Verantwortlich für den Tod von Fabian Salar Saremi: Bensheimer Schläger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Vor 2 Monaten wurde Dominik Brunner in München von zwei jungen Schlägern ermordet, weil er zuvor zivilcouragiert Kinder vor dem kriminellen Duo schützte.
Im südhessischen Bensheim verlor Fabian Salar Saremi sein Leben, nachdem er sich in einer Diskothek schützend vor eine belästigte Frau und deren attackierten Freund stellte.
Was da geschah, wird in einem aktuellen ddp-Bericht beschrieben:

>Es habe mit einem «Übergriff» auf der Tanzfläche der Bensheimer Disco begonnen, schilderte der Richter das Geschehen in der Nacht zum 28. September 2008. Haydar M. belästigte auch körperlich eine junge Frau, deren Freund sich schützend vor sie stellte. Die Angeklagten prügelten daraufhin gemeinsam auf ihn ein, Fabian S. kam dem jungen Mann zu Hilfe und beendete zunächst die Auseinandersetzung. Auf der Straße vor dem Tanzlokal traf er später erneut auf die Männer, die auf ihn warteten.

Mit Schlägen und Fußtritten prügelten sie auf ihr Opfer ein, das zu Boden ging. Als sich der schwer verletzte S. erhob, nahm Haydar M. Anlauf zu einem Tritt, der das Opfer bewusstlos machte. Gemeinsam traten die Täter dann auf den Ohnmächtigen ein. Richter Sagebiel verwies am Mittwoch auf Zeugen, die von «elfmeterartigen Tritten» gegen den Kopf des Opfers gesprochen hätten. Dann ließen die Männer Fabian S. auf der Straße liegen.
Kurz danach überfuhr ein Taxi den 29-Jährigen, der am 25. Oktober in einer Mannheimer Klinik starb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Erdogan M. hatte sich am Tatort vor der Disco beim Zurücklassen des Opfers noch einmal zu Fabian S. umgedreht. „Ich bin der Erdogan», sagte er dabei, „merk dir das.“<

Drei Täter wurden nun am Landgericht Darmstadt zu Haftstrafen verurteilt, ein vierter konnte sich in die Türkei absetzen.
Der 42-jährige Erdogan M. muss für 6 Jahre ins Gefängnis, sein 19 Jahre alter Sohn Haydar kommt für 3 Jahre und 6 Monate in Haft und dessen gleichaltriger Halbbruder Volkan für 3 Jahre und 3 Monate.

Man kann darüber streiten, ob es sich „nur“ um eine „gefährliche Körperverletzung sowie anschließende Aussetzung mit Todesfolge handelte“.
Wer einen zuvor bewusstlos Geschlagenen auf einer von Autos befahrenen Straße liegen lässt, nimmt dessen Tod bewusst in Kauf.

Der Anwalt von Fabian Salars Angehörigen hatte in seinem Schlußpädoyer am Vorwurf des Totschlags festgehalten, das Urteil wegen des höheren Strafmaßes jedoch akzeptiert.

Außergewöhnlich ist an diesem Fall einiges. So wurden die Täter offenbar nicht von der Polizei ermittelt, sondern von den Angehörigen und Freunden des Opfers.

So heißt es in einem Bericht von ddp:

>“Das Vertrauen in die Polizei ist gesunken„, sagt Salome Saremi. Sie führt ihre eigenen Erlebnisse an. „Im Fall meines Bruders meldete die Polizei nach einem Tag einen ganz fragwürdigen Festnahmeerfolg.“ Fabians Schwester trommelte seine Freunde zusammen, gemeinsam erstellten sie eine Liste möglicher Zeugen, ermittelten auf eigene Faust und nannten nach wenigen Tagen den Beamten die vermutlichen Täter. Die Polizisten räumten im Prozess ein, dass die Gruppe um Fabians Schwester ihrer Ansicht nach die tatsächlichen Täter ermittelt und sie zuvor die Falschen festgenommen hatten.< [Hervorhebungen von uns]

Dass vor diesem Hintergrund Richter Thomas Sagebiel die Familie Saremi kritisiert, erscheint erklärungsbedürftig. Was dazu im Darmstädter Echo geschrieben und zitiert wird, erklärt es jedenfalls nicht:

>Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel kritisierte am letzten Verhandlungstag die Familie Saremi und ihre Öffentlichkeitsarbeit.
Die Familie hatte Anfang des Jahres den Verein „Fabian Salars Erbe“ gegründet, es wurden Konzerte und Veranstaltungen gegen Gewalt organisiert. Die Stadt Bensheim hatte einen runden Tisch eingerichtet. „Mir ist das Brimborium in den Medien zu viel“, sagte Sagebiel mit Blick auf zahlreiche Fernsehbeiträge mit Vater und Schwester des Toten.
Ich bin entsetzt, wie der Tod dieses jungen Mannes instrumentalisiert wird.“ Man habe damit dem Verfahren keinen Gefallen getan. Fabian Salar Saremi habe zwar Zivilcourage gezeigt, fand der Richter, sich aber auch falsch verhalten.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Wie ist das bitte zu verstehen? War dem Richter auch nach dem Tod von Dominik Brunner „das Brimborium in den Medien zu viel„?
Wie kann man den Angehörigen des Opfers vorwerfen, sie hätten ‚dem Verfahren keinen Gefallen getan‘, wenn eben sie durch ihr eigenständiges Ermitteln der Täter den Prozess erst möglich machten?

Die Website fabiansalarserbe.de wirbt für „Toleranz und Zivilcourage“. Warum „entsetzt“ dieses Engagement den Richter?
Salome Saremi
trauert in ihrem Weblog öffentlich um den Bruder. Soll das verwerflich sein? Sie würdigt und erinnert an ihn auf der Seite fabiansalarsaremi.de. Soll solches nur den Hinterbliebenen prominenter Personen zugestanden sein?
Und wie ist zu verstehen, dass Fabian Salar Saremi „zwar Zivilcourage gezeigt“ habe, sich aber auch „falsch verhalten“ habe.
Schade, dass da auf echo-online zu lesen ist: „Dieses Thema kann nicht kommentiert werden“.

Regine Seipel, die schon im September in der Frankfurter Rundschau über den Prozess am Landgericht Darmstadt berichtete, war über das Engagement von Fabian Salars Angehörigen offenkundig nicht „entsetzt“. Sie lässt die Schwester und den Vater so zu Wort kommen:

>“Wir wollen ein Umdenken einleiten. Die Gemeinschaft muss gestärkt werden, damit jemand, der sich einmischt, nicht allein dasteht„, sagt sie.
Das Bedürfnis sei da. An der Stelle in der Bensheimer Fußgängerzone, an der ihr Bruder fast bewusstlos geschlagen wurde, stand bis vor kurzem eine provisorische Tafel, ein Ort für Blumen, Gedanken, Gedichte. Auf Drängen der Stadt wurde er geräumt, erzählt sie. Der Verein fordert jetzt ein dauerhaftes Mahnmal, ein Zeichen für Zivilcourage. Im Rathaus habe man noch keine Entscheidung getroffen, bedauert der Vater des Opfers, der seit 30 Jahren in Bensheim lebt. Die Stadt sei durchaus offen für die Forderung, erklärt deren Pressesprecher. Das Mahnmal für Zivilcourage werde beim nächsten Runden Tisch gegen Gewalt im Oktober diskutiert, an dem auch der Verein beteiligt ist.

Es wird nur geredet, das macht mich wütend„, sagt der 68-Jährige. Und die Gewalt gehe weiter. Sein Nachbar, ein 88-Jähriger, sei vor wenigen Wochen in Bensheim zusammengeschlagen worden und an seinen Verletzungen gestorben. „Es muss was passieren„, findet Salome Saremi. Das sehen viele Menschen in der Stadt ähnlich. „Uns sprechen immer wieder Bürger an, die Gewalt erlebt haben, sich aber nicht trauen, zur Polizei zu gehen„, erzählt Salome Saremi.
Auch Opfern fehle oft der Mut, daher müsse sich das Klima in der Gesellschaft ändern.<

Ein Gedanke zu „Verantwortlich für den Tod von Fabian Salar Saremi: Bensheimer Schläger zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt“

  1. … die Angehörigen und Freunde des Opfers mussten den Täter selbst ermitteln? Das spricht nicht eben für die intellektuellen Leistungen unserer lieben Freunde in Uniform  :-))

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.