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Sonntag, 27. Januar 2008

Hessenwahl 2008: Ergebnisse für Erbach, Michelstadt, Reichelsheim und Höchst

von @ 9:16. Kategorien: Politik

Die nachstehend aufgeführten Wahlergebnisse wurden von der Website des Odenwälder Landratsamtes übernommen. Dort finden sich auch die Ergebnisse der anderen Odenwälder Gemeinden sowie die Kreisstimmen.

Erbach Bild
Michelstadt Bild
Reichelsheim Bild
Höchst Bild


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Samstag, 26. Januar 2008

Cdudith Lannert: Da will isch mal den Landrat Schnur loben

von @ 10:01. Kategorien: Video, Musik, Politik



UPDATE: Richtig dramatisch ist nun tatsächlich der Wahlabend. Die Wahlergebnisse für den Odenwaldkreis (Landes- und Kreisstimmen) werden aktuell auf der Website des Landratsamtes angezeigt.

Die dramatischste Episode des Hessischen Landtagswahlkampfes liegt bereits 10 Tage zurück. Ob ihrer für die morgige Wahl wegweisenden Bedeutung sei hier noch einmal an sie erinnert. Es handelt sich um eine Podiumsdiskussion mit den Odenwälder Landtagskandidaten in Michelstadt im Hotel „Michelstädter Hof“.
Landesweit bekannte Lokalpolitiker wie Judith Lannert MdL (CDU), Michael Reuter MdL (SPD), Claire Labigne (Bündnis 90/Die Grünen) und Helmut Müller (FDP) lieferten sich ein packendes Wortduell.
Dem Betreiber des Weblogs odenwald-journal.com bzw. Wochenschau.TV ist es zu danken, dass dieses Ereignis in bewegtem (und bewegendem) Bild und Ton für die Nachwelt festgehalten wurde.
Die Podiumsdiskussion begann mit einem erstaunlichen Bekenntnis.
Die stets breit und freundlich lächelnde Lannert, die genealogisch einem alten Geschlecht entstammt, konnte schon zu Beginn mit einem Lob für den politischen Gegner, den SPD-Landrat Horst Schnur, punkten. Schließlich befindet man sich mitten im Schnur-County und weiß realpolitisch, dass sich daran nie etwas ändern wird.
Die CDU ist seit 60 Jahren im Odenwaldkreis in steter Opposition und wird das auch die nächsten 60 Jahre bleiben - vorausgesetzt, der Odenwald überlebt die Klimakatastrophe.
Wenn man also auch von lokalen SPD-Wählern als CDU-Kandidatin in den Hessischen Landtag gewählt werden möchte, kommt man gar nicht umhin, denen den roten Bart schwarz zu pinseln. Also ein genialer Coup von Cdudith Lannert.
Das Lob für Schnur stand in diesem Kontext, O-Ton Lannert:



>Ich will mal den Blick nach Groß-UmSTADT richten. Ich habe dort persönliche Bekanntschaften und sehe dort, dass aus einem kleinen DORF sozusagen hier eine prosperierende Wirtschaft erwachsen ist.
Und warum, weil eine ordentliche Autobahnanbindung in der Nähe ist und das is’n ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung zum Thema Belebung der regionalen Wirtschaft.
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Telekommunikation eine ganz wichtige Rolle spielt. Wir haben es hier in der allgemeinen Diskussion das Thema DSL-Breitbandanschlüsse, da kämpfen wir auch gemeinsam, es is schön, dass es so is, also da will isch mal den Landrat Schnur loben, der hat sich da sehr stark gemacht dafür …<

Lannert machte sich nicht nur für eine Autobahn mitten durch den Odenwald stark, sondern auch für das Kern- Kraftwerk in Biblis, was mit Pfiffen quittiert wurde.

Ein richtig komisches Bekenntnis gelang Claire Labigne, Kandidatin der Grünen. Die “Teilfranzösin” erklärte in ihrer Vorstellung, dass ihre “Erfahrung” bislang “mehr eine kommunale” gewesen sei.
Wortwörtlich sagt sie dann: “In den Bereichen Kommunalpolitik bin ich aktiv gewesen und hab die Interessen der Grünen und meine Interessen vertreten.”
Dass sie eigentlich die Interessen ihrer Wähler bzw. die Interessen der Bürger vertreten sollte - auf diesen Gedanken kam sie zumindest in diesem Moment nicht bzw. sprach ihn nicht aus.

Vielleicht war sie auch nur ehrlich. Denn natürlich ist es selten der reine Altruismus, der kleine und große Politiker umtreibt.
Eitelkeit, der narzisstische Wunsch im Vordergrund zu stehen, Einfluss und Macht auszüben, bekannt zu sein, populär zu werden … all das lässt sich unter die eigenen Interessen subsumieren.
Und ein Mandat für den hessischen Landtag ist außerordentlich lukrativ. In diesem Sinne ging es jedem der Podiumsteilnehmer um das, was Labigne ehrlicherweise “meine Interessen” nannte.

Dem Odenwälder Echo hat das in Teilzeit (?) für die örtliche AWO arbeitende SPD-Mitglied Manfred Giebenhain einen fesselnden Bericht über die Podiumsdiskussion geliefert:

>Viel Geduld und ein langes Durchhaltevermögen wurde den Besuchern der Podiumsdiskussion mit den Odenwälder Direktkandidaten bei den hessischen Landtagswahlen abverlangt, zu der die Volkshochschule Odenwaldkreis für Mittwoch eingeladen hatte.[…]
Die letzte Publikumsfrage, weshalb der Kandidat der Linken nicht eingeladen wurde, begründete Volkshochschul-Leiterin Cornelia Fürpahs-Zipp mit einer Mehrheitsentscheidung der Betriebskommission.<

Dem können und wollen auch wir nichts weiteres hinzufügen.


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Freitag, 25. Januar 2008

Legal, illegal, scheißegal: Drogenabhängiger Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt demonstriert Gesetzesverachtung

von @ 6:03. Kategorien: Politik

Bild

In seiner aktiven Zeit beharrte Helmut Schmidt noch auf der Einhaltung der Gesetze. Wer damals zum Beispiel mit “Sitzblockaden” passiven Widerstand gegen die NATO-Nachrüstung ausübte, hatte ein Verfahren am Hals.
Nun demonstriert der intellektuell trotz seiner schweren Nikotinsucht noch beeindruckend präsente 89-Jährige, dass das seit Januar auch in Hamburg gültige Gesetz zum Schutz der Nichtraucher für ihn keine Gültigkeit besitzt.
Schmidt wird damit zur Ikone des Raucherprotestes.
Andere protestieren mit Worten, beispielsweise Helmut Höge in der taz.
Der hatte am 16. Januar in einem nicht satirisch gemeinten Kommentar zwei Münchner Jugendlichen (”Schläger”) attestiert, mit ihrer vielfach diskutierten Attacke auf einen Rentner “allen Rauchern aus der Seele getreten” zu haben.
Das gleiche Kompliment könnte er zwei anderen Jugendlichen aussprechen, die sich in Berlin mit Hieben gegen die Mahnung eines Nichtrauchers zur Wehr setzten.
Ein Lokführer hatte in der S-Bahn einen der beiden jungen Männer aufgefordert, dort das Rauchen zu unterlassen.
Rein altersmäßig kann sich der allen Rauchern aus der Seele pfaffende Helmut Schmidt auf diese Weise nicht mehr gegen (jüngere) Nichtraucher wehren. Er braucht es auch nicht. Das gegen ihn von der Wiesbadener Nichtraucherinitiative angestrengte Strafverfahren wurde unmittelbar nach Eingang wieder eingestellt.
Nun droht nur noch ein Vefahren wegen Ordnungswidrigkeit. Im Wiederholungsfall, der bei den rauchenden Wiederholungs- bzw. Intensivtätern Loki und Helmut Schmidt zu erwarten ist, dürfte eine Geldbuße in Höhe von 50 Euro fällig werden.


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Mittwoch, 23. Januar 2008

Fertighausbauer Bien-Zenker schließt wegen roter Zahlen Produktion in Michelstadt - Landrat Schnur kritisiert Vorstand

von @ 12:23. Kategorien: Wirtschaft

… und hatte sich da wohl die Kritik der NRW-Landesregierung an Nokia zum (großen) Vorbild genommen.

