
Der Mann hat Nehmerqualitäten. Alle “großen” Projekte misslingen ihm. Aus dem OBI-Baumarkt am Rande der Kreisstadt wurde nichts, aus der Fusion mit der Nachbarstadt Michelstadt wurde nichts und - man konnte es absehen - auch mit dem avisierten Amt als Landrat im Nachbarkeis Darmstadt-Dieburg wurde nun auch nichts.
Mit seinem makellosen Gebiss strahlt er aber wie eh und je.
Erbachs (Noch-) Bürgermeister Harald Buschmann erzielte als CDU-Kandidat bei der Landratswahl in Darmstadt-Dieburg an diesem Sonntag zwar laut -pdh- “achtbare 45,6%” der Wählerstimmen, der SPD-Kandidat Klaus-Peter Schellhaas erreichte aber die absolute Mehrheit (54,4%).
Zum Glück ist Buschmann gelernter Christ bzw. Pastor und weiß sich professionell zu trösten:
“Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.”
Trost und Salbung wird Buschmann auch zukünftig brauchen, seine Erbacher CDU nämlich könnte ihm nun mehr Feind als Freund sein.
Das erfährt man aktuell aus einer Meldung des Pressedienstes -pdh-. Der Erbacher CDU-Vorsitzende Bernd Rodemich will nämlich seinen “Reisenden” Parteifreund Buschmann “nicht aufhalten“, auch wenn dessen Zug nicht mehr ins nächste Landratsamt fährt, sondern nach (n) irgendwo. Bei solchen Perspektiven ist BM Buschmann in Erbach nun das, was man im fernen Amerika eine “lame duck” nennt.
Das Wahlergebnis in Darmstadt-Dieburg wirft auch ein ganz neues Licht auf die nur wenige Wochen zurückliegende Landratswahl im Odenwaldkreis,
Die SPD-Kandidatin Erika Ober erzielte da 28,1% - ein gewaltiger Unterschied zu den 54,4% ihres Genossen Schellhaas.
Damit zeigt sich, dass das SPD-Debakel im Odenwaldkreis offenbar hausgemacht war und mit Landes- oder Bundespolitik (allein) kaum erklärbar ist.
(In Roßdorf wurde ebenfalls an diesem Sonntag die Sozialdemokratin Christel Sprössler als Bürgermeisterin mit 75% der Stimmen wiedergewählt.
In Reinheim wurde der Sozialdemokrat Karl Hartmann mit 69,5% der Stimmen als Bürgermeister bestätigt. Anders als Ober waren sie also mit ihren SPD-Parteibüchern nicht “bestraft”.)
Dazu noch eine Meldung in eigener Sache: Bei unserer Umfrage zur politischen Wirkung der “Odenwald-Geschichten” haben sich bislang 29 Personen beteiligt.
38% meinen, dass dieser kritische Weblog “viel” bewegt habe, 24% meinen, er habe “ein wenig” bewegt und ebenfalls 24% meinen, er habe nichts bewegt.
Nebenbei erfährt man im Darmstädter Echo, dass Erika Ober für ein (wohl nur kurzes) Intermezzo noch einmal in den Bundestag zurückkehren kann.
Der Bundestagsabgeordnete Frank Schmidt
tritt im Mai das Amt des Bürgeremeisters in seiner Heimatgemeinde Löhnberg an. Erika Ober wird für ihn in den Bundestag nachrücken.
Nachdem Ober ihr “SPD-Parteibuch” für ihre 28%-Niederlage bei der Landratswahl verantworlich machte, beklagt sie jetzt indirekt mangelnde Unterstützung durch ihre Partei und den amtierenden Landrat Schnur.
“Pit Schellhaas ist von seiner Partei und dem Landrat unterstützt worden; anders geht so etwas nicht.”
So Obers Kommentar zum Abschneiden von Schellhaas bei der Landratswahl in Darmstadt-Dieburg.
Nachfolgend die bereits erwähnte Eilmeldung des Pressedienstes -pdh- zum Ausgang der Landratswahl in Darmstadt-Dieburg.
>Kreis Darmstadt-Dieburg (pdh) Der Landkreis Darmstadt-Dieburg wird demnächst einen neuen Landrat haben.
Am Sonntag setzte sich der Stellvertreter vom amtierenden Landrat Alfred Jakoubek, Klaus Peter Schellhaas (48), beide Sozialdemokraten, gegen den Erbacher Bürgermeister und Gegenkandidat Harald Buschmann (46/CDU) mit 54,4 Prozent der Wählerstimmen durch. Buschmann erhielt achtbare 45,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung betrug 31,7 Prozent. Jakoubek hatte nach zwei Amtszeiten erklärt, nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen.
Der Kreis Darmstadt-Dieburg hat 289.208 Einwohner, davon sind 221.217 wahlberechtigt. 70.156 Wähler haben ihre Stimme abgegeben, davon 37.289 für Schellhaas und 31.216 für Buschmann. Der Kreistag Darmstadt-Dieburg verfügt über 71 Sitze. Er setzt sich zusammen aus SPD (28), CDU (26), Grüne (8), FDP (4) Freie Wähler (3) und Linke/DKP (2).
Schellhaas kündigte an, nach der Amtsübernahme eigene Akzente zu setzen. In der derzeitigen globalen Krise werde es ihm aber vor allem um Kontinuität und Stabilität gehen.Sein Gegenkandidat, der CDU-Politiker Harald Buschmann gratulierte dem Wahlsieger. Kurz danach erhielt er aus seiner eigenen Parte in Erbach/Odenwaldkreis in Form einer Pressemitteilung das erste Störfeuer.
