Videoquelle: “Guten Abend RTL [Hessen]”
UPDATE: Neben RTL (s. Video) kommen auch bei hr-online.de viele “stinksaure” Bürger aus Birkert zu Wort: Hilferufe.
Spiegel Online berichtet heute über ein schon vier (drei?) Wochen währendes Drama in Brombachtal, genauer gesagt: ein technisches Drama im Ortsteil Birkert:
>Telefon tot, Internet auch: Seit einem Sturm vor fast vier Wochen sind die Kommunikationsleitungen ins hessische Birkert gekappt. Die Hilferufe der Dorfbewohner verhallen ungehört - der Kundendienst der Telekom kommt nicht.<
So beginnt der Bericht von Hasnain Kazim, der - mit über 800 Worten - zwei Seiten füllt. Das Medium, in dem ein solcher Artikel zuerst zu erwarten wäre, echo-online.de bzw. Odenwälder Echo, hat über den Absturz von 100 Odenwäldern in die technische Vormoderne bislang offenbar kein einziges Wort verloren. Oder wurde da etwas übersehen?
Aber irgendwie passt das auch wieder zusammen: Das Dorf der (kommunikativ) Ahnungslosen da und die Redaktion der (journalistisch) Ahnungslosen dort.
Mal schauen, wann der nachfolgend zitierte SPIEGEL-Artikel - leicht umformuliert und ohne Quellenangabe - im Odenwälder Echo nachgelesen werden kann:
>Waltraud Müller kann nicht mal vor Wut den Hörer aufs Telefon knallen. Das Telefon in der Schlosserei Müller im südhessischen Örtchen Birkert funktioniert nämlich nicht - seit drei Wochen ist die Leitung tot. “Das Internet geht nicht mehr, wir können niemanden anrufen, und wenn uns jemand anruft, geht sofort der Anrufbeantworter an.” Bis vor ein paar Tagen sei es noch schlimmer gewesen: “Da hörte man die Ansage: ‘Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar’. Was sollen da unsere Kunden denken? Dass uns das Telefon abgestellt wurde, weil wir unsere Rechnung nicht bezahlt haben?“
Dafür dürfte die Mobiltelefonrechnung der Müllers in diesem Monat kräftig steigen. “Wir sind ja nur noch übers Handy erreichbar. Aber die meisten Leute wissen das natürlich nicht”, sagt Müller. “Das ist ein Riesenproblem.”
Das halbe Dorf im Odenwald, etwa 100 Personen, ist davon betroffen, seitdem ein Unwetter eine von zwei Leitungen lahm gelegt hat. “Natürlich haben wir die Telekom informiert, dass es hier eine technische Störung gibt. Aber bisher hat sich nichts getan“, sagt Janosch Contag. Der 19-jährige Schüler fährt seither ins TelNachbardorf zu Freunden, um E-Mails abzurufen und auszudrucken. “In der heutigen Zeit leidet man schon extrem darunter, wenn Telefon und Internet nicht mehr funktionieren.”
Bei manchen Einwohnern funktioniert immerhin das Telefon, andere wiederum können nur angerufen werden, aber nicht selbst jemanden anrufen. “Und dann gibt es Leute, bei denen rauscht es in der Leitung“, sagt Ursula Krug. Bei ihr ist derzeit nur das Internet nicht funktionsfähig. “Wir bezahlen eine Menge Geld an die Telekom und kriegen nichts dafür“, schimpft sie. “Eine Woche wäre ja noch in Ordnung, aber jetzt sind es bald vier Wochen - das ist ein Unding!“
Nach Auskunft der Dorfbewohner war eine Woche nach dem Sturm ein Mitarbeiter des technischen Dienstes vor Ort und hat am Verteilerkasten gearbeitet. “Bis dahin ging bei mir nur das Internet nicht - jetzt ist auch die Telefonleitung hin“, sagt Schüler Contag. Ein weiterer Termin, den er mit der Telekom vereinbart habe, sei nicht eingehalten worden.
“Inzwischen erreicht man niemanden mehr beim Störungsdienst der Telekom“, sagt Waltraud Müller. “Da hängt man dann ewig in der Warteschleife und kommt zu niemandem durch.” Jeder weitere Tag, den die Störung andauere, sei für die Schlosserei inzwischen eine enorme wirtschaftliche Belastung. “Streik hin, Streik her - wenigstens einen Notdienst muss es geben, den man erreichen kann.”
Auch Ursula Krug sagt, dass der Arbeitskampf die Falschen treffe. “Ich kann die Leute, die streiken, schon verstehen. Aber sie treffen damit die kleinen Leute, nicht die Politiker und die Telekom-Oberen.”
[…]
Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE weiß der technische Kundendienst der Deutschen Telekom nichts von dem Dorf ohne Anschluss in Südhessen. “Birkert? Hab ich nicht im System“, sagt die Mitarbeiterin. “Ich nehm’s aber gern mal auf.”
Die Einwohner von Birkert hoffen, dass sie bald wieder übers Festnetz telefonieren und im Internet surfen können. “Es nützt nichts, zu einem anderen Anbieter zu wechseln - das Netz ist ja trotzdem gestört“, sagt einer von ihnen. “Diese Dauerstörung hat ja aber auch was Gutes: Vielleicht lernen wir in diesen Wochen wieder, Briefe per Hand zu schreiben.”< Quelle: spiegel.de, “Dieses Dorf ist vorübergehend nicht erreichbar”, 31. 5. 2007 [Links und Hervorhebungen von uns]
Auch die FAZ berichtet über gespenstisch “stille Tage in einem ohnehin stillen Ort im Odenwald”, das gerade deswegen, so Bürgermeister Kredel, zum “Mittelpunkt von Hessen geworden“ ist.
>Birkert mag zwar ein wenig abseits liegen. Hinter dem Mond aber leben die Menschen dort nicht. Sie kommunizieren wie jeder Großstadtbewohner auch, über Telefon und Internet. Normalerweise jedenfalls. Seit drei Wochen aber ist Birkert für einige Bewohner ein Dorf ohne Anschluss. Bei manchen funktioniert das Internet nicht, andere können nicht mehr telefonieren, in einigen Haushalten ist die Leitung ganz tot. Die Zahl der Betroffenen schwankt – je nachdem, wen man fragt. Willi Kredel, Bürgermeister von Brombachtal, geht von etwa 100 Betroffenen aus, also der Hälfte der Einwohner. Die Telekom selbst spricht von 30.
