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Sonntag, 30. November 2008

“Junge Welt” solidarisiert sich mit der RAF und Christian Klar: “Unsere Moral” und Euer Mogadischu

von @ 5:15. Kategorien: Terror, Medien, Presse

BildDies vorweg: Christian Klar, der nach 26 Jahren Gefängnishaft demnächst in die Freiheit entlassen wird, war natürlich ein ideologisch motivierter Täter.
Das wird die Kinder von Jürgen Ponto, an dessen Ermordung Klar unmittelbar beteiligt war, wenig trösten.
Es wird auch Edith Kletzhändler nicht mehr helfen, die bei einem von Klar und anderen verübten Banküberfall in Zürich in den Kugelhagel geriet und getötet wurde.
Hätten sich die RAF-Fanatiker tatsächlich an die Macht putschen können, eine zugegeben abwegige Vorstellung, so wäre das Land (mindestens) mit einem jakobinischen Terror “beglückt” worden.

Was Ulrike Meinhof für den “Typ in Uniform” vorsah, hätte unter RAF-Herrschaft nämlich rasch für sehr viele gegolten:

“Wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein. Das ist kein Mensch und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen und natürlich kann geschossen werden.”

Dass Christian Klar kein Rudolf Heß wurde, liegt also auch daran, dass seine “Sache” nicht nur am Ende scheiterte, sondern auch von Anfang an ohne jede Chance war.
Und so ist das Unheil, das er über das Leben anderer (und auch sein eigenes) brachte, immer noch überschaubarer als das Unheil, das von staatlicher Macht ausgehen kann.
Die zur Macht gelangte Bewegung des Rudolf Heß verantwortete Millionen Opfer und auch jene, die sich dem entgegenstellten, haben im Krieg Verbrechen verübt.
Individueller Terror konnte bei der Zahl der Opfer bislang nicht gleichziehen mit der Vernichtung ganzer Städte, was im Zweiten Weltkrieg erst die Angegriffenen und dann - millionenfach - auch die Zivilbevölkerung der Aggressoren traf, Unschuldige genug, so oder so.
Paul Tibbets, er warf die Atombombe über Hiroshima ab, hat nie bereut, was er tat. Das Gleiche gilt für Charles Sweeny, der die Atombombe über Nagasaki abwarf.
Staatliches Handeln, zumal im Krieg, orientiert sich nur im Glücksfall an moralischen Maßstäben, das heißt: eher selten.

Keine Experten für Moral sind die Macher der rotbraunen Zeitschrift “Junge Welt”. Schon in und mit ihrem Namen umgreift sie die großen totalitären Bewegungen des letzten Jahrhunderts.
Ursprünglich nannte sich so die Reichszeitschrift der Hitler-Jugend, die FdJ borgte sich knapp 2 Jahre nach dem Untergang Hitlers und der HJ ganz bewusst diesen (braun belasteten) Namen für das im Februar 1947 gegründete “Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend.”

Bild

In der Wikipedia heißt es über die Zeitschrift und den gleichnamigen Verlag:

>Damit sollte die Jugend im staatskonformen Sinne beeinflusst und die kommunistische Erziehung der jungen Generation gefördert werden.<

Im Wiki des dazu assoziierten Weblogs “Mein Parteibuch“, das seine Inhalte teilweise der Wikipedia entlehnt, fehlt diese Aussage.
Dafür findet sich dort dieser Zusatz:

>Die junge Welt ist im 21. Jahrhundert eine der wenigen deutschen Zeitungen, die nicht einfach die geheimdienstlich gestreuten Lügen von Nachrichtenagenturen der CIA nachdruckt, sondern deren Autoren sich durch Recherche und Sachkundigkeit auszeichnen. Da die Junge Welt Schäubles Krieg gegen den Journalismus stört, wird die Junge Welt in Berichten des Verfassungsschutzes mit fadenscheinigen Begründungen als linksextremistische Zeitung gebrandmarkt.<

Die so gelobte Renitenz der “Jungen Welt” gegenüber den “geheimdienstlich gestreute Lügen von Nachrichtenagenturen der CIA” ist wohl auch erklärlich durch die Biografie seiner Macher. Chefredakteur Arnold Schölzel war über viele Jahre hinweg inoffizieller Mitarbeiter des MfS:

>Als IM „André Holzer“ war er auf eine studentische Oppositionsgruppe an der Humboldt-Universität angesetzt, der er zum Schein selbst angehörte. Zeitweise gab er täglich detaillierte Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter.<

Schon im April letzten Jahres gab es in der WELT einen Blick hinter die Kulissen des Blattes: “Die schöne junge Welt der Stasiveteranen.
Dort geht es auch um die guten Beziehungen von Christian Klar zur “Jungen Welt”. In einem anderen WELT-Artikel (”In aller Freundschaft“) heißt es über die Beziehungen des RAF-Mannes zum MfS:

>Im Juli 1980 (reisten) Christian Klar und Wolfgang Beer in die DDR und besiegelten mit dem Leiter der MfS-Terrorabwehr, Oberst Harry Dahl, das “RAF-Aussteigerprogamm” der Stasi. Zehn einstige RAF-Mitglieder tauchten in der DDR unter.
Weil Klar und Dahl sich gut verstanden - für beide hieß der Hauptfeind “BRD” -, reisten er und andere RAF-Kämpfer ab September 1980 regelmäßig in die DDR. Zur Erholung und zum Schießtraining.<

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Vor 3 Tagen erschienen nun in der “Jungen Welt” weitere “Anmerkungen zur Freilassung von Christian Klar“. Der Autor: Hans Schulz.
Laut “Mein-Parteibuch” wohl einer jener Autoren, die sich “durch Recherche und Sachkundigkeit auszeichnen“.

Und so meint denn Hans Schulz: “Man hat das Recht gebeugt und die Kollektivschuld eingeführt. Christian Klar konnte nichts bewiesen werden. […] Praktiziert wurde pure Rache. Eigentlich ein Fall für die UNO-Menschenrechtskommission.”

