Nachdem an Heilig Abend in Heppenheim ein psychisch Kranker von einem Polizeikommando mit insgesamt 12 Schüssen niedergestreckt wurde, starb nun nicht weit entfernt, in Weinheim, erneut ein psychisch Kranker nach einem Polizeieinsatz.
In dem dpa-Bericht heißt es: “Aus zunächst unbekannten Gründen setzte plötzlich die Atmung aus” - während oder nachdem mehrere Polizisten gemeinsam mit Betreuern den randalierenden Mann überwältigten.
>Nach einem Angriff auf seine Betreuer ist ein psychischer kranker Mann in Weinheim von Polizisten überwältigt worden und später gestorben. Die Todesursache war zunächst unklar, wie die Polizei Heidelberg und die Mannheimer Staatsanwaltschaft am Freitag berichteten. Der kräftige 27-Jährige hatte am späten Donnerstagnachmittag in einer Wohngruppe in einem Haus an der Bahnhofstraße randaliert und Mitarbeiter attackiert. Wie es im Bericht der Staatsanwaltschaft heißt, konnten mehrere Polizisten den Mann gemeinsam mit den Betreuern überwältigen.
Aus zunächst unbekannten Gründen setzte plötzlich die Atmung aus, ein Notarzt konnte ihn jedoch wiederbeleben. Der Mann wurde in ein Krankenhaus in Weinheim gebracht und später in eine Mannheimer Klinik verlegt. Dort starb er in der Nacht zum Freitag.
Um die Todesursache zu klären, sollte die Leiche voraussichtlich heute obduziert werden. Mit Ergebnissen der Untersuchung rechnet die Polizei Anfang nächster Woche. Die angegriffenen Betreuer kamen mit dem Schrecken davon. < Quelle: Darmstädter Echo, Psychisch kranker Mann stirbt nach Angriff auf Betreuer, 29. 12. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]
Es ist erstaunlich: Nachdem in verschiedenen Web-Foren herbe Kritik an dem Polizeieinsatz an Heilig Abend in Heppenheim geübt wurde, erfährt die Öffentlichkeit (erst) 4 Tage später nun eine neue Variante des Tathergangs - die freilich nicht mit einem (angeblichen) Augenzeugenbericht übereinstimmt.
Im Leser-Forum der WELT behauptete am 26. 12. ein (angeblicher) Augenzeuge mit dem Pseudonym “LONDONER”:
>Ich kann nur erzählen, was ich gesehen habe. Der Mann hatte in jeder Hand je ein Messer: eins war sehr groß (Fleischmesser) von etwa 20 cm. Das andere war kleiner aber auch scharf.
Die SEK-Männer waren in voller Montur: mit Helmen und Schutzwesten. Ich habe 2-3 von ihnen vor der Küchentür gesehen. Ich konnte sehen, wie er nur das große Fleischmesser geworfen hat.
Da war zwischen ihm und der Küchentür ca. 2-3 Meter.
Wo genau die Beamten in dem Moment standen, konnte ich nicht genau sehen: aber ich schätze ca. 2 meter entfernt, da sie genau in diesem Moment angefangen haben die Küche zu stürmen.<
Teilweise decken sich diese Aussagen mit späteren Mitteilungen der Staatsanwaltschaft - was für die Glaubwürdigkeit von “LONDONER” sprechen könnte. Eigentlich könnte bzw. dürfte aber nur ein bei dem Einsatz beteiligter Polizist gesehen haben, was “LONDONER” sah bzw. berichtete! Schwer vorstellbar ist jedenfalls, dass das SEK-Kommando einem Wohnungsnachbarn erlaubte, den Einsatz vom Flur aus zu verfolgen.
Auch ein Blick durch das Schlüsseloch oder von außen mit einem Fernglas in die im 5. Stock eines Hochhauses gelegene Wohnung dürfte kaum so detailgewürzte Beobachtungen ermöglichen. Sehr wahrscheinlich also, dass “LONDONER” ein beteiligter Polizist war, der seine (wahre? vollständige?) Aussage im Forum der Tageszeitung WELT vielleicht sogar mit Kollegen und / oder dem Einsatzleiter abgesprochen hatte. Wie auch immer. Keine Rede war jedenfalls vom Einsatz eines Elektroschockgeräts (Taser) - weder in den Polizeiberichten der folgendenen 3 Tage noch in dem Bericht von LONDONER.
Wohl aber war in mehreren kritischen Kommentaren gerügt worden, dass der Einsatz eines Taser (bzw. anderer, nicht letal wirkender Waffen) unterlassen wurde.
Nun also, nachdem sich die Kritik an dem Polizeieinsatz mehrt und ein (ernstzunehmendes?) Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hört man - nach 4 Tagen - dass angeblich doch ein Taser eingesetzt worden sei. SPIEGEL Online, FOCUS Online, WELT Online … sie alle konnten ihren Lesern nur die “halbe” Wahrheit mitteilen, weil die sonst um ihr öffentliches Prestige besorgte Polizei diesen nicht unwesentlichen Umstand in ihren ersten Berichten (scheinbar) “vergessen” hat.
HR-Online schreibt nun: “Die von dem Gerät verschossenen Elektroden seien im Oberkörper und Oberschenkel des 120 Kilogramm schweren Mannes gefunden worden, berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag in Darmstadt.”
Es werden der Fragen wohl nicht weniger, sondern mehr. Zumal ein anderer Heppenheimer von einem Arzt erfahren haben will, der Renter sei auch in den Rücken getroffen worden.
Irgendwie bleibt die Abfolge der jeweiligen Aktionen dennoch dubios: Das SEK-Kommando (wieviel Mann?) dringt (gewaltsam?) in die Küche ein, der Rentner hält (eins? zwei?) Messer in seinen Händen. Es gibt Aufforderungen, Drohungen? Dann Schüsse mit dem Taser in Oberkörper und Oberschenkel des Rentners. Dann wirft der Mann ein Küchenmesser.
HR-online schreibt:
>Anders als von den Polizisten erwartet sei der Mann nach dem Elektroschlag aber nicht kampfunfähig gewesen, sondern habe mit großer Wucht eines seiner beiden Messer geworfen. Es habe mit dem Griff voran eine Sperrholzwand zerschlagen, nachdem es einen Polizisten leicht verletzte.<
Der Rentner hält noch immer ein (Küchen?) Messer in den Händen und ist im Begriff es zu werfen? Oder er stürzt damit auf die schwerbewaffneten Polizisten?
Jedenfalls ist dann auf den Mann, den man doch vor einem Suizid bewahren wollte, aus vollen Rohren geschossen worden. 12 Schüsse. Selbst bei einem Terroristen wäre man wohl sparsamer mit Munition umgegangen.
Es behauptet ja niemand, die beteiligten Polizisten seien wegen des Einsatzes an Heilig Abend frustriert gewesen und hätten dann ihre Frustration an dem verwirrten und dann auch aggressiven alten Mann ballernd abreagiert.

Nach Pfusch riecht hier freilich vieles.
Wer die Arbeit der Staatsanwaltschaft Darmstadt in den letzten Jahren verfolgte und zwar immer dann, wenn Parteifreunde oder “befreundete” Behörden ungut involviert waren, wird und braucht an eine seriöse Aufklärung des wahnwitzigen Dramas an Heilig Abend in Heppenheim nicht zu glauben.
Der laut Darmstädter Echo “erfahrene Oberstaatsanwalt” Arno Siebecker weiß jedenfalls schon jetzt, dass dieses Verfahren “keine Routine” ist und bei welchen Folgen es für die Verantwortlichen bleiben wird:
>Drei Tage nach dem gewaltsamen Tod eines 66 Jahre alten Rentners in Heppenheim gibt es auch aus Sicht der Staatsanwaltschaft mehr Fragen als Antworten. Für den erfahrenen Oberstaatsanwalt Arno Siebecker ist dieses Ermittlungsverfahren alles andere als Routine: „Die Dramatik ist unbeschreiblich. An Heiligabend versucht die Polizei, jemanden zu retten, und das Gegenteil tritt ein. Das ist ein Fall, den alle Beteiligten ihr Leben lang nicht vergessen werden“, so beschrieb Siebecker gestern die menschliche Seite dieses Falles, in dem die Darmstädter Ermittlungsbehörde zu klären hat, wie sich der Polizeieinsatz in der Heppenheimer Weststadt so zuspitzen konnte. […]
Ein sauberes Verfahren sei notwendig, um jeden Verdacht der Mauschelei zu vermeiden, sagte Siebecker.< Quelle: Darmstädter Echo, Kugeln in Arm, Beine und Körper, 27. 12. 2007 [[Hervorhebungen und Links von uns][UPDATE: Der hier zitierte Echo-Artikel “Kugeln in Arm, Beine und Körper” ist bei echo-online derzeit nicht abrufbar. Lediglich der Google-Cache zeigt den Artikel noch an. Versucht man dort, zur “aktuellen Seite” zu kommen, wird mitgeteilt, “dass der Artikel nicht mehr verfügbar ist oder inzwischen gelöscht wurde”. Auch im Online-Archiv des Echo ist der Artikel nicht mehr auffindbar.]
“Ein sauberes Verfahren sei notwendig, um jeden Verdacht der Mauschelei zu vermeiden, sagte Siebecker” …..
