade hat sich eine Professorin aus Japan angemeldet.<

Doch selbst in der lokalen Presse, prinzipiell immer zu Beifall bereit, ist die Zeit des Katzenjammers angebrochen. Im Odenwälder Echo (6. Januar) schrieb nun Birgit Reuther viel über die Malaise des Vorzeigeprojektes und wenig oder nichts über dessen Erfolg.

Zitat: „Schien das betriebswirtschaftliche Überleben des Pilotprojektes Bioenergiedorf Rai-Breitenbach bislang nicht unbedingt in Frage gestellt, sorgen sich viele Genossen nun auf jeden Fall um den Fortbestand ihrer Wärmeversorgung.“

Zu Wort kommt in diesem Artikel zuletzt auch Wilfried Walter. Er ist einer der Sprecher der ‚Interessengemeinschaft Bioenergiedorf‘, die schon seit einiger Zeit mit großer Sorge auf die Fehlentwicklung des „Vorzeigeprojektes“ hinweist.

Von ihm stammt auch eine ausführliche Stellungnahme zu dem erwähnten Echo-Artikel und den jüngsten Entwicklungen, die wir hier in voller Länge veröffentlichen:

 

Bioenergiedorf Breuberg-Rai-Breitenbach: Vorzeigeprojekt oder Potemkinsches Dorf?

Der Titel für den Artikel vom 6. Januar 2010 im Odenwälder Echo lautete: „Ein Vorhaben zu groß fürs Ehrenamt? Das Bioenergiedorf Rai-Breitenbach in Breuberg war einmal ein Vorzeigeprojekt. „

Es ist richtig, das Nahwärmeprojekt hier in Rai-Breitenbach wurde von der Geschäftsleitung der Genossenschaft und der kleinen und auch etwas größeren Politik hier im Ort und in der großen weiten Welt als Vorzeigeobjekt vorgeführt und vermarktet.
Die Vermarktung erfolgte jedoch nicht zum finanziellen Nutzen der Genossenschaft, sondern diente nur den finanziellen Interessen Einzelner.

Besuchern wurde das schöne Heizwerkgebäude, ein im Bau befindliches Verwaltungs- und Demonstrationsgebäude, ausgeführt in werbeträchtiger Strohballenbauweise, und die mollige Wärme im Heizwerk vorgeführt.
Kritisch hinterfragende Mitglieder der Genossenschaft versuchte man immer wieder mit der Aussage „was wollt ihr denn, ihr habt doch eine warme Stube“ abzuspeisen.

Die Geschäftsleitung unternahm bisher alles (auch nach dem Ausfall durch den Brand) um den Schein der schönen Fassade zu wahren und dies nach dem Motto „koste es, was es wolle“. Wie es sich eben für ein „Potemkinsches Dorf“ gehört.

Alle rechtlichen, finanziellen und technischen Missstände mussten mühselig recherchiert und soweit wie möglich belegt werden. Erst wenn überhaupt keine Verneblungstaktik mehr griff, wurden sie von der Geschäftsleitung eingestanden.

Wer nun dachte, dass nach dem auf der Informations-Veranstaltung am 30.12.2009 vom Vorstandsvorsitzenden Horst Stapp angekündigtem Rücktritt des derzeitigen Restvorstandes und dem wenig später erklärten sofortigen Rücktritt von Jörg Kickstein, seinem Stellvertreter, ein grundsätzlicher Neubeginn für die Bioenergiedorf-Breuberg-Rai-Breitenbach e. G. möglich sei, muss sich wohl gedanklich neu orientieren.

Dass die Herren der Geschäftsleitung mit ihrer Rücktrittserklärung schon wieder eine neue Nebelkerze gezündet hatten, geht eindeutig aus den im obigen Artikel aufgeführten Äußerungen von Herrn Kübler hervor.

Zitat: „Wie Landrat Dietrich Kübler, ebenfalls Vorstandsmitglied der eG, gegenüber dem ECHO ergänzte, soll dieser Schritt einen Neubeginn in der zerstrittenen Genossenschaft erleichtern. Gleichwohl könne es sein, dass er oder andere Vorstandsmitglieder sich erneut der Wahl stellen werden.“ Ende des Zitates.