Der CDU Stadtverband Erbach bedauert den Ausgang der Landratswahl im Landkreis Darmstadt-Dieburg. “Wir hätten es begrüßt, wenn der Noch-Bürgermeister der Kreisstadt Erbach seinen Weg “nach oben” erfolgreich beschritten hätte“, erklärt CDU-Vorsitzender Bernd Rodemich.
Der Wahlausgang bedeutet erfreulicherweise aber auch, dass es keine längere Vakanz im Bürgermeisteramt geben werde und den Bürgern ein zusätzlicher Wahlkampf und Wahltermin evtl. noch in diesem Jahr erspart bleibe.
Die Erbacher CDU gehe nun davon aus, dass Harald Buschmann sich in den noch verbleibenden Jahren seiner Amtszeit in Erbach wieder verstärkt und ausschließlich um die Belange der Odenwälder Kreisstadt kümmern werde. Für diese Aufgabe und nur hierfür sei er von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gewählt worden.
Allerdings habe der Bürgermeister mit seiner Kandidatur im Nachbarkreis auch deutlich gemacht, dass er seine persönliche und berufliche Zukunft nicht mehr in Erbach sehe. “Reisende soll man nicht aufhalten” stellte Bernd Rodemich fest und stellte auch klar, dass eine erneute Kandidatur Buschmanns als CDU-Bewerber bei der nächsten Bürgermeisterwahl im Jahre 2012 ausgeschlossen erscheine.< Text und Bild: Presseagentur -pdh- [Links und Hervorhebungen von uns]
Im Darmstädter Echo beklagt Reiner Trabold die geringe Wahlbeteiligung und plädiert dafür, Landräte zukünftig wieder vom Kreistag wählen zu lassen.
Dies berichtet heute die WELT in Anlehnung an eine Meldung des Polizeipräsidiums Südhessen:
>Ein Elternpaar und seine erwachsene Tochter sind im südhessischen Babenhausen Opfer eines rätselhaften Verbrechens geworden. Die Eheleute im Alter von 58 und 62 Jahren wurden ermordet, die 37-jährige Tochter erlitt schwere Verletzungen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft Darmstadt mitteilten.
Zunächst fanden Zeugen am Samstag gegen 13 Uhr im Vorgarten eines Reihenhauses die schwer verletzte Tochter, die in eine Klinik gebracht wurde und nicht vernehmungsfähig war. Anschließend wurden in dem Haus die Leichen der Eltern entdeckt.
Beide Leichname wiesen den Angaben zufolge tödliche Verletzungen auf. Welcher Art diese Verletzungen waren und ob sie identisch mit denen der Tochter waren, wollte Polizeisprecher Ferdinand Derigs nicht sagen. Vielmehr verwies er auf die Obduktion, die die genaue Todesursache klären soll. Das Ergebnis dieser Untersuchungen sei aber erst nach dem Wochenende zu erwarten. Nach seinen Angaben waren in dem Einfamilienhaus nur die Eltern und ihre erwachsene Tochter gemeldet.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Auch eine Familientragödie wurde nicht ausgeschlossen.<
Inzwischen teilt das Polizeipräsidium Südhessen mit, dass die schwerverletzte Tochter nach einer Operation außer Lebensgefahr ist - jedoch weiterhin nicht vernehmungsfähig ist.
Sie und ihre getöteten Eltern wiesen Schussverletzungen auf.
Wenn die Tochter überlebt, ist sie Zeugin des Verbrechens - sofern es hier überhaupt einen (vierten) Täter gab.
Weitere Einzelheiten berichtet heute das Darmstädter Echo:
>In Babenhausen ist am Samstag ein 62 und 58 Jahre altes Ehepaar in seinem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße durch Waffengewalt ums Leben gekommen.[…]
Am Sonntagmorgen hatte die Polizei bereits die Nachbarn befragt, die sich aber am Mittag in ihre Häuser zurückgezogen hatten. Vertreter von Presse, Fernsehen und Radio standen auf der Straße vor dem Haus; die Polizeiwagen wirkten wie Fremdkörper in diesem ruhigen Wohngebiet, das direkt an die Kaserne grenzt.An einer Tür in der Nachbarschaft hing ein Zettel, auf dem „Presse bitte nicht klingeln“ stand, ein Nachbar zeigte sich kurz auf seinem Grundstück, sagte aber nur knapp „kein Kommentar“, bevor er wieder im Haus verschwand. Ein paar Häuser weiter schaute ein Mann, ob sich der Trubel gelegt hatte.
Er kenne die Familie nicht, sagte er kurz, und von der Tragödie habe er auch nichts mitbekommen. Ein Gerücht in Babenhausen besagt, dass die Tochter Autistin sei. Auch das möchte Klaus Reinhard weder bestätigen noch dementieren. „Keine belastbaren Erkenntnisse“ sollen weitergegeben werden, also gab es auch keine Angaben zur Familie oder zu deren Umfeld. < [Link von uns]
Etwas gespenstisch ist es nun doch. Da ermordet vor 5 Wochen ein 17-Jähriger in einem irren Privatkrieg 15 Menschen, während der auf seine Weise ebenfalls irre Krieg der RAF gegen den deutschen Staat immerhin 2 Jahrzehnte brauchte, um auf einen Blutzoll zu kommen, der gerade einmal doppelt so hoch war wie der des nicht lange zuvor konfirmierten Tim Kretschmer.
