UPDATE: Figen Çapkan bleibt weiterhin verschwunden. Inzwischen hat neben türkischen Medien wie Hürriyet auch Spiegel-Online den “Mysteriösen Kriminalfall” aufgegriffen.
Julia Jüttner schreibt dort:
>Erst im Sommer war Figen Capkan mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Groß-Umstadt im südlichen Hessen gezogen. In dem Ort mit 21.000 Einwohnern am Rande des Odenwaldes versuchte die fünfköpfige Familie Fuß zu fassen, unterstützt von Verwandten und Freunden, die dort ebenfalls leben.
Hoffte Figen Capkan auf einen Neuanfang? Glaubte sie, ihre Ehe retten zu können? Die Beziehung war zuletzt zunehmend aus dem Ruder gelaufen. Ihr Mann, anders als Figen in Deutschland geboren, war immer öfter ausgerastet und auf sie losgegangen. Laut Ermittlungsakten gab es “mehrere körperliche Angriffe des Mannes auf die Frau“. Figen Capkan zeigte ihren Mann, den Vater ihrer drei Kinder, an. Das Verfahren wird in Erlangen geführt, wo die Familie vor dem Umzug nach Südhessen lebte.
Seit knapp zwei Wochen gilt Figen Capkan nun als vermisst. Eine Freundin meldete sich am 21. Oktober bei der Polizei, weil sie die 37-Jährige seit Tagen nicht gesehen hatte. Auch Figens Kinder und ihren Ehemann hatte sie nicht zu Gesicht bekommen. Da in Hessen Herbstferien waren, hatte sie sich zunächst nichts dabei gedacht.
Trotzdem - die letzte Unterhaltung mit Figen Capkan ging der Freundin nicht aus dem Kopf. Capkan hatte sich ihr anvertraut und, so die Freundin, “von ernsthaften Trennungsabsichten” gesprochen. Das war am 17. Oktober. Am selben Tag soll es den Ermittlungen zufolge auch zu einem lautstarken Streit zwischen Figen und ihrem Mann in der gemeinsamen Wohnung gekommen sein.
Es ist das letzte Lebenszeichen von Figen Capkan. “Ab da verliert sich ihre Spur”, sagt Karl Kärchner vom Polizeipräsidium Südhessen SPIEGEL ONLINE. “Das ist der letzte Zeitpunkt, von dem wir sicher wissen, dass sie noch da war - und lebte.” Die Polizei brach die Wohnung der Familie auf. “Dort sah es so aus, als sei es zu einer überstürzten Abreise gekommen“, so Kärchner.
Ebenso unauffindbar seit jenem 17. Oktober: Figen Capkans Ehemann. Nach Ermittlungen der Polizei ist der 42-Jährige “zeitgleich mit dem Verschwinden seiner Frau” in die Türkei geflogen. “Diese Tatsache, weitere Indizien und andere Ungereimtheiten, über die wir momentan nichts weiter sagen wollen, sind für uns Anhaltspunkte, die für ein Gewaltverbrechen an Figen Capkan sprechen“, sagt Kärchner.
Der Erkennungsdienst hat seither in aufwendiger Arbeit die komplette Wohnung untersucht. Mit Hunden wurden Haus und Umgebung durchforstet, ein Hubschrauber suchte mit Wärmebildkameras nach Figen Capkan, die Nachbarn wurden intensiv befragt. Auffälligkeiten oder Spuren, die die Vermutung der Polizei belegen, gibt es jedoch nach bisheriger Auswertung noch nicht. “Der Fall gestaltet sich äußerst mysteriös“, resümiert Kärchner.
Figen Capkans Kinder - zwei Mädchen im Alter von sieben und 15 Jahren sowie ein 19-jähriger Junge - sind nach Angaben der Polizei in Deutschland und “an einem sicheren Ort” untergebracht. Auskunft zu deren Aussagen wollen die Ermittler ebensowenig geben wie dazu, wo sich die Kinder in den Tagen nach dem Verschwinden ihrer Mutter aufgehalten haben.
Hat sich Figen Capkan, die mit knapp 17 Jahren nach Deutschland kam und heiratete, nur in Sicherheit vor gewalttätigen Ausbrüchen ihres Mannes gebracht? Das Bundesfamilienministerium befragte im Jahr 2003 insgesamt 250 türkische Frauen, ob sie in ihrer Ehe bereits Gewalt erfahren hätten. 38 Prozent berichteten damals, ihre Partner hätten sie körperlich oder sexuell misshandelt - und auch das Ausmaß und die Intensität der erlittenen Gewalt waren deutlich höher (Prügel, Würgen, Bedrohung mit Waffen, Drohung mit Ermordung) als in Familien ohne Migrationshintergrund.< [Links und Hervorhebungen von uns]
Eine vergleichbare Studie über “Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen” liegt als “Enddokumentation November 2008” vor und kann im pdf-Format von der Website des Familienministeriums heruntergeladen werden.
