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Oktober 30, 2005

“Fachlich assistiert haben ihm dabei … Karl Eppel und Erich Lust”: Echo-Grünewald führt seltsames Gespräch mit Detlev Blitz (Sozialausschuss)

von @ 1:49. Kategorien: Hartz 4, Presse

Am letzten Freitag wurde im Odenwälder Echo ein Gespräch wiedergegeben, das dessen Chefredakteur Grünewald mit dem Vorsitzenden des Odenwälder Sozialausschusses, Detlev Blitz, geführt hatte.
Es ging um die fünfstündige Sondersitzung des Kreistagsausschusses für Soziales, Jugend und Sport zur Umsetzung von Hartz 4 im Odenwaldkreis, mit der offenbar der zunehmenden Kritik am örtlichen Sozialamt begegnet werden sollte.
Dem sollte offenbar auch das im ECHO umfangreich wiedergegebene Gespräch mit Detlev Blitz dienen.
>Was dabei besprochen wurde, hat das ECHO in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden Detlev Blitz, zugleich Geschäftsführer der Behinderten-Förderungsgesellschaft Integra, auf den Punkt zu bringen versucht. Fachlich assistiert haben ihm dabei die leitenden Landratsamts-Mitarbeiter Karl Eppel und Erich Lust.<

Erstaunlich ist, das in diesem Gespräch weder Eppel noch Lust zu irgendeinem Zeitpunkt zu Wort kommen.
So entsteht der Eindruck, dass die beiden vor allem als Aufpasser fungierten, um Blitz von “problematischen” Antworten und Aussagen abzuhalten.
Man stelle sich vor, das Nachrichtenmagazin SPIEGEL führt ein Gespräch mit dem Vorsitzenden eines parlamentarischen (Kontroll-) Ausschusses, dem der zuständige Minister und zudem der Leiter des Kanzleramtes “fachlich assistiert”…

Das Gespräch wird (mit eigenen Hervorhebungen) hier vollständig zitiert, immerhin zeigt sich Grünewald dabei souveräner als sonst.

> ECHO: Herr Blitz, der Sozialausschuss hat sich des Themas Hartz IV ziemlich unvermittelt angenommen. Da drängt sich der Verdacht auf, die Beratung beruhe weniger auf dem Wunsch der Abgeordenten als auf dem Interesse von Landrat Horst Schnur, kürzlich publik gewordene Beschwerden von Hartz-IV-Klienten mit einer umfassenden Darlegung behördlichen Handelns zu entkräften. Wie ist es denn zur Sitzung gekommen?

Blitz: In der Tat haben die Anschuldigungen Betroffener gegen das Jobcenter des Odenwaldkreises eine Rolle gespielt. Doch ebenso wie bei Landrat Schnur haben sie auch bei Ausschussmitgliedern den Eindruck vermittelt, das Handlungsbedarf besteht. Die Sitzung ist dann in Absprache beider Seiten aufgelegt worden.

ECHO: Nun hatten der Landrat und sein Sozialamtsleiter Erich Lust Arbeit und Perspektiven des Jobcenters ja bereits im Vorfeld der Tagung umfassend öffentlich dargelegt und dabei dem Vorwurf widersprochen, die Langzeitarbeitslosen liefen beim Odenwälder Jobcenter ins Leere (Sonderseiten im ECHO vom 15. Oktober unter dem Aufmacher „Weit mehr Klienten als erwartet“). Was also hat die Anhörung überhaupt noch an neuen Erkenntnissen bringen können?

Blitz: Vermittelt bekommen hat der Sozialausschuss eine so noch nicht gegebene Gesamtsicht aller Anstrengungen, die im Odenwaldkreis zugunsten Langzeitarbeitsloser oder beruflicher Fehlstarter unternommen werden. Und wie mir Vertreter aller Fraktionen versichert haben, ist dabei das Bild von umfassenden und engagierten Bemühungen im Sinne der Betroffenen erhärtet worden.

ECHO: Worauf stützt sich diese Bewertung?

