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Freitag, 30. November 2007

Blasphemisch getaufte Plüschtiere und unzüchtige Missbrauchs- und Vergewaltigungssopfer: Strenger Islam lehrt den Westen Moral

von @ 7:28. Kategorien: Causa Claudia, Gesellschaft

Steiff 111822 - Lotte Teddybär rosa

Einige aktuelle Schlagzeilen laden derzeit zu vergleichender Kultur- und Religionswissenschaft ein.

Staunend liest man heute etwa von den fremden Sitten und Gebräuchen im Sudan. Nach einer Meldung des SPIEGEL verlangten Tausende Demonstranten in Khartum die Todesstrafe für die britische Grundschullehrerin Gillian Gibbons, die auf Wunsch eines siebenjährigen Schülers einen Teddy auf dessen Namen “getauft” hatte: Mohammed.

>Die Demonstranten versammelten sich heute vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Khartum und riefen “Schande über Großbritannien!“, “Tötet sie, tötet sie!” und “Keine Toleranz: Hinrichtung!“.
Ein Gericht hatte die Lehrerin gestern zu 15 Tagen Haft verurteilt, weil in ihrem Unterricht ein Teddybär angeblich nach dem Propheten Mohammed benannt worden war.[…]

Der Sudan hatte der Britin vorgeworfen, mit der Benennung des Klassenmaskottchens die Ehre des muslimischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben. Nach den Gesetzen des Landes drohten der Lehrerin 40 Peitschenhiebe oder bis zu einem Jahr Gefängnis.
Schätzungen von Beobachtern zufolge nahmen bis zu 10.000 Menschen an der Protestaktion nach den Freitagsgebeten teil. Einige trugen Schlagstöcke, Messer und Äxte bei sich.<

Quelle: spiegel.de, TEDDY-AFFÄRE IM SUDAN - Tausende Demonstranten fordern Todesstrafe für britische Lehrerin, 30. 11. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

Wem das empörend vorkommt, zumal in einem Land, deren Regierung die UNO schwere, systematische Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung in der Region Darfur vorwirft, sollte nicht vorschnell urteilen.

Man sollte sich statt dessen bei der Odenwälder Publizistin Claudia Trossmann kundig machen, die vertiefte Kenntnisse des Islam besitzt und bereits bei den weltweiten Demonstrationen gegen die dänischen Mohammed-Karikaturisten auf die Bedeutung des “differenzierten Bilderverbots im Islam” hinwies. Ein Verbot, das in analoger und natürlich wieder differenzierter Weise wohl auch für die Namensgebung von Plüschtieren gilt.
Im Februar 2006 stellte die Publizistin dazu tiefschürfende und fett formatierte Fragen:

>Warum hat Jyllands-Posten diese Karikaturen in Auftrag gegeben und veröffentlicht? […]
Die Karikaturen wurden Ende September 2005 veröffentlicht. Warum wird dies erst jetzt vier Monate später massenmedial gepuscht?
Cui bono? Auf deutsch: Wem nützt das?
Schauen wir uns doch einfach mal die Weltpolitik im Januar an. (Fast) alle zeigen mittlerweile mit dem “militärischen Finger” auf den Iran …<

Mit einiger Spannung wird man nun neue bohrende Fragen im Kulturblog (”Zimmer mit Einsicht”) erwarten dürfen. Etwa diese: Warum hat Gillian Gibbons diesen provokanten Akt gerade jetzt verübt? Handelte sie im geheimen Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums? Cui bono? Auf deutsch: Wem nützt das?
Jedenfalls nicht dem Plüschtier, auch nicht dem siebenjährigen Mohammed und natürlich nicht dessen Lehrerin - sofern sie überhaupt heil aus dem Sudan herauskommt.