Diese Aussage lässt nur eine Vermutung zu, dass der jetzige Vorstand oder zumindest ein wesentlicher Teil von ihm durch einen Rücktritt und eine anschließenden Neuwahl sich eine neue Legitimation erhofft, damit man so weiter „wursteln“ kann wie bisher. Sollte dieser Schachzug gelingen, wäre natürlich die lästige Interessengemeinschaft Bioenergie Rai-Breitenbach ausgeschaltet.

„Ein Vorhaben zu groß fürs Ehrenamt?“

Zitat aus dem obigen Bericht:

>Ohne einen Wirtschaftsplan für 2010 werden wir aber nicht in diese Sitzung gehen“, erinnert Matiaske an eine Forderung von Aufsichtsrat, Landrat Kübler und eine Reihe kritischer Genossen. Sie alle wollen sich nicht zufrieden geben mit der Aussage des geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden Stapp, in den laufenden Geschäften geben es keine finanziellen Engpässe. Stapp, der diesen Posten im Ehrenamt ausführt, soll auf Forderungen nach Wirtschaftsplänen und einer regelmäßigen Finanzplanung mehrfach geantwortet haben, dies sei im Ehrenamt nicht leistbar.
Vor diesem Hintergrund will Landrat Kübler der Genossenschaft anbieten, dass der Odenwaldkreis Personal zur Unterstützung von Geschäftsführung und Betriebsleitung zur Verfügung stellt.< Ende des Zitates.

Der Vorstand der Bioenergiedorf Rai-Breitenbach e. G. war bis zum 30.12.2009 noch mit 6 (sechs) Personen besetzt. Laut Homepage (www.bioenergiedorf-odenwald.de/deutsch/betreibergesellschaft/genossenschaft/vorstand.html) war dies auch noch am 10.01.2010 der Fall:Bild

Als Mitglieder des Vorstands sind aufgeführt:

  • Horst Stapp, Vorsitzender
  • Jörg Kickstein, stellv. Vorsitzender
  • Dietrich Kübler, 1.Kreisbeigeordneter
  • Heinz Görg
  • Anna Großkurth
  • Jörg Wiessmann

Laut Aussage von Herrn Horst Stapp waren diese 6 Personen nicht in der Lage, eine Finanzplanung oder einen Wirtschaftsplan (wie im Artikel genannt), zu erstellen. Zumindest nicht ohne Bezahlung.
Nach dieser Aussage sieht sich der Vorstandsvorsitzende Horst Stapp als unbezahlter „Solotänzer“ und die restlichen 5 Vorstandsmitglieder waren oder sind unfähige „Statisten“.
Die große Frage dazu: Wieso lasse diese Vorstände so mit sich umgehen???

Es steht an keiner Stelle geschrieben, dass ein Vorstandsvorsitzender alle anfallende Arbeit alleine machen muss.

Geschäftsführer

Von verschiedenen Seiten wurde das Einsetzen eines außen stehenden Geschäftsführers zur Lösung aller anstehenden Probleme als „Ei des Columbus“ vorgeschlagen. Herr Kübler hat dies auch so gesehen und wollte für diese Position am liebsten eine Person vom Odenwaldkreis eingesetzt sehen.

Nach dem Bericht im Echo hat Herr Kübler seine Ansichten anscheinend relativiert, denn er sprach nur noch davon, dass der Odenwaldkreis Personal zur Unterstützung von Geschäftsführung und Betriebsleitung zur Verfügung stellen könnte.

Vielleicht ist er jetzt, wenn auch spät, zu der Einsicht gekommen, dass die Lösung der kaufmännischen, juristischen, finanziellen, technischen und handwerklichen Probleme von einer einzelnen Person als Geschäftsführer die Fähigkeiten einer „Eierlegenden Wollmilchsau“ erfordern würde.
Diese Spezies dürfte in der Verwaltung des Odenwald Kreises schon lange ausgestorben sein.

Erforderlich sind mehrere Geschäftsführer, um mit dem aufgeführten Fachwissen das Schiff aus dem Schlamm in eine ordentliche Fahrrinne zu ziehen.

Wiederinbetriebnahme des Bioflamm-Hackschnitzelkessels

Eine weitere Vernebelungsaktion wurde um die Wiederinbetriebnahme des Bioflamm Hackschnitzelkessels gestartet.
Bereits vor der Info-Veranstaltung am 30.12.2009 war damit begonnen worden. Bei der Veranstaltung wurde vom Vorstand darüber kein Wort verloren.