Schulz ist auch “sachkundig”, was die Verfassung von Klar und die Stimmung im Lande angeht:

>Christian Klar hat das alles jetzt hinter sich, ungebrochen. Dafür sind ihm in diesem Land mehr Menschen dankbar, als es der herrschenden Bande recht sein kann. Die Gefangenen aus der RAF haben in den Verfahren gegen sie nie juristisch agiert – revolutionäre Politik ist nicht justitiabel.<

Ins Bild passt nur nicht, dass die “herrschende Bande” herrscht, weil sie von Wählern mit relativer Mehrheit gewählt wurde - im Gegensatz zu Christian Klar, der RAF und der SED.
Noch komischer liest sich das:

Die Trauer der Angehörigen der Opfer dieser Auseinandersetzung wurde nicht nur von Christian Klar respektiert und verstanden. Tote gab es auf beiden Seiten.”

Klar, Christian Klar muss die “Trauer der Angehörigen der Opfer”, etwa die von Ponto, in besonderer Weise “respektiert und verstanden” haben - schließlich war er in mehreren Fällen der Täter.

Bild

Hans Schulz meint weiter:

>Die Lumpenjournaille kann nicht fassen, daß ein Revolutionär so einfach nach 26 Jahren freikommt – nach deutscher Tradition gehören die alle an die Wand. <

Auch dies ein bemerkenswerter Satz: Schließlich war es gerade die RAF, die just diese “deutsche Tradition” pflegte, mit “Volksgerichten“, kurzen Prozessen, Genickschüssen und Maschinengewehrsalven.
Man fragt sich auch, warum die “herrschende Bande” den “Revolutionär” nun “so einfach” in die Freiheit entlässt.

Claus Peymann, der Intendant des Berliner Ensembles, hat Christian Klar einen Praktikumsplatz angeboten. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden.
Immerhin nahm auch Jesus Sünder in seine Reihen auf:

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>Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea 6,6): ‘Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.’< (Quelle: Bibel, Matthäus 9, 9 - 13)

Konsequenter wäre es allerdings, ihn in die Redaktion der “Jungen Welt” aufzunehmen, dort würde er nun wirklich mit offenen Armen empfangen. “Willkommen in der Freiheit, Genosse Christian Klar”, ruft Schulz dem ein Vierteljahrhundert Inhaftierten am Ende zu.

BildHans Schulz erwähnt auch Jürgen Vietor, den Co-Piloten der 1977 in Absprache mit der RAF von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansamaschine Landshut.
Vietor hat aus Protest gegen die bevorstehende Freilassung von Christian Klar sein Bundesverdienstkreuz zurückgegeben.
Um das besser zu verstehen, sollte man sich den heute abend in der ARD ausgestrahlten Spielfilm “Mogadischu” anschauen. Vietor ist auch Gast in der im Anschluss gezeigten Talkshow von Anne Will.

Für Odenwälder ist der Film ohnehin Pflicht. Eines der Opfer dieser Flugzeugentführung war die Stewardess Gabriele Dillmann. Heute heißt sie Gabriele von Lutzau, lebt in Michelstadt und hat als Bildhauerin Erfolg.
Ob sie wegen Klars Freilassung ihr Bundesverdienstkreuz zurückgibt, ist nicht bekannt. Den direkt Verantwortlichen kann sie jedenfalls bis heute nicht verzeihen.
Stefan Aust, Autor des “Baader-Meinhof-Komplex” bedauert, dass ihre Figur in dem Film nicht noch stärker in den Vordergrund gerückt wurde:

Alle überlebenden Passagiere, mit denen ich geredet habe, erinnern sich an die Nervenstärke der damals 23-jährigen Stewardess.”

So wird Aust im Hamburger Abendblatt zitiert. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass die Ex-Stewardess “den Filmemachern für eine Zusammenarbeit nicht zur Verfügung (stand). Sie hatte ihre Persönlichkeitsrechte bereits an eine andere Produktionsfirma verkauft.”

Gewidmet ist der von Roland Suso Richter gedrehte Film “Mogadischu” dem einzigen Todesopfer der Landshut-Entführung: Jürgen Schumann. Er war der Pilot der Lufthansamaschine. Der Film zeigt zu Beginn, wie er sich vor dem Flug von seiner Familie im südhessischen Babenhausen verabschiedet. Er wird sie nicht wiedersehen. In Aden, einer Station des höllischen Irrflugs der Landshut, wird er von “Captain Martyr Mahmud”, alias Zohair Youssif Akache vor den Augen der Passagiere ermordet. Auf der Website fliegergemeinschaft.de wird er von früheren Kameraden gewürdigt.


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Mittwoch, 26. November 2008

Endlich frei: Michelstadt dankt Christian Klar und der RAF und freut sich auf ein Wiedersehen

von @ 1:02. Kategorien: Terror, Justiz

Der Baader-Meinhof-Komplex:

Im Darmstädter Echo findet sich zur bevorstehenden Freilassung des früheren RAF-Terroristen ein Bericht über “Christian Klars Spuren in Darmstadt“.
Klar hatte, zusammen mit Adelheid Schulz, Elisabeth von Dyck und Werner Lotze , am 19. März 1979 die damalige Bank für Gemeinwirtschaft in Darmstadt überfallen und dabei 49 000 DM erbeutet. In dem Bericht heißt es weiter:

>Zu dritt gingen die Terroristen damals am Vormittag unmaskiert in den Schalterraum. Mit vorgehaltener Waffe zwangen sie den Kassierer, ihnen das Geld auszuhändigen. Ein Kunde versuchte die schwer bewaffneten Terroristen aufzuhalten und wurde von einem Schuss im Knie getroffen. […]
Phantombilder brachten die Polizei schnell auf die RAF-Spur. Ein Auto der Täter wurde in der Garage des Darmstädter Staatstheaters entdeckt. […]
Klar wurde durch ein Lotterielos als Täter identifiziert, das Fahnder in dem Auto der Bankräuber sicherstellten und auf dem sich sein Fingerabdruck fand. Gefasst wurden die vier Terroristen zunächst jedoch nicht. Sie begingen einen weiteren Überfall in Nürnberg.<

