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Donnerstag, 12. Mai 2005

8 Monate ohne Bewährung - Skandalöses Urteil am Landgericht Gießen gegen linken Politaktivisten

von @ 7:07. Kategorien: Justiz

Vor wenigen Jahren entließ das Amtsgericht Dieburg den Sohn eines ranghohen Kommunalpolitikers auf Bewährung in die Freiheit: Der Filius war Kopf einer kriminellen Bande, die mehrere Raubüberfälle beging und (angeblich ohne Beteiligung des Protegierten) am 29. 7. 1995 den Handwerker Peter Kaffenberger im fahrenden Auto erschoss.
Vor wenigen Wochen wurde am Landgericht Halle ein Neonazi freigesprochen, der den 60 Jahre alten Helmut Sackers mit 4 Messerstichen erstochen hatte. Der Rentner hatte sich darüber beschwert, dass sein Wohnungsnachbar abends laute Nazimusik spielte (Horst Wessel -Lied). Daraufhin will der damals 29jährige Skinhead den 30 Jahre älteren Mann aus “Notwehr” erstochen haben. Das Landgericht in Halle folgte in seinem Urteil dieser “Argumentation”.
Man muss sich diese Urteile vor Augen halten, um ein jüngst in Gießen gegen den linken Politaktivisten Jörg Bergstedt gefälltes Urteil richtig “würdigen” zu können. Um das Fazit vorauszuschicken: Die bis ins historische Knochenmark verkommene, korrupte und vielfach kriminelle deutsche Justiz stellt sich damit ein weiteres Mal auf die Stufe von Polizeistaaten und Diktaturen.
Der zurückhaltende Artikel und Kommentar im Gießener Anzeiger (4. Mai) spricht eine gleichwohl deutliche Sprache:

> Als rechtmäßig hingegen bewertete das Gericht einen weitaus spektakuläreren Polizeieinsatz im Seltersweg. Am 11. Januar 2003 hatten sich nämlich offenbar gleich mehrere Beamte auf Bergstedt gestürzt, um ihm bei einer “Spontandemonstration” ein Megaphon zu entreißen. Mit vereinten Kräften hatten die Polizisten ihn erst zum Einsatzwagen getragen und dann in das Innere “bugsiert”. Dabei hatte der 40-Jährige - nach Überzeugung des Gerichts - einen Beamten mit dem “beschuhten Fuß” vor die Stirn getreten. Das war “kein gezielter Tritt”, so die Vorsitzende Brühl, sondern geschah in der Abwehrbewegung. Dabei aber habe Bergstedt billigend in Kauf genommen, den Beamten zu treffen. Wie das Amtsgericht ging die Dritte Strafkammer von einem “minder schweren Fall” der gefährlichen Körperverletzung aus. Deshalb blieb es bei sechs Monaten Haft allein dafür.
All diese Straftaten “haben sich vor dem Hintergrund der politischen Aktivitäten” ereignet. Mit “viel Phantasie” und “scharfem Überlegen” hätten beide “Herrschaftsstrukturen” und “Unterdrückungsmechanismen” aufgezeigt. Dabei aber die “Grenzen des Erlaubten überschritten”. Und da Bergstedt geschildert habe, dass er sich auch weiterhin verhalten werde, “wie er es für richtig hält”, seien weitere Straftaten “programmiert”, so Brühl. Deshalb könne die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Und das, obwohl der Politaktivist - dem die Strafkammer die Beiordnung eines Pflichtverteidigers verwehrt hatte, an allen zwölf Verhandlungstagen versichert hatte - dass er “konkrete Angriffe” gegen Polizisten für falsch halte. Dass Gewaltanwendung seiner politische Überzeugung widerspreche. Und dass er sich obendrein mit seinem politischen Widerstand gar nicht strafbar gemacht habe. < Quelle: www.giessener-anzeiger.de

Der Kommentar von Hedwig Helwig im Gießener Anzeiger trägt den Titel: “Chance vertan”:
> Über kleinere Straftaten hatte das Landgericht zu entscheiden. Denn selbst der Tritt gegen den Polizisten - der nicht zu entschuldigen ist - geschah nach Feststellung der Richter nur im Eifer des “in einen Funkwagen bugsiert Werdens”. Und häufig wird für derartige Vergehen gar nur eine Geldstrafe verhängt. Deshalb hätte die Justiz im Prozess gegen Jörg Bergstedt Fingerspitzengefühl beweisen können. Hätte zeigen können, dass die Vorurteile der Angeklagten und ihrer Mitstreiter keineswegs zutreffen. Doch diese Chance wurde leichtfertig vertan. Denn das Urteil ist auch eine Machtdemonstration staatlicher Gewalt. Die zeigte sich bereits im Verwehren eines Pflichtverteidigers und dann auch in der - fragwürdigen Begründung - der nicht gewährten Bewährung. Ein derart ausgeprägter Verfolgungseifer wäre in manchem Fall von Gewaltkriminalität oder bei groß angelegten Wirtschaftsvergehen wünschenswert. Im Fall der Politaktivisten aber wird der wohl nur deren Radikalisierung befördern. <