Seit die Medien davon Wind bekommen haben, dass irgendwo im Odenwald ein halbes Dorf kommunikationstechnisch von der Außenwelt abgeschnitten ist, stehen die Telefone im Brombachtaler Rathaus nicht mehr still. „Wir sind der Mittelpunkt von Hessen geworden“, sagt der Bürgermeister.
Die Geschichte begann vor etwa drei Wochen mit einem Unwetter. Zwei Leitungen der Deutschen Telekom führen nach Birkert. In eine der beiden drang Wasser ein. Ein komplizierter Schaden sei das, erklärt der zuständige Telekom-Sprecher, „ein schleichender Prozess, das ist das Tückische“. Es fallen nicht sofort alle Leitungen aus. Das Wasser wandert, mal hat dieser Haushalt Probleme, mal jener. Die Bewohner von Birkert griffen also auf ihre Mobiltelefone zurück und verbrachten viel Zeit in den Warteschleifen der Telekom. Nach einer Woche kam ein Techniker. Der konnte aber nichts tun. Um den Wasserschaden zu orten und zu beheben, hätte gebaggert werden müssen. Das kann ein einzelner Telekom-Techniker natürlich nicht selbst in die Hand nehmen. Danach passierte erst mal nichts.[…]
Vielleicht war es der Anruf des Bürgermeisters, vielleicht auch die Tatsache, dass Fernsehen, Radio und Zeitungen ein ungeahntes Interesse an dem Fall zeigten. Am Freitag jedenfalls, etwa drei Wochen nach Beginn der Störungen, trat die Telekom samt Tiefbau-Unternehmen in Birkert zum Baggern an. Man sei guter Hoffnung, hieß es, dass spätestens an diesem Samstag wieder alles funktionieren würde. Der Sprecher des Bonner Konzerns beteuerte, dass ihnen der Fall Birkert sehr leid tue. Die Verzögerungen erklärt er mit dem Streik im eigenen Haus.< Quelle: faz.net, Telefonstörung - Dorf ohne Anschluss, 1. Juni 2007 [Links und Hervorhebungen von uns]
Manchmal lohnt es, sich am späten Abend noch eine Talkshow anzusehen.
Zum Beispiel die von Johannes B. Kerner.
Seine Gäste waren gestern der Kabarettist Dieter Hildebrandt (”Nie wieder 80″), die ZEIT-Autorin Sabine Rückert, der Rechtsanwalt Johann Schwenn und sein von schändlich agierenden Staatsjuristen seelisch gebrochener Mandant Bernhard Michels.
Der saß viereinhalb demütigende Jahre unschuldig im Gefängnis - wegen angeblicher Vergewaltigung seiner Nichte.
Verantwortlich dafür: Das Landgericht Osnarbrück, das aus Sicht von Rückert und Schwenn durch Rechtsbeugung die Aufhebung des Urteils durch den BGH verhindert hat.
Aufgedeckt wurde der Justizskandal durch Sabine Rückert.
In ihrem Buch “Unrecht im Namen des Volkes” schildert sie die Umstände des Skandals.
Der könnte sich in ähnlicher Form jederzeit wiederholen. Verantwortlich dafür sind die strukturellen Missstände in der Justiz.
Rechtsbeugung durch Staatsjuristen ist faktisch straffrei gestellt.
Und so beugen sie das Recht munter weiter, so wie Ladendiebe täglich stehlen würden, bliebe der Ladendiebstahl straffrei und würden - wenn überhaupt - andere Ladendiebe über sie richten.
Sabine Rückert hat in einem schon im Dezember 2005 erschienenen ZEIT-Artikel den Fall summarisch dargestellt. Daraus einige Auszüge:
>Der vermeidbare Justizirrtum, dem Bernhard M. zum Opfer fiel, nimmt seinen Anfang im November 1994.
Eine damals 18-jährige Schülerin aus Papenburg im Emsland beschuldigt ihren Vater Adolf S., sie zwischen ihrem 12. und 17. Lebensjahr zehnmal vergewaltigt zu haben. Außerdem habe er einen Abtreibungsversuch mit einem Kleiderbügel an ihr vorgenommen. Der Vater wird sofort festgenommen und im März 1995 nach dreitägigem Prozess vom Landgericht Osnabrück zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Kurz vor Beginn der Hauptverhandlung gegen den Vater zeigt das Mädchen auch ihren Onkel Bernhard M. wegen vierfacher Vergewaltigung an. Er wird ebenfalls festgenommen und bald darauf von denselben Osnabrücker Richtern verurteilt, wiederum aufgrund der Aussagen des Mädchens und ohne überzeugende Beweise.2001 erzählte mir ein Rechtsmediziner, an den sich die Verwandten des verurteilten Bernhard M. später gewendet hatten, vom Schicksal der beiden Männer. Er hielt es für ausgeschlossen, dass sie die Taten begangen hatten – immerhin war das Mädchen nach 14 angeblichen Vergewaltigungen und einem Kleiderbügelangriff immer noch Jungfrau. Trotzdem hatte ein auf das Gutachten dieses Rechtsmediziners gestütztes Wiederaufnahmegesuch des M. keinen Erfolg gehabt. […]
Am schlimmsten aber trieb es das Landgericht Osnabrück selber: Dort wurde in beiden Prozessen das Problem der Jungfernschaft gar nicht ernsthaft angepackt, obwohl das Gericht davon wusste. Auch eine psychiatrische Begutachtung der hochgradig verhaltensauffälligen Zeugin schenkten sich die Richter und lauschten stattdessen ergriffen den Ausführungen des empathischen Therapiepersonals. Eine Untersuchung des Bernhard M., der, wie sich später herausstellte, zu einer Vergewaltigung körperlich gar nicht in der Lage ist, unterblieb ebenfalls – obwohl das Gericht auch dafür Anhaltspunkte hatte. Die Anteilnahme der Richter für die Opferzeugin gipfelte darin, dass sie Tatsachen aus der Hauptverhandlung gegen M., die gegen eine Verurteilung sprachen, in der Urteilsbegründung verschwiegen oder auf den Kopf stellten. Durch diese Rechtsbeugung verhinderten sie die Aufhebung des Urteils durch den Bundesgerichtshof. […]Fünf Tage dauerte die erneuerte Hauptverhandlung gegen Bernhard M. vor dem Landgericht Oldenburg. Danach war von dem Anklagegebäude kein Stein mehr übrig. Verteidiger Schwenn kündigte in seinem Plädoyer an, alle, die zum Fehlurteil gegen seinen Mandanten beigetragen hätten, zur Rechenschaft zu ziehen.< Quelle: Die ZEIT (Nr. 52), Erwiesene Unschuld, 21.12.2005 [Hervorhebungen von uns]
Auf der Website richterdatenbank.net werden mehrere Verantwortliche genannt.
