Peinlich: Aachener Friedenspreis e.V. muss Preisträger Reuven Moskovitz 4 Jahre später nicht die Auszeichnung aber doch den Doktortitel aberkennen

Administrator, 12 Dezember 2007, No comments
Categories: Presse


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Mit ingesamt 6 Artikeln berichtete das Darmstädter Echo in den vergangenen Monaten über die (Nicht-) Auftritte des Aachener Friedenspreisträger Reuven Moskovitz in Heppenheim. Am 3. Juli schrieb Sonja Jordan über den Auftritt von Moskovitz in der Martin-Buber-Schule und zitierte zuletzt seinen prekären Vergleich zwischen Nazi-Deutschland und Israel:

>“Und als ich die deutsche Geschichte studiert habe, zog ich Parallelen zu Israel. Auch wir werden nicht siegen. Auch unsere Männer sterben, unser Land ist nicht frei.“ Israel müsse das begreifen.<

In einem Interview mit der linksradikalen Zeitung „Junge Welt“ vom 14. 8. 2006 war der vehemente Kritiker der israelischen Politik noch deutlicher geworden:

>Auch die Deutschen haben Hitler bis zuletzt unterstützt. Natürlich wird dieser Vergleich nicht gern gehört, und Israel ist noch eine Demokratie, wenn auch nur auf dem Papier. Aber die Denk- und Gewaltstrukturen sind faschistisch: die Anbetung des Staates, die Vorstellung, daß nur durch Gewalt unsere Ziele durchgesetzt werden könnten. Daher muß die internationale Gemeinschaft mit Deutschland und der EU als Speerspitze starken Druck auf Israel ausüben, um eine Lösung zu finden, die die Interessen der Palästinenser, der Nachbarstaaten und auch Israels berücksichtigt.<

Solche Positionen waren es denn auch, die dazu führten, dass Moskovitz zwar in der Martin-Buber-Schule sprechen durfte, sogar zweimal, aber nicht im Martin-Buber-Haus, wo er im November ursprünglich ebenfalls sprechen sollte.
Unter der Überschrift „Heppenheim: Ausgeladen – Moskovitz musste Vortrag verlegen“, schrieb das Echo am 15. 11.:

>Der israelische Historiker Reuven Moskovitz sprach am Mittwochabend vor 50 Zuhörern in der Heppenheimer Buber-Schule, nachdem ihn das Buber-Haus kurzfristig ausgeladen hatte. Kritiker hatten dem Holocaust-Überlebenden „Hetze gegen Israel“ vorgeworfen. Der Friedensaktivist kritisiert die israelische Siedlungspolitik in deutlichen Worten: Israel habe die Palästinenser entrechtet, betreibe ethnische Säuberungen und sei auf dem Weg zu einem apartheid-ähnlichem Staat, betonte Moskovitz.<

Ausführlicher berichtete einen Tag später Peter Hetzler über den Auftritt und seine besonderen Umstände:

>Es klingt manchmal seiltänzerisch, ohne Netz und doppelten Boden, was Moskovitz vertritt, aber man muss ideologisch schon reichlich erstarrt sein, um daraus die „Hetze gegen Israel“ ableiten zu können, wegen der die Veranstaltung „Der lange Weg zum Frieden im Nahen Osten“ nicht, wie ursprünglich geplant, im Martin-Buber-Haus sein durfte.
Moskovitz, der noch persönlich bei Buber in Jerusalem studiert hat, dazu: „Buber hätte sich im Grabe umgedreht.“
So fand die Veranstaltung wenige Meter weiter in der Martin-Buber-Schule statt, wohin Rektor Peter Kühn geladen hatte, weil er das Redeverbot für den 79 Jahre alten Friedensaktivisten nicht akzeptieren wollte.[…]
Bei Moskovitz klingen selbst abgedroschene Phrasen authentisch.[…]
Die Veranstaltung, die Peter Kühn mit zwei Liedern auf der Gitarre eingeleitet hatte, beendete Moskovitz nach reger Diskussion mit zwei Stücken auf der Mundharmonika. Alles in allem ein anregender, allerdings wenig kontroverser Abend. Seine Kritiker hatten es offensichtlich vorgezogen, ihn aus der Ferne zu verurteilen, statt in Heppenheim – getreu dem Motto Bubers – den Dialog mit ihm zu suchen.< [Hervorhebungen und Links von uns]