Andere Spuren hinterließen Christian Klar und Adelheid Schulz im Odenwald, 7 Monate vor dem Banküberfall in Darmstadt.
Die brachten am 28. August 1978, also vor ziemlich genau 30 Jahren, sogar die kleine Odenwald-Metropole Michelstadt auf die Titelseite des Magazin SPIEGEL.
Dafür ist man dort den Terroristen dankbar, nicht offiziell natürlich! Aber eine “schweigende Minderheit” freute sich denn doch, dass die sonst eher verschlafene Provinzstadt so auf einmal im Aufmerksamkeitsfokus der terrorbedrohten Nation war. (Zuletzt gelang das - näherungsweise - nur durch die gescheiterte Städtefusion mit Erbach)

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Es war eine gewaltige “Fahndungspanne”, die die politischen Gemüter erregte.
Christian Klar, Willy Peter Stoll und Adelheid Schulz, alle drei beteiligt an der nur 11 Monate zurückliegenden Schleyer-Entführung und gesucht in der größten Fahnungsaktion, die es je in der Bundesrepublik gab, hätte man am 6. August 1978 fast mühelos in Michelstadt fassen können.
Sie wurden observiert, BKA-Leute saßen ihnen am Wirthaustisch der Flughafengaststätte Waldhorn gegenüber, dennoch konnten die drei “Top-Terroristen” entkommen.
Man muss sich die Athmosphäre jener Tage vergegenwärtigen, um die Bedeutung dieses (blamablen) Vorgangs zu erfassen.
Der SPIEGEL schilderte diese Athmosphäre so:

>Kanzler Helmut Schmidt gibt offen zu, Angst vor einem Anschlag auf sein Leben zu haben - wenn auch “nicht sonderlich“.
Seinem Vize Hans-Dietrich Genscher, der spätestens seit dem Münchner Olympia-Massaker als damaliger Innenminister auf den Todeslisten verschiedener Terrorgruppen ganz oben geführt wird, ist die Observation seiner Umgebung zur zweiten Natur geworden.
Ob bei Waldspaziergängen oder beim Stadtbummel, der Freidemokrat bleibt - unbewußt - immer wieder stehen und sichert in alle Richtungen.
Mit geschärften Sinnen bewegt sich auch Franz Josef Strauß. Der CSU-Chef, für den schon seit langen Jahren die höchste Sicherheitsstufe gilt, erinnert seine Mitarbeiter zuweilen “an einen Indianer, sein Blick geht stets rundum“.
Bange gehen die Sicherheitskräfte, die vom Personenschutz bis zur Vorfeldaufklärung das mögliche tun, der Wahlkampfzeit in Hessen und Bayern entgegen, wenn die Bonner Prominenz in Großstädten und Weilern den Kontakt zu den Massen sucht.<

Der damalige BKA-Chef Horst Herold wird am Ende so zitiert:

>Wenn wir die vier von Belgrad und diese drei (Anm.: in Michelstadt) gekriegt hätten, dann hätten wir den Terroristen einen tödlichen Schlag versetzt. Nun werden sie uns den tödlichen Schlag versetzen.<

Stattdessen hatten sich die Fahnder, darunter auch “fünf Ortspolizisten in Zivil” verhalten wie “Trottel “, so das Verdikt eines BKA-Kollegen.

So soll sich die Geschichte abgespielt haben:

christian klar und adelheid schulz in michelstadt

>Die Observanten beobachteten das Trio bei Start und Landung in Michelstadt, schossen “prima Photos” (Herold) und saßen den dreien, die vor dem Take-off auf der Flugplatzterrasse noch schnell eine Cola tranken, am Wirtshaustisch gegenüber.

Professionell vorbereitet war etwa die Sicherung von Fingerabdrücken. Da im Innenraum des Hubschraubers - an Stoff und Plastik - kaum verwertbare Abdrücke zu erwarten waren, hatten die Beobachter beizeiten drei Cola-Gläser präpariert. Und als die Wirtin der Flughafengaststätte die Getränke servierte, läutete im rechten Augenblick das Telephon. Mit einem “Bitte schenken Sie sich doch selbst ein ” lief sie an den Apparat, die Gesuchten mußten selbst anfassen.

Den am Flugplatz abgestellten Mercedes 230, mit dem die Terroristen angereist waren, untersuchten die Ermittler zwar “durchaus professionell” (wie der BKA-Präsident lobte), beguckten sich Schrauben und Stempel des
Kennzeichens.

Aber “was man in jedem Kojak sehen kann“, urteilt ein BKA-Kollege, “haben die Trottel doch glatt vergessen“. Während der 110 Minuten, in denen der Helikopter “Augusta Beil 206 b” über Hessen und Baden-Württemberg kreiste, wurde kein Peilsender am Auto angebracht. Er hätte eine Verfolgung des Wagens auch außer Sichtweite ermöglicht .

Wie hilfreich elektronischer Kontakt zum cremefarbenen Mercedes gewesen wäre, stellte sich heraus, nachdem die drei Gelandeten mit ihm davongefahren waren - hinterher sieben Wagen mit den BKA-Fahndern und fünf Ortspolizisten in Zivil. Nach einem kurzen Stopp, bei dem einer der drei in einer Telephonzelle telephonierte, begannen die Terroristen zu “schütteln” (Polizeijargon): Sie fuhren mal schnell und mal langsam, um festzustellen, ob sie verfolgt werden.

Als sie nach 90 Minuten Fahrt plötzlich “wie wahnsinnig” (ein Ermittler) an einem Bauernhof in der Gemeinde Ober-Beerbach bei Darmstadt in einen Weg abbogen und wendeten, wurden die sieben Verfolgerfahrzeuge allesamt abgehängt.
Ein letzter Versuch, den Terroristen zu Fuß zu folgen, blieb - wie die sogleich ausgelöste Fahndung nach dem Fluchtfahrzeug - erfolglos. Es geschah, was nach kriminalistischer Erfahrung bei 80 Prozent aller Observationen geschieht: Die Spur verbrennt, die Gejagten entkommen.

