Thomas Wöhlert: Der ganz normale Wahnsinn auf der Bundesstraße – sonntags im Odenwald

>Sonntagabend auf der Bundesstraße 38 zwischen Reichelsheim und Groß-Bieberau: Wer jetzt noch nichts bei den großartigen Märchen- und Sagentagen erlebt hat, der kann etwas erleben. Vierzehn Kilometer Dauerstau über Stunden. Die Ampelphasen eine einzige Katastrophe. Links oder rechts warten mal zwei, mal drei Blechkarossen. Hinten und vorne stauen sich Tausende.
Nichts geht mehr. Also geht man besser. Zieht sich in abendlicher Frische die Joggingklamotten über und lässt den Stau auf dem nahe gelegenen Radweg einfach links liegen. Ausgangspunkt Brensbach: Die unfreiwillige Lichterkette reicht bis zum Horizont. Null Bewegung, null Gefahr. Denkt der erfahrene Pendler und lockert kurz die Muskulatur.
Aus der Blechlawine fragt ein Autofahrer entnervt, wie lange er noch dauert, der Stau. Die Antwort (zehn Kilometer mindestens) hat er wohl erwartet. Doch viel Zeit für weitere Erklärungen bleibt nicht. Denn das nächste Radler-Duo (natürlich unbeleuchtet) macht einen Ausflug auf die angrenzende Wiese unumgänglich.[…]
In der Ferne leuchtet Blaulicht. Im Stau steigen die ersten aus ihren Autos. Und provozieren im Gegenverkehr die nächsten gefährlichen Situationen.[…]
An der Einmündung Fränkisch-Crumbach ist dann das Undenkbare passiert. Beim Einbiegen in den Stau übersieht ein Auto- einen Rollerfahrer. Die Nerven liegen blank.
Zweihundert Meter weiter wieder zwei Radler, wieder unbeleuchtet. Nach dem Hinweis auf ihren Leichtsinn raunzt einer, was wir denn wollten. Vielleicht haben sie nach der Zeitumstellung noch gar nicht gemerkt, dass es dunkel ist.[…]
Der Unfall an der Crumbacher Kreuzung jedenfalls wirkt wie ein Pfropfen. Dahinter plötzlich völlige Stille. Kein Wagen weit und breit. Die letzten Meter vergehen wie im Flug. Im Auto ist man eben doch sicherer. Denkt man so vor sich hin, als plötzlich von hinten ein bajuwarischer Tiefflieger vorbeischießt. Mit Standlicht und 180 Sachen. Der kommt dann fast ins Schleudern, als er von einem Offenbacher Kleinwagen ausgebremst wird, der auf der jetzt freien Strecke mit 45 Stundenkilometern vor sich hin zuckelt. Nerven behalten. Es ist eben der ganz normale Wahnsinn auf der Bundesstraße – sonntags im Odenwald, wenn ein Wochenende mit Ausflugs-Wetter zu Ende geht.< Quelle: Odenwälder Echo, Normaler Wahnsinn, 1. 11. 2005

Ein Gedanke zu „Thomas Wöhlert: Der ganz normale Wahnsinn auf der Bundesstraße – sonntags im Odenwald“

  1. Was hier nicht erwähnt wurde, sind auch manche (nicht alle) Kradfahrer, die sich gerne das Recht herausnehmen, auf der Mittelspur nach vorne zu drängen. Auch hier manchmal nicht gerade im Schritttempo!

    Ich fahre schon jahrelang über das ‚Rondell’ (B 45). Auch hier lassen sich ebenfalls oft Merkwürdigkeiten feststellen… Vom Rondell in Richtung Höchst darf man nach der Bienenhauskurve max. 100 km/h fahren. Manche fahren dann hier 40 oder 50 km/h. Jedoch, wenn es unter der Brücke nach Höchst hinein geht, fährt so mancher dann plötzlich wieder 60 – 70 km/h. Ich muss sehr oft stark abbremsen, da es wie ein Sog ist, der den eigenen PKW mitzieht…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.