Schade, die gestrige Meldung (s.u.) soll nur ein Aprilscherz ;-( gewesen sein.
Die Presseagentur -pdh- berichtigt ihre Meldung nun so.
>Sorry, das war nicht ganz richtig. Die südhessischen Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Odenwaldkreis sowie Darmstadt werden sich zunächst nicht zu einem Großkreis vereinigen.
Da haben wir der Zukunft zu schnell vorgegriffen zum 1. April 2008. Einmal im Jahr nehmen wir uns die Freiheit, etwas vorauszudenken. In Südhessen indes wird es auf absehbare Zeit auf engstem Gebiet bei vier Landräten, fünf Verwaltungen und entsprechenden Kosten bleiben. Das kleinteilige Denken bleibt uns allen erst einmal erhalten.<
>Erbach/Wiesbaden 1. April 2008 (pdh) Die hessischen Kreisstrukturen werden sich in den nächsten Jahren drastisch verändern. Die Entscheidung für eine Kreisstrukturreform wird in den nächsten Monaten in Wiesbaden fallen, wenn sich erneut die Regionalversammlung Südhessen einschließlich des Haupt- und Planungsausschusses trifft. Zuletzt hatte sich die Regionalkonferenz am 11. November 2007 um 11.00h zusammengefunden, um die Entscheidung vorzubereiten.
In ihr arbeiten seit Mai 2000 die direkt gewählten Bürgermeister, Landräte und Oberbürgermeister des Rhein-Main-Gebietes auf freiwilliger Grundlage zur Stärkung der kommunalen Zusammenarbeit im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main zusammen. Dies in einer weiter gefassten Region, die von Limburg-Weilburg bis zum Kreis Bergstraße sowie von Mainz bis Aschaffenburg reicht. Als Zeitpunkt für die neuerliche Gebietsreform haben die Verantwortlichen in den Kreisen und Darmstadt den 1. April 2011 vorgesehen.
Gegen den erbitterten Widerstand des Odenwälder Landrats Horst Schnur, der im kommenden Jahr sein Amt aufgibt, wurde unter anderem der Zusammenschluss der Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Odenwaldkreis als Vorschlagsgrundlage ausgearbeitet. Die Stadt Darmstadt wird dem Zusammenschluss ebenfalls beitreten und hofft auf den Zuschlag für den Sitz der Verwaltung des neuen Ballungsraumes. Als Vorbild für das neue politische Gebilde gilt die Region Rhein-Neckar oder Metropolregion Rhein-Neckar, ein Verdichtungsraum und zugleich eine Planungsregion rund um das Dreiländereck Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Der mit 2,4 Mio. Einwohnern siebtgrößte Wirtschaftsraum Deutschlands zählt seit 28. April 2005 zu den europäischen Metropolregionen. Die Landräte erwarten von dem Zusammenschluss eine drastische Reduzierung der Verwaltungskosten durch Zusammenlegung der Verwaltungsstrukturen sowie eine deutliche Effizienzsteigerung. Zusammenlegungsbedingte Kündigungen sollen in den Landratsämtern und den nachgeordneten Behörden nicht ausgesprochen werden. Ministerpräsident Roland Koch begrüßte die Entscheidung, die schon lange diskutierte Zusammenlegung der Landkreise nun zu forcieren.
Rat der Regionen
Ein zu gründender „Rat der Regionen“ ist als kommunales Gremium für den gesamten Ballungsraum vorgesehen. Er soll die einzelnen Interessen innerhalb dieses Raumes sinnvoll zusammenführen, für eine geordnete Aufgabenwahrnehmung und Entwicklung sorgen. Nach außen wirkt er auf eine gemeinsames Erscheinungsbild hin und beteiligt außerhalb des Ballungsraumes gelegene Kommunen und deren Zusammenschlüsse, soweit es zu Ballungsraum überschreitenden Auswirkungen der kommunalen Zusammenarbeit kommt. < Bild und Text: -pdh-[Hervorhebungen von uns]
Das pdh-Bild zeigt von links nach rechts die auffällig krawattierten Landräte Horst Schnur (Odenwaldkreis), Alfred Jakoubek (Darmstadt-Dieburg), Enno Siehr (Groß-Gerau) und Matthias Wilkes (Bergstraße) sowie Ministerpräsident Roland Koch in Balzpose.
So schnell kommt das: Nicht der Transrapid, sondern sein Ende.
