Die Albträume des Friedrich Merz: Ausstieg aus der Politik – Ab auf die schiefe Bahn?

Administrator, 08 Februar 2007, No comments
Categories: Literatur, Politik

Die Geschichte, die sich im nachfolgenden „Interview“ enthüllt, spielt zwar nicht im Odenwald, wurde dort aber ersonnen – vor 6 Jahren schon. Bereits damals konnte, wer wollte, erahnen, dass Friedrich Merz in seiner politischen Laufbahn irgendwann auf eine „schiefe Bahn“ geraten würde.
Nun zieht er sich tatsächlich aus der Politik zurück – wenn man seiner Ankündigung Glauben schenken will.
Oder wird er doch, wie das Schund-Blatt mutmaßte, Anführer einer neuen Partei?
Auch der Tagesspiegel spekuliert darüber, während bei Spiegel-Online – wie immer – die Skepsis überwiegt.
Dort erfährt man auch, dass der wilde Friederich im Jahr 2000 ganz hoch hinauf wollte:

>In Hochstimmung sei er von Stoiber zurückgekommen und habe Merkel erklärt: „Stoiber will nicht Kanzlerkandidat werden.“ Das mache dann eben er, Merz.
Offenbar verblüfft über seine eigene Kühnheit, habe Merz noch zu Merkel gesagt: „Aber Angela – was machst du dann?“<

Was „Angela“ heute macht, weiß man ja.
Auch ihre Karriere hätte sich, wie so oft, durch eine kleine, feine Wendung ganz anders entwickeln können.
Unsere Geschichte, die im Februar 2001 erstmals in einem Literaturportal (in der Kolumne ‚Wahre Worte‘) erschien, lässt erahnen, was in der ostdeutschen Pfarrerstochter an weiteren Talenten noch schlummern könnte:

Jenseits von 68 –
Die Albträume des Friedrich Merz

WW: Herr Merz, Hand aufs Herz: Hätten Sie vor 2 Jahren geglaubt, dass Sie mir heute in dieser Position gegenübersitzen?

Merz: Ohne Umschweife: Nein. Eine solche Entwicklung hatte ich zu diesem Zeitpunkt selbst nicht für möglich gehalten.

WW: Wie erklären Sie sich Ihre, nun, etwas überraschende Karriere?

Merz: Sie wissen, dass ich dem christlichen Weltbild verhaftet bin. Insofern könnte ich Ihnen einfach antworten: Der Mensch denkt und Gott lenkt.
Wer hätte denn 1989 geahnt, dass Nelson Mandela wenige Jahre später Staatspräsident eines neuen Südafrika sein würde? Immerhin saß er zu diesem Zeitpunkt seit über 20 Jahren im Zuchthaus.

WW: Sie wollen sich doch im Ernst nicht mit Nelson Mandela vergleichen?

Merz: Sehen Sie, ich unterscheide Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe. So viel Toleranz und Liberalität sollten Sie mir schon zugestehen.
Nein, ich wollte damit einfach sagen, wie nahe sich unten und oben manchmal sind.

WW: Damit mögen Sie ja Recht haben. Dennoch: Nelson Mandela führte einen Freiheitskampf und erhielt den Friedensnobelpreis.
Bei allem Respekt: Ich glaube nicht, dass Sie sich vergleichbare Leistungen an die Brust heften können.

Merz: Natürlich habe ich keinen Friedensnobelpreis erhalten. Das behauptet auch niemand. Sicher ist das, was Sie eine »überraschende Karriere« nennen, in diesem Sinne keine Ruhmestat. Ich bin Jurist, da benötige ich keine Belehrung.
Aber denken Sie an das, was man heute neudeutsch die message nennt: Anything goes, oder, wie ein japanischer Autohersteller wirbt: Nichts ist unmöglich. Insofern denke ich schon, dass auch ich heute etwas durchaus Emanzipatorisches verkörpere.

WW: Herr Merz, lassen Sie uns doch endlich Klartext reden: Sie sitzen seit einem Jahr im Zuchthaus, in Sicherheitsverwahrung. Sie sind rechtskräftig verurteilt wegen mehrfachen Bankraubs, in zwei Fällen mit Geiselnahme. Sie haben 3 Menschenleben auf dem Gewissen. Ihre Partnerin, mit der Sie diese Aktionen durchführten, hat kaltblütig weitere zwei Personen erschossen.

Merz: Einspruch, hier bringen Sie etwas durcheinander. Man konnte mir lediglich die Ermordung zweier Bankangestellter nachweisen. Richtig ist, dass meine Kollegin 3 Menschen erschossen hat. Nicht »kaltblütig«, wie Sie behaupten, sondern im Feuergefecht mit einer Übermacht schwer bewaffneter Polizisten, die uns buchstäblich keinen anderen Ausweg ließ.

