In einem der spektakulärsten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte führte das Engagement von Justizkritikern zum Freispruch des jahrelang zu Unrecht inhaftierten Harry Wörz.
Wörz wurde sehr wahrscheinlich das Opfer einer Intrige der Polizei in Pforzheim, die so einen tatsächlichen Täter in den eigenen Reihen gedeckt haben könnte. (Wörz’ frühere Ehefrau, eine Polizistin, war fast zu Tode stranguliert worde und ist seither schwerst hirngeschädigt. Unter Verdacht war auch ihr Liebhaber, ebenfalls ein Polizist. Prinzipiell könnte auch ihr Vater, wiederum ein Polizist, der Täter gewesen sein, er hatte sie aufgefunden. In der Folge wirkten also Polizisten an den “Ermittlungen” mit, die selbst Täter gewesen sein konnten!
Das ZDF schildert dies so: > Eines Nachts wird der Vater von vermeintlichem Möbelrücken wach, stürmt in die Wohnung der Tochter und findet sie scheinbar leblos vor, gewürgt mit einem Schal. Der Vater, ebenfalls Polizist, verständigt die Kollegen.
Was dann am Tatort passiert, bleibt unklar. Klar ist nur, dass sich der Vater wie auch der neue Lebensgefährte der Tochter ungehindert dort bewegen können, bevor die Kripo eintrifft. Wurde Beweismaterial vernichtet, Spuren verwischt? <)
Skrupellose Rechtsbeuger in der Justiz machten das fragwürdige Spiel mit und brachten Wörz, der “nur” ein einfacher Bürger war und keine Beziehungen hatte, jahrelang hinter Gitter.
Auf der Website www.harrywoerz.de wurden die skandalösen Polizei- und Justizpraktiken schon seit mehreren Jahren minutiös dokumentiert und angeprangert.
Dem Protest gegen die kriminellen Praktiken innerhalb der Ermittlungsbehörden hatte sich neben vielen anderen auch der Pfarrer in Wörz’ Heimatgemeinde Gräfenhausen angeschlossen.
So schrieb die Stuttgarter Zeitung am 21. 10. 2004 über den “Fall Harry Wörz”:
>Doch sein Karlsruher Anwalt Hubert Gorka hat nie locker gelassen, auch wenn Wiederaufnahmeanträge meist aussichtslos sind. Sechser im Lotto kommen häufiger vor.
Als Knop zum ersten Mal für Wörz läuten ließ, bekam er ein wenig Ärger. Das war Ende 2001, als das Karlsruher OLG den Häftling überraschend aus dem Heimsheimer Gefängnis entließ und die erneute Prüfung der zunächst abgelehnten Wiederaufnahme anordnete. Nicht etwa mit den Kirchenoberen, dazu ist Knop bei seinem Engagement für sein Gräfenhausener Gemeindemitglied vorsichtig genug: “Wir sagen ja nicht, er war es nicht. Wir sind auf der Suche nach der Wahrheit.”
Nein, es war die Pforzheimer Polizei, die Knop an die “Geläut-Ordnung” erinnerte. Doch der Pfarrer, dessen kräftiger Schädel bereits einen gewissen Eigensinn signalisiert, gehorchte nicht, er beugte sich nicht der Obrigkeit, obwohl Römer 13 das verlangt, er drohte sogar, eine neue Glocke anzuschaffen, die dann jeden Sonntag für Harry Wörz läuten sollte. Auch das hatte mit der Suche nach der Wahrheit zu tun, die – so vermuten die meisten Gräfenhausener – irgendwo in Pforzheimer Polizeipräsidium verborgen liegt.<
Der jetzige Freispruch für Harry Wörz ist nur ein halber Sieg, auch wenn er weniger wahrscheinlich war wie ein Sechser im Lotto.
Wörz könnte für die 4 1/2 Jahre Haft eine “Entschädigung” in Höhe von 19 000 Euro erhalten.
Aber die Kriminellen in Polizei und Justiz, die für die menschliche Tragödie verantwortlich sind, kommen wieder davon – wie fast immer.
Nachfolgend der heutige Bericht aus spiegel.de:
>Mannheim – Der gelernte Installateur und Bauzeichner Harry Wörz war 1998 vom Landgericht Karlsruhe zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Seine Ehefrau, eine damals 26 Jahre alte Polizistin, war in der Nacht zum 29. April 1997 in ihrer Birkenfelder Wohnung mit einem Wollschal beinahe erdrosselt worden. Sie ist seit der Tat schwerst hirngeschädigt.
Das Mannheimer Landgericht erklärte jedoch heute, es sei nicht bewiesen, dass der Angeklagte die Tat begangen hat. Der Angeklagte, der seit November 2001 vorläufig auf freiem Fuß ist, kämpft seit Jahren um seine Rehabilitierung und soll eine Haftentschädigung erhalten. Das heutige Ergebnis des in Deutschland sehr seltenen Wiederaufnahmeverfahrens wird voraussichtlich noch vom Bundesgerichtshof überprüft. Die Staatsanwaltschaft und auch der Anwalt des Opfers haben angekündigt, Revision einzulegen.
Nachdem eine Zivilkammer des Karlsruher Landgerichts vor mehr als vier Jahren überraschend eine Schmerzensgeldklage des Opfers gegen den angeblichen Täter abgewiesen hatte, tauchten Zweifel an seiner Schuld auf. Das Oberlandesgericht Karlsruhe ließ ihn frei und ordnete im vergangenen Jahr die – zunächst vom Landgericht Mannheim verweigerte – Wiederaufnahme des Prozesses an.
Die seit dem 30. Mai laufende Verhandlung brachte keine abschließende Klarheit darüber, ob ein anderer Täter als Wörz in Betracht kommt. Das Gericht hatte den damaligen Liebhaber des Opfers, einen Pforzheimer Polizeikollegen, als Zeugen vernommen. Der anfangs ebenfalls unter Verdacht stehende 46-Jährige war unmittelbar vor der Tat in einem Gefühlszwiespalt, weil ihn seine Ehefrau ultimativ dazu aufgefordert hatte, die Beziehung zur Geliebten zu beenden. Allerdings versichert seine Frau, er sei in der Tatnacht zum 29. April 1997 zu Hause gewesen.< Quelle: spiegel.de
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"Denn hier ist nichts, was es scheint.". Albert Ettinger über Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald".
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June 29th, 2010 at 12:04
[...] erstmals über den Fall ‘Harry Wörz’ berichtet. Wir schrieben damals über diesen Justizskandal und das Engagement von Internet-Aktivisten, die ihn [...]