Lesenswert, was Susanne Amann und Corinna Kreiler heute in Spiegel-Online schreiben:
>Die schönste Erfindung, seit es Subventionen gibt: Dass der Transrapid in Deutschland nie wirklich fahren wird, war schon lange klar. Dass der Staat trotzdem Milliarden für die Entwicklung, Planung und immer neue Machbarkeitsstudien ausgegeben hat, spricht nur für eins: verfehlte Industriepolitik.
“Damit hat sich das Thema leider erledigt”, kommentierte Bayerns CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein erstaunlich lapidar wie die Illusion vom deutschen Exportschlager, der Mythos deutscher Ingenieurskunst scheiterte. Und zwar ausgerechnet an dem, was schon immer fehlte: am Geld. Kurzerhand hatte die Industrie den Preis für die 40 Kilometer lange Strecke zwischen dem Münchner Flughafen und dem Hauptbahnhof von 1,85 Milliarden Euro auf 3,4 Milliarden Euro nahezu verdoppelt - und damit den sofortigen Stopp des Projekts durch die Bundesregierung quasi provoziert. […]
Von den geschätzten 1,5 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung, für Machbarkeitsstudien und Planungen haben Bund und Länder insgesamt 1,2 Milliarden gezahlt.[…]
Allein zwischen 1969 und 1979 flossen 370 Millionen Mark in die Transrapid-Forschung, auf Betreiben der Industrie finanzierte die Bundesregierung auch die Teststrecke im Emsland, die 1984 eröffnet wurde. Und selbst 1994, als die Kritik von Fachleuten schon nicht mehr zu überhören war, beschloss das damalige Kabinett, eine Referenzstrecke für den Transrapid zwischen Berlin und Hamburg zu bauen. Die sollte irgendwann fünf Milliarden Euro kosten - und wurde genau deswegen nie verwirklicht.[…]Dass sich Kritiker des Hochgeschwindigkeitszuges jetzt hämisch über das Aus freuen, hält Röhl aber für ungerecht: “Beim Transrapid wurde einfach immer genauer hingeschaut als bei anderen Projekten, für die der Staat Geld gibt.” So werde auch die Schnellstrecke der Bahn zwischen Berlin, Nürnberg und München über zehn Milliarden Euro kosten, die der Bund zu großen Teilen trage. “Aber da fragt niemand nach den Kosten.”< Quelle: spiegel.de; Transrapid: Vom Mythos zum Milliardengrab; 27. 3. 2008

Es war ein bizarrer medizinisch-pathologischer Fall, der kürzlich weltweit Schlagzeilen machte: Im US-Bundesstaat Kansas saß eine Frau zwei Jahre lang pausenlos auf der Toilette ihres Freundes, dabei war ihre Haut schließlich mit der Klobrille verwachsen.
Nun scheint es, dass dieser Fall wohl doch nicht ganz einzigartig ist.
Aus einem empathischen Bericht des Odenwälder Echo ist zu entnehmen, dass die ungewöhnlich lange Amtszeit des hiesigen Landrats (17 Jahre!) ebenfalls zu einer “Verwachsung” (mit seinem Amtssessel) geführt haben muss.
Es werden zwar keine medizinischen Details genannt, aus Andeutungen und bildlichen Vergleichen geht jedoch zweifelsfrei hervor, dass die “Verwachsungen” ernster Natur sind und offenbar ärztlichen Einsatz verlangen.
Bei dem Betroffenen handelt es sich um Horst Schnur (66), die Ärztin, die die schwierige Ablösung vornehmen soll, ist Dr. Erika Ober.
Unklar ist noch, ob Schnur mitsamt seines Amtssessels aus dem Landratsamt getragen werden muss, ob also der finale Eingriff im Hause erfolgen kann oder in den Praxisräumen von Ober.
Um den alten Mann zu schonen, soll die Ablösung jedenfalls in einem monatelangen Prozess Schritt für Schritt vorgenommen werden.
Durch eine noch nicht lange zurückliegende Hirnhautentzündung, die bereits zu partiellen Lähmungserscheinungen geführt hatte, ist bei dem 66-Jährigen besondere Sorgfalt geboten.
Man wird sehen müssen, ob er sich - befreit vom Amtssessel - zukünftig mühe- und schmerzlos bewegen kann.
Abschließend einige wörtliche Zitate aus dem einfühlsamen Bericht von (Parteifreundin?) Birgit Reuther. Möge der Leser entscheiden, ob er von uns richtig interpretiert wurde.