Der Kessel soll, unter Verwendung von wesentlichen Komponenten, die nach dem Brand noch funktionsfähig oder provisorisch wieder hergerichtet werden konnten, vorläufig wieder angefahren werden.
Laut Kesselhersteller müssen diese Komponenten jedoch noch ausgetauscht werden, was eine weitere Reparatur und Inbetriebnahme erforderlich macht.

Die Frage ist, was kostet die doppelte Reparatur und Inbetriebnahme? Wer zahlt die doppelte Reparatur und Inbetriebnahme? Ist dieses Vorgehen juristisch sauber mit der Brandversicherung abgeklärt? Die Versicherung könnte z. B. auf die Idee kommen, dass Komponenten, die einen mehrmonatigen Betrieb überstehen, nicht ersetzt werden müssen.
Wie sieht die Regulierung aus, wenn diese nach einer weiteren, kurzen Betriebszeit dann doch noch ausfallen?
Bei elektronischen Komponenten kann es nach einer Kontaminierung mit säurehaltigen Dämpfen auch längerer Zeit danach noch zu Ausfällen kommen.

Die ganze Aktion lässt nur eine Annahme zu: Wenn es gelingt, den Kessel bis zur nächsten Mitgliederversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2010 zum Laufen zu bringen und ihn auch am Laufen zu halten, dürfte sich der Vorstand wieder einmal als großer Macher feiern lassen, ohne die Mitglieder über die Nachteile dieser Aktion zu informieren.
Wieder einmal nach dem Motto: „Koste es, was es wolle, Hauptsache es ist dem Image einzelner Vorstandsmitglieder dienlich“.
Dies ist auch ein Indiz für die vermuteten Wiederwahlabsichten.

Wie man sehen kann, hat das Jahr 2010 für die Bioenergiedorf-Breuberg-Rai-Breitenbach Genossenschaft bis jetzt nahtlos an das Jahr 2009 angeschlossen.
Wenn man in den nächsten Tagen auf allen Ebenen der Mitgliederschaft und der Politik nicht zu der Einsicht kommt, dass nur ein radikaler Schnitt und ein Neubeginn (ohne alle bisherigen Mitglieder des alten Vorstandes) zur Lösung der genossenschaftlichen Probleme nötig sind, werden immer mehr Mitglieder sich darüber Gedanken machen, wie sie das Heizungsproblem in eigener Unabhängigkeit bewältigen können. Einige sind bereits dabei, konkrete Schritte in diese Richtung vorzubereiten.
Sollte der bereits sehr hohe Nahwärmepreis noch weiter erhöht werden müssen, dann wird der „große Abgesang“ auf das Bioenergie-Nahwärme-Projekt in Rai-Breitenbach wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Dieser Gesang wird dann wohl auch in den Ohren des Odenwaldkreises erhebliche Schmerzen verursachen, denn ein Scheitern des Projektes stellt natürlich auch die langfristige Wärmeversorgung der angeschlossenen Schule in Frage. Hier ist immer noch die alte Anlage mit Heizölkessel vorhanden, diese sollte ja von der Genossenschaft modernisiert und mit einem nachwachsenden Brennstoff (Rapsöl) betrieben werden.

Nach dem Brand: Info-Abend des Bioenergiedorfes – ‚Kommen Sie bitte unbedingt, sonst haben wir nur die Rebellen da“

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

Dieser Bericht vom Informationsabend des Bioenergiedorfes Rai-Breitenach erreichte uns heute via eMail. Wir veröffentlichen ihn ungekürzt:

>Für Freitag, den 23.10.2009 wurden die Mitglieder der Genossenschaft zu einem Informationsabend wegen des Heizwerkbrandes eingeladen.
Einige Mitglieder konnten sich sogar durch den besonderen, mündlichen Einladungshinweis eines Vorstandsmitglieds geehrt fühlen: „Kommen Sie bitte unbedingt, sonst haben wir nur die Rebellen da„.
Mitdenkende und kritisch hinterfragende Mitglieder sind in den Augen des Vorstands demnach Rebellen. Dazu gehören dann wohl auch alle die Mitglieder, die dem Vorstand mehrfach die Entlastung verweigert haben.
Also die Mehrheit der Mitglieder, oder?