Nun scheint gewiss, dass gerade einmal 4 Wochen später unweit von Winnenden ein mit 18 Jahren wenig älterer Jugendlicher für die Ermordung seiner zwei Schwester und seiner Eltern verantwortlich ist.
Der Vierfachmord ereignete sich in Eislingen in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag.
Der SPIEGEL schreibt heute:
>Die beiden mutmaßlichen Vierfachmörder haben die Tat den Ermittlungen zufolge in der Manier professioneller Killer ausgeführt.
Nach Polizeiangaben vom Freitag erschossen sie zuerst die beiden älteren Schwestern des 18-Jährigen, während die Eltern mit Freunden in einer Gaststätte saßen.
Anschließend sollen der 18-Jährige und sein 19-jähriger Freund eine Stunde lang zu den Eltern in die Kneipe gegangen sein. Kurz vor Mitternacht seien die jungen Männer in die Wohnung zurückgekehrt, um auf die Eltern zu warten. Eine Stunde später, am frühen Karfreitagmorgen, wurden der Heilpraktiker und seine Ehefrau im Eingangsbereich der Wohnung getötet.<
Ausführlicher ist in der WELT die “Rekonstruktion einer unfassbaren Tat“: 31 Kugeln Hass.
Auf dem Internetportal eislingenonline.de findet sich ein Bild, auf dem der tatverdächtige Andreas H. in anderem und löblichem Kontext zu sehen ist.
Der Jugendliche pilgerte im Sommer letzten Jahres gemeinsam mit einem Freund auf dem Jakobsweg nach Santiago de Campostella.
Über seine (spirituellen?) Erfahrungen in diesen dreieinhalb Wochen berichtete er im Rahmen eines Diavortrags im Luthergemeindehaus von Eislingen/Süd.
Der Artikel in Eislingen-Online steht unter der Überschrift “Wir sind dann mal weg!“
So ließe sich auch überschreiben, was dem 18-Jährigen und seinem Freund Frederic B. bevorstehen dürfte. Eine sehr lange Haftstrafe wegen gemeinsam verübter Morde.
Die FAZ prophezeite schon gestern:
“Gestehen sie, wird das Weltbild einer ganzen Kleinstadt zerstört sein.”
Das dürfte geschehen sein, auch wenn bislang nur der 19-Jährige ein Geständnis ablegte.
Was gestern Reinhold Manz über die Kleinstadt Eislingen, den vermutlichen Täter und seine Familie schrieb, ähnelte auffallend dem, was einen Monat zuvor über Winnenden , Tim Kretschmer und dessen Familie zu lesen war.
Manz schreibt:
>Andreas, der nette, aufgeschlossene, 18 Jahre alte Sohn des Heilpraktikers Hansjürgen H., der im Erdgeschoss des Hauses der Familie seine Praxis hat. […]
Fast zu genau passt in das Bild, dass beide Mitglied im Schützenverein der schwäbischen Kleinstadt waren. Und dann wurden aus dem Schützenhaus im Oktober auch noch mehr als 20 Waffen und über 1.000 Schuss Munition gestohlen. Bis heute ist kein Stück des Diebesguts wieder aufgetaucht. Nie gab es konkrete Hinweise auf die Diebe. Außer, dass sie aus dem Verein selbst kommen könnten: Sie wussten nämlich, wo der versteckte Tresor war, in dem sich der Schlüssel zum Waffentresor befand.[…]
Haben Andreas H. und Frederik B. also die Waffen gestohlen und damit die H.s erschossen? Für Hansjörg Schmidt, den Vorsitzenden der Schützengilde Eislingen, ist das unvorstellbar: „Das kann ich nicht glauben, dass der Andreas das war. Das müsste ein guter Schauspieler sein, dass er im eigenen Verein die Waffen klaut und danach ganz normal weiter zum Schießtraining kommt.“ Ein lieber, netter junger Mann sei Andreas, auch das Verhältnis zu seiner Familie sei gut gewesen. Auch andere Leute sagen: „Die beiden Jungs? Das kann ich mir nicht vorstellen!“[…]
Der Lehrer und Schulleiter beschreibt die beiden als freundliche und offene junge Menschen, die gut ins Schulleben integriert gewesen seien. Der Nachbar, der seit zehn Jahren gegenüber wohnt, erinnert sich, dass Andreas noch am Nachmittag vor der Tatnacht zusammen mit einer seiner Schwestern hinter dem Haus die Terrasse sauber gemacht hat.
Vor dem Haus der H.s in einer ruhigen Wohngegend der 20.000-Einwohner-Stadt stehen Kerzen. Zwischen den Blumen und Briefen liegt ein Zettel, der an Andreas H. gerichtet ist: „Wir glauben an dich und deine Familie und senden Liebe. Andy mach kein Scheiß! Wir sorgen uns um dich. Wir sind für dich da. Scheiß auf die Medien etc. Deine dich liebenden Mädels…”<
Der BILDblog weist darauf hin, dass Opfer und Täter nur wenige Tage nach der Tat via Web und SocialNetworks (StudiVZ) auch ihrer Anonymität beraubt sind.
Die Lokalpresse nennt ohnehin den vollständigen Namen.
Alle Namen und viele Details werden auf der (antikirchlichen) Website theologe.de zusammengetragen. Die Deutungsversuche sind skurril - so wie nahezu alles, was “Theologe” Dieter Potzel aus Wertheim verkündet. (Richtig verstehen kann das vielleicht die Sekte “Universelles Leben“, der Potzel angehören /angehört haben soll.)
