Allianz-Konzern den Krieg erklärt: Bioenergiedorf Rai-Breitenbach kämpft ums Überleben und für Schadensregulierung

Administrator, 29 März 2010, 9 comments
Categories: Bioenergiedorf

Bioenergiedorf Rai-Breitenbach

… diese Regulierung, notwendig geworden nach einem Brand, verweigert der Versicherungsriese laut Pressemitteilung der Genossenschaft. Der „Krieg“ soll allerdings ein ganz gewaltloser sein.

UPDATE: Wenn das nur kein Aprilscherz ist. Aus einem Kommentar auf unserer Seite geht hervor, dass Allianz nun einlenkte:
Es geschehen noch Zeichen und Wunder !!
Die Allianzversicherung hat inzwischen ihre eindeutige Bereitschaft signalisiert, den Brandschaden am Heizwerk der Bioenergiedorf eG zügig zu regulieren und vorläufige Abschlagszahlungen zu leisten.

Damit wäre die Kampagne der Genossenschaft wohl erfolgreich gewesen.

Die inzwischen überholte Pressemitteilung zitieren wir dennoch im Wortlaut:

>Rai-Breitenbach. Mit einem Akt, der zumindest in der deutschen Geschichte bisher einmalig sein dürfte, wehrt sich ein 900-Seelen-Dorf in Südhessen gegen das aus seiner Sicht existenzvernichtende Verhalten eines Konzerns: Die Genossenschaft Bioenergiedorf eG Rai-Breitenbach hat am heutigen Sonntag (28.) der Allianz Versicherungs-AG den „gewaltfreien und pazifistischen Krieg“ erklärt. Mit gewaltfreien Mitteln wollen die Betreiber eines Blockheizkraftwerkes mitsamt Nahwärmenetz erreichen, dass ihre Versicherung sich nach einem Brand im Kraftwerk der eG nicht länger Gesprächen um eine möglichst baldige Schadensregulierung verweigert.

Dabei berufen sich die 172 Genossen unter anderem auf die UN-Charta von 1945, den UN-Global-Compact-Prozess von Kofi Annan (1999) und das 2009 im UN-Haupotquartier erstmalig veröffentlichte Manifest „Globales Wirtschaftsethos“, initiiert unter anderem von Hans Küng.

Zu dem ungewöhnlichen Schritt veranlasst sieht sich die genossenschaftlich organisierte, aber betriebswirtschaftlich orientierte Unternehmung wegen der hohen Zusatz- und Folgekosten, die seit dem Brand vor mehr als 160 Tagen entstanden sind und weiter entstehen. Wie die Genossen bei einer Pressekonferenz am Sonntag verdeutlichten, sehen sie ein Überleben und Fortbestehen ihres Unternehmens wegen dieser Kosten akut und langfristig gefährdet.
„Seit mehr als 160 Tagen versuchen wir, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Geschäftsbetrieb und die Wärmeversorgung aufrecht zu erhalten. Durch den Notbetrieb entstehen hohe Zusatzkosten, welche die Wärmekunden über einen erhöhten Wärmepreis versuchen abzufangen“, erläuterte Vorstandsmitglied Dr. Dieter Becker. Zwar sei die eG über die Allianz für diese Schäden inklusive Nutzungsausfall für Brandfolgekosten abgesichert, doch würden Anfragen deutlich ablehnend beschieden. Der Versicherer verweigere jegliche Form der Kommunikation „über die Sicherung unserer Zukunft“.

Die Genossenschaft Bioenergiedorf Rai-Breitenbach versorgt im gleichnamigen Breuberger Stadtteil 132 Häuser und damit etwa 75 Prozent der Haushalte im Ort mit Wärmeenergie. Mit ihrem Akt der pazifistischen und gewaltfreien Kriegserklärung wollen die Odenwälder auch auf die aktuell verstärkt diskutierte Ohnmacht von Menschen gegenüber sogenannten systemrelevanten Organisationen hinweisen: „So lange Juristen mit Juristen, Manager mit Managern und Politiker mit Politikern reden, so lange man sich hinter scheinbar anonymen Systemen, Funktionen und Organisationshandbüchern versteckt, so lange wird die Krise wieder oder weiter wachsen. Menschen müssen mit Menschen reden, Vertrauen und Gesprächsbereitschaft sind die beiden wichtigsten Güter, die wir besitzen. Es geht um nichts anderes als die Frage, ob etwas menschengerecht und zukunftsorientiert ist“, erklärt Becker.< Quelle: bioenergiedorf-odenwald.de