Wer die Behörde und die Herren schon etwas besser kennt, kann solche Aussagen als vorgezogenen Faschingsscherz deuten.
[Selbst das Darmstädter Echo, das mit dem Treiben der örtlichen Ermittlungsbehörden meistens sehr nachsichtig ist, sieht bereits “Parallelen zum Fall in Fürth“: “…Sechs Monate später, Anfang Februar 2007, wurden die Ermittlungen gegen die Beamten wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung eingestellt. Die Polizisten hätten aus Notwehr gehandelt, teilte die Staatsanwaltschaft Darmstadt mit. Der Schusswaffengebrauch sei gerechtfertigt gewesen; das hätten Gutachten und Zeugenaussagen belegt.”] UPDATE: In einem aktuellen Bericht des Darmstädter Echo, der vor wenigen Minuten online gestellt wurde, werden weitere Details genannt. Demnach hatte die Polizei die Wohnung des Rentners über mehrere Stunden hinweg observiert:
>Wie Siebecker berichtete, hatte die Polizei im Verlauf mehrerer Stunden die Wohnung observiert. Deshalb sei klar gewesen, dass sich der Mann mit zwei Schlachtermessern mit jeweils 30 Zentimeter langen Klingen bewaffnet hatte.[…] Die Polizei wusste, dass sich der Mann in der Küche verbarrikadiert und die Türklinke mit einem Stuhl blockiert hatte. <
Fatal sei der Einsatz also nicht verlaufen, weil die “Bewaffnung” und die Reaktion des in seiner Wohnung verschanzten Mannes nicht vorhersehbar war, fatal sei er verlaufen, weil der bis vor kurzem verschwiegene (angeblich eingesetzte) Taser versagt habe. So lautet auch die Überschrift des Artikels: “Schüsse, weil Elektroschocker versagt“. Die weiteren Details über den Ablauf decken sich teilweise wieder mit den Schilderungen von “LONDONER” - nur dass der von einem Elektroschocker nichts bemerkt hatte:
>Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft haben drei Polizisten die Wohnung betreten. Ein SEK-Mitglied sei mit dem Elektroschocker ausgerüstet gewesen, ein Kollege habe ihn mit gezückter Pistole begleitet, der dritte habe ein Brecheisen eingesetzt.[…] Bis zu diesem Zeitpunkt sei alles nach Plan verlaufen, sagte der Oberstaatsanwalt. Auch der Schuss aus dem Elektroschocker sei vorschriftsmäßig gesetzt worden. Eine der Elektroden habe den Oberkörper getroffen, die andere das Bein. Doch anderes als zu erwarten war, fiel der 1,80 große und 120 Kilogramm schwere Mann nicht zu Boden, sondern warf mit einem der beiden Messer. Daraufhin hätten zwei der drei Polizisten das Feuer eröffnet. Wie groß die Wucht des Wurfes war, sei daran zu erkennen, dass das Messer zunächst die Hand eines der Polizisten streifte, diesen dabei leicht verletzte und anschließend mit dem schweren Griff die Sperrholzwand des Küchenschranks durchschlug. Geschossen hat laut Ermittlungsakte der Polizist, der zuvor mit dem Elektroschocker getroffen hatte, sowie der Kollege, der seine Dienstwaffe bereits gezogen hatte. Die Schüsse aus der Waffe, die der Beamte mit dem Elektroschocker abgab, seien in den Oberkörper eingedrungen. Wie berichtet, wurden nicht nur die Arme getroffen, sondern die Projektile drangen weiter bis zur Lunge und anderen Organen vor. „Der Elektroschocker wurde offenbar sachgemäß eingesetzt, aber er zeigte keine Wirkung“, so der Oberstaatsanwalt. Warum das Elektroschockgerät nicht wirkte, dafür gibt es keine Erklärung… möglicherweise lag das an seiner Körperfülle, so eine Vermutung der Staatsanwaltschaft.<Quelle: Darmstädter Echo, Schüsse, weil Elektroschocker versagt - Ermittlungsverfahren wird Monate dauern, 28. 12. 2007
Die Frankfurter Rundschau gibt die Erklärung der Staatsanwaltschaft Darmstadt so wieder:
>Die Rekonstruktion des Tathergangs fußt vor allem auf den Aussagen zweier Beamter, von denen einer von außen das Geschehen in der Wohnung überwachte. Nachdem die Verhandlungsgruppe acht Stunden versucht hatte, mit dem Bewohner ins Gespräch zu kommen, sei sie zur Überzeugung gelangt, dass dem Mann so nicht beizukommen sei.[…] Auf die Kontaktversuche habe der Mann aggressiv reagiert. Der außen postierte Beamte habe gesehen, wie er in der Küche immer wieder zu zwei Messern griff. Weil Gefahr bestand, dass er sich etwas antue oder aus dem Fenster stürze, sei gegen Mitternacht der Zugriff erfolgt. Mit einem Taser wollte das dreiköpfige SEK-Team den Mann überwältigen. Die Elektroschocks trafen ihn an Brust und Oberschenkel, verfehlten aber ihre Wirkung: Der 120 Kilo schwere Mann habe sich geschüttelt und ein Fleischermesser mit 30-Zentimeter-Klinge nach den Beamten geschleudert; das Messer habe mit dem Griff voran ein Möbelstück durchschlagen. Zwei Polizisten feuerten, derweil der 66-Jährige mit dem anderen Messer auf sie zugestürzt sei. Am Ende fielen laut Siebecker elf bis zwölf Schüsse, die den Mann in Beinen und Armen trafen. Einer der Schüsse drang in die Lunge vor, was zu den tödlichen Verletzungen führte. Welcher der beiden Beamten ihn abgefeuert hat, müsse ein Gutachten ergeben.< Quelle: Frankfurter Rundschau, Staatsanwalt untersucht tödlichen Einsatz - Elektrowaffe der Polizei wirkte nicht, 29. 12. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

Warum hat einer der 3 Beamten das Geschehen in der Wohnung “von außen” überwacht? Er muss sich doch innerhalb der Wohnung befunden haben, um mit seinem Brecheisen die Küchentür aufzubrechen?
Erstaunlicherweise wird im Bergsträßer Anzeiger (morgenweb.de) am 29. 12. der Ablauf wieder anders dargestellt:
“unmittelbar nach dem Aufbrechen der mit Stühlen verbarrikadierten Küchentür (habe der Mann) ein Messer mit einer zirka 30 Zentimeter langen, spitz zulaufenden Klinge in Richtung der SEK-Beamten geworfen.”
Und:
“Im gleichen Augenblick feuerte einer der SEK-Spezialisten ein bis drei Schüsse auf den Rentner ab, der ein zweites Fleischermesser in seiner Hand hielt. Als dieser auf die Eindringlinge zugehen wollte, schoss ein weiterer Beamter eine ganze Salve ab.”
Wie Hohn klingt dann das:
“Aufgabe und Ziel des Polizeieinsatzes war es, den 66-Jährigen vor sich selbst zu schützen.”
Widersprüchlich geht es weiter:
“Wie Oberstaatsanwalt Siebecker aus den Vernehmungsakten eines Beamten zitierte, der nicht zu den Schützen zählte, zielten die Spezialisten auf die Beine des Mannes, woraufhin dieser zu Boden sackte und dann auf die Arme. Dabei soll ein fehlgeleiteter Schuss in die Brust des Heppenheimers eingedrungen sein.”
Während es in der Frankfurter Rundschau noch hieß, der Mann sei mit dem “anderen Messer auf sie zugestürzt“, heißt es nun, er sei nach Schüssen auf seine Beine “zu Boden” gesackt.
Warum danach von den “Spezialisten” weitergeschossen wurde (”eine ganze Salve“) - “auf die Arme” und “fehlgeleitet” in die Brust - war das vielleicht mit Übereifer zu erklären?
Gegen Ende des Artikels heißt es dann noch:
>Die Ermittlungsbehörde werde den Vorfall, auch im Hinblick auf die sensibilisierte Öffentlichkeit, einer “besonders sorgfältigen” Überprüfung unterziehen, erklärte Siebecker. Mit dem Ergebnis der Untersuchungen ist nicht vor dem Ablauf von einigen Monaten zu rechnen.< [[Hervorhebungen von uns]
Im Darmstädter Echo wurde der Zeitrahmen präziser gefasst:
“Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Ermittlungsverfahren frühestens Mitte des nächsten Jahres abgeschlossen ist.”
Warum eigentlich so spät?
Könnte das daran liegen, dass “frühestens Mitte des nächsten Jahres” ausreichend Gras über dem Grab des erschossenen Rentners gewachsen ist und die Öffentlichkeit den Fall mit seiner “unbeschreiblichen” Dramatik dann so weit vergessen hat, dass sie die vorhersehbare Einstellung des Verfahrens nicht mehr hinterfragt?
Oder deutlicher formuliert: Hofft man darauf, dass die “sensibilisierte” Öffentlichkeit, in 6 Monaten soweit desensibilisiert ist, dass man ihr das Ergebnis der “besonders sorgfältigen Überprüfung” besser verkaufen kann?