Hedwig Helwig vergaß es, den “Verfolgungseifer” der bundesdeutschen Justiz gegenüber den blutbesudelten Nazijuristen zu erwähnen. Die für Tausende Justizmorde verantwortlichen Staatsjuristen kamen nahezu durchgängig straffrei davon.
Wie lange wird eine offene, demokratische Gesellschaft eine Justiz tolerieren, die sich weiterhin durch Korruption, Kumpanei und Willkür, durch alltägliche Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt, durch die alltägliche Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes auszeichnet?
Verantwortlich für das skandalöse Urteil gegen Bergstedt sind Richter Wendel (AG Gießen) und Richterin Gertraud Brühl (LG Gießen)

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“Trotz der hartnäckigen Bemühungen von Horst Schnur”: Odenwälder Limes vorerst kein UNESCO-Weltkulturerbe

von @ 4:59. Kategorien: Geschichte

> Bei der laufenden Bewerbung der 550 Kilometer langen jüngeren Limeslinie vom Rhein über den Hochtaunus bis zur Donau - sie führt durch vier Bundesländer - ist die etwa 70 Kilometer lange ältere Grenzlinie im Odenwald nicht dabei. Trotz der hartnäckigen Bemühungen von Horst Schnur (SPD), dem Landrat des Odenwald-Kreises. Die deutsche Projektgruppe Weltkulturerbe hatte sich bei dem Antrag an die Unesco auf die jüngste Grenzlinie beschränkt: So wie im zweiten Jahrhundert nach Christus die letzte Grenzkorrektur verlief, soll nun der Limes Teil des Weltkulturerbe-Projekts “Roman Frontiers” werden. Geplant ist, unter diesem Namen römische Grenzanlagen in Europa, Afrika und Asien zu einem internationalen Denkmal zusammenzufassen.

Limes Verlauf - Wikipedia

[Der Odenwälder Limes ist in der Bildmitte als loser, dunklerer Zipfel links vom späteren östlicher verlaufenden “anerkannten” Limes erkennbar.]

Im Juli wird das Welterbekomitee der Unesco in Südafrika eine Entscheidung über den Antrag für die jüngere deutsche Limeslinie treffen. Sollte diese positiv ausfallen, gibt es vielleicht Hoffnung für den Odenwald-Limes. “Wir wollen uns an eine Aufnahme des gesamten Limes herantasten…Eine Informationsveranstaltung zur Zukunft des Odenwald-Limes fand jetzt nur wenige hundert Meter vom Schloß Franz’ I. entfernt statt, im Erbacher Landratsamt. Den Bürgermeistern der hessischen Kommunen in der Nähe des Limes, Michelstadt, Hesseneck, Lützelbach und den in Vereinen organisierten, ehrenamtlichen lokalen Betreuern des Odenwald-Limes erläuterten Schnur und die Archäologen Schallmayer und Bender die geplante Vorgehensweise.
“Wir wollen die touristische Attraktion verbessern, aber auch der Geschichtsforschung entgegenkommen”, sagte Schnur. Etappenziel für den Odenwald-Limes ist zunächst die finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. ..
Im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus war er 60 Jahre lang die Grenze des Römischen Reiches: damals eine Anlage aus dicht nebeneinanderstehenden bleistiftähnlichen Holzpfählen. Heute ist der Zustand zum Teil desolat: Mauerreste verschwinden unter Moos, Erdhügel sind erodiert, die unvollständige, schon 1980 angebrachte Beschilderung ist verrottet…< Quellen: faz.net / regioblog.de
Bild: wikipedia.de

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Gewagt: Claire Labigne (Grüne) ermuntert Odenwälder “in eine Windkraftanlage vor der Tür zu investieren”

von @ 12:08. Kategorien: Politik, Wirtschaft

Dies geht aus einem Newsletter hervor, der gestern in regioblog.de veröffentlicht wurde. Hier werden Auszüge zitiert:
>Wir wollen als Bündnisgrüne uns klar FÜR die Windkraft auch im Odenwald positionieren. Deshalb starten wir diese Initiative: Wir möchten allen Odenwälderinnen und Odenwäldern die Möglichkeit geben, in eine Windkraftanlage vor der Tür zu investieren. Dafür benötigen wir InvestorInnen.
KONKRET: Wir >Windfeder-Invest< ( WFI), die offizielle Initiatorengruppe vergeben Anteile in Höhe von 500,00 Euro.
** JedeR kann grundsätzlich so viele Anteile zeichnen wie gewünscht.
MERKE:
A) Sie gehen zum derzeitigen Zeitpunkt keinerlei Verpflichtungen ein.
B) Sie erhalten zeitig vor Beginn der Zeichnungsfrist rechtsgültige Unterlagen und Prospektdarlegung zu >Windfeder-Invest< Beteiligung.
C) Sie werden im Verteiler aufgenommen, sobald uns eine grundsätzliche Interessenserklärung vorliegt ....
ANTWORTEN SIE AN: labigne@t-online.de <


