Schon gestern kündete in SPIEGEL-Online Steffen Gerth von einem “fast existenzialistischen Erlebnis” beim Winterwandern im Odenwald.
Wahrscheinlich war es ihm gelungen, im Land der Nibelungen seine bloße Existenz zu retten. Dafür sollte man ihm Anerkennung zollen.
Nachfolgend Auszüge aus seinem Bericht:
>Liebhaber von Mittelgebirgen sind die wahren Landschaftsfreunde, denn sie sind Connaisseure der Miniaturen und des Unprätentiösen. Da ist dieser Blick vom Gipfel des Melibokus, den wir schon am Beginn unserer Wanderung erreicht haben: westwärts die tellerflache rheinische Tiefebene und am Horizont die Schemen des Pfälzer Waldes. Und im Osten wellt sich der Odenwald. An diesem Gipfel hatten wir bereits 400 Höhenmeter in den Beinen. Aber danach ging es erst richtig los – weil dort das Land der Nibelungen beginnt. Der Weg ist mit einem knallroten “N” auf weißem Grund gekennzeichnet. Mühsam genießen wir jeden Schritt, nur das leichte Paff, Paff, Paff der Schuhe im Schnee unterbricht die Stille.[…]
Im Nibelungenlied steht, dass die Quelle in einer Schlucht liegen soll – ja, das könnte hier sein, an “Siegfrieds Quelle”. Wie eine Kathedrale türmen sich die Felsen und wirken, als müssten sie das junge Bächlein noch etwas beschützen.<

Der Kommentar von Wolfgang Hörnlein, Inhaber der Presseagentur pdh, ist lesenswert, auch wenn man seinen Einschätzungen nicht in allen Punkten folgen kann.
So lassen sich die parteiinternen Konflikte bei der LINKEn sicher nicht allein als das Werk von Selbstdarstellern und “Paradiesvögeln” abtun.
Die LINKE im Odenwaldkreis verlinkt auf ihrer Website nicht zum Darmstädter Echo, was man akzeptieren kann.
Statt dessen empfiehlt sie zur Lektüre das “Neue Deutschland“, ehemals Zentralorgang der SED, und die rotbraune “Junge Welt“, ehemals Zentralorgang der FDJ, in der sich auch heute noch ehemalige Stasi-Spitzel tummeln - an der Spitze Chefredakteur Arnold Schölzel alias IM André Holzer.
Wer, wenn auch nur im Namen, die Tradition staatlicher gelenkter (Monopol-) Medien fortführt, darf sich nicht wundern, nun selbst von dominanten Medien ausgegrenzt zu werden.
Der Rücktritt von Andrea Ypsilanti wird politisch zu verschmerzen sein, andererseits: proper sah sie schon aus - auch wenn das “Isch” dem Sexappeal hörbare Grenzen setzte. [Das denkwürdige Telefonat, das Ypsilanti seinerzeit mit “Franz Müntefering” führte, findet man hier]
Der nachfolgende Text und die hier gezeigten Bilder sind von pdh, alle Hervorhebungen sind von uns.
>Wiesbaden (pdh) Ende der “hessischen Verhältnisse” aber Beibehaltung des Fünf-Parteien-Systems, das ist das Ergebnis der hessischen Landtagswahl vom vergangenen Sonntag. Stärkste Partei bleibt die CDU mit 37,2 Prozent der Stimmen, gefolgt von der SPD mit 23,7 Prozent. Die Liberalen erhalten 16,2 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen kommen auf 13,7 und die Partei DIE LINKE auf 5,4 Prozent.
Die Wahlbeteiligung betrug 61,0 Prozent. 78.555 Wahlberechtigte (= 2,9 Prozent) haben einen ungültigen Stimmzettel abgegeben, ein eindeutiges Zeichen des Protests gegen die aktuelle Politik und Beweis der Ratlosigkeit, weil keine der Parteien den Vorstellungen dieser Wähler entspricht.Klarer Gewinner sind die Liberalen mit einem Zugewinn von 6,8 Prozent, eindeutiger Verlierer die Ypsilanti-SPD mit einem Verlust von 13,0 Prozent der Stimmen.
Noch am Wahlabend kündigte Ypsilanti ihren Rücktritt von den Posten der Landesvorsitzenden und der Fraktionsvorsitzenden im hessischen Landtag an.
Die Begründung allerdings war abenteuerlich, nicht ihr Unvermögen, die Partei geschlossen führen zu können, sondern der gescheiterte Putschversuch im November musste als Begründung für ihren Demission herhalten.
Hier tritt jemand ab, der nichts begriffen hat. Der von Andrea Ypsilanti vorgeschlagene Nachfolger in beiden Ämtern soll der aus Gießen stammende Thorsten Schäfer-Gümbel sein, der seinen kurzen Wahlkampf sehr souverän gemeistert hat.Wahlverlierer sind auch die Medien
Verlierer der Wahl sind nicht nur SPD und in Maßen die CDU, die aber auch kein Bisschen ihrer Verluste vom Januar 2008 gutmachen konnte.
Ihre Wunden lecken müssen auch bestimmte Medien, die in den letzten Wochen keine noch so unfaire und unjournalistische Maßnahme ausgelassen hatten, die ungeliebte Linkspartei aus dem hessischen Landtag mit fragwürdigen medialen Mitteln zu vertreiben.
Terminlich gezielte Parteiaustritte von unzufriedenen Paradiesvögeln aus dem hohen Norden Hessens, denen die Partei DIE LINKE nicht den öffentlich wirksamen Spielraum zur Selbstdarstellung eingeräumt hatte, wurden als Massenaustritte dargestellt und instrumentalisiert.
Dabei wurde absichtlich unerwähnt gelassen, dass es bei der Linkspartei in den letzten Monaten sehr viel mehr Parteieintritte zu verzeichnen gab als ein paar Dutzend Austritte.
Den Vogel schoss in diesem Zusammenhang das Medienhaus Südhessen (u.a. Darmstädter Echo) ab, das zehn Tage vor der Landtagswahl keine Wahlanzeigen der Linkspartei mehr abdruckte.
Die Anzeigenabteilung war vom Verleger angewiesen worden, aus “publizistischen Erwägungen” keine Anzeigen mehr anzunehmen, was den Angestellten der Anzeigenabteilung deutlich unangenehm war.
Alles das hat nichts genützt, die Partei DIE LINKE erhöhte ihren Stimmanteil von 5,1 auf 5,4 Prozent, was in der Sprachregelung der Demoskopen zwar nur einen Zugewinn von 0,3 Prozent darstellt und auch entsprechend von den Medien gewürdigt wird, tatsächlich aber eine Zunahme um etwa 6 Prozent der Wähler bedeutet.Der neue Landtag platzt aus allen Nähten
Es wird eng im Hessischen Landtag in Wiesbaden, der gerade erst im April 2008 eingeweiht wurde. Schon bei “Inbetriebnahme” spotteten Kritiker über das “Kinderkarussell”, das für die bisherigen 110 Abgeordneten schon zu eng war, die noch nicht einmal Aktenordner auf den schmalen Pulten lagern konnten. Fast drei Jahre war am neuen Plenarsaal gebaut worden, die Kosten betrugen 40 Millionen Euro statt der eingeplanten 28 Millionen. Er bietet sich angenehm hell dar, von Tageslicht durchflutet und mit großen Glasfronten umgeben.
Die Bankreihen auf dem Rundfundament sind allerdings so eng gestaltet, dass die Banknachbarn wie im Flugzeug aufstehen müssen, wenn in einer Zehnerreihe der mittlere Abgeordnete den Plenarsaal verlassen möchte. Darüber hinaus ist er unglaublich hellhörig und überträgt alle Tischgespräche der Abgeordneten von ihren viel zu kleinen Pennälerbänkchen in den gesamten Raum, ein äußerst unruhiges Ambiente.
Jetzt kommen durch vier Überhang- und vier Ausgleichsmandate insgesamt acht zusätzliche Abgeordnete hinzu, ein Platzbedarf für jetzt 118 Abgeordnete, den keiner der Verantwortlichen in der Hessischen Landtagsverwaltung bei der Raumplanung bedacht hat. Im Gespräch sind einfache Stühle ohne Ablagepulte, die in den Flur gestellt werden sollen. Akten sollen die Neuen zunächst nicht mitbringen, wird ihnen angeraten.<
Gezeigt werden hier nur die vorläufigen Landesstimmen im Odenwaldkreis und den jeweiligen Gemeinden. Die Wahlkreisstimmen können auf der Website des Odenwaldkreises nachgelesen werden.
Analysen und Kommentare zur hessischen Landtagswahl gibt es in gewohnt bescheidener Qualität im Odenwälder Echo:
Kreisergebnis