Aus gut informierten Quellen hat die südhessische Presseagentur -pdh- die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2007 in einem nicht näher bezeichneten südhessischen Landkreis zusammengetragen. Trotz penibelster Recherche kann dennoch nicht für alle Meldungen die Gewähr für Richtigkeit übernommen werden…
* * * Wahlkampfaussagen Landtagswahl Hessen * * *
… Ich bin für den energiefreundlichen Strom (Grüne)
… Er hat neunzig Minuten ohne Konzept geredet (CDU)
… Die Linke kommt nicht rein, deshalb muss ich über eine mögliche Zusammenarbeit auch keine Aussage machen (SPD)
Solche “offenen Fragen” werden nun auch in einer aktuellen dpa-Meldung gestellt:
>Nach einer Messerattacke auf Polizisten ist ein 66-Jähriger in Heppenheim von Sondereinsatzkräften erschossen worden. Zu dem Vorfall am späten Heiligabend blieben auch gestern noch viele Fragen offen. Die näheren Umstände werden derzeit untersucht, sagte ein Sprecher des ermittelnden Landeskriminalamtes in Darmstadt. Zum Beispiel sei noch unklar, wer der Schütze war und ob es sich tatsächlich um Notwehr handelte.< Quelle: echo-online.de, Heppenheim: Polizei erschießt 66-Jährigen – Offene Fragen, 27. 12. 2007 [Hervorhebungen von uns]
UPDATE: Der hessische Rundfunkt berichtet aktuell, dass die für die Todesschüsse Verantwortlichen voraussichtlich der “Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt” würden.
Konkret heißt es in dem Bericht:
>Der Mann, der an Heiligabend in Heppenheim von einem Sondereinsatzkommando der Polizei erschossen wurde, ist von etlichen Kugeln getroffen worden. Die Schüsse stammten aus verschiedenen Waffen.
Wie ein Sprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft Darmstadt am Donnerstag mitteilte, war der Mann vor allem an Beinen und Armen getroffen worden und an seinen Wunden verblutet. Eine genaue Zahl der an der Leiche gefundenen Einschüsse nannte der Sprecher nicht. Ein oder mehrere Schüsse seien vom Oberarm in den Brustbereich gegangen, wo ein Lungenlappen verletzt wurde.[…]
Die Schussbahnen sprächen dafür, dass die Polizisten den Mann kampfunfähig machen wollten, sagte der Justizsprecher ohne genauere Kenntnis der übrigen Ermittlungsakten. Diese sollen am Freitag vom Landeskriminalamt bei der Anklagebehörde eintreffen. Was das Sondereinsatzkommando nach über acht Stunden Nervenkrieg dazu veranlasst hat, die Wohnung zu stürmen, blieb am Donnerstag ebenso unbeantwortet wie die Frage nach den Schützen.
Wenn sich der Sachverhalt so erhärte, würden die verantwortlichen Beamten voraussichtlich der Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt werden, sagte der Sprecher. Ein sauberes Verfahren sei notwendig, um jeden Verdacht der Mauschelei zu vermeiden.
Im Laufe des Ermittlungsverfahrens könne sich beispielsweise auch herausstellen, dass bei den Beamten kein Verschulden zu erkennen sei.< Quelle: hr-online.de, Tödlicher Polizeieinsatz - Mehrere Kugeln aus zwei Waffen, 27. 12. 2007 [Hervorhebungen von uns]
Das Darmstädter Echo meldet, dass die (von manchen als korrupt beurteilte) Staatsanwaltschaft Darmstadt ein “Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge eingeleitet” hat.
In verschiedenen Web-Foren wird das Vorgehen des SEK-Kommandos kontrovers diskutiert. Warum wurde der psychisch kranke Rentner nicht mit Tränengas außer Gefecht gesetzt, hätte er nicht zur Aufgabe bewegt werden können - etwa durch Abstellen des Stromes oder der Heizung?
Die meisten mögen nicht glauben, dass ein mehrköpfiges Polizeikommando, das für solche Situationen geschult ist, zu keiner besseren “Lösung” kommen konnte.
Schließlich hatte man mehrere Stunden Zeit, sich auf die Situation und die Person einzustellen. Dass der verwirrte Mann beim Stürmen seiner Wohnung mit Messern gegen die Polizisten vorgehen würde, hatte er angedroht. Die Beamten waren insofern keiner unvorhersehbaren Situation ausgesetzt.
Keine Geiseln, keine Bombe(n), keine unmittelbare Gefahr für unbeteiligte Dritte … der Polizei dürfte es schwer fallen, der Öffentlichkeit ein solches Vorgehen als professionell zu verkaufen.
Im Leserforum der WELT findet sich inzwischen auch der Bericht eines (angeblichen) Augenzeugen. Unklar ist allerdings, wie er der Szenerie so nahe kommen konnte, sollte er kein beteiligter Polizist gewesen sein.
Er schreibt:
>Ich kann nur erzählen, was ich gesehen habe. Der Mann hatte in jeder Hand je ein Messer: eins war sehr groß (Fleischmesser) von etwa 20 cm. Das andere war kleiner aber auch scharf.
Die SEK-Männer waren in voller Montur: mit Helmen und Schutzwesten. Ich habe 2-3 von ihnen vor der Küchentür gesehen. Ich konnte sehen, wie er nur das große Fleischmesser geworfen hat.
Da war zwischen ihm und der Küchentür ca. 2-3 Meter.
Wo genau die Beamten in dem Moment standen, konnte ich nicht genau sehen: aber ich schätze ca. 2 meter entfernt, da sie genau in diesem Moment angefangen haben die Küche zu stürmen.
Vor dem Sturm hatte er die ganze Zeit geschrieen “Zurück, Zurück”.
Vor dem Sturm hat es der Psychologe oder ein anderer Polizist wahrscheinlich geschafft, ihn zu überreden die Messer weg zu legen, er ist ans Fenster gegangen und gezeigt, dass er keine Messer in den Händen mehr hat und dann hat er wieder nach ein paar Minuten die Messer gegriffen und sie sich an den Hals gesetzt.
Zwischen dem Wurf und den Schüssen vergingen nur ein paar Sekunden. Ob es zum Kampf kam, konnte ich nicht sehen. Was mit dem zweiten Messer war, sah ich auch nicht. Der Mann sah relativ groß aus. Auf dem Tisch standen Flaschen, möglich ist, dass er was getrunken hat. Man hatte beim Sturm das Gefühl, dass die Situation sich absolut in die falsche Richtung entwickelt hat.<
Der gleiche (angebliche) Augenzeuge behauptet an anderer Stelle, er habe 4 bis 8 Schüsse gehört.
Klaus Kühlewind schreibt in der Frankfurter Rundschau, dass der Heppenheimer “mit mindestens sechs, wahrscheinlich noch mehr Kugeln niedergestreckt” wurde. Dies gehe aus dem Obduktionsbericht hervor:
>Laut Obduktion soll der Mann Einschüsse in beiden Unter- und in beiden Oberschenkeln haben, die durchaus von jeweils einer Kugel stammen könnten. Außerdem sei er in den linken Arm sowie dreimal in den rechten Arm getroffen worden; zwei Projektile seien in die Lunge eingedrungen.<
Schon im Forum der WELT wollte ein Leser wissen, wo und von wieviel Kugeln der Mann getroffen wurde:
>Die Obduktion läuft zwar noch aber soviel ist bekannt: Der Mann wurde von 2 Schüssen getroffen. 1 davon in den Rücken (Höhe Schulterblatt, lt. einem Heppenheimer Arzt).
Der Mann hatte nicht die geringste Chance, schon als das SEK gerufen wurde war sein Schicksal besiegelt. Wie kann er es auch wagen, die Polizei zwischen den Feiertagen zu stören. Wo die doch soviel zu tun haben unsere Bürger vor gestörten U-Bahn-Schlägern zu schützen, oder auch nicht…<
[Hervorhebungen von uns]
Im Forum von focus.de schrieb schon am 25. 12. ein “Nachbar des Erschossenen“:
>Ich kann nur sagen, dass der gestrige heilige Abend ein sehr tragisches Ende hatte, damit hatte keiner gerechnet. Der Mann war etwas verwirrt, aber nicht aggressiv.
Ich versteh nicht warum man ihn nicht vorher überwältigen konnte, er wollte aus dem Fenster springen und saß eine Weile auf dem Fensterbrett, Sprungtuch war auch schon aufgebaut. Es ist einfach traurig, dass es keine andere Lösung gab.< [Hervorhebungen von uns]
Ebenfalls im Forum von focus.de geht einer “als Psychiater“, von “Totschlag” aus und fragt nach der Rechtsgrundlage für das Stürmen der Wohnung:
>Ein angeblich hilfloser 66jähriger geht mit “Messern” (wievielen) auf durchtrainierte und geschulte Polizisten des SEK los, die in seine Wohnung eingedrungen waren. Auf welcher Rechtsgrundlage eigentlich? War ein Psychiater oder Arzt anwesend, oder wenigstens ein Psychologe. Hatten die Beamten Erfahrung in Umgang mit depressiven Störungen? Als Psychiater kann ich nur von Totschlag ausgehen.<
Ein Bericht im Bergsträßer Anzeiger (online unter morgenweb.de) lässt noch offen, ob gegen den (oder die) Todesschützen ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird. Zitiert wird dort der Pressesprecher des Hessischen Landeskriminalamtes Udo Bühler.