Eine weitere Schlagzeile liefern heute die Arabischen Emirate: “Sexuell missbrauchte Zwölfjährige in Dubai festgenommen”. Spiegel-Online schreibt weiter:

>Sie wurde seit ihrem zehnten Lebensjahr sexuell missbraucht - jetzt soll ein zwölfjähriges Mädchen in Dubai dafür gerichtlich belangt werden. Das Kind habe “verbotene Affären” mit Männern gehabt, lautet der Vorwurf der Behörden.
Die Internetseite der Zeitung “Gulf News” berichtete heute, die Polizei habe nach einem anonymen Hinweis eine Wohnung in dem Viertel Bur Dubai gestürmt. Dort fanden die Beamten das Mädchen in Begleitung von mehr als 15 Männern verschiedener Nationalitäten. Das Kind berichtete den Polizisten, es habe seit seinem zehnten Lebensjahr Sex mit erwachsenen Männern. […]
In Dubai macht seit einigen Wochen ein Prozess um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines 15 Jahre alten Franzosen Schlagzeilen.
Der wurde laut eigener Aussage im vergangenen Juli von drei Männern aus den Emiraten vergewaltigt. Ärzte, Verteidiger und Behördenvertreter unterstellten auch in diesem Fall, der Jugendliche habe seine Peiniger ermuntert, Sex mit ihm zu haben - und damit einen in den Vereinigten Arabischen Emiraten strafbaren homosexuellen Akt begangen.<

[Hervorhebungen und Links von uns]

Eine Meldung, die schon am 25. November durch die Medien ging, verstärkt - um mit Claudia Trossmann zu sprechen - den Eindruck eines “massenmedialen” Puschs:

>Saudis wollen Frau trotz weltweiter Proteste auspeitschen.
Der Fall rief weltweiten Protest hervor: In Riad wurde eine junge Frau, das Opfer einer Gruppenvergewaltigung, zu Gefängnis und 200 Peitschenhieben verurteilt. Doch die Saudis bleiben stur, verbitten sich jede Einmischung und wollen die drakonische Strafe unbedingt exekutieren.
[…]
Nach Aussage ihres Verteidigers traf sich die damals 18-Jährige im März letzten Jahres in der saudischen Stadt Quatif mit einem ehemaligen Schulfreund. Sie wollte offenbar ein Foto zurückhaben, das er von ihr besaß. Die Frau saß mit dem Schulfreund in dessen Wagen, als plötzlich zwei weitere Männer zustiegen und die beiden in ein abgelegenes Gebiet fuhren, wo schon drei weitere Männer warteten. Die Frau und ihr Schulfreund wurden von den Männern vergewaltigt.
Das Gericht sah den Fall anders: Demnach seien die Frau und der Schulfreund von den anderen Männern in “unzüchtigem Zustand” im Auto gesehen worden, das an einem “dunklen Platz” geparkt gewesen sei.
Nach der Gruppenvergewaltigung wurden jedoch nicht nur die Täter, es wurde auch ihr Opfer angeklagt: Die Frau wurde zu einer Gefängnisstrafe und 90 Peitschenhieben verurteilt, weil sie sich allein mit einem Mann getroffen hatte, mit dem sie nicht verwandt war. Ihr Anwalt, Abdul Rahman al-Lahem, legte Berufung ein. Der Jurist wurde danach nicht nur vom Verfahren ausgeschlossen, auch die Strafe der Frau wurde auf 200 Peitschenhiebe erhöht.< [Hervorhebungen und Links von uns]


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Montag, 26. November 2007

Alptraumszenario Terrorangriff: Südhessisches AKW Biblis “größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa”

von @ 2:51. Kategorien: Katastrophen, Terror

Szenario GAU in Biblis

Das behauptete der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer beim Vorstellen einer Studie des Darmstädter Öko-Instituts. SPIEGEL-Online greift dies heute auf:

>Im Fall eines gezielten Flugzeugabsturzes auf das südhessische Atomkraftwerk Biblis A wären nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder gar Prag bedroht. […]
Es wäre kein Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, sondern die Super-GAK - die größte anzunehmende Katastrophe: ein Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk. Wie schlimm dieser Fall wäre und welche Atomkraftwerke die größten Risiken darstellen, hat nun das Öko-Institut untersucht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der die Studie am Montag in Wiesbaden vorstellte, benannte das Atomkraftwerk Biblis A als “die größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa”. Schon im Frühjahr hatte die Bundesregierung bestätigt, dass Biblis A gegen einen Flugzeugabsturz nicht ausreichend geschützt sei.[…]
Der Zeitpunkt, zu dem die Studie veröffentlicht wird, ist brisant: Biblis A ist seit über einem Jahr abgeschaltet, weil in der Anlage Tausende falsch montierter Dübel ausgetauscht werden müssen. Ein Wiederanfahren von Biblis A und B wird für die nächsten Wochen erwartet.

Der radioaktive Fallout würde laut Scheer noch in 600 Kilometer Entfernung die Evakuierung ganzer Städte und Landstriche notwendig machen. Die Bevölkerung auf bis zu 10.000 Quadratkilometern Fläche müsste umgesiedelt werden. Nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder Prag wären in diesem Fall bedroht. “Wir alle müssen wünschen, dass es zu so etwas nicht kommt”, sagte Scheer.

Biblis A ist das älteste deutsche Atomkraftwerk und nur unzureichend gegen Flugzeugabstürze geschützt. Die Betonkuppel über dem Sicherheitsbehälter ist so dünn, dass sie auch dem Absturz kleinerer Maschinen nicht standhalten könnte.

[…]
Scheer sagte, alle Überlegungen, einen Terrorangriff mittels eines entführten Passagierflugzeugs durch Abschuss abzuwehren, gingen bei Biblis A ins Leere. Das Atomkraftwerk sei weniger als eine Flugminute vom Frankfurter Flughafen entfernt, so dass für jede denkbare Gegenmaßnahme die Zeit nicht ausreiche.< Quelle: spiegel.de, Terroranschlag auf Atomkraftwerk Biblis würde Berlin bedrohen, 26. 11. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

[UPDATE: An der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde von Daniel Kramarz und Andreas Loeber im Rahmen einer Diplomarbeit die Applikation AIR TRAFFIC entwickelt, die unter Nutzung der Google-Maps-API den aktuellen Flugverkehr abbildet - jedenfalls partiell und ohne Gewähr. Um es in ihren Worten zu sagen: Transponder-Daten werden mit Hilfe eines Mashup visualisiert. Das funktioniert in beeindruckender Weise, vor allem für den süddeutschen Raum, für die Schweiz und für Österreich. Vor dem Hintergrund der in diesem Artikel thematisierten Szenarien fragt sich nur, ob diese Applikation noch lange online angeboten werden darf. ]

Auf der Website eurosolar.de wird im Rahmen der Pressemitteilung von den Bundesministern Wolfgang Schäuble und Franz Josef Jung “Konsequenz” verlangt:

>Bei klarer Sicht der Gefahrenumstände und der nahe liegenden greifbaren praktischen Möglichkeiten zur Beseitigung der offensichtlich größten Gefahrenstelle, müssten die Bundesminister Schäuble und Jung unbedingt auch für diese dauernde Abschaltung von Biblis A sein. Alles andere wäre inkonsequent und würde bedeuten, dass sie falsche Rücksichten nehmen.<

Als pdf-Dokument kann man die 46 Seiten umfassende “Analyse des Bedrohungspotenzials ‘gezielter Flugzeugabsturz’ am Beispiel der Anlage Biblis-A” hier herunteladen.