Lesenswert sind auch zwei weitere Artikel von Sabine Rückert:
Die gestrige Kerner-Sendung kann als Video-Datei aus dem Internet heruntergeladen werden und mit dem realPlayer betrachtet werden.
Genau zuhören sollte man, wenn Bernhard Michels nach seinem früher großen Vertrauen in die Justiz gefragt wird. “Das ist heute nicht mehr da“, so seine lapidare Anwort.
Ebenso sollte man zuhören, wenn Kerner fragt, ob dieser Vorgang denn “typisch für die Justiz” sei oder eine “merkwürdige Ausnahme“, die in “Wirklichkeit häufiger vorkommt, als wir denken.”
Die klare Anwort von Sabine Rückert: “Ja, davon bin ich überzeugt.”
Rechtsanwalt Johann Schwenn erwähnt zuletzt noch, dass ein Verfahren wegen Rechtsbeugung gegen die damals verantwortlichen Richter des Landgerichts Osnarbrück läuft.
Denn “das Gericht (hat) den Hauptverhandlungsinhalt im Urteil bewusst verfälscht und so dafür gesorgt, dass der Bundesgerichtshof die im Verfahren enthaltenen Fehler nicht sehen konnte und die Revision verworfen hat“.
Auch solche “Verfälschungen” sind in der Justiz üblich und alltäglich. Sie werden nahezu nie verfolgt. Auch das von Schwenn erwähnte Strafverfahren wegen Rechtsbeugung dürfte am Ende eingestellt werden.
Falls es doch zu Anklage und Verurteilung käme, dann nur, weil dieser Fall einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.
Das neue ZEITmagazin LEBEN enthält ein Gespräch, das die in Michelstadt aufgewachsene Schauspielerin Jessica Schwarz mit Christoph Amend und Stephan Lebert führte. Wir zitieren Auszüge:
>Meine Eltern hatten einen Zeitschriftenladen. [Anm.: Das Bild zeigt das direkt neben dem Michelstädter Rathaus gelegene Kiosk.]
Unten war der Laden, dahinter die Küche. Und oben im dritten Stock war unsere Wohnung. Wenn ich aus dem Haus ging, musste ich durch einen Tunnel von Zeitschriften, rechts und links bis zur Decke hoch.
Ich weiß noch, mittwochs und samstags hat meine Mutter die Remis gemacht. […]
Die Zeitschriften, die wir wieder zurückschickten, weil sie keiner kaufte. Unsere Küche hatte 25 Quadratmeter, die war voll mit den Remis. Vor allem samstags war das ein riesiger Haufen. Wir mussten Pakete schnüren, mit Plastikschnüren. Ich hatte Risse in den Händen von den vielen Schlaufen.[…]
Ich bin ein echtes Magazinkind. […] Ich war bei meinen Freunden und Freundinnen sehr begehrt. Ich saß an der Quelle. Ich sag nur: Comics, Panini-Bilder Kurz vor Silvester hatten wir auch Feuerwerkskörper. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, mein Vater hat geahnt, was meine Schwester und ich heimlich alles verteilt haben.[…]
Ich konnte schon lesen, bevor ich in die Schule kam. Ich habe Comics geliebt. Am Anfang war es Micky Mouse, dann Spuk und Gespenster, die kamen immer samstags. Dann kam die Zeit von Yps, später Asterix und Obelix, Clever und Smart oder Tim und Struppi.[…]
Gleichzeitig fing ich auch an die Vogue, Elle und Cosmopolitan zu lesen. Da waren tolle Bilder drin, schöne Sachen für Mädchen, Kosmetik, Mode, Schminktipps. Es klang alles nach großer Welt, nach Abenteuer.[…]
Ich wollte werden wie Cindy Crawford, wirklich. Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Helen Christensen, die Topmodels der frühen Neunziger waren meine Heldinnen. Claudia Schiffer, großartig. […]
(Ich) habe meine Eltern unendlich genervt, weil ich immer gesagt habe, ich will auch solche Kleider tragen, ich will auch solche Reisen machen. Und immer wenn ich irgendwo einen Model-Wettbewerb in einer Zeitschrift fand, sagte ich: Oooch, bitte…[…]
Mein Vater hat eines Tages einen Wagen gemietet, und wir haben eine wunderschöne Tour durchs hessische Land gemacht. Immer wieder hat er angehalten und Bilder von mir gemacht. Und sie an Bravo Girl geschickt. Eines Tages kam die Antwort: Ich wurde zum Casting nach Frankfurt eingeladen, zunächst waren es noch 100 Kandidatinnen, dann 20. Erst erschien ein ganz kleines Bild von mir, dann ein großes. In unserem Städtchen Michelstadt waren die Ausgaben immer sofort ausverkauft.[…]
Ich hatte mir das immer vorgestellt: Die Aufnahmen von den Models mit meinem Gesicht drin. Ich wollte das immer. Wann immer es eine kleine Modenschau in Michelstadt gegeben hat, ich war dabei. Mein erstes Foto erschien in der Lokalzeitung, da war ich drei. […]
Mich machen Zeitschriften neugierig auf die Welt. Deshalb lese ich sie. Und wissen Sie, ich war in unserem Laden immer sehr fasziniert von den vielen, vielen besonderen Zeitschriften, über Angelsport, über Eisenbahnen, über Tätowierungen. Wir hatten ja alles. Dann kamen diese Leute, die schon dem neuen Angelheft entgegenfieberten. Es ist nicht mein Ding, aber ich finde es großartig. Sagen Sie, darf ich hier auch ein kleines, neues Magazin empfehlen, was eine Freundin von mir herausgibt?[…]
Jungsheft, heißt es, Pornografie für Mädchen. Ein kleines, feines Magazin. Schöne Bilder, sehr ästhetisch, gar nicht schmutzig. Anders als es Männer machen. Da drin gibt es eine Prominentenkolumne, Charlotte Roche hat schon geschrieben. Und demnächst bin ich dran.<
Textquelle: Die ZEIT (Nr. 22), »Ich bin ein Magazinkind« - Die Schauspielerin Jessica Schwarz hat dem Kiosk ihrer Eltern viel zu verdanken, 24.05.2007,
Bild: Flickr, ItsMe_Alex’s photos
Gegensätzlicher können Lebensläufe kaum sein: Tillman Hahn (38), aufgewachsen in Bad König, hatte rechtzeitig das Weite gesucht und bekocht nun als Meisterkoch die G8-Politelite im Kempinski Grand Hotel in Heiligendamm.