Erstaunliche Korrekturen, die man innerhalb der letzten Wochen auf der Website des Aachener Friedenspreises e.V. (aachener-friedenspreis.de) beobachten konnte, dürften nun einigen Personen Kopfzerbrechen bereiten.
Dr. Reuven Moskovitz wurde dort nämlich der Doktortitel aberkannt. Der Preisträger des Jahres 2003 erscheint auf der kürzlich aktualisierten Website nur noch als Reuven Moskovitz.
Ein pdf-Dokument, welches Leben und Werk des Geehrten (aber nicht Gelehrten) vorstellte und ihn nebenbei auch noch falsch zitierte („Ein Held ist, wer seinen Feind zum Freud macht„) , verschwand kommentarlos von der Website („The requested URL … was not found on this server„).
Der Titel „Dr.“ prangte im pdf noch großformatig in der Überschrift, im Text selbst hieß es:

>1974 verbrachte er ein Forschungsjahr in Berlin, um seine Promotion zum Thema ‚Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt‘ zu schreiben.<

Die Dissertation, von der Laudator Andreas Zumach sagte, ihr Thema sei „knapp 30 Jahre später mindestens so aktuell … wie damals„, ist aber offenbar nur ein Phantasieprodukt.
Auf der Website juedische.at wird ein denkwürdiges Telefonat zwischen dem Journalisten Norbert Jessen und Moskovitz wiedergegeben, das, so es denn richtig transskribiert wurde, an die Werke eines deutschen Geistesmächtigen und -gewaltigen erinnert. Genauer: An die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull„, einer der großen Romane von Thomas Mann.
Wie sich hier ein alter Mann entzaubert, ist tragikomisch. Da ist, als Erklärung für die nicht mehr auffindbare Dissertation, von einem „Einbruch in meine Abstellkammer“ die Rede. Dann heißt es:

>Also, wenn Sie meine Dissertation suchen, die ich schrieb, werden Sie sie nicht finden können. […]
Das ist es ja, die Deutschen, sie können sich einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch, der denkt und schreibt, kein Professor ist. Da habe ich wirklich ein Problem mit ihnen. Da habe ich eine Geschichte für Sie, wenn ich hier so in Universitäten komme, dann sagen die mir: Hören Sie mal, wir stellen Sie als Doktor vor. Und dann sage ich denen: Hören Sie mal, ich bin nicht Doktor und nicht Professor, ich arbeite an meinen Forschungen.<

Bei den Verleihern des Aachener Friedenspreises kam dieses Doktor-Dementi offenbar 4 lange Jahre nicht an. Der (angebliche) Widerspruch gegen die Doktor-Titulierung war anscheinend nicht nachdrücklich genug.
Für Echo-Journalist Peter Hetzler klangen „bei Moskovitz … selbst abgedroschene Phrasen authentisch“, ähnlich authentisch klang für viele dann wohl auch der (falsche) Titel.

Für den 15. 11. 2007 hatte auch die Bildungsgesellschaft der GEW Hessen Moskovitz als promovierten Referenten angekündigt. „Dr. Reuven Moskovitz“ sollte/wollte als Dozent folgende Frage beantworten:

„Hat Israel das Recht, durch Gewalt und Besatzung die Freiheit und das Recht auf Leben und Besitz seiner Nachbarn zu verweigern?“

Nun stellt man sich die (natürlich weniger bedeutsame) Frage: Hatte er das Recht, sich zum x-ten Male wieder mit falschem Titel als Dr. Reuven Moskovitz ankündigen zu lassen?
Es war vermutlich das letzte Mal.
Schade und schmerzlich ist es, wenn so nicht nur der Titel, sondern auch eine ganze Vita ihre Glaubwürdigkeit einbüßt. Martin Buber, von dem man nicht weiß, ob er Reuven Moskovitz auch nur je gesehen hat, könnte sich bei dieser Geschichte tatsächlich im Grabe umdrehen.

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