„Der Eintrag hat ein auf Moderation wartendes Feedback“: Kulturbloggerin Claudia Trossmann plädiert für Vielfalt und Kritik – nur nicht in ihrem Blog

trossmann morales bashing

Im Oktober letzten Jahres sah sich die Odenwälder (Kultur-) Bloggerin Claudia Trossmann in ihrer pessimistischen Sicht über den – ja doch – sozialen, kulturellen und moralischen Abstieg der westlichen Demokratien erneut bestätigt. Diesmal durch den Jahresbericht von Reporter ohne Grenzen (ROG). Ihr Fazit: Mit der Pressefreiheit geht es bergab.
Vor allem in jenen Ländern, die sie stets mit ärgstem Argwohn betrachtet: USA-Israel-Deutschland.
Was sie nicht erwähnte: Einer der Gründe für das Abrutschen einiger westlicher Länder auf der ROG-Skala war die Bedrohung von Autoren, Journalisten und Karikaturisten durch islamistische Fanatiker.
Diese Bedrohung hatte sie nur einige Monate zuvor als Pressefreiheittheater abgetan. Eine Solidarisierung mit den bedrohten Karikaturisten und Journalisten der dänischen Zeitung Jyllands Posten lehnte sie ab, dies sei „hysterisch und unvernünftig“. Außerdem seien die bedrohten Karikaturisten in gewisser Weise selbst schuld, da sie gegen das „differenzierte Bilderverbot“ im Islam verstoßen hätten (das sogar Kindern bekannt sei).
Zunächst eine für Künstler und Journalisten reale Bedrohung als „Pressefreiheittheater“ abzutun und anschließend – als sei man bestätigt worden – über das Bergab der Pressefreiheit zu klagen, erschien uns widersprüchlich, genauer gesagt: unredlich.
Die kritischen Ausführungen zu ihren widersprüchlichen Aussagen mochte Claudia Trossmann nicht kommentieren. Statt dessen meldeten sich hier im Kommentarbereich anonyme (männliche? weibliche?) Kommentatoren („Wayback“, „Waydown“, „Fremder ohne Maske„), die für die Kulturbloggerin Partei ergriffen.
Noch bemerkenswerter war aber, was sich zur selben Zeit im Kommentarbereich von Claudia Trossmanns Kulturblog tat bzw. nicht tat.
Auch dort wurde nämlich Kritik an ihren Positionen geübt, und zwar nicht anonym und zudem in sachlichem Ton.
Das war der Wortlaut des am 25. Oktober abgesandten Kommentars:trossmann kommentar rog

>Claudia, wie nur kannst Du in der neuen ROG-Rangliste zur Pressefreiheit eine Bestätigung Deiner Positionen sehen?
Du schreibst „Mit der Pressefreiheit geht es bergab“.
Auffällig bergab ging es mit dem bisherigen „Spitzenreiter“ Dänemark, der sich um 18 Ränge verschlechterte.
Grund: Die Bedrohung von Leib und Leben der Mohammed-Karikaturisten und der Zeitungsmacher durch Fanatiker.
Du hast vor 8 Monaten eben diese Bedrohung wortwörtlich als „Pressefreiheittheater“ bezeichnet, eine Solidarisierung mit den so Bedrohten wortwörtlich als „unvernünftig und hysterisch“ bezeichnet und den Bedrohten direkt/indirekt die Schuld zugewiesen.
Sie hätten gegen das „differenzierte Bilderverbot im Islam“ verstoßen, das angeblich schon jedem Kind bekannt sei
.<

Das sachliche Feedback wurde von der Kulturbloggerin nicht zugelassen. Auch nicht der darin enthaltene Link zu den Odenwald-Geschichten.
Ruft man heute im Kulturblog Claudia Trossmanns Artikel über das „Bergab der Pressefreiheit“ auf, erscheint darunter der Hinweis:
Bisher keine Kommentare/Trackbacks/Pingbacks für diesen Eintrag…
Zuvor war noch diese Meldung erschienen: „Der Eintrag hat ein auf Moderation wartendes Feedback„.

trossmann feedback moderationNach einer gewissen Anstandsfrist hatte die Moderatorin offenkundig das ihr ungenehme, weil kritische Feedback herausmoderiert bzw. gelöscht.
Man ahnt, wie die bessere Welt der Bloggerin aussähe, könnte sie dieser tatsächlich herrschend ihren Stempel aufdrücken – vor allem im Hinblick auf Meinungs- und Pressefreiheit, für die es mit ihr natürlich bergauf statt bergab ginge.

