„Rechtsanwalt Michael Wolski, der dabei u.a. nackt zu sehen war“ – In südhessischer Affäre entfaltet sich ein Sittenbild der deutschen Justiz und Politik

Administrator, 29 August 2007, 8 comments
Categories: Der Wolski-Komplex, Justiz, Politik

wolski nackt 17kbClaude Chabrol, der in seinen Filmen bevorzugt die moralischen Abgründe des französischen Bürgertums seziert, hätte an diesem Stoff wohl Gefallen gefunden.
Aber auch wenn sich der französische Regisseur aus Raum-, Zeit- oder Altersgründen dieser in Südhessen spielenden Geschichte nicht annehmen kann, dann vielleicht doch Dieter Wedel.
Das auch in diesem Jahr wieder von ihm inszenierte Nibelungenfestspiel in Worms ist schließlich vorbei und vielleicht verlangt den Regisseur nun nach Realem.
Die Affäre Wolski nämlich ist höchst real.
Das ergibt sich bereits aus dem hier ausschnittsweise gezeigten Durchsuchungsbeschluss des Frankfurter Amtsrichters Becker vom 18. April 2005.
Es ist einer der seltenen Fälle, in denen der schriftliche Beschluss weit mehr Wahres verrät als die damit begründete spätere Durchsuchung.

Es müssen zuvor jedoch einige Personalien geklärt werden. Das geschieht u.a. auf der Website die-wolskis.com. Dort erfährt man über „eine feine Juristenfamilie, ehrbare Bürger und gottesfürchtige Kirchgänger“ Folgendes:

 

>Herr Michael Wolski (57)
Anwalt in Frankfurt am Main.
Vorsitzender des 1. Frankfurter Schwimmvereins
Vizepräsident des Hessischen Schwimmverbandes.

Frau Karin Wolski (56)
Richterin und Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts in Darmstadt
Mitglied des Staatsgerichtshofs in Wiesbaden
Assistentin des Ausschussvorsitzenden des CDU-Schwarzgeldausschusses
Beirat der CDU-Frauen-Union in Neu-Isenburg

Sohn Nicolas Wolski (24)
Jurastudent in Marburg, Stadtrat in Neu-Isenburg für die CDU
Mitglied im Bauausschuss
Beirat im Parteivorstand der CDU Neu-Isenburg
< [Links und Hervorhebungen von uns. Alle Angaben wurden von der Website die-wolskis.com zitiert. Einige der Angaben sind möglicherweise nicht mehr aktuell.]

Auf einer aktuellen Website der JU Neu-Isenburg erfährt man über Nicolas (Nico) Wolski zusätzlich noch dies:

>Im Wahlkampf für die Landtagswahl am 27. Januar kommenden Jahres soll für den Schatzmeister der JU, Nico Wolski, geworben werden, der als stellvertretender Landtagsabgeordneter von Hartmut Honka kandidiert.< [Hervorhebungen von uns]

Es gibt einen weiteren Wolski-Sohn, ebenfalls Jurastudent (in Frankfurt). Ihn nennen wir nicht, da er im Gegensatz zu den anderen Familienangehörigen keine Person des öffentlichen Lebens ist.

In dieser Hinsicht thront Richterin Karin Wolski über der ganzen Familie. Sie ist Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts in Darmstadt, Mitglied des Staatsgerichtshofs in Wiesbaden und sie war im Januar 2005 von der Offenbacher CDU ursprünglich als Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters nominiert. Daraus wurde dann nichts. Sie verzichtete auf die Kandidatur. Dazu hieß es am 16. 1. 2005 in HR-Online.de:

>In einer Erklärung schrieb Karin Wolski, eine Zeitung habe mit Verdächtigungen und Unterstellungen den Eindruck der Unseriösität ihrer Familie erweckt. Sie fürchte um die ohnehin angeschlagene Gesundheit ihres Mannes. Die Vorwürfe seien nicht haltbar.[…]
Die „tendenziöse Berichterstattung“ habe sie tief verletzt und schockiert und gehöre zu den bittersten Erfahrungen ihres Lebens, schrieb Wolski in ihrer Erklärung am Sonntag.
Erst vergangene Woche hatte die Offenbacher CDU Karin Wolski als Kandidatin präsentiert. Der Kreisvorsitzende und Staatskanzlei-Chef Stefan Grüttner nahm Wolskis Entscheidung „mit großem Bedauern und Respekt“ an. Sie sei eine untadelige Person und wäre eine gute Oberbürgermeisterin geworden, sagte er.< [Hervorhebungen und Links von uns].