Comments

9 Responses, Leave a Reply
  1. Express
    30 März 2010, 5:19

    Der Allianz-Konzern setzt offenbar alles daran, um seinem Ruf gerecht zu werden, der aber in keinerlei Hinsicht mit den markigen Werbesprüchen in Einklang zu bringen ist. Wenn Sie Allianz-Kunde sind, sollten Sie sich fragen, ob Sie nicht lieber Ihre Beitragsgelder, anstatt an die Allianz zu überweisen, gleich zum Fenster rauswerfen sollten.Der Effekt ist möglicher Weise der gleiche. In beiden Fällen haben Sie keine Schadensabsicherung zu erwarten.
    Ich fordere hiermit alle regionalen politischen und wirtschaftlichen
    Kräfte auf, die Sache der Bioenergiedorf eG Rai-Breitenbach in jeder möglichen Weise zu unterstützen.
    Die Mitglieder und Nahwärmekunden, es handelt sich hierbei immerhin um insgesamt ca. 700 Einwohner mit einem wirtschaftlichen Umsatzpotenzial von  jährlich mindestens
    4.000.000,- €, werden sich sicher erkenntlich zeigen.

  2. Steffen
    31 März 2010, 10:17

    Was eigentlich ist in den Thermen los??? Grosdidier Hausverbot? Nach nur etwas mehr als einem Monat Chefsessel???

  3. Schnell
    31 März 2010, 10:24

    Lieber Express,
    grundsätzlich unterstütze und helfe ich Menschen, um Ihnen Schutz vor Personen oder Organisationen mit allzu großer Machtfülle zu gewähren, weil Machtmenschen für sich gerne die Berechtigung in Anspruch nehmen,  Menschen einzuschüchtern, zu unterdrücken, auszugrenzen, zu bedrohen,  zu entwürdigen oder schlimmstenfalls in ihrer Existenz zu gefährden. Hilfe geben, wenn Hilfe benötigt wird, bedarf aber keiner Gegenhilfe, dafür muß man sich auch nicht erkenntlich zeigen. Die neueste Erkenntnislage über die existenzbedrohende Notsituation der eG, die am Sonntag ja sehr werbewirksam publik gemacht wurde, hat mich als politisch Aktive  verwundert, betroffen und auch nachdenklich gemacht. 
    Warum wurde seitens der politisch Verantwortlichen diese existenzbedrohende Situation, die sich für die eG und die Menschen jetzt so drastisch zuspitzt,  solange verharmlost und nicht schon früher abgefangen?  Im Nachgang betrachtet, fehlt mir für dieses infantile, politische Deckmäntelchen, das nur dem Selbstzweck diente, schon das fehlende Verständnis. In der eG  "brennt" es wieder, im wahrsten Sinne des Wortes und angesagt ist jetzt, brandschnell der eG Beistand zu leisten. Der Allianz-Konzern zeigt und demonstriert, nicht mehr oder minder, so wie es viele gerne tun, seine Macht. Er taktiert, schiebt, verzögert, blockiert die Erledigung der Schadensregulierung und zeigt sich weder kooperativ noch hilfsbereit in der Notsituation. Also, genau die gleichen Spielchen, wie sie uns leider auch im politischen Alltag begegnen und betrieben werden., Lieber Express, diesen zusätzlichen Hilferuf habe ich heute Morgen hier vernommen. Ich habe diesen Aufruf als angenehm und und moderat empfunden, dies liegt mir mehr, als wenn man leicht selbstherrlich auf den Putz  haut. Aber wichtiger erscheint mir bei meiner Kritik und Nachdenklichkeit, was letztendlich einer Sache in einer Notsituation noch dienen  kann. Die Pflege und Einforderungvon Primär- Tugenden sind wichtig, aber auch wehrhaft sollte man mit wahrhaft in Korrelation setzen. Die nach meinem Dafürhalten etwas zu wahlkampfmäßig aufgezogene "Kriegserklärung" auf der HP der eG, führte bei mir persönlich erst zu Irritation statt zur Inspiration. Unmenschliche Organisationen werden angesprochen, wenn man diese Erfahrung gemacht hat, wird man zum Kämpfer, dieses Bedürfnis kenne ich auch. Für mich steht außer Frage, wenn sich eine Organisation z.B. auch politisch sehr proffesionell organisiert, alles steuert, alles zensiert und alles beeinflusst, sodass ich mich davor schützen muss, mich klar und deutlich von dieser Organisation und der Leitung zu distanzieren. Eine herrschende Organisation  pachtet für sich immer die Macht und die nicht linientreue und der Macht dienende Personen werden dann als nicht gesellschaftsrelevant in dem Sozialgefüge ins Abseits gestellt. Das ist für mich auch ein unmenschlicher Vorgang. Da ich in einem herrschenden Sozialgefüge nicht gesellschaftsrelevant bin, kann ich wahrscheinlich nicht die erwartete, nötige Hilfe gewähren. Aber ich kenne einige gesellschaftsrelevante Personen, denen leite ich sehr gerne den Hilferuf  weiter. In meinem und unserem Rahmen tun wir unser Bestmögliches, um für die Rawischer das Bestmögliche zu erreichen, damit es menschengerecht und zukunftsicher und zukunftorientiert wird. Da ich aus Erfahrung weiß, wie schon kleine Machtmenschen auf eine einfache Kritik reagieren und entsprechend zurückschlagen, erhoffe ich für die Rawischer eG, dass die Machtmenschen der Allianz  auf den Druck ihrer "Kriegserklärung"  sehr positiv und pragmatisch handelnd reagieren werden und die erste, überfällige Abschlagzahlung vorab aus der Schadensregulierung schnellstmöglich fließt. Ich sichere erneut meine solidarische und loyale Unterstützung den Rawischer Genossen(-innen) der eG zu. Es darf und kann keine Hinhaltetaktik seitens der Allianz geduldet werden, das wäre fatal für die eG.