Auf der (österreichischen) Website wirtschaftsblatt.at war schon gestern über die Gründe für die Schließung dies zu lesen:

>In Anbetracht der stark rückläufigen Marktlage (die Baugenehmigungen sind in Deutschland um 38 Prozent gegenüber 2006 gesunken) haben sich Vorstand und Aufsichtsrat von Bien-Zenker entschlossen, die Produktion bei Zenker in Michelstadt zu schliessen und weitere Funktionen in das Stammwerk in Schlüchtern zu verlagern. Rund 75 Mitarbeiter verlieren dabei ihren Jobs, 73 Arbeitsplätze bleiben in Michelstadt erhalten.[…]
Österreichs grösster Fertighausbauer Elk hält an Bien-Zenker mehr drei Viertel der Anteile. Laufend werden Aktien zukauft, zuletzt etwa am 16. Jänner zu einem Stückpreis von 12,50 €. Für 2006 hat Bien-Zenker noch eine Dividende von insgesamt 0,5 Millionen € ausgeschüttet.<

Ein ausführlicher Artikel zum gleichen Thema erschien gestern auch in der FAZ:

>Günter Baum ist nicht erfreut, dass sich seine Befürchtungen als berechtigt erwiesen haben. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Finanzvorstand des Fertighausbauers Bien-Zenker AG mit Stammwerk in Schlüchtern dringend neue Eigenheimfinanzierungshilfen für Familien gefordert, um den Wegfall der Eigenheimzulage zu kompensieren. Die Zulage ist seit 2005 Zug um Zug abgebaut worden, was nicht nur bei Bien-Zenker, sondern in der gesamten Baubranche zu empfindlichen Umsatzeinbußen geführt hat. Zwar diskutiert die große Koalition in Berlin zurzeit den Vorschlag, selbstgenutztes Wohneigentum mit der sogenannten Riesterrente zu verknüpfen.
Entschieden ist in dieser Frage aber noch immer nichts. Eine Entscheidung gefällt haben dagegen nun Vorstand und Aufsichtsrat der Bien-Zenker AG, was den Standort Michelstadt betrifft: Die Produktion dort wird eingestellt. 75 Mitarbeiter der Zenker-Hausbau GmbH & Co werden aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Arbeit verlieren. 73 Männer und Frauen, die in Michelstadt für Bien-Zenker im Vertrieb und in der Montage arbeiten, sollen Baum zufolge ihren Arbeitsplatz behalten. Das Unternehmen zählte zuletzt rund 770 Mitarbeiter. Der Kurs der Aktie blieb derweil gestern bei 12,50 Euro unverändert.
Der Absatz von Fertighäusern ist 2007 im Vergleich zum Jahr davor um 38 Prozent eingebrochen, wie Baum weiter sagt […]<

Das Odenwälder Landratsamt nahm heute Stellung zu der angekündigten Schließung:

>„Mit großer Betroffenheit“, so schreibt der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, in Briefen an den Vorstand der Bien-Haus AG in Schlüchtern, Erich Weichselbaum, und den Betriebsratsvorsitzenden der Bien-Zenker / Zenker Hausbau GmbH & Co. in Michelstadt, Jürgen Fill, habe er am 21. Januar von der beabsichtigten Schließung der Produktion in der Firma Zenker in Michelstadt erfahren. Schnur hält dazu fest, dass die Firmenleitung den Odenwaldkreis zuvor nicht informiert hat.
Der Landrat schreibt weiter: „Wir bedauern diese Entscheidung sehr, da die Belegschaft sehr viele wirtschaftliche Einschränkungen in Bezug auf Überstunden und Urlaubsgeld auf sich genommen hat, um die Fortführung der Produktion möglich zu machen. Nachdem zuletzt keine Kontakte zwischen dem Unternehmen und dem Kreis bestanden hatten und von einem positiven Geschäftsergebnis im Jahr 2007 auszugehen war, so Schnur, sei die Schließung „für uns alle sehr überraschend“ gekommen. Der Verwaltungs-Chef unterstreicht gegenüber Weichselbaum, er hätte es „für sehr wünschenswert gehalten, wenn Sie im Rahmen Ihrer Überlegungen Kontakt aufgenommen hätten, um wenigstens die Möglichkeiten unserer Wirtschaftsförderung in Anspruch zu nehmen“.
Schnur macht dem Unternehmensvorstand gegenüber deutlich, der Kreis werde seine Möglichkeiten nun mit dem Betriebsratsvorsitzenden kommunizieren und - sofern der Wunsch bestehe - Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung sowie Umschulung und Arbeitsvermittlung anbieten.
An den Betriebsrat gewandt, schreibt der Landrat, er möchte „Ihnen und der Belegschaft Hilfen anbieten“, wie sie seitens des Kreises und seiner Institutionen auf dem Gebiet der Arbeitsvermittlung, der Aus- und Weiterbildung und der Qualifizierungsoffensive bereits vielfach erfolgreich eingesetzt worden sind.< [Hervorhebungen und Links von uns]


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Dienstag, 22. Januar 2008

Dichtung oder Wahrheit? Odenwälder Landratsamt verteidigt “Inobhutnahme von vier Kindern am 21. Dezember 2007″

von @ 11:55. Kategorien: Skandale, Presse

Nachdem vorgestern der Odenwälder Pressedienst -pdh- bekanntgab, den Deutschen Presserat wegen eines Konfliktes mit der Pressestelle des Odenwaldkreises anzurufen, reagierte das Landratsamt nun auf den Vorwurf, mit “Verleumdung” rechtswidrige Behördenpraktiken rechtfertigen zu wollen.
Ohne den Pressedienst zu nennen oder ihm direkt zu widersprechen, wurde die Behördenversion einer “Inobhutnahme von vier Kindern” nun (ausführlich) erneuert.
Wir heben dabei die Aussagen hervor, die strittig sein könnten. Man kennt die Geschichte ja nicht vollständig. Vom Odenwälder Landratsamt weiß man allerdings, dass es bei Gelegenheit Lügen mit noch mehr Lügen untermauern will.
In Schwerin übrigens wurde das dortige Jugendamt der Lüge überführt. Dieses hatte auf Warnungen nicht angemessen reagiert und sich so am Hungertod eines fünfjährigen Mädchens mitschuldig gemacht.
Nachfolgend die Mitteilung des Odenwälder Landratsamtes (auch die amtlichen Rechtschreibfehler wurden 1:1 übernommen):

>Das Jugendamt erhielt von einer im Rahmen einer Hilfe zur Erziehung in der Pflegefamilie eingesetzten Erzieherin die Mitteilung, dass die häuslichen Verhältnisse dort nicht mehr tragbar seien.
Die Pflegeeltern seien offensichtlich mit der Erziehung der vier Kinder überfordert und es käme auch zu körperlicher Gewalt gegenüber den Kindern. Die Pflegefamilie wurde bereits am 12.12.07 bei einem Hausbesuch über die Vorwürfe informiert.
Dabei wurde zur weiteren Abklärung der familiären Situation der bei freien Trägern angesiedelte Kriseninterventionsdienst des Jugendamtes eingesetzt.
Dem Jugendamt ging am 18.12.07 eine ausführliche schriftliche Stellungnahme der Erzieherin zu den Vorfällen in der Familie zu. Dabei wurden von ihr noch weitere körperliche Übergriffe beschrieben.
Auch in dem zwischenzeitlich vorgelegten Bericht des Kriseninterventionsdienstes wurde deutlich, dass die Pflegefamilie vollkommen mit der Erziehungssituation überfordert ist.

Aufgrund der getroffenen Aussagen zu einer akuten Kindeswohlgefährdung im Zusammenhang mit der Überforderung der Pflegefamilie kam es am 21.12.07 zu einem Gespräch mit den Pflegeeltern und ihrem Rechtsanwalt Steyer im Jugendamt.
Die Pflegeletern konnten die Vorwürfe nicht ausräumen.
Das Jugendamt nahm die Kinder zur Abwendung der Gefährdung in Obhut, da nicht auszuschließen war, dass es zu weiteren Übergriffen kommt.

Eine Inohutnahme stellt immer eine einschneidende Maßnahme dar, die auch mit starken Emotionen verbunden sein kann. So war dies auch in diesem Fall.
Nachdem die Pflegekinder darüber informiert wurden, dass sie zunächst nicht mit zurück in den Haushalt der Pflegefamilie können, hatten die Pflegeeltern rund 20 Minuten Zeit, sich von den Kinder zu verabschieden. Aufgrund der Trennungssituation hat ein Kind beschwerlich geatmet. Der Pflegevater ging daraufhin mit dem Kind auf die Toilette. Schon kurze Zeit nach dem die Pflegeeltern das Jugendamt verließen, hatte der Junge sich wieder beruhigt und auf Nachfrage bestätigt, dass es ihm wieder gut geht.