Erbach

Michelstadt:

Breuberg:

Bad König:

Beerfelden:

Brensbach:

Brombachtal

Fränkisch-Crumbach

Hesseneck

Höchst

Lützelbach

Mossautal

Reichelsheim

Rothenberg

Sensbachtal


Genau genommen für 46.902 Euro. Aber wir wollen nicht kleinlich sein.
In den letzten Minuten sprang der Preis für basic-thinking.com noch einmal an.
Lag das Gebot 15 Minuten vor dem Angebotsende bei ebay noch bei zahlenmystischen 33.333,33 Euro waren es am Ende - um 19:50 - 46.902 Euro.
Robert Basic hatte zu Beginn mit einem Betrag zwischen 10.000 und 100.000 Euro gerechnet. (Später rechnete er mit einer recht komplizierten “Blog-Wertformel“.)
Keine schlechte Schätzung, heraus kam ungefähr das arithmetische Mittel.
Man hätte dem sympathischen, quirligen Blogger aus Usingen gerne noch etwas mehr gegönnt.
Er war jahrelang eine One-Man-Textfabrik und was sie tagtäglich verließ, war stilistisch zwar nicht formvollendet, aber meist geistreich, interessant und informativ.
Basic war (und ist) gewissermaßen der Balzac der Blogosphäre. Unglaublich produktiv wie der französische Romancier, der ja ursprünglich Forsetzungsromane für Publikumszeitschriften schrieb.
Die Wikipedia sagt über Honoré de Balzac, den Schöpfer der voluminösen “Comédie Humaine“:
>Zur Verwirklichung dieses Projektes schrieb Balzac in den nächsten Jahren wie besessen. Sein infernalischer Arbeitsrhythmus (oft 15 bis 17 Stunden am Tag), den er wie symbolisch in einer Art Mönchskutte absolvierte, und sein enormer Kaffeeverbrauch wurden legendär.<
So ähnlich konnte man sich als Leser auch den scheinbar nimmermüden Basic vorstellen. Allerdings mehr kettenrauchend als kaffeeschlürfend.
Da (und anderswo) enden allerdings die Gemeinsamkeiten.
Der gebürtige Kroate ist im Gegensatz zu dem Franzosen Familienvater und Noblesse dürfte dem nur ungern als “Alpha-Blogger” titulierten schnuppe sein. Begegnet man ihm, ist er ein Blogger wie Du und ich.
So befremdlich es zunächst klang: Die Idee, sein Blog zu verkaufen, war wohl gar so nicht übel. Links und Feedabonnements dürften ihm bald zu seinen neuen Adressen folgen. Und mit den zweisprachig betriebenen buzzriders.com könnte er seine Leserschaft sogar noch vervielfachen.
Aber warten wir erst einmal ab. Vielleicht kommt ja noch der Trennungsschmerz und bremst den Tatendrang des Turbobloggers.
Bei YouTube gibt es inzwischen die sehr vergnügliche
“Robert Basic Story”. Man ahnt: Die Geschichte geht weiter.
Gespannt kann man auch sein, ob sich das Investment für den Käufer von basic-thinking wirklich lohnt.
Der heißt Thomas Strohe und stellt sich auf Basics Ex-Blog schon vor:
>ich bin Gründer von www.serverloft.de, einem der größten deutschen Anbieter für dedizierte Server. Meine Kollegen und ich sind seit langem begeisterte Leser des Blogs von Robert. Seit Bekanntwerden der Versteigerung standen wir mit Robert in Kontakt und haben mit ihm lange über die Zukunft des Blogs gesprochen. Wir waren erst sehr traurig, dass dieses vielseitige Blog mit Schwerpunkt auf Web- und Technikthemen nicht weiterbestehen sollte, und haben uns dann überlegt, was wir tun können. Die einfach Antwort: Wir kaufen es und führen Basic Thinking im Sinne von Robert weiter.
Für eine Übergangszeit von einigen Monaten wird Robert Basic eng mit uns zusammenarbeiten, um eine reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Themen wie Trends im Netz, Blogging, Social Networks, Web-Startups usw. werden auch in Zukunft Schwerpunkte des Blogs bilden. Wir wollen die Rolle des Blogs als eines der besten und bekanntesten im deutschsprachigen Raum weiter ausbauen.
So, das war’s erstmal von mir. Ich muss jetzt Weg, weil die Mutter meiner Freundin heute einen runden Geburtstag feiert. Und da darf ich nicht fehlen … ;-)<
Wenn Gerhard Schoolmann (abseits.de) recht haben sollte, kann sich Strohe später auch ruhig schlafen legen. Der Bamberger Blogger und Gastronom fand nämlich selbst 100.000 Euro für Basic-Thinking noch als zu niedrig geschätzt.

Im UPLOAD-Magazin von Jan Tißler konnte man gestern ein Interview mit dem gerade 16 Jahre alten Yannick Eckl lesen. Auch der hatte sein Blog verkauft - im August letzten Jahres.
