Odenwald Geschichten

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Montag, 30. März 2009

Wahldebakel für die Odenwälder SPD: Finden sich Gründe auch im Internet?

von @ 10:39. Kategorien: Medien, Politik

Weblogs die 5. Gewalt?: Eine empirische Untersuchung zum emanzipatorischen Mediengebrauch von Weblogs

Seit etwa 7 Jahren gibt es die ‘Odenwald Geschichten’. Die WayBackMachine von archive.org erlaubt einen (unvollständigen) Rückblick auf die Entwicklung dieser Website.
Schon in seinen Anfängen war es ein kritisches Online-Journal, ein “Weblog”, obwohl dieser Begriff 2002 kaum einem bekannt war.
Ursprünglich mit Hilfe von linkhitlist.com betrieben, bestand schon damals die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren und zu bewerten. Viele haben dies genutzt.
Circa 4000 Artikel dürften seither unter dieser Adresse erschienen sein. Auch die Zahl der Kommentare geht in die Tausende. Die Logfiles verzeichnen heute oft pro Tag schon tausend und mehr Besucher.
Auf der Liste der (regional focussierten) “Top blogs Deutschland” von Wikio finden sich die ‘Odenwald Geschichten’ derzeit auf Position 37.
Sucht man bei Google nach “Odenwald Geschichten” werden mehr als 8000 Treffer angezeigt - die Adresse wurde oft verlinkt und zitiert.
Für das politische “Establishment” im Odenwald besonders pikant: Sucht man bei Google Informationen zu den (kleinen) “Großen” im Odenwald, listet die Suchmaschine Artikel aus den Odenwald Geschichten häufig an vorderster Stelle.
Horst Schnur” bzw. “Landrat Schnur” ist darüber bekanntlich wenig erbaut.
Im Internet hat kaum kein anderer deutscher Regionalpolitiker so viel Kritik erfahren und Autorität eingebüßt wie Horst Schnur.
(Google listet allein auf odenwald-geschichten.de knapp 900 Artikel auf, die sich kritisch mit dem Odenwälder Landrat auseinandersetzen. Andere Blogs zogen später nach.)
Sicher: Die Printpresse erreicht lokal und regional noch immer weitaus mehr Leser als Online-Medien. Nur hat das Internet ein langes Gedächtnis. Printartikel landen nach wenigen Tagen in der Papiertonne.

Die ursprünglich als Nachfolgerin ausersehene und dann gescheiterte SPD-Kandidatin Erika Ober kann sich nun damit trösten, dass sich zukünftig zumindest ihre negative (Internet-) Prominenz in engen Grenzen halten wird.

Dass vor 3 Jahren ausgerechnet die SPD-nahe Frankfurter Rundschau über die ‘Odenwald-Geschichten’ berichtete - in einem für das Landratsamt wenig schmeichelhaften Kontext - dürfte für dessen Chef ebenfalls in unguter Erinnerung sein.
Schließlich war dieses Weblog damals auch eine intensiv genutzte Plattform, wo die Leidtragenden der Hartz-IV-Reform und unzufriedene Klienten des örtlichen Jobcenters ihren wütenden Protest äußerten.
Dutzende Odenwälder, darunter auch Kommunalpolitiker der Grünen, der FDP und der Linken, haben sich an einer “Unterschriftenaktion Meinungs- und Pressefreiheit” beteiligt, die von uns weiterhin unterstützt wird.

Landrat Horst Schnur und der Landtagsabgeordnete Michael Reuter hatten jeweils versucht, mit Strafanzeigen gegen den Herausgeber der ‘Odenwald Geschichten’ ihnen unliebsame Berichte (s. Rubrik ‘Brisant’) zu verhindern.
Beide hatte damit keinen Erfolg, obwohl ihnen (Partei-) Freunde bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt und dem Amtsgericht Michelstadt diesen Erfolg gerne gegönnt hätten.
Dass Schnurs früherer Rechtsdirektor Georg Dürig bei seinem Herrn in Ungnade fiel, könnte auch damit zu tun haben, dass er aus dessen Sicht die juristische Keule nicht gut genug schwang.
Tatsächlich wurde Schnur zum Verhängnis, dass er Kritik in provokanter Form zum Schweigen bringen wollte - statt sich inhaltlich und fair damit auseinanderzusetzen.

Und so wurde hier weiterhin in einer Deutlichkeit Kritik an den politischen Missständen im Odenwaldkreis geübt, die bis dahin kein Beispiel hatte.
RegiobloggerPeter Löwenstein konstatierte, dass in den Odenwald Geschichten eine “klare und unabhängigere Sprache zu Filz und Kungeleien der lokalen Politiker” gefunden wurde.
Denn jahrzehntelang hatte in der südsüdhessischen Provinz plumpe Hofberichterstattung dominiert und eine letztlich nur auf Pöstchen und persönliche Vorteile bedachte Kungelei zwischen nur scheinbar gegnerischen Politikern und Parteien.
Das könnte sich fortsetzen, auch unter dem designierten Landrat Dietrich Kübler. Das Odenwälder Echo wird es sich mit keiner Macht verderben wollen.

Bild

Im Internet aber ist der Damm gebrochen. Nicht nur auf den Odenwald-Geschichten wird heute eine deutlichere Sprache zu politischen Missständen in der Provinz gesprochen.

Die Odenwälder SPD, die in den Worten des Echo-Chefredakteurs Gerhard Grünewaldbis vor wenigen Jahren praktisch alle Fäden in der Hand hielt“, hat dies leidvoll erfahren.

Übrigens auch der Oh-Echo-Mann. Sucht man bei Google nach “Gerhard Grünewald” wird als erster Treffer ein Artikel der Odenwald-Geschichten gelistet.
(Insgesamt verzeichnet Google 239 “Odenwald Geschichten”, in denen der Echo-Redakteur eine meist unrühmliche Rolle spielt.)

Das SPD-Debakel bei der jüngsten Landratswahl im Odenwaldkreis hat sicher verschiedene Gründe. Welche Rolle spielte dabei das Internet?

Deswegen eine Umfrage in eigener Sache:

Hat der kritische Weblog “Odenwald-Geschichten.de” politisch etwas bewegt?

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Unser Literaturtipp:

Tino Seeber: Weblogs die 5. Gewalt? Eine empirische Untersuchung zum emanzipatorischen Mediengebrauch von Weblogs

Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Einleitung liegen im pdf-Format vor.


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Historisches Debakel für Odenwälder SPD - Das Scheitern von Erika Ober ist hausgemacht

von @ 4:26. Kategorien: Medien, Politik

Was Erika Ober, desaströs gescheiterte SPD-Landratskandidatin im Odenwaldkreis, am Abend des 8. März vor einer Kamera des Hessischen Rundfunks heiser krächzte, war nicht frei von Chuzpe: Sie sei mit ihrem SPD-Parteibuch “gestraft” gewesen - und dies in einem Landkreis, in dem man 6 lange Jahrzehnte guten Grundes hoffen konnte, ob dieses Parteibuchs belohnt zu werden, auch materiell.
Aber stimmte das überhaupt, dass zumindest am 8. März die arme Ober, mit ihrem Parteibuch so beschwert wie Christus mit dem Kreuz auf dem Weg nach Golgatha, nur der Bundes-SPD oder der Landes-SPD wegen verlor?
Genau eine Woche später nämlich, am 15. März, siegte in Kiel bei der Wahl zum Oberbürgermeister der SPD-Kandidat Torsten Albig - und zwar mit 52,1%.
Zum Vergleich: Erika Ober erzielte 28,1%.
Larmoyanz mag ihr zugeflüstert haben: Ypsilanti! Ypsilanti! Der Verstand sollte ihr allerdings gesagt haben, dass ein solches Wahldebakel zu einem erheblichen Teil auch hausgemacht sein muss.