Es gab zu keiner Zeit irgendeine Form von Gewaltanwendung durch Mitarbeiter des Jugendamtes.

Der sorgeberechtigte Vater von zwei in der Pflegefamilie untergebrachten Jungen war bereits am 21.12.07 vor dem Gespräch mit den Pflegefamilie telefonisch darüber informiert worden, dass eventuell eine Inobhutnahme notwendig wird.
Er hat der möglichen Inobhutnahme nicht widersprochen.
Erst bei dem mit dem Vater vereinbarten Hausbesuch am 27.12.07 weigerte sich der Vater im Beisein von Rechtsanwalt Steyer, die Inobhutnahme schriftlich zu genehmigen.
Aufgrund der nicht erteilten Zustimmung wurde mit dem Vater und seinem Rechtsbeistand für den 28.12.07 ein Gespräch im Jugendamt vereinbart.

Bei dieser Besprechung mit Rechtsanwalt Steyer und dem Vater im Jugendamt wurde die mündliche Vereinbarung getroffen, dass die Inobhutnahme für die Kinder bis zum Vorliegen einer Diagnostik der zwischenzeitlich eingeschalteten Institutsambulanz Höchst bestehen bleibt.
Eine Rückkehr der Kinder sollte nur erfolgen, wenn sich die Institutsambulanz nicht dagegen ausspricht und die Pflegefamilie eine intensive Sozialpädagogische Familienhilfe annimmt.

Mittlerweile liegen dem Jugendamt von weiteren Zeugen Stellungnahmen vor, die die körperlichen Übergriffe in der Pflegefamilie bestätigen.
In Abwägung der problematischen Familiensituation und der zweifellos vorhandenen emotionalen Bindung der Kinder an die Pflegeeltern, entschloss sich das Jugendamt die Inobhutnahme zu beenden.
Vorraussetzung war, dass sich die Pflegefamilie unter Beteilung ihres Rechtanwaltes in einem Gespräch am 09.01.08 bereit erklärte, im Rahmen einer intensiven Jugendhilfemaßnahme auch an der „Gewaltproblematik“ zu arbeiten.
Diese Regelung wurde in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten und von den Beteiligten unterschrieben.
Mit dieser Hilfe wurde mit der Rückkehr aller Kinder in die Pflegefamilie am 10.01.08 begonnen.
Sollte sich herausstellen, dass trotz der eingeleiteten Hilfe eine Gefährdungssituation nicht ausgeschlossen werden kann, wird sich das Jugendamt an das Familiengericht wenden. An eine Pflegefamilie sind im Hinblick auf ihre Erziehungsfähigkeit besondere Anforderungen zustellen.< Quelle: odenwaldkreis.de, Inobhutnahme von vier Kindern am 21. Dezember 2007, 21. 1. 2008 [Hervorhebungen und Links von uns]

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Kindeswohl: Kein Thema für das Odenwälder Jugendamt?

Montag, 21. Januar 2008

Presseagentur -pdh- wehrt sich gegen “Verleumdung”: Presserat soll über Praktiken von Landrat Schnurs Pressestelle urteilen

von @ 2:53. Kategorien: Politik, Skandale, Odenwald, Presse

Wie oft hat der Odenwälder Landrat Horst Schnur eigentlich schon gelogen - oder lügen lassen? Zahlreiche Artikel auf odenwald-geschichten.de beschäftigten sich mit diesem Thema.
Nun hat der Odenwälder Pressedienst -pdh- auf eine ihn betreffende “Verleumdung“, verantwortet von der Pressestelle des Odenwaldkreises, reagiert und die Angelegenheit dem Deutschen Presserat zugeleitet.
Man darf gespannt sein, was sich daraus ergibt. Schnur rühmte sich wiederholt seiner guten Kontakte und seines Einflusses. Sollte tatsächlich die Gefahr bestehen, dass ihm hier eine Blamage droht, wird bestimmt versucht werden, dies mit konsequenter “Beziehungsarbeit” zu verhindern.
Nachfolgend die pdh-Pressemitteilung:

>Für eine Presseagentur oder einzelne Journalisten gibt es nicht Schlimmeres als den Vorwurf, einen Bericht vor der Veröffentlichung nicht korrekt recherchiert zu haben. So erging es kürzlich der Presseagentur -pdh-. Sie hatte unter der Überschrift “Skandal im Odenwaldkreis” berichtet, dass das Odenwälder Jugendamt ohne Vorwarnung drei Tage vor Weihnachten eine Pflegefamilie auseinandergerissen habe. Vier Pflegekinder seien mit Gewalt von der Pflegefamilie getrennt und auf zwei andere Pflegestellen verteilt worden.

In einer Stellungnahme hat die Pressestelle des Landratsamts daraufhin den Bericht zurückgewiesen und als unrichtig bezeichnet. Das Amt habe wegen Gefährdung der Kinder handeln müssen und die Familie sei unterrichtet gewesen. Überdies sei ein Anwalt bereits mit der Angelegenheit befasst gewesen.

Keine dieser Angaben der Pressestelle entspricht der Wahrheit. Im Gegenteil wurden die falschen Darstellungen vorsätzlich, d.h. mit Absicht an die südhessische Presse verteilt mit dem Ziel, eine illegale Aktion nachträglich zu rechtfertigen. Dies bestätigte jetzt der Rechtsanwalt, von dem die Rede war. Die Angaben im ursprünglichen Pressebericht waren zwei Tage lang recherchiert worden und von zwei unabhängigen Quellen bestätigt.

-pdh- hat sich daher entschlossen, die Angelegenheit zur Prüfung an den Deutschen Presserat weiterzuleiten. Immerhin hatte die Agentur die Behörde aufgefordert, ihre falsche Darstellung selbst zu korrigieren. Dies ist nicht geschehen. Im Pressekodex heißt es:

Ziffer 1 - Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

Ziffer 3 - Richtigstellung
Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.< Quelle: -pdh- [Hervorhebungen und Links von uns]

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Freitag, 18. Januar 2008

Rechtswidrige Praktiken? Frankfurter Anwalt prüft Strafanzeige gegen Jugendamt des Odenwaldkreises

von @ 7:33. Kategorien: Skandale, Odenwald

Bild

Das Odenwälder Landratsamt unter Horst Schnur liebt den großen Auftritt und die große Geste. Nachdem im letzten Jahr wiederholt dramatische Fälle von Kindesmisshandlung Schlagzeilen machten und dabei auch die zuständigen Jugendämter in die Kritik gerieten (s. angezeigter FOCUS-Artikel vom 6. 12. 2007), wollte man in Erbach wohl augenfällig demonstrieren, dass es unter einem Landrat Schnur behördliches Versagen (in Form von Untätigkeit) nicht geben kann.
Möglicherweise hatte Schnur selbst seinem Jugendamt eine entsprechende Direktive erteilt: Bei dem geringsten Verdacht sofort einzugreifen und dies der Presse als Beweis für die “Tüchtigkeit” seiner Behörde zu präsentieren.
Tüchtig ist eine Behörde aber nicht, wenn sie hysterischen Aktionismus praktiziert, sondern wenn sie sorgfältig und rechtskonform vorgeht. Genau daran hapert es aber im (seit 60 Jahren) SPD-regierten Odenwaldkreis. Um es noch deutlicher zu sagen: Im Odenwaldkreis hapert es an Seriosität.
Da gibt sich einer beispielsweise (bei einer polizeilichen Beschuldigtenvernehmung) als Leiter einer Behörde aus und erklärt dann später vor Gericht, er habe sich diesbezüglich “leider” jahrelang geirrt.
Hier, im Kommentarbereich der Odenwald-Geschichten, machte vor einiger Zeit ein angeblich arbeitsloser “Micky” von sich reden, weil er/sie - als absolute Ausnahme - nur Gutes vom Erbacher Jobcenter berichten konnte. Schnell stellte sich heraus, dass diese Kommentare vom privaten Computer der Abteilungsleiterin abgesandt worden waren. (Der Frankfurter Rundschau war die Affäre ein Artikel wert, dem Odenwälder Echo nicht ein einziges Wort.)