Eckls “Blogschrott” war laut dessen Auskunft in finanzieller Hinsicht alles andere als Schrott.
6000 Euro will er erhalten haben. Da erscheinen die 47 000 für Basic Thinking fast schon geschenkt.
Was übrigens in SPIEGEL-ONLINE heute zu Basic-Thinking zu lesen ist, hört sich - gelinde ausgedrückt - unprofessionell an. Da heißt es ungetrübt von allzuviel Ahnung:
> 46.902 Euro zahlte er für die Domain, das Logo und den namen “Basic Thinking”.<
Nein: Thomas Strohe hat nicht nur die “Domain” basicthinking.de, das Logo und den Namen “Basic Thinking” gekauft, sondern auch rund 12.450 Artikel aus Basics Feder bzw. Tastatur.
Kurt Eicher, Studiendirektor am Justinus-Kerner-Gymnasium in Heilbronn, will den “alltäglichen Wahnsinn in unseren Wäldern nicht mehr länger dulden.”
Er lehnt die Jagd in Europa “aus ethischen und ökologischen Gründen” grundsätzlich ab und betreibt zu diesem Zweck die Websites anti-jagd-demo.de und abschaffung-der-jagd.de.
Dort schreibt er:
>300.000 Jäger bringen in Deutschland jährlich 5 Millionen Tiere um. Vielfach auf grausamste Weise: Hasen durch Schrotladungen, die sie vor Schmerz aufschreien lassen wie kleine Kinder; Rehe und Wildschweine durch »Expansionsgeschosse«, die aus den schwer verwundeten Tieren Blut und Darminhalte als »Pirschzeichen herausschlagen«, damit sie auf der Flucht Spuren für die Nachsuche hinterlassen; Marder und Füchse unter anderem durch Fallen, die den Tieren einen elenden Todeskampf bereiten. Junge Wildschweine geraten in Panik, weil man ihre Leitbache totschießt. Rehkitze sehen hilflos ihre Mütter verbluten. Was in Bambi-Filmen dem Publikum die Tränen in die Augen treibt, gehört in unseren Wäldern zum grausamen Alltag. […]
Es gibt keine Rechtfertigung mehr, dass wir den blutigen Krieg gegen unsere Mitgeschöpfe in Wald und Feld fortsetzen. Vielleicht war der Mensch früher auf seine Jagdbeute zum Überleben angewiesen. Heute dient sie nur mehr der Fleischsucht einiger Gourmets, die auf ihren Hasen- und Rehbraten nicht verzichten wollen. Vor allem aber lebt die Jagd von der Lust der Jäger zu töten, bequem und feige von Hochständen herunter und aus dem Hinterhalt zu schießen, vor denen sie ihre ahnungslosen Opfer zur Henkersmahlzeit versammeln. Unzählige Schusstürme säumen Waldränder und Waldwege, für die Tiere gibt es kaum ein Entkommen. Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, sagte treffend: »Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«Es wird höchste Zeit, von der Tradition der legalisierten Lust-Tötung von Tieren Abschied zu nehmen, von einer Tradition, die vom Hochadel und von Kirchenfürsten, von Politikern und Neureichen übernommen wurde, um menschliche Geltungsbedürfnisse und Aggressionen zu befriedigen.<
Zu den Opfern der Jagd zählt er Wildtiere, Haustiere und Menschen - und nennt dazu Zahlen:
>In Deutschland werden jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere mit Kugel oder Blei erschossen, erschlagen oder in Fallen grausam getötet. […]
Jahr für Jahr (werden) etwa 300.000 Hauskatzen und an die 40.000 Hunde von Jägern erschossen, erschlagen oder in Fallen gefangen.
Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen.<
Die letzte Statistik verzeichnet allein an diesem Wochenende zwei weitere Todesfälle - was Kurt Eicher ein “Verbot der Hobbyjagd jetzt!” fordern lässt.
An der Bergstraße wurde ein 40 Jahre alter Landwirt aus Leeheim von einem Kollegen erschossen - angeblich hatte der ihn mit einem Wildschwein verwechselt.
Der Mann wurde am Waldrand von Einhausen von einem Projektil in den Kopf getroffen und war auf der Stelle tot.
Das Polizeipräsidium Südhessen schreibt dazu:
>An der Treibjagd auf Wildschweine waren insgesamt 37 Schützen und 12 Treibern beteiligt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen noch am Tatort aufgenommen. Bislang ist der genaue Tathergang unklar, insbesondere die einzelnen Positionen der Jagdbeteiligten bei Schußabgabe. Die Schußwaffen aller Beteiligten wurden sichergestellt. Seitens der Polizei geht man von einem Unfall aus; die Ermittlungen werden wegen fahrlässiger Tötung geführt.<
Ausführlich berichtet über diesen Fall der Mannheimer Morgen. So heißt es dort:

>Die Treibjagd, zu der Jagdpächter Anton Rau seit vielen Jahren einlädt, ist in Einhausen ein gesellschaftliches Ereignis. Zur Begrüßung der Gäste erschien auch Bürgermeister Philipp Bohrer und wünschte einen guten Verlauf.
Jagdherr Rau gab vor dem Treiben die Regeln bekannt. Ausdrücklich betonte er, dass nur aus dem Treiben, nicht in das Treiben geschossen wird.
Wie Teilnehmer an der Jagd mitteilten, durften die Treiber-Schützen aus Sicherheitsgründen ihre Waffen nicht einmal laden, sondern nur einen Fangschuss aus unmittelbarer Nähe anbringen, wenn sie auf waidwund geschossenes Wild treffen.
Unmittelbar bevor der Mann mit einem Kopfschuss zusammenbrach, ertönte im dritten Treiben des Tages der Ruf “Sauen”. Es wurde mehrmals geschossen. Wie ein Augenzeuge berichtete, wurde der Jäger, der zur Sicherheit eine orangefarbene Mütze trug, zeitgleich von einem Treiber und einem Jäger gefunden.< [Links und Hervorhebungen von uns]
Die Zwischenüberschrift “Jagdherr achtete auf Sicherheit” wirkt in Anbetracht des Geschehens ein wenig makaber.
Auch das Darmstädter Echo berichtet heute über den Vorfall: “Schuss tötet Jäger während der Treibjagd“
hr-online.de schreibt, dass es zwei Tage später noch keine Hinweise auf den Schützen gibt. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittele - bislang wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.
Auf der Website des “Jagdklub Sankt Hubertus Bergstrasse” finden sich zur Zeit noch keine Informationen über den (vermuteten) Jagdunfall.
Ebenfalls am vergangenen Samstag starb in der Nähe von Freiburg der 46 Jahre alte Hornberger Forstrevierleiter Franz-Josef Mayer durch die Kugel eines Freundes.
In der Mittelbadischen Presse schreibt dazu Claudia Ramsteiner:
>Der Förster hatte sich, in einen Poncho gehüllt, auf einem Pfosten sitzend an einen Baum gelehnt und wartete auf Wild. Sein Freund befand sich 50 bis 80 Meter unterhalb dieser Stelle. Offensichtlich wusste er nicht, dass sich der Förster unweit von ihm aufhielt.
Als der Jäger ein »Rascheln« im Wald vernahm, legte er sein Gewehr an. Er sah im Zielfernrohr angeblich einen dunklen Schatten, den er für ein Wildschwein hielt, und drückte ab, berichtete die Polizei gestern von den ersten Ermittlungen. Die Kugel traf jedoch den Förster in den Rücken. Ein Notarzt konnte nur noch dessen Tod feststellen.<