>Ob die Schüsse aus ein und derselben oder mehreren Waffen stammten, wie viele Beamte geschossen haben und wo die tödlichen Kugeln den 66-Jährigen trafen, wollte die Polizei nicht sagen. Aufschluss darüber soll die Obduktion der Leiche bringen, die heute oder morgen in der Rechtsmedizin in Frankfurt vorgenommen wird.
Bühler machte auch keine Angaben darüber, wie viele Polizisten vor Ort waren und woher sie kamen. Die Spurensicherung am Tatort wurde noch in der gleichen Nacht durchgeführt. Geschosse und Hülsen wurden sichergestellt.
Am gestrigen zweiten Weihnachtsfeiertag wurde die Vernehmung der am Einsatz beteiligten Spezialkräfte fortgeführt. Nach Abschluss der Ermittlungen durch das LKA in Wiesbaden wird die zuständige Staatsanwaltschaft Darmstadt darüber befinden, ob gegen den/die Beamten ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet wird oder ob die Schussabgabe gerechtfertigt war und aus einer Notwehrsituation heraus geschah.<
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass es sich um geschulte Einsatzkräfte gehandelt habe:
>Bei beiden Spezialeinheiten (Anm.: SEK und Verhandlungsgruppe) handelt es sich um geschulte Polizeibeamte, die bei Sonderfällen, unter anderem bei Geiselnahmen, Entführungen und Amokläufen, eingesetzt werden. Die Verhandlungsführer sollen beruhigend auf den oder die Täter einwirken und diesen zur Aufgabe bewegen. Trotz stundenlanger Verhandlungen gelang dies im Fall des depressiven Heppenheimers nicht.< ([Hervorhebungen von uns]
Ziemlich peinlich klingt, was bei shortnews.de ein Webreporter mit dem Autorenkürzel jsbach zu der Sache meint:
>Da der Mann bereits psychische Probleme hatte und vermutlich die Weihnachtsstimmung mit dazu beigetragen hat, blieb wahrscheinlich den Beamten keine andere Wahl, als zu schießen. Ein tragischer Vorfall und das ausgerechnet am Heiligen Abend.<
Im Forum von shortnews.de wird allerdings mehrheitlich daran gezweifelt, ob es tatsächlich “keine andere Wahl” gab, als den Verwirrten totzuschießen.
Es wird dort sogar ein ähnlicher und angeblich persönlich erlebter Fall geschildert, der nicht weniger skandalös wäre, wenn das Geschilderte denn tatsächlich so zutrifft:
>Ein trunkener Mann ist in der Bahn unterwegs und hat in einer Plastiktüte ein kleines Messer dabei. Modell “Schweizer Taschenmesser” , Klinge etwa 7-8 cm.
Die Strassenbahn wird angehalten , es kommen 3 Streifenwagen mit je 2 Beamten und holen den betrunkenen Mann raus aus der Bahn. Die Beamten haben Westen an, Schlagstöcke in den Händen und 2 haben Pfefferspay in der Hand und 2 der Beamten haben eine gezogene und entsicherte Schusswaffe auf den Mann gerichtet.
Nachdem der trunkene Mann , der weder aufrecht stehen noch geradeaus gehen kann, die Ladung Pfefferspray direkt in die Augen bekommen hat, versucht er sich instiktiv zu wehren und fuchtelt etwas mit dem Messer rum. Einer der Beamten fühlt sich bedroht und schiesst dem Mann aus 3 Metern direkt in die Brust. Natürlich ist der Mann sofort verstorben. Passiert ist das direkt an der Haltestelle gegenüber von meiner Wohnung.< (Quelle: Webreporter “K-rad“)
UPDATE: Das Darmstädter Echo berichtet nun ausführlich über das Drama, das sich an Heilig Abend in der Dr.-Heinrich-Winter-Straße in Heppenheim abspielte.
Offenbar wurden auf den psychisch kranken Mann, der wohl auch unter Verfolgungswahn litt, „vier oder fünf, vielleicht sogar noch mehr Schüsse“ abgegeben.
In dem Artikel heißt es weiter:
>Der 66-Jährige hatte schon vor mehreren Jahren als Alleinstehender eine Zwei-Zimmerwohnung im fünften Stock des Hauses Dr.-Winter-Straße 5 bezogen. Vorausgegangen war seine Scheidung. Er hinterlässt zwei erwachsene Kinder. Bis er in Rente ging, arbeitete er als Koch.
In dem mehrgeschossigen Gebäude in der Heppenheimer Weststadt leben vornehmlich Besitzer von Eigentumswohnungen. Nach Recherchen des ECHO haben sie den Mann als „manisch depressiven Menschen“ erlebt. In schlimmen Phasen habe er „nachts schon mal damit begonnen, die Möbel herumzurücken“. Seine Stimmungslage sei schwankend gewesen, sagen Nachbarn. Offenbar hat der Mann auch unter Verfolgungswahn gelitten. „Er hat immer davon geredet, dass der Geheimdienst hinter ihm her sei“, weiß ein Bewohner aus mehreren Gesprächen. Aus Sicht des Ohrenzeugen ist er zum Opfer einer Kette unglücklicher Umstände geworden. Ein anderer Nachbar meint: „Er hat sich wahrscheinlich gefühlt wie ein Tier, das man in die Enge getrieben hat.“
Beobachter sprechen davon, dass neben Polizeipsychologen auch ein Seelsorger das Gespräch mit dem Mann suchte. Später habe sich sogar ein Mitbewohner aus dem Hausbeirat eingeschaltet und „von Balkon zu Balkon“ Kontakt mit ihm aufnehmen wollen. „Sei vernünftig, mach’ die Tür auf“, habe er ihm geraten - erfolglos. <
Keine 17 Monate ist es her, dass zwei Polizisten an einem Sonntagmorgen im südhessischen Fürth mit Todesschüssen eine Ruhestörung stoppten. Ein Sonderling hatte am Rohbau seines Hauses gewerkelt und die von Nachbarn gerufenen Polizisten (angeblich) mit einer Axt bedroht.
Nun hat die südhessische Polizei an Heilig Abend in Heppenheim einen 66 Jahre alten Mann erschossen, der sich in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte. Er hatte keine Geiseln genommen, unmittelbar konnte er nur sich selbst bedrohen.
Als dann um 23:45 Uhr der Zugriff erfolgte bzw. seine Wohnung gestürmt wurde, fielen die tödlichen Schüsse.
Damit wurde erreicht, dass sich der alte Mann nicht mehr selbst umbringen konnte. Ein seltsamer polizeilicher “Erfolg”.
Nachstehend die Meldung der südhessischen Polizeidirektion:
>Bei einem Schusswaffengebrauch mit tödlichem Ausgang durch ein Spezialeinsatzkommando der Polizei ist in der Nacht zum Dienstag ein 66 Jahre alter Heppenheimer in seiner Wohnung ums Leben gekommen. Er hatte die Polizisten mit Messern angegriffen. Der Mann galt als depressiv und war mehrfach in psychiatrischer Behandlung.
Am Montagnachmittag, gegen 15.30 Uhr begann nach einem Hinweis von Familienangehörigen der Polizeieinsatz. Zunächst war von einer hilflosen Person die Rede. Als die Beamten der Polizeistation Heppenheim an der Wohnung in der Dr.-Heinrich-Winter-Straße eintrafen, reagierte der Sechsundsechzigjährige nicht. Mit Hilfe der Feuerwehr wurde die Tür geöffnet. Als die Beamten die Wohnung betraten, verbarrikadierte sich der Mann in seiner Küche. Dabei drohte er zunächst, aus dem Fenster zu springen, dann aber damit, ein Blutbad anzurichten, wenn die Polizei nicht seine Wohnung verlassen würde. Die Beamten zogen sich zurück und verständigten daraufhin das Spezialeinsatzkommando sowie die Verhandlungsgruppe.
In der Folgezeit war der Mann nicht davon zu überzeugen, aufzugeben und sich der Polizei zu stellen. Gegen 23.45 Uhr erfolgte der Zugriff. In der Wohnung wurden die Beamten von dem Sechsundsechzigjährigen massiv mit Messern angegriffen. Hierbei kam es zum Schusswaffengebrauch gegen den Angreifer. Der 66-jährige Heppenheimer erlag noch am Tatort seinen Verletzungen. Das Hessische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen.< Quelle: ots/polizeipresse.de, Schusswaffengebrauch mit tödlichem Ausgang, 25. 12. 2007
Der souveräne polizeiliche Umgang mit dieser (Not-) Situation wird u.a. auf “Welt Online” von Lesern kommentiert:
> isidoro meint:
” Mal gespannt was uns von den Behörden jetzt wieder für ein Scheiß vorgesetzt wird als Erklärung. Wahrscheinlich hätte es gereicht die Wohnung zu verlassen und einen Psychiater hinzuschicken, aber Deutschland schickt sich an, sich zu einem Überwachungs-und Polizeistaat zu entwickeln…
Jörg meint:
“oh mein Gott, ….. Polizei, Feuerweher, SEK …. Kranker tot! Vielleicht hätte noch die Bundewehr anrücken sollen, für Ordnung und Sicherheit im Land (Wohnung).”
warum meint:
“Wahnsinn - hatten die denn keinen Psychologen für den psychisch KRANKEN (….ist eine Krankheit wie jede andere auch !!!) hinzugezogen ?