Unverständlich, warum die sieben Besatzungen den Funkkontakt untereinander nicht nutzten, den Kurswechsel nachzuvollziehen. Unverständlich auch, daß die Beamten in Ober-Beerbach den Wagen nicht kurzerhand stoppten und um die Personalien baten .< [Quelle: DER SPIEGEL 35/1978, Alle Hervorhebungen von uns]

Die Verantwortung für diverse Fahndungspannen lag laut SPIEGEL vor allem bei Gerhard Boeden, damals Leiter der BKA-Terrorismus-Abteilung.

Karin Rieger , die von den 3 RAF-Leuten engagierte Pilotin, hatte wegen auffälliger Beobachtungen das BKA zuvor auf deren Spur gebracht.

Willy Peter Stoll wurde nur einen Monat später, am 6. September, beim Versuch seiner Festnahme in Düsseldorf erschossen. Er war vorher von anderen Gästen in einem China-Restaurant erkannt worden.
Adelheid Schulz und Rolf Heißler erschossen knapp 3 Monate später, am 1. November, bei einem illegalen Grenzübertritt zwei niederländische Grenzbeamte.
Schulz wurde am 11. 11. 1982 in Heusenstamm bei Frankfurt festgenommen, gemeinsam mit Brigitte Mohnhaupt, der Führungsfigur der 2. RAF-Generation, Christian Klar wenige Tage darauf in einem Waldstück bei Hamburg.
Im November 1979 soll Klar noch an einem Banküberfall in Zürich beteiligt gewesen sein, in dessen Folge eine unbeteiligte Passantin getötet wurde.

Das Wochenende

Von Christian Klar gibt es noch eine weitere Spur in den Odenwald, genau genommen eine Blutspur. Der von ihm (und Brigitte Mohnhaupt) am 30. 7. 1977 erschossene Bankier Jürgen Ponto fand auf dem Waldfriedhof in Sensbachtal seine letzte Ruhestätte.

Nach Klars bevorstehender Freilassung werden bis auf Birgit Hogefeld alle vormals inhaftierten Mitglieder der RAF wieder auf freiem Fuß sein.
(Bernhard Schlink, Jurist und Schriftsteller, hat die Freilassung von Klar bereits literarisch verarbeitet - mit dem Roman “Das Wochenende“)

Einer der maßgeblichen Mitgründer und “Theoretiker” der RAF, Horst Mahler (72), könnte sich demnächst allerdings erneut im Gefängnis wiederfinden - unter anderem wegen “Volksverhetzung“.
In einem Interview mit der Zeitschrift ‘Vanity Fair’ hatte er den früheren stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedmann, mit folgenden Worten begrüßt: “Heil Hitler, Herr Friedmann “.


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Dienstag, 25. November 2008

Neues vom Grölojaz Gerhard Grünewald: “Odenwald geht eine Konstante verloren”

von @ 11:43. Kategorien: Katastrophen, Lokale Medien, Politik, Presse

Sternstunden der Menschheit. Zwölf historische Miniaturen.Der größte Lokaljournalist aller Zeiten, Gerhard Grünewald, Chefredakteur des Odenwälder Echo, hat dieser Tage wieder ein Zeugnis seines Könnens abgelegt - in Form eines sensiblen und abgrundtief reflektierten Nachrufs auf die im Alter von 78 Jahren verstorbene Inge John.
Wer es nicht wusste, hätte diese Echo-Zeilen ohne weiteres auch Stefan Zweig zuschreiben können, der in seinen zahlreichen Biographien wunderbare Worte für verblichene, große Geister fand.
Sternstunden der Menschheit!
Grünewalds Nachruf “zum Tod der vielfach engagierten Michelstädter Christdemokratin Inge John” ist jedenfalls eine Sternstunde des Odenwälder Lokaljournalismus und verdient, zitiert zu werden:

>Feste Wertvorstellungen, ausdauernde Einsatzbereitschaft und menschliche Verbindlichkeit – in einer Zeit der Wechselhaftigkeit bildete Inge John über Jahrzehnte hinweg eine Konstante, an der sich Halt finden ließ.
Eine Stütze fanden in der streitbaren Michelstädterin neben ihren Verwandten, Freunden und Bekannten viele Mitbürger – entweder direkt oder über die Entwicklung der Stadt Michelstadt und der CDU. Nun ist auch dieses Beispiel an Verlässlichkeit der Vergänglichkeit erlegen: Die Michelstädter Ehrenstadtverordnete Inge John ist am Samstag im Alter von 78 Jahren gestorben.
Die Christdemokraten können die Eigenschaften der Michelstädterin wohl mit am besten beurteilen, denn in der CDU fand sie ihre persönliche Ethik verkörpert – und brachte sich deshalb im Gegenzug in die Arbeit dieser Partei und auf diesem Weg in die Gesellschaft ein. […]
Ist Inge John als gebürtige Michelstädterin ihrer Heimat doch stets ebenso treu geblieben wie ihrem mit der eigenen Herkunft verbundenen Selbstbewusstsein. Als älteste von vier Töchtern des Metzgermeisters Jakob Schlörit und Mitinhaberin eines Landmaschinenhandels, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Gotthard John führte, stand die Christdemokratin stets mitten im Leben. Wahrscheinlich gab ihr dies das Gespür, dessen es bedarf, um Erfordernisse der Zeit früh zu erkennen und entsprechend zu handeln.< [Alle Hervorhebungen von uns]

Ja, “wahrscheinlich” war das so.
Übertroffen wird Inge John allerdings von der “Alten Eiche” am Ortseingang von Dausenau, die schon seit ca. 650 Jahren “eine Konstante” ist, an der sich buchstäblich Halt finden lässt.
Ihr gegenüber sind wir doch alle nur Variablen. Auch Gerhard Grünewald ist eine menschliche und journalistische Variable, die uns kein x für eine Null vormachen kann.
Konstant bzw. gleichbleibend (und zwar absolut!) ist bei ihm freilich die Qualität seines Schreibens - und dies schon seit über 40 Jahren!
Wenn man sich daran nicht festhalten kann…


