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Oktober 20, 2008

Die Jörg Haider – “Verschwörung”: Wisnewski konkurriert mit Magazin “Profil” um den wahren Ablauf des Kärntner Politpsycho-Dramas

von @ 9:23. Kategorien: Politik

Haider. Licht und Schatten einer Karriere
UPDATE: Wisnewski hat nachgelegt und präsentiert heute einen Ex-Bodyguard von Haider und einen Ex-Terrorbekämpfer – Herr S. Der bezeugt in einem als Audiodatei vorliegenden Telefongespräch, dass Haider damals kaum Alkohol getrunken habe.
Außerdem ist auch S. das “kreisrunde Loch” in Haiders VW-Phaeton aufgefallen.
Diese “merkwürdige Delle” diente schon Politically Incorrect zum Spinnen von Verschwörungsfantasien.
Tiefschürfender ist da das Magazin Titanic: “Wurde Haider von Ausländerbande ermordet?
[Ende UPDATE]

Schon kurz nach dem Unfalltod des österreichischen Politikers kursierten im Web Verschwörungstheorien. Ganz vorne dabei: Gerhard Wisnewski, für die Verschwörungsspinner das, was Erich von Däniken für die UFO-Spinner ist.
Wie Däniken lebt der früher in Südhessen tätige “Journalist” Wisnewski von seinen in Buchform verpackten Fantasiegeschichten. Sein bekanntestes: “Mythos 9/11″.
Man kann sicher sein, dass er demnächst zu Haiders Tod ein Buch auf den Markt wirft. Allein schon die rechte Szene dürfte ihm einen profitablen Absatz garantieren.
Was mich umtreibt, ist allein die Gemeinheit der Tat“, heuchelt der frühere BILD- und Boulevard-Schreiber.

In seinem gestern verfassten Artikel “Cherchez le camion! Kollidierte Haider-Fahrzeug mit LKW?” setzt er sich souverän über alle bislang bekannten Fakten hinweg.

Laut Wisnewski kann man auch im Falle Haider nichts und niemandem trauen: Nicht der Staatsanwaltschaft, nicht der Polizei, nicht den Medien, nicht den 1,8 Promille, nicht den Angaben zu Haiders überhöhter Geschwindigkeit – egal ob 142 km/ oder 184km/h -, nicht den Angaben zu seinem Besuch in der Schwulenbar “Stadtkrämer”, auch nicht dem Foto, das ihn dort in Gesellschaft eines jungen Mannes zeigt.

Wisnewski weiß es besser als Haiders engste familiäre und politische Umgebung: Claudia Haider (die möglicherweise auch das politische Erbe ihres Mannes antreten wird) und die BZÖ-Spitze haben zu keinem Zeitpunkt und mit keinem Wort Zweifel an den Ursachen des Unfalls geäußert.
Natürlich kann Wisnewski auch niemanden nennen, der mächtig genug wäre, ein Attentat zu organisieren und später u.a. Polizei, Staatsanwaltschaft und Medien erfolgreich und geschlossen für seine Zwecke zu instrumentalisieren.
Inzwischen fabuliert Wisnewski von einem LKW, der den Crash mit Haiders VW-Phaeton verursacht habe.
(“Dieses Fahrzeug trägt die Fingerabdrücke eines LKWs, Sattelschleppers oder eines ähnlichen Fahrzeugs.”)
Der hätte zumindest auch der von Haider überholten überholten Fahrerin und Unfallzeugin auffallen müssen – was nicht der Fall war.
Ein weiterer Umstand, den Wisnewski beim Rühren seiner Verschwörungssuppe einfach übergeht.
Das “mysteriöse Foto“, das Haider kurz vor dem Unfall im Szene-Lokal “Stadtkrämer” zeigt: Ein Fake bzw. das Bild eines “Doppelgängers“.
Völlig sicher ist natürlich auch ein Wisnewski nicht (“Möglich ist alles“), dennoch gibt es über die Richtung seiner “Ermittlungen” keinen Zweifel: Es muss auch im Falle Haider eine Verschwörung geben und es muss ein neues, zwischen zwei Buchdeckel gepresstes Machwerk geben, an dem sich verdienen lässt.

