Die Beeindruckten: Detlev Blitz (Sozialausschuss): “Tief beeindruckt hat uns vor allem …” Landratsamt: “Mitglieder des Kreistags-Sozialausschusses zeigten sich beeindruckt …”

Administrator, 31 Oktober 2005, 1 comment
Categories: Hartz 4

Anfang Oktober traf sich in Reichelsheim der vom evangelischen Dekanat Reinheim initiierte „Runde Tisch Hartz IV“. Dabei wurde massive Kritik am Sozialamt des Odenwaldkreises und dessen Umgang mit Hartz-4 Betroffenen geübt. Ein Dekanatsmitarbeiter sprach sogar von einem “Skandal”.
Kritik von sozial Schwachen am Sozialamt eines seit Jahrzehnten sozialdemokratisch regierten Landkreises ist prekär.
Um diese Kritik zu kontern ließ man sich einiges einfallen. Zunächst belog Landrat Schnur die Öffentlichkeit, indem er via Presse wahrheitswidrig mitteilen ließ, es gebe “keine einzige Klage” gegen das Sozialamt.
Nun sollte eine Sondersitzung des Sozialausschusses der Kritik den Wind aus den Segeln nehmen.
Dieter Nolte erklärte die auch in Presseberichten artikulierten bitteren Beschwerden als “Stimmungsmache”.
Ansonsten wurde offenbar eine neue Sprachregelung für die von der Öffentlichkeit nicht ausreichend wahrgenommenen Leistungen des Landratsamtes vereinbart:
Diese Leistungen sollen nicht etwa kritikwürdig sein, sondern vielmehr “beeindruckend”.
Da gleicht sich sogar die Wortwahl:
Das Landratsamt schreibt: “Die Mitglieder des Kreistags-Sozialausschusses zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt der Angebote und der Zielstrebigkeit, die der Zusammenarbeit der Verwaltung mit den diversen Einrichtungen auf dem erweiterten sozialen Sektor zugrunde liegt.”

Detlev Blitz behauptet als Vorsitzender des Sozialausschusses für dessen Mitglieder gegenüber dem Odenwälder Echo:
Tief beeindruckt hat uns vor allem der Nachweis, dass die Kreisverwaltung zusammen mit öffentliche und gemeinnützigen Institutionen ein Netzwerk zur Widereingliederung Hilfebedürftiger in Arbeit und Gesellschaft geschaffen hat, das seinesgleichen sucht.”

Das sollen Blitz gegenüber sogar “Vertreter aller Fraktionen versichert” haben, also auch Vertreter der Odenwälder Grünen, die nach außen hin den Eindruck erwecken, das (Odenwälder) Optionsmodell sei prinzipiell ungeeignet und ebenso den Eindruck erwecken, man nehme sich der Nöte und der Beschwerden der Arbeitslosen und sozial Schwachen an.
Da dürfte also wieder jemand lügen: Entweder Blitz oder die Grünen.

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One Response, Leave a Reply
  1. Schulz
    04 November 2005, 4:15

    Die Leistungen des Sozialamts sind tatsächlich “beeindruckend”. Allerdings beeindruckend schlecht.
    Die Vielfältigkeit des Angebots ist m.e. lächerlich. Wenn man schon Suchtberatung als Angebot darstellen muss stelle ich mir die Frage, ob Mitbürger mit einem Suchtproblem die in Arbeit sind NICHT an einer Suchtberatung teilnehmen dürfen. Wenn man schon Schuldnerberatung als Angebot des Sozialamts darstellt so stelle ich mir die Frage, ob verschuldete Bürger die in Arbeit sind per Gesetzesdekret davon ausgeschlossen sind. Und so könnte man sicherlich noch einige Beispiele nennen, was da als “beeindruckend” dargestellt wird und lediglich eine plumpe Stimmungsmache darstellt. Die Stimmungsmache hat m.e. nur den Hintergrund, von den Problemen des Sozialamts sowie dem Behördenleiter Erich Lust und dem Landrat Schnur abzulenken.
    Die Grünen nehmen hierbei m.e. eine sehr heuchlerische Rolle ein. Sie sind also tatsächlich nicht in der Lage gewesen die “Kein-Klage-Behauptung” des Landrats nachzufragen und demokratisch einzufordern. Indirekt erweisen die Grünen sogar dem Landrat einen Freundschaftsdienst. Durch die halbherzige wenn nicht gar heuchlerische Verhaltensweise der Grünen wird man sich sicherlich nicht an sie wenden, wenn man Probleme mit dem Sozialamt hat. Und anschließend kann dann der Landrat verkünden, dass trozt monatelanger Suche der Grünen nach skandalösen Fällen die Grünen fast nichts aufzuweisen haben, was im Sozialamt schiefläuft. Dabei ist es lediglich ein Nachweis, dass niemand mehr den Grünen vertraut. Im übrigen ist das Forum der Grünen urplötzlich vom Netz genommen wirden und die darin enthaltene Kritik auch verschwunden. Bei den monatlich erscheinenden Berichten der Grünen ist komischerweise mit keinem Wort die Sitzung des Sozialausschuss oder die aktuelle Beschwerdelage welche inzwischen das Echo (wenn auch halbherzig) erreicht hat erwähnt.

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