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Mittwoch, 1. Februar 2006

Mohammed Karikaturen: Pressefreiheit weniger wert als Palette Joghurts

von @ 3:49. Kategorien: Medien, Unbestimmt

Gewöhnt man sich im Westen allmählich daran, für den Islam eine Ausnahme bei der Verteidigung von Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit zu machen?
Weil ein Filmemacher und Publizist sonst riskiert, von einem fanatisch-religiösen Psychopathen auf offener Straße buchstäblich abgeschlachtet zu werden (Theo van Gogh), eine Frauenrechtlerin und Abgeordnete wegen eines Mordaufrufs sich kaum noch frei bewegen kann (Ayaan Hirsi Ali), auf einen weltberühmter Schrifsteller (Salman Rushdie) von einem Mitglied der Staatengemeinschaft (Iran) bzw. dessen religiösem “Führer” (Khomeini) ein hochdotiertes Kopfgeld ausgesetzt wird, unschuldigen Zivilisten und Journalisten vor laufender Kamera der Kopf abgeschlagen wird - im Namen und zur Ehre des “Propheten” (Daniel Pearl), Bomben in Zügen und U-Bahnen hochgehen, so dass wahllos Kinder, Männer und Frauen für die Sünden westlicher Regierungen büßen (Madrid, London)?

Spiegel Online fasst heute Stimmen aus einem Diskussionsforum zu diesem Thema zusammen:

>Die ganze Nacht hindurch haben SPIEGEL-ONLINE-Leser darüber debattiert, wie eine angemessene Reaktion auf die Veröffentlichung der Karikaturen des islamischen Propheten aussehen könnte und was überhaupt von den Karikaturen zu halten sei. Die Mehrzahl der Diskussionsteilnehmer sieht den Abdruck durch die Pressefreiheit gedeckt.
Sich für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen, hieße ein weiteres Stück Freiheit zu opfern, um vor dem “Islam zu kriechen”, schreibt ein Diskussionsteilnehmer. Schließlich sei es in einer freien Gesellschaft erlaubt, Religionen zu kritisieren und auch zu karikieren. “Wenn sich fanatisierte Muslime dadurch beleidigt fühlen, ist das ein zumutbarer Preis dafür, dass sie in Europa in einer freien Gesellschaft leben”, pflichtet ein anderer bei.
Die “Wachsweichheit” des Westens und das “Unvermögen zu seinen Werten zu stehen”, würden irgendwann dazu führen, dass “uns alles um die Ohren fliegt”. Dass sich der Chefredakteur von “Jyllands Posten” - nachdem arabische Länder mit einem Boykott dänischer Waren gedroht hatten - entschuldigte, zeige, dass den “Dänen der hehre Wert ihrer Pressefreiheit tatsächlich weniger Wert ist als eine Palette dänischen Joghurts.” Sich für eine freie Meinungsäußerung zu entschuldigen, hieße das Wertesystem islamischer Fundamentalisten zu akzeptieren, und zeige, wie sehr man vor der “Macht des Öls zittert”. Oder sportlich ausgedrückt: Die Entschuldigung habe eine “Falltorwirkung” und bedeute ein “1:0 für den Bart des Propheten”.

Die Reaktionen des Westens zeigen nach Meinung vieler Leser eine allgemeine Tendenz auf. Seit der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Goghs durch einen radikalen Islamisten in Amsterdam habe sich die Haltung von Politik und Medien nicht geändert. Immer noch würde man sich Drohungen von islamischer Seite “einfach beugen”. Nicht die Dänen müssten um Verzeihung bitten, sondern vielmehr die Länder, die mit Gewalt und Hass auf die Freiheit von Kunst und Presse reagieren.< Quelle: spiegel.de, “Pressefreiheit weniger wert als Palette Joghurts”, 1.2. 2006

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