Das oben eingeblendete Bild zeigt die (engere) Evakuierungszone um das AKW Biblis im Falle eines Kernschmelzunfalls. Vorausgesetzt wurde dabei eine typische Novemberwetterlage.
Das u.a. mit Google-Maps realisierte Bild entstammt der Website xzcute.com von Andreas Seidel. Er zitiert dort begleitend aus einer älteren Studie des Öko-Instituts (s.a. biu-hannover.de), die dem HR-Fernsehfilm “Todeszone” zugrunde gelegt war:

>Als Vorbereitung für den Fernsehfilm “Todeszone” des Hessischen Rundfunks, in dem die Auswirkungen eines Kernschmelzunfalls unter Hochdruckbedingungen im Atomkraftwerk Biblis dargestellt sind, wurden im Öko-Institut 1991 die Folgen der Ausbreitung der radioaktiven Stoffe berechnet.
Unter Berücksichtigung des örtlichen Reliefs und einer typischen Novemberwetterlage kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das in (der) Abbildung dargestellt ist: Der zuerst austretende, sehr energiereiche und daher heiße Teil der radioaktiven Wolke steigt mehrere hundert Meter nach oben, wird von den in den höheren Luftschichten vorherrschenden Westwinden ergriffen und über den Odenwald hinweg, der sich ungefähr 300 bis 400 m hoch über die Rheinebene erhebt, in südöstliche Richtung transportiert.

Der später oder gleichzeitig austretende, kühler gebliebene Teil der Wolke wird von den bodennahen Süd-Nord-Winden erfaßt und im Oberrheingraben in Richtung Frankfurt transportiert.
Wird der niedrigere Dosisrichtwert angenommen, dann müßten Gebiete bis über 200 und 300 Kilometer Entfernung evakuiert werden, beim höheren noch immer die Städte Darmstadt, Rüsselsheim, Frankfurt am Main, Offenbach und Rothenburg ob der Tauber.
Umsiedlung wäre je nach Dosisrichtwert notwendig bis in 200 km oder bis nach Thüringen hinein und sogar weit über das Gebiet der Bundesrepublik hinaus bis fast vor Wien.<


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Donnerstag, 22. November 2007

Birgit Reuther über den trostlosen Alltag in der Redaktion des Odenwälder Echo: “Und wenn kein Aufmacher in Sicht ist?”

von @ 4:53. Kategorien: Presse

Birgit Reuther stellte heute im Odenwälder Echo eine für die Region und sein Käseblatt fundamentale Frage:

>Was macht eine Zeitungsredaktion an einem Tag, an dem so gar kein Bericht in Arbeit ist, der als Aufmacher taugt, der Schlagzeilen liefert, die Leser packt, so dass sie den Text möglichst sofort lesen wollen?<

Noch pointierter und an die verzweifelte Situation des schiffbrüchigen Robinson Crusoe erinnernd heißt es in der Überschrift:

Und wenn kein Aufmacher in Sicht ist?

Die Antwort könnte helfen, den Alltag in der Erbacher Redaktion besser zu begreifen.
Dass nämlich ein Bericht den Leser des Odenwälder Echo tatsächlich “packt” und er “den Text möglichst sofort lesen” will, passiert bekanntlich nur alle Jubeljahre - es sei denn, es handelt sich bei dem Leser um den Vorsitzenden des Vielbrunner Kanichenzüchtervereins, der begierig den (natürlich) wohlwollenden Echo-Bericht über seine Wiederwahl verschlingt.
Zugegeben, bei dem Leser könnte es sich auch um den Vorsitzenden des Würzberger Brieftaubenvereins oder sogar um den Chef des Erbacher Landratsamtes handeln, aber “gepackt” ist er von einem Echo-Text allenfalls (!) dann, wenn der von ihm selbst handelt.
Und auch dann ist für ihn nur packend, ob er in dem Text gut oder schlecht wegkommt. Also doch nicht packend, oder nur sehr wenig, weil ein Käseblatt seine wenigen Leser und vor allem seine lokalen Großkopferten nicht vor den Kopf stoßen will bzw. darf.