Ergänzend hierzu fügen sich die jüngsten Äußerungen eines Vorstandsvertreters gegenüber einem kritisch fragenden Mitglied in dieses Gedankenbild nahtlos ein.
Der Genossenschaftsvorsitzende hat gegenüber diesem Mitglied, auf dessen kritische aber einfache Fragenstellung geäußert: „Wenn ich könnte, würde ich so Leute wie Sie aus dem Dorf jagen„.
Ich finde diese Aussage ist charakterisierend und zugleich entlarvend.

Der besagte Informationsabend hat insgesamt etwa 1 Stunde gedauert, in der vom Vorstand vorwiegend Selbstlobendes über das bisher angeblich hervorragende Krisenmanagement zu hören war.
Obwohl hierfür die Beweise noch fehlen und auch sonst keinerlei Hintergrundinformationen über die Brandursache etc. gegeben worden sind, wurden die eher oberflächlichen und wenig aussagekräftigen Vorstandsäußerungen mit Beifallsbekundungen etlicher Anwesender aufgenommen.
Bezüglich dieser Beifallsbekundungen von Mitgliedern oder auch deren teilweise anwesenden Angehörigen muss ich mich – wie viele andere Mitglieder auch – fragen, ob sich trotz entsprechender Pressemeldungen und anderweitiger Aufklärung noch nicht herumgesprochen hat, dass die Brandursache durch den Betrieb des Holzvergasers entstanden ist, für dessen Anschaffung die Handlungsweise des Vorstandes, bzw. der dort vorrangig handelnden Personen verantwortlich gemacht werden muss??

Der Vorstand hat die Mitgliederversammlung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu veranlasst, der Anschaffung einer technisch unausgereiften – aber sehr teueren – Anlage zuzustimmen.
Diese Anlage hat sich nach einem Jahr Laufzeit als völlig unrentabel erwiesen.
Darüber hinaus hat der Vorstand nicht dafür gesorgt, dass die Bedienung der Anlage und deren Beschickung mit Holzhackschnitzeln in einer auch nur halbwegs optimalen Form – wie vom Hersteller gefordert – gewährleistet war.
Für diese Misswirtschaft haben die Mitglieder bereits jetzt schon tief in die Tasche greifen müssen und können nur hoffen, dass sich das Thema „Holzvergaser“ durch den Brandfall ohne allzu große finanzielle Verluste erledigen lässt.
Wo hier allerdings Gründe für Beifallsbekundungen liegen sollten, ist mir – wie auch vielen anderen Mitgliedern – völlig unklar.<

Holzvergaser-Desaster: Brand im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

Bild

Das Bioenergiedorf Rai-Breitenbach (s. Logo links) ist nicht zu beneiden. Das von Ortsvorsteher Horst Stapp initiierte Projekt hält nicht, was es bzw. er versprach.
Nun kam zu den technischen und finanziellen Schwierigkeiten noch eine (kleine) Katastrophe hinzu.
Am Samstag brach kurz nach 12 Uhr mittag ein Brand im Blockheizkraftwerk aus. Die Ursache ist bislang unbekannt. Sachverständige des LKA ermitteln noch.

Zufällig (oder nicht) kam es einen Tag später auch in Bad König zu einem Brand – auf dem Gelände der Carl-Weyprecht-Schule. In diesem Fall lag wohl Brandstiftung vor. Verdächtigt wird ein 15 bis 18 alter Jugendlicher, „mittelgroß und von hagerer Statur„.
Er könnte jener Feuerteufel sein, der alle zwei bis drei Wochen im Raum Höchst / Bad König zündelt. Seit Dezember 2008 kam es da zu mindestens 12 größeren Bränden.

Über den Brand in Rai-Breitenbach berichtet Birgit Reuther im Odenwälder Echo:

>Als hätte die Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach nicht genug Probleme: Im Blockheizkraftwerk hat es am Samstagmittag im Bereich des Holzvergasers, einem wichtigen Bestandteil der Anlage zur Nahwärmeversorgung des 900-Seelen-Dorfs, gebrannt. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Schwelbrand in einem Bevorratungsbehälter für Holzhackschnitzel direkt neben dem Holzvergaser.