>Lange Zeit war unklar, mit welchem Steuermann die Odenwälder SPD bei ihrer Fahrt Richtung Landrats-Direktwahl 2009 in See stechen will. Das Schiff Odenwaldkreis, sorgsam in Schuss gehalten nicht nur von den Matrosen der SPD, schipperte langsam, aber stetig seinem Ziel entgegen: dem modernen ländlichen Raum, der Wirtschaftskraft und Lebensqualität vereint. Amtsinhaber Horst Schnur – bis auf eine Auszeit wegen Krankheit – fast verwachsen mit der Kommandobrücke, eine Mannschaft, auf die Verlass ist. […]
Nun nimmt die Partei Kurs auf, zeigt Flagge – und Mut in einer ländlich geprägten Region: Eine Frau soll ans Steuer. Die Michelstädter Gynäkologin Erika Ober, Quereinsteigerin in die Politik, soll den Odenwald weiter voran bringen. Im traditionell rot dominierten Odenwaldkreis hat die resolute Frau damit die Chance, die erste Landrätin in Hessen zu werden. […]Eine Zäsur bedeutet die dann schon dritte Landrats-Direktwahl im Odenwaldkreis in jedem Fall: Nach drei Amtszeiten wird Schnur die Altersgrenze erreicht haben, weshalb eine weitere Bewerbung nicht in Frage kam. Der mit der Region fest verwurzelte Steuermann hat sich in diesen Jahren als sachkundiger Gestalter und Fürsprecher des Odenwaldes einen beachtlichen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad erworben, auch über die Kreisgrenzen hinaus. Die Politik der Sozialdemokraten im Odenwaldkreis und des Landkreises selbst wird in weiten Teilen mit ihm gleichgesetzt.
Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger wird also einerseits an der fast sprichwörtlichen Umtriebigkeit des Olfeners gemessen werden. Darüber hinaus haftet Schnur ein gewisses Charisma – gepaart mit charmanter Dickköpfigkeit – an, was ein Steuermann gleichfalls braucht, um sich nicht vom Kurs abbringen zu lassen.Mit den Stärken des Kapitäns ließ es sich also lange Zeit gut leben für die Odenwälder SPD.
Inzwischen ist die See rauer geworden.< [Text: Odenwälder Echo, Wechsel auf der Brücke, 22. 3. 2008, Bild: villiard.com, Links und Hervorhebungen von uns]
Gerüchteweise soll nicht nur der Große Steuermann des Odenwaldkreises von den erwähnten Verwachsungen betroffen sein, auch der Hessische Ministerpräsident Roland Koch soll ebenfalls in besorgniserregender Weise an seinem Amtsstuhl kleben.

Wahrscheinlich war man auch in der Odenwälder SPD von der schnieken (Ex-) CSU-Rebellin Gabriele Pauli so angetan, dass man sich einstimming (in Gestalt von Erika Ober) zur promovierten Nachahmung entschloss:
Die 57 Jahre alte Gynäkologin soll die Nachfolge von Landrat Horst Schnur antreten.
Dass dies auch geschehen wird, ist - unabhängig vom Votum der Odenwälder Bürger - so sicher wie die Wahl von Dmitri Anatoljewitsch Medwedew zum neuen Präsidenten Russlands.
Jetzt müsste die Michelstädter Ärztin erstens einige provokante Thesen verkünden und zweitens sich wie Pauli in lasziven Posen abbilden lassen: schon würde durch sie der Odenwaldkreis bundesweit so bekannt werden, wie zuvor der Landkreis Fürth durch die schöne Gabriele breite Bekanntheit gewann.
Wir nennen hier schon einmal die richtige Adresse für ein Fotoshooting: www.parkavenue.de.
Um Horst Schnur wird man sich freilich sorgen wüssen, zumal er anders als Wladimir Wladimirowitsch Putin nach Ablauf seiner ewigen Amtszeit wahrscheinlich nicht weiter Strippen ziehen kann.
Wie soll es der Kartoffelkönig nur aushalten, zukünftig machtlos zu sein? Deswegen nennen wir auch ihm eine Adresse, für den Fall, dass sich schwere (Macht-) Entzugssymptome einstellen sollten: www.hochgrat-klinik.de.