Birgit Reuther meint nun, es kämen “eher selten” Tage vor, an denen der Leser von dem Aufmacher des Oooh-Echo nicht gepackt ist und ihn nicht “möglichst sofort” lesen will.
Das diktierte ihr wohl ein deviantes Zeitgefühl - oder ihr Chefredakteur Gerhard Grünewald.

Der ist ja überzeugt, dass zumindest seine eigenen Texte packend sind. Wenn man unter packend versteht, dass das Zwerchfell im gnadenlosen Griff eines unfreiwilligen Humoristen ist, hat Grünewald freilich nicht ganz unrecht.

Aber was sagt nun Birgit Reuther über den Alltag eines Odenwälder Echo-Redakteurs, der ihrer Meinung nach “eher selten” vorkommt:

>Solche Tage gibt es, glücklicherweise aber eher selten. […] Nun sind kreative Köpfe, Flexibilität und Schnelligkeit gefragt: Wer hat noch was in Arbeit, das sich ebenfalls als Aufmacher auf der ersten Odenwaldkreis-Seite eignen würde?<

Kreative Köpfe sitzen bekanntlich auch schräg gegenüber im Odenwälder Landratsamt. Etwa Horst Schnur und sein Pressesprecher Wolfgang Bastian. Auch sie sind ja Meister des Wortes und springen gerne mit spannenden Texten ein, wenn im Ooo-Echo wieder die alltägliche, sprachlose Ebbe herrscht.
Der (von Schnur bzw. Bastian) gepackte Leser erkennt dann den wahren Grund seines Gepacktseins an dem Autorenkürzel “e” (früher “kn“) oder daran, dass sich das Gelesene (leicht modifiziert und teletransportiert) auch ganz gut auf Nord-Korea und seinen weisen Führer Kim Jong Il beziehen könnte.
Aber nun ganz ohne Ironie: Was den Umgang mit dem viele, viele Texte zierenden Autorenkürzel “e” anbelangt, ist man in Gerhard Grünewalds Redaktion nun tatsächlich so kreativ, flexibel und schnell, dass sich daran vielerorts Redakteure eine (Käseblatt-) Scheibe bzw. Seite abschneiden könnten.

In diesem Sinne dürfen und sollten auch die Schüler der neunten Realschulklasse der Georg-Ackermann-Schule in Rai-Breitenbach von ihren interviewten Erbacher Paradejournalisten beeindruckt sein.


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Dienstag, 13. November 2007

Gescheitert: Fusion von Erbach und Michelstadt “für Jahrzehnte” weg vom Tisch

von @ 11:52. Kategorien: Fusion Erbach-Michelstadt


So lässt sich der von dem Bürgervotum tief enttäuschte Erbacher Bürgermeister Harald Buschmann in verschiedenen Medien zitieren - auch im Wiesbadener Kurier, dessen Bericht zur gescheiterten Fusion der beiden Odenwälder Kleinstädte nachstehend zitiert wird:

>Erbach und Michelstadt hätten ein in Hessen einmaliges Exempel statuieren können. Doch aus der freiwilligen Städte-Hochzeit zur Vermeidung doppelter Ausgaben in den Nachbarkommunen wird nun erstmal nichts. Praktisch in letzter Sekunde zogen die Wähler beider Orte am Sonntag in Bürgerentscheiden die Notbremse. Sie verweigerten ihren Bürgermeistern und Lokalparlamenten die Gefolgschaft und legen die für 2009 geplante Gründung der Odenwald-Metropole Erbach-Michelstadt damit vorerst auf Eis.
In einer ersten Bewertung sieht Erbachs Stadtoberhaupt Harald Buschmann (CDU) nun harte Zeiten auf die Menschen in beiden Städten zukommen:
Für die Bürger wird das bitter werden. Sie werden nach und nach spüren, dass sie eine riesige Chance verpasst haben.”
In nicht allzu langer Zeit würden sie auch an den Haushalten erkennen, dass “uns das Wasser bis zum Halse steht“.
Sein Michelstädter Kollege Reinhold Ruhr (Überparteiliche Wählergemeinschaft ÜWG) sagte enttäuscht: “Die erhofften Synergien der Fusion werden sich jetzt nicht einstellen. Das bezahlen nicht die Lebenden, die entschieden haben, sondern das bezahlen die Kinder.”