Zwar gelang es den Einsatzkräften der Feuerwehren, ein Übergreifen der Flammen auf das gesamte Gebäude zu verhindern, doch wurden auf jeden Fall die gesamte Elektrik sowie Teile von Dach und Wänden des in Strohballenbauweise errichteten Kraftwerks zerstört. Die Polizei geht von einem Schaden aus, der zwischen 150 000 und 250 000 Euro liegen dürfte, die Brandursache ist bislang ungeklärt. Am heutigen Montag werden Sachverständige des Landeskriminalamts ihre Ermittlungen am Ort des Geschehens fortsetzen.<

Manfred Leuther, ein technisch versiertes Mitglied des Aufsichtrats der Genossenschaft, fürchtet größere Schäden.
Das Echo zitiert ihn so:

Das wird wohl um einiges teurer, denn das Dach muss ja wohl runter, die Innenwände sind mit giftigen Dämpfen kontaminiert.“

Zum Desaster mit dem Holzvergaser heißt es in dem Artikel zuletzt:

>Um den Holzvergaser als wichtigen Bestandteil der Rai-Breitenbacher Anlage hat es – wie berichtet – in den vergangenen Monaten verstärkt Unstimmigkeiten in den Reihen der Genossenschaft gegeben. So weisen besorgte Mitglieder darauf hin, dass die Technik der Holzvergasung (Pyrolyse) laut mehrerer Gutachten und Studien noch nicht genügend erforscht ist, um auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sicher eingesetzt werden zu können.

Tatsächlich steht der Holzvergaser im Breuberger Stadtteil öfter still als er läuft. Diese Komponente des Kraftwerks, die über die Verstromung Geld in die Kassen der Genossenschaft bringen soll, erbringt seit etwa einem Jahr nur rund 30 Prozent der ursprünglich kalkulierten und zur Finanzierung erforderlichen Leistung.<

Heute erschien auf den Odenwald-Geschichten ein Kommentar, der auf den Brand Bezug nimmt. Wir zitieren daraus:

>Um H. Kickstein, den hoch qualifizierten Spezialisten (nach eigner Aussage), war es in den letzten Wochen und Monaten sehr, sehr ruhig geworden.
War ihm der Stoff für neue Märchen ausgegangen oder hatte er andere Gründe, hinter einer Wand des Schweigens zu verschwinden??
Das hat sich am 17. 10. 2009 infolge des Feuers im Heizwerk, welches wohl durch die Holzvergasungsanlage entstanden ist, schlagartig geändert.
Er stand als 1. Vertreter des Vorstandvorsitzenden, welcher angeblich am Wochenende auf einer Dienstreise nach Berlin war, um Gelder für das Bioenergiedorf (Genossenschaft?) zu beschaffen, an vorderster Front und schon gab es von ihm wieder die ersten neuen, wenn auch kleinen Stories.
Eine Katze lässt das Mausen halt mal nicht.

Bild

Infolge des Brandes in der Heizungsanlage zeigte es sich, dass die zwei Meistererzähler auch gelehrige Schüler im Dorf gefunden haben.
Da wird schon erzählt, dass es sich nur um Brandstiftung handeln könne und dafür käme ja wohl nur ein bestimmter Personenkreis im Dorf in Frage, wo man suchen müsste usw.
(Vermutlich ist die Interessengemeinschaft dieser Personenkreis).
Die Staatsanwaltschaft nimmt jedoch erst heute, am Montag die Ermittlungen zu der Brandursache auf. Die diese Geschichten in Umlauf bringen, haben wohl mal wieder vergessen, erst vor der eignen Tür zu kehren. Wir werden sehen, wie sich die Geschichte(n) entwickelt und in Odenwald-Geschichten an geeigneter Stelle berichten.<

In dem Kommentar wird darauf hingewiesen, dass ein relevantes Dokument („Präsentation des technischen Konzeptes“), das ursprünglich wohl über die Website des Bioenergiedorfs abgerufen werden konnte, dort derzeit nicht oder nicht länger verfügbar ist:

Technisches_Konzept_aus_der_Generalversammlung_26.08.2007.pdf 4.75 MB

Gibt es da etwas zu verbergen, etwa absehbare technische Mängel, die letztlich zu dem Brand führten?