Man weiß nicht, welche bitteren Erfahrungen die Vizepräsidentin des Darmstädter Verwaltungsgerichts in ihrem Leben sonst noch machte.
Dass ihr Ehemann „am späten Abend des 4. Mai 2000 um 23:34 Uhr nackt das Schlafzimmer seiner auf ihn wartenden Mandantin betrat und danach sofort das Licht löschte„, scheint die untadelige Juristin und Christin allerdings locker genommen zu haben.
Sie und ihr Ehemann scheinen der hier zitierten Aussage auf die-richterin.com/verfahren.html auch nicht widersprochen zu haben und nicht widersprechen zu wollen.
Andere Frauen, selbst solche die libertärer eingestellt sind als die Christdemokratin, sähen das womöglich weniger locker: Die „Konkurrentin“, in deren Wohnung sich Wolskis Gatte laut amtlichem Papier anscheinend recht selbstverständlich nackt bewegte, war zu diesem Zeitpunkt bereits im Greisenalter.
Der Altersunterschied zwischen dem Vizepräsidenten des Hessischen Schwimmverbandes und der alten Dame: 28 Jahre. Aus deren Sicht musste der sportlich aktive Mann ein knackiger Bursche gewesen sein. [Auf der Website des Frankfurter Schwimmclubs findet sich übrigens ein Foto von Wolski.]
Margit C.s eigener Ehemann, zu diesem Zeitpunkt 81 Jahre alt, war da bereits ein kranker Mann.
Aber ist die Vizepräsidentin des Darmstädter Verwaltungsgerichts tatsächlich von ihrem Ehemann mit der alten Dame „betrogen“ worden? Danach sieht es nicht aus. Sie scheint über dessen besonderes „Verhältnis“ zu Margit C. nämlich stets und anscheinend billigend im Bilde gewesen zu sein.
In der im pdf-Format vorliegenden „Chronologie der Wolski-Affäre 1998 – 2005“ heißt es dazu:

>Jetzt kommt Frau Richterin Wolski ins Spiel, die ab sofort für die Öffentlichkeit die Begleiterin der betagten Gespiel ihres Mannes spielt. Was insofern bei der ganzen Tragik doch aufheiternd ist, hat Frau C. in den frequentierten Innenstadtgeschäften Frankfurts Herrn Wolski als ihren Geliebten vorgestellt.< [Hervorhebung von uns]

Jürgen Roth nennt in seinem Buch „Anklage unerwünscht“ weitere Details und stellt Fragen:

>Wurde das Justizministerium auch darüber informiert, dass die Familie Wolski einen gemeinsamen Kurzurlaub in Venedig mit Frau C. unternahm, die beiden Damen die Oper besuchten und auch gemeinsam in Frankfurt einkaufen gingen?<

Aus diesen besonderen Umständen wird bereits erkennbar, dass es sich weder um eine klassische ménage à trois handelte noch um eine romantische, Altersgrenzen überschreitende Freundschaft im Stil von Harold und Maude.
Es ist nämlich auch viel, sehr viel Geld im Spiel.
Die Ausgangssituation (1998) wird in der Chronologie der Wolski-Affäre so beschrieben:

>Herr C. (78) ist selbständiger Bauträger. Herr C. ist ein KZ-Überlebender, er ist vermögend, liebt seine Frau (77), sein Haus und seine Firma. Seine Frau besitzte eine Generalvollmacht.<

Jürgen Roth schreibt in „Anklage unerwünscht“ über das „Millionenvermögen“ von Ignaz C.:

>Der von ihm aufgebaute Konzern umfasste Ende der Achtzigerjahre dreiundreißig Einzelfirmen mit einem geschätzten Aktivvermögen von über hundert Millionen Euro. Seine Frau war zu einem Teil an den Unternehmen beteiligt und verfügte vor seinem Tod über eine Generalvollmacht über das Vermögen.<

Zu Rechtsanwalt Michael Wolski heißt es in der „Chronologie der Wolski-Affäre“ (die-richterin.com), er sei ursprünglich „verschuldet“ gewesen und seine Finanzlage sei „nicht eben rosig“ gewesen.