Nachfolgend eine kleine Auswahl von Berichten und Kommentaren zur politischen “Zäsur” im Odenwaldkreis (alle Hervorhebungen sind von uns):

Wolfgang Hörnlein vom Pressedienst -pdh- schreibt:

>Horst Schnur, der vor vier Wochen seinen 67sten Geburtstag feierte, hat dem Kreis achtzehn Jahre lang als Landrat vorgestanden und ist nicht mehr zu Wiederwahl angetreten. Mit ihm endet am 1. September 2009 eine traditionsreiche sozialdemokratische Ära, denn seit 1945 stellte die SPD den Landrat im Odenwaldkreis.
Eine Zäsur, die die Genossen im Kreis noch nicht verwunden haben. Daher wird sich möglicherweise die politische Ausrichtung im Odenwaldkreis zukünftig verändern. Der Kreistag in Erbach hat 51 Mitglieder und setzt sich zusammen aus SPD (22), CDU (15), ÜWG (5), Grüne (3), FDP (2), Linke (2) und Republikaner (2).

Ein Landrat aus dem Kreis der ÜWG wird sich wechselnde Mehrheiten suchen müssen, um seine politischen Vorhaben umsetzen zu können. Die historische Zusammenarbeit der SPD mit der ÜWG ist nicht mehr sicher, nachdem sich Kübler gegen den erklärten Willen der Sozialdemokraten zur Wahl gestellt hatte.
Man hatte ihm bei Verzicht auf die Kandidatur zum Landrat einen gut dotierten Posten als nunmehr hauptamtlichen Ersten Kreisbeigeordneten angeboten, um die sozialdemokratische Kandidatin durchzubringen. Dieses Vorhaben war im Odenwaldkreis auf harsche Kritik gestoßen und damit gescheitert.<

Gewohnt komisch liest sich, was Gerhard Grünewald im Odenwälder Echo in Form von (immer wieder) wirren Bandwurmsätzen und wundersamen Wortabfolgen (”Führungsebene der Erbringer öffentlicher Leistungen”) von sich gibt. Der erste Satz seines Kommentars zitiert übrigens den letzten Satz von Jesus vor dem Tod am Kreuz:

Bild

Bild

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Wenn Grünewald schreibt, dass die “Regierung Schnur” die “von ihr selbst verschuldete Präsenz” des “Schlechten” “so gern verschweigt“, müsste er sich natürlich wieder an die eigene Chefredakteursnase greifen.

Es ist die Aufgabe der Presse, auszusprechen, wo und wie eine Regierung (”im Schlechten“) versagt. Genau darin aber hat das Erbacher Käseblatt jahrzehntelang selbst versagt und so dazu beigetragen, dass “die Partei” über 6 Jahrzehnte hinweg “praktisch alle Fäden in der Hand hielt“.
Erinnert man sich noch daran, dass beispielsweise über die groteske Micky-Affäre um die Leiterin von Schnurs Jobcenter zwar in der Frankfurter Rundschau berichtet wurde, nicht aber im Odenwälder Echo?

Zu jenen (”praktisch allen“) Fäden, die Horst Schnur in der Hand hielt, zählten auch die (ca. 200 m langen) Fäden vom Landratsamt in die nahe gelegene Echo-Redaktion. Daran nämlich hing auch Gerhard Grünewald - als eine wenig souveräne Marionette für die mediale Präsentation des Provinzfürsten.


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Sonntag, 29. März 2009

Odenwaldkreis: Dietrich Kübler (ÜWG) neuer Landrat - 19.385 Wähler (86,6%) geben dem Überparteilichen das Ja-Wort

von @ 4:32. Kategorien: Politik

Horst Schnur gratulliert Nachfolger Dietrich Kübler

Nun ist es offiziell: Die über 6 Jahrzehnte währende Dominanz der SPD im Odenwaldkreis ist gebrochen.
In der Stichwahl, die nach dem Rückzug von Erika Ober (SPD) eigentlich gar keine mehr war, wurde Dietrich Kübler (ÜWG) zum neuen Landrat des Odenwaldkreises gewählt.
Laut vorläufigem Endergebnis lag die Wahlbeteiligung nur noch bei 29,6%.
Für Kübler stimmten 86,6%, gegen ihn stimmten 13,4%.
In absoluten Zahlen: 19.358 gaben ihm ein politisches “Ja-Wort”, mit “Nein” votierten exakt (?!) 3000 Wähler.
HR-Online spricht von einer “neuen Ära” im Odenwaldkreis. Allerdings ist die SPD im Kreistag nach wie vor die stärkste Partei, Kübler wird mit ihr zusammenarbeiten müssen. Man darf gespannt sein, wie sich das Verhältnis zwischen beiden entwickelt.

Wie in den einzelnen Gemeinden für oder gegen Kübler gestimmt wurde, kann hier eingesehen werden.

Und wie sähe das Ergebnis aus, wenn sich Erika Ober der Stichwahl doch gestellt hätte? Sie hätte mit Sicherheit verloren, doch hätte Kübler in diesem Fall kaum 86% der Stimmen erhalten. Innerhalb der SPD war Obers Entscheidung umstritten - gelinde ausgedrückt. Ihre politische Zukunft liegt wohl hinter ihr. Karin Holzer, Initiatorin der Gruppe “Mein Herz schlägt links”, ist der Genossin jedenfalls nicht mehr hold. Schon am 11. März rechnete sie mit Ober ab: “Ich kann die Odenwälder Genossinnen und Genossen nur beglückwünschen, dass ihnen eine solche Person als Repräsentantin des Kreises erspart bleibt.” Nachfolgend der vollständige Text:

>Am vergangenen Sonntag sollte im Odenwaldkreis (Hessen) ein neuer Landrat gewählt werden. Da es etliche Kandidaten gab, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Stichwahl folgen musste. Die Erwartung wurde erfüllt. Mit großem Vorsprung zog ein unabhängiger Kandidat in die Stichwahl ein. Die Bundestagsabgeordntete Dr. Erika Ober war zweite. Zugegeben, sie lag ca. 20% hinter dem Gegenkandidaten. Zugegeben, sie würde die Stichwahl vermutlich nicht gewinnen. Aber dass sie 24 Stunden nach dem ersten Wahlgang ihren Rückzug vermeldete, ist unverzeihlich. Sie kann nicht für sich entscheiden, dass sie die Stichwahl für überflüssig hält. Laut Gesetz muss auf jeden Fall dieser Wahlgang stattfinden. Die Wahl ist aber eine Farce, denn es steht jetzt nur noch ein Kandidat zur Verfügung. Erika Ober hat eine Verantwortung gegenüber der Partei und den Wählern. Die stehen jetzt brüskiert abseits und haben keine Möglichkeit, ihren Protest gegen den zukünftigen Landrat zu zeigen. Wofür haben sie wochenlang gekämpft? Gut, sie können mit “Nein” stimmen. Aber das ist kein Ersatz für eine echte Wahlentscheidung. Mich empört, dass Genossinnen und Genossen, meist beheimatet auf dem eher rechten Flügel der SPD, offenbar solche Kandidaturen nur als privates Karrieresprungbrett betrachten. Eine Niederlage macht sich nicht gut in der Biographie. Wieviele Menschen sie mit ihren Privatbeschlüssen verletzen, interessiert sie nicht. Ein solcher Egoismus ist schwer erträglich. Wo bleibt das Wir-Gefühl? Für solche Feiglinge muss wohl vorher eine sichere Schiene verlegt werden, gepolstert und kantenlos, damit eine Niederlage auf jeden Fall ausgeschlossen wird. Verantwortung haben diese Egomanen und Karrieristen offenbar nur für ihr eigenes Wohlbefinden. Ich kann die Odenwälder Genossinnen und Genossen nur beglückwünschen, dass ihnen eine solche Person als Repräsentantin des Kreises erspart bleibt.<

Das pdh-Bild zeigt, wie der scheidende Landrat Horst Schnur seinem Nachfolger gratuliert. Wahre Freude sieht anders aus.