Wird sich jetzt auch herausstellen, dass der bzw. die Täter nicht nur im örtlichen Schützenverein waren, sondern am PC auch passionierte Killerspieler waren?
Im Vergleich zu dem, was sich in Eislingen abspielte, war jedenfalls der jüngst geschehene “Brudermord” im südhessischen Ober-Ramstadt eine zwar ebenfalls tragische, aber eher eindimensionale Tat.
Alles zusammengenommen freilich fragt man sich, was mit diesen jungen (Fast-) Männern los ist.
Henning Engeln sieht sie und nicht nur sie in der Sinnkrise. Im SPIEGEL schreibt er über “das vergessene Geschlecht“:
>Jungen unterliegen Mädchen in vielen Schuldisziplinen, erweisen sich als unflexibler, gewalttätiger und anfälliger für Krankheiten. Kurz: Das einst so stolze starke Geschlecht schwächelt. Forscher finden verblüffende Erklärungen für den Niedergang.[…]
Offenbar hat die Bereitschaft zugenommen, Konflikte körperlich aggressiv und mit Brutalität zu lösen - zumindest innerhalb einer kleineren Gruppe von Jugendlichen, die zudem immer jünger werden.[…]
Fest steht zudem: Aggression ist ein Problem, das vor allem die Jungs betrifft - unter den Tatverdächtigen bei Körperverletzungen sind 83 Prozent Jungen. Parallel dazu gibt es weitere beunruhigende Daten und Fakten über das männliche Geschlecht. Sie offenbaren eine besorgniserregende Entwicklung.So sind Jungs drei- bis neunmal häufiger als Mädchen von der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung betroffen (die Angaben schwanken je nachdem, welche diagnostischen Kriterien angewendet werden). Und Schätzungen zufolge kommen auf ein Mädchen mit Leseschwäche zwei bis drei Jungen.
Noch dramatischer ist die schulische Bilanz der Jungs: Sie sind später schulreif, bringen schlechtere Leistungen, bleiben häufiger sitzen und brauchen mehr Nachhilfeunterricht. An Haupt-, Sonder- und Förderschulen machen Jungen heute rund 70 Prozent der Schüler aus.
Und: Unter den rund 80.000 Jugendlichen, die pro Jahr die Schulen ohne Abschluss verlassen, sind doppelt so viele männliche wie weibliche Schüler. Zudem erreichten 2006 von den 18- bis 21-Jährigen nur 26,1 Prozent der Jungen die Hochschulreife, während es bei den Mädchen 33,8 Prozent waren.<
Auf opinio.de erkennt bzw. vermutet ein Kommentator “Frauenhass” als gemeinsames Motiv der Taten in Winnenden und Eislingen:
>Innerhalb von 4 Wochen wurden in Winningen und Eislingen 13 junge Frauen kaltblütig erschossen. Die Täter, 17, 18 und 19 Jahre alt, sind Sportschützen.
Für Psychologen ist Frauenhaß eine auf Frauen bezogene soziale Störung, der oft eine Minderwertigkeitskomplex zugrunde liegt. Woher kommt diese Aggression gegen junge Frauen! Fühlen sich ganz besonders junge Männer gegenüber Frauen benachteiligt? Entwickelt sich bei Männern ein undifferenzierter Haß auf Frauen? […]
Für mich ist es zumindest nicht normal, daß die drei junge Männer bei Ihren Mordtaten wohl nicht zufällig zuerst auf Frauen losgegangen sind.Die beiden gemeinsamen Täter des Verbrechens in Eislingen sind am Leben. Über ihr Motiv haben sie sich bisher nicht ausgelassen - vielleicht brechen sie diesbezüglich doch noch ihr Schweigen … <
Die Justiz in Darmstadt scheint derzeit spektakuläre Fälle anzuziehen. Im März wurde ein Mann aus Bruchsal vom Landgericht zu 9 Jahren Haft verurteilt, der im Jahr zuvor eine 44-Jährige aus Mühlheim bei bizarrem Sex getötet hatte. Die fürchterlichen Umstände erinnerten an einen Horrorfilm.
Nun gibt es neue Schlagzeilen aus Darmstadt.
Nadja Benaissa, die Sängerin der Pop-Gruppe ‘No Angels’, wurde in Untersuchungshaft genommen, weil sie einen Mann bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr wissentlich mit Aids infiziert habe. Sie soll dem Mann ihre Erkrankung verschwiegen haben.
Das Darmstädter Echo berichtet heute ausführlich über diesen Fall.
So heißt es dort:
>Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt droht der Sängerin bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.
Das Gerücht, die „No Angels“-Sängerin sei HIV-positiv, kursiert schon seit Ende 2006 in entsprechenden Internetforen. So heißt es beispielsweise in einem Eintrag vom 15. Dezember 2007 im HipHop-Forum „Deluxe“, Nadja Benaissa habe schon diverse Männer angesteckt, da sie mit ihnen Sex hatte, ohne ihnen zu offenbaren, dass sie HIV-positiv sei.<
SPIEGEL-Autor Jörg Diehl sah in dem Fall schon gestern (”Krankheit, Tabu und Tat“) eine “Herausforderung” für die Darmstädter Justiz:
>Die Ermittler haben zwar inzwischen ein immunologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das Aufschluss darüber geben soll, ob die 26-jährige Benaissa tatsächlich ihren Ex-Partner mit dem HI-Virus angesteckt hat.
