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Montag, 1. Oktober 2007

Peinlich: Schockwellenreiter Jörg Kantel diffamiert Demokratiebewegung in Burma

von @ 2:54. Kategorien: Politik

Free Burma

Jörg Kantels Weblog schockwellenreiter.de gehört in der bloggenden Zunft zum Establishment. Zu Recht: Kantel unterhält seine Leser tagtäglich mit einer bunten Info-Mischung, die (alphabetisch) von Themen wie Agility und AppleScripts bis hin zu Zensur die Welt eines Webworkers von heute beschreibt.
So aufgeschlossen für das technisch Neue verzeiht man ihm auch, dass er in unregelmäßigen Abständen in seinem Weblog eine Marx-Engels-Schulung abhält. Der vor fast 200 Jahren geborene Theoretiker des Kapitals und der Diktatur des Proletariats besetzt anscheinend in Kantels Universum einen Platz wie er in religiösen Glaubenswelten etwa von dem vor ca. 1500 Jahren geborenen Mohammed ibn ‘Abd Allah oder dem vor ca. 2500 Jahren geborenen Buddha Shakyamuni eingenommen wird. Was heißen soll: Marx ist für Kantel gesellschaftspolitisch von ebenso zeitloser Bedeutung wie für den gläubigen Muslim der prophetische Gesellschaftsarchitekt der Scharia.
Wie man weiß, geht es für den wahrhaft Gläubigen da wie dort eschatologisch “auf zum letzten Gefecht“. Nur erkämpft der eine qua Revolution das Menschenrecht (was im Archipel Gulag gründlich misslang) und der andere qua Dschihad das ihm noch besser erscheinende Gottesrecht (und Gottesreich).
In Kantels aktuellem Sechszeiler zum Thema Burma treffen alle 3 Glaubensgötter zusammen: Der Gott des iranischen Mullah-Regimes, der “Gott” der protestierenden Mönche in Burma und - allerdings ganz verdeckt - der eigene Marx im Kopf.
Der aber scheint bei der Einschätzung der Demokratiebewegung in Burma “unschlüssig” zu sein. Richtet sich die gewaltlose Bewegung der Mönche denn auch gegen das Kapital und den Imperialismus? Oder - gott sei bei uns - konterrevolutionär gegen den (diesmal national burmesischen) “Sozialismus” der Generäle?
Kantel jedenfalls behagt die Sache nicht so recht: “Mönche sind mir suspekt“. Außerdem: “Auf die Revolution gegen den Schah von Persien folgte das Mullah-Regime. Solch einen Fehler möchte ich nicht wiederholen.”
Womit Kantel wohl meint, es sei ein Fehler gewesen, den von Islamisten bewirkten Sturz des Schahs zu begrüßen.
Summa summarum: Kantel will sich nicht an einem weltweiten Blogger-Aktionstag zur Unterstützung einer friedlichen Revolution in Birma beteiligen.
Denn: “Ich befürchte, daß ich mich da vereinnahmen lasse.” So überschreibt er seine Zeilen auch nicht mit “Free Burma!”, sondern mit “Free Burma?” Fragezeichen statt Ausrufezeichen.
Bei allem Verständnis für die marxistisch grundierte Skepsis: Die friedliche Demokratiebewegung in Burma, angeführt und personifiziert von der Wahlsiegerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, wird diffamiert, wenn man sie mit dem iranischen Mullah-Regime vergleicht.
Tatsächlich verlangt der u.a. von Robert Basic angeregte Burma-Aktionstag am 4. Oktober einen nur minimalen Konsens:
Protest gegen die gewalttätige Repression der Generäle, Solidarität mit friedlichem Protest auf den Straßen und Solidarität von Bloggern weltweit mit Bloggern in Burma.
Es ist ein Armutszeugnis, wenn Kantel diesen minimalen Konsens nicht teilen mag und es ist zugleich ein moralischer Offenbarungseid für die Anhängerschaft der von einem früheren Stasi-Spitzel chefredigierten “Jungen Welt”. Die rot-braune Gazette lieferte dazu in einem mit der “Myanmaristin” Dr. Uta Gärtner geführten Gespräch den theoretischen Unterbau: “Das Militär wird nicht in die Knie gehen“. Schon die Überschrift verrät die halbheimliche Sympathie der SED/PDS-geprägten Gesprächspartner für den (angeblichen) »burmesischen Weg zum Sozialismus«.

