Blasphemisch getaufte Plüschtiere und unzüchtige Missbrauchs- und Vergewaltigungssopfer: Strenger Islam lehrt den Westen Moral

Steiff 111822 - Lotte Teddybär rosa

Einige aktuelle Schlagzeilen laden derzeit zu vergleichender Kultur- und Religionswissenschaft ein.

Staunend liest man heute etwa von den fremden Sitten und Gebräuchen im Sudan. Nach einer Meldung des SPIEGEL verlangten Tausende Demonstranten in Khartum die Todesstrafe für die britische Grundschullehrerin Gillian Gibbons, die auf Wunsch eines siebenjährigen Schülers einen Teddy auf dessen Namen „getauft“ hatte: Mohammed.

>Die Demonstranten versammelten sich heute vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Khartum und riefen „Schande über Großbritannien!„, „Tötet sie, tötet sie!“ und „Keine Toleranz: Hinrichtung!„.
Ein Gericht hatte die Lehrerin gestern zu 15 Tagen Haft verurteilt, weil in ihrem Unterricht ein Teddybär angeblich nach dem Propheten Mohammed benannt worden war.[…]

Der Sudan hatte der Britin vorgeworfen, mit der Benennung des Klassenmaskottchens die Ehre des muslimischen Religionsstifters und Propheten verletzt zu haben. Nach den Gesetzen des Landes drohten der Lehrerin 40 Peitschenhiebe oder bis zu einem Jahr Gefängnis.
Schätzungen von Beobachtern zufolge nahmen bis zu 10.000 Menschen an der Protestaktion nach den Freitagsgebeten teil. Einige trugen Schlagstöcke, Messer und Äxte bei sich.<

Quelle: spiegel.de, TEDDY-AFFÄRE IM SUDAN – Tausende Demonstranten fordern Todesstrafe für britische Lehrerin, 30. 11. 2007 [Hervorhebungen und Links von uns]

Wem das empörend vorkommt, zumal in einem Land, deren Regierung die UNO schwere, systematische Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung in der Region Darfur vorwirft, sollte nicht vorschnell urteilen.

Man sollte sich statt dessen bei der Odenwälder Publizistin Claudia Trossmann kundig machen, die vertiefte Kenntnisse des Islam besitzt und bereits bei den weltweiten Demonstrationen gegen die dänischen Mohammed-Karikaturisten auf die Bedeutung des „differenzierten Bilderverbots im Islam“ hinwies. Ein Verbot, das in analoger und natürlich wieder differenzierter Weise wohl auch für die Namensgebung von Plüschtieren gilt.
Im Februar 2006 stellte die Publizistin dazu tiefschürfende und fett formatierte Fragen:

>Warum hat Jyllands-Posten diese Karikaturen in Auftrag gegeben und veröffentlicht? […]
Die Karikaturen wurden Ende September 2005 veröffentlicht. Warum wird dies erst jetzt vier Monate später massenmedial gepuscht?
Cui bono? Auf deutsch: Wem nützt das?
Schauen wir uns doch einfach mal die Weltpolitik im Januar an. (Fast) alle zeigen mittlerweile mit dem „militärischen Finger“ auf den Iran …<

Mit einiger Spannung wird man nun neue bohrende Fragen im Kulturblog („Zimmer mit Einsicht“) erwarten dürfen. Etwa diese: Warum hat Gillian Gibbons diesen provokanten Akt gerade jetzt verübt? Handelte sie im geheimen Auftrag des britischen Verteidigungsministeriums? Cui bono? Auf deutsch: Wem nützt das?
Jedenfalls nicht dem Plüschtier, auch nicht dem siebenjährigen Mohammed und natürlich nicht dessen Lehrerin – sofern sie überhaupt heil aus dem Sudan herauskommt.

Eine weitere Schlagzeile liefern heute die Arabischen Emirate: „Sexuell missbrauchte Zwölfjährige in Dubai festgenommen“. Spiegel-Online schreibt weiter:

>Sie wurde seit ihrem zehnten Lebensjahr sexuell missbraucht – jetzt soll ein zwölfjähriges Mädchen in Dubai dafür gerichtlich belangt werden. Das Kind habe „verbotene Affären“ mit Männern gehabt, lautet der Vorwurf der Behörden.
Die Internetseite der Zeitung „Gulf News“ berichtete heute, die Polizei habe nach einem anonymen Hinweis eine Wohnung in dem Viertel Bur Dubai gestürmt. Dort fanden die Beamten das Mädchen in Begleitung von mehr als 15 Männern verschiedener Nationalitäten. Das Kind berichtete den Polizisten, es habe seit seinem zehnten Lebensjahr Sex mit erwachsenen Männern. […]
In Dubai macht seit einigen Wochen ein Prozess um den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines 15 Jahre alten Franzosen Schlagzeilen.
Der wurde laut eigener Aussage im vergangenen Juli von drei Männern aus den Emiraten vergewaltigt. Ärzte, Verteidiger und Behördenvertreter unterstellten auch in diesem Fall, der Jugendliche habe seine Peiniger ermuntert, Sex mit ihm zu haben – und damit einen in den Vereinigten Arabischen Emiraten strafbaren homosexuellen Akt begangen.<