Wunsch ohne Wirklichkeit: Bioenergiedorf Rai-Breitenbach ist (noch) nicht, was es sein soll

Bild>Biodorf-Krise: Horst Stapp bezieht für das Führungsgremium Stellung und weist die Vorwürfe kritischer Mitglieder zurück<
Dies konnte man am 9. Oktober im Odenwälder Echo lesen.
Nachdem also noch einige Tage zuvor der Vorstand des Bioenergiedorfs Rai-Breitenbach dem Echo eine Auskunft zur „derzeitigen Lage“ verweigerte und eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ablehnte, wurde nun doch reagiert:

>Der Vorstand des genossenschaftlich organisierten Bioenergiedorfs Rai-Breitenbach hält seine im Vorfeld der bevorstehenden Mitgliederversammlung unternommenen Schritte nicht nur für legitim, sondern sogar für pflichtgemäß. Dies geht aus einer Feststellung hervor, mit der sich Vorsitzender Horst Stapp nun ans ECHO gewandt hat.<

Kurios ist wieder einmal die Sprache. Da ein Vorsitzender bzw. ein Vorstand Stellung nahm, soll es sich um eine „Feststellung“ handeln – als könne ein Vorsitzender und ein Vorstand per se nur unumstößlich Wahres sagen.
Die Kritiker von Horst Stapp – versammelt in der lokalen „Interessengemeinschaft Bioenergiedorf“ – scheinen in der Feststellung freilich eher eine Losestellung zu sehen, mehr noch: ein Bloßstellung.

Uns liegt eine umfangreiche Stellungnahme zu den im Echo zitierten Äußerungen Stapps vor. Wir werden sie hier im vollen Umfang wiedergeben.
Gleichzeitig verweisen wir auf einen erst vor 3 Wochen in der Frankfurter Rundschau erschienenen Artikel von Jörg Schindler.
Eingebettet in eine Abfolge von insgesamt 18 Ortsreportagen über Deutschland vor der Wahl („Schindlers Wahl-Heimat“) war sein Bericht über das Bio-Energiedorf Rai-Breitenbach reinste PR – auch für den Vorsitzenden Horst Stapp.
Der wird von Schindler so geschildert:

>Horst Stapp wirkt heute ein bisschen so, als sei es gestern spät geworden. Er ist ein netter Kerl von 51 Jahren, der aus seiner hessischen Herkunft keinen Hehl macht. Stapp ist Ortsvorsteher in Rai-Breitenbach, seit wann, weiß er nicht mehr so genau, aber zwölf Jahre werden es wohl schon sein. Seine Partei immerhin hat er nicht vergessen: „Ich bin Sozialdemokrat – so was gibt“s hier noch. Ich wär“ aber auch ein guter Grüner geworden.“
Fünf Jahre ist es nun schon her, dass der gelernte Elektriker Stapp in einer bayerischen Frühstückspension saß und in der Zeitung von Deutschlands erstem Bioenergiedorf im niedersächsischen Jühnde las. „Das hat mich inspiriert“, sagt Stapp.<

Sieht man diese unkritische Reportage im Kontext zahlreicher kritischer Fragen aus den Reihen der Interessengemeinschaft – Schindler sollten sie eigentlich zu Ohren gekommen sein – sieht man exemplarisch auch die Grenzen des „Qualitätsjournalismus„, den traditionelle (Print-) Medien für sich in Anspruch nehmen möchten.

Nachfolgend also all das, was in Jörg Schindlers nettem Artikel über den netten Horst Stapp keinen Platz fand:

>Die Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden H. Stapp machen deutlich, dass noch so viele Worte und Worthülsen, bei etwas genauerem Hinsehen, nicht über bereits hinlänglich bekannte Fakten hinwegtäuschen können.

Wunsch ohne Wirklichkeit: Bioenergiedorf Rai-Breitenbach ist (noch) nicht, was es sein soll weiterlesen

Zunder im Bioenergiedorf Rai-Breitenbach – Öko-Leitbild oder Reinfall?

Im August 2008 war die Welt im Breuberger Ortsteil Rai-Breitenbach noch in Ordnung.
Die Odenwälder Gemeinde rühmte sich, das erste Bioenergie-Dorf in Hessen zu sein.
Ortsvorsteher Horst Stapp (SPD) hatte die Idee für das Biomasse-Heizkraftwerk und ließ sich als Visionär feiern.
Bei der Einweihung versammelte sich Prominenz: Hermann Scheer (SPD / Alternativer Nobelpreis), Ex-Landrat Horst Schnur (SPD), Dr. Michael Reuter (SPD/Landtagsabgeordneter), Dietrich Kübler (heute neuer Landrat des Odenwaldkreises).

Initiator Stapp konnte das Projekt (und sich selbst) nicht laut genug über den grünen Breuberger Klee loben:
Weg von Bush und Putin“ komme man damit. (Seit wann bezog Rai-Breitenbach Öl oder Gas von Bush??).
Die absurde, populistische Losung machte HR-Reporter Ulrich Anton in seinem Artikel über das Bioenergie-Dorf zur Zwischenüberschrift – ohne nach deren Sinn zu fragen.