WW: Wollen Sie damit etwa die Polizei für die Toten verantwortlich machen?

Merz: Ich frage Sie zurück: Warum ließ man uns in Gladbach nicht einfach abziehen und setzte das Leben der Geiseln aufs Spiel? War es nicht so, dass die Medien ihre »Bonnie und Clyde« – Story haben wollten, koste es, was es wolle?
Spielen Sie nicht die hysterische Hetze der Springer-Presse herunter.

WW: Herr Merz, wichtiger ist doch etwas anderes: Wie war es möglich, dass Sie als Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU in einer solchen Weise auf die schiefe Bahn gerieten? Historisch ist mir kein vergleichbarer Fall bekannt.

Merz: Denken Sie doch nur an Ernesto Che Guevara. Der war Präsident der kubanischen Nationalbank und bis 1965 Industrieminister. 1967 wurde er als Outlaw von bolivianischen Militärs erschossen.

WW: Mandela, Guevara … Hat der frühere Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU sein Herz für linke Revolutionäre entdeckt?

Merz: Kennen Sie meine politische Biografie? Ich war noch nie ein engstirniger Konservativer. Und natürlich hat sich nach diesen bitteren Erfahrungen mit der Staatsgewalt mein Verhältnis zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung gewandelt. So etwas lässt einen nicht unberührt.

WW: Nochmals meine Frage: Wie konnte es dazu kommen?

Merz: Dazu muss man sich die Verhältnisse vor Augen führen, die damals herrschten. Die CDU war am Boden, unsere Parteikasse war praktisch leer. To be or not to be, das war die Frage. Mit der Existenz der CDU ging es auch um den Fortbestand eines vom christlichen Menschenbild geprägten Gesellschaftssystems.

WW: Und deswegen haben Sie sich entschlossen, eine Bank auszurauben?

Merz: Sie können mir glauben: Es war die peinvollste Gewissensentscheidung, die ich je in meinem Leben traf. So muss sich Graf Stauffenberg vor seinem Attentat auf Hitler gefühlt haben.

WW: Musste es ausgerechnet eine Filiale der Deutschen Bank sein?

Merz: Sollte es etwa eine Genossenschaftsbank sein? Nein, das hatte ausschließlich sachliche Gründe.

WW: Dass Ihre Parteikasse leer war, gut und schön. Aber was niemand versteht: Warum haben Sie das nicht delegiert, sondern höchstpersönlich…

Merz: Ich und Angela Merkel haben über diesen Punkt lange diskutiert. Die Frage, die sich uns stellte, war: Lässt sich so etwas geheim halten? Denken Sie an Nixon und Watergate. Die historische Erfahrung lehrt doch, dass am Ende alles herauskommt, wenn es vorher Mitwisser gibt.

WW: Das heißt, Sie beide haben niemanden in ihre Pläne eingeweiht?

Merz: Niemand. Es gab dazu keinerlei innerparteiliche Diskussionen. Angela Merkel und ich hatten entschieden, dass die Verantwortung für diese Aktion ganz allein von den Vorsitzenden der Fraktion und der Partei zu tragen war.

WW: Und dann lief die Aktion schief.

Merz: Ich rate davon ab, das so einseitig zu sehen. Sie müssen bedenken, dass wir unser vordringlichstes Ziel erreicht hatten. Es waren immerhin 500.000 DM, die wir erbeuten konnten. Dass einer der Bankkunden mir die Maske vom Gesicht reißen würde, war nicht vorauszusehen. Sicher stellte das eine politische Niederlage dar.

WW: Haben Sie sich in diesem Moment für den Schritt in den Untergrund entschieden?

Merz: Man muss das realistisch sehen. Nachdem ein anderer Bankkunde auch Frau Merkel die Maske herunterreißen konnte, bot die Parteiführung eine Angriffsfläche, die einen taktischen Rückzug ratsam erscheinen ließ.

WW: Sie haben sich bei der anschließenden Flucht den Weg freigeschossen.

Merz: Sicher, es mag in diesem kritischen Moment die eine oder andere Überreaktion gegeben haben. Wir mussten aber davon ausgehen, dass unsere Festnahme die ohnehin schwierige Situation der Partei noch weiter verschärfen würde.

WW: Hat es Sie überrascht, dass die CDU unmittelbar darauf ein Parteiausschlussverfahren gegen Sie und Frau Merkel eingeleitet hat?