Dort könnte er notfalls seinen jahrelangen “Höhenrausch” auskurieren. Auf ihrer Homepage verspricht die Klinik:
“Porta Patet Magis Cor - Die Tür steht offen, mehr noch das Herz”
Als Indikationen werden u.a. genannt:
Andererseits: Die Wikipedia (!) erzählt uns nun über den “deutschen Kommunalpolitiker” Horst Schnur, er habe “Pädagogik, Politik, Geschichte, Mathematik und Kunst” (!!) studiert.
Daher könnte es sein, dass der gelernte Realschullehrer nach 18 Jahren landrätlicher Macht sich zukünftig akademischen Studien widmet, so könnte er z.B. in Geschichte, Mathematik oder Kunst (oder in allem) promovieren und wäre insoweit wieder vollauf beschäftigt.
Nachstehend der aktuelle Bericht der Presseagentur -pdh-:
>Odenwaldkreis (pdh) Zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juni des kommenden Jahres wird im Odenwaldkreis ein neuer Landrat oder eine neue Landrätin gewählt. Die SPD des Landkreises ist am Mittwoch (19.) als erste der politischen Parteien mit ihrem Kandidatenvorschlag an die Öffentlichkeit gegangen. In einer Pressekonferenz stellte sie die 57jährige Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und ehemalige Bundestagsabgeordnete Dr. Erika Ober für die Landratswahl im Jahr 2009 vor.
Seit 1988 ist die Ärztin und Politikerin Mitglied der SPD und vertrat den Odenwaldkreis, Darmstadt-Dieburg und den Landkreis Offenbach von 2002 bis 2005 für ihre Partei im Deutschen Bundestag. Im Jahr 2005 verlor sie ihr Direktmandat gegen die Christdemokratin Patricia Lips, gegen die sie es vier Jahre zuvor errungen hatte. Seither wirkt sie im Odenwälder Kreistag und Kreisausschuss.
Durch ihre politische Arbeit, so der Landtagsabgeordnete Dr. Michael Reuter, sei Ober prädestiniert für die Aufgabe als Landrätin. Sie habe in ihrer Laufbahn bewiesen, dass sie politisch denke und handele. Ihr Bundestagsmandat habe sie auch nicht im Odenwaldkreis, sondern in den angrenzenden nördlichen Wahlkreisen verloren.
Sie sehe sich mit der Region und den Menschen eng verbunden, sei mit dem halben Odenwald verwandt und möchte in den nicht besser werden Zeiten den Odenwald gut vertreten, sagte Dr. Erika Ober.
Parteifreund Horst Schnur habe eine breite Spur hinterlassen, seine Fußstapfen auszufüllen werde ihr mangels Masse nicht gelingen, aber sie werde mit ihrem ausgeprägten Gestaltungswillen sowohl Bewährtes fortführen als auch eigene Wege beschreiten. Ihre Entscheidung zur Kandidatur habe sie sich nicht leicht gemacht, durch die große Zustimmung in der Partei sehe sie sich aber bestätigt. Auch in der Bevölkerung verspüre sie eine breite Akzeptanz.Vordringliche Ziele Obers sind die Erhaltung des eigenständigen Odenwaldkreises, der nicht zwischen den Metropolregionen zermahlen werden soll, Erhaltung des regionalen sozialen Netzes, des Optionsmodells zur Betreuung der Langzeitarbeitslosen und Sozialhilfeempfänger sowie des Gesundheitszentrums. Auch dem regionalen Tourismus, der erneuerbaren Energie, Infrastruktur und der Schulpolitik wird Erika Ober ihre besondere Aufmerksamkeit widmen.
Ein Kreisparteitag der Partei am 8. Mai 2008 in Erbach soll endgültig über die Kandidatur von Erika Ober entscheiden, jedoch ist nach dem eindeutigen Votum der Kreistagsfraktion in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand des Unterbezirks des Kreises keine Überraschung zu erwarten.
Für Bündnis 90/Die Grünen trat im Jahr 2003 Claire Labigne zur letzten Landratswahl an. Zurzeit befinden sich die Grünen im Odenwald nach eigenen Angaben noch in der Diskussionsphase, wer für die Partei zur Landratswahl antreten soll.
Die CDU wird sich nach Auskunft ihrer Vorsitzenden Judith Lannert nicht vor der Sommerpause erklären, wen sie aus ihrer Partei zum Landrat gewählt sehen möchte. Oder zur Landrätin.< Bild und Text: -pdh- [Links und Hervorhebungen von uns]
Bislang konnte man davon ausgehen, dass besonders miserable Artikel im Odenwälder Echo vom Chef persönlich verfasst wurden.