Die 1998 einsetzende, zunächst geschäftliche Beziehung Wolskis zu dem Unternehmer C. und dann auch zu dessen Ehefrau Margit erweist sich für den Rechtsanwalt (und seine Familie) dann aber als wahre Goldgrube.
Für den alten Unternehmer dagegen setzt eine verhängisvolle Entwicklung ein, sein Schwiegersohn sieht ihn als Opfer eines außergewöhnlichen Parteiverrats.
In seiner Todesanzeige schreiben die Familienangehörigen über ihren am 21. 8. 2006 gestorbenen „Vater, Großvater und Schwiegervater“:

Er >wurde in einer polnischen Kleinstadt geboren. Als einziges Mitglied seiner Familie hat er das Grauen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschineri überlebt.
Nach dem Krieg hatte er es zu Ansehen und Wohlstand gebracht.
Trotzdem oder gerade deshalb hat er die letzten 5 Jahre seines Lebens in Heimen und von der Aussenwelt isoliert verbringen müssen.
In dieser Zeit wurde er völlig entrechtet und ausgeplündert. […]
So hat ihn das Böse, dem er einst entrinnen konnte, an unerwarteter Stelle wieder eingeholt. Nur einem Zufall war es zu verdanken, dass wir von unserem Vater, Großvater und Schwiegervater Abschied nehmen konnten. Wir werden ihn nie vergessen, seine Peiniger vergessen wir auch nicht.< [Hervorhebungen von uns]

Zur Beerdigung des alten Mannes am 23. August 2006 soll Rechtsanwalt Michael Wolski nicht gekommen sein. Obwohl dieser Mandant für ihn ja ein Goldesel gewesen sein muss.
Vielleicht wagte er es auch nicht, dessen Kindern unter die Augen zu treten.
Die nämlich scheinen in dem Ehemann der christdemokratischen Vizepräsidentin des Darmstädter Verwaltungsgerichts so etwas wie eine männliche Mätresse (oder Konkubine?) gesehen zu haben, der sich durch sein „unkonventionelles“ Mandantenverhältnis mit der Ehefrau ihres Vaters gewaltige Vermögenswerte erschlichen hat – aus ihrer Sicht womöglich eine Arisierung jüdischen Vermögens unter ganz besonderen und neuen Umständen. Herkunft und Biographie des alten Mannes dürfte beiden Wolskis bekannt gewesen sein. Ihr gutes Gewissen hat dieses Wissen offensichtlich nicht getrübt.

Gestern griff Christoph Guntz diese Geschichte im Wiesbadener Kurier auf.
Dabei hatte er vor allem die „hohe hessische Richterin“ im Blick, die „im Windschatten abgesahnt“ habe, gegen die die Staatsanwaltschaft „dennoch“ nicht ermittele. [Ihn mag das übrigens verwundern, uns verwundert es keinen Moment.]

Wir zitieren nachfolgend aus diesem Artikel:

>Seit drei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Mann von Karin Wolski, eine der höchsten Richterinnen Hessens. Er wird der Untreue verdächtigt, soll mehrere Millionen Euro zu Unrecht bekommen haben. Nur er? Auch seine Frau erhielt hohe Summen.
Sie ist Vize-Präsidentin des Verwaltungsgerichtes Darmstadt und Richterin am hessischen Staatsgerichtshof: Oberbürgermeisterin von Offenbach allerdings konnte Karin Wolski (CDU) nicht werden. Ihre Kandidatur scheiterte Anfang 2005, als ruchbar wurde, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihren Mann, einen Frankfurter Rechtsanwalt, ermittelt.
Es geht um den Vorwurf, Gelder eines zu Lebzeiten schwerreichen, inzwischen aber verstorbenen Geschäftsmannes veruntreut zu haben.
Dessen hoch betagte Ehefrau Margit C. soll dem sehr viel jüngeren Mann von Karin Wolski sehr zugetan sein und ihm Millionen geschenkt haben. Womöglich gegen den Willen des Verstorbenen. Und ohne dass der begünstigte Anwalt die Schenkungen versteuerte
.