Merz: Da erinnere ich mich anders. Der damalige Generalsekretär Laurenz Meyer rief mich per Handy an und machte den Vorschlag, dass ich und Frau Merkel auf einem außerordentlichen Parteitag zu den Vorwürfen Stellung beziehen.

WW: Wozu es nicht kam.

Merz: Nach Lage der Dinge war dies nicht der richtige Zeitpunkt. Ich war mir mit Frau Merkel darin einig, dass eine Rückkehr nur in einer Position der Stärke sinnvoll war. Es ging zunächst einmal darum, eine logistische Basis aufzubauen.

WW: Machen wir es kurz: Sie tauchten in den Untergrund ab, scharten einige Sympathisanten um sich und verbreiteten als Merz-Merkel-Bande mit Banküberfällen und Attentaten Angst und Schrecken.

Merz: Lassen wir doch solche polemischen Wertungen. In Wirklichkeit ging es doch um etwas ganz anderes.
Wissen Sie, was mir mein Vater mit auf den Weg gab?
»Junge, es ist nicht wichtig, was du tust. Aber tu das, was du tust, richtig.«
Wenn Sie so wollen, das ist ein katholischer Ethos, der einen in allen Etappen des Lebens begleitet.

WW: In der Öffentlichkeit wurde oft darüber spekuliert, dass Sie sich mit Ihren militanten Aktionen gegenüber Joschka Fischer profilieren wollten: Was du kannst, kann ich auch – oder besser.

Merz: Man sollte solche Motive im politischen Geschäft nicht überschätzen.
Jeder, der hier drin steckt, weiß: Es sind letzten Endes Sachzwänge, die den Ausschlag gaben. Wenn Sie mich aber schon so direkt fragen:
Natürlich kränkt das, wenn Sie in der Öffentlichkeit nur als braver Steuerexperte und Hausflötist hingestellt werden.
Man selbst weiß doch, dass der Mensch viel differenzierter ist.

WW: Sie hatten im Dezember 2000 dem Tagesspiegel in einem Gespräch anvertraut, dass auch Sie eine wilde Jugend hatten.
Der Tagesspiegel schrieb einleitend zu diesem Gespräch, ich zitiere: »Der Vorsitzende der Union hat seine Eltern und Lehrer gequält. Seine Freunde waren Bier, Schnaps und die Doors…«
Haben Sie sich bewusst zum »Struwwelpeter« bzw. zum »bösen Friederich« stilisiert, um neben Fischer auch als »ganzer Kerl« dastehen zu können?

Merz: Nein, das sehen Sie falsch. Mir ging es dabei eigentlich nur um die historische Wahrheit.

WW: Sprechen wir zuletzt über Ihre Verhaftung. Sie sind in einen Hinterhalt geraten.

Merz: Eine bittere Erfahrung. Ein Dolchstoß. Norbert Blüm hatte uns über Dritte ausrichten lassen, dass wir bei ihm Unterschlupf finden könnten. »Jungs, ihr könnt mir vertrauen.«
Er kann ja sehr jovial sein. Weil er sich aus dem politischen Tagesgeschehen zurückgezogen hatte, glaubten wir ihm. Ein großer Fehler.

WW: Am nächsten Morgen war das Haus von einer Armada schwer bewaffneter Polizisten umstellt.

Merz: Ja. Ich und Angela mussten mit erhobenen Händen und halb nackt heraus auf die Straße. So etwas vergisst man nicht.

WW: Sie beide haben sich während des Prozesses vehement dagegen gewehrt, als Bande bzw. als gewöhnliche Kriminelle behandelt zu werden. Was war denn nun das politische Programm Ihrer Christlichen Armee Fraktion?

Merz: In einem Wort: Die Bergpredigt.

WW: Herr Merz, Sie und Frau Merkel haben in diesen 2 Jahren eine Spur der Verwüstung und des Terrors in unserem Land hinterlassen. Finden Sie es nicht geschmacklos, hierfür das Evangelium zu zitieren?

Merz: Urteilen Sie nicht vorschnell. Wissen Sie, wie man über mich in 2000 Jahren sprechen wird?

WW: Nein, aber mir kommt gerade ein Verdacht: Joschka Fischer, einst Straßenkämpfer, Taxifahrer und Hehler von geklauten Büchern wurde gerade zum ersten Präsidenten der europäischen Union gewählt.
Sie selbst, Herr Merz, haben einen erschütternden Abstieg erleben müssen.
Müssen Sie sich in grandiose Vergleiche flüchten, um so ihr völliges Scheitern vergessen zu können?

Wärter: Fritz, die Besuchszeit ist um. Du musst zurück in deine Zelle.

[…]

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