Den Mann mit anderen Mitteln ausser Gefecht zu setzen, hätte durchaus genügt…. Die Welt wird immer verrückter.”Franz meint:
“Warum wird mit einem psychisch gestörten Menschen noch stundenlang sinnlos verhandelt?
Und ob man ihn gleich erschiessen musste, ist doch sehr fragwürdig. Etwas CS-Gas oder ein Schuss ins Bein hätte es bestimmt auch getan. Einen einzigen Mann überwältigen müssen Polizeibeamte können, auch ohne ihn gleich zu erschießen!
Aber bei dem schießwütigem SEK ist ja nichts anderes zu erwarten!
Erstaunlich, dass für einen 66 Jährigen mit einem Messer bewaffneten Mann gleich ein Sondereinsatzkommando notwendig ist.
Wenn gleich zu solchen dramatischen Mitteln gegriffen wird, kann die ganze Sache ja nur in eine Katastrophe enden.
Die SEK-Typen sind ja nicht gerade für ihre Feinfühligkeit berühmt.
Ich habe selber mal SEK-Beamte kennenlernen dürfen und kann sagen, dass deren Job nicht spurlos an denen vorbei geht. Pathologisch recht fragwürdig, diese Leute!
Hätte man auf das SEK verzichtet, wäre der Mann wahrscheinlich noch am Leben!
Aber erst schießen und dann fragen. So arbeitet das SEK!”<
In dem Artikel der WELT heißt es:
>Nachdem sich der 66-Jährige stundenlang in seiner Wohnung verbarrikadiert hatte, wurde er am späten Heiligabend von Beamten eines Sondereinsatzkommandos erschossen. Dabei habe es sich um Notwehr gehandelt, betonte die Polizei in Darmstadt. Der Mann habe die Polizisten mit Messern bedroht.
Am Montagnachmittag hatten Angehörige die Polizei alarmiert, ihr Verwandter sei hilflos. Der 66-Jährige galt als depressiv und war schon mehrfach in psychiatrischer Behandlung. Als die Beamten eintrafen, reagierte der Mann nicht. Die Feuerwehr öffnete die Tür. Daraufhin verbarrikadierte sich der 66-Jährige in der Küche. Er drohte mit einem Sprung aus dem Fenster im fünften Stock oder einem Blutbad, wenn die Beamten seine Wohnung nicht verlassen würden. Daraufhin zog sich die Polizei nach eigenen Angaben zurück und verständigte das Sondereinsatzkommando (SEK).
Als der 66-Jährige auch nach stundenlangen Verhandlungen nicht aufgeben wollte, stürmte das SEK die Wohnung. Dort bedrohte der Mann die Beamten nach Polizeiangaben mit Messern. Dabei kam es zum Schusswaffengebrauch. Wie viele Schüsse fielen und wo sie den 66- Jährigen trafen, wollte die Polizei nicht sagen. Das soll bei einer Obduktion am Mittwoch oder Donnerstag festgestellt werden. Der Mann lebte allein in der Wohnung.< Quelle: welt.de, Polizei erschießt Depressiven am Heiligabend, 25. 12. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]
Auf focus.de meint ein Leser:
>Es ist doch absolut lächerlich, dass die Polizei nicht im Stande ist einem 66 Jährigen verwirrten alten Mann ein Messer abzunehmen ohne ihn dabei zu erschießen. Was lernen die denn in der Ausbildung? Einfach schockierend und erschreckend zugleich.<
Der Rechtsanwalt Werner Siebers schreibt in seinem Weblog ‘ Strafprozesse und andere Ungereimtheiten‘ :
>Ich sehe die Notwehrsituation plastisch vor Augen, wie ein 66-Jähriger ein gerade zufällig eine Küche stürmendes SEK so angreift, dass man sich nur durch einen Todesschuss retten kann.
Eine Einzelperson in einer Küche ohne Geiseln schläft irgendwann ein, und wenn es zwei Tage dauert, in solcher Lage ist jede Entscheidung richtig, nur eine ist falsch: das Stürmen!<
Ein anonymer Leser kommentiert sarkastisch:
>Möglicherweise sollte ja durch das Stürmen ein Suizid verhindert werden. Das ist geglückt. Der Mann kann jetzt einem katholischen Begräbnis innerhalb der Stadtmauern entgegensehen. Fröhliche Weihnachten.<
Ein weiterer Leser schreibt:
>Denke eher das SEK musste mal das (wohl schlecht) geübte ausprobieren… Na ja, nur ärgerlich das hier sicher keine nennenswerten Folgen für die Verantwortlichen zu befürchten sind… In diesem fällt mir nur eins ein: Weidmanns Heil!<
Noch deutlicher wird über den “Weihnachtlichen Kollateralschaden” im Weblog “GeistesWelt” geurteilt:
>Ist die Frage, ob er vor dem Aufkreuzen der Sicherheitskräfte als “gemeingefährlich” oder nur -wie in den Pressemitteilungen gesagt- als “hilflose Person” galt. Trifft zweites zu, dann war der Einsatz völlig überflüssig gewesen, man hätte ihn auch in seiner Wohnung ungestört lassen können.
Und wenn man schon “Sondereinsatzkommandos” hinzuzieht (man muß mal drauf achten bei solchen Meldungen kommen die ganz schnell dazu, als wäre in jeder Stadt ein Nest mit denen), dann sollte man erwarten, dass sie so einen Gegner im Nahkampf unschädlich machen.
Mit der Pistole einen Menschen zu erschießen ist so einfach, dass könnte ich auch selber und niemand bräuchte dazu teure Beamten. Ich möchte hier keine solche Sicherheitskräfte, die allenfalls auf dem Niveau einer südamerikanischen Todesschwadrone sich bewegen…<
Offene Fragen zur “Tödlichen Bescherung” sieht auch Marco Kanne in seinem Weblog “opponent”:
>Wie ist es möglich, dass ein Polizeibeamter eines Spezialeinsatzkommandos [das sind die, die den ganzen Tag nur die möglichst unblutige Lösung von brenzligen Situationen jeglicher Art üben] mit dem Angriff eines alten Mannes, der nur mit Messern bewaffnet ist, nicht klarkommt? […]
Wenn der alte Mann einen SEK-Beamten überwältigt und ihm ein Messer an die Kehle gehalten hätte, wären tödliche Schüsse durchaus gerechtfertig. Nur müsste sich die Polizei in diesem Falle fragen lassen, wie es überhaupt dazu kommen konnte.<

Leon de Winter schrieb kürzlich in SPIEGEL-Online über das vieldiskutierte UNICEF-Bild des Jahres:
>Es gibt Menschen, die dieses Bild ansehen und einfach weiterleben können. Ohne Ekel, Brechreiz und Wut. Was wir sehen, ist heftigste Barbarei. Aber ein leichtfertiger kultureller Realitivismus - der in unserer Zeit die Erscheinungsform dekadenter Gleichgültigkeit angenommen hat - lässt viele Menschen wegschauen. Sie wenden sich ab von dem Anblick eines 11-jährigen Mädchens, das von dem Mann, der neben ihm sitzt, vergewaltigt werden wird.<
Seine Bewertung läuft darauf hinaus, dass es sich bei Faiz Mohammed (40) um einen Kinderschänder handelt, der sich die 11-jährige Ghulam Haider gewissermaßen als Sexsklavin, Dienstmagd und Gebärmaschine für (vor allem männlichen) Nachwuchs einkaufte.
Da sich “der Mann auf dem Bild … keines Fehlverhaltens bewusst” ist, müsste er (gemäß dieser Logik) in Deutschland wegen systematischen, sexuellen Kindesmissbrauchs nach einer entsprechend langen Haftzeit sogar in Sicherheitsverwahrung genommen werden.
Aber ist diese Sichtweise richtig, oder entspringt sie nur unserem noch immer postkolonial umnebelten Bewusstsein, das fremde Kulturen an unseren und nicht an deren eigenen moralischen Maßstäben messen will?
Osama Bin Laden jedenfalls, der seine Vision vom islamischen Gottesstaat in den afghanischen Bergen ausbrütete und mit dieser Vision auch die nichtislamische Welt beglücken will, sähe das bestimmt anders.
Er könnte (zu Recht?) argumentieren, dass es sich hier um eine reguläre, gottgefällige Hochzeit handele, die ja insbesondere vorehelichen Sex ausschließen solle- im Gegensatz zu den gottlosen Sitten im dekadenten Wissen.
Um seine (vermutete) Sichtweise verständlich zu machen, sei hier ein Video eingeblendet, in dem der amerikanische Sänger Bruce Springsteen vorehelichen Sex besingt und propagiert - noch dazu mit einem “girl”, das wohl unwillig ist (”You say you don’t like it …you say you wanna be alone … You say you don’t love me”).
Um die fragwürdige Botschaft, die zudem mit obszönen Gesten und Bewegungen vorgetragen wird, besser beurteilen zu können, sei der gesamte Songtext (”Fire”) hier zitiert.