Nur Margit C. und er sind ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Nicht aber seine Frau Karin Wolski, obwohl nach Erkenntnissen der Ermittler auch sie von den Geschenken der alten Dame profitierte.
Prominentestes Geschenk: ein Ferrari Maranello, der auf Karin Wolski zugelassen war. Den Kaufpreis von 265000 DM (umgerechnet gut 135 000 Euro) hatte Margit C. im September 2001 überwiesen. Das Geschenk kostete Karin Wolski damals die Kandidatur in Offenbach, auch weil unklar war, wem der Ferrari gehört: ihr oder ihrem Mann?
Karin Wolski war es auch, die vor zehn Jahren umfangreiche Schlosserarbeiten am Privathaus in Auftrag gegeben hatte.
Bezahlen konnte oder wollte sie die Rechnung nicht zur Gänze: Mehr als 68 000 DM (etwa 35 000 Euro) überwies deshalb Margit C. 2001 an den Schlosser
.
Ebenfalls 2001 zahlte Frau C. ein Baudarlehen über fast 255 000 DM (130 000 Euro) zurück, das die Wolskis aufgenommen hatten. Und überwies 300 000 DM (153 000 Euro) für das Haus in Neu-Isenburg, das sich die Wolskis gekauft hatten. […]

Die Staatsanwaltschaft war damals nicht von Amts wegen tätig geworden.
Treibende Kraft hinter den Ermittlungen ist der Schwiegersohn des verstorbenen Geschäftsmanns, Janusz Pomer, der es als „zutiefst widerlich“ empfindet, wie sein schwer kranker Schwiegervater in ein Altenheim abgeschoben wurde und sich Anwalt Wolski in dessen Unternehmen und im Leben von Margit C. breit gemacht habe. Für „unmoralisch und rechtlich verwerflich“ hält er auch das Verhalten von Karin Wolski.

Doch die seit zwei Jahren einzig erkennbare Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft war: Sie gab das Steuerstrafverfahren gegen Anwalt Wolski an die Staatsanwaltschaft Darmstadt ab, weil der Beschuldigte in Neu-Isenburg wohnt.
Nun hat der Anwalt von Janusz Pomer Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt.
Pomer wird vertreten von Jürgen Fischer, in dessen Kanzlei auch der frühere hessische Justizminister Rupert von Plottnitz (Grüne) arbeitet, der – wie Karin Wolski – Richter am hessischen Staatsgerichtshof ist.
Fischer spricht von einem regelrechten Verfahrensboykott“ der Staatsanwaltschaft sowie von der „kriminellen Gier“ der Beschuldigten, und wundert sich dass Karin Wolski immer noch nicht als Beschuldigte eingetragen worden sei – „trotz des sich aufdrängenden Verdachts der Mittäterschaft“.< [Alle Hervorhebungen von uns]

Der Wiesbadener Kurier macht das Ganze mit zwei Fotos anschaulich: Eines zeigt eine herrschaftliche Villa in Wiesbaden. Erklärender Text: „Mit Millionen aus dem Vermögen der Margit C. erwarb der Ehemann von Karin Wolski Immobilien in Königstein, Idstein und in Wiesbaden. Die Nerotal-Villa war in den vergangenen Jahren aufwändig saniert worden.“

Das Bild darunter zeigt Karin Wolski, die ob der ertragreichen „Beziehungsarbeit“ ihres Ehegatten offenkundig gut lachen hat.

Es lohnt sich sehr, die gut dokumentierte Affäre Wolski auf den Websites die-richterin.com bzw. die-wolskis.com zu lesen.
Es entfaltet sich dort nämlich ein Sittenbild der deutschen Justiz und der deutschen Politik, wie es in dieser Schärfe nur selten vorzufinden und zu sehen ist.
[Ähnliches findet sich übrigens auch in der Internet-Dokumentation „Die entbehrliche Vernehmung – Ein exemplarischer Justizskandal„. Nur sind da die Dimensionen um ein Vielfaches kleiner.]