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Dienstag, 17. März 2009

Erfurt - Emsdetten - Winnenden: Verläuft bei der Terrorbekämpfung eine zweite Front quer durch deutsche Kinderzimmer?

von @ 12:30. Kategorien: Terror

School Shootings. Über die Relevanz der Phantasie für die Begehung von Mehrfachtötungen durch Jugendliche

34 Personen wurden in den Jahren 1971 - 1993 durch die RAF getötet. Diese Zahl nennt Wikipedia. Sie nennt auch die Namen der Toten.
Die beiden Teenager Robert Steinhäuser und Tim Kretschmer können sich, was die Zahl ihrer Opfer angeht, mit der RAF durchaus messen.
Die erschütterte den Staat, die Amokläufer erschütterten die Herzen.

Der 19 Jahre alte Erfurter ermordete am 26. April 2002 im Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen, der 17 Jahre alte Kretschmer ermordete am 11. März 2009 während seines Amoklaufes in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen.
Anders als im Fall der RAF besteht an der jeweiligen Täterschaft auch kein Zweifel.

Das fast 30 Jahre zurückliegende und bis heute nicht wirklich aufgeklärte Oktoberfestattentat gilt (wiederum laut Wikipedia) “als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte” - es hatte einen rechtsextremistischen Hintergrund, 13 Menschen starben damals.
Auch hier gilt: Was den Blutzoll betrifft, übertraf sowohl der Amoklauf von Steinhäuser als auch der Amoklauf von Kretschmer den Terrorakt in München.
Islamistische Attentäter, etwa die beiden Kofferbomber, strebten zwar eine hohe Opferzahl an, scheiterten mit ihren Mordplänen aber entweder am eigenen Dilettantismus, am Zufall, an der Wachsamkeit der Geheimdienste oder an allem zusammen - bislang jedenfalls.

In einer satirischen Kolumne war vor 7 Jahren die Frage gestellt worden:

Verläuft bei der Terrorbekämpfung eine zweite Front quer durch bundesdeutsche Kinderzimmer?

Nach dem Amoklauf von Emsdetten und dem jüngsten Amoklauf von Winnenden scheint die Satire von der Realität eingeholt. Die gelangte nun sogar auf das Cover eines bekannten Nachrichtenmagazins.
Der SPIEGEL titelt in seiner neuesten Ausgabe: “Wenn Kinder zu Killern werden“.

So wurde 2002 das gleiche Sujet satirisch erfasst:

>Wer hätte in Deutschland erwartet, dass nach dem Terroranschlag vom 11. September der nächste inländische Terroranschlag nicht von islamistischen Extremisten verübt würde, sondern von einem gescheiterten Gymnasiasten aus Thüringen?
Der hatte seine militärische Grundausbildung statt in afghanischen Camps in örtlichen Schützenvereinen erhalten.
Nur die Nutzung moderner Computerspiele verband den frustrierten Thüringer mit den fanatisierten Terroristen: Diese bereiteten sich mit dem Flugsimulator von Microsoft vor, während sich Robert Steinhäuser mit Counterstrike und Quake für sein Massaker einübte.
Eine irritierende Vorstellung für viele Eltern, denen aus Kinderzimmern das Geballer von Computer- und Videospielen an die Ohren dringt. Lernt der Junge am Computer für die Schule oder für das Leben, oder agiert er eine latente Mordlust aus, trainiert er das Töten?
Für Staatsschützer und Polizeibehörden eröffnet sich neben dem politisch-religiös motivierten Terrorismus quer durch bundesdeutsche Kinder- und Jugendzimmer eine zweite Front, die eine eigene Rasterfahndung nötig macht.
Spielt der Sprössling Quake, Doom, Counterstrike oder Ähnliches? Ist er ein Fan von Schwarzeneggers Terminator und von düsteren Fäkal-Fascho-Bands? Kloppt er gerne zynische Nazi-Sprüche? Ist er ein verschlossener Schulversager? Denkt er bei Matrix eher an Massaker als an Mathematik?
Wenn das und mehr zusammenkommt, müssten die Alarmglocken schrillen, vor allem für Eltern, die abends nicht sicher sind, ob ihr Junge schon schläft oder sich nur als Schläfer tarnt. Die beruhigende elterliche Gewissheit, dass sich der Nachwuchs beim gebannten Starren auf Bildschirmblutbäder nur auf zeitgemäße Weise »unterhält«, am Besten als Teil einer johlenden Gruppe gleich gesinnter Kids - hey, cool Mann, kuck mal wie die Eingeweide rausquellen - diese Gewissheit könnte einer gewissen Beunruhigung weichen.
Zeit, dem Buben bei solchen Vergnügungen Einhalt zu gebieten: Für heute reichts, Robert!<

Nun sieht man, dass der Wahnwitz real werden kann und die Realität wahnwitzig - eigentlich keine neue Erkenntnis.

Und wie soll man werten, was letzte Woche das Odenwälder Echo in gleicher Sache seinen Lesern servierte?
Dessen Redaktion hatte sich “dem aktuellen Anlass gemäß entschieden“, den “Aufsatz” eines “jungen Odenwälders” zu veröffentlichen - weil, Zitat, “seine Ausführungen die Bluttat, ihre möglichen Hintergründe und vor allem den öffentlichen Umgang damit einmal aus der Perspektive jener betrachten, deren persönliche Vorlieben mit dem Amoklauf wieder in die öffentliche Diskussion geraten sind.”

Nun ist es zwar durchaus mutig, wenn sich Sven Lautenschläger, so heißt der junge Mann, als Fan von “Killerspielen”, Horrorvideos und “aggressiver Musik” outet

>Ich selbst würde die von selbst ernannten Experten so gerne genannten Kriterien erfüllen, die angeblich zur Heranbildung eines Amokläufers beitragen.<

Man glaubt dem 26 Jahre alten gelernten Bäcker aber ohne weiteres, wenn er ergänzt:

>Ich hatte aber noch nie auch nur ansatzweise den Gedanken daran, so eine schreckliche Tat zu begehen.
Ich habe ein gutes soziales Umfeld, eine normale Erziehung von meinen Eltern erhalten, einen normalen Bildungsweg durchlaufen, bin berufstätig, habe Perspektiven für meine Zukunft, bin also ein recht anständiges Mitglied der Gesellschaft.<

Nur: Horrorvideos zu konsumieren und Musik der Band “Slipknot” zu goutieren ist schlicht schlechter Geschmack und muss man schlechten Geschmack unbedingt öffentlich machen?

