Im August 2008 war die Welt im Breuberger Ortsteil Rai-Breitenbach noch in Ordnung.
Die Odenwälder Gemeinde rühmte sich, das erste Bioenergie-Dorf in Hessen zu sein.
Ortsvorsteher Horst Stapp (SPD) hatte die Idee für das Biomasse-Heizkraftwerk und ließ sich als Visionär feiern.
Bei der Einweihung versammelte sich Prominenz: Hermann Scheer (SPD / Alternativer Nobelpreis), Ex-Landrat Horst Schnur (SPD), Dr. Michael Reuter (SPD/Landtagsabgeordneter), Dietrich Kübler (heute neuer Landrat des Odenwaldkreises).
Initiator Stapp konnte das Projekt (und sich selbst) nicht laut genug über den grünen Breuberger Klee loben:
“Weg von Bush und Putin” komme man damit. (Seit wann bezog Rai-Breitenbach Öl oder Gas von Bush??).
Die absurde, populistische Losung machte HR-Reporter Ulrich Anton in seinem Artikel über das Bioenergie-Dorf zur Zwischenüberschrift – ohne nach deren Sinn zu fragen.
Dann schreibt er:
>Mit dem Kraftwerk will Rai-Breitenbach autark von anderen Energieträgern werden. Das Dorf ist damit das erste Bioenergie-Dorf Hessens. Rund 1.300 Tonnen CO2-Emissionen sollen jährlich gespart werden. Außerdem rechnet die Genossenschaft damit, dass ihre Mitglieder bis zu 30 Prozent weniger Heizkosten haben.<
Immer wenn der Mund zu voll genommen wird, droht das Hirn dahinter zu verschwinden.
Das scheint nun, leider, auch für Rai-Breitenbach zu gelten.
Ein schon letzte Woche im Odenwälder Echo erschienener Bericht von Birgit Reuther nimmt dem Projekt seinen Zauber – und dies schon im Untertitel:
“Anlage bringt nur 30 Prozent ihrer Leistung – Genossen befürchten Finanzierungsprobleme“
Im Detail heißt es dann:
>Die Anlage zur Holzvergasung, ein zentraler Kraftwerk-Bestandteil zur Strom- und Wärmegewinnung, erbringt seit etwa einem Jahr nur rund 30 Prozent ihrer ursprünglich kalkulierten und zur Finanzierung erforderlichen Leistung.
So wurde in der Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Rai-Breitenbacher Projekt mit einer Wärmeleistung von 1,5 Millionen Kilowattstunden (kWh) pro Jahr kalkuliert – erreicht wurden in elf Monaten nur rund 330 000 kWh.
Für die Verstromung waren 750 000 kWh angesetzt, tatsächlich geleistet wurden etwa 224 000 kWh.< [Hervorhebungen von uns]
Als wäre dies allein nicht schon ernüchternd genug, zitiert Reuther zuletzt aus einer Studie, die die Technik der Holzvergasung als unausgereift ausweist:
>Holzvergasung zur Gewinnung von Wärme und Strom ist zur Zeit ein heißes Thema. Die Technologie hat aber noch erheblichen Entwicklungsbedarf und Investitionen wollen reiflich überlegt sein!<
(Im Internet kann ein 10 Seiten umfassender Auszug aus der entsprechenden Studie als pdf heruntergeladen werden.)
Im Echo-Artikel heißt es weiter:
>Manches Mitglied glaubt inzwischen, dass den Initiatoren des Pilotprojektes von Anfang an klar gewesen sein muss, „dass diese Anlage erstmal nicht so laufen wird, wie es in den Darstellungen nach außen und gegenüber den Mitgliedern dargestellt worden ist.”<
Initiator Horst Stapp hat das Projekt in seiner Funktion als Ortsvorsteher vorangetrieben, mit seinem Ingenieurbüro r`ise eG
möchte er daran aber auch verdienen. Wenn es beiden Seiten nützt, muss daran nichts auszusetzen sein. Wenn dies nicht oder nicht mehr der Fall ist, wird es problematisch – das aber scheint nun der Fall zu sein.

