“Fachlich assistiert haben ihm dabei … Karl Eppel und Erich Lust”: Echo-Grünewald führt seltsames Gespräch mit Detlev Blitz (Sozialausschuss)

Administrator, 30 Oktober 2005, 3 comments
Categories: Hartz 4, Presse

Am letzten Freitag wurde im Odenwälder Echo ein Gespräch wiedergegeben, das dessen Chefredakteur Grünewald mit dem Vorsitzenden des Odenwälder Sozialausschusses, Detlev Blitz, geführt hatte.
Es ging um die fünfstündige Sondersitzung des Kreistagsausschusses für Soziales, Jugend und Sport zur Umsetzung von Hartz 4 im Odenwaldkreis, mit der offenbar der zunehmenden Kritik am örtlichen Sozialamt begegnet werden sollte.
Dem sollte offenbar auch das im ECHO umfangreich wiedergegebene Gespräch mit Detlev Blitz dienen.
>Was dabei besprochen wurde, hat das ECHO in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Detlev Blitz, zugleich Geschäftsführer der Behinderten-Förderungsgesellschaft Integra, auf den Punkt zu bringen versucht. Fachlich assistiert haben ihm dabei die leitenden Landratsamts-Mitarbeiter Karl Eppel und Erich Lust.<

Erstaunlich ist, das in diesem Gespräch weder Eppel noch Lust zu irgendeinem Zeitpunkt zu Wort kommen.
So entsteht der Eindruck, dass die beiden vor allem als Aufpasser fungierten, um Blitz von “problematischen” Antworten und Aussagen abzuhalten.
Man stelle sich vor, das Nachrichtenmagazin SPIEGEL führt ein Gespräch mit dem Vorsitzenden eines parlamentarischen (Kontroll-) Ausschusses, dem der zuständige Minister und zudem der Leiter des Kanzleramtes “fachlich assistiert”…

Das Gespräch wird (mit eigenen Hervorhebungen) hier vollständig zitiert, immerhin zeigt sich Grünewald dabei souveräner als sonst.

> ECHO: Herr Blitz, der Sozialausschuss hat sich des Themas Hartz IV ziemlich unvermittelt angenommen. Da drängt sich der Verdacht auf, die Beratung beruhe weniger auf dem Wunsch der Abgeordenten als auf dem Interesse von Landrat Horst Schnur, kürzlich publik gewordene Beschwerden von Hartz-IV-Klienten mit einer umfassenden Darlegung behördlichen Handelns zu entkräften. Wie ist es denn zur Sitzung gekommen?

Blitz: In der Tat haben die Anschuldigungen Betroffener gegen das Jobcenter des Odenwaldkreises eine Rolle gespielt. Doch ebenso wie bei Landrat Schnur haben sie auch bei Ausschussmitgliedern den Eindruck vermittelt, das Handlungsbedarf besteht. Die Sitzung ist dann in Absprache beider Seiten aufgelegt worden.

ECHO: Nun hatten der Landrat und sein Sozialamtsleiter Erich Lust Arbeit und Perspektiven des Jobcenters ja bereits im Vorfeld der Tagung umfassend öffentlich dargelegt und dabei dem Vorwurf widersprochen, die Langzeitarbeitslosen liefen beim Odenwälder Jobcenter ins Leere (Sonderseiten im ECHO vom 15. Oktober unter dem Aufmacher „Weit mehr Klienten als erwartet“). Was also hat die Anhörung überhaupt noch an neuen Erkenntnissen bringen können?

Blitz: Vermittelt bekommen hat der Sozialausschuss eine so noch nicht gegebene Gesamtsicht aller Anstrengungen, die im Odenwaldkreis zugunsten Langzeitarbeitsloser oder beruflicher Fehlstarter unternommen werden. Und wie mir Vertreter aller Fraktionen versichert haben, ist dabei das Bild von umfassenden und engagierten Bemühungen im Sinne der Betroffenen erhärtet worden.

ECHO: Worauf stützt sich diese Bewertung?

Blitz: Tief beeindruckt hat uns vor allem der Nachweis, dass die Kreisverwaltung zusammen mit öffentliche und gemeinnützigen Institutionen ein Netzwerk zur Widereingliederung Hilfebedürftiger in Arbeit und Gesellschaft geschaffen hat, das seinesgleichen sucht

ECHO: Was haben wir uns konkret darunter vorzustellen?

Blitz: Neben den 15 Städten und Gemeinden des Odenwaldkreises arbeiten mit dem Jobcenter beim Landratsamt vor allem sechs Organisationen zusammen: die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung BAW, die Odenwald-Regionalgesellschaft, der Kreisverband des Roten Kreuzes, die Integra, die Arbeiterwohlfahrt und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

ECHO: Und die bringen allesamt unmittelbar Menschen in Arbeit?