Ob es in naher Zukunft einen neuen Anlauf für eine Fusion der lange verfeindeten und um Unternehmensansiedlungen konkurrierenden Nachbarn geben wird, steht in den Sternen.
[…]

Für Buschmann und Ruhr ist der ehrgeizige Plan hingegen bis auf weiteres gescheitert:
Solche Chancen kommen normalerweise nur alle paar Jahrzehnte“, sagte Buschmann, der das Votum auch als Misstrauensvotum verstand: “Die Gegner haben gesagt, die Bürgermeister würden den Leuten etwas vormachen. Und wenn die Leute das geglaubt haben, dann haben sie eigentlich geglaubt, wir sagen die Unwahrheit. Und das ist schon happig.”

Dabei hatte Buschmann nichts unversucht gelassen, sein Ziel zu erreichen und sogar angekündigt, nicht selbst für das Bürgermeisteramt von Erbach-Michelstadt zu kandidieren.
Damit wollte er jenen den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm Eigeninteresse vorwarfen: “Alles wurde überdeckt von persönlichen Anfeindungen. Mir wurde Eigennutz unterstellt, weil ich mehr Geld verdienen wolle. Das finde ich ätzend“, hatte er schon im Juli gesagt.

Buschmann und Ruhr hatten die Fusion zum Jahresbeginn vorgeschlagen und seither mit zahlreichen Bürgerversammlungen für ihr Projekt geworben. Bei den Gegnern stießen sie aber ebenso auf taube Ohren wie etwa Hessens Justizminister Jürgen Banzer (CDU), der den Bürgern vorausgesagt hatte, sie würden erheblich profitieren. […]
Auch der Bund der Steuerzahler Hessen hatte das Projekt gelobt und dies mit “erheblichen Einsparungen” begründet, die “ein leuchtendes Beispiel für andere Kommunen in Hessen” sein könnten.

[…] Bei einer Wahlbeteiligung von 53 Prozent in Michelstadt und 49,4 Prozent in Erbach lehnten in der größten Stadt im Odenwald 54,9 Prozent der Wähler die Fusion ab, in der Kreisstadt 52,2 Prozent. Ruhr sah in dem Votum einen Beleg dafür, dass wenig junge Menschen an der Abstimmung teilgenommen haben: “Für die ist diese Stadt (Erbach-Michelstadt) schon gelebte Selbstverständlichkeit.” < Quelle: Wiesbadener Kurier, “Für die Bürger wird das bitter werden”, 13. 11. 2007 [Links und Hervorhebungen von uns]

Mit seiner Schnellanalyse mag Ruhr recht haben. Für die Älteren wären die Wege zu städtischen Einrichtungen nach einer Fusion da oder dort länger geworden. Ein für sie entscheidendes Kriterium, das sie mehrheitlich den Zusammenschluss ablehnen ließen.
Wurden solchen Sorgen bedacht und wurde von den Fusionsbefürwörtern deutlich gemacht, wie man nachteiligen Auswirkungen einer Fusion begegnen wollte?

Warum gelang es anscheinend nicht, mehr junge Menschen zur Teilnahme an dem Bürgerentscheid zu mobilisieren?

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Freitag, 2. November 2007

Nina Hagen, George W. Bush, Bublath, Satan und die Aliens: Auch eine Geisteskranke kann künstlerisch reüssieren

von @ 9:39. Kategorien: Video


Schon im September war auf diesen Seiten Verschwörungswahn ein vieldiskutiertes Thema. In einer Talkshow mit Sandra Maischberger konnte man solchen Wahn nun in absoluter Vollendung sehen - bei Nina Hagen.
Vor 30 Jahren konnte man noch glauben, dass ihre schrillen Auftritte kalkuliert waren. Inzwischen ist klar, dass die Frau komplett verrückt ist.
Der Psychiater nennt so etwas eine paranoide Psychose, die bei Hagen offenbar nicht mehr nur einen episodischen Charakter hat, sondern vollauf chronifziert ist.