Schon Ende Januar fand sich dort ein Text, der beim ersten Lesen den Grünewald-Lackmustest bestand. Journalistisch gesehen kompletter Schwachsinn, der sich bereits im Titel ankündigt: “Wissenschaft soll ungedachte Gedanken haben“.
(Wie muss man sich das vorstellen: Eine Wissenschaft, die “ungedachte Gedanken” hat? Ist das nicht ein komplettes Paradoxon, so wie ein Etwas, das nichts sein soll?
Bereits eine Wissenschaft, die gedachte Gedanken “hat”, erscheint merkwürdig.
Wissenschaft nämlich “hat” nichts, sie ist: nicht abgeschlossen, sondern offen und lebendig: weil sich auch ihr Gegenstand wandelt oder entfaltet und immer neue Frage aufwirft, die neue Antworten verlangen.
Allenfalls “hat” also ein Wissenschaftler Gedanken, das ist auch das Allermindeste, was er haben sollte. Gedanken hat schließlich selbst ein Dummkopf, dumme Gedanken etwa, oder “ungedachte Gedanken”.)
Man erwartet jedenfalls am Ende des Artikel das vertraute Kürzel “gg”.
Welche Überraschung, als man dort statt dessen ein neues, bislang nicht gesehenes bzw. nicht beachtetes Autorenkürzel liest: mil.
Arbeiten nun auch die Macher des Erbacher Käseblatts mit multiplen “nicks”? Hat man sich womöglich etwas in unserem gelegentlich von nicks und fakes überschwemmten Kommentarbereich abgeschaut? Ist mil = gg?
Wir wollen das nicht glauben. Schließlich wird - anders als in ordinären Blogs - bei Kollege Print Qualitätsjournalismus praktiziert, auch wenn die Qualität gelegentlich nach Käse schmeckt und duftet.
Also mil ist ein anderer, gg hat ihn nur redigiert und den wortreichen Unsinn drucken lassen.
Der Artikel will über einen Vortrag von Prof. Dr. Hanns H. Seidler berichten.
Der im November letzten Jahres in den Ruhestand verabschiedete Ex-Kanzler der TU Darmstadt hatte am 24. Januar im Historischen Michelstädter Rathaus “Bemerkungen zum neuen Hochschulrecht und zur akademischen Freiheit” vorgetragen.
Veranstalter war die Odenwald Akademie. Den Titel des Vortrags erfährt man von “mil” übrigens an keiner Stelle. Und es wimmelt nur so von falsch wiedergegebenen Fakten.
Aus dem Ex-Kanzler Seidler wird etwa in der Überschrift der (Noch-) “Kanzler der TU Darmstadt, dann heißt es am Ende des ersten Absatzes er sei “bis 2006 Kanzler” gewesen. Tatsächlich schied er zum 15. 11. 2007 aus.
Ebenfalls am Ende des ersten Absatz erfährt man, dass Seidler “promovierter Jurist” ist. Doch schon im nächsten mil-Satz verwandelt er sich ohne weitere Erklärung in einen “Volkswirt“.
(Der die TU-Autonomie lobenswert einstuft oder, so war das wohl gemeint, “als lobenswert” einstuft.)
Da fehlt nur noch, dass auch der Name falsch geschrieben wurde. Tatsächlich wird aus dem seltenen Hanns mit doppeltem “n” ein ordinärer Hans mit einfachem “n”. Dafür ist der einfache Hans immerhin mutig, er “wagte” nämlich “eine Einschätzung zu diesem Zwiespalt“).
mil beginnt seinen für Käseblatt-Verhältnisse ziemlich langen Artikel mit einer immerhin interessanten Information.
Die berühmte amerikanische Stanford University ziert sich mit einem in deutscher Sprache geschriebenen Motto: “Die Luft der Freiheit weht.”
Im O-Echo wird daraus, falsch zitiert, “Der Wind der Freiheit weht“. Inhaltlich kein gravierender Unterschied.
Dennoch: Schon der erste mil-Satz und darin das zweite Wort ist falsch bzw. falsch zitiert. (In diesem Fall wurde aber nicht Seidler falsch zitiert, er selbst ließ aus Luft Wind werden. )
Für den Leser bedeutet dies, er kann sich bei diesem Bericht auf nahezu nichts verlassen. Alles kann falsch sein: Namen, Datum und Daten, Zitate und natürlich Aussagen.
