Bei Goethe richtete sich der unglücklich Liebende noch selbst. Die Leiden des jungen Werther endeten nicht mit dem Tod von Lotte, sondern mit der Kugel, die er sich selbst gab. Damit wollte er übrigens auch ihre Ehre wahren.
Von einem anderen Ehrbegriff geleitet war wohl der 24 Jahre alte Student, der heute nachmittag in der Hochschule Darmstadt eine Kommilitonin erstach.
Nach der Tat flüchtete er zunächst zum nahe gelegenen Hauptbahnhof, wo er sich aber kurz darauf der Bundespolizei stellte.
So endet (zunächst) ein Beziehungsdrama in der bundesrepublikanischen Gegenwart. Von einer Beziehungstat ist laut Polizei nämlich auszugehen.
Beide, der Täter und das Opfer, seien türkische Staatsangehörige.
Das waren auch Figen Capkan und ihr Ehemann.
Die Leiche der zuletzt am 17. Oktober in Groß-Umstadt gesehenen Frau wurde vor 2 Tagen in der Nähe der rheinhessischen Gemeinde Saulheim gefunden. Sie soll vor ihrem Tod brutal misshandelt worden sein.
“Zu 99,9% Prozent” handele es sich um die vermisste 37-Jährige, so Karl Kärchner vom Polizeipräsidium Südhessen.
Ihr tatverdächtiger, mit internationalem Haftbefehl gesuchter Ehemann wurde zwischenzeitlich in Georgien festgenommen.
Innerhalb weniger Wochen mussten so in Südhessen zwei junge türkische Frauen sterben, weil sie von einem Mann nichts, oder nichts mehr wissen wollten.
Die im Odenwald lebende türkische Frauenrechtlerin Serap Cileli muss auf ihrer Website womöglich zwei weitere Fälle von “Ehrenmord” auflisten.

Nachfolgend drei Pressemitteilungen der Darmstädter Polizei:
>Kurz vor 15 Uhr wurde der Leitstelle des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt mitgeteilt, dass eine junge Frau in einem Gebäude der Hochschule Darmstadt in der Schöfferstraße niedergestochen wurde. Die Frau verstarb kurz darauf an ihren schweren Verletzungen. Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt.
Ein Mann war nach der Tat aus dem Gebäude geflüchtet. Ein 24-jähriger Tatverdächtiger stellte sich kurz darauf auf der Wache der Bundespolizei im Hauptbahnhof Darmstadt. Der Mann wurde festgenommen. Die Polizei hat den Tatort abgesperrt. Zurzeit führen Kriminalbeamte Spurensuche und Ermittlungen durch.<>Nach dem gewaltsamen Tod einer 26-jährigen Frau in einem Gebäude der Hochschule Darmstadt hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt Antrag auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls gegen den 24-jährigen Tatverdächtigen gestellt. Der Mann, der sich kurz nach der Tat auf der Wache der Bundespolizei im Hauptbahnhof Darmstadt gestellt hat, soll am Mittwoch (11.11.09) dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft hat zugleich eine Obduktion angeordnet. Die Polizei hat am Tatort, einem Computerraum, ein Messer, die mutmaßliche Tatwaffe sichergestellt. Nach den bisherigen Ermittlungen ist von einer Beziehungstat auszugehen. Opfer und Tatverdächtiger, beide türkische Staatsangehörige, sind Studierende der Hochschule Darmstadt. Der 24-Jährige ist bisher nicht polizeilich auffällig geworden.<
>Nach dem Tötungsdelikt an einer 26-jährigen Türkin am Montagnachmittag (10.11.09) in einem Computerraum der Hochschule Darmstadt (wir berichteten / siehe Pressemeldungen vom 10.11.09), wurde heute der Tatverdächtige auf Antrag der Staatsanwaltschaft dem Haftrichter vorgeführt. Gegen den 24-Jährigen wurde Untersuchungshaftbefehl wegen Mordes erlassen.
Dem jungen Mann wird vorgeworfen, das Opfer mit mehreren Stichen in den Rücken getötet zu haben. Laut Obduktionsergebnis verstarb die 26-Jährige durch inneres Verbluten.
Bei der Tatwaffe, die von den Ermittlern in dem Computerraum sichergestellt wurde, handelt es sich um ein Küchenmesser.<
Noch ausführlicher berichtet das Darmstädter Echo:
>Am Fachbereich Maschinenbau der Hochschule Darmstadt (HDA) ist am Dienstagnachmittag eine junge Frau erstochen worden. Sie starb kurz nach der Tat. Zeugenaussagen zufolge hatte der Täter kurz vor 15 Uhr den Diplomandenraum 22 des Gebäudes an der Stephanstraße betreten, sich dem Opfer von hinten genähert und es mit einem Messer niedergestochen. Die 26-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen. […]< [Links und Hervorhebungen von uns]
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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