Die Konklusion, auf die seine Ausführungen hinauslaufen, ist zudem falsch. Niemand hat je behauptet, dass jeder Fan von Killerspielen, Horrovideos und Brüllbands automatisch zum Amokläufer wird. Um dies zu negieren, genügt tatsächlich schon die eine Ausnahme.
Dennoch gibt es Zusammenhänge und eine (Un-) Kultur hat ihre Tiefenwirkung.
Amokläufe von Jugendlichen wie die in Erfurt, Emsdetten und Winnenden gab es in früheren Jahren nicht (sieht man davon ab, dass zwischen 1939 und 1945 eine ganze Nation Amok lief) und dass es sie in den letzten Jahren gab, lag nicht daran, dass das “System und die Gesellschaft an sich versagt haben“.
Lautenschläger, dessen Beitrag auch im Echo-Online-Forum (bisher vergeblich) zur Diskussion gestellt wurde, schreibt zuletzt:

>Würden mehr Jugendliche bessere Perspektiven in diesem Land haben, eine gute Bildung erhalten und in besseren sozialen Verhältnissen aufwachsen, müsste man sich über diese Themen wahrscheinlich viel weniger Gedanken machen.<

Die Person und die Vita von Steinhäuser und Kretschmer führen dieses Argument ad absurdum. Beide wuchsen in guten sozialen Verhältnissen auf und erhielten eine gute Bildung.
Das galt übrigens auch für jene Jugendlichen, die vor 14 Jahren in der Nähe von Dieburg aus dem fahrenden Auto heraus den Heizungsmonteur Peter Wilhelm Kaffenberger erschossen.
Solche Taten erklären sich eben doch - zwar nicht ganz aber teilweise - aus einer vorausgegangenen, systematischen Desensibilisierung.
Killerspiele, Horrovideos und Bands wie Slipknot sind gleichermaßen Agens wie Ausdruck einer kulturellen Verrohung. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dem durch Verbote entgegenzuwirken.

Mobilität hat ihren Preis, vor allem durch zahlreiche Verkehrstote und auch Liberalität hat ihren Preis, ob nun (fast) jeder Waffen in die Hände bekommen kann oder (fast) jeder “kulturelle” Schrott in die Hirne gelangen kann.

Sven Lautenschläger ist übrigens nicht der einzige junge Odenwälder, der für die Ehrenrettung von Computer-Killerspielern streitet. Stefan Uhrig alias “Kampftiger Sarathai” trat schon 2006 aus der CDU aus, weil “gerade von Seiten der CDU … Computerspieler teilweise als gemeingefährliche potentielle Gewalttäter hingestellt” worden seien.
Nun meldet sich der Erbacher erneut zu Wort und fragt, ob nicht auch “VW Polo, Opel Corso und ähnliche Modelle” verboten werden sollten, weil sie “oft von Jugendlichen gefahren werden … (und) Unfälle mit dieser Art von Auto sehr häufig stattfinden “.


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Donnerstag, 12. März 2009

(Fast) Ohne Worte: Qualitätsmedium Buxtehuder Tageblatt über Amoklauf in Winnenden - und Schießstand für Kinder

von @ 12:41. Kategorien: Polizei, Presse


winnenden buxtehuder tageblatt

Passend hierzu Auszüge aus einem Artikel des Standard vom 19. 2. 2009:

>Krise als Chance für Qualitätsmedien
“Zeit”-Herausgeber: Zeitungen vermitteln Vertrauen und Reputation

Im Umfeld von Finanz- und Wirtschaftskrise gelangte Josef Joffe, Herausgeber der Hamburger “Zeit”, zu einem überraschenden Schluss: “Journalismus hat eine glänzende Zukunft vor sich”, sagte Joffe beim Medienseminar von Reporter ohne Grenzen. “Quality sells”, bediente sich Joffe eines Schlagworts, um die Weltwirtschaftskrise zur Chance für Qualitätsmedien zu erklären: “Wenn Mediennutzer die Weltwirtschaftskrise erklärt bekommen wollen, gehen sie nicht zu Twitter”, spielte der Verleger auf den neuerdings beliebten Blogging-Dienst an. Vielmehr ist journalistische Kompetenz genau dann gefragt.
Twitter verhalte sich zu richtigen Nachrichten “wie ein Quickie zu einer richtigen Liebesnacht: Die Qualität macht den Unterschied aus.” Zeitungen vermittelten Vertrauen und Reputation und “bedeuten letztlich Cash”, sagte Joffe.
Der Herausgeber glaubt an das haptische Erlebnis beim Zeitunglesen und kann sich doch vorstellen, dass es “vielleicht irgendwann keine Papierzeitung mehr gibt: Aber es wird immer Journalisten geben.”<

Über Qualitätsmedien und Qualitätsjournalisten denkt heute auch Nachwuchtalent Pia Röder (Die Gosch) nach: uund Action.

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Mittwoch, 11. März 2009

Schul-Amoklauf in Winnenden - 16 Tote - Auch Täter Tim Kretschmer tot - Twitter wurde Newsplattform

von @ 12:08. Kategorien: Polizei

Kurzschluss: Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach

UPDATE: Ein inzwischen bei YouTube eingestelltes Handy-Video zeigt die letzten Sekunden des Amokläufers. Das Video ist verwackelt und unscharf.
Spiegel-Online schreibt dazu:

>Wie K. tatsächlich starb, ob und wie er zuvor verwundet wurde - Fragen, die durch das Videomaterial nicht zu klären sind. <

Nicht nur YouTube hält Informationen zu dem Amokläufer bereit. Auch die (englischsprachige) Wikipedia klärt über den Täter auf - bei voller Namensnennung.

KOMMENTAR: Staunen kann man hier auch über eine sich unisono in zahllosen Berichten manifestierende Einfalt. Der Täter sei völlig “unauffällig” gewesen, heißt es hier wie dort.
Doch ist es wirklich “unauffällig”, wenn ein Junge aus “gutem Hause” - der Vater ist Unternehmer, wohlhabend, fährt angeblich Porsche - den gymnasialen Bildungsweg nicht bewältigt und “nur” einen womöglich noch schwachen oder mittelmäßigen Realschulabschluss schafft?
Kann man sich nicht vorstellen, welche Spannungen, welche Enttäuschungen sich in einer äußerlich intakt wirkenden Familie über die Jahre hin breit machten? Die Stuttgarter Zeitung spricht davon, dass sich Vater und Sohn bei Niederlagen im Tischtennis angeschrien hätten.
Und was geschah bei schulischen Niederlagen?

Der Amokläufer hat auch das Leben seiner Eltern zerstört, das wird er gewusst haben, das hat er zumindest in Kauf genommen und vielleicht sogar gewollt.

Inzwischen hat sich bestätigt, dass der Täter so “auffällig unauffällig” nun doch nicht war.
So liest man nun bei Spiegel-Online:

>Nach den Angaben der Polizei befand sich Tim K. seit 2008 wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung, zunächst stationär in Raum Heilbronn. Er wollte den Angaben zufolge die Therapie im Krankenhaus von Winnenden fortsetzen - hat dies aber offensichtlich versäumt. Eines seiner Opfer erschoss K. auf dem Gelände dieser Klinik. <

Diese Tat zeugt schließlich auch von einer völligen Verrohung. Das aber dürfte nicht nur das “Problem” des Tim Kretschmer gewesen sein.

UPDATE: Auf Spiegel-Online findet sich nun das “Protokoll eines Massenmords“, in dem die Geschehnisse in Winnenden und dann in Wendlingen chronologisch aufgeführt werden.

Schon vorher wurde gemeldet, dass der Amokläufer insgesamt 16 Menschen erschoss und dann in dem 40 km entfernten Ort Wendlingen in einem Feuergefecht mit Polizisten ums Leben kam.
Nach letzten Informationen soll er sich eine Kugel in den Kopf geschossen haben.