Ein anderer Odenwälder, er soll aus der Kreisstadt Erbach stammen, wurde am Mittwoch tot im Frankfurter Gutleutviertel aufgefunden - gestorben ist der Sechsundvierzigjährige laut Polizeibericht an den “Folgen einer Mischintoxikation”.
Ein Echo-Redakteur mit dem Kürzel gg hat den Polizeibericht leicht umgeschrieben und informiert ergänzend:
>Der Odenwälder (war) erst am Dienstag aus einem Gefängnis entlassen worden und offenbar bei Freunden untergekommen. Dort muss er sich die für ihn tödliche Mischung aus Heroin und Crack gespritzt haben. Näheres soll eine Obduktion erbringen. Der Mann war als drogenabhängig bekannt. Wie Polizeisprecher André Sturmeit auf Nachfrage sagte, wurde der Sechsundvierzigjährige in Frankfurt als Wohnsitzloser geführt. Ob er noch in Beziehung zu seiner Odenwälder Heimat gestanden habe, sei nicht bekannt. In der Main-Metropole wird er als 21. Drogentoter des Jahres 2007 registriert.<
Doch auch Hahn, der den Gaumen zu verwöhnen weiß, weiß aus eigener Erfahrung, wie das Scheitern schmeckt. Nach Abitur und Wehrdienst hatte er an der TU Darmstadt einige Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert - und dann das Studium geschmissen.
Auf ihrer Website kochende-leidenschaft.de offenbart Manuela Ferling weitere Details aus Hahns Vita:
>Die Mutter, eine Hauswirtschaftsmeisterin, lernte ihm Grundbegriffe und Techniken des Kochens und im Alter von 15 Jahren machte er dann seine ersten Erfahrungen in professionellen Küchen. Doch vor jener Profiküchen-Erfahrung zog die Mutter ihn als Sechsjährigen mit zum backen heran und überhaupt: in alle Arbeiten, die in einer Küche eben so anfallen. („Ich gäbe auch einen super Hausmann ab“). Sie schickte ihn als 10 bis 12-jährigen zu seinen ersten Kochkursen bei der Arbeiterwohlfahrt und auch bei einem regionalen Stromerzeuger. Rückblickend daran, wie er als Grundschüler unter lauter Hausfrauen seine Kochkurse absolvierte, findet Tillmann Hahn diese Situationen „zum schreien komisch“<
Aber auch Pannen gab es:
>„Ich weiß noch wie ich am ersten Tag in einer richtigen Hotel-Restaurantküche mit einem Tablett voll frisch eingeweckter Consommégläser die Treppe runter gesegelt bin…..aber das war auch so ein Lernprozess. Das war in einem Betrieb, wo der Küchenchef und Hotelbesitzer noch eigenhändig alle Spargel geschält hat, weil er sicher sein wollte, daß niemand zuviel oder zuwenig abschält…….- Er hat übrigens trotzdem Pleite gemacht.“<
Auf der umgestalteten (und noch immer dysfunktionalen) Website des Odenwälder Landratsamtes wird auch Hahns Vater zitiert:
>Nach Aussagen seines Vaters Hans Helmut Hahn, früher Lehrer an den Beruflichen Schulen Michelstadt, begann die Karriere des Meisterkochs bei der Arbeiterwohlfahrt in der Odenwald-Stadt. Beim Backen für Kinder sammelte er dort erste Erfahrungen. Als Pennäler half er dann schon im Gasthaus „Zur Krone“ in Zell aus. Den Beruf des Kochs erlernte er in den „Schweizer Stuben“ in Wertheim-Bettingen. Weiter ging sein Weg über Hamburg, Köln und Hongkong bis er wieder als Chefkoch in Wertheim-Bettingen landete. Vor einigen Jahren nahm Tillmann Hahn das Angebot des Kempinski Grand Hotel Heiligendamm an.<
“Kartoffelkönig” Horst Schnur, bedauerlicherweise nicht auch zum G8-Gipfel eingeladen, musste zu den weltbewegenden Ereignissen in Heiligendamm natürlich seinen Senf dazu geben:
>Äußerst erfreut über die Nachricht, dass ein Gourmet aus dem Odenwald für die mächtigsten Männer und Frauen der Welt kocht, zeigte sich auch Landrat Horst Schnur, der schon seit Jahrzehnten für die kulinarischen Genüsse seiner Heimat wirbt. „Ich freue mich außerordentlich, dass ein Odenwälder kocht, wenn die großen Staatenlenker nach Deutschland kommen. Geprägt von einer natürlich reich bedachten Region, der ursprünglichen Natur und der Fülle unverfälschter Düfte wird Tillmann Hahn sicherlich ein erstklassiges Menü zaubern, das hoffentlich dazu beiträgt, dass die Staatsoberhäupter kluge und zukunftsweisende Beschlüsse fassen“, so der Verwaltungschef mit einem Schmunzeln auf Nachfrage.<
Angenommen Tillman Hahn wäre ein verkappter Globalisierungskritiker und würde die Gelegenheit nutzen, mit einer ins Mahl gemischten “Mischintoxikation” die versammelten Staatschefs zu meucheln - ungeachter aller sonstigern Sicherungsmaßnahmen -, würde er als Odenwälder und mit ihm der ganze Odenwald sogar in die Weltgeschichte eingehen.