[UPDATE 2: Es sieht nicht gut aus für den thüringischen Ministerpräsidenten. Medizinisch ist laut einem aktuellen Bulletin (8. 1.) seiner Ärzte “nach wie vor … die zeitliche und örtliche Orientierung noch nicht vollständig vorhanden.” Auch juristisch sieht es nicht gut aus für ihn. Der MDR berichtet, dass der verunglückte Politiker Verletzungen an der rechten Seite habe. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass Althaus den Unfall durch ein unverantwortliches Fahrverhalten herausgefordert hatte.
In den Worten des MDR würde es bedeuten, “dass er beim Zusammenprall nicht auf dem Weg nach rechts war, sondern links an der entgegenkommenden Skitouristin vorbei wollte. Auch dass der Unfall so weit auf dem Gebiet der anderen Piste stattgefunden habe, werde als Indiz dafür gesehen, dass Althaus nicht dem Pistenverlauf folgend nach rechts abgebogen war.” [Hervorhebungen von uns]
Sollte die Kollisionsroute durch eine eingestellte Grafik zutreffend dargestellt sein, wäre Althaus kurz vor dem Zusammenstoß buchstäblich von allen guten Geistern verlassen gewesen. Der Ministerpräsident ein Hasardeur auf der Piste? Für diesen Fall sieht der Berliner Kurier sein politisches Aus voraus.
Die WELT formuliert es differenzierter:
>Sollte sich der Eindruck bestätigen, dass sich Althaus auf der Piste falsch verhielt, droht ihm ein Gerichtsverfahren. Der politische Schaden für den Ministerpräsidenten wäre in jedem Fall immens.<
UPDATE 1: Mittlerweile werden auch in den etablierten Medien die im Grunde sehr naheliegenden Fragen gestellt, die in unserem Artikel schon früher aufgeworfen wurden.
Die morgen erscheinende aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazin SPIEGEL berichtet auf Seite 30 über den “verhängnisvollen Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus”. Es wird gefragt, ob Althaus als “Geisterfahrer” auf die falsche Piste geriet. Weiter heißt es: “Dass die Slowakin den Unfall verursacht hat, scheint aber eher unwahrscheinlich.“
(Die Logfiles von odenwald-geschichten.de verzeichnen übrigens auch heute morgen wieder Zugriffe über den Proxyserver igate.spiegel.de.)
Die Berliner Zeitung zeigt ebenso wie BILD eine große Grafik über den vermuteten Unfallhergang.
Das Hamburger Abendblatt spekuliert nun ebenso wie die Magdeburger Volksstimme über ein Ende der politischen Karriere von Althaus - unabhängig vom Fortgang seiner Genesung.
Der Guardian titelt heute: “Merkel ally could face manslaughter charge over skiing collision”. UPDATE Ende]
Nur wenige Monate nach dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider könnte erneut ein sich gerne als viril zeigender Politiker Opfer eigener Selbstüberschätzung geworden sein.
Haiders Thüringer Kollege Dieter Althaus (CDU) verunglückte schwer - am Neujahrstag, ebenfalls in Österreich, im Skigebiet Riesneralm.
Sollte sich der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, laut taz nun ein “politischer Patient“, von den Folgen seines Skiunfalles erholen, was zu hoffen ist, kann man gespannt sein, ob die Schuldfrage geklärt wird.
Bei dem Unfall starb die 41 Jahre alte Beata Christandl, sie hinterlässt ein einjähriges Kind.
Der MDR meint, die Ursache des Unfalls bleibe “rätselhaft”. Dabei muss es nicht bleiben. Im BLÖD-Blatt BILD wird der zuständige Staatsanwalt Walter Plöbst aus Leoben zitiert:
>Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung. Wir hoffen, dass wir Anfang nächster Woche durch den eingesetzten Sachverständigen und die Gerichtsmedizinerin die Art der Kollision klären können und Rückschlüsse ziehen können, wer den Unfall verschuldet hat.<
Auch die Basler Zeitung berichtet, dass gegen Althaus wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird.
Unter einem auf SPIEGEL Online veröffentlichten Polizeibild (s. rechts) heißt es: “Die Unglückstelle ist mit dem grünen Kreis markiert und liegt hinter einer Absperrung.” [Hervorhebung von uns].
Diese Absperrung müsste Althaus eigentlich durchbrochen (zumindest aber umfahren) haben, wenn die Fahrspuren (Althaus: rot, Beata C.: blau) und die Unglücksstelle korrekt eingetragen wurden!
Althaus war seinem Leibwächter (angeblich) davon gefahren, vermutlich war er zu schnell unterwegs und lenkte statt nach rechts nach links (bergaufwärts), um so seine Geschwindigkeit drosseln zu
können - dabei kam es wohl zu der Kollision mit Christandl.