Fachleute wie der Sprecher des vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft geförderten Kompetenznetzes HIV/Aids, Norbert Brockmeyer, ziehen den Wert einer solchen Expertise indes in Zweifel.
“Der absolute Nachweis, dass Person A die Person B mit HIV infiziert hat, ist nach einigen Jahren mit medizinischen Mitteln nicht mehr zu führen“, sagte der Bochumer Professor für Dermatologie und Allergologie.[…]
Wie aus Justizkreisen verlautete, soll der letzte sexuelle Kontakt Benaissas zu dem Mann, der sie angezeigt hat, im Frühjahr 2004 stattgefunden haben.
Und selbst wenn die Medizin Ungeahntes vollbringen sollte, ist damit eine weitere Frage “von zentraler Bedeutung” noch nicht geklärt, wie die Berliner Rechtsanwältin Henrike Weber sagte: “Legte es der Täter auf die Lebensgefährdung seines Opfers an beziehungsweise hielt er sie wenigstens für möglich und nahm sie in Kauf?” Wusste er also, was er tat und damit antat?
Auch das könne schwierig nachzuweisen sein.<
Die deutsche AIDS-Hilfe übt heftige Kritik an der Verhaftung der Sängerin:
>Dazu erklärt Marianne Rademacher, Frauenreferentin der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: “Die junge Frau sollte so schnell wie möglich freigelassen werden. Ihre Verhaftung ist nach Einschätzung der uns bisher vorliegenden Informationen eine unverhältnismäßige Aktion der hessischen Justiz. Wir fordern die Medien auf, sachlich über den Fall zu berichten und nicht vorzuverurteilen. Die Verantwortung für den angeblich ungeschützten Sexualverkehr wird allein der jungen Frau zugeschoben, ohne nach der Mitverantwortung ihrer Sexualpartner zu fragen.[…]
Nur eine Person, die weiß, dass sie HIV-positiv ist, kann strafrechtlich belangt werden. Die Kriminalisierung der HIV-Übertragung führt unter Umständen dazu, dass Menschen es vorziehen, sich aus Angst vor Repressionen nicht testen zu lassen.<
Stefan Niggemeier fragt im gleichen Kontext: “Müssen die Medien darüber berichten dürfen? Ich weiß es nicht. Aber ich habe eine andere Frage: Müssen die Medien darüber berichten?”
Wer gestern am späten Abend die Talkshow von Johannes B. Kerner ansah, konnte sich verwundert die Augen reiben.
Zwei Justizopfer und der Fürsprecher eines vermutlich dritten Justizopfers kamen ausführlich zu Wort und die Justiz selbst sah dabei nicht gut aus, auch nicht jener Richter Dietrich Scheiba, der Jens Schlegel trotz bestehender Zweifel zu einer Gefängnisstrafe verurteilt hatte - zu Unrecht, wie sich später erwies.
Das ZDF schreibt dazu:
>Jens Schlegel traf bei Kerner auf seinen Richter - eine in der deutschen Fernsehgeschichte einmalige Begegnung. Dietrich Scheiba verurteilte Schlegel 1999, als Vorsitzender Richter der Jugendkammer in Nürnberg, in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. “Ich würde heute zu dem gleichen Urteil kommen”, sagte Scheiba, der das Fehlurteil sehr bedauert.<
Bemerkenswert war auch die Reaktion des Publikums. Dessen häufige Missfallensäußerungen konnte man als “Urteil des Volkes” auffassen - über eine Justiz, die sich nicht nur in den drei geschilderten Fällen immer wieder durch Pfusch und Willkür auszeichnet.
Eine Institution, die gar nicht oder nur unzureichend kontrolliert wird, dies ist bei der Justiz der Fall, verkommt.
Einen ausführlichen Bericht zu dieser Sendung gibt es auf justizskandale.de
Auf der Website des ZDF werden Kerners Gäste vorgestellt: die Justizopfer Jens Schlegel und Donald Stellwag, außerdem der Unternehmer Rainer Glöckle, der sich in bemerkenswerter Weise für seinen seit vielen Jahren inhaftierten früheren Angestellten Andreas Kühn einsetzt.
Als weitere Gäste waren die SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen und der ZDF-Rechtsexperte Bernhard Töpper anwesend.
Was der Augsburger Bischof Walter Mixa kürzlich zum Atheismus verlauten ließ, nennt sich im Geschäftsleben “unlauterer Wettbewerb“.
Wenn er den Atheismus - als konkurrierende Weltanschauung - mit den Verbrechen Hitlers und Stalins in Verbindung bringt, ist das ein Verstoß gegen die guten Sitten einer intellektuellen Auseinandersetzung.
Von ähnlicher Qualität war bzw. ist die noch heute von “Fundamental-Katholiken” vertretene These von der angeblichen Kollektivschuld des Judentums an der Kreuzigung Jesu als Sohn Gottes.
Die Wikipedia schreibt zum (nicht atheistischen, sondern angeblich jüdischen) “Gottesmord “:
>Diese These begründete vom 2. bis zum 20. Jahrhundert eine fundamentale Abwertung und Ausgrenzung („Verwerfung“) aller Juden in der Christentumsgeschichte. Sie ist damit ein Zentralmotiv des christlichen Antijudaismus. […]
Das in der Volksfrömmigkeit immer neu befestigte und verankerte Motiv trug wesentlich dazu bei, dass Judenfeindlichkeit nahezu 1800 Jahre lang ein „kulturelles Grundmuster“ (Stefan Rohrbacher) der Geschichte Europas wurde. Dies ermöglichte schließlich auch den Holocaust an den europäischen Juden im christianisierten Europa, mehrheitlich ausgeführt von Getauften.< [Hervorhebung von uns]
Tatsächlich waren auch Adolf Hitler und sein Propagandist Josef Goebbels in Kindheit und Jugend mitnichten atheistisch, sondern katholisch sozialisiert worden. Selbst Stalin durchlief in seiner frühen Karriere zunächst ein Priesterseminar.