Danach möge jeder selbst entscheiden, wer hier eigentlich unmoralisch und dekadent ist: Mohammed (gepriesen sei sein Name) oder Bruce (”the boss”).
Ghulam allerdings muss sich nicht entscheiden: weil sie so gar nicht entscheiden darf und Bruce Springsteen wahrscheinlich nie anhören wird (sofern sie überhaupt einige Töne Musik in ihrem Leben erleben kann.)
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Fire
I’m driving in my car, I turn on the radio Well late at night, I’m takin’ you home You had a hold on me right from the start No, no, this is… I gotta stay calm, this is too to ???. Alight, let’s calm. Romeo and Juliet, Samson and Delilah |
Das gezeigte UNICEF-Bild des Jahres stammt von der amerikanischen Fotografin Stephanie Sinclair. Bei geo.de finden sich einige Informationen über sie.
Der Text zu “Fire” findet sich vollständig auf der Website “Lebanese Tribute to Bruce Springsteen“.
Dort wird auch auf das Konzert hingewiesen, dessen Ausschnitt bei YouTube zu sehen ist:
>The above lyrics refer to the 13 Oct 1986 off-tour acoustic performance at Shoreline Amphitheater, Mountain View, CA, during an acoustic evening to benefit The Bridge School. The video of that performance of the song was later included on The Complete Video Anthology / 1978-2000 DVD.<
Der (libanesische) Springsteen-Fan schreibt über seine Website springsteenlyrics.com:
>This is the first and unique Lebanese website dedicated to The BOSS! Launched on 13 March 2003, it is now the largest Bruce Springsteen lyrics archive on the Internet. Thanks everybody out there who helped me: members of Greasy Lake, members of BTX, website visitors… And last but not least, thanks Bruce Springsteen for the music.<
Seinen Namen findet man auf der Website allerdings nicht. Vielleicht fürchtet er ja, dass (anders als über Faiz Mohammed) eine Fatwa über ihn verhängt wird und er wegen unislamischer Umtriebe fortan wie Salman Rushdie oder Ayaan Hirsi Ali vogelfrei ist.
Dr. Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur des Online-Auftrittes der “Süddeutschen Zeitung”, hatte in der vorletzten Wochenendausgabe der SZ im “Web 0.0″ die “neuen Idiotae” verortet.
Eine “Diagnose”, bei der anscheinend Projektion im Spiel ist. Die von Graff geschmähte Wikipedia (”strotzt vor Fehlern”) beschreibt die (psychologische) Projektion allgemein als “das Abbilden bzw. Verlagern von Empfindungen, Gefühlen, Wünschen, Interessen (inneren Vorgängen) in die Außenwelt“.
In der freudschen Psychoanalyse verstehe man unter Projektion “einen Abwehrmechanismus, bei dem eigene, unerträgliche Gefühle und Wünsche einem anderen Menschen (oder Gegenstand) zugeschrieben werden. Ein prominentes Beispiel ist die Paranoia.”
Im Web 0.0 bzw. im Web 2.0 dürfte spätestens jetzt Dr. Bernd Graff ein prominentes Beispiel für die Projektion von “Idiotae” sein.
[Übrigens stellt die Süddeutsche Zeitung selbst an anderer Stelle die Frage, ob Bernd Graff ein “Mann auf Drogen” ist.
Seine Kollegen können oder wollen die Frage nicht beantworten, das möge der Leser tun: “Entscheiden Sie selbst”.]
Schon sein (Anti-) Web-Pamphlet war von dürftiger, demagogischer Machart.
Er griff sich gewissermaßen die schlechtesten Weblogs und darin wiederum die dümmsten Kommentare, um dann seinen Lesern sagen zu können:
Dies ist das Internet von heute, so ist das Web 2.0 bzw. das Web 0.0. Haltet Euch fern davon, liebe Leser, lest gedruckten Qualitätsjournalismus, lest die (gedruckte) Süddeutsche Zeitung, lest mich (denn ich recherchiere in der Encyclopaedia Britannica!)
So könnte ein Reisejournalist vom Kaliber des Bernd Graff nach Neapel kommen und dort das verkommenste Viertel aufsuchen, um anschließend seinen Lesern zu berichten: So ist Italien, ein zum Tummelplatz von Kriminellen verkommenes Land.
Um die Analogie noch fortzusetzen: Der “objektiv” über Italien 0.0 berichtende Reisejournalist arbeitet gleichzeitig für die Tourismusindustrie der transadriatischen Konkurrenz in Kroatien.
Nun hat Graff nachgelegt und präsentiert für seine These vom Web als einem Tummelplatz “von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten” einen Zeugen!
Sein interviewter “Zeuge”, ein angeblicher “Samariter für die Geschmähten im Web“, ist Thomas Volkmer, Betreiber der Website internetvictims.de und Geschäftsführer der Firma Eye-Net GmbH.
Spätestens jetzt könnten die Idiotae des Web 2.0 in ein (natürlich idiotisches) Gelächter ausbrechen. Wer nämlich nicht (nur) in der Enzyklopaedia Britannica recherchiert, sondern auch im Web, dürfte schnell eruieren, dass ebenjener Thomas Volkmer alles andere als ein “Samariter” ist.
Thomas Knüwer, der beim Handelsblatt den Weblog “Indiskretion Ehrensache” betreibt, hat dies ansatzweise und jedenfalls gründlicher als Graff getan.
Spaßeshalber hat er die superseriöse Samariter-Seite internetvictims.de besucht und auf ein verheißungsvoller Banner am rechten Rand reagiert:
“Wir sind für Sie da! Ab sofort können Sie einen unserer Mitarbeiter anrufen. Täglich von 20 – 24 Uhr, auch sonn- und feiertags! … Keine Rechtsberatung.”
49 Cents kostet die Gesprächsminute aus dem Deutschen Festnetz. Knüwer konnte nicht widerstehen und rief an.
>”Na, mein Süßer, hast Du Lust auf Natursekt?“, hauchte mir eine weiblich Stimme ins Ohr. Denn hinter der 0900-Nummer verbirgt sich keine Beratung für Internet-Opfer - sondern eine Sex-Hotline.<
[Bei einem eigenen Testanruf kündigte eine diesmal männliche Stimme an, dass nach dem Signalton 1,99 Euro pro Minute zu berappen seien.]
Kein Wunder also, dass sich Volkmer im “Tatort Internet” gut auskennt und im gleichnamigen Buch kompetent beispielsweise über “Lockvogelangebote” schreiben kann. Wenn der Handelsblatt-Journalist Knüwer nämlich wahrheitsgemäß berichtet hat, verantwortet Volkmer selbst solche Lockvogelangebote und macht damit das Internet (ganz in seinem Sinne) zum “Tatort”.
“Glaubwürdig” klingt da auch, was Volkmer für seine Tochter fürchtet:
“Ich, Thomas Volkmer, habe eine Tochter von 11 Jahren, die mittlerweile beginnt, das Internet zu erforschen. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Tochter zusammen mit Ihren Freunden oder Schulkameraden, neugierig in einer Suchmaschine nach meinem Namen oder ihrem Familiennamen sucht und dabei auf die Internetseiten von Herrn Michael Plümpe stößt – was bei der guten Suchmaschinenplatzierung mehr als wahrscheinlich ist – wird mir Angst und Bange.[…]
Es ist absolut rufschädigend und geschäftsschädigend, wenn man in einer Kleinstadt wie Ingolstadt als Porno Mafia bezeichnet und auch noch weiterhin so genannt wird. Wie schwer es ist, sich gegen solche Anschuldigungen zu wehren, musste ich bereits am eigenem Leibe erfahren. “
Und weil das so schwer ist, schaltet man auf seiner superseriösen Seite (die von der eigenen Tochter auch aufgerufen werden kann) eine - Sexhotline?
Bei heise-online konnte man vor gut 2 Jahren etwas mehr über den - aus Sicht des “Samariters” Volkmer - “bösen” Michael Plümpe erfahren:
>Über die von ihm gepflegte Datenbank von 150 Firmen und Personen, die mit unseriösen Adressbuchangeboten Geschäfte machen, haben sich nach Plümpes Angaben seine Gegner selbst zusammengeschlossen und einen sechsstelligen Betrag für eine Rufmordkampagne gespendet.<
Plümpe wurde also Opfer einer infamen Rufmordkampagne, mit der sein Gegner, der Samariter Volkmer, bestimmt überhaupt nichts zu tun hatte.

Sucht man bei Google Informationen zur Firma Eye Net und ihren Geschäftsführer Volkmer wird als erster (bezahlter) Suchtreffer internetvictims.de genannt und anschließend eye-net.de.
Danach allerdings nennt Google Websites, die - so es denn stimmt - wenig Schmeichelhaftes über die Firma und ihren Geschäftsführer zu berichten haben.
Hat sich “Qualitätsjournalist” Graff auch diese Seiten einmal angesehen und recherchiert, ob die Informationen (über seinen “Samariter”) zutreffen?
Wahrscheinlich nicht. Statt dessen hat er wahrscheinlich vor dem Interview mit Volkmer in der Encyclopaedia Britannica einen klugen Artikel über Berufsehre und Berufsethos gelesen.
