Von Michelstadt auf den Berliner Strich (2): Der lange Weg von Anja Schatz in den Drogentod


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>Es hat ein Jahr gedauert, bis Birgit Schatz, 51, mit einem Fremden sprechen konnte über den langen Weg ihrer Tochter in den Tod. Jetzt sitzt sie in ihrer Wohnung in einer badischen Stadt. „Es war furchtbar, sie nicht aufhalten zu können“, sagt die Mutter. Sie presst ihre Hände gegeneinander, regungslos, leer, wie steinern wirkt ihr Gesicht. Sie hat keine Tränen mehr.
„Man kann so etwas nicht aushalten. Man versucht, irgendwie weiterzuleben“, sagt Birgit Schatz.
Anja war am 29. April 1998, einem Mittwoch, ausgerissen. Sie war das jüngste von vier Kindern, die drei älteren Geschwister waren aus dem Haus. Die Familie stammte aus Halle an der Saale, nach mehreren Ortswechseln lebte Anja damals mit ihrer Mutter in Michelstadt im Odenwald. „Mama, morgen muss ich gehen“, hatte sie tags zuvor angekündigt, als sie aus der Realschule nach Hause kam. Ernst genommen hat Birgit Schatz diese Worte nicht: „Wir haben uns immer gut verstanden. Streit gab es nur darum, wann Anja am Abend zu Hause sein sollte.“
Als Anja verschwunden war, erstattete ihre Mutter Vermisstenanzeige. Bald spürten Polizisten die Tochter in Berlin auf, sie wurde zu ihrer Mutter zurückgebracht. So ging es mehr als 30-mal. Dann riet ihr das Jugendamt, hinzunehmen, dass Anja in Berlin leben wolle. Auch mit Hilfe der Polizei werde sie es nicht verhindern können.
Anja wurde ein Straßenkind, eines von Hunderten, die aus Elternhäusern oder Kinderheimen nach Berlin flüchten – in die Hauptstadt der Straßenkinder. Da war sie 13 Jahre alt.< Quelle: Der SPIEGEL, Heft 2/2005, Seite 70ff

2 Gedanken zu „Von Michelstadt auf den Berliner Strich (2): Der lange Weg von Anja Schatz in den Drogentod“

  1. ich habe anja sehr gut gekannt, wir waren lange sehr eng befreundet.
    kennengelernt habe ich sie 1998 am bahnhof zoo, aber da war sie noch nicht auf heroin.
    ich habe den ausstieg aus der szene geschafft durch die geburt meiner tochter.
    2002 habe ich sie das letzte mal in ihrer wohnung gesehen, ich wollte sie überreden es mir gleich zu tun, sie hatte ja sonst immer auf mich gehört, diesmal leider nicht, weil sie zu tief drin war es es mir nie verziehen hat das ich plötzlich von der bildfläche verschwunden war und ein neues leben angefangen hab mit meiner kleinen. aber nur das hat mich gerettet!
    dann brach der kontakt ab, dann erfuhr ich von ihrem tod, was mich sehr schmerzte.
    sie war ein fröhlicher, lieber und ehrlicher mensch.
    es tut mir sehr leid für sie, dass sie es nicht geschafft hat, und auch für ihre mutter, die ich kurz bei "vera am mittag" bei den aufzeichnungen gesehen habe.

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