„Ach, seufzen sie im Verband, wäre Boll doch ein wenig mehr wie Roßkopf in Sachen Willen, Trainingseinsatz, Härte zu sich selbst und Ehrgeiz“

> Es könnten wegweisende Tage werden im Fernen Osten für Timo Boll. Montag tritt der deutsche Tischtennisprofi zum ersten Einzel in Schanghai an. Weltmeisterschaften im imposanten 20 000-Sitze-Gymnasium im 17-Millionen-Einwohner-Moloch an der Ostküste Chinas…Alle Hoffnungen lasten auf ihm. „Bis auf Boll“, sagt der Routinier Jörg Roßkopf, „fahren wir alle ohne große Erwartungen zur WM.“.. Jener Boll ist dazu auserkoren, das deutsche Tischtennis ganz weit nach vorn zu bringen. Er hat, das ist unbestritten, die Qualität dazu. Allein: Er schöpft sein Potential zu oft nicht aus…Mit grundsätzlicher Sorge betrachtet der Rekordinternationale Roßkopf, der mit Boll beim TTV Gönnern spielt, die Entwicklung des Linkshänders: „Er bereitet sich nicht so gezielt auf Höhepunkte vor wie meine Generation“, sagt Roßkopf, „statt von einem Turnier zum nächsten zu hetzen, sollte er sich lieber auf zwei, drei Höhepunkte im Jahr konzentrieren.“ Ach, seufzen sie im Verband, wäre Boll doch ein wenig mehr wie Roßkopf in Sachen Willen, Trainingseinsatz, Härte zu sich selbst und Ehrgeiz. Statt dessen gönnt sich Boll noch immer kaum Pausen, spielt unzählige, zum Teil unwichtige Preisgeldturniere, läßt sich im Training bisweilen hängen – und verpaßte gerade bei der EM in Aarhus als Dritter die Siegerehrung im Doppel, weil er abgereist war. Offiziell wegen eines Arzttermins am nächsten Morgen. Doch trat der 24jährige beim neuen Sponsor auf: „Gutes aus Hessen“ – schlecht für Boll, denn fertig war der Aufruhr, mit bemerkenswerten Ausmaßen. „So etwas wie diese Abreise“, moniert Roßkopf, „habe ich noch nie erlebt.“…Und dann das: Der Rücken schmerzt, die Leiste zwickt, der Geldfluß stockt. Weswegen Boll, der im Odenwald ein Haus bauen will, gerade zum dritten Mal das Management gewechselt hat. „Ihm fehlen Leute, die ihm die richtigen Ratschläge geben“, sagt Roßkopf. < Quelle: welt.de

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