Blitz: Nein; seine Stärke bezieht das System daraus, das jede Stelle ihre typische Leistung erbringt, woraus in der Summe die verstärkte Wiedereingliederung von Frauen und Männern in den Arbeitsmarkt resultiert. Wie wir erfahren haben, kümmert sich die Arbeiterwohlfahrt zum Beispiel um die Linderung sozialer Arbeitshindernisse, wie sie vor allem für Frauen und insbesondere für allein erziehende Mütter bestehen, sowie um Auswege aus der Verschuldung. Junge Leute ohne Abschluss und Lehrstelle bekommen vom Bildungswerk der Wirtschaft eine Grundperspektive vermittelt.
Das Rote Kreuz hilft bei der Bekämpfung von Suchtkrankheiten, die oft der Grund dafür sind, dass jemand keiner Arbeit mehr nachgeht. Die Oreg verschafft potenziellen Existenzgründern das nötige Rüstzeug.
Die Integra ebnet Behinderten den Weg in ein selbstbestimmtes Leben, zu dem auch die Arbeit gehört. Und, und, und.

ECHO: Wenn aber jemand – wie wohl viele – einfach nur Arbeit braucht?.

Blitz: Dann steht ihm als Partner unseres Jobcenters die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Die nämlich hält nicht nur selbst eine beträchtliche Zahl von 1,50-Euro-Jobs bereit, sondern koordiniert auch die Vergabe dieser Zusatzbeschäftigungen, die für öffentliche Zwecke erbracht werden müssen und keine Stellen am ersten Arbeitsmarkt ersetzen dürfen.
Gerade diese Arbeitsgelegenheiten, die neben Institutionen wie das Rote Kreuz mit seinem Projekt Picobello und die Integra vor allem die Städte und Gemeinden vorhalten, gelten als Sprungbretter zurück in reguläre Arbeitsverhältnisse.

ECHO: Wie viele dieser Sprungbretter finden Odenwälder Langzeitarbeitslose denn vor?

Blitz: Vergeben kann die BAW rund 210 Zusatzjobs. Besetzt haben wir davon zurzeit 121. Für die nun einsetzende verstärkte Beratungs- und Vermittlungstätigkeit im Jobcenter ist also schon noch Kapazität vorhanden.

ECHO: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die nach Hartz IV zu fördern und zu fordern sind, liegt im Odenwaldkreis nach dem jüngsten Monatsbericht aber bei immerhin 2920 Frauen und Männern

Blitz: Von den Betroffenen lassen wir uns an der Zusage messen, dass keiner, der sich helfen lassen will, ohne konkrete Einstiegschance bleibt. Diese über Beschäftigung am zweiten Stellenmarkt zu vermitteln, werden wir in der Tat nur in einer Minderzahl der Fälle schaffen – auch wegen der mangelnden Eignung vieler Betroffener. Andererseits haben wir bereits 175 frühere Hartz-IV-Klienten für reguläre Stellen vermittelt und so unser Netz der öffentlichen Förderung entlastet. Genau da muss die Reise verstärkt hingegen. Allein nämlich wird selbst das beste Eingliederungs-System nicht in der Lage sein, allen Arbeitssuchenden eine Perspektive zu geben. Dazu bedarf es eines Anspringens der Wirtschaft, und zwar in einem Maße, das neue Jobs entstehen lässt.< Quelle: Odenwälder Echo, „Unser Netz ist gut, aber es kann nicht alles“, 28.10.2005

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Comments

3 Responses, Leave a Reply
  1. Schulz
    04 November 2005, 5:04

    Das Herr Blitz nicht alleine gegenüber der Presse sprechen darf, wird schon seien Gründe haben. Schließlich soll die Öffentlichkeit (wie schon seit Jahren) nur das erfahren, was sie erfahren soll. Statt “fachlich assistiert” hätte man m.e. ebenfalls “überwacht, welche Angeben gemacht werden” schreiben können.