In der Wikipedia wird die paranoide Schizophrenie so beschrieben:

>Schließlich ist die gravierendste Form, die paranoide Schizophrenie, „durch beständige, häufig paranoide Wahnvorstellungen gekennzeichnet, meist begleitet von akustischen Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen; Störungen der Stimmung, des Antriebs und der Sprache, katatone Symptome [hingegen] fehlen entweder oder sind wenig auffallend“.
Bemerkenswerterweise bleiben die kognitiven Fähigkeiten der paranoiden Person erhalten, mit Ausnahme der verzerrten Wirklichkeitswahrnehmung in Bezug auf den Wahntopos.< [Hervorhebungen und Links von uns]

Hagen liefert zudem den Beweis, dass auch Paranoiker gesellschaftlichen Erfolg haben können. Das bekam man freilich schon im “Dritten Reich” in Form des eliminatorischen Antisemitismus vor Augen geführt. Da waren die Juden das, wofür Nina Hagen die (eingebildeten) Ufos hält: “evil aliens”.
Wie Nina Hagen verstand sich auch der gescheiterte Künstler Adolf Hitler auf die hysterisch-exaltierte Pose.

Dass George W. Bush mit dem Bösen im Bunde ist, weiß jeder am Stammtisch. Nina Hagen sieht ihn ganz real von Satan und satanischen Aliens gelenkt.
Man wundert sich, dass der Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath überhaupt so lange in dem therapeutischen “Kuriositätenkabinett” ausharrte.

Eine nette Diskussion zu dem TV-Spektakel gibt es beim Stoibär. Die treffende, auf Hagen gemünzte Überschrift: Wie man Kinder vom Drogenkonsum abhält.

Für Nina Hagen hatte der TV-Auftritt umgehend Konsequenzen. In der Wikipedia wurde der ihr geltende Artikel so aktualisiert:

>In der Unterhaltungssendung „Menschen bei Maischberger“ (Thema: „Ufos, Engel, Außerirdische – sind wir nicht allein?“) sorgte Nina Hagen am 30. Oktober 2007 für einen Eklat. Sie bemitleidete angebliche Opfer von Alien-Entführungen, verursachte immer wieder Aufregung durch pantomimische Darbietungen und wirre Zwischenrufe, redete unstrukturiert und wurde laut, insbesondere gegenüber dem Physiker und Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath. Dieser verließ daraufhin vor laufender Kamera die Live-Sendung. Moderatorin Sandra Maischberger erklärte schließlich: „Nina, ich habe das Gefühl, dass in deinem Kopf viel durcheinander geht.“<

Der Schockwellenreiter weist übrigens auf ein nettes Wikipedia-Google-Maps Mashup hin:
Mit Wikipedia-Vision lässt sich live verfolgen, wo auf dem Globus welcher Wikipedia-Artikel gerade aktualisiert wird.

In Joachim Bublaths Forum beim ZDF wird der Eklat bei Maischbergers Show diskutiert. Auf Nina Hagens Website, auf der sich der ganze Wahnsinn in Wort, Bild und Ton entfaltet, findet sich noch kein aktueller Kommentar.

Nach Bublaths Verlassen des “Kuriositätenkabinetts” triumphierte sie übrigens: “Evil alien is going home!!”

