„Ein jeder Vater macht gern seinen Kindern einen Spaß“: Zur Geschichte des gräflich inspirierten Erbacher Wiesenmarktes

> Die Verbundenheit von Graf Franz I. zu seinen Mitbürgern bewog ihn vor über 200 Jahren zur Stiftung des Eulbacher Marktes. Auf der Eulbacher Höhe hatte der Regent seinen Sommer- und Jagdsitz, dort ging er seinen Studien nach. Die Abgeschiedenheit Eulbachs aber dürfte dem volksverbundenen Grafen nicht immer recht gewesen sein. Im Juni 1802 schrieb er an seinen Kanzleidirektor Dosch im Erbacher Schloss. In diesem Brief äußerte er den Wunsch, einen Markt in Eulbach ins Leben zu rufen. Der Kanzleidirektor las:
Ein jeder Vater macht gern seinen Kindern einen Spaß, so geht es mir mit Eulbach. Dieser sonst so berühmte Ort ist seit dem Dreißigjährigen Krieg ganz ohne alle kirchliche Unterstützung geblieben und dauert mich darum. Mit der Kirche selbst nun wird es noch eine Weile anstehen müssen, fangen wir aber einstweilen mit der Kirchweihe, und zwar auf Jacobi – weil im July weder zu Erbach noch zu Michelstadt Märkte sind – an. Auf diesen Tag möchte ich gerne einen Freymarkt, das ist ohne zu befehlendes Standgeld, hierher nebst allen zu Märkten gehörigen Lustbarkeiten und Anlagen bestimmen.“
Am 25. Juli 1802 also der erste Eulbacher Markt, für die Beschicker abgabefrei als Voraussetzung für preiswerte Waren und „unbeschwerten Genuss der Marktfreuden“ seitens der Besucher. Die Geburtsstätte war in etwa der heutige Englische Garten, dessen Anlegung ebenfalls in jenem Jahr begonnen haben soll…Marktgründer Graf Franz I. starb im März 1823, das Volksfest fiel angeblich deshalb aus, und aus Pietätsgründen wurde es im Jahr darauf „provisorisch“ nach Erbach verlegt, und zwar auf den Schießplatz (wo vermutlich bereits ab 1744 militärische Schießmanöver stattfanden) unter den Linden, einem Areal, das heute zum Festgelände gehört. Das „Provisorium“ der Verlegung ist also geblieben, fraglos eine gute Fügung…Im Jahre 1832 tauchte der Plan auf, den Eulbacher Markt auf den Schöllenberg zu verlegen, doch wurde aus der Sache nichts. Eine zweite Idee, den Markt früher, vielleicht auf Pfingsten, abzuhalten, ließ sich ebenfalls nicht verwirklichen“.
Zur 100. Wiederkehr der Marktverlegung von Eulbach nach Erbach gab es 1924 eine von Stadt und Grafenhaus veranstaltete Jubiläumsfeier. Weitere Höhepunkte waren die 150- sowie 175-Jahr-Feier 1952 und 1977 sowie selbstverständlich das 200-jährige Jubiläum 2002. Unterbrechungen brachten natürlich die beiden Weltkriege…“Ungerufen und ohne Zutun der Stadt“ – so formulierte es einst der städtische Amtmann Johann Stellwag – sei es zum ersten Wiesenmarkt nach dem Krieg gekommen. Dennoch tat die Stadt damals etwas, denn sie ließ von der Töpferei Dönig 3000 irdene Becher brennen, um das von der Brauerei Wörner gebraute Festbier ausschenken zu können.< Quelle: erbach.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.