Auf der Website rise-solutions.de wird als Projektbeispiel das “Bioenergiedorf Rai-Breitenbach” (als einziges) herausgestellt.
Unter “Kontakt” werden auch Adresse, Telefon- und Faxnummer genannt. Man vermisst allerdings jeden Namen.
Erst über die Domain-Abfrage bei Denic erfährt man, dass Horst Stapp Domaininhaber und administrativer Ansprechpartner ist.
Als dahinter stehende Organisation nennt Denic erstaunlicherweise nicht r’ise eG, sondern das Bioenergiedorf Breuberg Rai-Breitenbach eG. Eine Vermengung, die Zunder bietet. Am Ende brennt da möglicherweise mehr als nur Holzhackschnitzel im Blockheizkraftwerk.
Schon im Juli beklagte Birgit Reuther in einem für O-Echo-Verhältnisse ungewohnt kritischen Kommentar fehlende “Transparenz” im Bioenergiedorf. Anlass war ein bemerkenswerter Vorgang:
>Verkehrte Welt in Rai-Breitenbach: Mitglieder des Vorstands der von vielen Einwohnern getragenen Genossenschaft zur Nahwärmeversorgung drängen den Aufsichtsratschef der genossenschaftlich organisierten, aber betriebswirtschaftlich orientierten Unternehmung zum Rücktritt. Mit Erfolg.
Anderswo läuft es meist umgekehrt: Aufsichtsräte kontrollieren die Arbeit der Vorstände, und wenn die zu viele Fehler machen, werden sie ersetzt.< [Hervorhebungen von uns]
Dann schreibt die Echo-Redakteurin erfahrungsgesättigt:
>Das alte Lied: So lang eine Sache gut läuft, darf die Zeitung „schön“ berichten. Wenn aber Dampf im Kessel ist und das Thema die Gemüter auch über die Dorfgrenzen hinaus bewegt, wird abgeblockt.
Die Berichterstattung könne Projekt und Dorf schaden, mauerte auch hier der Vorstand.< [Hervorhebungen von uns]
Man kann nur erahnen, wie oft insbesondere der frühere Landrat Horst Schnur in der nahegelegenen Redaktion intervenierte, um eine wöchentlich Dosis Schönfärberei in Auftrag zu geben und kritische Berichterstattung schon im Ansatz zu blockieren.
Reuther erinnert auch an die öffentlichen Gelder, mit denen das Odenwälder Bioenergiedorf gefördert wurde:
>Dabei haben nicht nur die Bewohner der derzeit ans Nahwärmenetz angeschlossenen 130 Häuser das
Recht zu erfahren, wie es mit ihrem Bioenergiedorf läuft. Handelt es sich doch um eine
mit beträchtlichen öffentlichen Mitteln geförderte und finanzierte Sache: 430 000 Euro Zuschuss von Land und Kreis sowie ein KfW-Darlehen fließen in das 3,2 Millionen Euro schwere Projekt.< [Hervorhebungen von uns]
Was die einzelnen Haushalte investierten, erfuhr man vor einem Jahr von David Meiländer im Magazin stern – am Beispiel von Klaus Walczik:
>Es ist nicht nur das Geld, es ist auch das Prinzip, um das es den Einwohnern von Rai-Breitenbach geht. Unabhängig von den Konzernen und Behörden zu sein – das ist auch für Klaus Walczik ein gutes Gefühl.
Seit 27 Jahren lebt er hier im Dorf, hat bevor er in Rente ging in der Energiebranche gearbeitet. Wie alle anderen musste auch er insgesamt 4500 Euro für die Genossenschaftseinlage, den Anschluss der Rohre und den neuen Heizkörper bezahlen.
Seinen gerade erst sieben Jahre alten Ölkessel wird er abmontieren lassen. “Ich will nicht irgendwelchen Öl-Monopolisten in Moskau oder Dubai ihre Paläste finanzieren”, sagte Walczik. “Hier in Rai-Breitenbach weiß ich wenigstens, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt.< [Hervorhebungen von uns]
Im Wissen um die nun eingetretenen Schwierigkeiten gewinnen die folgenden Aussagen Bedeutung:
>Skeptiker gab es kaum. “Wir hatten ein sehr geringes finanzielles Risiko“, erinnerte sich Walczik.