Bezeichnend ist auch, dass der Odenwälder “Rechtsdirektor” Georg Dürig seit August 2006 (!) “außer Amtes” ist. Darüber - immerhin - berichtete auch das Erbacher Käseblatt:

> Vor diesem Hintergrund gewinnen bisher als Spekulation einzustufende Darstellungen an Gewicht, es habe Streit oder gar Drohungen zwischen Georg Dürig und einigen seiner Vorgesetzten gegeben. Stutzig macht zudem die Tatsache, dass der für längere Zeit als arbeitsunfähig erklärte Mitarbeiter beim Training in einem Fitnessstudio gesehen wurde und nach Auskunft seiner Frau zurzeit „auf Arbeitsurlaub“ in Portugal weilt.<

Dürig war u.a. dann gefragt, wenn Strafverfahren liefen. So wurde jahrelang gegen Mitarbeiter von Schnur wegen Verdachts der Unterschlagung und Urkundenunterdrückung ermittelt. In skandalöser Weise wurde das Verfahren schließlich niedergeschlagen bzw. eingestellt. Verantwortlich als leitender Oberstaatsanwalt war ein politisch aktiver Parteifreund von Schnur.
Auch gegen Schnur selbst wurde schon ermittelt. Das Verfahren wegen Verdachts der Verleumdung, der Verletzung von Dienstgeheimnissen und der Nötigung wurde ebenfalls eingestellt. Verantwortlich war auch hier als leitender Oberstaatsanwalt ein (anderer) politisch aktiver (Partei-)Freund von Schnur.
Wie es um die Ermittlungen wegen Verdachts der Vorteilsgewährung im Rahmen der HSE-Affäre steht, weiß man nicht.

Diesen (”rechtschaotischen”) Hintergrund sollte man im Auge haben, wenn man nun einen aktuellen pdh-Bericht über schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt des Odenwaldkreises liest:

Bild

>Der Fall hat bereits am Jahresende im Odenwaldkreis hohe Wellen geschlagen. Drei Tage vor Weihnachten hat das Jugendamt des Odenwaldkreises ohne Vorwarnung eine Pflegefamilie auseinandergerissen. Vier Pflegekinder wurden ihren Pflegeeltern sprichwörtlich entrissen, wie der eingeschaltete Anwalt in einem Pressegespräch am Freitag (18.) berichtete.
Seit mehr als einem Jahrzehnt leben zwei der Kinder in der Obhut der Familie, zwei weitere wurden der Familie vor zwei Jahren zur Fürsorge überantwortet.

Das Jugendamt habe noch nicht einmal das Recht dazu gehabt, sich zweier der Kinder zu bemächtigen, sagte der Rechtsanwalts Johannes G. Steyer aus Frankfurt, weil das Oberlandesgericht dem Jugendamt das Sorgerecht zuvor entzogen hätte.
Dieses und das Aufenthaltbestimmungsrecht lagen demnach beim Vater der Kinder, der über die Aktion der Behörde nicht informiert worden sei. Sechs Tage nach der Wegnahme der Kinder versuchte nach Angaben des Anwalts ein Mitarbeiter der Behörde nachträglich eine Genehmigung beim Vater für die Zwangsmaßnahme zu erlangen, die dieser ihm allerdings in Anwesenheit des Anwalts verweigert habe.
In dessen Abwesenheit habe der Bedienstete dann versucht, den Vater doch noch zur nachträglichen Abgabe der Genehmigung zu nötigen.

In der Presse war über die Affäre berichtet worden, woraufhin sich die Pressestelle des Landratsamtes zu einer Stellungnahme genötigt sah, in der die Kindeswegnahme mit angeblicher erheblicher Gefährdung der Kinder in der Familie begründet wurde.
Überdies sei die Familie nicht überrascht gewesen, denn es seien intensive Kontakte mit ihr vorausgegangen. Diese Stellungnahme bezeichnet Steyer als unkorrekt und nachträglichen Versuch, eine rechtswidrige Aktion zu rechtfertigen.
Am 21. Dezember habe das Jugendamt die Pflegeeltern mit den Kindern unter einem Vorwand nach Erbach bestellt und dort ohne Vorwarnung getrennt.
Herzzerreißende Szenen haben sich nach Schilderung des Rechtsanwalts dort abgespielt, ein herzkrankes Kind habe hyperventiliert, wies blaue Lippen auf und erbrach Schaum. Zweimalige Hilferufe der Pflegemutter seien von den Behördenvertretern ignoriert worden. Alle Kinder hätten geschrien und sich an der Pflegemutter festgeklammert. Mittels Gewaltanwendung seien die Kinder in zwei verschiedene Autos verfrachtet worden und weggebracht worden.
Minuten zuvor waren die Pflegeeltern nach Auskunft des Anwalts erstmals mit dem Vorwurf konfrontiert worden, sie hätten die Kinder misshandelt, ein Vorwurf, der sich inzwischen als haltlos herausgestellt habe.
In der Tat leben alle vier Kinder heute wieder einträchtig bei den Pflegeeltern und werden von der Vorstellung gequält und bis in ihre Träume verfolgt, dass erneut Behördenvertreter auftauchen könnten, um sie ihren “Eltern” zu entreißen.
Den unhaltbaren Vorwurf der Kindesmisshandlung hatte eine Hausaufgabenhelferin erhoben, der von der Pflegemutter zuvor wegen Unverträglichkeit gekündigt worden war, so der Anwalt.
Steyer prüft nun unter Hinzuziehung eines Sachverständigen strafrechtliche Konsequenzen für verschiedene Mitarbeiter des Jugendamtes.
Nicht nur die menschenverachtende und zumindest zum Teil illegale Aktion der Kindeswegnahme stoßen auf die Kritik des Anwalts, auch die Untätigkeit der Behördenvertreter während der Herzattacke eines der Kinder und rechtswidrige Handhabungen der einschlägigen Bestimmungen des Jugendgesetzes.
So seien seit einem Jahr pflichtwidrig Hilfeplangespräche nicht protokolliert und den Beteiligten vorgelegt worden.
Das Amt handele arrogant und selbstbezogen. Eine Stellungnahme des Erbacher Jugendamten zu den erhobenen Vorwürfen ist am Freitag auch unter Einschaltung des Odenwälder Presseamtes nicht zu bekommen gewesen.< Quelle: -pdh-, Heftige Angriffe auf das Odenwälder Jugendamt - Frankfurter Anwaltskanzlei prüft strafrechtliche Konsequenzen, 18. 1. 2008 [Hervorhebungen und Links von uns]

Dass hier ein Frankfurter Anwalt die Odenwälder Behörde angreift, bedarf einer Erläuterung. Wer sich nämlich im Odenwaldkreis gegen Schnur stellt, kann um seine beruflichen Chancen fürchten. Anwälte aus der Region standen also mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Vertretung in dieser Sache nicht bereit.
Wer im Odenwaldkreis ein Opfer behördlicher Übergriffe wurde, könnte von einem ehrlichen Anwalt dies hören:
>“Ich empfehle Ihnen, einen Kollegen zu beauftragen, der nach Möglichkeit seinen Sitz nicht im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes Michelstadt haben sollte“.<

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Freitag, 11. Januar 2008

“But I have to kill her”: Morddrohungen auf YouTube gegen pro-amerikanische Bloggerin Karin Quade und Pfungstädter JU-Vorsitzenden Moritz Breckner

von @ 7:51. Kategorien: Causa Claudia, Menschen, Politik

Vor gut einem Jahr fabulierte die Odenwälder Publizistin Claudia Trossmann (”Zimmer mit Einsicht“) in einem Blog-Kommentar von angeblichen Morddrohungen eines angeblichen “anti-deutschen Netzwerks”.
So schrieb sie (mit bezwingender Logik):

>Es gibt Menschen, die sich vom antideutschen Weltbild zu Morddrohungen hinreißen lassen. Ob diese ernst gemeint sind oder nicht, kann ich derzeit nicht beurteilen. Dies Morddrohungen sind nicht nur ganz real per Anruf etwa, sondern auch in der sogenannten Blogosphäre.
Auch deshalb sind sie für mich intellektuelle Brandstifter, denen ich sehr kritisch gegenüberstehe.<

Mit gerade einmal 4 Sätzen, die offensichtlich weder intellektuell noch rhetorisch brillieren können, hatte die Odenwälder Bloggerin Leuten ein übles Odium angedichtet, die in der Wikipedia so charakterisiert werden:

>Antideutsche sind eine aus verschiedenen Teilen der radikalen antifaschistischen Linken hervorgegangene Strömung…
Antideutsche sehen das Dasein von Juden in aller Welt und insbesondere im Staat Israel von verschiedenen Seiten bedroht - sowohl durch das Fortbestehen einer Ideologie der Volksgemeinschaft in den westlichen Ländern und insbesondere in Deutschland („Postfaschismus“), als auch durch die Ignoranz der europäischen Regierungen gegenüber dem erstarkenden Antisemitismus in der EU und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Besonders der virulente Antisemitismus in vielen islamischen Ländern sei ein nicht zu unterschätzender Angriff auf das Existenzrecht Israels und Bestandteil einer „Antisemitschen Internationale“.<

Zu dem Wikipedia-Artikel hatte sie selbst einen Link gesetzt - und wohl geglaubt, mit der Mär von den Morddrohungen (”ganz real per Anruf etwa“) entscheidende “Informationen” nachreichen zu können. Tatächlich stellte sie (nicht zum ersten Mal) die Dinge auf den Kopf: Die sie wohl im Blick hatte, drohen nicht mit Mord, vielmehr wird einigen nachweislich mit Mord gedroht.