Hitler schrieb in “Mein Kampf”:
>So glaube ich heute im Sinne des allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn … Die Aufgabe, mit der Christus begann, die er aber nicht zu Ende führte, werde ich vollenden.<
Dieses Zitat nennt Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, in seiner lesenswerten Replik auf Mixas österlichen Unsinn.
Selbst der Kommentator der Augsburger Allgemeinen mahnt den Augsburger Bischof:
>Keinen Gedanken verschwendet Mixa auf den warmherzigen Humanismus, der in den Konzentrationslagern auch von Glaubenslosen praktiziert wurde. Kein Wort der Scham hat er für die gutbürgerlichen Christen, die ein geschmeidig funktionierendes Rädchen im diktatorischen Getriebe des menschenverachtenden Hitlerstaates waren.<
Spätestens die von Al Kaida-Islamisten um Mohammed Atta verübten Anschläge vom 11. September riefen auch dem neuen Jahrtausend ins Bewusstsein, dass noch immer fanatischer Glaube eine wesentliche Triebkraft für Massenmord ist.
Hitler und Stalin hatten sich beide vom Christentum abgewandt, aber eine politisch-säkulare Religion etabliert - mit Heilserwartungen- und versprechungen, einem Unfehlbarkeitsdogma für sich als Führer und der Verfolgung und Vernichtung des angeblich “Bösen” (Juden / Klassenfeind) - wobei Judenpogrome, Hexenverfolgung und Inquisition als historische Vorbilder dienen konnten.

Wo und wann hatten dagegen Skeptiker Verbrechen dieser Dimension zu verantworten?
Der Fairness halber muss gesagt werden, dass auch tiefgläubige Katholiken wie Fritz Gerlich, lange Jahre Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, einen hellsichtigen und bewunderswerten Widerstand gegen Hitler übten. Gerlichs politische Wochenschrift “Der gerade Weg” liegt heute glücklicherweise komplett digitalisiert vor.
Walter Mixa, der eine alberne Bischofs-Kostümierung braucht, um vor seinen Gläubigen größeren Eindruck zu machen, muss man eines zugute halten: Sein (für ihn karriereförderlicher) Glaube ist wohl noch nie tiefgreifend geprüft worden.
Hiob hat er gelesen, aber nicht erlitten.
Wo er aber schon über die “Hölle auf Erden” redet, sollte man ihm Primo Levis autobiographischen Bericht über seine Zeit in Auschwitz zur Lektüre anraten: “Ist das ein Mensch?“
Wenn Levi noch lebte, könnte ihm Mixa erklären, warum sein allmächtiger und gleichzeitig barmherziger Gott Auschwitz zuließ.
Ein Atheist wird darauf in klaren, verständlichen Worten antworten können: Weil es diesen gleichzeitig allmächtigen und allgütigen Gott einfach nicht gibt.
Der Bischof wird darauf ebenfalls antworten können - so wie sein Papst. Fraglich ist nur, ob die theologischen Gedankenkonstrukte zur Theodizee dem, der eine Hölle überlebte (oder in ihr unterging), irgendein Trost sind.
Lesenswert sind in diesem Kontext weitere Bücher:
Wem das zuviel ist, dem seien die Videos von Pat Condell empfohlen. Was er zum Irrsinn der Gläubigen sagt, ist kurz und knapp und vor allem geistreich.
Gerade noch gefunden: Ein Artikel von Rolf Degen in “Bild der Wissenschaft”: “FROMME SIND NICHT BESSER“
Der Wissenschaftsjournalist zitiert eine ganze Reihe von Studien, die klären sollten, ob die Gläubigen sich moralisch von den Nicht-Gläubigen unterscheiden. Die Ergebnisse dieser Studien sind eindeutig.
Die Psychologin June Price Tangney von der George Mason University in Virginia hatte mehrere tausend Personen getestet.
Ihr Resume: “Es war nicht der geringste Einfluss der religiösen Orientierung auf die Häufigkeit und Intensität der mit Moral verbundenen Emotionen nachzuweisen.”
Das Fazit des Wirtschaftswissenschaftler Jonathan Tan, der die Moral in „ökonomischen Spielen“ untersuchte: Weder als Geber noch als Nehmer legten gläubige Spieler eine sozialere Einstellung an den Tag.
Die Psychologen Hugh Hartshorne und Mark May hatten an der Yale University bereits 1928 11000 Kinder schummeln lassen.
Das Resultat:
“In der überwältigenden Mehrheit der Studien betrieben die religiösen Kinder genauso oft ein falsches Spiel wie ihre ungläubigen Kameraden. Die einzige Ausnahme lieferte eine Studie an religiösen Sonntagsschülern: Sie mogelten etwas mehr als andere.”
Der Psychologe Bernard Spilka von der University of Denver schrieb in einem Handbuch der Religionspsychologie:
“Obwohl religiöse Menschen dazu neigen, sich für ehrlicher zu halten als nichtreligiöse, sprechen Befunde dafür, dass es keine oder gar eine negative Beziehung zwischen Religiosität und Ehrlichkeit gibt.“
Dazu passt, “dass die überwältigende Mehrheit aller US-amerikanischen Gefängnisinsassen eine starke Nähe zu Gott für sich reklamiert. Nicht einmal ein Prozent der Häftlinge outet sich als Atheisten.”