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Großbrauer und Milliardär Stefan Schörghuber (47) unerwartet verstorben: Kommt es zum Komasaufen bei Schmucker in Mossautal - aus lauter Trauer?

von @ 5:08. Kategorien: Schmucker-Drama

Das ist aktuell auf Spiegel - Online zu lesen:

>Er war einer der reichsten Männer Deutschlands: Der Chef des weit verzweigten, familieneigenen Brau- und Hotelimperiums sei in der Nacht zum Dienstag “plötzlich und unerwartet” in seinem Haus gestorben, teilte die Schörghuber Unternehmensgruppe am Dienstag in München mit. […]

Schörghubers Tod sei für die Unternehmensgruppe “ein unermesslicher Verlust”, schrieb Finanzvorstand Hans-Peter Hoh am Morgen in einer Mitteilung an die mehr als 6000 Mitarbeiter der Gruppe. […]

Der Betriebswirt hatte im Alter von 34 Jahren nach dem Tod seines Vaters Josef im Jahr 1995 die Leitung der Schörghuber Unternehmensgruppe übernommen und neu organisiert. Unter ihrem Dach finden sich zahlreiche bekannte Marken.<

Zu diesen Marken zählt (halb) seit Januar 2006 auch die ehemals private Brauerei Schmucker aus Mossautal.

Hier gibt es weitere Berichte zum Tod von “Braupapst” Stefan Schörghuber.


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Montag, 24. November 2008

TV-Tipp: Der Fall des Magnus Gäfgen und des von ihm ermordeten Jakob von Metzler

von @ 8:56. Kategorien: Justiz

Sie werden dich nicht finden. Der Fall Jakob von Metzler

Am 1. Dezember um 21:00 Uhr sendet die ARD eine Doku zur Entführung und Ermordung des Frankfurter Bankiersohns Jakob von Metzler.
Henryk M. Broder meint bei Spiegel Online, der Fall sei in dem Film so hervorragend aufbereitet worden, dass er der ARD alle sonstigen (Programm-) Sünden verzeihe. Wenn das ein notorisches Lästermaul wie Broder behauptet, muss etwas dran sein.
Die wichtigste, in dem Film gestellte Frage sei: “Darf ein Staat foltern, um ein Menschenleben zu retten?”
Eine andere, nicht minder interessante Frage wird in einem Buch der früheren FAZ-Reporterin Adrienne Lochte über den Fall Magnus Gäfgen gestellt:

>Wie konnte ausgerechnet ein Jurastudent … zum kaltblütigen Kindermörder werden?<

In der Tat: Was hatte er in seinem Studium der Rechtswissenschaft überhaupt gelernt? Jedenfalls nicht jenes elementare Rechtsempfinden, das die meisten besitzen und zwar ohne Jura studiert zu haben.
Ist es denkbar, dass das Jura-Studium und erst recht der Juristenalltag das elementare Rechtsempfinden nicht etwa stärkt, sondern es im Gegenteil mehr und mehr verkümmern lässt?

Nachtrag: Zu diesen Punkten lieferte der Film leider kaum Aufschlüsse. Gäfgen hätte ebensogut Gärtner wie Jurist sein können. Nur das Vorleben des Soziopathen wurde erhellt.

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Mittwoch, 19. November 2008

Fallmanagement in Südhessen: Fallmanager kassierte 2200 € netto und 667 000 € kriminello

von @ 3:58. Kategorien: Soziales, Affäre PPA, Affäre Schnellbacher, Hartz 4, Politik

Im letzten Jahr wurde an dieser Stelle über einen Skandal berichtet, der der langen Liste von Affären rund um die südhessischen Jobcenter gewissermaßen die kriminelle Krone aufsetzte.
Ein am Jobcenter in Mörlenbach tätiger Fallmanager hatte über mehrere Jahre hinweg (mindestens) 667 000 Euro veruntreut.
Vor einer Woche nun hat das Landgericht Darmstadt den 44 Jahre alten Mann wegen Untreue zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und 9 Monaten verurteilt.
Das Urteil tröstet nur bedingt.
Der Verbleib von ca. 300 000 Euro ist ungeklärt.

Wir müssen davon ausgehen, dass der Angeklagte einen Teil des Geldes beiseite geschafft hat“, so Richterin Barbara Bunk in der Urteilsverkündung.

In seinem Abschlussplädoyer hatte Staatsanwalt Dirk Reiser betont:

Unrecht darf sich nicht lohnen, der Angeklagte hätte für dieses Geld 25 Jahre arbeiten müssen.”

Sollte der Verurteilte oder seine Familie letztlich doch noch über die verschwundenen 300 000 Euro verfügen können, könnte sich sein Verbrechen doch “gelohnt” haben.

Im Bericht des Darmstädter Echos über den letzten Prozesstag heißt es am Ende:

Dabei habe er jederzeit damit gerechnet, entlarvt zu werden. Diesen Moment habe er mit hohen Abhebungen vorbereitet.
Letztendlich trage der Steuerzahler den Schaden, unabhängig davon, ob Bund, Land Hessen oder der Kreis Bergstraße einstehen müssen. Und Steuerzahler, „das sind wir alle“, sagte die Richterin.”

Wie hoch die “hohen Anhebungen” waren, erfuhr man schon vorher:

“Gegen Ende überwies der Mann fast täglich Beträge von mehr als 6000 Euro.”

Es sieht also danach aus, dass für den kriminellen Fallmanager Verurteilung und Gefängnishaft in einem gewagten Spiel durchaus eingeplant waren - wenn ihm am Ende eben doch mehrere 100 000 Euro bleiben sollten.