Bild

Nachdem die Kulturbloggerin dem “anti-deutschen Netzwerk” Morddrohungen angedichtet hatte, wurde hier die Frage gestellt:

>Man wüsste von Claudia Trossmann (”Beispiele gefällig?”) gerne, wer denn da wann und wo “Morddrohungen ganz real … per Anruf etwa” gegen wen ausgestoßen hat. Oder handelt es sich bei dieser Aussage um schlichten “bullshit”?<

Eine Antwort darauf gab es nicht. So wenig wie auf sachliche, kritische Kommentare, mit denen sie gelegentlich in ihren Blogs konfrontiert wurde.
Ruft man etwa ihren Artikel über “Schäuble und seine Terroristen” auf, sind 2 Kommentare zu finden. (Der erste konstatiert: “Als Satire kein schlechter Beitrag.”)
Darunter steht: “Der Eintrag hat ein auf Moderation wartenden Feedback…” Das “Feedback” wartet schon lange “auf Moderation” der “Kulturbloggerin”… seit mehr als 4 Monaten. Es wird aller Voraussicht nach weiter warten müssen. (Man kann es hier nachlesen.)

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Der Grund: Es wird - in sachlichen Worten - Kritik geübt. Und mit Kritik tut sich die Odenwälderin ausgesprochen schwer. Man wüsste nicht, wie das Land aussähe, hätte sie darin Medienmacht und / oder politische Macht.

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Der Zufall will es, dass keine 18 Kilometer entfernt, ebenfalls im Odenwald, eine andere Bloggerin aktiv ist, wohl etwas jünger, engagiert wie diese, wohl auch etwas eitel (wer ist es nicht?), eine kämpferische Natur und von ihrer Sache überzeugt wie eine Ideologin, nur politisch absolut konträr.
Während Claudia Trossmann konform mit der (nicht nur) deutschen Mehrheitsmeinung George W. Bush als eine Art Inkarnation des (kapitalistisch/imperialistisch) “Bösen” sieht, ist er für Karin Quade ein Held.
Auch wenn man Bush nicht mag: Es gehört schon ein gewisser Mut dazu, sich wie Quade zu Bush zu bekennen. Konsequenterweise nennt sich ihr Blog anti-anti-Americanism.com.
Man kann gespannt sein, ob sie auch dann noch zur amerikanischen Führung steht, wenn diese von Hillary Clinton (unsere Favoritin) oder von Barack Obama gestellt wird.
Quades Blog ist (offen gestanden) intellektuell etwas anregender als Claudia Trossmanns gutmenschlicher (und oft bigotter) Bekenntnisdrang - zumal Quade meist in Englisch schreibt. Offenbar möchte sie auch und vor allem von ihren Freunden in den USA gelesen werden.
In ihrem vorletzten Beitrag schreibt sie:

>I am going to vote for Roland Koch (Christian-Conservative Ministerpräsident of Hessen) end of January. Because I am a conservative. Not a racist. Because I love freedom. But also want to be safe.<

Man kann sich denken, wem die bekennende Konservative verhasst sein dürfte. Der Hass geht soweit, dass ihr mit Mord gedroht wird.
Realer wie es kaum geht. Ein YouTube-Video ruft dazu auf, sie zu töten: “But I have to kill her”, vorgesungen immer wieder im Refrain.

Wir besuchen Qualle Karin“, so startet das Video, z.T. aufgezeichnet von einem fahrenden PKW aus, der auf einer “schönen Fahrt durchs winterliche Hessen” unterwegs ist - nach Mühltal, dort, wo Quade wohnt.

Bild

Sie wird im Video als “Exkrement” bezeichnet, in einem (französisch formulierten) Kommentar als (zu eliminierender) “Müll”: “Karin Quade, il est temps d’éliminer des déchets humains comme toi et tes copains!”

Sie selbst zitiert (und kommentiert) das Video heute so:Bild

>When searching my name in google I often get really interesting results. Yesterday I discovered that someone posted a video about me called “A visit at racist Karin Quade” showing me, my house and how to get there. The underlying music is well chosen: “I used to love her, but I had to kill her … she `s buried right in my backyard.”

The text flashes are also worth reading:

“Wir besuchen Qualle Karin.” - We visit jelly-fish Karin.
Whoever wrote this must be blind ;-) here is my picture

“Die Bush-Aktivistin versteckt sich im hessischen Mühltal.” - The Bush activist is hiding in Hessian Mühltal.
Hiding? I am not hiding, I am living here! Whoever posted this is hiding and admits it in the video:

“Ihr wisst nicht, wer wir sind.” – You do not know who we are.

“Wir sind überall.” – We are everywhere.

Bild

“Jederzeit.” – Any time.

“Wir kommen und gehen, wie es uns gefällt.” – We come and go as we like.

“Wir sind hinter euch, ohne dass ihr es merkt.” – We are behind you, without you knowing it.

“Vergesst das nie.” – Never forget this.

Uuh, now I am scared. Especially at the end of the video when it says “You excrement.” Or when reading this charming little threat in the comment section:

“Karin Quade, il est temps d’éliminer des déchets humains comme toi et tes copains!” =
Karin Quade, it is time to eliminate human garbage like you and your friends!

“Human garbage”? Sounds a little bit, mmh, racist, no?

Anyway, I fully trust the Hessian police and justice that this little video - as charming as it might be – and the comments will soon no longer be available :-)
And I am going to vote for Roland Koch (Christian-Conservative Ministerpräsident of Hessen) end of January. Because I am a conservative. Not a racist. Because I love freedom. But also want to be safe. <

Bild

Man würde gerne wissen, was Claudia Trossmann zu diesen nun wirklich “ganz realen Morddrohungen” zu sagen hat, gerichtet gegen eine Bloggerin in ihrer Nachbarschaft.
Was sagte doch der große Voltaire: “Du bist anderer Meinung als ich, aber ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.”
Mit konkreter Solidarität ist es bei der Kulturbloggerin freilich oft nicht weit her.
Das beginnt bereits (ganz nebensächlich) bei der Blogroll.
Während die ca. 80 externe Websites einschließende Linkliste der Odenwald-Geschichten schon fast zu unübersichtlich ist, bleibt die entsprechende Liste auf den Blogs von Claudia Trossmann sehr überschaubar.
Lange Zeit gab es dort gar keine Liste externer Links, seit einiger Zeit finden sich da nun immerhin vier “Lesenswerte Websites”. Regionale Websites, etwa Peter Löwensteins Regioblog, zählen nicht dazu.

Solche Links könnten ja den eigenen Pagerank gegenüber der “Konkurrenz” mindern bzw. umgekehrt deren Pagerank erhöhen. Ist das die Überlegung bzw. Erklärung für das Geizen mit Linkempfehlungen?

Nachtrag: Das genannte Video findet sich auf verschiedenen Plattformen. Eine ganze Sammlung ähnlicher Videos, nicht nur gegen Quade gerichtet, sondern auch gegen andere Bush-freundliche Blogger findet man unter dieser Adresse: vietson.com/video/?search=drecksrassisten

Auffallend ist dabei eine gewisse Konzentration auf den südhessischen Raum.
Neben Quade, die in Mühltal wohnt, ist auch der Pfungstädter JU-Vorsitzende Moritz Breckner Ziel bzw. Gegenstand eines “Hass-Videos“.
Der Politik- und Anglistikstudent erscheint darin als “JU-Nazi-Schweinchen” mit dem Spottnamen “Big Mo”.
Während sich der “Regisseur” des gegen Quade gerichteten Hass-Videos hinter dem Pseudonym “FickJesus” verbirgt, wählte der “Regisseur” des gegen Breckner gerichteten Videos das Pseudonym “SnuffMovieJesus”. (’snuff out’ heißt auslöschen. Ein Snuff-Film ist die filmische Aufzeichnung eines Mordes.)