Wer jedenfalls die Dokumentationen zur Wolski-Affäre gelesen hat, weiß, was aus Sicht des Chefs der hessischen Staatskanzlei ein „untadeliges“ Verhalten ist, was zum Richteramt, zum Staatsgerichtshof oder auch zum Oberbürgermeisteramt einer Großstadt qualifiziert.
Man darf davon ausgehen, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), ebenfalls Jurist, die („untadeligen“) Moralmaßstäbe des Chefs seiner Staatskanzlei teilt.
Man erinnert sich ja noch, wie Koch die „brutalstmögliche Aufklärung“ versprach, nachdem bekannt wurde, dass der frühere Bundesinnenministerin Manfred Kanther („Law & Order“), ebenfalls Jurist, illegale Parteispenden als angebliches Vermächtnis von verstorbenen Juden verbucht hatte und beschuldigt wurde, 1983 als Generalsekretär der hessischen CDU Schwarzgelder in Höhe von 20,8 Mio DM (10,6 Mio. Euro) heimlich erst in die Schweiz und dann nach Liechtenstein geschafft zu haben.

Pitt von Bebenburg hatte schon am 25. Juli 2007 in der Frankfurter Rundschau über das „heikle Verfahren“ und „die schweren Vorwürfe“ an die Adresse der „ermittelnden“ Justiz berichtet:

>Die hessische Justiz wehrt sich gegen den Vorwurf eines Frankfurter Rechtsanwalts, sie versuche „ein unangenehmes Strafverfahren auf kaltem Weg zu entsorgen„. Der Verdacht, die Regierung halte ihre schützende Hand über den Ehemann einer CDU-Politikerin und hohen Richterin, sei „wirklich absurd“, sagte Roman Poseck, Sprecher von Justizminister Jürgen Banzer (CDU). […]

Michael Wolski soll sich in Zusammenarbeit mit einer alten Dame große Vermögenswerte von deren Mann angeeignet haben. Ermittelt wird gegen Michael Wolski und die alte Frau, nicht aber gegen Karin Wolski. Kläger sind Sohn und Schwiegersohn des einst reichen, inzwischen gestorbenen Mannes.
Deren Anwalt Jürgen Fischer hält den Verlauf des Verfahrens für skandalös. Er spricht von „einer besonderen Art des Verfahrensboykotts„.

Der Jurist beklagt die Dauer des Untreue-Verfahrens, in dem seit Monaten keine Ermittlungen mehr gelaufen seien. „So untätig wie hier erlebt man eine Staatsanwaltschaft nur selten„, heißt es in Fischers Brandbrief an die Anklagebehörde.
Mit besonderer Sorge sieht er die Tatsache, dass der Vorwurf der Steuervergehen jüngst abgetrennt und von der Frankfurter an die Darmstädter Staatsanwaltschaft abgegeben wurde.
Es sei seltsam zu meinen, „das Verfahren sei, kurz vor seinem Abschluss, in Darmstadt bei einer Staatsanwaltschaft, welche bislang noch nicht mit der Sache befasst war, besser aufgehoben„.
Fischers Verdacht: Es solle nur das Steuerverfahren weiterverfolgt werden, damit Details über die Herkunft der Luxus-Autos und Immobilien des Ehepaars Wolski nicht öffentlich geklärt werden.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft weist die Vorhaltungen zurück. „Das ist alles nicht zutreffend„, sagt ihre Sprecherin Doris Möller-Scheu. Das Verfahren dauere lange, weil es „ziemlich kompliziert“ sei und „immer wieder Dinge nachgeschoben“ würden.
So sei vor einem Jahr eine Anzeige wegen Parteiverrats hinzugekommen und im September 2006 eine Anzeige wegen Totschlags, die inzwischen abgewiesen wurde.
Ministeriumssprecher Poseck stützt die Justizbehörde. Die Frankfurter bearbeiteten das Verfahren „gewissenhaft„, sagte er. Bisher sehe weder die Generalstaatsanwaltschaft noch das Ministerium einen Anlass dazu, dienstaufsichtlich einzuschreiten.< [Alle Hervorhebungen von uns]

Wer weiß, wie die deutsche Justiz vielfach funktioniert, weiß auch, dass sie über ein Arsenal von nichtssagenden Phrasen verfügt und mit einer gleichermaßen hoheitlichen wie hohlen Aura operiert, mit der sich die konkretesten und belegtesten Vorwürfe abschmettern lassen.