Dumm jedenfalls konnte der Odenwälder nicht sein. Über seinen “Werdegang” hieß es in einem früheren Echo-Bericht:

“Nach dem Abitur in Heppenheim arbeitete er drei Jahre als Zeitsoldat. Das Chemiestudium brach er nach dem Vordiplom ab. Auch eine Ausbildung zum Beamten in gehobenem Dienst beendete er nicht.”

Kaum zu glauben, dass über zwei Jahre hinweg alle Kontrollen versagt hatten.
Der Kreis Bergstraße hatte einen einschlägig vorbestraften Kriminellen eingestellt. Wegen Untreue, Urkundenfälschung und Betrug stand er noch unter Bewährung.
Konnte / musste er bei seiner Einstellung ein Führungszeugnis vorlegen? Nein. Dazu hieß es am 31. 10 im Echo:

So sei der Angeklagte bei seiner Einstellung zwar um ein Führungszeugnis gebeten worden, dieser hätte es jedoch trotz mehrfacher Nachfrage nie abgegeben.
Bei einer Durchsuchung des Büros nach Aufdeckung der Vorfälle seien die Mitarbeiter auf eine zusammengesetzte Kopiervorlage in den persönlichen Unterlagen des Angeklagten gestoßen, mit der ein Führungszeugnis ohne Einträge hätte gefälscht werden können.


Mein Anspruch auf Hartz IV und Arbeitslosengeld II: Keine Frage offen

Auf jeden Fall ein bemerkenswerter Kontrast zu den von vielen Hartz 4 - Beziehern als entwürdigend erlebten Kontrollen.

Verdiente der Fallmanager in seinem Job vielleicht zu wenig? Wohl kaum.
Sein monatliches Netto-Einkommen soll 2200 Euro betragen haben. Er unterschlug und betrog für einen “gehobenen Lebensstil”.

Der wurde von einem Zeugen (ausschnittweise) so beschrieben:

Er habe einen Fuhrpark mit mindestens zehn Fahrzeugen bemerkt. Darunter seien zwei Motorräder, ein Wohnwagen, zwei Kleinbusse, zwei Autos und ein Traktor gewesen. Auch sonst hätten das Innere und die Umgebung des Anwesens den Eindruck einer gehobenen Ausstattung gemacht. Allerdings habe er nur das Erdgeschoss betreten. Innerhalb eines Gastraums (bei dem Gebäude handelt es sich um eine frühere Gastwirtschaft) habe er einen teuren Plasmabildschirm und einen teuren Grill gesehen.

Die Urteilsbegründung erhellt die kriminelle Energie des Verurteilten und lässt die Gründe für die “vielen Pannen” zum Teil im Dunkeln:

Unmittelbar nach seiner Einstellung habe der Angeklagte mit den Betrügereien begonnen. In der Anklageschrift seien nur die Taten ab April 2005 und über 1000 Euro enthalten. Entweder habe er Zahlungen doppelt veranlasst oder fiktive Hilfsbedürftige angelegt, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung weiter.
Erklären lassen sich die vielen Pannen nach Ansicht des Gerichts nur damit, dass der Eigenbetrieb Neue Wege erst seit 1. Januar 2005 besteht und die Computerprogramme noch nicht ausgereift waren.

Interessant (und politisch nicht irrelevant) war die Argumentation seines Verteidigers Achim Flauaus:

Das Handeln des Angeklagten sei nicht vergleichbar mit Fällen des so genannten „Enkeltricks“.
Wenn der Staat betrogen wird, sei dies etwas anderes, als wenn es sich um eine Privatperson handelt. Der Staat sei gerade wegen der fehlenden Kontrollen und des Verzichts auf ein Führungszeugnis ein weniger schutzwürdiges Opfer.
Mit einem Einfordern des Zeugnisses hätten alle Straftaten verhindert werden können, sagte der Verteidiger weiter. Ebenso wenig sei ein Schufa-Auszug verlangt worden.

Im Februar hatte Thilo Figaj von den Bergsträsser GRÜNEN in einem Redebeitrag zum “Bundesprüfbericht NEUE WEGE” die politische Dimension nicht dieses “letzten” Skandals, aber doch des ihn umgreifenden Chaosbetriebs “Neue Wege” herausgestellt.

Seine Vorwürfe richteten sich vor allem an den Bergsträsser Landrat Matthias Wilkes (CDU) und den früheren Erste Kreisbeigeordnete Jürgen Lehmberg (CDU).

Nachfolgend einige Zitate aus Figajs Rede:

Es fällt besonders auf, dass als Subjekt der Verstöße immer wieder „Der Kreis Bergstrasse“ genannt wird. Zwei Kernaussagen:

- „Der Kreis Bergstraße hatte seine Aufsichtspflichten gegenüber seinem Eigenbetrieb Neue Wege nicht im erforderlichen Umfang wahrgenommen“,

Oder

- „Der Kreis Bergstraße hatte die Mindeststandards eines gesetzeskonformen Verwaltungshandelns bei seinem Eigenbetrieb Neue Wege nicht sichergestellt.“

Nun, wer ist denn der Kreis Bergstrasse? In Verantwortung befinden sich doch wohl unmissverständlich

- - Der Kreisausschuss,

- - der verantwortliche Dezernent,

- - sein Landrat als Dienstvorgesetzter, und natürlich auch wir alle hier

- - das Kreisparlament.

[…]

Seit dem Skandal um die Personalpädagogische Akademie und den daraufhin festgestellten Mängeln ist der Eigenbetrieb unter ganz besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit.
Es ist sicher schwierig, das große Misstrauen, das durch die Startphase entstanden ist, wieder herzustellen. Die beiden Protagonisten des Eigenbetriebs, der damalige Dezernent Lehmberg und der damalige Leiter Schütz tragen sicher den größten Teil der Verantwortung für die eklatanten Fehler.

Uns ist kaum begreiflich, wie – ich zitiere dem Sinn nach – „Mindeststandards eines gesetzeskonformen Verwaltungshandelns beim Eigenbetrieb Neue Wege nicht sichergestellt worden sind.“ Beide Handelnden waren in Verwaltungsfragen keine Anfänger. Kritische Nachfragen, und die gab es ja zuhauf, wurden in der allen sattsam bekannten Manier abgebügelt. Genau mit dieser Hypothek haben die Nachfolger beim Eigenbetrieb Neue Wege heute noch zu kämpfen. Damit müssen sie noch einige Zeit leben.