Dann schreibt er:

>Mit dem Kraftwerk will Rai-Breitenbach autark von anderen Energieträgern werden. Das Dorf ist damit das erste Bioenergie-Dorf Hessens. Rund 1.300 Tonnen CO2-Emissionen sollen jährlich gespart werden. Außerdem rechnet die Genossenschaft damit, dass ihre Mitglieder bis zu 30 Prozent weniger Heizkosten haben.<

Immer wenn der Mund zu voll genommen wird, droht das Hirn dahinter zu verschwinden.
Das scheint nun, leider, auch für Rai-Breitenbach zu gelten.
Ein schon letzte Woche im Odenwälder Echo erschienener Bericht von Birgit Reuther nimmt dem Projekt seinen Zauber – und dies schon im Untertitel:

Anlage bringt nur 30 Prozent ihrer Leistung – Genossen befürchten Finanzierungsprobleme

Im Detail heißt es dann:

>Die Anlage zur Holzvergasung, ein zentraler Kraftwerk-Bestandteil zur Strom- und Wärmegewinnung, erbringt seit etwa einem Jahr nur rund 30 Prozent ihrer ursprünglich kalkulierten und zur Finanzierung erforderlichen Leistung.
So wurde in der Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Rai-Breitenbacher Projekt mit einer Wärmeleistung von 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr kalkuliert – erreicht wurden in elf Monaten nur rund 330 000 kWh.
Für die Verstromung waren 750 000 kWh angesetzt, tatsächlich geleistet wurden etwa 224 000 kWh.< [Hervorhebungen von uns]

Als wäre dies allein nicht schon ernüchternd genug, zitiert Reuther zuletzt aus einer Studie, die die Technik der Holzvergasung als unausgereift ausweist:

>Holzvergasung zur Gewinnung von Wärme und Strom ist zur Zeit ein heißes Thema. Die Technologie hat aber noch erheblichen Entwicklungsbedarf und Investitionen wollen reiflich überlegt sein!<

(Im Internet kann ein 10 Seiten umfassender Auszug aus der entsprechenden Studie als pdf heruntergeladen werden.)

Im Echo-Artikel heißt es weiter:

>Manches Mitglied glaubt inzwischen, dass den Initiatoren des Pilotprojektes von Anfang an klar gewesen sein muss, „dass diese Anlage erstmal nicht so laufen wird, wie es in den Darstellungen nach außen und gegenüber den Mitgliedern dargestellt worden ist.“<

Initiator Horst Stapp hat das Projekt in seiner Funktion als Ortsvorsteher vorangetrieben, mit seinem Ingenieurbüro r`ise eG
möchte er daran aber auch verdienen. Wenn es beiden Seiten nützt, muss daran nichts auszusetzen sein. Wenn dies nicht oder nicht mehr der Fall ist, wird es problematisch – das aber scheint nun der Fall zu sein.

Bild

Auf der Website rise-solutions.de wird als Projektbeispiel das „Bioenergiedorf Rai-Breitenbach“ (als einziges) herausgestellt.
Unter „Kontakt“ werden auch Adresse, Telefon- und Faxnummer genannt. Man vermisst allerdings jeden Namen.
Erst über die Domain-Abfrage bei Denic erfährt man, dass Horst Stapp Domaininhaber und administrativer Ansprechpartner ist.

Als dahinter stehende Organisation nennt Denic erstaunlicherweise nicht r’ise eG, sondern das Bioenergiedorf Breuberg Rai-Breitenbach eG. Eine Vermengung, die Zunder bietet. Am Ende brennt da möglicherweise mehr als nur Holzhackschnitzel im Blockheizkraftwerk.