Wenn also Roman Poseck sagt, die Vorwürfe seien „wirklich absurd“ und Doris Möller-Scheu sagt, „das ist alles nicht zutreffend“ und Poseck wieder bestätigt, das Verfahren werde „gewissenhaft“ bearbeitet, so kann man das alles getrost vergessen. Es sind nur Worte und sie bedeuten nichts, überhaupt nichts.
Wahrheit bedeutet in der Justiz und vielfach auch in der Politik etwas völlig anderes als etwa in der Mathematik, die klare Kriterien besitzt.

Für den Fall, dass die ganze Geschichte tatsächlich, wie Möller-Scheu behauptet, „ziemlich kompliziert“ ist oder kompliziert klingt, hält Dr. Janusz Pomer auf die-wolskis.com eine sehr verkürzte Version bereit.
Man muss bei dem „10 Punkte Plan für den späten Erfolg“ nicht alles exakt auf die Wolskis beziehen. Es handelt sich eher um eine sarkastisch formulierte „Moral von der Geschichte“ und als solche zitieren wir sie auch:

Anklage unerwünscht. Korruption und Willkür in der deutschen Justiz

>1. Sie sind garantiert beruflich erfolglos, träumen von Höherem und sind bereit ALLES dafür zu tun.

2. Sie sind von Menschen umgeben, die im Gegensatz zu Ihnen extrem erfolgreich sind.

3. Ein Lichtblick am Horizont: ein vermögendes altes Ehepaar könnte die Lösung sein.

4. Man muss Glück haben, der alte Ehemann erkrankt.

5. Sofort ist Ihr Ziel klar: Sie treten an die Stelle des Ehemannes, verführen die betagte Dame (heute 84!) und machen sie von sich abhängig. Ihr durchtrainierter Körper hilft Ihnen dabei.

6. Um auf Nummer sicher zu gehen, sorgen Sie für Abschiebung des greisen, kranken Nebenbuhlers ins Altenheim.

7. Sie nehmen die Verliebte materiell aus wie ein gewöhnlicher Gauner, nur die Beträge sind höher.

8. Jetzt ist der Weg zum Reichtum frei, auf alle erdenkliche Arten „weiden“ Sie Ihr Opfer aus und können sich alle Wünsche erfüllen: Häuser, Autos, Schmuck, Bares…

9. Die Familie des greisen Paares wehrt sich und zieht vor Gericht. Kein Problem für Sie, üble Beschimpfungen, Verleumdungen und falsche Behauptungen sind Ihre Antwort darauf, das beherrschen Sie inzwischen perfekt! Natürlich ohne Konsequenzen für Sie, den man ist inzwischen wer.

10. Außerdem haben Sie eine Ehefrau, die nicht nur großzügig über den für die gesamte Familie lukrativen Ehebruch hinwegsieht, sondern als verdientes Parteimitglied und Beisitzer des Schwarzgeld-Untersuchungsausschusses der Hessischen CDU möglicherweise auch über die notwendigen Einfluss verfügt, um Sie vor lästiger juristischer Verfolgung zu schützen.<

Nachzutragen wäre noch, dass Janusz Pomer diese Geschichte im Jahr 2005 auch in den Frankfurter Jüdischen Nachrichten (Rosch Haschana) erzählte. Sie trägt dort die Überschrift: „Ein beruflicher Erfolgspfad – Die Frankfurter Justiz ordnet Veruntreuung an„.

Auch das Buch „Anklage unerwünscht – Korruption und Willkür in der deutschen Justiz“ von Jürgen Roth, Rainer Nübel und Rainer Fromm nimmt sich des Themas in einem eigenen Kapitel an: „Der Fall Wolski oder Einblicke in die hessische Justiz„.
Zuletzt wird dort aus einem Schreiben des Präsidenten des hessischen Staatsgerichtshofes Dr. Günter Paul zitiert. Der schrieb im August 2005, dass nach den ihm vorliegenden Erkenntnissen es „keinen Anlass gibt, an der Ehrenhaftigkeit der Richterin Wolski zu zweifeln.“
So weiß man nun definitiv, was in höchsten Justizkreisen als „ehrenhaft“ gilt. Karin Wolski ist in diesen Kreisen und in diesem Sinne auch sicher nicht die einzig „Ehrenhafte„.