Blitz: Tief beeindruckt hat uns vor allem der Nachweis, dass die Kreisverwaltung zusammen mit öffentliche und gemeinnützigen Institutionen ein Netzwerk zur Widereingliederung Hilfebedürftiger in Arbeit und Gesellschaft geschaffen hat, das seinesgleichen sucht

ECHO: Was haben wir uns konkret darunter vorzustellen?

Blitz: Neben den 15 Städten und Gemeinden des Odenwaldkreises arbeiten mit dem Jobcenter beim Landratsamt vor allem sechs Organisationen zusammen: die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung BAW, die Odenwald-Regionalgesellschaft, der Kreisverband des Roten Kreuzes, die Integra, die Arbeiterwohlfahrt und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

ECHO: Und die bringen allesamt unmittelbar Menschen in Arbeit?

Blitz: Nein; seine Stärke bezieht das System daraus, das jede Stelle ihre typische Leistung erbringt, woraus in der Summe die verstärkte Wiedereingliederung von Frauen und Männern in den Arbeitsmarkt resultiert. Wie wir erfahren haben, kümmert sich die Arbeiterwohlfahrt zum Beispiel um die Linderung sozialer Arbeitshindernisse, wie sie vor allem für Frauen und insbesondere für allein erziehende Mütter bestehen, sowie um Auswege aus der Verschuldung. Junge Leute ohne Abschluss und Lehrstelle bekommen vom Bildungswerk der Wirtschaft eine Grundperspektive vermittelt.
Das Rote Kreuz hilft bei der Bekämpfung von Suchtkrankheiten, die oft der Grund dafür sind, dass jemand keiner Arbeit mehr nachgeht. Die Oreg verschafft potenziellen Existenzgründern das nötige Rüstzeug.
Die Integra ebnet Behinderten den Weg in ein selbstbestimmtes Leben, zu dem auch die Arbeit gehört. Und, und, und.

ECHO: Wenn aber jemand – wie wohl viele – einfach nur Arbeit braucht?.

Blitz: Dann steht ihm als Partner unseres Jobcenters die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Die nämlich hält nicht nur selbst eine beträchtliche Zahl von 1,50-Euro-Jobs bereit, sondern koordiniert auch die Vergabe dieser Zusatzbeschäftigungen, die für öffentliche Zwecke erbracht werden müssen und keine Stellen am ersten Arbeitsmarkt ersetzen dürfen.
Gerade diese Arbeitsgelegenheiten, die neben Institutionen wie das Rote Kreuz mit seinem Projekt Picobello und die Integra vor allem die Städte und Gemeinden vorhalten, gelten als Sprungbretter zurück in reguläre Arbeitsverhältnisse.

ECHO: Wie viele dieser Sprungbretter finden Odenwälder Langzeitarbeitslose denn vor?

Blitz: Vergeben kann die BAW rund 210 Zusatzjobs. Besetzt haben wir davon zurzeit 121. Für die nun einsetzende verstärkte Beratungs- und Vermittlungstätigkeit im Jobcenter ist also schon noch Kapazität vorhanden.

ECHO: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die nach Hartz IV zu fördern und zu fordern sind, liegt im Odenwaldkreis nach dem jüngsten Monatsbericht aber bei immerhin 2920 Frauen und Männern

Blitz: Von den Betroffenen lassen wir uns an der Zusage messen, dass keiner, der sich helfen lassen will, ohne konkrete Einstiegschance bleibt. Diese über Beschäftigung am zweiten Stellenmarkt zu vermitteln, werden wir in der Tat nur in einer Minderzahl der Fälle schaffen – auch wegen der mangelnden Eignung vieler Betroffener. Andererseits haben wir bereits 175 frühere Hartz-IV-Klienten für reguläre Stellen vermittelt und so unser Netz der öffentlichen Förderung entlastet. Genau da muss die Reise verstärkt hingegen. Allein nämlich wird selbst das beste Eingliederungs-System nicht in der Lage sein, allen Arbeitssuchenden eine Perspektive zu geben. Dazu bedarf es eines Anspringens der Wirtschaft, und zwar in einem Maße, das neue Jobs entstehen lässt.< Quelle: Odenwälder Echo, „Unser Netz ist gut, aber es kann nicht alles“, 28.10.2005

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