Nun würde man erst recht gerne wissen, was Claudia Trossmann als bloggende “Expertin” für “intellektuelle Brandstifter” und für von Netzwerken ausgehende “Morddrohungen ganz real” davon hält.
Die Videos sind in der Region entstanden und auch das (vermutliche) ideologische Umfeld, das sich durch Hass auf die USA und Israel auszeichnet, ist der Kulturbloggerin bekannt.
Der scheinbar gegen Braune gerichtete Gestus täuscht. Sowohl die völlige Entwürdigung des politischen Gegners durch dehumanisierende Worte (”Exkrement”, “Schlampe”, “Schweinchen”, “Abfall”,…) als auch die Methode (Drohung mit Gewalt, Einschüchterung) als auch die dezidiert anti-westliche Ideologie ist nazi-like.

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Dienstag, 8. Januar 2008

Donnerwetter und Hagelstange: Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker versammelt auf dem Erbacher Friedhof - Wenn die Provinz sich bläht

von @ 6:46. Kategorien: Musik, Video, Literatur, Menschen, Politik, Presse

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Wer es vergessen haben sollte: Der langjährige SPD-Vorsitzende und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt war von 1969 bis 1974 Bundeskanzler, sein Nachfolger Helmut Schmidt regierte die Bundesrepublik bis 1982, Helmut Kohl übernahm sein Zepter für die nächsten 16 Jahre, bis 1998. Richard von Weizsäcker war in der Zeit von 1984 bis 1994 Bundespräsident, Karl Carstens, sein Vorgänger, war es von 1979 bis 1984.
Sie alle hatten sich im August 1984 auf dem kleinen Friedhof in der kleinen Kreisstadt Erbach im Odenwald versammelt (Kohl übrigens als amtierender Bundeskanzler und von Weizsäcker als amtierender Bundespräsident).
Außerdem kamen zahlreiche weitere Prominente, etwa der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll und der damalige “Kirchenpräsident” Helmut Hild.
Was für ein Tag, was für ein Anlass, was für ein Ort - und was für ein Blödsinn!

Zu lesen war das am 3. Januar 2008 im bundesweit bekannten Zentralorgan für unfreiwilligen Humor, dem Odenwälder Echo. In einem absolut ernst gemeinten, ca. 300 Wörter umfassenden Artikel wurde der Hintergrund und der Anlass des historischen Gipfeltreffens auf Odenwälder Boden ausgebreitet. Ein “wortgewaltiger und zeitlose Orientierung gebender Dichter” war gestorben und wurde dort begraben, wo er und überhaupt der große Geist seit jeher ihre Wahlheimat hatten: Im Odenwald.
Kein Wunder also, dass sich hier, in der Kreisstadt Erbach die politische und künstlerische Elite Deutschlands ein historisches Stelldichein gab. Verabschieded wurde von seinen engen und höchsten Freunden der Schriftsteller Rudolf Hagelstange.
Da das Odenwälder Echo nicht nur eine hohe Kompetenz bei allem Historischen innehat, sondern auch für seinen investigativen Journalismus bekannt ist, für das Aufdecken von Affären, wundert es nicht, dass der historisch, literarisch und politisch kenntnisreiche Artikel über das Begräbnis von Rudolf Hagelstange auch einen unerhörten Skandal zur Sprache bringt. Man lese also dies:

>Dreizehn Jahre bis zu seinem Tod hat der Epiker, Lyriker, Essayist, Chronist und Journalist in Erbach gewohnt, ist aber heute selbst in der Stadtbücherei und im Buchhandel mit seinen Werken nicht vertreten.
Angesichts dieses Umstandes zeigten nicht nur die Referentin, sondern auch die Zuhörer eine gewisse Betroffenheit.<

In aller Bescheidenheit begann dieser Artikel also nicht mit der unerhörten Prominenz des Wahl-Erbachers, sondern mit dem erstmals erhörten völligen Versagen der Erbacher Stadtbücherei und des (nur lokalen?) Buchhandels.
Erst um dieses Versagen in seiner vollen Dimension verständlich zu machen, erwähnt der Artikel dann gewissermaßen en passant, wer hier so schmählich vergessen wurde und wer damals in stillem Schmerze angereist kam für das letzte Geleit. Ja, der damalige Bundeskanzler Kohl ließ sogar seine Amtsgeschäfte ruhen.
Aber zitieren wir doch direkt, warum sich eine “gewisse Betroffenheit” einstellen muss:

>Dies auch angesichts der vielen Prominenten, die zu dessen Begräbnis auf den Friedhof von Erbach kamen.
Nicht nur der Schriftsteller Heinrich Böll hatte sich dazu eingefunden. Unter den Trauergästen waren auch Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Carl Carstens, Richard von Weizsäcker und Kirchenpräsident Helmut Hild. Der Autor war Träger des Verdienstordens mit Stern der Bundesrepublik Deutschland gewesen.<

Der Verfasser dieses Artikels ist leider nur mit seinem Autorenkürzel benannt: “e“. Wahrscheinlich steht “e” redaktionsintern für “exzellent”.
In der Tat ist allein der unerhörte Fleiß des Autors exzellent. Nahezu jeden Tag bereichert “e” das Odenwälder Echo. Es hallt von ihm in allen Ecken des Odenwaldes. Er schreibt so exzellent, dass sich Chefredakteur Gerhard Grodenwald die Mühe redaktioneller Überarbeitung meist schenken kann.
“e” ist auch bescheiden, er bleibt gerne im Hintergrund und würdigt lieber die, von denen er schreibt. Hier, in dem gerade betrachteten Artikel, würdigt er die Referentin Inge Löw.

>Die Referentin Inge Löw zeichnete demnach engagiert, kenntnisreich und kompetent den Lebensweg Hagelstanges von Nordhausen bis nach Erbach nach.<

Bis hin zu seinem letzten Gang, möchte man hinzufügen, “kenntnisreich und kompetent” bis hin zu denen, die Hagelstange auf seinem letzten Weg begleiteten: Brandt, Schmidt, Kohl, Weizsäcker, Carstens, Böll … Gab es zum Gedenken auch Böller?

Hinzufügen muss man, dass “e“, der Hauptautor und -akteur des Odenwälder Echo, nicht nur “kenntnisreich und kompetent” über andere “Kenntnisreiche und Kompetente” berichten kann, immer höflich im Hintergrund, er ist auch ungemein geduldig.
Der Event, über den er am 3. Januar 2008 im Ächo berichtete, lag da schon fast 3 Wochen zurück.
Die Literarische Teestunde in der Frauenwerkstatt der Evangelischen Kirchengemeinde von Erbach im Odenwald hatte nämlich stattgefunden am Freitag dem 14. (Dezember 2007).
(Leider wurde im Ächo-Artikel der genaue Termin nicht genannt. Es hieß dort nur: “War Rudolf Hagelstange ein verhinderter Seelsorger oder ist er ein vergessener Dichter? Dieser Frage ging dieser Tage in einer literarischen Teestunde, initiiert von der Religionspädagogin Hanne Aulich, ein interessierter Kreis im evangelischen Gemeindehaus nach.” Die Hervorhebungen sind wieder von uns).
Warum waren “e” und sein Redakteur Grünewald so geduldig und ließen sich für den Abdruck der Geschichte fast 3 Wochen Zeit?

Der Grund liegt natürlich in der besonderen Sorgfalt, die ein Bericht über ein so herausgehobenes Odenwälder Ereignis erfordert. Wann schon versammelt sich die gesamte politische Elite in Erbach?
Da muss sorgfältig recherchiert werden, das kostet Zeit, da sind 3 Wochen fast nichts.