“Es hätte eigentlich nur am Anfang schief gehen können, wenn uns das beauftragte Ingenieursbüro gesagt hätte, dass es nicht funktioniert.” Bis dahin hatten alle Genossenschaftsmitglieder jeweils nur 150 Euro investiert. “Das hätten wir verkraftet.”< [Hervorhebungen von uns]
Wollte das “beauftragte Ingenieursbüro” möglicherweise nur die Chancen sehen und blendete es (wider besseres Wissen?) die Risiken aus?
In einem weiteren Echo-Bericht (“Bürgermeister beruhigt“) vom 2. 10. heißt es:
>Ebenfalls um Stellungnahme gebeten, wollte der geschäftsführende Vorstand keine Auskunft zur derzeitigen Lage geben.<
Einige betriebswirtschaftliche Details lassen sich sogar für Außenstehende recherchieren: Für den Jahresabschluss zum 31. 12. 2006 im “Bundesanzeiger Jahresabschlüsse” verlangt Genios 22 Euro, für einen Einzelabschluss / HGB der “Creditreform Rating Deutschland Bilanzen” verlangt Genios 45 Euro.
Für den neuen Odenwälder Landrat könnte sich das hoffnungsvoll gestartete Prestigeprojekt schon zu Beginn seiner Amtszeit zu einer gewaltigen Bürde entwickeln. Dietrich Kübler, der auch selbst dem Vorstand der Genossenschaft angehört, soll auf kritische Fragen sehr empfindlich reagiert haben.
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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October 8th, 2009 at 12:12
>Das alte Lied: So lang eine Sache gut läuft, darf die Zeitung „schön“ berichten. Wenn aber Dampf im Kessel ist und das Thema die Gemüter auch über die Dorfgrenzen hinaus bewegt, wird abgeblockt.
Die Berichterstattung könne Projekt und Dorf schaden, mauerte auch hier der Vorstand.< Fürst Stapp aus eigner Gnade, Herrscher über das Rai-Breitenbacher Land,war zumindest in diesem Punkt ein gelehriger Schüler des Odenwälder – Buddhas. Berichtet, gesagt und getan werden darf nur das, was seine Durchlaucht für gut und richtig hält. Auch der größte Misthaufen ist pures Gold, wenn dieser von ihm ist. Schon bei der kleinsten Kritik, wie z. B. der Hinweis das eine Rechnungsvorlage nicht die vorschriftsmäßigen Daten wie Datum, Steuernummer, korrekt ausgewiesene MwSt. usw.enthält, löst bei ihm eine lautstarke verbale Attacke aus. Z. B.: „Sie kommen nur daher und fordern“, „Wenn sie alles besser Wissen machen sie es doch selbst“, „Was haben sie für das Dorf und das Bioenergiedorf schon geleistet?“, „Was ich schon alles ehrenamtlich geleistet habe, da darf jemand wie sie überhaupt nicht mitreden.“ (Dies ist einer seiner Lieblingssprüche „Was ich……….gemacht habe“) und einer der Höhepunkte seines Ergusses war „Wenn es nach mir ginge, würden Leute wie sie aus dem Dorf gejagt“. Das, was ich sagen wollte, hat er sich gar nicht angehört. Ich wohne erst seit wenigen Jahren in Rai-Breitenbach und frage mich nun, wie konnten ihn die Einwohner zum Ortsvorsteher wählen und die SPD zu ihrem Aushängeschild im Ortsverband machen. Denn es gibt etliche Fälle vor mir, wo er in seiner Funktion als Ortsvorsteher oder in jüngster Zeit als Vorstandsvorsitzender vom Bioenergiedorf in der gleichen Form agierte. Er machte da nicht mal Halt vor einer alleinstehenden Frau mit einem behinderten Sohn. Wenn ich gewusst hätte, welch Chaot er ist, wären wir nie Mitglied bei der Bioenergie geworden, obwohl ich dieses Projekt für sehr gut halte.