Comments

8 Responses, Leave a Reply
  1. Jürgen
    31 August 2007, 8:34

    Ich kann mir ein klammheimliches Lächeln nicht verkneifen, wenn ich manche Realisierungen der christlich-demokratischen Wertegemeinschaft betrachte. Aus dem Lächeln wird aber spätestens dann ein wieherndes Gelächter, wenn ich mir den unberobten Anwalt im Bett  der greisen  Geldgeberin vorstelle.

    Machen wir lieber schnell das Licht aus!!!

  2. Justizskandale » Weblog
    20 April 2009, 8:55

    […] (und ihrer Duldung) habe der noch immer fesche und sportliche Gatte mit einer Greisin eine wohl ziemlich intime Beziehung aufgenommen und dabei auch den (mittlerweile verstorbenen) schwerreichen Ehemann der alten Dame […]

  3. […] und ihres Personals besser ablesen als im “Fall Wolski”. Wir haben darüber schon mehrfach berichtet. Zur Erinnerung: Karin Wolski ist Mitglied des Staatsgerichtshofes Hessen, also […]

  4. blödi
    28 August 2009, 1:24

    Hallo Herr Admin und die andereninzwischen hatn sich PvB von der FR-Hessenredaktion publizistisch auch der Frau Berufsricherin (Hessen) W. angenommen:http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1905406&em_loc=1231Da scheint jetzt wirklich bisserl Musik reinzukommen;-)Bödi

  5. […] Artikel der Odenwaldgeschichten. […]

  6. Otto Geck
    04 März 2010, 6:49

    Nach einem Bericht der SZ letztes Jahr verfolge ich den Fall Wolski
    heute war ja eine Debatte im hr zu sehen und ich hoffe, daß solchen Leuten in der Justiz das Handwerk gelegt wird. Auch die "Verhinderer und Blockierer" der Justiz die glauben Sie müßten dieser Frau einen Freundschaftsdienst und  falsche Untergebenheit erweisen in der Hoffnung wiederum einen Vorteil zu erlangen müßten  strafrechtlich belangt werden.Es wäre erforderlich, daß der Bürger gegen solche "Richter" öffentlich mit Plakaten demonstriert um ein schnelles Abdanken zu erzwingen. Herr Koch versucht die "Dame " noch zu halten obwohl dieses Verhalten auch den Politiker Koch beschädigt.  Leider gibt es auch im münchner Amtsgericht/Infanteriestr. solche skandalösen Vorgänge. Derzeit bereite ich in meinem Fall eine Demo vor, des weiteren werde ich "Flyer" verteilen wo die Justizgeschädigten Ihren Fall mir mitteilen können. Ich denke nur mit Öffentlichkeitsarbeit auf der Straße kann man solchen minderwertigen Menschen der Justiz das Handwerk legen.               (Richter sind unabhängige Götter. )                                                   Die Rückinfo der Flyer werde ich dann auswerten und gezielt mit diesen Fällen in der Öffentlichkeit mit Presse gegen diese unabhängigen Richter und Rechtsreferendare vorgehen. Gegen unsere Politiker müsste ebenfalls mit enormer Härte der Demo vorgegangen werden.
     Mit-Korruption- Gier- Machtdemo- Ungerechtigkeit und dem damit verbundenen Leid der Betroffenen ist in Deutschland leider schon ein Spitzenplatz weltweit erreicht worden
    Otto Geck  Donaustauferstr.5    80993 München Tel 0170 6 090 090

  7. Sabrina Ignazia
    27 März 2010, 11:16

    Ja, das Treiben der Familie Wolski hat ja nunmehr juristische Konsequenzen bekommen, – damit hat der Rechtsstaat doch noch funktioniert. Irgendwie beruhigend. Hat nur etwas lange gedauert. Den Betreibern dieser Seite vielen Dank!

  8. Administrator
    27 März 2010, 11:35

    @Sabrina: Danke für den Dank. Der Rechtsstaat funktioniert allerdings noch lange nicht. Ein schon längst fälliges Urteil reicht nicht. Es gibt weiterhin zahllose Fälle, wo ohne jede Konsequenz für die Verantwortlichen Recht gebeugt und Strafe vereitelt wird.
    Der Prozess gegen Michael Wolski kam erst durch erheblichen öffentlichen / publizistischen Druck zustande. Ein Prozess gegen Karin Wolski steht weiterhin aus.

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