  4. Express
    31 März 2010, 4:05

    Liebe Schnell,
    ich danke Dir ausdrücklich für Dein mitfühlendes Hilfsangebot und hoffe sehr, dass davon etwas auf diejenigen abfärben möge, die bislang nur schweigend zugeschaut haben.
    Hätten wir im Odenwaldkreis mehr als nur eine Tageszeitung und hätten wir in Hessen einen TV-Sender, der in der Lage wäre, die Brisanz des Geschehens zu erfassen und dann auch noch den Mut hätte darüber zu berichten, dann hätte man wahrscheinlich nicht zu dem drastischen Begriff "Kriegserklärung" greifen müssen.
    Leider haben wir im Odenwaldkreis nur eine Tageszeitung und einen Hessischen Rundfunk, der an Begriffsstutzigkeit und/oder
    Allianz-Schwerhörigkeit leidet. 

  5. Express
    01 April 2010, 10:16

    Es geschehen noch Zeichen und Wunder !!
    Die Allianzversicherung hat inzwischen ihre eindeutige Bereitschaft signalisiert, den Brandschaden am Heizwerk der Bioenergiedorf eG zügig zu regulieren und vorläufige Abschlagszahlungen zu leisten.
    In diesem Sinne, wünsche ich allen ein frohes Osterfest.

  6. müller
    01 April 2010, 12:40

    Liebe (r) Herr/Frau Schnell,
    bitte melden Sie sich, es gibt eine ähnliche Sache, die von den "Etablierten" allen Coleurs bekämpft wird und dringend Mitstreiter benötigt.

    mfg
    Müller

  7. Schnell
    01 April 2010, 3:55

    Geschafft, freue mich, gleichfalls schöne Ostern!

  8. Werner Lode-Holzbau
    02 April 2010, 8:02

    Bezug Allianz-Bio-Energiedorf-Rai-Breitenbach
    Ich bin einer,  der auch betroffenen Handwerker, die den Brandschaden mitsaniert haben und seit Nov. 2009 auf  Zahlung der offenen Rechnungen warten. Ich habe erst 1/3 der offenen 34.000,– Euro im März !!! 2010 erhalten. Das sollte auch mal öffentlich zu Kenntnis genommen werden.  Ich hatte die größten Probleme durch meine Lieferanten bekommen, da ich sie auch nicht bezahlen konnte. Ich danke für jegliche Unterstützung gegen diese Allianz-Versichung !!!!!!

  9. Hannibal
    05 April 2010, 4:20

    Sehr geehrter Herr Lode,
    die Mitglieder der Bioenergiedorf-Genossenschaft sind Ihnen für Ihr Entgegenkommen zu Dank verpflichtet. Es ist zu hoffen, dass die finanziellen Einschränkungen, die Sie bisher hingenommen haben, jetzt nach dem Einlenken der Allianz sehr bald beseitigt werden können.
    Anmerken möchte ich jedoch, dass nach meinem Verständnis
    nicht nur das unmögliche Verhalten der Allianz für diese Misere
    ausschlaggebend war, sondern die alte Geschäftsführung auch in diesem Zusammenhang eine außergewöhnliche Unfähigkeit an den Tag gelegt hat. Man erinnere sich, zunächst musste der alte Vorstand im Februar 2010 abgesetzt werden. Erst dann war es möglich, das Ausmaß der Misere festzustellen und entsprechend zu handeln. Der neue Vorstand hatte nach seiner Wahl, bzw. seiner Konstituierung bisher nicht einmal 6 Wochen Zeit, um Altlasten zu beseitigen. Dennoch sind bereits deutliche Fortschritte, vor allem auch im Umgang mit der Allianz erkennbar
    (nachzulesen auf der Homepage der Bioenergiedorf Breuberg – Rai-Breitenbach eG).

Leave a Reply:

Name *

Mail (hidden) *

Website