Viele der Aussagen sind Realsatire pur. Man muss sie nur wortgetreu zitieren und schon juckt das Zwerchfell:
>In einer Zeit, in der gesellschaftliche Erfolge, aber auch kulturelle Errungenschaften vorwiegend nach dem geltenden Prinzip der Wirtschaftlichkeit gemessen werden und lediglich Konkurrenz allenthalben das Geschäft zu beleben scheint, ist es allerdings nicht verwunderlich, dass Kosten- und Leistungsnachweise, samt deren Zwängen, auch durch die Tore der Universitäten drängen.<
(Sind es vielleicht nicht “Zwänge”, sondern geistige “Zwerge”, die “durch die Tore der Universitäten drängen“?)
>Gefragt sei nicht die optimale Anpassung an den Windkanal des Zeitgeistes, sondern einen solchen herzustellen. Man müsse auch die ungedachten Gedanken denken dürfen.<
Man kann dem komplett überforderten mil (und dem ihn wohl redigierenden gg) nur eines zugute halten: Auch die offizielle Ankündigung des Vortrags (nachzulesen u.a. auf odenwald-akademie.de) klingt streckenweise reichlich nebulös, um nicht zu sagen “ungedacht”:
>Der Vortrag befasst sich mit der Entwicklung des Hochschulrechts seit der Studentenrevolte bis heute. Es wird angezeigt, wie die Veränderungen, generiert durch die 68er, staatliche Normproduktion in Gang setzten und schließlich in der Wissenschaft die Herrschaft des Rechts und Macht der Bürokratie etablierten.
Anschließend soll dargestellt werden, wie insbesondere in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem Einfluss des New Public Managements und dem Ziel, eine Entbürokratisierung der Wissenschaftslandschaft herbeizuführen, neue Ideen im Wissenschaftsrecht Einlass fanden: Es geht um das Thema Deregulierung, individuelle und institutionelle Autonomie und die Fragen der zunehmenden Ökonomisierung des Wissenschaftssystems. Diese Entwicklungen sollen geschildert und bewertet und weiterhin gefragt werden, welche Voraussetzungen zukünftig an ein wissenschafts-adäquates Wissenschaftsrecht zu stellen sind.<
Zuletzt ein Trost: Seidlers Vortrag kann man sich via Web (auf odenwald-akademie.de) noch nachträglich anhören, scheinbar in voller Länge. So wird hörbar, dass mitunter auch schon Seidlers O-Ton schräg scheppert.

Alles wieder paletti, Frau Ypsilanti? (Bild: -pdh-)So macht man von sich reden. Dagmar Metzger, auf Bundesebene bislang politisch kein Begriff, vereitelt ein wohl als Pilotprojekt begriffenes, erstes Zusammengehen von SPD und LINKE.
Die Darmstädter SPD-Landtagsabgeordnete hatte angekündigt, dass sie ihre Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti nicht zur hessischen Ministerpräsidentin wählen wolle. Sie könne ihr vor der Wahl gegebenes Versprechen, mit Lafontaines LINKE nicht zu kooperieren, nicht brechen.
Ypsilanti, die sich mit den Stimmen der LINKEN zur Ministerpräsidentin wählen lassen wollte, hat ihre Kandidatur inzwischen zurückgezogen.
Für den Spiegel ist nun “Ypsilanti am Ende” und “Beck in Erklärungsnot”. So sehr, dass er auch seine Pläne zur Kanzlerkandidatur - so er sie denn hatte - begraben kann.
Kurt Beck, dessen Format laut Oskar Lafontaine dem eines “Dorfbürgermeisters” gleiche, brach zuletzt aufgrund seines linken Schwenk bei Meinungsumfragen brachial ein.
Wer ist nun “die Frau, die Ypsilanti in die Krise stürzt” - und den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck gleich mit?
Metzgers Website ist derzeit nicht aufrufbar. Man erhält da nur die Meldung “Forbitten”.
Mehr ist derzeit in dem ihr gewidmeten Wikipedia-Eintrag zu finden. Dort kam es in den letzten 2 Tagen unter den Autoren zu hektischen Aktionen und Diskussionen.
Mit Sympathie schreibt die FAZ über Metzger:
>Das Selbstbewusstsein, mit dem die Novizin auftritt, beruht in ihrer Heimatstadt Darmstadt auf einer breiten Basis.