Wisnewski selbst war noch nicht am Tatort in Lambichl, dafür jedoch ein namentlich nicht genannter “Kärntner”, der ihm einen langen Brief schrieb.
Dessen Aufforderung an Wisnewski: “Bitte arbeiten Sie weiter an dem Fall und lassen Sie nicht locker!!! Er hat es verdient, denn er war ein guter Mensch, der vielen geholfen hat und noch vielen mehr Hoffnung gab …”.

Interessant ist an Wisnewskis Sauce dennoch einiges, erzählt sie doch nicht nur etwas über die Praktiken und die Moral eines Mannes, dessen Geschäft die Erfindung und Vermarktung von “Verschwörungen” ist.

mehr …

Jene Widersprüche, die er als Indizien einer freilich absurden Verschwörung aufführt, beleuchten die tatsächlich absurden Umstände von Haiders Tod und Verklärung

Und nur deswegen sei Wisnewski hier zitiert:

Freunde von Jörg Haider kennen ihren Landeshauptmann nicht mehr wieder, und VW erkannte scheinbar seinen Phaeton nicht mehr wieder. Der eine entpuppt sich aus heiterem Himmel plötzlich als Schluckspecht, der andere als zusammenfaltbares Leichtfahrzeug.”

“Wartete die alte Dame wirklich nach der Geisterstunde mit dem Geburtstagskuchen? Und hätte sie sich wirklich über ihren sternhagelvollen Landeshauptmann-Sohn gefreut? Und hätte sich der Landeshauptmann wirklich in der Nacht vor dem 90. Geburtstag seiner Mutter derart die Kante gegeben, dass er am nächsten Tag kaum noch aus dem Bett gekommen wäre? Und wäre der Polit-Profi Haider wirklich stinkbesoffen durch die Nacht gefahren? Vorbei an der einen oder anderen Polizeistation?

Eindrucksvoll fasst schließlich Wisnewskis Kärntner Informant das Unglaubliche in Worte:

Herr Wisnewski, ich bitte Sie! Der Landeshauptmann von Kärnten soll die Angewohnheit gehabt haben, durch Klagenfurts Schwulenszene zu tingeln – womöglich noch sturzbesoffen??? Klagenfurt ist ein »Dorf« – das wäre innerhalb kürzester Zeit bekannt gewesen.

Eben dies war wohl der Fall und weil es so verrückt ist, könnte es einem die konservativen Kärntner schon fast wieder sympathisch machen.

Fast. Denn die meisten dürften denn doch lieber an Verschwörung und üble Nachrede glauben als an die laxe Moral des “vergötterten” Landeshauptmanns Haider.
Dazu lassen wir nochmals Wisnewskis Parade-Kärntner zu Wort kommen:

Sie beschreiben sehr schön, wie die Anschuldigungen gegen Dr. Haider von Tag zu Tag gesteigert werden. Zum Warum möchte ich Ihnen aber noch einen weiteren Gedanken liefern:
Haider war in Kärnten nicht bloß beliebt, sondern vergöttert. [...]
Man sah nun, was sich am kommenden Samstag bei der Trauerfeier abspielen würde – 1989 bei der Absetzung Haiders als Landeshauptmann waren 20.000 Kärntner gekommen –, jetzt wo er tot war, würden es noch um ein Vielfaches mehr werden. Eine derartige Massenkundgebung für den meistgehassten Politiker Europas konnte man sich nicht leisten!
Als Erstes wurde die überhöhte Geschwindigkeit veröffentlicht (obwohl die überholte Frau davon kein Wort erwähnt hatte). Doch das nutzte nichts – das Lichtermeer vor der Landesregierung wuchs.
Nun kam die Geschichte mit dem Alkohol – doch es nutzte auch nichts, die Kärntner standen vor dem aufgebahrten Sarg zu Tausenden über Stunden hinweg an (auch wenn der ORF in Wien dies totschwieg!).
Und jetzt, einen Tag vor der Trauerfeier der letzte Schlag: Haider war in einer Schwulenbar gewesen, »mit einem Jüngling« …! (Aber auch das wird am morgigen Trauerzug nichts ändern!)

