Was Erika Ober, desaströs gescheiterte SPD-Landratskandidatin im Odenwaldkreis, am Abend des 8. März vor einer Kamera des Hessischen Rundfunks heiser krächzte, war nicht frei von Chuzpe: Sie sei mit ihrem SPD-Parteibuch “gestraft” gewesen - und dies in einem Landkreis, in dem man 6 lange Jahrzehnte guten Grundes hoffen konnte, ob dieses Parteibuchs belohnt zu werden, auch materiell.
Aber stimmte das überhaupt, dass zumindest am 8. März die arme Ober, mit ihrem Parteibuch so beschwert wie Christus mit dem Kreuz auf dem Weg nach Golgatha, nur der Bundes-SPD oder der Landes-SPD wegen verlor?
Genau eine Woche später nämlich, am 15. März, siegte in Kiel bei der Wahl zum Oberbürgermeister der SPD-Kandidat Torsten Albig - und zwar mit 52,1%.
Zum Vergleich: Erika Ober erzielte 28,1%.
Larmoyanz mag ihr zugeflüstert haben: Ypsilanti! Ypsilanti! Der Verstand sollte ihr allerdings gesagt haben, dass ein solches Wahldebakel zu einem erheblichen Teil auch hausgemacht sein muss.
Nachfolgend eine kleine Auswahl von Berichten und Kommentaren zur politischen “Zäsur” im Odenwaldkreis (alle Hervorhebungen sind von uns):
Wolfgang Hörnlein vom Pressedienst -pdh- schreibt:
>Horst Schnur, der vor vier Wochen seinen 67sten Geburtstag feierte, hat dem Kreis achtzehn Jahre lang als Landrat vorgestanden und ist nicht mehr zu Wiederwahl angetreten. Mit ihm endet am 1. September 2009 eine traditionsreiche sozialdemokratische Ära, denn seit 1945 stellte die SPD den Landrat im Odenwaldkreis.
Eine Zäsur, die die Genossen im Kreis noch nicht verwunden haben. Daher wird sich möglicherweise die politische Ausrichtung im Odenwaldkreis zukünftig verändern. Der Kreistag in Erbach hat 51 Mitglieder und setzt sich zusammen aus SPD (22), CDU (15), ÜWG (5), Grüne (3), FDP (2), Linke (2) und Republikaner (2).Ein Landrat aus dem Kreis der ÜWG wird sich wechselnde Mehrheiten suchen müssen, um seine politischen Vorhaben umsetzen zu können. Die historische Zusammenarbeit der SPD mit der ÜWG ist nicht mehr sicher, nachdem sich Kübler gegen den erklärten Willen der Sozialdemokraten zur Wahl gestellt hatte.
Man hatte ihm bei Verzicht auf die Kandidatur zum Landrat einen gut dotierten Posten als nunmehr hauptamtlichen Ersten Kreisbeigeordneten angeboten, um die sozialdemokratische Kandidatin durchzubringen. Dieses Vorhaben war im Odenwaldkreis auf harsche Kritik gestoßen und damit gescheitert.<
Gewohnt komisch liest sich, was Gerhard Grünewald im Odenwälder Echo in Form von (immer wieder) wirren Bandwurmsätzen und wundersamen Wortabfolgen (”Führungsebene der Erbringer öffentlicher Leistungen”) von sich gibt. Der erste Satz seines Kommentars zitiert übrigens den letzten Satz von Jesus vor dem Tod am Kreuz:



Wenn Grünewald schreibt, dass die “Regierung Schnur” die “von ihr selbst verschuldete Präsenz” des “Schlechten” “so gern verschweigt“, müsste er sich natürlich wieder an die eigene Chefredakteursnase greifen.
Es ist die Aufgabe der Presse, auszusprechen, wo und wie eine Regierung (”im Schlechten“) versagt. Genau darin aber hat das Erbacher Käseblatt jahrzehntelang selbst versagt und so dazu beigetragen, dass “die Partei” über 6 Jahrzehnte hinweg “praktisch alle Fäden in der Hand hielt“.
Erinnert man sich noch daran, dass beispielsweise über die groteske Micky-Affäre um die Leiterin von Schnurs Jobcenter zwar in der Frankfurter Rundschau berichtet wurde, nicht aber im Odenwälder Echo?
Zu jenen (”praktisch allen“) Fäden, die Horst Schnur in der Hand hielt, zählten auch die (ca. 200 m langen) Fäden vom Landratsamt in die nahe gelegene Echo-Redaktion. Daran nämlich hing auch Gerhard Grünewald - als eine wenig souveräne Marionette für die mediale Präsentation des Provinzfürsten.
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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März 31st, 2009 at 11:22
[…] Landratsamt. Mit einer hahnebüchende Erklärung, deren Deutung ich dem geneigten Leser bei den Odenwald Geschichten nachzulesen empfehle. Dem Odenwald stehen schwere Zeiten bevor, fürchte ich. Erika Ober hingegen […]