Schließlich muss man diesen Absatz aus Degens Artikel komplett zitieren, zu gut nämlich passt er zur Mixa-Kontroverse:
>Unleugbar ist dagegen die Affinität von religiösen Menschen zu extremistischer Gewalt. Zwar wurden in den Neunzigerjahren „nur“ 25 Prozent der internationalen terroristischen Akte von religiös motivierten Tätern verübt, bescheinigt der US-Terrorismusexperte Bruce Hoffman.
Aber 60 Prozent aller Toten gingen auf das Konto dieser Tätergruppe.
Die schlimmsten Anschläge, die über acht Tote forderten, wurden sogar allesamt von religiös motivierten Tätern verübt. „Während weltlich motivierte Terroristen selten die Auslöschung großer Menschengruppen anstreben, weil solche Exzesse ihren Zielen schaden, legen es die Religiösen oft gerade auf solche Gemetzel an“, sagt Hoffman.<
Hier noch einige Links zu anderen Blogs:
Neun Jahre nach Beginn der sogenannten „Pfungstädter Affäre“ um die ehemalige Erste Stadträtin Barbara Holder (SPD) und den früheren CDU-Fraktionschef Martin Eich zeichnet sich jetzt ein Ende der juristischen Auseinandersetzung ab.
Zwar sind gegen die inzwischen in den vorzeitigen Ruhestand versetzte SPD-Politikerin bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt noch mehrere Ermittlungsverfahren anhängig, das verbliebene Verfahren gegen ihren Kontrahenten hingegen ist, wie Eich jetzt mitteilte, bereits im August vergangenen Jahres ohne Auflagen eingestellt worden. Die Verfahrenskosten habe die Staatskasse übernommen.
Damit wird ein Vorgang abgeschlossen, der seit nunmehr nahezu einem Jahrzehnt weit über die Region hinaus für Aufmerksamkeit sorgte. Seinen Anfang nahm die Affäre im September 2000, als Pfungstadts Bürgermeister Horst Baier (SPD) öffentlich behauptete, Eich als damaliger Oppositionsführer im Stadtparlament verfüge über interne Dokumente der Stadtverwaltung, die aus dem Schreibtisch der damaligen Ersten Stadträtin Holder stammten. Diese habe Eich deshalb angezeigt, auch weil er versuche, Holder mit den vertraulichen Papieren unter Druck zu setzen.
Eich reagierte umgehend, benannte Holder als seine Quelle und bezeichnete die Verbindung zu der 19 Jahre älteren und zudem verheirateten SPD-Politikerin als „sehr eng“.
Die Anzeige sei eine „Retourkutsche“, weil er Holder gegenüber angekündigt habe, seinerseits nicht mehr Stillschweigen über Verfehlungen zu wahren, die sich diese im Amt habe zuschulden kommen lassen.
Zum Beweis seiner Behauptungen präsentierte Eich nicht nur mehrere Aussagen von Gaststättenbesitzern aus der Region, in deren Lokalen das Paar verkehrte und die den Austausch von Zärtlichkeiten zwischen beiden Kommunalpolitikerin beobachtet hatten, sondern auch ein Exemplar des Buchs „Der kleine Prinz“ mit der Widmung „Für Martin, viel Freude beim Lesen und denk’ daran: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Barbara.“.
Weil Holder in einer eidesstattlichen Versicherung abstritt, das Buch Eich geschenkt zu haben, verurteilte sie das Amtsgericht Darmstadt bereits in erster Instanz zu einer Geldstrafe. Eich hingegen wurde in einem anderen Verfahren vom Vorwurf, die aus dem Verfügungsbereich Holders stammenden internen Dokumente der Stadtverwaltung gestohlen zu haben, rechtskräftig freigesprochen.
Mit der jetzt bekannt gewordenen Einstellung sind alle Vorwürfe gegen Eich vom Tisch. Weniger glimpflich kam Holder davon: Neben der bereits in erster Instanz erfolgten Verurteilung wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung hat das Amtsgericht Darmstadt nach Angaben von Eich zudem Anfang des Jahres einen Strafbefehl gegen Holder wegen uneidlicher Falschaussage erlassen, weil diese im Verfahren gegen Eich wahrheitswidrige Angaben zur Intensität der Beziehung zum früheren CDU-Fraktionschef gemacht habe. Holder habe den mit einer Geldstrafe verbundenen Strafbefehl inzwischen akzeptiert.
Auch bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt dürfte man erleichtert sein, dass Eich und sein Verteidiger Dr. Ulrich Endres (Frankfurt) einer Einstellung des Verfahrens zugestimmt haben.
Immer wieder war Oberstaatsanwalt Thomas Seifert (Bad König), in dessen Abteilung die Ermittlungen gegen Eich und Holder geführt wurden, im Zuge des Verfahrens wegen seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher SPD-Kommunalpolitiker im Odenwaldkreis in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten.
Seifert, dem Kritiker aufgrund seiner Parteimitgliedschaft vorwerfen, bei Ermittlungen gegen südhessische Sozialdemokraten nicht objektiv zu sein, war von Eich für Unregelmäßigkeiten bei den Ermittlungen verantwortlich gemacht worden.