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„Du hast bei uns nichts mehr zu suchen. Dein Vater ist ein Verbrecher.“ - Leonie Kumpf, Tochter des früheren Erbacher Bürgermeisters Dengler, erinnert sich an Inhaftierung ihres Vaters durch die Nazis

von @ 11:32. Kategorien: Geschichte, Menschen, Politik

> Lebendigen und bis zur letzten Minute spannenden Geschichtsunterricht erhielten die 27 Schüler der Klasse 5a – Förderstufe – der Michelstädter Theodor-Litt-Schule am Montag früh. Mucksmäuschenstill lauschten die Zehn- und Elfjährigen dem Bericht von Leonie Kumpf (Erbach) und waren 90 Minuten lang höchst interessiert, von der Zeitzeugin etwas über Hitler-Deutschland von 1933 bis 1945, über Krieg, Holocaust und Untergang, zu erfahren.
Leonie Kumpf (78) wurde in eine Welt schärfster sozialer Gegensätze hineingeboren und wuchs mit den Idealen ihrer Eltern auf, für die Demokratie und Sozialismus gleichbedeutend waren mit Freiheit, Bildung, Gleichberechtigung, materiellem Fortschritt für alle und Teilhabe am politischen Leben. „Als die Nazis 1933 die Macht in Deutschland ergriffen, war ich gerade sieben Jahre alt. Bei der ersten militärischen Grenzüberschreitung – dem Anschluss Österreichs – war ich zwölf, als der Krieg begann 13 und als er endete 19.“ Ihr Vater Wilhelm Dengler war von 1919 bis 1933 Erbacher Bürgermeister und Sozialdemokrat.
Ihr erstes bitteres Erlebnis hatte die Siebenjährige am 13. März 1933: Nichts ahnend und fröhlich kam sie von der Schule nach Hause und sah auf der Haustreppe ihren Vater in Handschellen zwischen zwei Polizisten stehen. Ohne Prozess kam Wilhelm Dengler über das Michelstädter Gefängnis ins Konzentrationslager Osthofen. Am nächsten Schultag tuschelten ihre Freundinnen miteinander und erklärten ihr dann: „Du hast bei uns nichts mehr zu suchen. Dein Vater ist ein Verbrecher.“ Für das Kind Leonie brach eine Welt zusammen, sie fühlte sich ausgestoßen. Nur eine Mitschülerin sagte: „Ich bin jetzt deine Freundin.“ < Quelle: Echo

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Guth jubelt: Juristische Hürden für den Bau der Westumgehung Höchst überwunden - Erster Spatenstich im Herbst

von @ 11:21. Kategorien: Politik, Wirtschaft

> Nach Beseitigung der finanziellen Hürden Ende Februar dieses Jahres haben Bund und Land nun auch alle juristischen Hindernisse beiseite geräumt: Am Dienstag gewannen sie auch das letzte von drei Verfahren um die Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsbeschlusses.
Publik gemacht hat den Ausgang des Prozesses gestern die wegen ihrer Betroffenheit beigeladene Gemeinde Höchst. Wie Amtmann Jürgen Mohr dieser Zeitung sagte, hat der Verwaltungsgerichtshof die verbliebene Klage in vollem Umfang abgewiesen.
„Nun steht einem Abschluss innerhalb der nächsten fünf Jahre nichts mehr im Weg“, jubelte Höchsts Bürgermeister Reiner Guth gestern über den Richterspruch. Seinen Optimismus sehe er dabei auch im zielgerichteten Vorgehen des Landes bei der Bauvorbereitung begründet: „Es gibt inzwischen sowohl den Detailbauplan wie die Zeittabelle“, erläuterte Guth. Zudem ist ihm signalisiert worden, dass die Ausschreibungen für die ersten Arbeiten in dieser Woche veröffentlicht würden.
Damit könne die Submission im Juli erfolgen, was auf einen ersten Spatenstich Ende September/Anfang Oktober hindeute…
Wie Amtmann Jürgen Mohr zu den nun ausgeräumten Klagen informierte, handelt es sich in allen drei Fällen um Einsprüche von Landwirten. Zwei davon galten der Bebauung von Äckern und Wiesen im Talgrund zwischen Höchst und Mümling-Grumbach, mit denen die Bauern die Bewirtschaftung ihrer Höfe beeinträchtigt sahen. Sie verfielen schon vor Wochen der Ablehnung. Im letzten noch offenen Verfahren indes ging es direkt um die Lebensumstände eines Anrainers der neuen Straße. Geklagt hatte der Eigentümer und Bewohner des heute nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Aussiedlerhofs nahe der Bahnbrücke nordwestlich von Höchst, dessen Anwesen die künftige Westumgehung unmittelbar nach ihrer Abzweigung von der bestehenden B 45 queren wird…Mit dem Einspruch aber machte der Kläger eine Existenzbedrohung durch Minderung von Wohn-, Miet- und Immobilienwert seines Wohnhauses und eines Nebengebäudes geltend – ohne Erfolg. < Quelle: Echo


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