    Besonders interessant ist übrigens die Antwort von Herrn Blitz auf die Frage “Wenn aber jemand nur Arbeit braucht?”
    Im folgenden erfolgt kein Wort über Arbeitsvermittlung, Beratung, Erstattung von Bewerbungskosten gemäß der Gesetzgebung, Fahrtkostenzuschuss zu Bewerbungsgesprächen laut Gesetzgebung (Es dürfte ja wohl klar sein, dass die Tausenden von Arbeitslosen auch auf Jahre gesehen im Odenwald keine Arbeit finden können welche ein Auskommen für sie und ihre Familien verspricht und man somit klug beraten ist sich auch im weiteren Umkreis wie z.B. Darmstadt oder Frankfurt zu bewerben)
    Im weiteren Text ist auf einmal wieder von Vermittlung die Rede. Allerdings nur wenn es um 1.50 € Jobs geht. Man muss sich das mal vorstellen! Es finde beim Sozialamt lediglich Vermittlungen in 1.50 € Jobs statt und keine Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt. Und für diesen Behördenapparat zahlt der Steuerzahler auch noch viel Geld (Geld, das später in der Statistik als “Sozialausgaben” und “Ausgaben für den Arbeitsmarkt” deklariert wird.
    Es ist peinlich wie diese 1.50 € Jobs auch noch als Sprungbrett in den regulären Arbeitsmark deklariert werden. Wie soll das denn funktionieren? Beispiel Gebrauchtmöbelmarkt. Während man da als als 1.50 € Zwangsverpflichtet ist hat man da natürlich “Arbeit”. Aber was interessiert das den regulären Arbeitsmarkt? Welches Unternehmen stellt denn Leute ein die für so einen Gebrauchtmöbelmarkt “gemeinnützig” gearbeitet hat? Möbelgeschäfte entlassen höchstens noch mehr Mitarbeiter weil ihre Kundschaft neuerdings Möbel bei einer gemeinützigen Institution einkaufen.
    Anschließend verrät sich Blitz abermals im Interview. Er spricht von nun verstärkt stattindenden Beratungs- und Vermittlungstätigkeiten des Jobcenters. Bezieht sich hierbei allerdins nur auf die BAW mit ihren 1.50 € Jobs. Es wird nicht mal mehr der Versuch gemacht daherzuheucheln, dass es auch eine Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt beim Sozialamt gibt. Respekt! Dem 1.50 € gebührt die Ehre als alleiniges Allheilmittel für die Probleme im Odenwald herzuhalten.
    Zuletzt im Bericht wird dann nach vehementer Nachfrage des Echos doch darauf eingegangen, das eine Vermittlung in den regulären Arbeitsmarkt stattfindet. Ganze 175 frühere Hartz-Klienten seien in reguläre Stellen vermittelt worden. Ob diese Zahl glaubwürdig ist lässt sich leider nicht verifizieren. Sie könnte genauso glaubwürdig sein wie die Aussage das Landrats, das es keien einzige Klage gäbe. Es ist eher zu vermuten, dass die Zahl 175 diejenigen darstellt, welche aus irgendwelchen Gründen aus dem Hartz-Bezug ausgeschieden sind. Also durch antreten einer selbst gefundenen Arbeitsstelle, Umzug, Todesfall usw. Aber wenn man die Zahl 175 für die 9 Monate seit bestehen der Hartz-Gesetzgebung in Relation zu den 2920 Empfänger von Alg II setzt, dann dauert es genau 150,17 Monate ( das sind 12,5 Jahre) bis der letzte aktuell Hartz IV beziehende “vermittelt” wurde. Nicht dazu gerechnet, dass immer mehr Menschen in Hartz IV fallen und es ebenso fragwürdig ist, dass die Zahl der Hartz IV Empfänger 2920 im Odenwald beträgt. Von der Antragstellung bis zur Auszahlung vergehen ja oft Monate und das gleiche Spiel erfolgt dann alle 6 Monate beim sogen. “Folgeantrag”
    Und was hat das Interview mit den tatsächlich zunehmend stattfindenden Kritiken gegenüber dem Sozialamts zu tun? Gar nichts! Es ist nur eine Ablenkung. Eine Ablenkung von den Beschwerden der moatelangen Bearbeitungszeit, falschen Bescheidung, fehlenden Beratung über seien Rechte, fehlende Ansprechmöglichkeiten seiner Sachbearbeiter, Öffentlichkeitstäuschung das es keine einzige Klage gegen das Amt gäbe, usw.

  2. nun auch links
    11 August 2009, 1:15

    Es ist inzwischen etwas Zeit ins Land gegangen:
    Wenn man sich heute das Interview durchliest und sich den Kommentar vo Schulz anschaut kann man nur noch weinen.

    UND DIESER DETLEV BLITZ KANDIDIERT NUN FÜR DEN BUNDESTAG?

    Pfui! Pfui! Pfui!

    War doch alles nur dämliches Geschwätz gewesen im Oktober 2005, was da von Blitz geäußert wurde. Das einzige was Blitz gelungen ist: durch Förderung durch das Netzwerk der korruptierten Gemeinnützigen Organisationen im Odenwald kann er jetzt mit einem fetten Wahlkampfauto durch die Gegend touren!
    HARTZ IV IM ODENWALD IST UND BLEIBT ZWANGSARBEIT UNTER GLEICHZEITIGER VERNICHTUNG REALER ARBEITSPLÄTZE, VERTREIBUNG, POITISCHE VERFOLGUNG UND SYSTEMATISIERTE ENTRECHTUNG HERR BLITZ!

    IM JAHR 2008 HAT DER ODENWALDKREIS 800 EINWOHNER VERLOREN! IM JAHR 2007 WAREN ES "NUR" 400 EINWOHNER!

  3. teddy
    12 August 2009, 7:17

    @nun auch linx…nicht nur im Odenwald: Peter-Hartz-IV meint gesetzlich festgeschriebene "Zwangsarbeit": http://www.forced-labour.deGru&szlig; Teddy

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