> Weblognewisan”, das persische Wort für Weblogger, ist in Iran mittlerweile ein allgemein bekannter Begriff. Dieses virtuelle Terrain, wo sich Iraner frei von Staatskontrolle - und, bis vor kurzem - frei von Staatsgewalt ausdrücken konnten, bietet eine Sphäre für völlige Meinungsfreiheit und revolutioniert somit die Kommunikationskultur unter den Iranern…
Doch diese unbesorgte Haltung der Weblogger erlitt einen Faustschlag, als im Dezember letzten Jahres mehr als zwanzig junge Menschen die irgendwie im Weblogistan - so wird die iranische Weblogging-Szene genannt - tätig waren, verhaftet wurden…Seine Verhaftung und die anderer solle dazu dienen, das freie Weblogistan und seine Bewohner einzuschüchtern. Außerdem hätten die Vernehmungsbeamten versucht, von den Verhafteten Information darüber zu bekommen, wie man die Blogosphäre kontrollieren und einschränken könne. “Ich habe denen gesagt, sie sollen es vergessen. Sie könnten Weblogistan nicht kontrollieren”, sagt Memarian.
Wie vielleicht nirgendwo anders ist Weblogging in Iran ein kulturelles Phänomen ohne Präzedenz. Dem Leiter der Allameh-Tabatabai-Universität für Kommunikationswissenschaften, Dr. Mohammad-Mehdi Forghani, zufolge, gibt es etwa 100.000 aktive iranische Blogs. Curt Hopkins vom Committee To Protect Bloggers behauptet, Persisch sei die dritt- meist benutzte Sprache in Blogs nach Englisch und Französisch.
Memarian hatte Recht mit seinem Rat an den Verhörer. Seit den Verhaftungen ist weder die Zahl noch die Aktivität der Blogger zurückgegangen. Seitdem sind sogar Dutzende von Blogs wie Pilze aus dem Boden geschossen.
“Weblogs kosten nichts und sind schnell gemacht”, sagt ein Weblogger dessen Site www.tireakhar.blogspot.com einen Index für iranische Blogs bietet, und fügt hinzu, “Weblogs sind einfach eine Waffe die auch die Islamische Republik nicht schlagen kann.”
Etwa 70 Prozent der iranischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt, und ein großer Anteil von ihnen ist gebildet. Dem CIA World Factbook zufolge hat der Iran eine der höchsten Internetbenutzerraten per Kapita in der Region. Auch für die Jugendlichen ohne Computer zu Hause ist der Zugang zum Internet einfach, denn in jeder, auch der kleinsten Stadt gibt es mindestens ein Internet Café, das hierzulande “Coffeenet” genannt wird.
In der politischen Szene spielen Cyberjournalismus und Weblogs auch eine immer größere Rolle…< Quelle: spiegel.de / Weblog von Nahid Siamdoust (Teheraner Korrespondentin für das US-Magazin “Time”.)
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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