Ein weiteres Bild (s. links) in der Fotostrecke des SPIEGEL zeigt die “Piste aus der Sicht der Skifahrerin”.
Darunter steht:
“Althaus kam auf der Piste rechts. Vor dem Fangzaun prallten die beiden aufeinander.”
[Hervorhebungen von uns]
Doch wie geschah das? Wie und warum kam Althaus auf die andere Seite des Fangzauns?
IM FOCUS wird der Geschäftsführer des Skigebiets Riesneralm in der Steiermark, Erwin Petz, so zitiert:
>Es ist an einer Stelle passiert, wo man sagt, da kommt man normal gar nicht hin. (mp3) < [Hervorhebung von uns]
Dann müsste Althaus also “unnormal” dorthin gekommen sein.
Der Unfall ist derzeit Thema in verschiedenen Webforen. Viele zweifeln daran, dass der Unfallhergang und die Schuldfrage aufgeklärt wird.
In der Süddeutschen Zeitung schrieb schon vor 2 Tagen ein Leser:
>wer wie ich mit zig-tausend anderen Sportlern seit vielen Jahren genau diese Unfallstelle von beiden Seiten passiert, kann diese vollständig falsche Berichterstattung nur mit Entsetzen verfolgen. Das ist Rechts- und Tatsachenverdrehung.
Wer von der “Sonnigen” kommt, hat aufgrund des wesentlich steileren Gefälles, als auf der “Panorama”, die absolut höhere Geschwindigkeit und damit kinetische Energie. Damit auch die höhere Sorgfaltspflicht beim Einfädeln.
Ein Frontalzusammenstoß bedeutet, dass Hr. A. falsch, nämlich nach links entgegen der Fahrtrichtung abgebogen ist, also verkehrswidrig.
Aber die Tatsachen haben fast noch nie eine Rolle gespielt, wenn es um Politik(er) geht. <[Hervorhebungen von uns]
IM SPIEGEL-Forum begründet eine Leser seine Schuldvermutung:
>Ganz einfach: Wenn jemand in Schussfahrt mal eben die begleitenden Sicherheitsleute so weit abhängt, dass diese den Unfall nicht mal mehr sehen können!!!!! ….ist eine Unschuldsvermutung auch in meinen Augen nicht mehr zwingend gerechtfertigt.<
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Irritierend war eine Berichterstattung, die Althaus a priori (oder a politi?) von jeder Schuld freisprechen will. Da wird auf seinen Schutzhelm verwiesen, obwohl dieser nur erklärt, warum er selbst mit dem Leben davonkam, aber nicht, wie es zu dem Unfall kam.
Tatsächlich könnte Althaus auch wegen dieses Schutzhelms schneller und riskanter gefahren sein als Christandl, die Sportlehrerin war.
Dafür spricht auch, dass der 50-Jährige seinem deutlich jüngeren Bodyguard davon gefahren sein soll, sogar außer Sichtweite, was eigentlich gar nicht geschehen durfte.
[Eine delikate Frage: Was wäre eigentlich, wenn der Leibwächter - seinem Auftrag folgend - Althaus nicht aus dem Auge verloren hätte? Würde er dann, als (einziger) Zeuge, eine mögliche Schuld seines “Schützlings” an dem fatalen Zusammenstoß bezeugen?
Mit dem konnte er sich nach dem Unfall noch verständigen, Althaus hatte erst später das Bewusstsein verloren.]
Interessant ist auch, was Michael Frank dazu vorgestern in der Süddeutschen Zeitung (”Rätsel um den tödlichen Moment“) schrieb:
>Wie gefährlich ist das Skifahren wirklich? Der Unfall des thüringischen Premiers und des slowakischen Todesopfers wirft diese Frage um so deutlicher auf, da er sich keineswegs auf einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys ereignet hat, sondern auf einem Areal, das als familienfreundlich und eher harmlos gilt.
Der Zufall will es, dass es keine unmittelbaren Zeugen gibt, obwohl beide in Begleitung waren. Die Skifahrer waren mit “mittlerem” Tempo unterwegs. Hinter Althaus fuhr ein Beamter seines Personenschutzes, hinter der Slowakin ihr österreichischer Ehemann.
Beide haben nichts von dem Zusammenstoß mitbekommen. So müssen Spurensicherer des steirischen Landeskriminalamtes “Sachbeweise” buchstäblich aus dem Schnee kratzen, um Hergang und Schuldfrage zu klären. Gelingen dürfte das kaum.< [Hervorhebungen von uns]
Warum eigentlich sollte das nicht gelingen? Und muss die Fahrweise von Althaus als “harmlos” gelten, nur weil er nicht auf “einschlägigem Terrain alpiner Pistenrowdys” unterwegs war. Gibt es “Pistenrowdys” ausschließlich auf “einschlägigem Terrain”?
Warum ist ausgemacht, dass der “Premier” mit “mittlerer Geschwindigkeit” unterwegs war, wo es doch angeblich keinen “unmittelbaren Zeugen” des Unfalls gibt?
Erwartet man im Ernst, dass der von Althaus (weit?) hinter sich gelassene Personenschützer seinem Chef eine überhöhte Geschwindigkeit anlastet?
Inzwischen hat sich doch ein Augenzeuge des Unfalls gemeldet. Er wurde bereits vernommen. Auch die Obduktion des Unfallopfers ist abgeschlossen. Erst in etwa 4 Wochen will die Staatsanwaltschaft in einer Pressekonferenz die Ermittlungsergebnisse mitteilen.
Ein neuer Artikel in der Süddeutschen von Birgit Lutz-Temsch geht auf die geänderte Situation ein:
>Dieser Zeuge, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft im steirischen Leoben bereits befragt wurde, könnte den Vermutungen um den Unfallhergang nun ein Ende setzen.[…]
Der Ort der Kollision nun liegt ein Stückchen oberhalb dieser Einmündung auf der blauen Piste. So weit die Fakten.
Dass einzelne Pisten aufeinandertreffen und dann vereint weiter den Berg hinabführen, ist üblich. In jedem Skigebiet stellen solche Vereinigungen besondere Gefahrenpunkte dar und erfordern von jedem einzelnen Skifahrer erhöhte Aufmerksamkeit - aber grundsätzlich kann ein Skifahrer an einer solchen Stelle fahren, wohin er will. Laut den Regeln des Internationalen Skiverbands (FIS) gibt es keine Geisterfahrer, denn auch hangaufwärts fahren ist erlaubt.[…]