Um so erstaunter, nein, umso enttäuschter ist man, wenn man heute dieses Demenzi im Ächo liest:

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>So groß die Hochachtung in Politik, Literatur und Gesellschaft für Rudolf Hagelstange (1912 - 1984) auch gewesen ist – bei der Beerdigung des zuletzt 13 Jahre in Erbach ansässigen Schriftstellers war die Prominenz bei weitem nicht in der Vielzahl und Stärke vertreten, wie der ECHO-Bericht über einen Erinnerungsabend der evangelischen Kirche falsch besagt hat (Ausgabe vom 3. Januar: „In Wahlheimat fast vergessen“).
Bei der wiedergegebenen Liste von Persönlichkeiten handelt es sich nämlich nicht um die der Trauergäste bei der Beerdigung, sondern um jene aller Kondolenzen, also auch der per Brief übermittelten Beileids- und Anerkennungsbekundungen.
Für die Fehlinterpretation bittet die Redaktion um Entschuldigung.<

Unterschrieben ist dieses Demenzi von Gerhard Grodenwald alias “gg”. Warum? Warum, möchte man ihn fragen, warum verdirbt er uns den Spaß?
Ist es nicht besser, an Gott zu glauben als an gar nichts, das fragte kompetent und kenntnisreich schon Blaise Pascal in seinen Pensées.
Und ist es für einen Odenwälder nicht auch besser, an ein politisches und spirituelles Mega-Gipfeltreffen im Odenwald zu glauben als an keines?
Wann ist man je wieder so bedeutsam?
Warum also verdirbt Gerhard Grodenwald seinen treuen Lesern den Spaß und den Glauben? Es geht, das sagt er doch auch, nicht um falsche Fakten, sondern nur um eine Fehlinterpretation.
(Unklar bleibt dabei freilich, wer was falsch interpretierte. Haben die Leser die falschen Fakten im Bericht - das “falsch besagte” also - falsch oder richtig interpretiert?)
Jedenfalls sollte Gerhard Grodewald seine Leser die Geschichte doch weiter nach eigenem Gusto interpretieren lassen.
Wir wollen, weil es so schön und so traurig ist, weiterhin daran glauben, dass es nach dem Hambacher Fest (1832, westlicher Odenwald) und der Frankfurter Nationalversammlung (1848-1849, nördlicher Odenwald) nur noch ein weiteres, vergleichbares Zusammentreffen der demokratischen, republikanischen Repräsentaten Deutschlands gab: Auf dem Friedhof in Erbach (1984, zentraler Odenwald).
Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten!
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Das Demenzi von Gerhard Grodenwald (der nebenbei aus Karl Carstens undemenziert Carl Carstens machte) sollte nicht vergessen machen, dass seine Redaktion sich ganz im Sinne von Dr. Bernd Graff (Süddeutsche Zeitung) als eine Instanz des printigen Qualitätsjournalismus begreift.

Diese selbstbewusste Haltung demonstrierte wenige Tage vor dem Hagelstange-Artikel Grodenwalds Stellvertreter Elmar Streun.
Der berichtete am 29. 12. 2007: “Wenn eine Behörde sich um Kinder kümmert - Jugendamt trennt drei Tage vor Weihnachten eine Pflegefamilie in Höllerbach von ihren Zöglingen“.
Kein Spaß und keine Ironie, wohlgemerkt. Ein Titel, der absolut ernst gemeint war. Im Ächo, das sich irgendwo noch immer als Odenwälder Amtsblatt begreift, würde man nur im äußersten Notfalle Kritik an einem örtlichen Amt üben.
Eine sublime Kritik äußert Elmar Streun daher nur an einem anderen Odenwälder Pressedienst, dem von ihm zu Beginn erwähnten Pressedienst Hörnlein.

BildDer wird von ihm später - leicht verklausuliert - als “unbedarfter Beobachter” etikettiert, weil aus dessen (bereits publizierter) Sicht das behördliche Vorgehen “nicht richtig” war.
Nun ist aber keiner unbedarft, nur weil er etwas für falsch hält. Er ist es nur dann, wenn er dafür keine guten Gründe hat.

Es könnte sich bei Streuns Artikel um so etwas wie eine konzertierte Aktion gehandelt haben, denn genau einen Tag zuvor hatte das Odenwälder Landratsamt dem kritisch berichtenden Pressedienst vorgehalten:

>Die …Vorwürfe gegen die Behörde erweisen sich bei einer an der Wahrhaftigkeit orientierten Betrachtung des Sachverhalts als unzutreffend.<

Was heißen sollte, dass der (vom Landratsamt namentlich genannte) Pressedienst nicht an Wahrhaftigkeit orientiert sei.
Zur Erinnerung: Vom heimischen Computer einer Abteilungsleiterin in Horst Schnurs Odenwälder Landratsamt waren vor einiger Zeit unter dem Pseudonym “Micky” Lobeshymnen zur Arbeit eben dieser Abteilung abgesandt worden. Als Kommentar für die Odenwald Geschichten.
Als unschlagbares Beispiel “einer an der Wahrhaftigkeit orientierten Betrachtung des Sachverhalts”.
Viele lachten über die Geschichte, die Frankfurter Rundschau berichtete darüber, das Odenwälder Ächo berichtete darüber nie - es berichtet lieber, als “bedarfter Beobachter” über die in Erbach versammelten Trauergäste Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker und Heinrich Böll.

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Samstag, 5. Januar 2008

Nationalität: Arschloch - Wie Schockwellenreiter Jörg Kantel pöbelnden “Jung-Machos” begegnete

von @ 2:30. Kategorien: Gesellschaft, Politik

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“Schockwellenreiter” Jörg Kantel, einer der bekanntesten deutschen Blogger, will sich weder seinen Kiez noch seinen Marx kaputtmachen lassen.
Letzteren zitiert er in unregelmäßigen Abständen, offenbar überzeugt davon, dass der vor 190 Jahren in Trier geborene Philosoph auch im Zeitalter des Internet richtige Antworten auf zentrale gesellschaftspolitische Fragen zu geben weiß. Auch der Umstand, dass sich ausgerechnet repressivste Regime immer wieder auf Marx berufen, lässt Kantel an seinen Überzeugungen nicht irre werden - so wenig wie die von ihm häufig referenzierte (marxistische) Zeitschrift “Junge Welt“, die auf ihrer Website als Gründungsdatum das nicht mehr ganz junge Datum 1947 angibt -damals nannte sie sich im Untertitel „Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend“.
So treu wie Marx bleibt Kantel auch seiner Ehefrau Gabi und seinem Berliner Kiez Neukölln, dem er im April 2006 in der Hamburger ZEIT einen Liebesbrief widmete. Nicht ganz, aber doch teilweise schreibt er da gegen das üble Image des Stadteils an.

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>Ich lebe auf dem Rollberg im Norden Neuköllns, dort wo Neukölln angeblich am prolligsten ist, dort wo der Spiegel und andere Medien gerne die »Bronx von Berlin« verorten.
Ich lebe gerne hier
. Warum? Vielleicht zum einen, weil es mir das Gefühl gibt, etwas Besonderes zu sein.
Wenn ich zum Beispiel am frühen Vormittag die U-Bahnstation »Rathaus Neukölln« betrete und am Kiosk all die jungen Männer sehe, die dort ihr erstes Frühstück trinken, dann habe ich das Gefühl, der Einzige hier zu sein, der noch einer geregelten Arbeit nachgeht.[…]
Auch liebe ich den Neuköllner Norden, weil er so schön übersichtlich ist: Die Sonnenallee (das längere, nördliche Ende, nicht das Stückchen aus dem Kinofilm) ist fest in arabischer Hand, die Schriftzüge an den Läden sind für Mitteleuropäer nicht zu entziffern und aus den Läden dringt der süßliche Rauch der Wasserpfeifen. Erinnerungen an den letzten Urlaub in Marokko werden wach. Die Weisestraße gehört den letzten wahren Autonomen Berlins, die sich immer noch nicht vom Schweinesystem integrieren ließen und eisern ihre Kiezküche offen halten. Das Gebiet rund um die Hasenheide wird mehr und mehr von schwarzafrikanischen Geschäften erobert, die Hermannstraße ist in türkischer Hand.< Quelle: zeit.de, Liebesbrief an Neukölln , 04/2006 [Hervorhebungen und Links von uns]

Eine Begebenheit, die Kantel in seinem Liebesbrief für Neukölln außen vor ließ, hatte er wenige Monate zuvor, am 27. 12. 2005, in seinem Weblog geschildert. Die lakonische Überschrift des Artikels: “Arschlöcher“.
Er schreibt dort:

>Heute vormittag wurde ich am U-Bahnhof Boddinstraße von einem der allseits beliebten arabischen jungen Kraftprotze angepöbelt und mit Schläge bedroht, weil es ihm nicht paßte, daß ich dort am Kiosk — der von einem netten türkischen Paar geführt wird — meine Zeitung einkaufte. Da dies nicht das erste Mal ist, daß Gabi oder ich von einem dieser arabischen Jung-Machos in Neukölln angepöbelt wurden, muß ich wohl meine Einstellung zu Multikulti und Integrationspolitik ändern. Ich lasse mir jedenfalls durch diese Arschlöcher meinen Kiez nicht kaputtmachen .< [Hervorhebungen und Links von uns]