(Ein Kommentator in Knüvers Blog meint, dass man Graff in Sachen Internetrecherche keinen Vorwurf machen könne. Er sei gewissermaßen schuldunfähig, da er offenbar - gegoogelt? - gar nicht wisse, was und wie im Internet recherchiert wird.)
Im September berichtete Spiegel-Online über den Strategiewechsel der New York Times, die seither fast alle ihre Inhalte kostenlos im Web anbietet.
Nur wenige Monate später meldet nun das Hamburger Magazin, dass es den gleichen Strategiewechsel vollziehen will:
>In die Plattform SPIEGEL Wissen werden sämtliche bisher noch kostenpflichtigen Archivartikel der SPIEGEL-Gruppe überführt. Das bedeutet, dass alle SPIEGEL-Artikel seit der Gründung des Blattes im Jahr 1947 und die Artikel von SPIEGEL ONLINE nunmehr kostenlos online abrufbar sein werden.<
Ziel ist es offenbar, in dem Joint Venture mit der Bertelsmann-Tochter Wissen Media (wissen.de) Google Konkurrenz zu machen:
Man will nämlich “die umfassendste frei zugängliche Rechercheplattform im deutschsprachigen Internet werden“.
Die (geschäftliche) Rechnung sieht so aus oder soll so aussehen wie bei der NYT:
>Hiervon verspricht sich die Times einen Popularitätsschub. Die Rechnung: mehr Google-Treffer, mehr Leser, mehr Anzeigen-Umsätze. Gegenüber dem Branchendienst Paidcontent wird Geschäftsführerin Schiller deutlicher: “Denken Sie über diese Formel nach: Millionen neuer Dokumente, alle für Suchmaschinen optimiert, zweistelliges Wachstum der Anzeigenumsätze.”<
Damit werden die privat archivierten alten SPIEGEL-Jahrgänge nun ganz obsolet. Ein Auge lacht, ein Auge weint.




Mit ingesamt 6 Artikeln berichtete das Darmstädter Echo in den vergangenen Monaten über die (Nicht-) Auftritte des Aachener Friedenspreisträger Reuven Moskovitz in Heppenheim. Am 3. Juli schrieb Sonja Jordan über den Auftritt von Moskovitz in der Martin-Buber-Schule und zitierte zuletzt seinen prekären Vergleich zwischen Nazi-Deutschland und Israel:
>”Und als ich die deutsche Geschichte studiert habe, zog ich Parallelen zu Israel. Auch wir werden nicht siegen. Auch unsere Männer sterben, unser Land ist nicht frei.“ Israel müsse das begreifen.<
In einem Interview mit der linksradikalen Zeitung “Junge Welt” vom 14. 8. 2006 war der vehemente Kritiker der israelischen Politik noch deutlicher geworden:
>Auch die Deutschen haben Hitler bis zuletzt unterstützt. Natürlich wird dieser Vergleich nicht gern gehört, und Israel ist noch eine Demokratie, wenn auch nur auf dem Papier. Aber die Denk- und Gewaltstrukturen sind faschistisch: die Anbetung des Staates, die Vorstellung, daß nur durch Gewalt unsere Ziele durchgesetzt werden könnten. Daher muß die internationale Gemeinschaft mit Deutschland und der EU als Speerspitze starken Druck auf Israel ausüben, um eine Lösung zu finden, die die Interessen der Palästinenser, der Nachbarstaaten und auch Israels berücksichtigt.<
Solche Positionen waren es denn auch, die dazu führten, dass Moskovitz zwar in der Martin-Buber-Schule sprechen durfte, sogar zweimal, aber nicht im Martin-Buber-Haus, wo er im November ursprünglich ebenfalls sprechen sollte.
Unter der Überschrift “Heppenheim: Ausgeladen – Moskovitz musste Vortrag verlegen”, schrieb das Echo am 15. 11.:
>Der israelische Historiker Reuven Moskovitz sprach am Mittwochabend vor 50 Zuhörern in der Heppenheimer Buber-Schule, nachdem ihn das Buber-Haus kurzfristig ausgeladen hatte. Kritiker hatten dem Holocaust-Überlebenden „Hetze gegen Israel“ vorgeworfen. Der Friedensaktivist kritisiert die israelische Siedlungspolitik in deutlichen Worten: Israel habe die Palästinenser entrechtet, betreibe ethnische Säuberungen und sei auf dem Weg zu einem apartheid-ähnlichem Staat, betonte Moskovitz.<
Ausführlicher berichtete einen Tag später Peter Hetzler über den Auftritt und seine besonderen Umstände:
>Es klingt manchmal seiltänzerisch, ohne Netz und doppelten Boden, was Moskovitz vertritt, aber man muss ideologisch schon reichlich erstarrt sein, um daraus die „Hetze gegen Israel“ ableiten zu können, wegen der die Veranstaltung „Der lange Weg zum Frieden im Nahen Osten“ nicht, wie ursprünglich geplant, im Martin-Buber-Haus sein durfte.
Moskovitz, der noch persönlich bei Buber in Jerusalem studiert hat, dazu: „Buber hätte sich im Grabe umgedreht.“
So fand die Veranstaltung wenige Meter weiter in der Martin-Buber-Schule statt, wohin Rektor Peter Kühn geladen hatte, weil er das Redeverbot für den 79 Jahre alten Friedensaktivisten nicht akzeptieren wollte.[…]
Bei Moskovitz klingen selbst abgedroschene Phrasen authentisch.[…]
Die Veranstaltung, die Peter Kühn mit zwei Liedern auf der Gitarre eingeleitet hatte, beendete Moskovitz nach reger Diskussion mit zwei Stücken auf der Mundharmonika. Alles in allem ein anregender, allerdings wenig kontroverser Abend. Seine Kritiker hatten es offensichtlich vorgezogen, ihn aus der Ferne zu verurteilen, statt in Heppenheim – getreu dem Motto Bubers – den Dialog mit ihm zu suchen.< [Hervorhebungen und Links von uns]
Erstaunliche Korrekturen, die man innerhalb der letzten Wochen auf der Website des Aachener Friedenspreises e.V. (aachener-friedenspreis.de) beobachten konnte, dürften nun einigen Personen Kopfzerbrechen bereiten.
Dr. Reuven Moskovitz wurde dort nämlich der Doktortitel aberkannt. Der Preisträger des Jahres 2003 erscheint auf der kürzlich aktualisierten Website nur noch als Reuven Moskovitz.
Ein pdf-Dokument, welches Leben und Werk des Geehrten (aber nicht Gelehrten) vorstellte und ihn nebenbei auch noch falsch zitierte (”Ein Held ist, wer seinen Feind zum Freud macht“) , verschwand kommentarlos von der Website (”The requested URL … was not found on this server“).
Der Titel “Dr.” prangte im pdf noch großformatig in der Überschrift, im Text selbst hieß es:
>1974 verbrachte er ein Forschungsjahr in Berlin, um seine Promotion zum Thema ‘Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt’ zu schreiben.<
Die Dissertation, von der Laudator Andreas Zumach sagte, ihr Thema sei “knapp 30 Jahre später mindestens so aktuell … wie damals“, ist aber offenbar nur ein Phantasieprodukt.
Auf der Website juedische.at wird ein denkwürdiges Telefonat zwischen dem Journalisten Norbert Jessen und Moskovitz wiedergegeben, das, so es denn richtig transskribiert wurde, an die Werke eines deutschen Geistesmächtigen und -gewaltigen erinnert. Genauer: An die “Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, einer der großen Romane von Thomas Mann.
Wie sich hier ein alter Mann entzaubert, ist tragikomisch. Da ist, als Erklärung für die nicht mehr auffindbare Dissertation, von einem “Einbruch in meine Abstellkammer” die Rede. Dann heißt es:>Also, wenn Sie meine Dissertation suchen, die ich schrieb, werden Sie sie nicht finden können. […]
Das ist es ja, die Deutschen, sie können sich einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch, der denkt und schreibt, kein Professor ist. Da habe ich wirklich ein Problem mit ihnen. Da habe ich eine Geschichte für Sie, wenn ich hier so in Universitäten komme, dann sagen die mir: Hören Sie mal, wir stellen Sie als Doktor vor. Und dann sage ich denen: Hören Sie mal, ich bin nicht Doktor und nicht Professor, ich arbeite an meinen Forschungen.<
Bei den Verleihern des Aachener Friedenspreises kam dieses Doktor-Dementi offenbar 4 lange Jahre nicht an. Der (angebliche) Widerspruch gegen die Doktor-Titulierung war anscheinend nicht nachdrücklich genug.
Für Echo-Journalist Peter Hetzler klangen “bei Moskovitz … selbst abgedroschene Phrasen authentisch”, ähnlich authentisch klang für viele dann wohl auch der (falsche) Titel.
Für den 15. 11. 2007 hatte auch die Bildungsgesellschaft der GEW Hessen Moskovitz als promovierten Referenten angekündigt. “Dr. Reuven Moskovitz” sollte/wollte als Dozent folgende Frage beantworten:
“Hat Israel das Recht, durch Gewalt und Besatzung die Freiheit und das Recht auf Leben und Besitz seiner Nachbarn zu verweigern?”