Henryk M. Broder
hat den Auftritt ebenfalls gesehen. Auf der “Achse des Guten” beschränkt er seinen Kommentar zu Nina Hagen (”Große Geister der Gegenwart”) auf die wörtliche Wiedergabe des wirren Gequassels:

>”Und wenn ein George Dabbeljuh Bush sagt, ‘bald werd´n wa auf’m Mond leben’, ‘bald werd´n wa auf’m Mars leben’, warum sacht’n der sowas? Warum könn’ wa denn nich auf der Erde leben? Auf der Erde, wat macht’n der George Dabbeljuh Bush zurzeit? Der tut ja ganz… ähm… (gestikuliert verzweifelt) ich weiß ja gar kein Wort dafür. Die Kriegsführung im Irak zum Beispiel. Da wird ja mit depleted uranium gebombt und gearbeitet. Die Menschen, die dort auf die Welt kommen, die Babys, kommen mit Deformationen, mit Missbildungen auf die Welt. Und jetzt sagt der George Dabbeljuh Bush, er will eh-eh-eh irgendwann… eine Elite, dass die uff’m Mars wohnt?! Ja, da krieg’ ich doch, da krieg’ ich doch Verdacht after Verdacht, da stimmt doch wat nich! Das muss recherchiert werden.”<

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Donnerstag, 1. November 2007

Fahndungserfolg nach 5 Jahren: Todesfahrer von Lindenfels in Reichelsheim gefasst

von @ 12:22. Kategorien: Polizei

Das meldet heute HR-Online. Am 23. 6. 2002 war war in der Nähe von Lindenfels ein 37 Jahre alter Mann aus Modautal, der betrunken auf der Fahrbahn lag, von einem Auto überrollt und getötet worden.
Auch der Fahrer war anscheinend betrunken. Nun wurde er am letzten Montag in Reichelsheim festgenommen.
Nachfolgend der Bericht des HR:

>Nach Hinweisen einer Zeugin konnten die Ermittler am Montag in Reichelsheim im Odenwald einen 40 Jahre alten Polen festnehmen. Das berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Darmstadt. Der Mann habe eingeräumt, am 23. Juni 2002 bei Lindenfels einen damals 37 Jahre alten Fußgänger, der alkoholisiert auf der Fahrbahn lag, mit seinem Auto überrollt zu haben.

Nach dem Unfall flüchtete der Fahrer mit seinem Wagen. Der Beschuldigte sei vermutlich betrunken gewesen und zu schnell gefahren. Das Opfer starb noch an der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft wertet das Verhalten des geflüchteten Fahrers als versuchtes Tötungsdelikt.

Ohne sich um das Opfer zu kümmern davon gerast
Nach den Ermittlungen war der 40-Jährige nach dem Besuch eines Feuerwehrfestes in Lindenfels-Winterkasten in Richtung Neunkirchen gefahren. Wegen Alkohols und überhöhter Geschwindigkeit habe er den am Ortsausgang auf dem Boden liegenden Familienvater aus Modautal zu spät gesehen und mit seinem Auto überrollt. Ohne sich um das Opfer zu kümmern, sei der Mann mit hoher Geschwindigkeit weitergefahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes Haftbefehl beantragt. Der Ermittlungsrichter setzte den Mann am Dienstag jedoch gegen die Zahlung einer Kaution von 4000 Euro wieder auf freien Fuß. Der Pole lebe in geordneten Verhältnissen und gehe einer regelmäßigen Arbeit nach. Er werde sich allerdings strafrechtlich verantworten müssen.

Schon kurz nach dem Unfall waren Fahrzeugteile gefunden worden, aus denen hervorging, dass das Tatfahrzeug ein VW Passat der Baureihe 1988 bis 1993 war. Trotz intensiver Nachforschungen wurde das Auto nicht gefunden. Wie sich jetzt herausstellte, hatte der Beschuldigte den Wagen wenige Tagen nach der Todesfahrt nach Polen geschafft. Von dort sei das Auto vermutlich in die Ukraine gebracht worden.< Quelle: hr-online.de, Nach fünf Jahren - Todesfahrer gefasst, 31. 10. 2007

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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".

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