Man kann vermuten, dass Schnur und seine Odenwälder - nach einer gewissen Anstandsfrist natürlich - auch darauf stolz wären.
Hanno Benz, laut spd-arheilgen.de Sohn des langjährigen Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz, SPD-Fraktionsvorsitzender in Darmstadt und SPD-Ortsvereinsvorsitzender in Arheilgen, hat am 26. August 2006, gegen 20:38 Uhr , einen älteren Mann halbtot gefahren. Das Unfallopfer liegt seither im Wachkoma, laut echo-online.de “ohne Aussicht auf Besserung“.
Der Unfall ereignete sich in der Unteren Mühlstraße in Arheilgen. Google-Maps zeigt hier ein dicht bebautes Wohngebiet, für das Tempo 30 vorgeschrieben ist.
Benz soll einen “Fahrfehler” gemacht haben, „der jedem von uns passieren kann“, so Richter Conrad Eckhard, der ihn zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilte.
Benz habe (angeblich) 40 km/h (statt der vorgeschriebenen 30 km/h) gefahren, außerdem habe er es (warum auch immer) an “der gebotenen Aufmerksamkeit fehlen lassen“, so echo-online.de in einem Prozessbericht.
Die gebotene Aufmerksamkeit sei (angeblich) nicht durch Alkoholeinfluss gemindert gewesen.
[Hat der Gutachter 40 km/h als exakten Wert ermittelt oder nur als einen möglichen unteren Wert?]
Einige Umstände werfen jedoch Fragen auf.
Wiederum laut echo-online.de soll es keinen Unfallzeugen gegeben haben. In solchen Fällen werden von der Polizei aber üblicherweise “dringend Zeugen gesucht, die Angaben zum Unfallhergang machen können.”
Auch deswegen müssen von der Polizei solche Unfälle öffentlich gemacht bzw. gemeldet werden.
Und genau hier wird der (angeblich) “ganz normale Verkehrsunfall mit tragischen Folgen” mysteriös. Die Polizei unterlässt in diesem Fall nämlich die sonst übliche (dringende) öffentliche Suche nach Unfallzeugen, die vielleicht “Angaben zum Unfallhergang machen können“.
Die Polizei unterlässt es, den Unfall zu melden bzw. öffentlich zu machen.
Erst 4 Monate später, durch einen anonymen Brief an die Redaktion des Darmstädter Echo, wird der Unfall und sein prominenter Verursacher schließlich doch öffentlich bekannt. Gegenüber der Echo-Redaktion wird der Unfall von der Polizei bestätigt.
Ein “öffentliches Interesse” sei trotz des schwerverletzten Unfallopfers und des prominenten Unfallverursachers aber nicht gegeben gewesen, so Polizeisprecher Ferdinand Derigs. Deswegen sei der Unfall der Öffentlichkeit vier Monate verschwiegen worden.
Weil dieser Unfall so “uninteressant” war, unterblieb auch die sonst übliche “dringende (öffentliche) Suche” nach Unfallzeugen, die “Angaben zum Unfallhergang” machen könnten.
Man fragt sich, was überhaupt ohne den anonym an die Echo-Redaktion gesandten Brief geschehen wäre. Wäre der Unfall überhaupt bekannt geworden? Wäre ein Verfahren in Gang gekommen und hätte das Verfahren zu einem (öffentlichen) Prozess geführt?
Das Interesse der Ermittlungsbehörden an der Aufklärung des Unfallhergangs war anscheinend gering. War es so gering, dass man sogar zu Manipulationen bereit war?
Die südhessische Historie kennt einen Polizeichef, der einen Akteneintrag über die Alkoholisierung eines Unfallverursachers (und Unfallopfers) fälschte. Eine Versicherung deckte damals den Schwindel auf.
Die südhessische Historie kennt auch einen Fall, in dem der straffällig gewordene Sohn eines in der Region bekannten Bürgermeisters seltsame Vorzüge während der Strafverfolgung zu genießen schien. Selbst im biederen Darmstädter Echo war damals zu lesen, dass die “Strafverfolger” u.a. eine “Beweismittelvernichtung” zu verantworten hatten.
Echozitate von damals:
>Der Eindruck, dass die Herrin der Ermittlung vieles tat und noch mehr unterließ, um aus dem Tatduo in der Mordanklage kein Täter-Trio werden zu lassen, ist naheliegend. Dies bildete den Nährboden für jene Gerüchte, dass dies mit der Stellung des Vaters ….. in Zusammenhang stehen könnte.<
>Doch im Mordfall Kaffenberger ist leider mehr geschehen. Da wurden wichtige Beweismittel vor dem Prozess in einem Ausmaß vernichtet, das tatsächlich nur zwei Schlüsse zulässt: Entweder, die die Ermittlung leitende Staatsanwältin war schlicht überfordert, oder sie wollte keinen anderen Ablauf des Tatgeschehens sehen.<
An den Zuständen in der südhessischen Justiz, vor allem bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt, hat sich seither nichts verändert und schon gar nicht verbessert.
Im Fall von Hanno Benz wird man abwarten müssen, ob tatsächlich ein Verfahren wegen Verleumdung gegen den noch immer unbekannten Briefschreiber in Gang kommt.
Der behauptete, Mitglied des Magistrats zu sein. Er habe sich (angeblich) “moralisch verpflichtet“ gesehen, die Öffentlichkeit zu informieren.
Er wollte aus “gut informierten Kreisen” erfahren haben, dass die Polizei bei Benz eine “erhöhte Blutalkoholkonzentration festgestellt” habe, die durch einen “Bluttest verifiziert wurde“.
Wenn an der Sache etwas dran wäre, wenn die Ermittlungsbehörden nicht nur die gebotenen Ermittlungen (Suche nach Unfallzeugen) unterließen, sondern sogar Ermittlungen manipuliert haben sollten, wird der Briefschreiber wohl nie ermittelt werden.