Nun stellt man sich die (natürlich weniger bedeutsame) Frage: Hatte er das Recht, sich zum x-ten Male wieder mit falschem Titel als Dr. Reuven Moskovitz ankündigen zu lassen?
Es war vermutlich das letzte Mal.
Schade und schmerzlich ist es, wenn so nicht nur der Titel, sondern auch eine ganze Vita ihre Glaubwürdigkeit einbüßt. Martin Buber, von dem man nicht weiß, ob er Reuven Moskovitz auch nur je gesehen hat, könnte sich bei dieser Geschichte tatsächlich im Grabe umdrehen.
Das war aber auch Zeit. Endlich ist da ein renommierter Journalist, Dr. Bernd Graff, stellvertretender Chefredakteur der Online Redaktion der Süddeutschen Zeitung, der zu dem ganzen Web 2.0 - Rummel sagt, was zu sagen war. Dass es sich in Wirklichkeit um ein Web 0.0 handelt, einen Lokus, in dem “neue Idiotae” den Marsch Richtung Zukunft vorgeben wollen.
Zustimmed zitiert Graff Nicholas Carr:
>”Die ekstatischen Visionen des Web 2.0 setzen die Hegemonie des Amateurs voraus. Ich kann mir nichts vorstellen, was furchterregender wäre“, schreibt er: “Das Internet vermindert unsere Wahlmöglichkeiten, anstatt sie zu erweitern. Die Wikipedia mag neben der Encyclopaedia Britannica verblassen, aber weil sie von Amateuren gemacht wird und nicht von Profis, ist sie gratis. Und gratis siegt stets über Qualität.”< [[Hervorhebungen von uns]
Graff ist promovierter Theaterwissenschaftler. Garantiert steht sie bei ihm zu Hause, die Encyclopaedia Britannica. Wahrscheinlich die 15. Ausgabe, herausgegeben 1974-1995, 28 Bände umfassend, angeschafft, nachdem man sie sich endlich leisten konnte und der englischen Sprache einigermaßen mächtig war.
Wer so was sein eigen nennen kann, kann später nur mitleidig auf jene Dödel herabschauen, die sich Informationen und Wissen durch die Suchmaske der Wikipedia verschaffen wollen. Igitt!
Das ist was für den Plebs und den Pöbel, aber nicht für Dr. Bernd Graff, der laut SZ-Impressum “eine bedeutende Tageszeitung (hat), für die er seit 1992 schreibt”. “Außerderdem leitet er das Ressort Kultur.”
Wir finden auch ihn persönlich so bedeutend, dass durch Fettschrift das eine oder andere Detail seines Daseins und seines Wirkens im Zitat hervorgehoben wird.
Graff rettet in seinem großen Artikel über das Web 0.0 bzw. das zu einem “Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten” verkommene Internet nicht nur (absolut verdient) die Ehre der britischen Enzyklopädie sondern zugleich die Ehre des Print-Establishments, also der “etablierten Formen der Informationsbildung, zum Beispiel aus Tageszeitungen und Magazinen“.
Weil kaum eine Tageszeitung seit Jahrzehnten so (am Markt) etabliert ist, wie die überall sicht- und greifbare BILD-Zeitung, erinnern wir mit Bildzitaten an deren wertvollen Beitrag zur Informationsbildung.
Dort gibt es nämlich “rigide Aufnahmeverfahren” und “es darf also eben nicht jeder überall mitschreiben“.
Gleiches galt und gilt für das seit Jahrzehnten etablierte Wochen-Magazin STERN, das seinen Einfluss auf die Informationsbildung in unnachahmlicher Weise mit seiner Titelgeschichte über Hitlers entdeckte Tagebücher (und dessen Initial FH / FK?) ) unter Beweis stellte. Schtonk!
Dass bei journalistischem Fehlverhalten in den Printmedien Sanktionierungen praktiziert werden, weiß Graff aus dem eigenen Hause.
Nachdem Tom Kummer über mehrere Jahre hinweg der Süddeutschen Zeitung gefälschte Interviews untergejubelt hatte, beendete man die Zusammenarbeit mit ihm und entließ sogar die beiden Chefredakteure Ulf Poschardt und Christian Kämmreling. Es darf eben nicht jeder überall mitschreiben. (Bloggen die heute, oder schreiben sie für die Wikipedia?)
Dort (in der Wikipedia) liest man zum Fall Tom Kummer auch noch das:
>Im Jahr 2000 löste er einen Presseskandal aus, als herauskam, dass er mehrere Interviews mit Prominenten teilweise gefälscht hatte. Zwei Redakteure des SZ-Magazins verloren deshalb ihren Job. Im Herbst 2004 veröffentlichte der Spiegel eine fünfseitige Story, in der u.a. dargelegt wird, dass Kummers Borderline-Journalismus von den Chefredaktionen zum Teil eingefordert worden sei.
[…]
Nach mehreren Jahren Pause erhält Kummer von der Berliner Zeitung nach dem Skandal eine neue Chance auf dem deutschsprachigen Printmarkt. 2005 erweist sich eine von Kummer veröffentlichte Reportage als Konvolut aus zwei Texten, die er bereits in der NZZ und im SZ-Magazin veröffentlicht hatte. Obwohl es in der Branche als nicht ungewöhnlich gilt, bereits veröffentlichte Stories wiederzuverwerten, bricht die Berliner Zeitung die Zusammenarbeit sofort ab, weil die Redaktion nicht darüber informiert war, dass es sich um alte, schon veröffentlichte Texte gehandelt hatte.<
Man sieht also, dass in der Print-Branche wirklich knallhart sanktioniert wird.
Dr. Bernd Graff wird bestimmt nicht sanktioniert werden. Schließlich schreibt er nichts als die Wahrheit über “das zum Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten” “verkommene” Internet - das damit rundum treffend charakterisiert wurde.
Wer das Web (0.0 /1.0 / 2.0) noch nicht kennt, wird es nach Graffs Print-Artikel erst gar nicht kennen lernen wollen, auch nicht die (”vor Fehlern strotzende”) Wikipedia. Dafür, dass ihm all das erspart bleibt, kann er sich bei Graff bedanken.
Nun aber nur noch dessen O-Ton:
>Obwohl etablierte Formen der Informationsbildung, zum Beispiel aus Tageszeitungen und Magazinen, als “Mainstream Media” verspottet werden (sie gelten als korrumpiert, hierarchisch, hirngewaschen, langsam und überaltert), obwohl der Schwarmgeist also triumphieren möchte, darf erinnert werden: Es macht immer noch den Unterschied, wer etwas sagt. Und wo er es tut.
Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen. Es darf also eben nicht jeder überall mitschreiben - und der, der schreibt, macht dies nie unbeobachtet und zum Beispiel auf der freien und anonymen Wildbahn der Wikipedia, die so einfach anzuklicken ist und wohl auch deshalb vor Fehlern strotzt.
Was aber wiegt dann mehr? Dass das immer elitäre Denken der Mainstream-Medien im Zweifel undemokratisch ist? Oder, dass daraus Qualität entsteht?“Die Mainstream-Medien”, schreibt Nicholas Carr, “können Dinge tun, die anders sind als die Dinge, die Blogs tun können - und, ja, sie sind auch bedeutender.”
[…]
Schirrmacher hat auf die Polemik und die Eskalation im Netz reagiert und bei Spiegel Online eine Art kommentierter Lesehilfe nachgereicht. Auch diese Gebrauchsanweisung wurde natürlich wieder kommentiert. Unter anderem so: “Was soll man denn davon halten, wenn Schirrmacher . . . die Vorteile der Tageszeitungen quasi als Gegenmittel gegen die negativen Momente und Folgen des Internets anpreist? Hier wird natürlich ein Qualitätsgegensatz zwischen beiden Medien herbeigeredet.”Nein, ihr Lieben, der wird nicht herbeigeredet. Der besteht.
“Die Menschen”, schreibt Norbert Bolz, “werden immer mehr zu - wie man im Mittelalter sagte - idiotae: also zu eigensinnig Wissenden. Die neuen Idiotae lassen sich ihr Wissen, ihre Interessen und Leidenschaften nicht mehr ausreden.” Mag sein. Verlangt ja auch keiner. Aber sollen wir uns deshalb von jeder Idiotie in die Zukunft führen lassen?< Quelle: sueddeutsche.de, Die neuen Idiotae: Web 0.0 - Das Internet verkommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten. Ein Plädoyer für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung, 7. 12. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]
Graff hat bestimmt auch Gerhard Grünewald aus der Seele gesprochen. Der Chef des etablierten, örtlichen Käseblattes “Odenwälder Echo” hat heute wieder einen bemerkenswerten Artikel über einen (nun aufgeflogenen und zerschlagenen) “Dealerring aus 20 Odenwäldern” geschrieben, der sich kaum schlechter liest als der Originalartikel der südhessischen Polizeidirektion.
Robert Basic dagegen sieht in Graff einen “Narren”, der mit seinem Idiotae-Pamphlet sich selbst und die Süddeutsche entblöße. Klar, dass der das so parteiisch sieht. Schließlich führt Alpha-Blogger Basic den “Debattierclub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten” mit seinem von lauter Web-Idiotae hochfrequentierten Weblog Basic Thinking gewissermaßen an.
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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