Deutlicher (und ganz anders klingend als kurz darauf in der ZEIT) wird Kantel im Kommentarbereich:

Bild>Habe ich eine Chance? Gabi will weg, lieber heute als morgen, weil sie dieses Klima nicht mehr erträgt. Und ich frage mich auch, ob ich 750 € Miete zahlen muß, um mich anpöbeln zu lassen…
Wir lieben eigentlich Neukölln, wir haben hier geheiratet. Aber das, was in den letzten Jahren mit diesem Kiez passiert ist, macht ein »multikulturelles« Zusammenleben eher unmöglich.
Und außerdem habe ich sowieso mehr und mehr den Eindruck, daß »Multikulturell« nur das verordnete Feigenblatt vor der Unfähigkeit und dem Nichtstun und dem Wegsehen der dazu eigentlich zuständigen staatlichen Stellen ist.<

An anderer Stelle schreibt er, wie er von dem “Kraftprotz” angepöbelt wurde, wie und warum er darauf reagierte:

>Ich wurde mit einem »Warum kaufen Du Arschloch da« empfangen.[…]
Wir haben eine Geschichte, in der schon einmal hirnlose Schläger vor Geschäften standen und jeden bedrohten, der bei »Juden« kaufen wollte. Ich möchte das jetzt nicht mit »Türken« (oder wen oder was auch immer) noch einmal erleben. Daher kann ich das nicht so einfach wegstecken. Ich habe Strafanzeige (gegen Unbekannt) gestellt — auch wenn das vermutlich nicht viel bringt…<

Interessant ist an diesen Kommentaren, wie sich zumeist linksalternativ eingestellte Leute mit einem Thema auseinandersetzen, das von der äußeren Rechten zum Schüren pauschaler Fremdenfeindlichkeit missbraucht wird.

So schreibt ein unerschütterlich tolerant eingestellter Ulrich:

>Neukölln war schon immer ein heißes Pflaster. Ich lebe, mit Unterbrechungen, mehr als zwanzig Jahre hier und mußte mir im Laufe der Jahre so ziemlich jede Form der Pöbelei gefallen lassen.
Allerdings gab es unter den Pöblern ziemlich viele Nationalitäten - auch Deutsche (ja,ja!). Und es sind ja nicht nur die Herren der Schöpfung. Auch die Mädchen schicken einem heutzutage ein herzhaftes “Wichser” oder “Arschloch” hinterher, wenn man sie darauf aufmerksam macht, daß sie ihren Scheißmüll gefälligst nicht auf der Straße entsorgen sollen.<

Ähnlich äußert sich Stefan:

>Meine Einstellung zu Multikulti wird durch solche Erlebnisse nicht mehr erschüttert, denn meine Erfahrung zeigt, dass es offensichtlich keinen Zusammenhang zwischen kultureller Zugehörigkeit und Idiotentum gibt. Über deutsche Idioten ärgere ich mich nämlich genauso wie über ihre Kollegen aus aller Welt. Also lasst uns lieber die Arschlöcher aller Nationalitäten irgendwohin verbannen.<
(Kantel antwortet darauf: “Mein Eindruck ist allerdings, daß man alle arabischen Idioten nach Neukölln verbannt hat. Und das stört mein Leben! Massiv! “)

Einer von Kantels Lesern verweist auf einen Artikel des (ebenfalls in Berlin wohnenden) Schriftstellers Peter Schneider in der WELT über “verschleppte Integration, ‘Ehrenmorde’ und moslemische Gegenwelten.”
Der erinnert daran, dass nach den Anschlägen vom 11. September aus den Hinterhöfen von Kreuzberg und Neukölln “Hunderte von Raketen … zur Feier des Attentats in den Himmel stiegen.” (”Es war kein großes Feuerwerk, eher ein schütteres, lückenhaftes Fest der Freude“)
Serap. Schneider schrieb weiter: “Damals, so erinnert sich Stefanie Vogelsang, die Baustadträtin von Berlin-Neukölln, fragten sich einheimische Anwohner zum ersten Mal, mit wem sie eigentlich zusammenlebten. Wie tickten diese Mitbürger moslemischen Glaubens eigentlich …?”
Schneider beschäftigt sich danach mit der Situation moslemischer Frauen und Mädchen in Deutschland.
Die Bücher von Serap Cileli, Seyran Ates und Necla Kelek hätten ihm einen “Alltag der Unterdrückung, Isolation, Gefangenschaft, Ausbeutung und brutaler körperlicher Züchtigung ” offenbart, für den, so Schneider, nur ein Name passe: “Sklaverei”.

An diesen schon etwas älteren Artikel von Kantel wird man erinnert, liest man nun von einer Studie, die vor allem für Berlin eine hohe Zahl gewaltbereiter, jugendlicher Migranten konstatiert.
Der SPIEGEL titulierte sie als “Isolierte Macho-Schläger“.
Wir zitieren nachfolgend aus diesem Artikel und der erwähnten Studie. Der dort mehrfach erwähnte Kriminologe Christian Pfeiffer sieht Rechtsextreme und gewalttätige Migranten als “zwei Seiten derselben Medaille“, als “Zwillinge im Geiste“.
Insoweit bestätigt er auch Kantels Kommentatoren, die “Arschlöcher” als multikulturelles bzw. transnationales Phänomen betrachten.

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>In Berlin ist der Anteil der gewalttätigen Einwandererjugendlichen besonders erschreckend: Hier sind 44,7 Prozent aller jungen Täter Migranten.
Ein Umstand, der auch Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch, große Sorgen macht.
Bereits im vergangenen Jahr sagte Glietsch im Interview mit SPIEGEL ONLINE, gerade junge Migranten machten “am meisten Sorgen, wenn es um die Zahl der Delikte, die Brutalität, die Gefährlichkeit, die Rücksichtslosigkeit des Vorgehens geht“. Jetzt erklärte der Polizeipräsident im Jahr 2007 sei die Jugendgewalt in der Hauptstadt abermals gestiegen.
Auch Kriminologe Pfeiffer beobachtet eine erschreckende Gewaltbereitschaft unter jungen Migranten. “Die Schere geht immer weiter auseinander.” Junge Einwanderer seien in der Gewaltstatistik erheblich auffälliger als Deutsche. In allen von seinem Institut untersuchten deutschen Städten gehe die Kriminalität unter deutschen Jugendlichen zurück, unter Migranten stagniere sie hingegen oder steige sogar.[…]
Vormoderne Vorstellungen von Männlichkeit, der Begriff der “Familienehre” und mangelndes Rechtsbewusstsein gehören der Studie zufolge laut “Tagesspiegel” ebenso zu den Gründen für Gewalt unter Migranten…
Kriminologe Pfeiffer macht vor allem die fehlende soziale Integration für die grassierende Gewalt unter Einwandererkindern verantwortlich. […]
Es sei notwendig, dass deutlich benannt werde, wenn Einwanderer Täter waren. Nicht um zu diskriminieren, sondern weil es bestimmte, oft kulturelle, Muster gebe, die immer wieder auftauchen und die auch bei der Bekämpfung von Gewalt helfen würden.
Und das nicht nur auf Seiten der oft perspektivlosen Einwandererkinder. Rechtsextreme und gewalttätige Migranten seien zwei Seiten derselben Medaille.Sie sind Zwillinge im Geiste“, sagt Pfeiffer. In Familien von Rechtsextremen oder gewalttätigen Migranten sei oft viel misshandelt worden, auch bei den rechtsradikalen Tätern gebe es starke Machokulturen. “Die Strukturen sind so ähnlich, dass es schon absurd ist, wie sie sich hassen.”< Quelle: spiegel.de, Jugendgewalt - Die isolierten Macho-Schläger , 2. 1. 2008 [Hervorhebungen und Links von uns]

Die Frauenrechtlerin Serap Cileli, deren Buch weiter oben eingeblendet wurde, bittet auf Ihrer Website um Verständnis, “dass aus Sicherheitsgründen die Meldeadresse und Telefonnummer nicht bekannt gegeben werden kann“.
Sie verweist dafür auf ihren Michelstädter Verleger Peter Jochen Bosse, in dessen Neuthor-Verlag ihr Buch “Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre” erstmals erschien.

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