Späte Gerechtigkeit: Kriegsverbrecher Ratko Mladic wird nach Den Haag ausgeliefert

Man kann sich heute kaum vorstellen, wie gleichgültig die deutsche Öffentlichkeit in den 90er Jahren das Morden in Bosnien hinnahm.
Sarajewo, 1984 noch Austragungsort der Olympischen Winterspiele, wurde fast 4 Jahre lang von den Truppen der damaligen bosnisch-serbischen Armee belagert.
Über die Opfer heißt es in der Wikipedia:

Der Belagerung und den Kämpfen fielen nach Angaben der Regierung Bosnien-Herzegowinas 10.615 Menschen aller Volksgruppen zum Opfer, unter ihnen 1.601 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen verletzt, teilweise schwer.

Die radikale Linke, sonst mit lautem Protest sofort zur Stelle, wenn nur amerikanische oder israelische Soldaten schossen, blieb gleichgültig und stumm.
Im Juli 1995 kulminierte der mörderische Wahnsinn im früheren Jugoslawien.
Srebrenica, seit 1993 eigentlich eine UN-Schutzzone, wurde von serbischen Truppen eingenommen. Anschließend wurden etwa 8000 Einwohner massakriert, in der Mehrzahl Jungen und Männer zwischen 12 und 77 Jahren. Es war das schweste Kriegsverbrechen in Europa seit dem 2. Weltkrieg.

Damals, im Juli 1995, schrieb ich:

>Es ist gut, daß ein internationales Gericht die Mörder, Karadzic und Konsorten, endlich als die Verantwortlichen von Mord, Folter, Vergewaltigung und Vertreibung anklagt. Vielleicht hindert es die neuen „Vermittler“ diesen Bluthunden weiterhin in Worten den roten Teppich auszurollen. Freundliches Einverständnis und Händeschütteln mit ausgeschriebenen Schwerstverbrechern sollte sich zumindest vor Fernsehkameras nicht mehr schicken. Ein frommer Traum mag es sein, daß solches Händeschütteln eines Tages dadurch unmöglich wird, weil Karadzic, Mladic und Milosevic sich hinter Gitterstäben eines Gefängnisses in Den Haag wiederfinden.<

Was 1995 nicht vorstellbar war, ist nun geschehen. Mit dem jetzt gefassten Ratko Mladic wird der Letzte aus diesem kriegsverbrecherischen Trio Infernale dort landen, wo er schon seit 16 Jahre hingehörte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.