Trotz des herausmoderierten bzw. gelöschten Feedbacks wurde etwas später erneut die Einladung des Kulturblogs zum Feedback aufgegriffen: „Hinterlasse einen Kommentar„.

Auch diesmal (4. Januar 2007) war es ein medientheoretischer Text der Kulturbloggerin, der zum Feedback animierte: „Medien – Dichtung oder Wahrheit?

Claudia Trossmann äußert darin die Hoffnung, dass „Kurt Tucholsky irgendwann unrecht“ habe mit seinem Bonmot: „Der geschickte Journalist hat eine Waffe: das Totschweigen – und von dieser Waffe macht er oft genug Gebrauch.“
Es scheint, als sei in diesem Sinne die Odenwälder Bloggerin doch (auch) eine geschickte Journalistin – denn in ihrem Blog jedenfalls beherrscht sie das Totschweigen kritischer Feedbacks („Bisher keine Kommentare für diesen Eintrag …“).
Aber eigentlich will sie ja anders sein, z.B. will sie – wieder ein Satz aus dem nämlichen Artikel – „der Einfalt eine Vielfalt an Meinungen entgegensetzen. Und hofft, dass „Wahrheit und Fairness dank Vielfalt die Oberhand“ bekommen. trossmann bierce feedback

Überhaupt wimmelt es in den Texten von Claudia Trossmann nur so vom „Gutsprech“: Wahrheit, Fairness, Gerechtigkeit, Friede, Dialog, Kultur, Mensch, Seele …
Wer solche Worte so inflationär verwendet, das wusste schon der skeptische Kirchenbesucher vom weihevoll predigenden Pastor auf der Kanzel, will die Moral gerne für sich gepachtet haben. Wer aber etwas pachtet, sucht daraus auch Gewinn zu ziehen. Auch aus der Moral, die lässt sich zum Beispiel gerne gegen jeden wenden, der widerspricht. Sie ist gut fürs Image und manchmal auch für das Geschäft.
Aber es bleibt eben ein Unterschied, ob einer nur gerne den Gutsprech intoniert und auf der hohen (und manchmal hohlen) Phrase reitet, oder ob er – und zwar ohne große, tönende Worte – lebt, was er verbal vertritt.
Wie sah es hier also aus mit der „Fairness“ und der „Vielfalt“, nachdem der Leser zum Hinterlassen eines Kommentars eingeladen wurde?

Wird die Kulturbloggerin hier auch kritische Rückfragen zulassen? Immerhin drei Kommentare lässt sie zu. Ihren eigenen, einen von Besucher Jörg („Schöner Beitrag!“), sowie einen von Besucher Sabinchen („Das ist tatsächlich ein sehr (!) interessantes Blog.„)
Ein viertes (kritisches) Feedback, das so gesehen nicht für „Einfalt“, sondern für „Vielfalt“ steht, wartet dagegen seit fast 4 Wochen auf „Moderation“. Pech, wenn sich einer nach der netten Einladung Mühe machte und (ohne Backup) eine halbe Seite kritisch und damit vergebens schrieb. Man könnte das unfair nennen.

Bevor also der in diesem Fall vorausschauend vom Leser archivierte Kommentar im Kulturblog wieder gänzlich ausmoderiert bzw. eliminiert wird, sei er hier zitiert:

>Claudia, Du zitierst Ambrose Bierce: „Gerüchte sind die Lieblingswaffe des Rufmörders.“
Du selbst hast am 15. Dezember in Marcel Bartels mein-parteibuch.de einen israelfreundlichen Blog (Lizas Welt) mit „Morddrohungen … ganz real“ in Verbindung gebracht. Der Blog gehöre angeblich einem „antideutschen Netzwerk“ an. Dieses angebliche „Netzwerk“ bzw. dessen Weltbild verleite Menschen zu angeblichen „Mordrohungen„. Deine „Argumente“ basieren bestenfalls auf Gerüchten. Gilt für Dich daher auch das Verdikt von Ambrose Bierce?
<

trossmann bierce

Nur die Links zu den entsprechenden Seiten wurden hier nachträglich eingefügt, der Text selbst wurde in genau diesen Worten am 5. Januar als Kommentar im Kulturblog hinterlassen.