Der vielbeschäftigte Robert Basic hilft derweil weiter bei der Koordination der Free-Burma-Kampagne. Auch wenn die Kampagne das Terror-Regime in Burma nicht stürzen kann, so ist sie doch für die dort unterdrückten Menschen eine moralische Hilfe.
UPDATE: Der Hinweis stammt von Kantel und soll hier weiterempfohlen werden: Die Times Online berichtet heute über “Bloggers who risked all to reveal the junta’s brutal crackdown in Burma“.


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7 Kommentare zu “Peinlich: Schockwellenreiter Jörg Kantel diffamiert Demokratiebewegung in Burma”

  1. andiarbeit schreibt:

    Hier hat jemand die bessere Wahrheit gepachtet, oder wie darf man die Tiraden hier verstehen? Also öffentlich steinigen, oder doch lieber nochmal nachfragen? Geht es bei der Aktion um Ihr geschätztes Ego oder darum Herrn Kantel zu überzeugen? Wir haben sicherlich alle unterschiedliche politische Ansichten, hier geht es aber um humanitäre Rechte. Ich finde Ihren Artikel, unabhängig wo Sie politisch zu vernorden sind, kontraprodutiv.

  2. Thomas Kurbjuhn schreibt:

    Die Burma-Aktion ist verlogen, denn bis vor wenigen Tagen hat sich niemand für das Land interessiert. Wenn Farbige in Afrika in ungleich größeren Massen zusammengeschossen werden, interessiert das hier keine Sau.Anders ist das bei exotisch gewandeten Mönchen, die dazu noch die neue Schicki-Micki-Religion der Intellektuellen, den Buddhismus vertreten. Ich habe den Eindruck, die Blogger mißbrauchen die freiheitskämpfenden Burmesen, um ihre eigene Bedeutung als politische Aktivisten demonstrieren zu können. Und in eine solche Aktion klinke ich mich gern für eigene Interessen ein.Wer sich für Freiheit in Burma einsetzt, sollte auch über das demokratische Niveau in Deutschland nachdenken. Es werden bei uns nationale Aktivisten wegen Volksverhetzung ( §130 STGB) zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der § 130 STGB ist der Kern der Demokratiegefährdung in Deutschland, da er die für eine Demokratie hoher Qualität nötige Meinungsfreudigkeit hierzulande behindert. Wer Angst hat, bei einem falschen Wort ins Gefängnis zu kommen, verzichtet gleich ganz aufs Reden. Ich würde mich freuen, wenn Blogger sich nicht nur für Freiheitsrechte im fernen Ausland einsetzen, sondern auch bei uns für eine möglichst umfassende Meinungsfreiheit eintreten.

  3. Administrator schreibt:

    @andiarbeit: Wie sähe eine "produktive" Meinungsäußerung denn aus und an welche Arbeit wollen Sie sich und soll ich mich machen?

  4. andiarbeit schreibt:

    Es ist schlicht und ergreifend Sache des Herrn Kantel mitzumachen oder auch nicht. Wenn er es begründen kann oder sich nicht sicher ist, ist mir sein Standpunkt zehnmal lieber, als jener der blindwütig die Sache des Aktionstages in dem täglichen Zwist Kleinbloggersdorfs herunterziehen will. "andiarbeit" ist übrigens keine Aufforderung zur Arbeit, sondern mein Nick.  In ihrem Falle wäre es sicher angeraten ab sofort eine ganze Schweigewoche beginnen zu lassen.

  5. Administrator schreibt:

    @andiarbeit: … und es ist meine Sache, meine Meinung zu äußern.

  6. andiarbeit schreibt:

    Igitt, wo bin ich denn hier gelandet? Bääh, hier riechts nach braunem Geschmeiss. Das ist ja ekelhaft.

  7. Administrator schreibt:

    @andiarbeit: Herr Kurbjuhn scheint sich an vielen Orten aufzuhalten, u.a. auch an der Spree. Im Gegensatz zu Ihnen steht er immerhin mit seinem Namen für seine verqueren Ansichten.
    Ihr Vokabular ("Geschmeiss") teilen Sie übrigens mit den Braunen, die nehmen Tiermetaphern auch gern in den Mund.
    Dass Links- und Rechtsradikale die Burma-Aktionen "verlogen" oder überflüssig finden , überrascht ebenfalls nicht.

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