Allem Anschein nach ist Althaus ein Stück hangaufwärts gefahren und hat damit also noch nichts Regelwidriges getan.
Sollte sich aber herausstellen, dass er dies mit hoher Geschwindigkeit und ohne die angemessene Sorgfalt getan hat, dann hat er sehr wohl gegen Regeln verstoßen, und nicht nur gegen die fünfte. Denn ausnahmslos alle FIS-Regeln mahnen Ski- und Snowboardfahrer zu Vorsicht und Umsicht. […]
Es ist auf den Pisten jedoch oftmals zu beobachten, dass es sich gerade bei Fahrern mit Helm um risikobereitere, schnelle Fahrer handelt. Helme und sonstige Schutzkleidung scheinen teils den Effekt zu haben, dass sich der Fahrer sicherer wähnt und sich selbst deshalb einen breiteren Handlungsspielraum erlaubt. Im Bergsport allgemein gibt es die Tendenz, mittels einer ausgefeilten technischen Ausrüstung fehlende Erfahrung, Sorgfalt und Können kompensieren zu wollen.< [Hervorhebungen von uns]
Ziemlich polemisch geht es im Forum der Stuttgarter Zeitung zu, wo die Frage gestellt wird, ob Althaus betrunken war, denn: “auf dieser Schneeautobahn gibt es keine Zusammenstösse wenn man Skifahren kann - schon gar keine mit Todesfolge.”
Der Ehemann der bei dem Unfall getöteten Skifahrerin, Dr. Bernhard Christandl (47), ist ein ranghoher Militär. In einem aktuellen Artikel des Virginian Pilot heißt es über das in Virginia Beach wohnende Ehepaar:
>According to several reports, Christandl was skiing with her husband, Bernhard Christandl, a colonel in the Austrian army, shortly before 3 p.m. Thursday when a crash occurred at the intersection of two ski slopes.[…]
Christandl was a Slovakian citizen who had lived with her husband in the 4200 block Country Club Circle for more than two years. Bernhard Christandl was assigned as a liaison to NATO Allied Command Transformation in Norfolk.<
Oberst Bernhard Christandl, der beim österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) für die militärpolitische Interessenvertretung bei der EU, WEU und NATO zuständig ist, wird wohl darauf bestehen, dass der Hergang des Unfalls, dem seine Frau zum Opfer fiel, geklärt wird.
Das Boulevard-Blatt “Österreich” weist in seinem Artikel zu dem “Pistencrash” darauf hin, dass “fahrlässige Tötung … in Österreich mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft” wird.
Althaus, der inzwischen aus dem künstlichen Koma erwachte und u.a. von seiner Frau Katharina besucht und gesprochen wurde, habe noch nicht nach der ums Leben gekommenen Skifahrerin gefragt.
“Darüber bin ich froh“, zitiert der FOCUS Gerold Wucherpfenning, Bauminister unter Althaus und einer der ersten Besucher an dessen Krankenbett.
Im Skisport gibt es für einen rücksichtlosen Skifahrer den Schimpfnamen “Pistensau”. Im Englischen heißt es dezidierter “terror of the slopes”.
Die FIS-Verhaltensregeln für Skifahrer schreiben u.a. vor:
>Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. […]
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen. […]
Jeder Skifahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren … will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.<
Ein Sachbuch von Patrick Schenner klärt über Haftungsfragen bei Skiunfällen auf: Skiunfall! Wer haftet?: Schadenersatz im österreichischen Skirecht
Die WELT rät akutell zu guter Versicherung: “Wenn der Skiunfall ein teures Nachspiel hat”
Es gibt Crashtests, die die tödlichen Gefahren bei einem Skiunfall simulieren. SPIEGEL Online zeigt einen solchen Crashtest in einem Video.
Ein aktuelleres SPIEGEL-Video stellt die möglichen Kollisionsrouten nach.
Immer wieder wurden auf diesen Seiten skandalöse Praktiken der Staatsanwaltschaft Darmstadt angeprangert - wobei die südhessische Behörde freilich keine Ausnahme darstellt.
Die bundesdeutsche Justiz, die nahezu alle Schreibtischtäter und -mörder aus der Nazizeit übernommen hatte und durch diese als eine Institution ohne innere Moral geprägt wurde, ist nur für den Naiven Garant des Rechtsstaates.
Der Gleichheitsgrundsatz ist nur ein Postulat - und selten wird es erfüllt.
Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ob zum Beispiel einer wegen Mord oder Totschlag oder auch nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zur Verantwortung gezogen wird, hängt nicht immer nur von der Fakten- und Rechtslage ab. Wichtiger oder sogar entscheidend könnte sein, wer das Opfer und wer der (mögliche) Täter war.
Wenn nach dem Opfer kaum ein Hahn kräht und der Täter ein Mann des Staates bzw. seines Apparates ist, sind die Ermittlungen erfahrungsgemäß schwierig - um es milde zu formulieren. Daran erinnert, man glaubt es kaum, ein Artikel aus dem biederbraven Darmstädter Echo. Er erschien bereits am 27. 12. Worum ging es?
Vor etwas mehr als einem Jahr, am 24. 12. 2007 starb - ganz unheilig - in Heppenheim ein 66 Jahre alter Rentner. Der depressive Mann war kurz vor Mitternacht von über 10 Projektilen in Brust, Beinen und Oberarmen getroffen worden. Er verblutete kurz darauf.
Der Mann war nicht etwa das Opfer skrupelloser Räuber geworden, sondern ein Opfer von “Freunden und Helfern”. 3 Polizisten wollten den Mann davon abhalten, sich umzubringen. Das hatte er angedroht. Viel zu drohen hatte er sonst aber nicht. Er war alleine in seiner Wohnung im 5. Stock eines Hochhauses, was seinen “Freunden und Helfern” bekannt und bewusst war.
Wie es dazu kommen konnte, dass Polizisten an Heilig Abend einen älteren Mann von einem angedrohten Selbstmord “abhalten”, indem sie ihn gleich selbst erschiessen - aus zwei Waffen mit 11 oder 12 Schüssen - das wüsste man doch gerne.

Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen. Ein Artikel in der WELT (”Polizei erschießt Depressiven am Heiligabend“) wurde von dutzenden Lesern kommentiert. Die meisten ahnten schon damals, dass die angekündigten “Ermittlungen” im Sande verlaufen würden.
Wenn “Ermittlungen” Resultate erwarten lassen, die nicht gewünscht sind, reagieren Behörden - ähnlich wie gewöhnliche Taschendiebe - mit typischen Tricks.
Es soll ja nicht auffallen, wenn das Recht gebeugt wird, wenn Strafe für strafffällig gewordene Leute aus den eigenen Reihen vereitelt wird.
Deswegen soll die Öffentlichkeit erst einmal vergessen, was geschehen ist. Dazu werden die “Ermittlungen” systematisch “entschleunigt”.
Sind dann ein oder zwei Jahre ins Land gezogen, kann man hoffen, dass eine strafbare Strafvereitelung nicht mehr weiter auffällt. Oft macht die Presse dieses Spiel mit, gerade in der Provinz.
Dass das Darmstädter Echo in dem hier geschilderten Fall dieses Spiel diesmal nicht mitmacht, ist die eigentliche Sensation.
Man würde gerne wissen, wer sich hinter dem Autorenkürzel “mai” verbirgt.
Ihm oder ihr ist nämlich zu danken, dass der Fall des an Heiligabend geselbstmordeten Rentners nicht der Vergessenheit anheim fiel.
Dass gewagt wird, an den Worten und der Wahrhaftigkeit des Darmstädter Oberstaatsanwalts Arno Siebecker (milde) zu zweifeln (auch an den “Schilderungen” des LKA) ist für Echo-Verhältnisse ungewöhnlich.
Man kannte so etwas von Reinhard Jörs, der für die Lokalredaktion Darmstadt-Dieburg schreibt.
Ihm war es zu verdanken, dass das schamlose Vorgehen der Staatsanwaltschaft Darmstadt im “Mordfall Kaffenberger” - damals wurde der kriminelle Sprössling eines hochrangigen Lokalpolitikers “gleicher als gleich” behandelt - zumindest publik wurde.
Aber zitieren wir doch, was “mai” in seinen 3 Schlusssätzen über das Heppenheimer “Heiligabend - Massaker” und die Seriosität der Ermittler schreibt:
>Die Ermittlungsbehörde werde den Vorfall „besonders sorgfältig“ überprüfen, diese Versicherung hatte der Darmstädter Oberstaatsanwalt Arno Siebecker unmittelbar nach dem tödlichen Drama abgegeben. „Einige Monate“ werde es vermutlich dauern, bis das Ergebnis der Untersuchungen vorliege. Jetzt ist ein ganzes Jahr vergangen.<
Auch der Hessische Rundfunk hatte damals über den Fall berichtet. Am Ende des am 27. 12. 2007 veröffentlichten Textes hieß es:
>Wenn sich der Sachverhalt so erhärte, würden die verantwortlichen Beamten voraussichtlich der Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt werden, sagte der Sprecher. Ein sauberes Verfahren sei notwendig, um jeden Verdacht der Mauschelei zu vermeiden. Im Laufe des Ermittlungsverfahrens könne sich beispielsweise auch herausstellen, dass bei den Beamten kein Verschulden zu erkennen sei.< [Hervorhebungen von uns]
Wir hatten bereits vor einem halben Jahr nach dem Stand der Ermittlungen gefragt:
>Ist bekannt, ob es für die Verantwortlichen des desaströsen Einsatzes zu Konsequenzen kam?
Wahrscheinlich nicht.
Man muss sich nur die Geschichte des Josef Hoss anschauen, um zu erahnen, wie die “Ermittlungen” in dem Heppenheimer Fall verlaufen und enden dürften.<
Statt eines eigenen Kommentars sei abschließend der zumindest im Internet zu einer gewissen Berühmtheit gelangte Ex-Richter Frank Fahsel (erneut) zitiert:
>Ich habe unzählige Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte erleben müssen, die man schlicht “kriminell” nennen kann…
Ich … habe … ebenso unglaubliche wie unzählige, vom System organisierte Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen erlebt, gegen die nicht anzukommen war/ist, weil sie systemkonform sind…
Wenn ich an meinen Beruf zurückdenke (ich bin im Ruhestand), dann überkommt mich ein tiefer Ekel vor ‘meinesgleichen’.<
Die Stuttgarter Zeitung hatte übrigens vor zwei Monaten an Fahsel und dessen Nestbeschmutzung erinnert: “Ex-Richter geht mit seiner Zunft ins Gericht - und die schweigt.”
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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