Dann nämlich müsste der Fall neu aufgerollt werden - woran die Ermittler natürlich kein Interesse haben würden, sollten sie tatsächlich etwas manipuliert haben.
Was wäre zum Beispiel, wenn sich Zeugen melden würden, die mit Benz am 26. 8. 2006 etwas gebechert haben wollen?
Weil sein Blutalkoholgehalt bei 0,0% lag, kann es solche Zeugen aber selbstverständlich nicht geben.
Um nun noch zu sehen, wie die Polizei normalerweise vorgeht, wenn ein schwerer Unfall geschah und “dringend Zeugen gesucht werden, die Angaben zum Unfallhergang machen können“, zitieren wir aus einer aktuellen Meldung der Polizeidirektion Südhessen:
>Am Dienstag, 22.05., gegen 02.06 Uhr, befuhr ein 38jähriger Pkw-Fahrer aus Mühltal die Bundesstraße 449 aus Richtung Darmstadt kommend in Richtung Trautheim. Ca. 200 Meter vor dem Ortseingang von Trautheim wurde ein 29jähriger Fußgänger aus Darmstadt von dem Pkw erfasst. Hierbei wurde der Darmstädter schwer verletzt und nach Erstversorgung durch den Notarzt in ein Darmstädter Krankenhaus verbracht. Die B 449 musste für ca. 2 Stunden voll gesperrt werden.
Da der genaue Unfallhergang zunächst nicht festgestellt werden konnte, wurde ein Sachverständiger zwecks Unfallrekonstruktion angefordert. Die Unfallstelle wurde von der Freiwilligen Feuerwehr Mühltal ausgeleuchtet. Bei den beteiligten Verkehrsteilnehmern wurde vorsorglich eine Blutentnahme angeordnet.
Der Pkw und die Bekleidung des Fußgängers wurden sichergestellt. Es waren 4 Polizeifahrzeuge, ein RTW, ein NAW und 3 Feuerwehrfahrzeuge (ELW, TLF16/25 und LF 16) im Einsatz. Es werden dringend Zeugen gesucht, die Angaben zum Unfallhergang machen können. Hinweise werden erbeten an die Polizeistation Ober-Ramstadt, Tel. 06154/63300.< Quelle: polizeipresse.de /ots, POL-DA: Mühltal-Trautheim: Unfall mit Schwerverletzten Mühltal, 22. 5. 2007 [Hervorhebungen von uns]
>Am heutigen Montagnachmittag (21.) gegen 13.20 Uhr ereignete sich zwischen Böllstein und Brensbach auf der Kreisstraße 88 ein Unfall zwischen einem Krad und einem PKW.
Dabei wurde der 31jährige Motorradfahrer aus dem Raum Groß-Gerau tödlich verletzt. Nach dem jetzigen Ermittlungsstand wollte der Motorradfahrer einen vor ihm in Richtung Brensbach fahrenden Klein-LKW unmittelbar vor einer Kurve überholen.
Dabei übersah er vermutlich einen ihm entgegenkommenden PKW und prallt mit diesem frontal zusammen. Bei dem Zusammenprall zog er sich die tödlichen Verletzungen zu.< Quelle: polizeipresse.de /ots, Böllstein / Brensbach - Tödlicher Verkehrsunfall mit Kradfahrer, 21. 5. 2007
Dass Theologie mit Logik nicht viel zu tun hat, weiß man.
Es wird damit einem Aberglauben lediglich ein logischer Anstrich verpasst. Manchmal ist der Anstrich freilich besonders dünn.
So findet sich heute im Darmstädter Echo ein Artikel mit dem sinnigen Titel: “Auch Gott übt Selbstkritik”
Es soll sich dabei um eine Aussage von Hanna Liss handeln. Die Professorin für das Fach Bibel und Bibelauslegung an der Heidelberger Hochschule für jüdische Studien referierte im Evangelischen Gemeindehaus von Modau zum Thema „Verantwortung und Vergebung – der Versöhnungsgedanke im jüdischen Glauben“.
Über Gott auch nur zu reden ist für sich schon ein Wagnis.
Der Begriff steht für ein Phantom, das kein Mensch tatsächlich gesehen oder gehört hat.
Hinzu kommt, dass dem Begriff unterschiedlichste Bedeutungen verliehen werden.
Wenn zwei aber den gleichen Begriff verwenden, heißt dies noch nicht, dass sie auch das Gleiche meinen.
Man stelle sich vor, zwei Ingenieure kooperieren bei der Konstruktion eines Flugzeuges, verwenden dabei eine entscheidende Komponente, die keiner sinnlich je erfahrten hat und die für beide eine unterschiedliche Bedeutung besitzt.
Wer würde sich in ein so gefertigtes Flugzeug setzen wollen?
Nun hört man, dass dieses Phantom angeblich auch noch (menschelnd) “Selbstkritik” üben soll. Wer hat wie und wann davon erfahren?
Selbst seltsam gekleidete Personen in Rom, die sich als “Stellvertreter” des Phantoms ausgeben, behaupteten immer wieder, unfehlbar zu sein. Soll da der Chef fehlbar sein und sogar Grund zur Selbstkritik haben?
Zum Himmel schreiendes Leid und Unrecht lassen tatsächlich an der Allgüte des Allmächtigen zweifeln.
Ein nicht allmächtiger und nicht allgütiger Vater, der seinen kleinen Sohn oder seine kleine Tochter vergleichbaren Zumutungen aussetzen würde, ohne dagegen einzuschreiten, sähe sich zu Recht in der BILD-Zeitung als Rabenvater angeprangert.
Es gibt aber etwas, das nicht nicht erfahren wird, sondern ständig, vielgestaltig, vielgesichtig, umfassend und unendlich: Das All bzw. das Universum, dessen Teil man selbst ist.
Das könnte man Gott nennen. Nur bietet es in seiner Gleichgültigkeit wenig Trost. Es übt auch keine Selbstkritik.
Ein umfassendes Qualitätsmanagement in der Justiz fordert die Humanistische Union (HU). Erste Schritte dazu hat der Arbeitskreis “Justizreform” des HU-Ortsverbands Marburg bei seiner Sitzung am Samstag (12. Mai) verabschiedet.
