Alptraumszenario Terrorangriff: Südhessisches AKW Biblis „größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa“

Administrator, 26 November 2007, 2 comments
Categories: Katastrophen, Terror

Szenario GAU in Biblis

Das behauptete der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer beim Vorstellen einer Studie des Darmstädter Öko-Instituts. SPIEGEL-Online greift dies heute auf:

>Im Fall eines gezielten Flugzeugabsturzes auf das südhessische Atomkraftwerk Biblis A wären nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder gar Prag bedroht. […]
Es wäre kein Super-GAU, der größte anzunehmende Unfall, sondern die Super-GAK – die größte anzunehmende Katastrophe: ein Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk. Wie schlimm dieser Fall wäre und welche Atomkraftwerke die größten Risiken darstellen, hat nun das Öko-Institut untersucht. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der die Studie am Montag in Wiesbaden vorstellte, benannte das Atomkraftwerk Biblis A als „die größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa“. Schon im Frühjahr hatte die Bundesregierung bestätigt, dass Biblis A gegen einen Flugzeugabsturz nicht ausreichend geschützt sei.[…]
Der Zeitpunkt, zu dem die Studie veröffentlicht wird, ist brisant: Biblis A ist seit über einem Jahr abgeschaltet, weil in der Anlage Tausende falsch montierter Dübel ausgetauscht werden müssen. Ein Wiederanfahren von Biblis A und B wird für die nächsten Wochen erwartet.

Der radioaktive Fallout würde laut Scheer noch in 600 Kilometer Entfernung die Evakuierung ganzer Städte und Landstriche notwendig machen. Die Bevölkerung auf bis zu 10.000 Quadratkilometern Fläche müsste umgesiedelt werden. Nicht nur Städte im Rhein-Main-Raum, sondern auch Berlin, Paris oder Prag wären in diesem Fall bedroht. „Wir alle müssen wünschen, dass es zu so etwas nicht kommt“, sagte Scheer.

Biblis A ist das älteste deutsche Atomkraftwerk und nur unzureichend gegen Flugzeugabstürze geschützt. Die Betonkuppel über dem Sicherheitsbehälter ist so dünn, dass sie auch dem Absturz kleinerer Maschinen nicht standhalten könnte.

[…]
Scheer sagte, alle Überlegungen, einen Terrorangriff mittels eines entführten Passagierflugzeugs durch Abschuss abzuwehren, gingen bei Biblis A ins Leere. Das Atomkraftwerk sei weniger als eine Flugminute vom Frankfurter Flughafen entfernt, so dass für jede denkbare Gegenmaßnahme die Zeit nicht ausreiche.< Quelle: spiegel.de, Terroranschlag auf Atomkraftwerk Biblis würde Berlin bedrohen, 26. 11. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

[UPDATE: An der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) wurde von Daniel Kramarz und Andreas Loeber im Rahmen einer Diplomarbeit die Applikation AIR TRAFFIC entwickelt, die unter Nutzung der Google-Maps-API den aktuellen Flugverkehr abbildet – jedenfalls partiell und ohne Gewähr. Um es in ihren Worten zu sagen: Transponder-Daten werden mit Hilfe eines Mashup visualisiert. Das funktioniert in beeindruckender Weise, vor allem für den süddeutschen Raum, für die Schweiz und für Österreich. Vor dem Hintergrund der in diesem Artikel thematisierten Szenarien fragt sich nur, ob diese Applikation noch lange online angeboten werden darf. ]

Auf der Website eurosolar.de wird im Rahmen der Pressemitteilung von den Bundesministern Wolfgang Schäuble und Franz Josef Jung „Konsequenz“ verlangt:

>Bei klarer Sicht der Gefahrenumstände und der nahe liegenden greifbaren praktischen Möglichkeiten zur Beseitigung der offensichtlich größten Gefahrenstelle, müssten die Bundesminister Schäuble und Jung unbedingt auch für diese dauernde Abschaltung von Biblis A sein. Alles andere wäre inkonsequent und würde bedeuten, dass sie falsche Rücksichten nehmen.<

Als pdf-Dokument kann man die 46 Seiten umfassende „Analyse des Bedrohungspotenzials ‚gezielter Flugzeugabsturz‘ am Beispiel der Anlage Biblis-A“ hier herunteladen.

Das oben eingeblendete Bild zeigt die (engere) Evakuierungszone um das AKW Biblis im Falle eines Kernschmelzunfalls. Vorausgesetzt wurde dabei eine typische Novemberwetterlage.
Das u.a. mit Google-Maps realisierte Bild entstammt der Website xzcute.com von Andreas Seidel. Er zitiert dort begleitend aus einer älteren Studie des Öko-Instituts (s.a. biu-hannover.de), die dem HR-Fernsehfilm „Todeszone“ zugrunde gelegt war:

>Als Vorbereitung für den Fernsehfilm „Todeszone“ des Hessischen Rundfunks, in dem die Auswirkungen eines Kernschmelzunfalls unter Hochdruckbedingungen im Atomkraftwerk Biblis dargestellt sind, wurden im Öko-Institut 1991 die Folgen der Ausbreitung der radioaktiven Stoffe berechnet.
Unter Berücksichtigung des örtlichen Reliefs und einer typischen Novemberwetterlage kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das in (der) Abbildung dargestellt ist: Der zuerst austretende, sehr energiereiche und daher heiße Teil der radioaktiven Wolke steigt mehrere hundert Meter nach oben, wird von den in den höheren Luftschichten vorherrschenden Westwinden ergriffen und über den Odenwald hinweg, der sich ungefähr 300 bis 400 m hoch über die Rheinebene erhebt, in südöstliche Richtung transportiert.

Der später oder gleichzeitig austretende, kühler gebliebene Teil der Wolke wird von den bodennahen Süd-Nord-Winden erfaßt und im Oberrheingraben in Richtung Frankfurt transportiert.
Wird der niedrigere Dosisrichtwert angenommen, dann müßten Gebiete bis über 200 und 300 Kilometer Entfernung evakuiert werden, beim höheren noch immer die Städte Darmstadt, Rüsselsheim, Frankfurt am Main, Offenbach und Rothenburg ob der Tauber.
Umsiedlung wäre je nach Dosisrichtwert notwendig bis in 200 km oder bis nach Thüringen hinein und sogar weit über das Gebiet der Bundesrepublik hinaus bis fast vor Wien.<

Comments

2 Responses, Leave a Reply
  1. BUND Regionalverband Freiburg
    17 Januar 2008, 1:14

    Alle Infos zum mangelhaften Katastrophenschutz in Kernkraftwerken finden Sie in diesem Hintergrundartikel des BUND
    http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/katastrophenschutz-fessenheim-akw.html

  2. Ambrosius Theis
    10 Mai 2010, 5:56

    Man kann nur hoffen, dass unsere Regierung nach der Wahlschlappe umdenkt, hin zu Sicherheit, statt zu Gewinn.
    Wenn die Demo in Biblis mit bis zu 30.000 Menschen in Berlin nicht gehört wurde, müssen 50 – 100.000 erneut dorthin und lautstark ihr Recht nach Sicherheit einfordern.
    "Wir sind das Volk"" – "Alle Macht geht vom Volke aus!"
    Ihr Völker – gebraucht eure Macht zum Guten.

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