Natürlich fragen nicht nur wir uns, warum der Landrat in dieser Zeit nichts getan und nichts gesagt hat? Wenn solch fundamentale Dienstpflicht Verletzungen vorlagen, wie konnte ihm dies über so lange Zeit unbemerkt bleiben? Kann unser Landrat nicht erkennen, wenn in seinem Landratsamt „Mindeststandards eines gesetzeskonformen Verwaltungshandelns“ nicht mehr gegeben sind? Nicht irgendwo im Landratsamt, sondern in der Führungsebene direkt unter ihm selbst?

Oder hat er es einfach nur ignoriert? Wie sieht es aus mit den Pflichten eines Landrates, wenn im Dezernat eines Kollegen Gesetzliche Vorschriften ignoriert werden? Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden, die Pflicht und der Auftrag dazu ergibt sich aus der vernichtenden Feststellung „Der Kreis Bergstrasse hat seine Pflichten nicht wahrgenommen.“

Alle Hervorhebungen in den zitierten Textpassagen sind von uns.

Hier noch eine Auflistung der zitierten Berichte:

Darmstädter Echo:

Frankfurter Rundschau:

HR:

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Freitag, 14. November 2008

Wisnewski und der Haider-”Mummenschanz”: Ist Gerhard gaga oder gar nur geldgeil?

von @ 8:46. Kategorien: Lachhaft, Terror, Politik, Medien

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Die Wahrheit über die Anschläge vom 11. September:
Nun, “am 11.9.2001 wurden die gestarteten Passagierflugzeuge in der Luft gegen ferngelenkte Doubletten ausgetauscht, weil sich die Attentate mit diesen besser durchführen ließen.”
So war es kürzlich wieder in einem Artikel von Gerhard Wisnewski nachzulesen, dem es immerhin gelungen war, solchen Irrwitz dem WDR unterzujubeln - in Form des Dokumentarfilms “Aktenzeichen 11.9. ungelöst“.
Leider ist Wisnewski kein isolierter Spinner, seine Thesen und die seiner Kollegen finden Anklang. So soll angeblich jeder Dritte in Deutschland glauben, dass die Bush-Regierung planend oder doch wissend in 9/11 involviert war. (Mehr dazu bei Wikipedia: “Verschwörungstheorien zum 11. September 2001” und dem SPIEGEL: Panoptikum des Absurden. Hier auch als pdf.)
Wer einem Wisnewski bis dahin noch eine gewisse Seriosität unterstellte, kann sich durch seine letzten Publikationen zum Unfalltod von Jörg Haider definitiv eines Besseren belehren lassen.
Man muss sein Buch über den “Mythos 9/11” nicht gelesen haben, um zu sehen, wes Geistes Kind der vorgebliche Wahrheitssucher ist. Es genügt, seinen Artikel vom 27. 10. über den “Fall Haider” zu lesen: Haiders “Autowrack ist eine Botschaft” heißt es da im Titel.

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Tatsächlich ist der Artikel selbst eine Botschaft, die, medizinisch gesehen, von der paranoiden Schizophrenie des Verfassers künden könnte. Könnte. Denn es ist mehr als zweifelhaft, dass Wisnewski wirklich glaubt, was er schreibt.
Eher schreibt er, um Kasse zu machen.
Sein neues Machwerk (”Verheimlicht – vertuscht – vergessen. Was 2008 nicht in der Zeitung stand“) kündigte er am 11. November an. Man beachte das Datum und dessen Symbolik. Faschingsbeginn. Wahrscheinlich weiß Wisnewski selbst, dass er seine Leser zum Narren hält.
Angenommen, ihm bleiben für das Taschenbuch 50 Cent Tantiemen, so brächte ihm eine verkaufte Auflage von 100 000 Exemplaren einen Gewinn von immerhin 50 000 Euro.
An der Stelle sollte man Wisnewski aber selbst sprechen lassen, da nämlich klingt er ausnahmsweise authentisch:

Shoppen nicht vergessen

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>Im Hintergrund läuft die Arbeit an verheimlicht – vertuscht – vergessen weiter, meinem Kritischen Jahresrückblick 2008, in dem es auch ein großes Kapitel über den Fall Haider geben wird – natürlich mit neuen Erkenntnissen und Überlegungen (dieses brandaktuelle Buch können Sie schon bald hier im Shop bestellen oder in jeder Buchhandlung erwerben).
Leider muss ich mich währenddessen hier etwas rar machen, hoffe aber, Sie im Dezember oder Januar als Leser (Anm.: bzw. Käufer) meines Jahresrückblicks wieder begrüßen zu dürfen.<

Schon für 2007 hatte Wisnewski einen “Kritischen Jahresrückblick” veröffentlicht, offenbar geht er damit nun in Serie.

Da das Buch zentrales Glied in Wisnewskis Verwertungskette ist, ist er natürlich Gefangener seiner eigenen Fabeln.
Auch wenn er es inzwischen besser wüsste: Zu schreiben, dass Haider Opfer eines selbstverschuldeten Autounfalls wurde, ist ihm nun nicht mehr möglich. Damit ließe sich kein Buch füllen und damit ließe sich kein Geld verdienen. Zudem müsste er sich selbst dementieren.