Jedes moderne Unternehmen betreibt heutzutage ein Qualitätsmanagement (QM). Es hilft der Geschäftsleitung, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und es System fordert der HU-Arbeitskreis auch für die Justiz. Schließlich handelt es sich hier ja um einen besonders sensiblen und für Betroffene existentiellen Bereich.
Eine internationale Arbeitsgruppe unter Führung des irischen Anti-Korruptions-Experten Peter Briody erarbeitet derzeit ein Konzept für ein wirkungsvolles Qualitätsmanagement in der Justiz.
Der HU-Ortsverband Marburg ist an diesem Projekt beteiligt. Erste Zwischenergebnisse seiner Arbeit stellte Briody bei der Sitzung des Arbeitskreises in Marburg vor.
Sofort umsetzbar ist nach Auffassung des Arbeitskreises ein verbessertes Beschwerde-Management.
Nicht nur in der hessischen Justiz ist es nach seinen Erfahrungen bisher üblich, dass Beschwerden über Staatsanwälte von den betroffenen Beamten selbst oder von ihren Kollegen aus der gleichen Staatsanwaltschaft beantwortet werden.
Ein modernes Beschwerde-Management hingegen setzt eine unvoreingenommene Prüfung des Beschwerde-Inhalts durch unabhängige und weisungsberechtigte Experten voraus. Die Einführung solcher Strukturen wäre nach Ansicht des Arbeitskreises eine leicht umzusetzende und kostensparende Maßnahme.
Zugleich könnte sie dazu beitragen, wenigstens die schlimmsten Mißstände zu beheben.
Weiterhin fordert der Arbeitskreis mehr Transparenz in der Justiz. Bürgerinnen und Bürger müssten sowohl die Arbeitsstrukturen als auch die konkreten Arbeitsergebnisse der Gerichte leicht nachvollziehen können.
Deshalb schlägt der Arbeitskreis die Veröffentlichung der Geschäftsverteilungspläne aller Gerichte im Internet vor. Nur so könne jeder selbst nachprüfen, wer sein von der Verfassung garantierter “Gesetzlicher Richter” ist.
Ebenfalls im Internet veröffentlicht werden sollten nach Ansicht des Arbeitskreises alle Urteile der unterschiedlichen Gerichte. Die Namen der Verfahrensbeteiligten sollten dabei aus Datenschutz-Gründen ebenso geschwärzt werden wie andere Hinweise auf ihre Person. Offengelegt werden müssten hingegen die Namen der beteiligten Richter, Staatsanwälte und Rechtsanwälte. Nur so könne jeder Interessierte die Qualität ihrer Arbeit konkret nachvollziehen, erläuterte der Arbeitskreis dazu.
Schließlich spricht er sich auch für regelmäßige Statistiken der verschiedenen juristischen Institutionen aus.
Monatlich sollten Gerichte und Staatsanwaltschaften die Zahl der von ihnen bearbeiteten Verfahren und deren Ausgang offenlegen.
Konsequent geahndet werden müssten in Deutschland künftig Rechtsbeugung und Strafvereitelung im Amt. Durch eine sehr einschränkende Auslegung dieser Tatbestände habe der Bundesgerichtshof in seiner Rechtsprechung eine Verfolgung derartiger Straftaten beinahe unmöglich gemacht. Bei den Bürgerinnen und Bürgern bestätige diese Rechtspraxis nur die verbreitete Vermutung, dass Juristen einander nicht ernstlich schaden wollten.
Darin bewahrheitet sich letztlich die bekannte Redewendung: “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!” Den Instanzenzug mit der Möglichkeit von Berufung und Revision sehen die Justiz-Kritiker nicht als wirksames Qualitätsmanagement an. Zu häufig fänden Juristen Methoden, um ungerechte Urteile mit formalen Schein-Argumenten juristisch zu legitimieren.
Weiter ausarbeiten möchte der Arbeitskreis den - aus dem angelsächsischen Bereich übernommenen - Vorschlag einer “Richter-Rotation”, wodurch korruptive Kumpanei und die Bildung einander begünstigender Seilschaften verhindert oder zumindestens erschwert würden.
Ebenfalls diskussionswürdig finden die Mitglieder des Gremiums Überlegungen,wie durch eine andere Struktur der Richterwahl der Grundsatz der Gewaltentrennung auch in Deutschland verwirklicht werden könnte. Diese Thematik möchte der Arbeitskreis bei seinem nächsten Treffen Ende Mai diskutieren.
Dem hessischen Justizminister Jürgen Banzer bietet der Arbeitskreis ein offenes Gespräch über ein Qualitätsmanagement in der Justiz an.
Ziel sei dabei, die ausgearbeiteten Vorschläge nach eingehender Prüfung und Konkretisierung in die Praxis umzusetzen.
“Nicht immer sind Recht und Gerechtigkeit identisch”, stellte der HU-Ortsvorsitzende Franz-Josef Hanke fest. “Der Arbeitskreis Justizreform möchte dabei mithelfen, dass beide Begriffe bald deutlich stärker deckungsgleich werden.”
Dragan Pavlovic (Pressesprecher des HU-Ortsverbands Marburg)
Wer in der realen Welt unterwegs ist, begegnet Leuten, an denen er grußlos oder grüßend vorübergehen kann, die er ansprechen und fragen kann. Treffpunkte können auch zu längeren Gesprächen einladen.
Weblin macht in analoger Weise das Web zu einem Ort der Begegnung.
Man kann mit anderen Besuchern einer Webadresse unmittelbar Kontakt aufnehmen - sofern diese das gleiche Tool nutzen.
Dann hat jeder Websurfer einen virtuellen Doppelgänger, einen Avatar.
Die Website odenwald-geschichten.de hat täglich mehrere hundert Besucher - oft tummel sich dort 5 - 10 Besucher gleichzeitig. Mit dem Tool Weblin der Hamburger zweitgeist GmbH wird es den Besuchern möglich, ein Gespräch zu beginnen.
Man könnte sich zu bestimmten Zeiten auch online verabreden. Auch eine (Blog-) Sprechstunde könnte eingerichtet werden.