Schon im Juli beklagte Birgit Reuther in einem für O-Echo-Verhältnisse ungewohnt kritischen Kommentar fehlende „Transparenz“ im Bioenergiedorf. Anlass war ein bemerkenswerter Vorgang:

>Verkehrte Welt in Rai-Breitenbach: Mitglieder des Vorstands der von vielen Einwohnern getragenen Genossenschaft zur Nahwärmeversorgung drängen den Aufsichtsratschef der genossenschaftlich organisierten, aber betriebswirtschaftlich orientierten Unternehmung zum Rücktritt. Mit Erfolg.
Anderswo läuft es meist umgekehrt: Aufsichtsräte kontrollieren die Arbeit der Vorstände, und wenn die zu viele Fehler machen, werden sie ersetzt.< [Hervorhebungen von uns]

Dann schreibt die Echo-Redakteurin erfahrungsgesättigt:

>Das alte Lied: So lang eine Sache gut läuft, darf die Zeitung „schön“ berichten. Wenn aber Dampf im Kessel ist und das Thema die Gemüter auch über die Dorfgrenzen hinaus bewegt, wird abgeblockt.
Die Berichterstattung könne Projekt und Dorf schaden, mauerte auch hier der Vorstand.< [Hervorhebungen von uns]

Man kann nur erahnen, wie oft insbesondere der frühere Landrat Horst Schnur in der nahegelegenen Redaktion intervenierte, um eine wöchentlich Dosis Schönfärberei in Auftrag zu geben und kritische Berichterstattung schon im Ansatz zu blockieren.

Reuther erinnert auch an die öffentlichen Gelder, mit denen das Odenwälder Bioenergiedorf gefördert wurde:

>Dabei haben nicht nur die Bewohner der derzeit ans Nahwärmenetz angeschlossenen 130 Häuser das
Recht zu erfahren, wie es mit ihrem Bioenergiedorf läuft. Handelt es sich doch um eine
mit beträchtlichen öffentlichen Mitteln geförderte und finanzierte Sache: 430 000 Euro Zuschuss von Land und Kreis sowie ein KfW-Darlehen fließen in das 3,2 Millionen Euro schwere Projekt.< [Hervorhebungen von uns]

Was die einzelnen Haushalte investierten, erfuhr man vor einem Jahr von David Meiländer im Magazin stern – am Beispiel von Klaus Walczik:

>Es ist nicht nur das Geld, es ist auch das Prinzip, um das es den Einwohnern von Rai-Breitenbach geht. Unabhängig von den Konzernen und Behörden zu sein – das ist auch für Klaus Walczik ein gutes Gefühl.
Seit 27 Jahren lebt er hier im Dorf, hat bevor er in Rente ging in der Energiebranche gearbeitet. Wie alle anderen musste auch er insgesamt 4500 Euro für die Genossenschaftseinlage, den Anschluss der Rohre und den neuen Heizkörper bezahlen.
Seinen gerade erst sieben Jahre alten Ölkessel wird er abmontieren lassen
. „Ich will nicht irgendwelchen Öl-Monopolisten in Moskau oder Dubai ihre Paläste finanzieren“, sagte Walczik. „Hier in Rai-Breitenbach weiß ich wenigstens, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt.< [Hervorhebungen von uns]

Im Wissen um die nun eingetretenen Schwierigkeiten gewinnen die folgenden Aussagen Bedeutung:

Bild>Skeptiker gab es kaum. „Wir hatten ein sehr geringes finanzielles Risiko„, erinnerte sich Walczik.
Es hätte eigentlich nur am Anfang schief gehen können, wenn uns das beauftragte Ingenieursbüro gesagt hätte, dass es nicht funktioniert.“ Bis dahin hatten alle Genossenschaftsmitglieder jeweils nur 150 Euro investiert. „Das hätten wir verkraftet.“< [Hervorhebungen von uns]

Wollte das „beauftragte Ingenieursbüro“ möglicherweise nur die Chancen sehen und blendete es (wider besseres Wissen?) die Risiken aus?

In einem weiteren Echo-Bericht („Bürgermeister beruhigt„) vom 2. 10. heißt es:

>Ebenfalls um Stellungnahme gebeten, wollte der geschäftsführende Vorstand keine Auskunft zur derzeitigen Lage geben.<

Einige betriebswirtschaftliche Details lassen sich sogar für Außenstehende recherchieren: Für den Jahresabschluss zum 31. 12. 2006 im „Bundesanzeiger Jahresabschlüsse“ verlangt Genios 22 Euro, für einen Einzelabschluss / HGB der „Creditreform Rating Deutschland Bilanzen“ verlangt Genios 45 Euro.

Für den neuen Odenwälder Landrat könnte sich das hoffnungsvoll gestartete Prestigeprojekt schon zu Beginn seiner Amtszeit zu einer gewaltigen Bürde entwickeln. Dietrich Kübler, der auch selbst dem Vorstand der Genossenschaft angehört, soll auf kritische Fragen sehr empfindlich reagiert haben.