Auf verschiedenen Seiten werden Vorname und Nachname des Täters genannt. Auch TIMES ONLINE nennt den Namen Tim Kretschmer.

Auf dem Weblog Roadrunner werden weitere Tatumstände aufgeführt:

>Tim Kretschmer war 17 Jahre alt und stammt aus einem wohlhabenden Elternhaus. Er schloss im letzten Jahr seine Schullaufbahn an der Albertville-Realschule ab.
Tim Kretschmer hat sich offenbar am Waffenarsenal seines Vaters bedient. Dieser besitzt insgesamt 18 Waffen. Diese aber alle vollkommen legal.
Mittlerweile wurde bekannt, dass Tim Kretschmer insgesamt 9 Schüler und 3 Lehrer erschossen hat. Auf seiner Flucht erschoss er einen Mitarbeiter des nahegelegenen psychiatrischen Krankenhauses. Danach stahl er einen VW Scharan und fuhr damit nach Wendlingen. Den Fahrer des Autos ließ er unterwegs frei. In Wendlingen kamen weitere zwei Passanten durch Schüsse aus Tim Kretschmers Waffe ums Leben, zwei Polizisten wurden bei dieser Schießerei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.<

“Roadrunner” bezieht sich auf Informationen, die auf der Microblogging-Plattform Twitter kursieren.
Natali Haug mit dem Nickname “Tontaube” hat am eifrigsten Kurzinformationen vom Ort des Amoklaufs versandt.

Roadrunner ergänzt und vermutet: “Die aktuellsten Infos über den Amoklauf findet man unter dem Hash-Tag #winnenden. Einige Nutzer mutmaßen inzwischen, dass Winnenden den Durchbruch für Twitter darstellt”

Es wäre ein makabrer Durchbruch. Auch Robert Basic macht sich heute Gedanken über Twitter.

Tim Kretschmer wird auf der Homepage der Realschule als Absolvent des Schuljahres 2008 (Klasse 10d) aufgeführt. Die Seite selbst wird derzeit nicht angezeigt, allerdings sind deren Inhalte im Google-Cache zu finden.
Im Meinungsblog wird in diesem Kontext über Web-Recherche und den “gläsernen Menschen” reflektiert.

Verschiedene Seiten, die im Internet Informationen über den Amokläufer geben könnten, werden derzeit überrannt und werden deswegen nicht mehr geladen.
Eine Ausnahme ist ein (evangelischer) “Gemeindebrief” (pdf) der Gemeinden Leutenbach, Nellmersbach und Weiler vom Stein. In dessen Ausgabe vom März 2006 wird Tim Kretschmer als Konfirmand aufgeführt.
Auch im Forum eines Tischtennisvereins wird dieser Name genannt (als guter Spieler).
Sollte es sich dabei um den Amokläufer von Winnenden handeln, kann der also nicht gänzlich erfolglos gewesen sein.
Der SPIEGEL hat derweil schon das Porträt eines “Jungen ohne Eigenschaften” erstellt:

>Wie wurde K. zu dem Menschen, der eine schwäbische Kleinstadt, eine Region, die Republik in Schockstarre versetzt?

Nach Angaben von Kultusminister Rau handelte es sich um einen nach außen “völlig unauffälligen” Jungen. Der Jugendliche sei “nie in irgendeiner Form” auffällig geworden, betonte Rau, habe seinen Schulabschluss gemacht. Offensichtlich habe er eine “doppelte Identität” gehabt.

Ein Klassenkamerad berichtete SPIEGEL ONLINE dagegen, Tim K., ein Einzelkind, sei “schwer frustriert” gewesen. Er habe im vergangenen Jahr seinen Realschulabschluss nicht bestanden. Viele seiner Mitschüler wechselten auf weiterführende Schulen oder begannen eine Ausbildung. Was wurde aus K.?<

Nachfolgend Auszüge aus dem inzwischen überholten) SWR-Bericht:

>In der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) hat ein Amokläufer am Morgen mindestens zehn Menschen getötet. Laut Polizei sind neun der Opfer Schüler. Entgegen ersten Meldungen wurde der Tatverdächtige noch nicht festgenommen.
Nach Angaben der Polizei ist der mutmaßliche Täter 17 Jahre alt und kommt aus Leutenbach im Rems-Murr-Kreis. Es handle sich um einen ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule. Das zehnte Opfer wurde auf der Flucht des Täters in Richtung Innenstadt von Winnenden erschossen. Zwei Menschen wurden schwer verletzt.

Wie die Polizei weiter mitteilte, war der Täter gezielt während des Unterrichts in zwei Klassenzimmer gegangen. Dort schoss er um 9.30 Uhr mit einer Waffe um sich. Die Polizei sperrte Schule und Teile der Innenstadt ab und fahndet in einem Großeinsatz unter anderem mit Spürhunden und Hubschraubern nach dem Flüchtigen. Autofahrer wurden angehalten und Insassen überprüft. […]
Nach SWR-Informationen hat die Polizei bereits das Haus des mutmaßlichen Amokläufers in Leutenbach durchsucht und 16 Waffen gefunden. Diese seien legal von der Eltern erworben worden.<

Im SWR ist auch ein Telefon-Gespräch mit dem Gymnasiasten Jonas Baumgarten zu hören, der das Geschehen direkt erlebt hatte.
Auch die Schülerin Janina Schmidt berichtet (ziemlich gefasst) über den Amoklauf.
Sie nennt auch den Namen (Tim) des mutmaßlichen Täters.
Bei Spiegel-Online gibt es eine Fotostrecke. Schüler, die man dort sieht, winken dem Fotografen gutgelaunt zu.

Vor 7 Jahren ereignete sich ein ähnlicher Amoklauf in Erfurt. Der 19-jährige Robert Steinhäuser tötete damals zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten. Anschließend tötete er sich selbst.
Ein “Blogozentriker” spricht sarkastisch von “Bowling for Winnenden”.
Er spielt an auf Michael Moores dokumentarischen Film “Bowling for Columbine“. Moore hatte in seinem Film das vor fast genau 10 Jahren verübte Schulmassaker an der Columbine High School in Littleton zum Anlass genommen, mit dem Waffenfetischismus vieler Amerikaner abzurechnen.
Die jugendlichem Täter von Littleton, Eric David Harris und Dylan Bennet Klebold, wollten bewusst Vorbild für spätere Amokläufer sein.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat sich der Täter von Winnenden die beiden Mörder aus Littleton als Vorbild genommen.

Im Mittagsmagazin des ZDF wurde Karoline Roshdi interviewt, die an der TU Darmstadt ein Forschungsprojekt zu “zielgerichteter Gewalt und Amok an Schulen” führte.
Die ausgebildete Jugendseelsorgerin ist auch an der Entwicklung eines Risikoeinschätzungssystems zur Prävention von schwerer Schulgewalt beteiligt.

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Nachfolger von Landrat Schnur über dessen “Parteibuchwirtschaft”: Verwaltungsleute wussten nicht, “was ihre Tätigkeit … ist”

von @ 11:42. Kategorien: Medien, Politik, Skandale

Bild

Der voraussichtlich neue Landrat des Odenwaldkreises, Dietrich Kübler, hat in einem Gespräch mit “Regioblogger” Peter Löwenstein eine bemerkenswerte Aussage gemacht.
Gefragt worden war er, ob er als neuer Verwaltungschef durch Personalentscheidungen im Landratsamt neue Strukturen schaffen wolle, beispielsweise Ressorts neu zuzuschneiden oder Ämter neu zu besetzen.