Auf Welt-Online wird derartiges (von Ulrich Weinzierl) so subsummiert: “Tabu-Thema: Wie Österreich mit Haiders Bisexualität umgeht

Das Wiener Magazin “Profil” enthüllt in der Cover-Story seiner neuen Ausgabe das “Protokoll einer Verschwörung“.

Freimaurer, Illuminaten und andere Verschwörer: Wie Verschwörungstheorien funktionieren

Wie nämlich Haiders Getreue die pikante Vorgeschichte seines Unfalls zunächst verschleiern wollten.
Das ist zwar weniger spektakulär als ein fabuliertes Attentat aber dafür näher an der Realität.

Profil schreibt:

Er war schon ein Mythos, bevor sie ihn eingesargt hatten. „In Kärnten ist die Sonne vom Himmel gefallen“, formulierte Gerhard Dörfler, sein vorläufiger Nachfolger als Landeshauptmann, wenige Stunden nach dem grässlichen Unfall in personenkultischer Tonalität. Nichts sollte den Mythos trüben: Nach einem harten Arbeitstag fährt der Landesvater zu seinen Lieben, um mit der greisen Mutter Geburtstag zu feiern. Es ist spät, es ist nebelig – plötzlich geschieht das Unfassbare. So die ein Wochenende lang geltende Version. Aber ganz so war es nicht.

Und weiter:

Erst eine Woche nach den dramatischen Ereignissen lässt sich deren Vorgeschichte genau nachzeichnen – abseits der Angaben, mit denen das schockierte Haider-Lager der Öffentlichkeit ein mythengerechteres Bild der Abläufe vermitteln wollte.

Weniger mythengerecht war dann dieser Ablauf, den Profil so schildert:

Tatsächlich verlief der Abend nach profil vorliegenden Informationen einigermaßen anders. Haider übernahm schon um 19 Uhr vom Chauffeur den Wagen. Danach besuchte er in Klagenfurt einen Bekannten in dessen Wohnung (Name der Redaktion bekannt).
In Velden trifft er erst gegen 21.15 Uhr ein. Die Gastgeber sind von der Ankunft Haiders freudig überrascht.
[...]
Anwesende wollen beobachtet haben, es sei im Laufe des Abends zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Haider und seinem Sprecher Petzner gekommen.
Als Haider um etwa 23 Uhr die Party verlassen will, geht ihm Petzner nach, setzt sich zu ihm ins Auto, verlässt dieses aber wieder nach etwa 100 Metern.
Haider fährt allein auf der Wörtherseeautobahn Richtung Klagenfurt. Petzner telefoniert noch einmal mit ihm. Der Landeshauptmann hat nicht die kürzere Route ins Bärental gewählt, weil er offenbar noch das Lokal „Stadtkrämer“ besuchen will.
Knapp vor halb zwölf ist er in Klagenfurt. Nach profil vorliegenden Informationen kehrt Haider etwa zwei- oder dreimal im Monat im „Stadtkrämer“ ein, bestellt aber meist nur Mineralwasser oder Kaffee.
An diesem Abend trinkt sich Haider innerhalb von etwa eineinhalb Stunden im Gespräch mit einem jungen Mann den Großteil jener 1,8 Promille Alkohol ins Blut, die man später bei der Obduktion in Graz messen wird. Anwesende wollen beobachtet haben, der normalerweise zurückhaltende Trinker habe eine Flasche Wodka bestellt.