Seine Haider-Artikel wird er dennoch bearbeiten müssen, um zumindest den Anschein von Kohärenz zu erzeugen.
Bisher hatte er für das von ihm behauptete “Attentat” sich widersprechende Versionen aufgetischt, eine durchgeknallter als die andere.
Seine letzte Version: Haider wurde umgebracht und das Unfallauto als “Kultgegenstand hergerichtet“.
Die närrischsten Aussagen seien nachfolgend zitiert, man lese und lache:

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Das kryptische Symbol

>Der Zufälle ein bisschen viel. Dass es sich um bewusste gesetzte Symboliken handelt, ergibt sich aus der Unwahrscheinlichkeit des zufälligen Auftretens dieser Anordnung. Das bedeutet, dass ein weiterer großer Teil der Beschädigungen am Fahrzeug künstlich herbeigeführt wurden. Was heißt das für unsere Untersuchung? Das Fahrzeug ist nur bedingt ein Unfallauto, wenn überhaupt. In erster Linie wurde es gestaltet und am “Unfallort” installiert. Im Sinne eines Botschaftenträgers wie Zeitung oder Fernsehen ist das Wrack ein Medium.
Allerdings ist es kein Medium für das breite Publikum.
Im Gegenteil: Mit der – angesichts dieser Tatsachen erst recht lächerlichen – Unfalltheorie versuchen die Massen-Medien für das breite Publikum ganz von diesem Medium abzulenken.
Leider bin ich definitiv kein Fachmann in solchen Dingen und habe mich stets geweigert, an solchen Mummenschanz zu glauben. Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass hier in makabrer Weise mit einem Menschenleben und dem Tode gespielt wurde, um in Form des “Unfallautos” ein kryptisches Symbol zu schaffen.<

Hören Sie des Wahrheitssuchers moralische Entrüstung aus diesen Zeilen heraus?

Ist 1&1 involviert?

Nicht kryptisch, sondern komisch sind auch Wisnewskis numerologische “Analysen”:

 

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>Desweiteren weisen die Zweierpaare daraufhin, dass die Zahl zwei eine Rolle spielen könnte. Interpretationen der Zwei werden sehr schnell schwammig und beliebig, aber die naheliegendste könnte wohl sein, dass zwei auch zwei heißt, das heißt, dass hier auf eine Zweiheit oder etwas Doppeltes hingewiesen soll. Allenfalls auch auf so etwas wie “Zwietracht”, was zweifellos zu diesem Attentat passen würde. Es könnte aber auch sein, daß die Zweierpaare als 1&1 zu lesen sind, also 11 - wie 11.10.2008.<

Nach der numerologischen folgt die botanische Analyse:Bild

War der Mörder wieder ein Gärtner?

>Die ständige Betonung eines Friedhofsgewächses (Thujenhecke) weist auf eine weitere Botschaft hin, nämlich: Es war kein Unfall, sondern ein Begräbnis. Natürlich kann es auch Zufall sein, dass ein Unfallauto eine Thujenhecke überfährt; kein Zufall sind die eindeutig symbolischen Bilder, die die Polizei nun vom “Unfallort” verbreitete. Darauf sieht man Haiders Brille fein säuberlich mit einem Thujenzweig arrangiert. Dass diese Bilder inszeniert wurden, sieht man auch an der Packung “Sunny Soul”-Tabletten auf der Mittelkonsole. Da würden sie nach einem verheerenden Überschlag garantiert nicht mehr liegen.<

 

Zuletzt zieht Wisnewski den Bogen vom kleinen Kärnten und seinem toten Landeshauptmann zum großen Amerika und dessen Terror-Trauma:

Überall Doubletten

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>Das installierte Autowrack hat mit dem Tod von Jörg Haider überhaupt nichts oder fast nichts zu tun. Ja, es handelt sich nicht einmal um das reguläre Dienstfahrzeug von Jörg Haider, sondern um eine sogenannte Doublette. Womit wir wieder bei der “Zwei” wären.

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Solche Fahrzeugdoubletten werden im Bereich des gefälschten Terrorismus oder “gefälschter” Attentate häufig eingesetzt, und zwar um Illusionen zu schaffen. […]
Am 11.9.2001 wurden die gestarteten Passagierflugzeuge in der Luft gegen ferngelenkte Doubletten ausgetauscht, weil sich die Attentate mit diesen besser durchführen ließen.<

Sagt bzw. fabuliert Wisnewski.

Die bösen “Verschwörer”, die wie üblich mit Ermittlungsbehörden und Massenmedien im Bunde sind, haben laut Wisnewski bei der “Inszenierung” des Unfalls - egal wie - eine logistische Meisterleistung vollbracht:

Haider und sein Phaeton “hergerichtet” und “behandelt”?

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>1. Bei dem Phaeton handelte es sich um ein Wrack vom Schrottplatz. Wenn es sich um einen echten Unfall-Phaeton gehandelt hat, konnte dann auch VW eine hohe Geschwindigkeit aus den Borddaten rekonstruieren. An diesem Wrack waren nur noch die auffälligen Demontagen vorzunehmen.
2. Der “Unfall-Phaeton” war ursprünglich unbeschädigt und wurde von A bis Z für den Haider-”Unfall” hergerichtet, zum Beispiel mithilfe einer schweren Baumaschine. Bei diesem Phaeton könnte es sich ebenfalls um einen Dienstwagen der Kärtner Landesregierung gehandelt haben, der für diesen Zweck entwendet worden war. Am Ende wurde Haiders eigentlicher Wagen mit den schmaleren Speichen wieder bei der Kärntner Landesregierung hingestellt. So würde also nirgends ein Phaeton fehlen.
3. Haider wurde abgefangen, sein Original-Phaeton und er wurden irgendwo anders “behandelt” oder “vorbereitet” und dann auf die Straße gestellt. Auf diese Weise hätte man den Unfall inszenieren können.< [Sämtliche Hervorhebungen von uns]

Nachdem Sie das verstanden haben, verstehen Sie auch, wie George W. Bush als neuzeitlicher Kaiser Nero den mörderischen Brand im Rom dieser Tage legen ließ, um dann weltweit die Muslime verfolgen zu können.
Ach ja: Gerhard Wisnewski hat 2004 dem Chomeini-freundlichen Muslim-Markt ein Interview gegeben. Dort empfängt man jeden Kritiker des (amerikanischen) “Imperiums” mit offenen Armen.
Mit Barack Obama wird das “Imperium” übrigens nicht besser. Auch das erfährt man wieder vom allwissenden Wisnewski: Obama bedeutet Krise und Krieg.

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