Kübler war als Erster Kreisbeigeordneter 3 Jahre lang Stellvertreter von Landrat Horst Schnur. Während dessen mehrmonatiger Erkrankung nicht nur nominell, sondern auch faktisch.
Was er über den Verwaltungsapparat seines Vorgängers sagt, sagt er also als Insider.
Seine Aussage verdient es, im Wortlaut zitiert zu werden:

Kübler:

>Ich könnt mir also vorstellen, dass man auch so ne Arbeitsplatzbeschreibung mal macht, die in dem Maß net vorhanden ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mal wissen, wenn sie auf einem Platz sitzen, was ihre Tätigkeit definitiv auch ist.<

Löwenstein:

>Das überrascht mich natürlich ein bisschen; denn das ist doch eigentlich heute Standard.<

Kübler:

>Ja gut. Aber ich sag mal, ich konnte des in dem Maß nicht feststellen, auch wenn ich das mal nachgefragt habe, wollte aber auch da als Ehrenamtler mich net so weit vorwagen.<

Etwas umformuliert: Nicht wenige in Schnurs Verwaltung wurden aus Steuergeldern bezahlt, ohne dass sie wussten, was sie taten oder zu tun hatten.

Nicht nur Kübler wollte sich in den letzten Jahren “net so weit vorwagen“.
Auch dem Käseblatt “Odenwald Echo” waren diese haarsträubenden Zustände niemals eine Reportage oder auch nur ein Wort wert. Gleiches galt für die nicht minder korrupte und unfähige CDU. Das miserable Abschneiden des CDU-Landratskandidaten Arno Zips ist dafür die Quittung.

Nachhören kann man Küblers brisante Worte ab der 9. Gesprächsminute.

Kübler und seine ebenfalls interviewte Ehefrau machen einen sympathischen Eindruck.
Das alleine reicht freilich nicht.
Ob sich mit ihm die Verhältnisse im Odenwaldkreis bessern, bleibt abzuwarten.
Die Ablösung der 6 Jahrzehnte währenden Einparteienschaft wird der politischen Kultur auf jeden Fall gut tun.

Ander als sein Vorgänger weiß Kübler auch, dass eine “Kontrolle” der lokalen Printmedien heute nicht mehr reicht. Darin war Schnur ja ein Meister.
Doch was da noch unter den Teppich gekehrt werden kann, wird im Internet Staub aufwirbeln.

Das Demokratiezentrum Wien beschreibt übrigens schön jene “Parteibuchwirtschaft”, die auch im Odenwaldkreis über 6 Jahrzehnte hinweg vielfach unfähiges Personal anzog und alimentierte:

>Das Parteibuch bezeugt die Mitgliedschaft zu einer bestimmten politischen Partei. In Österreich war dieses nach 1945 lange Zeit nicht nur Ausdruck einer bestimmten Gesinnung, sondern auch Mittel zur Verbesserung der individuellen Lebenschancen (Arbeitsplätze, Wohnungen und Karrieremöglichkeiten). Diese parteipolitisch motivierte Vergabe von Möglichkeiten stärkte den Zusammenhalt innerhalb eines politischen Lagers, das Prinzip der Sachlichkeit wurde hierdurch jedoch häufig missachtet.<

Auch Gerhard Grünewald führte für das Odenwälder Echo ein Gespräch mit Dietrich Kübler. Aussagen, die so brisant wären wie die oben zitierten, findet man da aber nicht.

In der Hauptsache geht es hier um die durch den Rückzug von Erika Ober entstandene bizarre Situation. In der “Stichwahl” am 29. März steht nur noch Kübler zur Wahl - in der er theoretisch noch scheitern könnte.

Dazu sagt Kübler:

>Eine solche Konstellation, wie sie sich an den vergangenen beiden Tagen im Odenwaldkreis ergeben hat, kommt offenbar so selten vor, dass die Hessische Gemeindeordnung (HGO) für sie keine adäquate Lösung parat hat. Grundsätzlich aber ist der Gedanke richtig, dass sich ein Amt wie das des Landrats auf einer absoluten Mehrheit gründen sollte. Und Gesetz ist Gesetz und aus gutem Grund nicht binnen drei Wochen zu ändern. Ich kann also nur an das Verständnis der Bevölkerung appellieren – und an ihren Bürgersinn: Gehen Sie zur Wahl! Bringen Sie das zu Ende, was Sie am Sonntag angefangen haben!<

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Dienstag, 10. März 2009

Landrat Horst Schnur scheidet aus dem Amt - Erika Ober scheitert bei der Wahl - Parteifreunde und Parteijuristen trauern

von @ 5:49. Kategorien: Justiz, Politik

pehle schnur25Nov02AzHeadRotWussten Sie als Odenwälder, dass vor gut 6 Jahren ein Strafverfahren gegen den in diesem Jahr aus dem Amt scheidenden Landrat des Odenwaldkreises lief?
Das Aktenzeichen lautete 1040 Js 272 42/ 02.
Die Verdachtsgründe: Verletzung von Dienstgeheimnissen, Nötigung und Verleumdung ( Rufmord).
Nein, Sie haben keinen entsprechenden Artikel des Odenwälder Echo übersehen, Sie haben auch keine diesem Verfahren geltende Anfrage der örtlichen “Opposition” überhört. Da gab es nichts zu lesen und da gab es nichts zu hören. Presse und “Opposition” waren informiert und konnten sich weiter informieren - dennoch schwiegen sie, so wie in vielen anderen Fällen zuvor. Man wollte es sich mit der Macht nicht verderben - schon gar nicht persönlich. In größerem Rahmen, auf staatlicher Ebene, ist derartiges ein untrügliches Indiz für autokratische oder diktatorische Verhältnisse.

Dass das Käseblatt und die Operetten-Oppositon schwiegen, lag nicht daran, dass die Vorwürfe gegen Horst Schnur nicht substantiiert genug waren.
Es wird nicht einfach so ein Strafverfahren eingeleitet, schon gar nicht gegen einen in Südhessen mit Macht und Einfluss ausgestatteten Politiker.
Dass Sie von diesem Ermittlungsverfahren nie etwas hörten, hängt mit dem erstaunlichen Faktum zusammen, dass die den Landrat stellende Provinzpartei seit über 60 Jahren den Landstrich ununterbrochen regierte und dominierte.
Diese ungewöhnliche Erfolgsbilanz beruhte auf einem fortdauernden (Bilanz-) Betrug.
Was negativ war und da gab und gibt es vieles, erschien nämlich bis auf wenige Ausnahmen nie in den öffentlichen “Bilanzen”.
Über Skandale wurde nicht berichtet, die korrupte Opposition schwieg und die örtliche Presse schwieg, statt dessen wurde ein schamloser Personenkult betrieben.
So entstand das (falsche) Bild eines untadeligen, eines tüchtigen und erfolgreichen Landrats, ohne jene Affären und Skandale, die andernorts zu einem Regierungswechsel führen würden.

Was Schnur von den Medien wünscht

Schnur hatte erst vor kurzem einem kleinen Kreis von Journalisten mitgeteilt, was er von ihnen erwartete und wünschte: “Ihr müsst’s uns nicht schwer machen.”
Genau so stand und steht es auf der offiziellen Seite des Odenwaldkreises.
Sogar in der Überschrift. Man schämt sich nicht einmal.

Und vor Ort lief es ja gut - 60 Jahre lang. Der Partei im Odenwald, die viel länger regierte als die SED im Osten, machte es im Odenwald niemand schwer. Es regierte sich leicht und lang.