Man sollte nicht verschweigen, dass Claudia Trossmann auch außerhalb ihres Kulturblogs Zustimmung erfährt. So lobt ein früherer Kriminalpolizist (und heute noch immer Kommunist) aus der DDR, Jürgen Cain Külbel, ihre „mutigen“ Bemerkungen.
Külbel selbst ist auch für „mutige“ Bemerkungen bekannt. So nennt er den radikalen DDR-Apologeten Peter Hacks sein „unerreichbares Vorbild“. Hacks hatte Hymnen auf den Genossen Stalin, den Genossen Ulbricht und die Mauer verfasst. Dort ist irgendwo auch noch Külbel zu Hause und dort, ja wer weiß, war vielleicht doch der Mensch die Seele von Wirtschaft und Kultur….

Wer aber glaubt, nur ein Kritiker exquisit linker Positionen falle mit seinen Feedbacks in den Blogs der Kulturbloggerin der moderierenden Schere zum Opfer, irrt.
In Claudia Trossmanns Odenwald Magazin wurde eine Diskussion zwischen dem WASG-Aktivisten Stephan Krieger und dem inzwischen aus der WASG ausgeschiedenen Willi Utzinger nach 3 Kommentaren abgebrochen.
Krieger hatte das letzte Wort. Hätte der von ihm als „Quertreiber“ titulierte Utzinger noch etwas entgegnen wollen, hätte er Pech gehabt:
Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert„.
Auch da konnte man sich Gedanken machen.
Wenn im virtuellen Reich der Kulturbloggerin schon die Meinungsfreiheit schnell an gewisse (kritische) Grenzen stößt, wie steht es dann eigentlich mit der von ihr ebenfalls oft beschworenen Friedensliebe?
kuelbel trossmann
Wer miteinander redet, schießt nicht aufeinander„. Das ist eine kardinale Erkenntnis nicht nur von Pazifisten. „Erst wo der Dialog abbricht, wird es wirklich gefährlich„, schreibt der Philosoph Helmut Hille. Das wäre wohl auch ein Rezept für den kriegsgeplagten Nahen Osten, der Palästinenser untereinander und ebenso Palästinenser und Israelis von immer neuer Gewalt abhalten könnte.
Auch Claudia Trossmann engagiert sich häufig mit entsprechenden Rezepten für die nah-ferne Region – auch wenn ihre Sympathie für die Hisbollah scheinbar etwas größer ist als für die israelische Regierung. (Wo blieb übrigens der kritische Kommentar von Regioblogger Peter Löwenstein, der ihr vorwarf, die Hisbollah zu verharmlosen?).
Nur finden ihre Rezepte im eigenen Haus bzw. im eigenen Blog offenkundig weniger Verwendung. Der Dialog bricht, wie man hier sehen konnte, bereits nach wenigen kritischen Feedbacks ab. Von da an wurd geschwiegen.

Ein Gedanke zu „„Der Eintrag hat ein auf Moderation wartendes Feedback“: Kulturbloggerin Claudia Trossmann plädiert für Vielfalt und Kritik – nur nicht in ihrem Blog“

  1. Guten Abend,
    Ihre Beiträge über Claudia Trossmann lese ich wirklich zu gern. Es ist doch herrlich, wenn ein Mensch wie Frau Trossmann durch sein Verhalten derart zur allgemeinen Erheiterung beitragen kann.
    Sofern freue ich mich auf weitere Solidarisierungen dieser Dame mit Jürgen Cain Külbel, Mario Bartels oder sogar Klaus von Raussendorff.
    Gruß
    Ralf Sch.

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