Auch ein Zeuge, der von Holder unter Druck gesetzt wurde und die SPD-Stadträtin deshalb anzeigte, erhob ähnliche Vorwürfe, ohne dass dies bislang zu personellen Veränderungen bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt geführt hätte.
Eine Konstellation, die etwa in Italien unmöglich wäre: Dort ist es Richtern und Staatsanwälten unabhängig von ihren Aufgabengebieten untersagt, sich in einer Partei zu engagieren. Eine Vorgabe, die – so ist von Menschenrechtsorganisationen zu hören – sich dort bewährt und das Ansehen der Justiz erhöht habe.
Dietrich Kübler hat es geschafft. Im September kann er in das Erbacher Landratsamt einziehen und sich auf den Sessel seines Vorgängers setzen. (Vorausgesetzt, Landrat Horst Schnur ist nach 18 Jahren im Amtsstübchen mit dem Sitzmöbel nicht so verwachsen wie jene beklagenswerte Amerikanerin, deren Gesäß nach einer 2-jährigen Dauersitzung mit der Klobrille verwachsen war. In diesem hypothetischen Fall müsste Dr. Ulrich Falk tätig werden.)
Später will Kübler prüfen, so hat er es angekündigt, ob weitere Personen im Landratsamt in fraglicher Weise auf ihren Sitzen kleben.

Originalzitat des Hüttenthaler Waldhubenhofbauern: “Ich könnt mir also vorstellen, dass man auch so ne Arbeitsplatzbeschreibung mal macht, die in dem Maß net vorhanden ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mal wissen, wenn sie auf einem Platz sitzen, was ihre Tätigkeit definitiv auch ist.” Pupsen vielleicht?
Kübler steht im Wort bei seinen vielen Unterstützern. Die erwarten, dass Kompetenz ins Amt einzieht. Möglich ist auch, dass die Odenwälder ÜWG sich über Neuzugänge freuen kann und manche Fähnchen nun anders flattern.
Es ist übrigens eine illustre Schar, die den “bürgerlichen” Kübler unterstützt hat. Mit Michelstadts scheidendem Bürgermeister Reinhold Ruhr war natürlich zu rechnen (”Diesmal wählt der Odenwald frei! Dietrich Kübler, Liste Drei!“).

Auch mit ortsansässigen Unternehmerfamilien (Mühlhäuser aus Michelstadt, Lippmann/Schmucker aus Mossau) und den Junggrafen zu Erbach-Fürstenau.
Erstaunlich ist allerdings, dass offenbar auch die linke Publizistin Claudia Troßmann aus Ober-Kainsbach dem “Lieben Herrn Kübler viel Erfolg bei der Stichwahl!” wünschte.
Da hätte man doch erwartet, dass sie - gerade am Weltfrauentag - eher für die SPD-Kandidatin Erika Ober hofft und votiert.
Zuvor hatte die (leider weitgehend verstummte) Bloggerin noch für die WASG kandidiert.
Auffällig an Küblers Unterstützerliste war auch, dass sich verschiedene Ärzte aus Erbach und Michelstadt für den Hüttenthaler stark machten. Lag es vielleicht daran, dass sie ihre Kollegin (und Küblers Konkurrentin) Dr. med. Erika Ober zu gut kannten?
Die hat übrigens ihre Webpräsenz erikaober.de inzwischen dichtgemacht. Wer die Adresse jetzt aufruft, wird weitergeleitet zu obernet.de. Es ist die Homepage für die zusammen mit ihrem Ehemann Karl M. Ober betriebene frauenärztliche Gemeinschaftspraxis.
Der Schuster bleibt bei seinen Leisten und Erika Ober bleibt fortan bei ihren Patientinnen.
Dass sie zur Stichwahl nicht mehr antrat, hatte ihr viel Kritik aus den eigenen Reihen eingetragen.
Am schärfsten äußerte sich Karin Holzer: “Ich kann die Odenwälder Genossinnen und Genossen nur beglückwünschen, dass ihnen eine solche Person als Repräsentantin des Kreises erspart bleibt.”
Auch Michael Roth, Generalsekretär der Hessen-SPD, übte unverhohlen Kritik an Ober (weil “zur demokratischen Wahl eben Auswahl” gehört.) Deutlich war auch diese Aussage von Roth: “Wahlen werden lokal gewonnen und lokal verloren.”
Schließlich lässt auch der intelligent bloggende Kollege Udo Springfeld an Ober kein gutes Haar:
>Weniger als vier Wochen noch, dann wählt Darmstadt-Dieburg einen neuen Landrat. Wenn es nach Erika Ober geht, ehemals Kandidatin der SPD im Odenwaldkreis, dürfte Pit Schellhaas wenig Chancen haben, denn “Wir haben im Moment in Hessen durch die Regierungsdiskussion in Wiesbaden natürlich auch Probleme auszubaden, auch hier vor Ort. Mit einem SPD-Parteibuch im Moment, ist man ein wenig gestraft.” WTF?
Frau Ober verzichtete sogar auf die Stichwahl, und verschenkte damit ein seit 1945 von Sozialdemokraten hervorragend geführtes Landratsamt. Mit einer hahnebüchende Erklärung, deren Deutung ich dem geneigten Leser bei den Odenwald Geschichten nachzulesen empfehle. Dem Odenwald stehen schwere Zeiten bevor, fürchte ich. Erika Ober hingegen ist hoffentlich ausgezählt.<
Seine Aussage, das Erbacher Landratsamt sei “seit 1945 von Sozialdemokraten hervorragend geführt” worden, lässt vermuten, dass er in diesem Landkreis nie lebte.
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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