Der ausschließlich vom Odenwälder Echo “informierte” Bürger gleicht jenem trotteligen, naiven Truman Burbank, dem in Peter Weirs Spielfilm “Die Truman Show” Jahr um Jahr eine inszenierte Wirklichkeit vorgespielt wird - eine Idylle, die es in der Realität gar nicht gibt.
Wäre nur die Lokalpresse korrupt und ebenso die Pseudo-Opposition, die in Wirklichkeit stets nach dem Handschlag mit der Macht und dem Mächtigen gierte, das Bild dieser semitotalitären Provinz wäre noch immer unvollständig.
Dass das Strafverfahren mit der Nummer 1040 Js 272 42/ 02 niemals zu einer Anklage führen würde, dass Landrat Horst Schnur niemals vor einem Richter stehen würde - weder im Amtsgericht Michelstadt, noch im Landgericht Darmstadt - stand von Anfang an fest.
Offen ist in solchen Fällen nur, wie dreist Rechtsbeugung und / oder Strafvereitelung betrieben wird - beides gravierende Straftaten, die in Deutschland (und anderswo) Tag für Tag von Richtern und Staatsanwälten verübt werden. Nicht von allen, aber von viel zu vielen.
Der für die Einstellung des damals gegen Landrat Horst Schnur laufenden Strafverfahrens verantwortliche Oberstaatsanwalt war der in Bad König lebende SPD-Lokalpolitiker Thomas Seifert. Ein Parteifreund von Horst Schnur und aller Wahrscheinlichkeit nach auch sein Duz-Freund.
Seifert hat sich verdient gemacht um die Regentschaft von Horst Schnur. Nun wollte er sich erneut verdient machen um Schnurs auserkorene und dann doch gescheiterte Nachfolgerin.

Oberstaatsanwalt Thomas Seifert

Auf der Website von Erika Ober taucht Oberstaatsanwalt Thomas Seifert als “Unterstützer” auf - sogar mit etwas mehr Worten als die meisten anderen in der Liste:

>Der Odenwaldkreis braucht auch in den kommenden Jahren Erfahrung, Kompetenz und Bürgernähe. Erika Ober hat als Bundestagsabgeordnete ihre Kompetenz unter Beweis gestellt, als Kommunalpolitikerin kennt sie die Probleme vor Ort, und Bürgernähe zeigt sie nicht erst, seit sie sich zur Kandidatur als Landrätin entschlossen hat. Bad König<

Ja, Herr Seifert, das haben Sie schön gesagt. Und die deutsche Justiz bräuchte Staatsanwälte und Richter, die nicht korrupt sind, keine Nähe zur polititischen Macht zeigen und überhaupt den Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft, die Gewaltenteilung, ernst nehmen.

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pdh-Eilmeldung: Dietrich Kübler (ÜWG) neuer Landrat des Odenwaldkreises - Erika Ober (SPD) verzichtet auf Stichwahl

Niedergang der Parteipolitik: Wolfgang Hörnlein kommentiert Wahlen im Odenwaldkreis

von @ 3:49. Kategorien: Politik

Wolfgang Hörnlein, Inhaber der Presseagentur -pdh-, kommentiert den Ausgang der Landratswahl im Odenwaldkreis und der Wahl zum Bürgermeister in Michelstadt. [Alle Hervorhebungen sind von uns]

>Odenwaldkreis (pdh) Einen Tag nach der ersten Etappe der Landratswahl und der Wahl des neuen Michelstädter Bürgermeisters reiben sich die Politiker der beiden großen Volksparteien im Odenwald am Montagmorgen die Augen und vertreiben einen kräftigen Kater wie nach einem sehr erfolgreich verlaufenen Vollsuff.
Der Kreis erwacht mit einem zukünftigen parteilosen Bürgermeister der größten Stadt und der Aussicht auf einen Landrat aus Kreisen der Freien Wähler, wenn in drei Wochen die Stichwahl ansteht zwischen dem Vorsitzenden der ÜWG und der weit abgeschlagenen Kandidatin der Odenwälder Sozialdemokraten.
Diese hat nichts Eiligeres zu tun, als der inzwischen aus dem Amt entfernten Landesvorsitzenden der SPD, Andrea Ypsilanti, die Schuld an ihrem eigenen schlechten Abschneiden bei der Landratswahl erstem Teil in die Schuhe zu schieben.
Dieses peinliche Unterfangen hat sich der als Verlierer aus dem Ring steigende CDU-Kandidat verkniffen. Denn auch er hätte auf seine Bundesvorsitzende oder den Landesvorsitzenden schimpfen können, die zurzeit auch fern von politischem Erfolgsmanagement agieren.

Die Ursachen für die Erdrutsche im südlichsten und kleinsten Landkreis in Hessen liegen indes ganz woanders. Wenn sie auch lange dazu gebraucht hat, merkt die Bevölkerung im Kreis inzwischen, dass eine sechzigjährige Vorherrschaft einer einzigen Partei in der Regel keine ersprießliche Voraussetzung für gute Regierungsarbeit darstellt.
Sie hat deshalb soviel Zeit zur Besinnung gebraucht, weil keine funktionierende Opposition im Landkreis existiert, niemand, der die Finger auf die weit offenen Wunden des Kreises legen konnte, aus Mangel an Kompetenz und Sachverstand.
Baustellen und ungelöste Probleme gibt es genug im Kreis. Stattdessen verstand sich die größte Oppositionspartei im Kreis vielmehr als Steigbügelhalter der Mehrheitsfraktionen und bekämpfte mit diesen zusammen noch die zarten Oppositionsversuche der kleineren Parteien.
So entsteht dann ein Gefühl von Allmacht, anzusehen unter anderem bei einem Geflecht von Eigenbetrieben im Landkreis, alle in Parteihand, als vorläufiger Höhepunkt sogar eine eigene vierzehntägige Berichterstattung in Printform darüber, und wie diese dann ausfällt, kann man sich lebhaft vorstellen.
Infolgedessen kann sich eine derart erfolgreiche Traditionspartei eigentlich nur selbst zerstören, und das hat sie in letzter Zeit erfolgreich praktiziert. Es ging ihr anscheinend zu gut. Wenn man keinen Widerstand bei der Opposition spürt, dann baut man sich seinen eigenen. Und so zerstritt man sich zusehends, immer wenn es um Personalien ging. Und um das Erbacher Schloss.
Als eine starke führende Hand gefragt war, wollte es das Unglück zu allem Überfluss, dass sich der Kreishauptmann mit Zeckenbiss und Beinlähmung monatelang in den Krankenstand verabschiedete und später zu keiner Zeit zu alter Stärke zurückfand.
Seither tanzen die roten Mäuse auf den Tischen und nur die völlig paralysierte christdemokratische Opposition verhinderte bisher, dass dieser Zustand publik wurde oder ihr selbst zum Vorteil gereichte.
Selbige fügte ihrem eigenen Landratskandidaten den Schiffbruch bei der Wahl höchstselbst zu.
Keine finanziellen oder Sach-Mittel, kaum personellen Beistand etwa durch lokale oder regionale Parteiprominenz, konnte der forsche Aspirant bei seinen Wahlauftritten und seiner Wahlwerbung vermelden. Eine wohlwollende Parteiunterstützung eines eigenen Kandidaten, zumal bei einer wichtigen Landratswahl, sieht völlig anders aus. Auch hier sind nur spärlich unterdrückte persönliche Animositäten der Grund für die suboptimalen Wahlkampfmöglichkeiten des christdemokratischen Landratskandidaten.
Was Wunder also, dass sich der kritisch beobachtende Bürger des kleinen Landkreises von den etablierten Parteien mit Grausen abwendet. Er findet mittlerweile seine politische Heimat bei den Freien Wählern oder sogar bei völlig parteilosen Kandidaten. Einer von ihnen hat nun in der größten Stadt des Odenwaldes gegen drei andere Mitbewerber den grandiosen Stimmenanteil von 52,7 Prozent eingefahren. Die beiden Vertreter der Volksparteien holten sich lediglich 20,9 und 17,1 Prozentpunkte. Der Landratskandidat der Freien Wähler bekam 47,9 Prozent, die verfolgende SPD-Kandidatin nur 28,1 Prozent. Es ist bei der Stichwahl in drei Wochen nicht davon auszugehen, dass sich ausgerechnet die CDU-Wähler in der Stichwahl der Sozialdemokratin zuwenden werden.<