Auf oe24.at werden weitere Puzzleteile zusammengetragen.
Heute ein Interview mit einem der letzten Gesprächspartner Haiders im mittlerweile geschlossenen Schwulentreff “Stadtkrämer”.
Gestern war dort zu lesen:

>Mehrere Medien (zuletzt etwa die ZIB24) berichten, dass es im Lokal Le Cabaret zu einem privaten Streit zwischen Jörg Haider und seinem Adlatus Stefan Petzner gekommen wäre. Bis kurz vor seinem Tod wäre Haider noch in regem telefonischem Kontakt zu Petzner gestanden. Auch von hektischen Telefongesprächen und mehreren versendeten SMS-Nachrichten unmittelbar vor dem Unfall war die Rede.<

Auch dies, Schuldgefühle nämlich, könnte die bizarren Auftritte des wie ein Nebenwitwer trauernden Stefan Petzner erklären.

Über diesen wohl seltsamsten (Noch-) Vorsitzenden einer (in Kärnten) regierenden Partei heißt es heute in den Salzburger Nachrichten (“Ein Erbe auf Abruf”):

Kein Interview, in dem er nicht in Tränen ausbricht. Kein Auftritt, in dem er nicht laut darüber nachdenkt, was „der Jörg“ in dieser oder jener Situation gemacht hätte. Keine Pressekonferenz, die nicht den Eindruck hinterlässt, dass Haiders Lieblingsadlatus mit seiner Aufgabe restlos überfordert ist. Und vor sich selbst geschützt werden müsste, denn die Gefahr, dass er an seiner Aufgabe zerbricht, ist groß.

Auch die taz macht sich heute Gedanken über die “Homo-Gerüchte” bzw. über “Jörg Haider und die Männer“:

Haider war, wie immer man politisch zu ihm stehen mag, eine interessante Figur, und diese lässt sich einfach nicht charakterisieren und porträtieren ohne diese homoerotische Dimension – und möglicherweise auch nicht ohne den inneren Leidensdruck einer nie offen ausgelebten Sexualität. [...]
Lässt sich Haider, immerhin eine prägende Figur der österreichischen Nachkriegsgeschichte, ohne diese Privatsache verstehen? Ganz gewiss nicht.


Kreisky - Haider: Bruchlinien österreichischer Identitäten

Christian Rainer, Chefredakteur von Profil, ergänzt das ambivalente Profil des von ihm politisch entschieden abgelehnten Haider in einem lesenswerten Artikel:

>Das angebliche Aufbrechen verkrusteter Strukturen, sei es in der Notenbank oder sonst wo, das nun in Nachrufen gewürdigt wird, ist im Vergleich zu dieser gewaltigen Aufschüttung von Missgunst und Ressentiments eine Fußnote.

Persönlich habe ich Haider völlig anders empfunden. Ich verkehrte mit ihm seit 20 Jahren per Vornamen.
Er war herzlich, hörte zu, setzte sich wie kaum ein anderer Politiker – vielleicht ist Alfred Gusenbauer die Ausnahme – mit dem Gegenüber auseinander.
Freilich hinterließ diese Empathie stets den Eindruck, dass er sie bloß zur Selbstbespiegelung brauchte. Er liebte es zu verführen, die Menschenmassen ebenso wie den Einzelnen, wie seinen Nachfolger Stefan Petzner.
Der körperlichen Nähe konnte man sich entziehen, der Faszination nicht. Sein schneller Griff nach meinem Handgelenk im Anschluss an eine ORF-„Pressestunde“ bleibt mir in Erinnerung. Was bei dem Gedanken an diese Situation meine Projektion ist und was nicht, kann ich nicht beantworten. Er konnte es auch nicht, als ich ihn damals fragte.<

Dem Verschwörungsroutinier Gerhard Wisnewski steht für sein nächstes Buch also ein voller Theaterfundus bereit. Heute titelt er:

Haider: Einäscherung ist Vernichtung von Beweismitteln


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