Ein Ende in Schande: Gerold Becker – Pädagoge und Päderast – im Alter von 73 Jahren gestorben

Administrator, 09 Juli 2010, 1 comment
Categories: Odenwaldschule

Gerold Becker - Archivfoto der Odenwaldschule

Unvorstellbar, dass ein Vater seine Tochter jahrzehntelang in einem unterirdischen Verlies als Sexsklavin gefangen hält. Im niederösterreichischen Amstetten ist genau das geschehen. Immerhin: Josef Fritzl verbüßt für sein monströses Verbrechen eine lebenslange Haftstrafe.
Unvorstellbar auch, dass ein hochgeachteter Pädagoge als Rektor eines renommierten Internats ein jahrelang funktionierendes System des sexuellen Missbrauchs installiert – und (scheinbar) keiner merkt es (bis auf Opfer und Mittäter).
Im Odenwald ist genau das geschehen. Gerold Becker, zwischen 1974 und 1985 Leiter der Odenwaldschule im südhessischen Oberhambach, wurde für seine Untaten nie bestraft.
Mein ist die Rache„, spricht der Herr – wenn es ihn denn gäbe und wenn er sich um Recht oder Unrecht wirklich scherte.
Becker ist einem Lungenemphysem erlegen. Kein angenehmer Tod, aber andere, die weniger Schuld auf sich geladen haben, sterben oft noch elender.
Ich sterbe mich aus der Verantwortung„, so sehen das offenbar einige Opfer von Becker.
In einem mit Spiegel-Online schon im April geführten Gespräch schilderte die heutige Leiterin der Odenwaldschule, Magarita Kaufmann, wie es ihrem Vorvorgänger gelungen war, Zeugen des Missbrauchs kaltzustellen:

>Es gab ein Mädchen, das über den Missbrauch von Schulkameradinnen berichtet hat, ihr wurde nicht geglaubt. Sie musste stattdessen von der Schule gehen, weil Becker alles daran gesetzt hat, dass der Spieß umgedreht wird. Das Mädchen wusste zu viel über ihn. Das Mädchen hatte seinen einflussreichen Vater informiert und dieser hatte sich mit Becker in Verbindung gesetzt. Daraufhin erhielt der Vater einen Brief, in dem das Mädchen des Drogenkonsums beschuldigt wurde, sie musste die Schule ohne Abschluss verlassen. Als Schulleiter konnte Herr Becker sicher Maßnahmen ergreifen, um sich selbst vor zu vielen Mitwissern zu schützen. […]
Ein Junge, der sich Becker dauerhaft entzogen hat, wurde geschnitten, von schulischen Aktivitäten ausgeschlossen, bis er schließlich ohne Abschluss von der Schule gehen musste. Das ist nur schwer zu ertragen: ein Kind wird missbraucht, und am Ende wird ihm noch die Schuld dafür gegeben, dass es sein Leben nicht mehr in den Griff bekommt. Das ist unglaublich.<

Interessant ist, was die Frankfurter Rundschau gestern in einem ‚Nachruf‘ über den „Mann mit den zwei Leben“ schrieb:

>Der Theologe und Pädagoge Gerold Becker war ein Mann, der zwei Leben lebte. In dem einen war er ein gefeierter Lehrer und Wissenschaftler. Einer, der die hehren Ziele der Reformpädagogik wie kaum ein anderer verkörperte, der seinen Schülern Freund und Ratgeber war, der „menschliche Nähe“ postulierte, weil nur so aus jungen Leuten starke Erwachsene werden könnten. In diesem Leben brillierte der eloquente Charismatiker unter anderem als Berater des Hessischen Kultusministeriums, als Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime, als Autor und Elite-Pädagoge auf unzähligen Podien – und lange Jahre als Leiter der Unesco-Modellanstalt Odenwaldschule. […]
Als im März bekanntwurde, dass es an der Odenwaldschule ein „System Becker“ gab, mit etlichen Tätern und Dutzenden Missbrauchsopfern, ließ sich nichts mehr verheimlichen. Vom Krankenbett aus sah Becker zu, wie sein öffentliches Leben zu Staub zerfiel – und nur noch das des Sexualtäters blieb.

Seiner Schule, seinen Weggefährten, ja der Reformpädagogik überhaupt hat er damit den denkbar schlechtesten Dienst erwiesen. Eine ganze Erziehungswissenschaft mit ihren vorbildlichen Ideen geriet durch ihn unter Generalverdacht.

Zu den unglaublichen Wendungen dieses Skandals gehört auch, dass Becker ausgerechnet jetzt starb, pünktlich zur 100-Jahr-Feier der Schule. So war Becker am Freitag noch einmal das Gesprächsthema – aber anders, als er es sich zu Lebzeiten gewünscht hätte.< [Links und Hervorhebungen von uns]

Comments

One Response, Leave a Reply
  1. schreyer
    21 Juli 2010, 11:03

    "…Eine ganze Erziehungswissenschaft mit ihren vorbildlichen Ideen geriet durch ihn unter Generalverdacht…."

    Jährlich 150.000 Missbrauchsfälle in deutschen Familien – warum geriet/gerät die deutsche vorbildliche Familie nicht unter Generalverdacht?

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