Der Name Metzger war hier jahrzehntelang politisches Programm, begründet vom ersten Nachkriegsoberbürgermeister Ludwig Metzger, der später auch als Minister im Kabinett Zinn diente und danach in den Bundestag einzog.
Sein Sohn Günther Metzger, Jurist wie der Vater, nahm den umgekehrten Weg vom Bundestag in das Amt des Darmstädter Oberbürgermeisters.
Beide zeichneten sich durch Beharrlichkeit, Strenge, Eigensinn und politische Angriffslust aus; bei Günther Metzger reichte diese weit über sein Ausscheiden aus dem Amt hinaus.
Seine Schwiegertochter Dagmar Metzger fügte sich vergleichsweise geschmeidig in die Darmstädter Kommunalpolitik ein.< [Links und Hervorhebungen von uns]
“Entscheidercoach” und Blogger Kai-Jürgen Lietz analysiert Dagmar Metzgers Veto - und erhebt sie zur “Johanna von Darmstadt”:
>Mit ihrer Entscheidung hat sie ganz sicher nicht nur zahlreichen Genossen in Hessen vor den Kopf geschlagen, sondern auch dem Bundesvorsitzenden der Partei gegen die Bettpfanne getreten. Beschönigend könnte man meinen, dass Sie sich damit wohl keine Freunde gemacht hat.[…]
Ohne Zweifel gibt es in der SPD-Fraktion noch weitere Abgeordnete, die sich mit Ypsilantis Entscheidung unwohl gefühlt haben, allen voran Jürgen Walter. Der nun durfte nicht zum Königsmörder werden, weil er selbst Aspirant auf den Thron war und vielleicht auch wieder ist. Da trifft es sich gut, dass eine so integere Persönlichkeit, wie Dagmar Metzger auch einmal den schwierigen Weg gehen kann, oder? Hat Sie sich damit in der SPD isoliert oder für größere Aufgaben empfohlen? Bei den Wählern wird Frau Metzger vermutlich nicht wegen des Inhalts Ihrer Entscheidung, aber wegen ihrer Unabhängigkeit hochgejubelt werden. Hessen hat ab jetzt seine eigene “Johanna von Darmstadt”. Sollte es zu Neuwahlen kommen, wird Sie wohl die einzige Abgeordnete sein, die nicht vom Wähler bestraft wird. Manchmal ist es eben von Vorteil, Entscheidungen nach den eigenen Werten treffen zu können.<
Auch die konservative, pro-amerikanische Bloggerin Karin Quade ist voll des Lobes und spricht gar (”I am proud to say”) von “Darmstadt Resistance“.
Innerhalb der SPD dürfte diese Stimmung aber nur von wenigen geteilt werden. Holger Haase meint im Blog.ln-online.de:
>Na, dann kann sie ja jetzt guten Gewissens vier weitere Jahre Koch
ertragen. Und ihren Wählern erklären, warum der das kleinere Übel ist.<
Der Tagesspiegel (”HESSENS SPD - Kein Land in Sicht“) zitiert den Gießener SPD-Landtagsabgeordneten Thorsten Schäfer-Gümbel, der ein Intrigenspiel vermutet:
>„Andrea Ypsilanti ist nicht daran gescheitert, dass sie es nicht geschafft hätte, dieses Bündnis aufzubauen, sondern sie ist am gezielten Gegenspiel gescheitert.” Verantwortlich dafür seien aber nicht die Streitigkeiten zwischen den Flügeln in der hessischen SPD.
Vielmehr vermutet er eine Gruppe von Personen – auch aus der Bundes-SPD – hinter Dagmar Metzger. Deren Ziel sei es, den politischen Neuanfang unter Ypsilanti zu verhindern. „Ich bin stocksauer, denn das einzige was diese Leute damit erreicht haben, ist, dass Roland Koch im Amt bleibt und das ist für mich der größte Wortbruch, den diese Leute klar zu verantworten haben.“<
Das oben gezeigte Bild stammt vom Pressedienst -pdh-, dessen Rechte bei einer Verwendung zu beachten sind. Im djv-Presseportal gibt es weitere Bilder der (süd-) hessischen Polit-Protagonisten (z.B. bei Schnellsuche nach “Ypsilanti”).
Hier und hier gibt es weitere aktuelle Berichte und Blogposts zum Thema.
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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