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Montag, 31. Juli 2006

Israelische Zeitung Haaretz fragt: Was soll Israel nach dem schrecklichen Geschehen in Kana tun?

von @ 8:54. Kategorien: Politik

Today’s Poll

After Qana Israel should:
Declare an immediate cease fire
56%
Negotiate Rice’s plan, but no rush
6%
Apologize and keep fighting
18%

No need to apologize, it’s a war
20%
Votes: 1673

Knapp 60% der Befragten wollen eine sofortigen Waffenstillstand. Knapp 20% verlangen eine Entschuldigung, wünschen aber eine Fortsetzung der Angriffe, genau 20% sehen keinen Grund für eine Entschuldigung: “It’s a war”

In der Jerusalem Post äußert sich zu dem fürchterlichen Verlauf des gegenwärtigen Krieges Nachman Shai, ein früherer Sprecher der israelischen Armee: “Apologize, but keep up pressure”

>For the second time during an Israeli operation in Lebanon, the village of Kafr Kana has suffered a severe blow. A substantial number of civilians have been killed and wounded, and the entire IDF operation is now being perceived in light of this event.[…]
This time an Israeli air force jet fired missiles at a building there. Several surveillance photos showed that Hizbullah rocket launcher crews had fired from the site, then ran inside the building to hide, using children and uninvolved civilians for cover.
When targeting the terrorists in the building, Israel had no intention of harming the innocent. Now the question is whether Israel will stop Operation Change of Direction. Will Israel change direction, after unintentionally harming civilians?
Prime Minister Ehud Olmert, Defense Minister Amir Peretz and Foreign Minister Tzipi Livni are facing a dilemma now - whether to listen to the harsh public reaction, or stick to the line taken thus far, according to which there will be no stopping the military operation until all goals are met.
I would not like be in their shoes right now, but in my opinion, Israel must continue its military actions. […]
Israel launched this operation with an internal consensus and based on the most profound international understanding that we had ever enjoyed. Israel, which had withdrawn to the international border in May 2000, coordinated its steps with the United Nations, which confirmed the border demarcation and that there were no outstanding territorial disputes. Israel fully respected that border and had no desire to cross it again, but found itself repeatedly attacked by Hizbullah.[…]
We need to recognize that Iran is no longer a distant, potential threat. Today, Iran is threatening our borders through a proxy that acts according to the wishes and commands of its rulers. It is obvious that Iran has planned this move calmly and cunningly to divert international attention from its nuclear plans. Israel cannot allow this plan to proceed without trying to stop it.[…]
Israel absorbed more terror attacks in the years 2000-2005 than any other country in the world. Israel is now dealing with two arms of international terror - in the North, Hizbullah and in the South, Hamas - acting in the name and for the sake of these countries which condemn us now, but who fear that they themselves will be the next victims of terror.
We must act quickly, thoroughly and with complete confidence in the belief that accidents happen in every war, and in this one, too. But this kind of accident should not divert attention from the main challenge we face: a democratic, Western country which acts according to moral standards faces a fundamentalist terror organization that acts against and from within the civil population, intentionally and brutally. We must present and market these facts, repeatedly and persistently.
Hizbullah exploited the six year period since then to arm itself to the teeth. The continuous bombardment of Israel in the last three weeks is unprecedented in our history. The deep strikes on the home front and the threat to our personal safety are heavy blows which we must not tolerate. It’s reasonable to assume that Hizbullah hasn’t utilized its entire arsenal and it’s likely that it is hiding different kinds of long-range weapons, some of which are perhaps yet to be used. < Quelle: jpost.com, Apologize, but keep up pressure, 31. 7. 2006

Der Leitartikel der Financial Times Deutschland sieht durch das “Blutbad unter Unschuldigen” Israel orientierungs- und ratlos und international noch weiter in der Defensive:

>Immer deutlicher zeigt sich, dass Israel in dem bald drei Wochen andauernden Krieg gegen die Hisbollah in Libanon einen gefährlichen Fehler gemacht hat: Als Ziel für das eigene Militär wurde nichts weniger als die weitgehende Ausschaltung der radikalislamischen Schiiten-Miliz verkündet.
Inzwischen wird klar, dass dieses Ziel unter den realen politischen und militärischen Bedingungen des Konflikts kaum zu erreichen sein wird. Der Ruf nach einem baldigen Waffenstillstand wird weltweit immer lauter. Die militärischen Erfolge Israels sind bisher wenig beeindruckend.
Selbst wenn die Hisbollah stark geschwächt aus diesem Krieg hervorgeht - solange sie auch nur halbwegs überlebt, kann sie einen gewaltigen Propagandasieg einfahren. Die im Felde unbesiegten Radikalislamisten werden in der Region ihr Heldenimage als einzig fähige Kämpfer gegen den Zionismus weiter ausbauen.
Der blutige israelische Angriff auf das libanesische Dorf Kana, bei dem in der Nacht auf Sonntag rund 60 Menschen, darunter 37 Kinder, starben, zeigt dieses Dilemma nur allzu deutlich. Israels Militär steht inzwischen unter enormem Erfolgsdruck, zumal der Raketenbeschuss durch die Hisbollah - dessen Ziel die Maximierung ziviler Opfer in Israel ist - scheinbar ungestört weitergeht.
Die verbreitete Erwartung, Israels Hightech-Armee werde den Gegner im Norden mit Präzisionsschlägen in die Knie zwingen können, erweist sich als Illusion. Immer öfter fordern israelische Bürger, doch endlich mit ganzer Härte gegen die Hisbollah zuzuschlagen.
Da die Schiiten-Miliz aber strategisch darauf setzt, sich inmitten der eigenen Zivilbevölkerung einzugraben, mündet jede Unachtsamkeit oder Eskalation rasch in die Katastrophe. Schon eine einzige fehlerhafte militärische Aufklärung kann, wie im Fall Kana, zum Blutbad unter Unschuldigen führen. International gerät Israel so weiter in die Defensive.
Israel wirkt in dieser Lage selbst orientierungs- und ratlos. In Jerusalem ist weder erkennbar, wie ein Propagandasieg der Hisbollah doch noch abgewendet werden könnte, noch gibt es ein Rezept dafür, wie mit einem so gestärkten Feind künftig umzugehen wäre. Schon der Abzug Israels aus dem besetzten Südlibanon im Jahr 2000 wurde von der Hisbollah als eigener Triumph gefeiert, er begründete ihren Mythos. Wie sich zeigt, hat das dem Frieden nicht gedient.< Quelle: ftd.de, Nahost - Erfolg für die Hisbollah, 31. 7. 2006

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Ein Kommentar zu “Israelische Zeitung Haaretz fragt: Was soll Israel nach dem schrecklichen Geschehen in Kana tun?”

  1. Gudrun Hoffmann schreibt:

    Am 02.08.2006 15.00 Uhr findet auf dem Heumarkt in Marburg eine Mahnwache gegen den Krieg im Nahen Osten statt. Thema “Bombardierung beenden, Leben schützen”. Ich bitte alle Bürger, die sich in irgend einer Weise (Z Bsp.durch Demos, Unterschriften und der gleichen)äußern können das auch zu tun. Heute trifft es den Nahen Osten, wer sagt denn, dass es nicht auch uns treffenkann?

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