October 10th, 2009 at 5:24
Betreff: Erfüller
Hört! Hört! Ihr Leute im Rai-Breitenbacher Land, Fürst Stapp aus eigner
Gnade, der pflichtbewusste ERFÜLLER seiner eignen Vorstellungen, verkündet
euch allen hier im Lande und auch anders wo, hier die „WAHRHEIT UND NICHTS
ANDERES ALS DIE REINE WAHRHEIT“.
Nun denn, wer es glaubt, muss doch ein getreuer Untertane sein.
Wenn er sich um den eigentlichen Geschäftsbetrieb der Genossenschaft ebenso
intensiv kümmern würde, wie um die Findung von ihm genehmen Kandidaten für
Vorstand und Aufsichtsrat wäre dieser Kommentar bestimmt nicht geschrieben
worden.
Auch hier soll es nach Vorstellung unseres Fürsten anders laufen als anderen
Ortes üblich, den in der Regel kommen die Vorschläge für diese Kandidaten
aus den Reihen der Mitglieder.
Die Bewertung der Prüfungsberichte sollte er doch besser den Mitgliedern
überlassen nach dem sie ihnen im Detail vorgestellt wurden.
Um sich ein Bild über die Holzvergasungsanlage zu machen, muss man sich
nicht in die Geschäftsräume begeben, H. Kickstein hat öffentlich in der
Mitgliederversammlung zugegeben, dass die Anlage bisher nur 30% ihrer
Leistung erbracht hat. Zur Sicherung der Finanzierung sind aber 100%
erforderlich. Eine Verbesserung ist nicht absehbar.
Mit welchem Geld sollen die 70%-Minderleistung abgedeckt werden?
Es ist eigentlich nicht vorstellbar, dass die TU – Darmstadt bereits Ende
2008 von sich aus bei der Genossenschaft nachfragte, ob sie mit dem
Holzvergaser spielen dürften, denn bereits am 16. Januar 2009 bot sie den
Stunden div. Arbeitsthemen zu dem Holzvergaser im Bioenergiedorf Breuberg
Rai-Breitenbach. Zu diesem Zeitpunkt war der Vergaser noch nicht einmal
richtig warmgelaufen. Sollte die TU – Darmstadt dies ohne Absprachen mit dem
Vorstand unserer Genossenschaft getan haben??
Als der Vorstand dieses Kind den Mitgliedern zu Adoption vorstellte, war nie
die Rede davon, dass es sich hierbei um ein geistig und körperlich
behindertes Baby handele.
Jetzt hofft er auch noch dieses arme Ding mit Spezialisten, die keine
Erfahrungen in der Heilung von Holzvergaserkrankheiten haben, zu heilen. Auf
diese Idee ist er auch noch stolz und ist bereit dafür aus der
Genossenschaftskasse 100.000,00 EUR und mehr einzusetzen. Natürlich ohne
eine Entscheidung der Mitglieder eingeholt zu haben.
Dazu muss man wissen, dass es bis jetzt an der TU – Darmstadt weder
Forschung noch Lehre zur Holzvergasung gibt.
Mit dem Zählen hat unser Fürst anscheinend auch so seine Probleme. Es ist
allgemein bekannt, dass nur die große Hackschnitzelheizung voll einsatzfähig
ist, der Vergaser, wenn es gut geht, ca. 30% der Zeit läuft und die drei
über 40 Jahre alten Heizölkessel in der Schule so marode sind, dass man sie
nur mit einer riesigen Portion Unverfrorenheit als voll einsatzfähig
bezeichnen kann.
Nach den kalkulierten Wärmemengen sind aber an extrem kalten Wintertagen
alle Anlagen zu 100% erforderlich.
http://www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=797938
February 28th, 2010 at 5:51
Ihr armen ums liebe Geld gebrachten gutgläubigen Genossen, bitte sorgt wenigstens dafür, dass diese gewieften möchtegern Umweltfreude, nicht noch mehr Schäden in Deutschland anrichten dürfen. Warum sollte auch die gemeinsame Verbrennung von Holzteichen und die dafür aufwendige Technik von Haus zu Haus günstiger sein? Wurde hier mal wieder in eigene Taschen gerechnet??
Der Gerechte