Schon zuvor hatten sich die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Polizeipräsidium Südhessen mit entsprechenden Meldungen an die Öffentlichkeit gewandt:
>Noch keine Spur haben Staatsanwaltschaft und Polizei von der 37-jährigen Figen Capkan, die seit dem 17.10.2009 von zuhause in Groß-Umstadt spurlos verschwunden ist. Wie berichtet, kann derzeit ein Gewaltverbrechen nicht ausgeschlossen werden. Die Suche nach der Frau läuft auf Hochtouren. Deshalb veröffentlichen die Ermittlungsbehörden ein Foto, das die 37 Jahre alte Figen Capkan zeigt. Die Fahnder hoffen, damit Hinweise zu erhalten, die zur Aufklärung des mysteriösen Verschwindens beitragen.
Wer hat Figen Capkan nach dem 17.10.2009 gesehen? Wer kann Hinweise zum Verschwinden von Figen Capkan geben? Wer kann ggf. Angaben über den möglichen Aufenthaltsort machen? Hinweise werden an das Polizeipräsidium Südhessen, Telefon 06151 9690 oder jede andere Polizeidienststelle erbeten.< [Hervorhebungen von uns / Bild: Senias Suchblog für vermisste Menschen /polizeipresse.de ]
Zuvor hatte das Polizeipräsidium Südhessen diese Meldung verbreitet:
>Zunächst war es ein Vermisstenfall, bei dem eine 37 Jahre alte Frau aus Groß-Umstadt verschwunden war. Jetzt ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft in Darmstadt. Nach wie vor gibt es keine Spur von der Frau. Sie könnte das Opfer eines Verbrechens geworden sein. In diesem Zusammenhang wird nach ihrem 42-jährigen Ehemann gefahndet, der sich möglicherweise in der Türkei aufhält. Beide haben sowohl die deutsche als auch türkische Staatsangehörigkeit.
Nach den bisherigen Ermittlungen ist die Siebenunddreißigjährige seit dem 17.10.2009 spurlos von zuhause verschwunden. Sie verzog erst am 1.7.2009 gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren Kindern (7, 15 und 19 Jahre alt) von Erlangen nach Groß-Umstadt. Am Mittwoch (21.10.) meldeten Bekannte das Verschwinden der Frau.
Bei den Ermittlungen zeigten sich mit zunehmender Tendenz Auffälligkeiten, die ein Kapitalverbrechen an der Siebenunddreißigjährigen als möglich erscheinen ließen. Am Tag ihres Verschwindens hatte sich die Vermisste einer Bekannten anvertraut und von ernsthaften Trennungsabsichten erzählt. Noch am gleichen Tag soll es in der Wohnung der Familie zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen sein.
Es bestehen gesicherte Erkenntnisse darüber, dass sich der Ehemann offenbar sehr kurzfristig zu seiner Reise in die Türkei entschlossen hatte.
Offenbar kam es in der Vergangenheit mehrfach zu körperlichen Angriffen des Ehemannes auf seine Ehefrau. Deshalb ermitteln auch die Behörden in Erlangen.<
Die Wikipedia weist darauf hin, dass es sich beim “Ehrenmord” um eine “vorislamische Praxis und Tradition” handele, fügt aber hinzu:
>Die auffällige Häufung von Ehrenmorden im islamischen Kulturkreis, auch innerhalb von Einwandererpopulationen, lässt allerdings darauf schließen, dass islamisch-fundamentalistische bzw. islamisch-antiwestliche Grundeinstellungen bei den Tätern die Anwendung der vorislamischen Praxis eher begünstigt. In Kreisen des „aufgeklärten Islam“ wird daher das Fehlen einer dezidierten Frontstellung bei moslemischen Einwanderern gegen Ehrenmorde beklagt. Zum Beispiel bemängelte die Anwältin Seyran Ates: “Migranten tun zu wenig gegen Ehrenmorde”<

Seyran Ates ist ebenfalls verschwunden, allerdings nur aus der Öffentlichkeit. Sie sieht sich erneut Morddrohungen ausgesetzt.
Dies war schon vor 3 Tagen gemeldet worden.
Reinhard Mohr schrieb in Spiegel-Online:
>Seyran Ates, 46, hat sich nach anonymen Morddrohungen komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anlass der Drohungen ist offenbar die Veröffentlichung ihres neuen Buches, das vor wenigen Tagen beim Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Titel der als “Streitschrift” betitelten Veröffentlichung: “Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.”
Die Juristin und Schriftstellerin plädiert darin für die Abschaffung der in islamisch geprägten Ländern weit verbreiteten arrangierten Ehe und spricht sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus sowie für mehr Selbstbestimmung für muslimische Frauen.
Schon vor drei Jahren hatte sich die auch als scharfe Kritikerin des Islam bekannte Autorin für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und ihre Kanzlei geschlossen. Der Grund: Weil sie eine türkischstämmige Frau in einer Scheidungssache vertrat, wurde sie massiv bedroht. 1984 erlitt Ates lebensgefährliche Verletzungen, als ein muslimischer Mann auf sie schoss. Damals arbeitete sie als Studentin in einem Kreuzberger Frauenhaus, das vor allem türkischen Frauen Hilfe gegen häusliche Gewalt anbot.<
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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