[Hervorhebungen und Links von uns]

Eine Meldung, die schon am 25. November durch die Medien ging, verstärkt – um mit Claudia Trossmann zu sprechen – den Eindruck eines „massenmedialen“ Puschs:

>Saudis wollen Frau trotz weltweiter Proteste auspeitschen.
Der Fall rief weltweiten Protest hervor: In Riad wurde eine junge Frau, das Opfer einer Gruppenvergewaltigung, zu Gefängnis und 200 Peitschenhieben verurteilt. Doch die Saudis bleiben stur, verbitten sich jede Einmischung und wollen die drakonische Strafe unbedingt exekutieren.
[…]
Nach Aussage ihres Verteidigers traf sich die damals 18-Jährige im März letzten Jahres in der saudischen Stadt Quatif mit einem ehemaligen Schulfreund. Sie wollte offenbar ein Foto zurückhaben, das er von ihr besaß. Die Frau saß mit dem Schulfreund in dessen Wagen, als plötzlich zwei weitere Männer zustiegen und die beiden in ein abgelegenes Gebiet fuhren, wo schon drei weitere Männer warteten. Die Frau und ihr Schulfreund wurden von den Männern vergewaltigt.
Das Gericht sah den Fall anders: Demnach seien die Frau und der Schulfreund von den anderen Männern in „unzüchtigem Zustand“ im Auto gesehen worden, das an einem „dunklen Platz“ geparkt gewesen sei.
Nach der Gruppenvergewaltigung wurden jedoch nicht nur die Täter, es wurde auch ihr Opfer angeklagt: Die Frau wurde zu einer Gefängnisstrafe und 90 Peitschenhieben verurteilt, weil sie sich allein mit einem Mann getroffen hatte, mit dem sie nicht verwandt war. Ihr Anwalt, Abdul Rahman al-Lahem, legte Berufung ein. Der Jurist wurde danach nicht nur vom Verfahren ausgeschlossen, auch die Strafe der Frau wurde auf 200 Peitschenhiebe erhöht.< [Hervorhebungen und Links von uns]

3 Gedanken zu „Blasphemisch getaufte Plüschtiere und unzüchtige Missbrauchs- und Vergewaltigungssopfer: Strenger Islam lehrt den Westen Moral“

  1. Man muss man in der Teddybärenangelegenheit eines klar sagen: Das Ganze hatte mit dem Islam nicht das Allergeringste zu tun.
    Überhaupt hat die Todesstrafe (welche von sudanesischen Demonstranten gefordert wurde, die mit dem Islam ebenfalls nichts zu tun haben) im Sudan eine gänzlich andere Bedeutung als bei uns. Wird die Todestrafe verhängt, findet das in der dortigen Bevölkerung selten ein empörtes Echo; dass der Staat seine Bürger umbringt ist eine Trivialität, gar nicht der Rede wert  – wie auch Auspeitschen und Händeabhacken sozusagen zum guten Ton gehören (obwohl solch barbarische Praktiken, wie wir alle wissen, nichts mit dem Islam zu tun haben).
    Wir Europäer sollten uns also durchaus ein Stück derartiger Gelassenheit abschneiden und nicht hysterisch reagieren, nur weil irgendwo eine differenzierte Auspeitschung droht, die (im Islam eigentlich unbekannte) Todestrafe gefordert wird oder eine Europäerin mittels eines diplomatischen Kraftaktes aus einer absurden Haft befreit werden muss.
    Ich bin übrigens stolzer Besitzer eines Teddybären, der seit Jahren auf dem Schlafzimmerschrank verstaubt. Ich werde ihn vielleicht "Claudia Trossmann" nennen – aus tiefem Dank, weil diese Dame mich gelehrt hat, dass islamische Gesetze auch in Europa Gültigkeit haben und dass der Islam eigentlich rein gar nicht dem Islam zu tun hat.

  2. Wenn der Beitrag von Ralf Sch. ernst gemeint ist, dann kann ich ihm nicht folgen. Als Satire kommt es für mich aber nicht rüber. Es muss ein Anliegen der Menschen bleiben, für mehr Humanismus  zu werben und Bestialitäten nicht als Folklore zu verharmlosen. 

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