Zwischenzeitlich hat sich einiges geändert. Erika Ober hatte mit heiserer Stimme gegenüber dem Hessischen Rundfunkt (s. Video) zunächst noch von einem “ersten Teilsieg” fabuliert - dass sie nämlich “in die Stichwahl gekommen” sei.
Nur wenig später verkündete sie auf ihrer Website: “Erika Ober verzichtet auf Stichwahl“. Begründung: Sie “erkenne den Wählerwillen an”.

Auch damit erschütterte sie. MIndestens einen Anhänger nämlich. Er schreibt in unserem Kommentarbereich:

>Sie betrügt die Odenwälder Wähler und damit auch mich persönlich um eine echte Alternative, um die Wahlmöglichkeit bei der Stichwahl am 29.3. Und sie betrügt Herrn Kübler um seinen Wahlsieg 1. Klasse. […]
Mein Beileid an die vielen Helfer, die ihren Beitrag zu einer freien, gleichen und geheimen Wahl geleistet haben und auch bis Ende März leisten wollten. Ob als Wahlkampfhelfer an den Ständen, als Unterstützer oder auch als Wahlhelfer in den Wahllokalen - bedanken Sie sich bei Dr. Erika Ober dafür, dass das Interesse (und damit die Wahlbeteiligung) am 29.3. ungeahnte Tiefen erreichen wird. Sie wird es nicht kümmern…<

Ohne Ober persönlich zu kennen: Ihr Auftreten im Hessischen Rundfunk war nun wirklich peinlich. Dass sie (isch)kompetent” ist “in den Dingen Sozialem Gesundheit Finanzen auch Infrastruktur” - dies wirkte wie eine autosuggestive Übung und nicht wie ein selbstbewusstes Statement.


Erika Ober

Die SPD-Kandidatin wurde seit einigen Tagen (oder Wochen?) auf Twitter parodiert - eine inzwischen gängige Übung. Franz Müntefering war einer der ersten Politiker, der auf der Plattform ein (lustiges) Double fand - schließlich spricht er schon im Original den für Twitter typischen Telegrammstil.
Wer auch immer hinter ErikAOber steht - der Mut ist nun wohl verlorgen gegangen. Ruft man die Seite jetzt auf, sieht man nur noch eine Karikatur von Ober und den folgenden Text: “This person has protected their updates.
You need to send a request before you can start following this person.”
Der Google-Cache hält einige der spaßigen Mitteilungen von ErikAOber aber noch immer bereit.
So erfährt man etwa: “Im #Odenwald verspricht der neue #Landrat einen schnellen #LANdraht”. Oder: “*Zweifel* Wieso muss ich mir diesen Provinzlandratsposten in meinen letzten Lebensviertel noch antun? Ist es Machtgeilheit oder Kohle?”
Auffällig sind die Bezüge zu Edgar Kugels (QGL) odw-tv.de, dem auch das YouTube-Video zu danken ist.

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Montag, 9. März 2009

pdh-Eilmeldung: Dietrich Kübler (ÜWG) neuer Landrat des Odenwaldkreises - Erika Ober (SPD) verzichtet auf Stichwahl

von @ 8:18. Kategorien: Politik

Bild

Dies berichten übereinstimmend der Pressedienst -pdh- und echo-online.de.

Da sich Kübler nach Obers Verzicht am 29. März, dem eigentlich für die Stichwahl angesetzten Termin, der Form halber bestätigen lassen muss, ist er nun nur faktisch neuer Landrat.
Die Wähler müssen auf ihren Wahlzetteln bloß noch “Ja” oder “Nein” ankreuzen.
Ein volksdemokratisches Feeling. Vielleicht entsendet Nordkorea einen Experten, der die Odenwälder bei den Modalitäten beraten kann.
Was geschieht eigentlich, wenn eine Mehrheit mit “Nein” votiert?
Oder wenn sich der unterlegene CDU-Kandidat Arno Zips anders besinnt und anstelle von Ober zur Stichwahl antritt.
Theoretisch könnte er mit den Stimmen von CDU-Wählern, SPD-Wählern und Wählern, die einfach nur Spaß verstehen, doch noch zum Landrat gewählt werden.

Nachfolgend die Berichte des Pressedienstes pdh:

>Erbach/Odenwaldkreis (pdh) Die Landratskandidatin der SPD, Dr. Erika Ober, hat den Unterbezirksvorstand ihrer Partei sowie die Fraktionsspitze am Montagabend darüber informiert, dass sie nach eingehender Analyse der Wahlergebnisse vom 08. März auf eine Kandidatur in der Stichwahl verzichtet. “In Anbetracht des deutlichen Vorsprungs meines Konkurrenten Dietrich Kübler akzeptiere ich den damit zum Ausdruck gebrachten Wählerwillen. In Anerkennung der Realität verzichte ich daher auf eine Stichwahl. Gleichzeitig wünsche ich Dietrich Kübler viel Erfolg bei der Ausübung der Amtsgeschäfte”, so Erika Ober in ihrer Stellungnahme.

Die Vertreter der Parteispitze bedauern zwar die Entscheidung, stehen jedoch geschlossen hinter diesem Schritt. “Erika Ober hat einen engagierten und ausdauernden Wahlkampf geführt. Bedauerlicherweise konnten wir den erhofften Erfolg nicht für uns verbuchen”, so die Verantwortlichen der Partei einstimmig.<

>Der neue Landrat des Odenwaldkreises, der sein Amt am 1. September 2009 antreten wird, heißt aller Wahrscheinlichkeit nach Dietrich Kübler und ist Land- und Forstwirtschaftsmeister. Seine politische Erfahrung hat er viele Jahre als Erster Beigeordneter und Mitglied im Kreisausschuss und im Odenwälder Kreistag gesammelt. Er ist Vorsitzender der Freien Wähler, die sich im Odenwaldkreis ÜWG für Überparteiliche Wählergemeinschaft bezeichnen.

Um allerdings den Formalitäten zu genügen, muss die wahlberechtigte Bevölkerung am 29. März 2009 den nunmehr einzigen Kandidaten mit Wahlzettel bestätigen. Dafür wird es Wahlzettel geben, auf denen “Ja” oder “Nein” anzukreuzen ist.

Kübler betreibt mit seiner Frau Elke in Mossautal-Hüttenthal den Waldhubenhof, der sich seit 400 Jahren in Familienbesitz befindet. Der 58jährige Dietrich Kübler löst den sozialdemokratischen Landrat Horst Schnur ab, der achtzehn Jahre lang die Geschicke des Odenwaldkreises geleitet hat und aus Altersgründen nicht mehr antritt. Er ist am vorvergangenen Wochenende 67 Jahre alt geworden.< Text und Bild: -pdh-

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