Wer in Ruhe gelassen werden will, kann den Onlinestatus seines Avatars entsprechend festlegen (Abwesend, Länger abwesend, Bitte nicht stören).
Es lässt sich auch einstellen, auf welcher Webseite man sichtbar sein will oder wer besser nicht sehen soll, dass man sich gerade dort aufhält.
Eine (leider miserabel lesbare) Topcloud auf Weblin.de zeigt an, wo sich derzeit andere Weblins tummeln.
Das Programm wurde im November 2006 vom Land Baden-Württemberg mit dem “Innovationspreis Web 2.0″ und im März 2007 als Leuchtturmprojekt des High Tech Gründerfonds ausgezeichnet.
Abschließend eine Selbstbeschreibung von Weblin:
>Weblin ist das Alter Ego, unsere virtuelle Figur im Internet. Weblin macht Menschen im Internet sichtbar. Wer gleichzeitig auf derselben Webseite surft kann andere sehen und kommunizieren.[…]
Egal was Du im Internet machst, mit weblin triffst Du andere, die zur gleichen Zeit auf der gleichen Seite surfen. Menschen, die die gleichen Interessen haben, die Dir neue Impulse geben können, die aus der ganzen Welt kommen oder aus Deiner Nähe. Mit weblin kannst Du einfach und zufällig neue Freunde kennen lernen, Gleichgesinnte finden. Du kannst Dich unterhalten, zusammen durchs Web surfen, Dich verabreden… alles was Dir Spaß macht. Nicht nur auf einer Webseite, sondern auf jeder! Das Internet ist riesig. Mit weblin wird es jetzt auch lebendig. Nicht mehr einsam durch die Welt streifen, sondern überall Menschen treffen.<
Im Januar sorgte die Bluttat zweier Gymnasiasten aus Mecklenburg-Vorpommern für Schlagzeilen. Die beiden Schüler aus der Kleinstadt Tessin hatten bei den Eltern eines Freundes geklingelt. Nachdem ihnen geöffnet worden war, stachen sie sofort mit mehreren Messern auf den Vater ihres Freundes ein, anschließend töteten sie auch dessen Ehefrau.
HR-Online berichtete gestern über einen Fall, der Parallelen dazu aufweist:
>Die tödliche Messerattacke auf einen 42 Jahre alten Mann im mainfränkischen Hösbach ist aufgeklärt. Ein 48-jähriger Odenwälder hat die Tat am Freitag gestanden.
Dabei habe er auch zugegeben, sein Opfer gut gekannt zu haben, berichte die Polizei. Der Geständige habe bei einer Vernehmung von gemeinsamen Geschäften mit seinem türkisch-stämmigen Opfer gesprochen. Dabei hätten sich die beiden allerdings überworfen.
Der 48-Jährige war nach dem Messerangriff am Mittwochabend festgenommen worden.
Er hatte seinen Geschäftspartner getarnt als Pizzalieferant in dessen Haus niedergestochen. Der Familienvater erlag drei Stunden später seinen Verletzungen.
Die Ehefrau des Opfers, die noch während des Überfalls die Polizei alarmierte, wurde schwer, der Täter bei einem Gerangel leicht verletzt. Die beiden minderjährigen Kinder der Eheleute waren bei dem Angriff auf ihre Eltern zu Hause, blieben aber unverletzt.
Nach Berichten des „Main-Echos“ hatte das 42 Jahre alte Opfer in Aschaffenburg erfolgreich drei Gaststätten betrieben. Dagegen sei vor zwei Jahren sein Vorhaben gescheitert, sich am Bau eines Autobahn-Rasthofs bei Mainaschaff im Landkreis Aschaffenburg zu beteiligen.
Ob dieser Umstand bei der Bluttat eine Rolle gespielt hat, blieb auch am Freitag unklar. Die Staatsanwaltschaft lehnte nähere Angaben zu den Geschäftsbeziehungen von Täter und Opfer ab.< Quelle: hr-online.de, Tödliche Messerattacke - 48-Jähriger gesteht Bluttat,
Das Polizeipräsidium Südhessen nennt weitere Einzelheiten:
>Nach dem tödlichen Messerangriff am späten Mittwochabend in einer Wohnung in Hösbach laufen die gemeinsamen Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Aschaffenburg auf Hochtouren.
Bereits in der vergangenen Nacht waren Spezialisten der Kripo stundenlang mit der Sicherung von Spuren am Tatort beschäftigt. Das mutmaßliche Tatwerkzeug, ein längeres Messer, wurde sichergestellt.
Zum Motiv der Tat gibt es noch immer keine gesicherten Erkenntnisse. Fest steht inzwischen, dass sich Täter und Opfer gekannt haben.
Der 48-jährige Tatverdächtige lebte im Landkreis Miltenberg, wohnte inzwischen aber in der Nähe von Höchst im angrenzenden Hessen.
Der Mann, der bei der Tatausführung selbst Verletzungen davon getragen hatte, wurde zwischenzeitlich von der Polizei aus dem Krankenhaus abgeholt und wird auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg im Laufe des Donnerstags dem Ermittlungsrichter vorgeführt.
Inzwischen wurde auch bekannt, dass Nachbarn, in deren Wohnung sich das 42-jährige Opfer trotz seiner schweren Verletzungen noch geschleppt hatte, dem Mann in vorbildlicher Weise Erste Hilfe geleistet hatten, bevor er in das Klinikum Aschaffenburg eingeliefert wurde.
Dort verstarb der 42-jährige Familienvater eine Stunde nach Mitternacht. Ebenfalls auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg wird noch am Donnerstag eine Obduktion des bei dem Messerangriff getöteten Mannes durchgeführt.
Während der Tat waren die beiden minderjährigen Kinder des Ehepaares im Haus. Sie wurden in der Nacht von einem Notfallseelsorger betreut.
Der 48-jährige Tatverdächtige wurde am Donnerstagnachmittag (10.) auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Nach Erlass eines Haftbefehls wegen Mordes und versuchten Mordes wurde der Beschuldigte in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.<
Quelle: ots/polizeipresse.de, Hösbach, Landkreis Aschaffenburg / Breuberg - Tötungsdelikt am späten Mittwochabend - Täter kommt aus Breuberg, 11. 5. 2007
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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