2. Advent in Athen: Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel löst landesweit Krawalle aus



UPDATE: Aktuell berichtet der Student Thomas Schörner auf seinem Weblog über das Geschehen in Athen:
Im Schatten der Akropolis
[Update Ende]

Was derzeit in Griechenland geschieht, erinnert an die Protestbewegung in Deutschland nach der Ermordung von Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967.

Die Proteste, die gestern nach dem Tod von Alexandros Grigoropoulos ausbrachen, der 15-Jährige war von einem Polizisten erschossen worden, sind aber weitaus militanter als damals in Deutschland.
Spiegel Online schreibt heute:

>Die Bilder, die der Kameramann aus dem Hubschrauber des Athener Fernsehsenders „Skai“ in die Sendezentrale funkt, erinnern an Aufnahmen aus einer Kriegszone. Dichte Rauchwolken steigen über der Leoforos Alexandras auf, der langen, sechsspurigen Allee, an der sich das Athener Polizeipräsidium befindet. Es scheint, als stehe der halbe Straßenzug in Flammen.
Viele Fassaden sind schwarz vom Ruß. Aber das ganze Ausmaß der Zerstörung zeigt sich erst am Boden, bei einem Gang durch die gespenstisch menschenleeren Straßen im Zentrum: überall verwüstete Geschäfte, ausgebrannte Bankfilialen und Supermärkte. Athen am 2. Advent: eine Stadt im Ausnahmezustand.
Begonnen hatte es am Samstagabend. Um 21.10 Uhr fallen in Exarchia, an der Ecke Missolongi- und Tsavellas-Straße, mehrere Schüsse aus einem Polizeirevolver. Ein 15-jähriger Junge bricht zusammen. Im Evangelismos-Krankenhaus können die Ärzte in der Notaufnahme wenig später nur noch seinen Tod feststellen.
Die Nachricht verbreitet sich rasend schnell in der gut vernetzten Athener Autonomenszene. Schon gegen 22.00 Uhr fliegen im Stadtzentrum die ersten Steine und Brandflaschen. Vor allem Bankfilialen nehmen sich die Vermummten vor. In der Hermes-Straße, der beliebtesten Athener Shoppingmeile, brennen sie ein dreistöckiges Kaufhaus komplett ab. „Es ist wie im Krieg“, berichtet eine verängstige Anwohnerin telefonisch im Rundfunk.[…]
vermummte Autonome nutzen einen friedlichen Protestmarsch mehrerer tausend Menschen zum Polizeipräsidium an der Leoforos Alexandras, um weitere Verwüstungen anzurichten. Drei Autohäuser und zwei Supermärkte fackeln die Randalierer ab, zahllose Geschäfte werden demoliert und in Brand gesteckt. Auf Menschenleben nehmen die Autonomen keine Rücksicht mehr.
Die Feuerwehr muss mit Drehleitern mehrere Bewohner aus den oberen Stockwerken brennender Gebäude retten.<

Bei YouTube wurde ein Video eingestellt, das dem erschossenen Jugendlichen gewidmet ist und Momentaufnahmen im „Brennenden Athen“ zeigt.
Der dem Video unterlegte elegische Gesang von Antony Hegarty (Hope there’s someone) kann die Randalierenden allerdings nicht geleitet haben.

2 Gedanken zu „2. Advent in Athen: Der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel löst landesweit Krawalle aus“

  1. Es gibt schon seid langem Unruhen in Athen!

    Der sozialistische Bürgermeister von Athen, Yiannis Sgouros (Pasok-Partei), sprach im Oktober 2008 von einer »explosiven Lage«. Die aus dem Nahen Osten zugewanderten Mitbürger hätten die griechische Hauptstadt als »Geisel« genommen. Er warnte vor schweren »Unruhen« mitten in Athen – vergeblich, man belächelte den Mann. Bis es dann im Dezember knallte.

    Denn in den letzten Jahren sind etwa 80.000 moslemische Flüchtlinge nach Athen gekommen, sie alle leben illegal in Athen. Sie kommen aus dem Nahen Osten, vom Balkan, aus Afghanistan, dem Irak. Sie leben von Überfällen, dem Rauschgifthandel, bilden brutale kriminelle Gangs, greifen Athener an – und liefern sich gegenseitig Straßenschlachten. Entlang ihrer ethnisch-religiösen Herkunft bilden sie Gruppen, die  mit brutalster Gewalt gegen anderer Gangs vorgehen. Mit Äxten und Macheten schlagen sie mitten auf den Straßen im Stadtzentrum aufeinander ein. Die Polizei ist ratlos. In solchen Stadtgebieten schließen die Geschäfte, die ethnischen Griechen ziehen weg – man kennt das ja aus vielen anderen europäischen Städten.

    Die Einwohner Griechenlands reagieren auf diese seit einem Jahr anhaltenden schlechten Nachrichten über immer neue Unruhen in Athen, die man außerhalb Griechenlands nicht zur Kenntnis nimmt: sie wählen auf einmal extremistische rechte Parteien – früher war das in Griechenland einfach undenkbar. Im Oktober 2008 stimmten 5,3 Prozent bei jüngsten Umfragen für die extrem rechte Laos-Partei, die seit einem Jahr im Parlament sitzt. Und die Zahl ihrer Anhänger steigt – ebenso wie die Zahl der nahöstlichen Migranten, die gemeinsam mit den »Autonomen« den Bürgerkrieg nach Athen bringen.

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